Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1770 (19.1.1924)
- Date
- 1924-01-19
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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wie» ft wggym »f» uMftuwm'ipnn m iwwwwnOTfri Hpt» n -WWM? %mwwy> Sette L Wien, Samstag Politik der berufsmäßigen Waffe massier in den Weg. treten werden. Da alle Verträge dem Völkerbund vorgelegl werden müssen, wird inan bald erkennen, welche Absichten knapp vor Torschluß auftauchten. Set friedliche Inhalt der tschechisch-französischen Vertrages. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Prag, 18. Jauner. Der „Benkov" widmet seinen heutigen Aettarttkel der Reise des Dr. Benesch noch London, die nach Ansicht des Blatts dazu dienen soll, die in Großbritannien wegen deZ kschecho-slowakifch-französischen Lcrt^rgeZ heovorgemfenen Befürchtungen zu zerstreuen. Man habe den Vertrag i« britischen politischen Kreisen ganz unrichtig attfgefotzt, indem man in ihm ein gegen Deutschland gerichtetes Instrument erblickt habe. Dr. Benesch werde demgegenüber auf die vollständig unagressiven Tendenzen des Vertrages Hinweisen, dem jede Spitze gegen Deutschland fehle. Der Minister werde Gelegenheit haben, den Standpunkt der Tschecho-Slowakei mit bezug auf die Reparationen darzulegen, der dahin gehe, daß diese Frage nur durch ein gegenseitiges Einvernehmen aller beteiligten Staaten, nicht aber durch ein gewaltsames Einschreiten irgend eines Staates gegen Deutschland zu regeln sei. Er werde ferner Gelegenheit haben, Lord Curzon seine Befriedigung über das italienisch-jugoslawische Abkommen zum Ausdrucke zu bringen und damit kundzutun, daß dieser keineswegs den Absichten der tschecho-slowakischen Außenpolitikwiderspreche. Schließlich werde er die in der englischen Oeffentlichkeit verbreitete Meinung, daß die Tschecho-Slowakei zwischen Frankreich und Rußland vernriteln solle, richtiastellen mit dem Hinweis darauf, daß die Tschechoslowakei als kleiner Staat es a b l e h n e, eine Vermittlerrolle zwischen Großechten zu spielen. Stallen - Führer der kleinen Entente? Berlin, 18. Jänner. (Tel-Komp.) Nach einer Wieldung -es ,Kokalanzeigers" aus Rom verlautet in dortigen Regievungskreisen, daß auch die Verhandlungen Italiens mit der Tschecho-Slowakei vor dvm Abschluß stünden. Es soll ein Vertrag zustande kommen, wonach Triest b:m tschechischen Handel geöffnet würde. Damit besäfse die kleine Entente in ihrer Gesamtheit den Z ugang zur Adria, was in wirtschaftlicher Hinsicht einem Wiederaufleben der Habsburgifchen , Doppel Monarchie gleichkäme, allerdings unter Kontrolle und Gewinnbeteiligung Italiens. Prag, 18. Jänner. Me Beratungen üben den i t a l l ettisch - t s ch e ch o - s so w äk l sch e n Handelsvertrag nehmen eine» befriedigenden Verlauf. Ans dem D e p e f ch e n w e ch f e l zwischen Dr. B e it e f ch und Ministerpräsidenten Mussolini geht hervor, daß die Delegationen der beiden Staaten von den Gefühlenherzlicher Freundschaft beseelt find. In den Depeschen wird die Ueberzeugung ausgesprochen, daß die Verhandlungen zur vollkommenste» wirtschaftlichen Zusammena r b e i t der beiden Länder führen werde. Lntethansdebatte über die Lhronrede. (Eigendienst der „Wiener Morgvnzeitung".) London, 18. Jänner. Die Debatte über die Antwortadresse zur Thronrede wurde heute im Untevhau.se fortgesetzt. Der Arbeitspartoi'ler Thomas antwortete auf die an der Politik der Labour Party geübte Kritik und sagte, die Lobour Party möge Fehler gemacht haben, aber er glaube, daß sie, wenn ihr der Vorzug zuteil würde, die Regierung bilden zu können, ihre Erfahrungen und ihr Bevantworilichkeitsgefühl betätigen werde. Schatzkanzler Medille Chamberlain verwarf die Aktion der Liberalen, eine Labour-Regierung ins Loben zu rufen, deren Aspiration, wie er sagte, all dem entgegengesetzt sei, wofür der Liberalismus eintritt. Die Abstimmung bleibt für Montag abends Vorbehalten und haben die Parteiführer ihre Mitglieder in Anbetracht der Eisenbahnstreikgefahr zum Verbleiben in London ausgefordert. Sie Streikbewegung in England. London, 17. Jänner. (Wolfs.) Nach einer Besprechung mit den Eisenbahndire-ttoren und dem Vollzugsausschuß der Lokomotivführer- und Heizervereinigung erklärte Henderson, er Wnne keine Möglichkeit entdecken, den Ausstand zu vermeiden. Der Sekretär der Bereinigung erklärte ebenfalls, der Streik sei jetzt sicher. Das Ergebnis der Abstimmung unter den englischen Bergarbeitern ist, daß sich ungefähr 510.006 Arbeiter für die Kündigung des gegenwärtigen Lohnübereinkommens und etwa 110.000 Arbeiter dagegen ausgespochen haben. Ties bedeutet keinen Streik, sondern lediglich, daß das jetzt in Kraft stehende liebere inkommen drei Monate vor seinem Ablauf gekündigt wird. Inzwischen soll mit den BevgwerkSbesitzern unterhandelt werden. Henderson vermittelt. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung") London, 18. Jänner. Artur Henderson, einer der Führer der Arbeiterpartei, trat gestern als Mittelsmann zwischen Eisenbahndirektoren und den v e r e i n i g s e n GewerkschaftenderLokomottvfiihrerund Heizer auf, deren Mitglieder drohen, Sonntag um Mitternacht ^18 Protest gegen die Lohnherabsetzung i n den AuSstand zu treten. Henderson hatte mehrere Besprechungen mit den Direktoren, doch konnte bis abends kein Erfolgerzieltwerden. Der Versuch, eine Einigung herbeizusühren, wurde allerdings nicht n n? g e g eb e n. Man hofft, daß es gelingen wird, den drohenden Etrsik abzuweude». Wiener Morgen-eitung. Die Sachverständigenkommission. ~ Paris, 18. Jänner. (Wölff.) Wie „New Ljork Herald" meldet, beraten gegenwärtig die Sachverständigen jeder für sich die Fragen, die sich aus der ersten. Sitzung des Sachtz-erständigenausschusses ergeben haben. Man nimmt an,, daß Reichsbantpräsivent Dr. Schacht Montag werde gehört werden. Ein Fragebogen iür Dr. Schacht. Berlin, 18. Jänner. (Tel. der „Wiener Morgenzsitung.) Außer dom Reichsbankpräsidenten Dr. Schacht, der bereits nach Paris abgereist ist, hat sich auch der frühere Staatssekretär Dr. Bergmann, der schon wiederholt in offizieller Mission in Paris geweilt hat, dorthin begeben. Die Sachverständigenkommission hat beschlossen, Doktor Schacht einen Fragebogen zur Beantwortung vorzulegen. Die Anrsvrache Marx-Knilling. Einvernehurrn über die Behandlung der bayrische« Denkschrift. Homburg v. d. Höhe, 18. Jänner. Die Begegnung zwischen dem Reichskanzler Dr. Marx und dem bayrischen Ministerpräsidenten Dr. v. Knilling hat heute stattgefunden. Die Aussprache erstreckte sich insbesondere aus die. bayrische Denkschrift - zur Revision der Weimarer Verfassung über deren geschäftliche Behandlung ein Einvernehmen erzielt wurde. Der Reichskmner gegen Rechberg. Ablehnung einer Audienz des Industriellen. Berlin, 1Ö. Jänner. (Wolfs.) Wie den Blättern-imtgeteilt wird, hat AvmÄd R e ch b e r g beim Reichskanzler um eine Audienz angesucht. Der Reichskanzler hat es aber a b g e l e h n t, ihn zu empfangen, weil die Angelegenheit, die Rechberg zur Sprache bringen wolle, im wesentlichen offenbar die technische Seite der Reparationsfrage betreffe, ein Eingehen in Einzelheiten dieses Fvagekreises jedoch kaum ersprießlich wäre Kahrs Dittatnr. Selbst der Regierung sind einige Kahr-Erläste unbekannt. München, 18. Jänner. (S. Ä.-B.) Die wiederholt geforderte Zusammenstellung der Anordnungen und Verfügungen des Generalstaatskommistiärs ist nunmehr dem Parlament zugegangen. Im Vevfassungsausschuß mußte Staatsminister S ch Weyer unter lebhafter Bewegung der Linken zugeben, daß die Staatsregierung von verschie.iwnen Verfügungen ' und Maßnahmen deS GerreralstaatSkommissariäts bisher fein# Kenntnis hatte, da sie der Regierung nicht vorgelegt worden sind. Sin Postfiuanzseseh. (Eigendienst der „Wiener Morgvnzeittmg".) Die Postverwaltung — geschäftlich unabhängig. Berlin, 18. Jänner. Die Reichsregierung hat ein Postfinanzgesetz ausarbeiten lasten, durch das die deutsche Postvevwaltnng nicht mir finanziell, sondern auch geschäftlich unabhängig gemacht werden soll. Der neue Gesetzentwurf bildet bei den Verhandlungen zwischen dom Reichspostministermm und der bayrischen und württembergischen Regierung den Hauptgegenstand der Beratungen Sie «Mischen. Berlin, 18. Jänner.. (Tel. der „Wiener Morgenzeitung".) Ein Teil der, Deutschvölkischen hat sich zu einer neuen Partei zusammengeschlossen, die den Namen Deutsche Partei führen soll. Die neue Partei gibt auch bereits ein Nächrichtenblatt heraus, in dessen erster Nummer sie sich mit einem Aufruf an das deutsche Volk wendet. Die Deutschnationalen haben die Auflösung des Reichstages und die sofortige Ausschreibung von Neuwahlen beantragt. Zum Schutze der Wahlen fordern sie die Aufrechterhaltnng des militärischen Ausnahm 8z u st a n d e s, über dessen Fortdauer dann der neue Reichstag zu beschließen hätte. Die bayrische Negierung und der Hitler- Prozeß. München, 18. Jänner, (S. K.-B.) Im BerfafsungsauSschuß erklärte der Innenminister Dr. Sch Weyer gegenüber verschiedenen Anfragen, daß die Regierung alles Interesse daran habe, daß im Hitler--Audmdorff»Prozeß volle Klarheit geschaffen werde und, daß sie nichts zu verheimlichen habe. Deutsche Techniker für Rußland. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Riga, 18. Jänner. Auf der Durchfahrt nach Moskau hat derersteLrupp deutscher Ingenieur» und Mechaniker Riga passiert, die in den russischen Flugzeugfabriken verteilt werden sollen. Die Sowjetregierung hat den Flugzeugfabriken den Auftrag zur Herstellung von 800 Apparaten erteilt. , Demission Dr. Habrmans? •ptog, 18. Jänner. (Tel. der „Wiener Morgenzeitung*.) In politischen Kreisen verlautet, daß der Minister für soziale Fürsorge, H a b r m.a n, der s ch w e r z u ck e r l e i d e n d lst> z u demissionieren g e d enke. Als sein Nachfolger gilt der ehemalige Fürsorgeminister Dr. Leo W i n t e r. H abrman wie Winter sind Sozialdemokraten. Die Ernennung Samoystt». Warschau, 18. Jänner. (P. T.--A.) Das morgige Amtsvlatt wird die Ernennung des Grafen Zamoysk-i zum M.mijtor des Aeutzern veröjjenttiHon, _19. Jänner 1924 Rr. 1770 Spiritusmonopol in Polen. (Eigendienst der ,Miener Movgonzoit>ung".). Warschau, 18. Jänner. Wie Ihr Korrespondent erfährt, wird die Regierung einen Gesetzentwurf zur Monopolisierung der SpirituSindustrie wahrscheinlich noch Ende Februar dem Sejm vorlegen. Die polnischen Faszisten. Warschau, 17. Jänner. (Poln. Tel.Mg.) Die polizeiliche Untersuchung in der Affäre der faSzistischen Organisation ist beendet. Die Men sind den Gerichtsbehörden übergeben worden. Gestern wurden noch weitere fünfzehn Mitglieder der Organisation verhaftet, von denen jedoch zehn wieder auf freien Fuß gesetzt wurden. Galinski ist fwigelassen worden. Er veröffentlicht im ,Mrjer Poranny" Einzelheiten über die Organisation der „Bereitschaft der polnischen Patrioten". Die Ingoslawisch-rumiinische Grenzreselung. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) LslgraS, 18. Jänner. Die Uebergabe der an Rumänien efallenen Gemeinden hat heute begonnen. Die rumänische Armee letzte die Gemeinde Älein-MoSlos. Am Sonntag wird die südslawische Armee die Gemeinde S e tz a u an Rumäriien übergeben. Wasfeusabriken in Kragusewac. Belgrad, 18. Jänner. (Tel. dyr „Wiener Morgenzeitung".) Die Regierung plant die Errichtung zweier großer Waffenfabriken in Kragujewac, und zwar einer Gewehrfabrik mit einer täglichen Leistungsfähigkeit von 200 bis 260 Gewehren und einer Patronenfabrik mit einer täglichen Leistung von 300.000 bis 400.000 Patronen. Das zum Bau nötige Grundstück ist enteignet. Die Unternehmer verpflichten sich, innerhalb von zwei Jahren 110.000 Gewehre und 100 Millionen Patronen herzustellen. Die Fabriken werden ständig 1000 Arbeiter beschäftigen. Muffolinis Kandidatin. Rom» 18. Jänner. (Telegramm der „Wr. Morgenzeitung"). Nach den Abendblättern wird Mussolini Bel % den bevorstehen »n Wahlen mNeapel und Mailand kandidieren Regierungskrise in AesMen. Kairo, 17. Jänner. (Reuter.) Die Gesamzahl der in die Kammer gewühlten Anhänger Zeglüls beträgt 177 von den 207 bereits besetzten Mandaten. Sieben Wahlergebnisse sind noch ausständig. In offiziellen Kreisen wird die Demission des Ministerpräsidenten fiir mittelbar bevorstehend angesehen. Die Moffulfrage. London, 18. Jänner. (Tel. der ,/Wiener Morger zertung".) „Daily Telegraph" meldet, daß dem neuen diplomatischen Agenten der Türkei in London, I u s s u f Kemal Bei, bei seinem gestrigen Besuch im Foreign Office mitgeteilt worden sei, daß die britische. Regierung Verhandlungen mit der Türkei über die Moffulfrage zuistimme und Sir Perch Cooks als Vertreter Großbritanniens entsenden werde. rrohkps Kamps. Berlin, 18. Jänner. (Del. der „Wiener Morgen» zeitung".) Nach Mitteilungen, die in später Abendstunde in Berlin eintrafen, soll Trotzkh von allen seinen Stellungen zurückgetreten sein. Zu seinem Nach-- folger im Obersten Kriegsvat sei vorläufig K a m c n e w ernannt worden, zum Obevskkommaudieren'den der Roten Armee sei General B u d j e n n h ausersehen. Eine Bestätigung dieser Meldrmg liegt noch nicht vor. Ungarns Reparattonen. Das Völkerbuudkomitce unterzeichnet nicht die Protokolle. London, 17. Jänner. (Havas.) Unter Annahme der ftanzösischen Ansicht hat das Komitee zur finanziellen Weder« auifrichtung Ungarns beschlossen, das politische und finanzielle Protokoll nicht zu unterzeichnen bevor die Reparationskommffsum den Zahlungsplan fastgestellt haben werde, der für Ungarn während der Periode für die Amortisierung der Dölkerbundanleihe zu gelten habe. Das Komitee begründet dies damit, daß Artikel 10 der Agenda nicht sestsetzt, ob die von Ungarn unter dem- Titel Repavattonsleistungen verlangte Srtmme ^besondere Zahlungen an die kleine Entente in sich 'begreifen werde oder nicht. Die beiden Protokolle könnten daher erst errichtet werden, sobald die Reparaitionskommission diese Lücke ausgesüllt haben werde. Im Laufe der Sitzung -verwiesen sowvhl Minister des Aeußern Dr. Benesch als auch der serbische Delegierte darauf, daß es zweckmäßig wäre, die Einfügung der aus den Vereinbarungen der Belgrader Konferenz stammeniden Zusatzonträge zu verlangen, die sich namentlich auf die Fragen der Grenzen, der Anerkennung der territorialen Bestimmungen in den Verträgen von Trianon und der endgültigen Absetzung der Habsburger beziehen. Die Repavationskümmission wird diese Zufatzanträge Prüfen. Ministerpräsident Graf Bethlen teilte mit, das; er eine mittlere Jahressumme von zchn Millionen Goldkronen als Reparationsleistung tvährend der Periode für die Ainovtisierung der BMerbundanleihe mit progvessiyer Staffolung nach der Sanierungsperiode für die ungarischen Finanzen annehme. Der der Repavationskommiffion nntevbreite'te Eiüwuvf sieht die Kontrolle der ungarischen Finanzen durch einen neutralen Oberkommissär Md durch einen aus dem Schoße der Reparatäonskommission zu bildenden Finanzausschuß mit einem in Budapest sitzenden Delegierten vm. Die Arbeiten des Wiederaufbauausschusses werden noch ' bis Montag oder Dianstag dauem, Mcm hofft, baß sie zu einem