Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1770 (19.1.1924)
- Date
- 1924-01-19
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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Äv. 1770 Wien, Samstag Ueberemkommen führen werden, das die Uu1erb:r:l:rng eines endgültigen, vollständigen Entwurfes an die Rcparatious- Ämmrsision ernroBicheil locrde. Sk „Lehrbehelfe" ungarischer Univerfitätshörer. Beschlagnahmungen von Gewehren, Patronen und Dynamitzünder. — Mehrere Verhaftungen. Budapest, 18. Jänner. (Tel. der „Wiener Morgeirzeitung".) Die Blätter me'töteu, dag die Polizei in den Wohnungen mehrerer UniverrsitätShörer zwanzig Man« licher-Gcwehre mit geschärften Bajonetten, mehrere mmfenö Patronen sowie verschiedene Dynamitzünider und Revolver beschlagnahmt hat. Mehrere Personen wurden verhaftet. Die Verhafteten sollen an den Bombenaltentaten der jüngsten Zeit beteiligt gewesen sein. Die Obcrstad!'hauptmannschaft hat Nie Untersuchung eingeleitet, wieso solche Mengen von Waffe»: und Munition, entgegen den Vorschriften der Standrechtverordnnng, in Budapester Privatwohnungen versteckt gehalten werden konnten. Im Interesse der Untersuchung wird die Adresse der Wohnungen vorläufig nicht bekanntgegeben. Die Iewish Agemy. Konferenzen Dr. Weizmanns mit Führern der jüdischen Resorurbewegung in Amerika. In Cincinnati hatte der Präsident der Zionistischen Organisation, Dr. .Weizmann, eine Konferenz über die I e w i s h A g cn c y mit den Führern des amerikanischen Reformjudentums. Er sprach vor einer Gruppe von etwa 40 Vertretern der Neformidec. Unter dieser: befanden sich der Präsident des American Union College. Dr. Julian Morgenstern, der Herausgeber des „American Jsraelite" Doktor Leo Wisc, Richter Robert Marks, der Präsident des B'nai B'rith-Ordens Philipp Cohen u. a. Dr. Weizmann berichtete über das wachsende Interesse, das bei den Führern der amerikanischen I u d e n h e i t in: östlichen Teile Amerikas für die Iewish Agency besteht, und machte mit feinen Ausführungen starken Eindruck. Von Cincinnati reiste der Präsident nach Chicago, wo er Ehrengast einer Tagung der Zionisten des mittleren Westens war, die von 50 Städten durch mehr als 1000 Delegierte beschickt war. Auch während seines Aufenthaltes in Chicago hatte Dr. Weizmaim eine Beratung mit maßgebenden Persönlichkeiten der Refornlkreise, unter anderem mit dem Vorsitzenden Ordens B'nai B'rith Adolf Kraus. Die Demission Dr. SoloweiMNr. Dieser Tage hielt das administrative Komitee d^r Zionistischen Organisation Amerikas gemeinsam mit den amerikanischen. Mitgliedern des großen Aktionskomitees Hermann Cohnheim, I. Fishmann, A. Goldberg und Morris Rothenberg eine Sitzung ab, in »velcher das Ausscheiden Dr. Soloweitschiks ans der Zionistischen Exekutive besprochen lvurde. Es wurde eine Depesche nach London abgesandt, in welcher die Beteiligten die Einberufung einer Vollsitzung des großen Aktionskomitees verlangen, an tvelcher sich auch die amerikanischen A. C.-Mitglieder Eiligen könnten. Knigungsbestrebungen m der Wische« Srthodoxie in Amerila. Aus N e w - A o r l meldet I. T. A.: Gemäß einer auf der letzten Zusammenkunft des Exekutivkomitees der Union orthodoxer jüdischer Bereinig »rüge, n in Amerika angenomimenen Resolution hat die lt n i o n an den Präsidenten der M i s r a ch i -- O r g a u »-- sation Rabbiner Meyer Berlin nnV den Vorsitzenden der Agndas-Jisroe'l Abraham Goldstein schriftlich die Aufforderung gerichtet, ein Komitee von drei Personen zu lvählen, das ein Programm der Z usammruarbeit der jüdischen Orthodoxie 1 n A ur e r i k a ausar-beiten soll. Die Union bietet sich als Vermittler zwischen den beiden OMmsationen an. Aus Palästina. Bekanntlich hat der im Vorjahre in Bagdad verstorbene Großkaufmam: Sir Ell'is Kadoorie testaimeiNarisch ein Legat von 120.000 Pfund für Bildnng 3 zwecke in Palästina ausgesetzt. Die palästinensische Negierung gibt nun offiziell bekannt, das; sie diese iestamentarische Bestimmung genehurige, jedoch werde sie diese Surmne nicht alleiiu jüdischen BÄdungszwecken, sondern solchen aller Teile der B e v ö l k e r u n g gukommen lassen. Da die Msicht des Leiwtars, wie allgenrein bekannt ist, daraus gerichtet war, jü- - >.sch-tnlturelle Zwecke in Paläsiuia zu fördern, hat oer Waäd Hair von Jerusalem beim Oberkonnnissär Sir Herbert Samuel Protest erhoben. Das Mitglied der Ziomftrschen EMltiive Colonel Kish und der Direktor des jüdischen Bitdungstvesens Dr. Lurie süli reu jetzt in dieser AMiIegenheit VerhaMungen mit den R egt c runigsbehördeu. Tem bekannten amerrkElsch-ijMschen Philauthrvpeu ücachan Strauß, der jetzt mit seiner Gemchlin in Jeruisalem we-ilt, wurde in: .dortigen Beth-Haan: Än feievlicher Cnlpfang bereitet. Gegenwärtig weilt auch Nathan 2 aski, Mitglied des Board os Depnlies der britischen Juden, in Jerusalem. Rabbiner D'rmsou, welcher vor kurzen: in Palästina an-gekotlMlen war, mi int Aufträge der Rationafoudskomnnssioil für England der: Besitz des Jüdischen NatiancHcmds in Palästina M besichtigen,, ist in .Jerusalem plötzlich verstorben. Seiden-.Futter-, _Wiener Mnvflenzeitung. _ 19. Jänner 1924_ " Seite 8 Set lerror bei de» letzte» Wahlen. 8l»e Rede der vemelnderater Dr. Plaschker. Der Gemrinderat bewilligte in seiner gestrigen SitzriW ^Nachtrags-, Zuschuß- und Betriebskredite im Betrage von rund 15 Milliarden Kronen, wobei es wiederholt zn Plänkeleien zwischen Majorität und Minorität kam, die eine Reilfe von BeschwMden vorbrachte. Bürgermeister Seit; erklärte, in allen konkreten Fällen die Untersuchung einzuleiten. Unter den bewilligten Krediten befindet sich ein Betriebskredit von 2500 Millionen für die technischen' Werkstätten der Humanitätsanstalter: in Lainz und ein Mehrerfordernis in: Betrage von 120 Millionen Kronen für die Arbeitslosenunterstützung. Eine sehr lebhafte Debatte löste das Referat des Stadtrates Richter über die Kosten der. Nationalrats- und Gemeinderatswahl 192« aus. Der ganze Wahlkampf mit all seinen Häßlichei: Begleiterscheinungen wurde da aufgerollt und es tvaren da ganz besonders die Ausführungen des Genreinderates Dr. Ploscht es, welche von allen Seiten des Hauses mit größter Aufnwvksamkeit und größtem Interesse, aber oft auch mit Heiterkeit angchört wurden, wenn er schlagfertig die Zwischenrufer abfertigte. Gemeinderat De. Plaschkesr Wenn wir hier heute schon über die Kosten der National- und Gememderatswahl vom 21. Oktober 1923 sprechen, so muß ich mir einige allgemeine und einige besondere Bemerkungen gestatten. Wahlen haben, meines Erachtens, Weltanschauungsgegensätze im Zeichen des Kampfes mit dem Stimmzettel aus-' zutragen; das zMssrge Mittel dieser Wahlpolitik bildet die vernünftige Propaganda, niemals aber List und Getvalt. Vom Dagesgetriebe abgestumpfte Schlagworte muß man sich ja schließlich gefallen lassen, die Vergewaltigung aber'ist verwerflich. Was die Wahlkämpfe so unangenehm macht, sind die Ansbrüche des Machtwahnsinnß der großen Parteien, welche sich zur .Knebelung der Minderheiten unter Rückstellung aller Gegensätze zusammenfinden, ihre Machtstellung im Wahlgesetz kodifizieren, und schließlich im Wahlkampf mit allen, auch mit den unzulässigsten Mitteln der trotz aller gesetzlichen Schwierigkeiten austnuckenden Minderheiten Herr zu werden suchen. Wenn ich also heitie <üs einziger Vertreter der jüdischen Minderheit gegen die Vorgänge bei den Oktoberwahlen Stellung nchme, so richtet sich men: Protest gegen die Anwendung vor: List uub Gävalt im Wahlkamps und gegen den Machtwahrvsinu der Parteien, der es den Minderheiten unmöglich .gemacht Hai. hier in entsprechender Zahl ihre Stimme zu erheben. fZwifchenruse). Wenn ich Beispiele für Unfug bei den Wahlen «mführe, will ich mich hauptsächlich auf meine Erfahrungen in der Leo-- poldstadt und Brigittenau beschränken, obwohl die Dinge in den anderen Bezirken für die jüdische Wahlgerminfchaft nicht viel besser standen. In der Leopoldstadl allerdings war der »legen uns viel abscheulicher^ denn hier wurde von jüdizialdemo traten, die Angst um ihre Mandate hatten, die Wahlpropaganda mit allen Mitteln der List, Lüge unä> Gewalt geführt, und Sie wissen gar nicht, wie grausam Juden gegen Juden kämpfen können. Die Brigittenau durfte mcht zuruckstehen, auch hier fanden sich Juden, die den Aufträgen te8 bekannten Herrn Janecek bis zum äußersten gefügig waren. In einem Orkan des Hasses wurde der Kampf gegen die Juden geführt, die Plakatwände und Litfaßsäulen röosten eine deutliche Sprache und man konnte das Programm der Parteien leicht erkennen. Die Sozialdemokraten beschrieben den Bankjuden, die Christlichsozialen den Gewerkschaftsftrden und die Großdnttschen de:: Wuchersuden. Me natürlich fanden sich in größter Selbstverständlichkeit im Schlagwort: „Dar Jud". (Heiterkeit.') Die sozialdemokratische Partei hat ihre Gesinnung, dir sich auf Lehren eiives D'iarx, Engels und Lassalle gründet, durch Plakate illustriert. Diese Plakate waren das Unerhörteste, was der Judenschaft bisher von einer Fveiheitspartei geboten wurde: feiste jüdische Gesichter, die sich darüber freuen, daß der arme Arier Kriegsanleihe gezeichnet hat, als ob nicht auch arme Inden Milliarden an Kriegsanleihe verloren hätten. (Lebhafte Heiterkeit.) Ein Rabbiner im Ornat, welcher zur Beschneidung der Christlichsozialen erscheint, ein Bild (lebhafte Heiterkeit, Zwischenrufe), .das geradezu Ritualn:or.dstimmmrg erzeuge:: konnte, Jude:: mit Schläfenlockeu, Kaftan und gebogenen Füßen, welche Seipel und W'aber. Wahlbündnisse autragen, als ob die Herren Sozialdemokraten das Packeln mit Seipel gar nicht verstünden und nicht wüßten, daß die Juden mit den Schläfenlocken in großer Zahl ihre Wähler waren. (Beifall links.) Die atmen jüdischen Proletarier, die nach der Sever- VeWvdnung ausgawiesen und nach der PrapiS Richters des Heimatsrechtes beraubt loer-den, die haben sie nicht ansgeoeickMt. Auch nicht die armen jüdischen Studenten, Die von den HakenkreuKlern aus den Universitäten hmrv.tSgchvügel't worden. Davon sollen die Arbeiter nichts erfahren. Rur den Hakenkrenzlergeist wolle» sie in der Arbei-terschast befestigen, aber dieser Geist kann ihren Führer:: sehr »mangenehm werden. (Zwisckienvn'fe des GemÄnderates Qrel.) Die Christüchsozialen haben sich in diesen: MMkampfe tvchen der AllLtandskrediie lein Wenig Zttrückgehalten. Aber sie konnten sich schließlich nicht damit begnügen, getaufte Jrrden aus ittrre Kandidatenliste zu. setzen, sie mußten ihre „christliche Nächstenliebe" nach dem großen Vorbild der Sozialdemokraten in GWdevrr an die Straßereecken Ae'ben. Die Jicken mit den: großen Gsldben,tvl ilwrrden ausgezeichnet und dabei gan<z vergessen, daß die reichen Juden, mindestens der heute so vielgenannLe Jrtde Basel für diesen schönen gegen die Juden gerichteten Wahttauchts nicht itnr uacl> links, so-ndern auch «nach rechts seine Gaben verschwenderisch verteilt hat. (Lebhafte Heiteübeft.) Nach diesen Vorarbeiten komrt-e es schon nicht mefy: wundernehmen, daß .den Juden auch die Aufvufe 'beider Parleien Mgingen. -welche Zu-muchMgen gegen die Verinnrft :md unglaubliche Angriffe >gege:: die Ehre enthielte:,. Ms einen Angriff 'gegen die Ehre »uch gegen die Vermmgft bezeichne ich es, wenn Bnndes'kanster Dr. Soivl an- . nimmt, daß ein faksimiliertoi' Brief von seiner Hand Jude:: bewegen dürfte, die WüvdLloisigkcit zu bsychrn. -die Liste Seipol- Kiunschak-JerMbek zu wählen, auf welcher rücht ::ur der Landesgerichtsrai Weinberger, sondern Mch der Cwritesriese Orel als Kandidaten prangen. (Zwischenrufe der Gemeinderate Kimschak >und llutermüller.) Nner'lwrte Älngrisfe gegen dir persön>lrche Ehve der Kckndidaten bat sich die Partei der Rechtsgleichheit und' der politischen Freiheit, ' die Sozialdemokratie, m der Leopoldstadt und Brigittenau geleistet. Man .hat jüdischen Kandidaten als Streber und Reklamehelden stigmatisiert, obwohl wir die Posten eines Bürgermeisters, Stadtrates, Direktors einer gemeinwirtschaftlichen TMetnehmuirg usw. niemals erreichen können und unsere Mandatsausübung die schwersten wirtschaftlichen Schädigungen mit sich bringt. (ZustimnMng littks.) Ja, die Herren so-Mldsnwkratü scheu Jrtden der Leopoldstadt sind soweit gegangen, den Stricker, den Ehrlich und den Plaschkes ans Plakaten als .Hakenkreu^ler, sÄbsiverständlich auch als Hausherrenvertreter, hinziOellen. Daß uns die Sozialdemokraten in ihrer bekannten Art als Vertreter einer Gesamt- 'heit von B ö r s en j o b b e r u u n d Ausbeuter n bezeichnet haben, war m:r uock) eine nebensächliche Gvschemunf dieses Wahlkampfes. Biel interessanter waren die Versammlungen. sotvohl in der Leopolidstadt als auch in der Brigittenau . .. Bon den ChriMichsoiziallen und den' Ha-kenkveuKvrn wurden wir nicht behelligt, von den Mischen SoZvaGsmokraten aber mußten wir Re unglaiMchsten Roihötteir eufahren. Nur rwbenbei erlvühne ich, daß fast in jeder Bevsammiluna eine größere Zahl von Sozwiibentorkvawn als SeMtnge evschienen, welche mttcr Fichrung prominenterer Genossen diese zu sprengen versuchten, Einigemale — ich sch'bst habe das bei drei Versammlungen evlebt — ioar sogar der oepublikonische Schutzbund, die soziÄdsnwkvlltische Ordnerwchr, so R-elbenswückdig, in unseren VerfauM:Iur:gen Ordnung zu «machen, indem sie die Tellnohmer mit Holzknütteln bedrohte und die Beendigung der VerisammluuMn herbeiführte. NatiüMch au ihrer Spitze immer Juden, znm Beispiel in der DvigAen'au der berüchtigte Chain: Leib Se'Izer, ivelcher auf der Kvndidateniltste als Schlosser angegeben wird, tatsächlich aber ein Ratenhändler ist. (ZwischeiMtse: Hört! Hört!) Bei dicher GelagenheHt kann «rch es mir Nicht versagen, ans die tadellose, objektive, vovbÄdliche Haftung der Beamten des Dtagistrats, wÄche mir de:: WahlangÄegeüheiten befaßt waren, zu verweisen. Nur ihnen ist es zu verdanken, daß den Juden nicht noch nrehr Unrecht gcschchen ist, als Hn-en geschah. Sie habe»: es verhindert, daß zuinr Beispiel in der L-eoPolÄstadt die .HerausreNa.mierunigei: des Herrn Körbe r Erfolg haben 'konnten, der uuwcchrer Weise lebende WWer als toi, Ortsanwesende als abweisend airtb Unbescholtene als Beralr teilte hermrsveklamieren wollte, wenn ihm ihr jüdischer Name nicht patzte. Ich muß sagen, daß gerade in diesen Fülle:: auch bei Ablauf der Bcfchwerdeftist^ die Beamten sorgfältig vor' gimgen, nm Uureckst zu ver>lnviden. Uiid soll ich nun von: Terror am Wahltage sprechen, davon, ivas sich soMdömotvatnsche AHatoren an Gewafttätigkeit leistete«. Ich erwähne «ott zwei Dinge: Das Vorgehen gegeMber den Juden, welche das HermÄsrecht in den letztsn Äü>naten erlMgt haben, und die VeÄrettung von Wahllügen am Wahltage. Ich habe schon wickdechM von den Verleihungen des Hsimawechtes an Juden, gegen ihre Erklärung, sogialdamockratisch zu wählen, gesprochen. Es fällt mir natürlich nicht ein, Änen Namen zu nennen und irgendeinen Juden schien zu wollen, der das Heimatsrecht erlfangt hat. Aber die SozialdMlokraten haben die Eiühaftung der gesetzwidrigen Versprechungen überwacht, und die -m>aMn dieser neuen Hsimatsb«vsch!üWen wrrrden schon zetiÄich in der Frühe von Bertt'M«nsmä«mrern mit mchr oder weniger sanfter Gewalt zur Wahl geschleift. Disko Tatsache Lonme von unseren Agitatoren an verschiedenen Steven der Leopoldstadt und der Brigititenrn glsichzeitiig konstatiert wevden u:^> ist jederzeit dbenso eüweis'lich, wie die Tatsache, daß Jude»:, ivelcbe ihr Wort verpfändeten, daß sie so§ia!denwkrwt'iisch'. tvästlen werden, das Heimaisracht erlangten, und solche, die sich wicht in die Origanisation erntsch^De»: ließe»:, trotz Micher oder noch günstigerer Voraussetzimgr»:. abgLwirse»: wuvden. Das niedrigste Stück aber war die Berbrettung ei»:es Unazettels, der von 10 Uhr vormittags an am Wahltage an die jüdischen Wähler der Leopbldstcrdt und Brigittenan verteilt und versendet wurde, in welchem die sozialdemokratische Befsirksorgamsation sich folgenden Wahlschwindel leistete: Der Bürgermeister unterbricht den Redner und erklärt, er lasse die Bespvech»n:g dieser Sache als nicht zum Gegenstand gehörig nicht zn. Redner setzt trotzden: seine Darstellung fort: Mit blauen Lettern auf weißen: Papier, fordert das „jüdische^Wahlkomitee" in letzter Stunde die Juden aus, da die bisherige Abstimmung — um 10 Uhr vormittags — ergoberr Hat, daß die jüdische Wahlgenreiirschaft kein Mai»dat erlangen kan»r. alle Stimmen unbedi»:gt aus die sozialdemokratische Liste zu vereinige»:. (Urtterbrechung durch den Bürgermeister.) Die Wahlschwindler müsse»: gepackt 'werden und wenn sie noch so hoch stehen in der sozialdemokratischer: Partei. (Znstimnrung links.) Bei dieser Ar^ reiner Wahle»: ist es natürlich kein Wunder, werrn die jüdische Wahlgemeinschast trotz des von der „Avberter-Zeitllng" konstatierten Stiurmen« zutvachses von 35,7 Prozent gegenicber 30,1 Prozent der Sozialdemokrate»: nnd 19,8 Prozent der CYriMchsozialen mit ihren 25.000 abgegebenen Stimmen nur ein einziges GemeinderatsMandat erlangen koimte. Das ist natürlich iiidjt bloß aus der: Terror während der Wahljeitz Jonben» auch auf die ganz unerhörte Ungerechtigkeit der Wahlordnung ArrückMisührer:. Was die Schöpfer des Wahlgesetzes beabsichtigt haben, haben sie für die nächsten fünf Jahre erreicht. Dre kleinen Parteien sind ün Nattonalrat urwertreter: und im Gemeinderat soll ick) sozusagen der „letzte Mohikaner^ sein. Von etwa huirderttmrsend jüdischen Wählern Wieirs hat ein Viertel die Liste der Wahlgenremschaft getvählt und trotzdem nur ein Gemeinderatsma»:dat erlangt. . Das ist feilt Wunder bei einem Wahlsystem, bei dem die sozialdemokratische Partei mit 573.000 Stmnnen, das sind 56 Prozent der abgegebenen Stimmer:, 66 Prozent der Sitze erwerben koruttc. 50.000 großdeutsche, 25.000 jüdische, 18.000 bürgerliche, 14.000 Leinokratische und 8000 kommnmstrsche, zusammen 11-5.000 Stimmen gingen leer ans, also mehr als ein Neuntel sämtlicher abgegebenen Stnnmen konnten sich in Wien nicht durchsetze»^ weil es den Sozialdemokraten nicht gefällt, ein anständiges, ehrliches, gerechtes Wahlrecht zu schaffen. Die Chrrstlichsozialen sind ebenfalls benachteiligt. Wahrend die S.n wmmiMn**