Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1770 (19.1.1924)
- Date
- 1924-01-19
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2979076-2980834-2980853--17478-3004485- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Etnzelnnimner K1000 Wien: Zum Abholen in der Expedition, II., Tab or str .1 -3, Oder in einer Verschleisstelle (TrafiM monatl. K 28.000 Strassenverkauf in Wien düreh die Kolporteure der Firma Goldschmied!, 1.8er., Wollzeile 11. Mit Postversand für Wien n. Oesterr. monatl. K 28.000 Ts che ch o-S 1 owakei: Mon. K17. Insroslawien: Mon. Dinar50. Polen: Mon. polnische Mark 2,200.000, Deutschi.: Mon. Goldmark 3.-—, Frankr., Relgien: Mon. Frcs. 10 UNIT Naetijzabltiosren *58# hei F’reiser'aöhuns'tn vorbebalteD m- W/ IrA \o DAYSI ■fe\TA60ft8TR/<f Sir. 1770 WBHBBW Wien. Samstag. 19. Sännet 1924 Po:<sn: [Join.MJc.lüOOO Italien: Monatl. 12 Ur< Rumänien Mon. 130 V* Bulgarien Mon. 75 Lew* Schweiz und das übrig Ausland monatlich; Frost. Redaktion u. Adrainisfratio» Wien, II., Taborstrasse 1—J Telephone: 44-0-38,43-3-19 ab 6 Uhr abds.19-483,25-2» Tel- Adr.:„Morgei»eitnnv' Wien Oesterreiehisches Postspat kessen-Konto Nr. 150.69 WD«WMWWW>WMWW« 6. Mrgang Paris, 18. Jänner. (Tel. der „Wiener Morgen- ^ertunA".) Ministerpräsident P o i n c a r e hielt auch heute in der Kammer eine Rehe, in der er zunächst das Ausland apostrophierte, das wissen soll, daß man nicht ans Meinungsverschiedenheiten unter den Franzosen rechnen dürfe, um die Rechte Frankreichs vermindern zu können. Ich muß jedoch, sagte Poincare, gegen die Erklärung d.;s Abgeordneten Herriot protestieren, wonach die Konferenzen von London und Paris nur Fassaden gewesen seien, weil die Regierung schon damals entschlossen gewesen sei, das Ruhvgebiet zu besitzen. Frankreick werde jederzeit alles, was nottrendig sei. fruit, um sich mit seinen Verbündeten zu verständigen; es werde sich aber niemails von iMendjanmntdoni ins Schlepptau nehmen lasten. Der Ministerpräsident verlas sodann einige. Stellen ans dem G e l b b u ch, aus denen hervorgehe, daß er gar 'nicht daran gedacht habe, allein ins Ruhvgebiet zu gehen, sonderen hei Bonar Law daraus gedrängt habe, daß England sich dem Vorgehen Frankreichs anschließe. Er sei erst, nachdem er sich der Zustimmung her M-ehvh-it der Reparationskommission vergewissert habe, im Einvernehmen mit Belgien und Italien ° Vovgegangen. Frankreich habe nur die. .Wahl gehabt, entweder ohne England.ins Ruhvgebiet zu marschieren oder Deutschland die Freiheit Kr gehen, die teit an der Nase herumzufichren. Poincare betonte, ferner den Willen Frankreichs und Belgiens, weder auf die Gnade des Reiches noch auf die Gnade der interessierten Mächte angewiesen zu sein, was der Fall wäre, wenn der Vertrag nicht durchgeführt würde. Wir ha>ben, schloß Poincare, in der Stunde gehandelt, wo wir für unser Recht zu handeln hatten und wo wir soweit es überhaupt möglich war, sicher sein konnten, daß unser Schritt gelinge. Der Ministerpräsident erinnerte sodann an den Bruch der finanziellen Front de.r Alliierten durch England und an die Lage Frankreichs und Belgiens, die dem pasiiven Widerstand Deutschlands Mein gegenülbovstanden. Der Ministerpräsident verwies auf die Bemerkung' H e r r i o t s, daß er gegebenenfalls sich weigern würde, das Ruhrgebiet zu raumen: er habe also damit sozusagen zugegsben,. daß die Regierung allen Grund hatte, dorthin zu gehen. Redner sti mit Herriot eines Sinnes in der Meinung, daß das Ruhrgebiet kein genügendes Pfand -darstelle, Frankreich und Belgien hätten auch schon daran gedacht, Pifänder rm nichtbesetzten.Gebiet zu ergreifen. Aber diese Pfänder müssten an diejenigen, die Frankreich und Belgien bereits blitzen, hinzngefügt werden und -dürften sie nicht ersetzen. x$ genügte ins Ruhrgebiet zu gehen, um besten Reichtum;n erkennen. Der Sperling in -der Hand gelte mehr als eie Taube auf dem Dach. Mamver am Panamakanal. Marine- und Jnfanterieaktronen. tEigendienst der „Wiener Atorgenzeitung".) Ncw-Aork, 18. Jänner. Gestern begannen, wie lln »Versal Telegraph Agency meldet, große k o m b u r i c r t e Manöver der amerikanischen Land- und sechreitkräfte, wobei der Panamakanal als Hauptrngrrssspunkt einer feindlichen Flotte angenommen wurde. Die Pazifische Flotte passierte den Kanal, um den von der 'cm-dlichen Flotte im Hafen eingeschlossenen amerikanischen 'lrwgsschiffen zu Hilfe zu kommen. 25 Schlachtschiffe, l Kreuzer, 63 Torpedobootzerstörer, 11 Unterseeboote, $2 Hilfskreuzer, 23 Minenwerfer nebst einem Flugzeugpark, Hilfsschiffen sowie einem großen Aufgebot cm uandstreitkrästen nahmen an dem Manöver teil, wobei Im weiteren Verlaufe seiner Rede kam Poincare auf die A lli auz p o l i tik zu sprechen und erklärte u. a., das Verhältnis der kleinen Entente - zu Frankreich kennzeichne enge Freundschaft. Frankreich 'heiße das Abkommen zwischen Jugoslawien und Italien bezüglich der Adria herzlich willkommen. - - . Poincare stellte sodann die B e r t r a n e n s f r a g c. Die Kamnrer stiinmte mit 415 gegen 151 Stimmen für die Priorität dieses Antrages und nahm mit 446 gegen 122 Stimmen den-ersten' Teil der Tagesordnung, und mit 445 gegen 126 Stimmen den zweiten Teil der Tagesordnung an. Der gesamte Antrag , wurde durch Handaufheben crngenomen. Poincare fordert Vertrauen über Vertrauen. Paris, 18. Jänner. Die Finanzkommission der Kammer hielt heute vormittags «ine fast dreistündige S i tz u n g ab. Poincare und der Finanzminister wurden über die Vorlagen der. Regierung angehört. Poincare erklärte von neuem, daß die Regierung sowohl für die Dringlichkeit als auch für die Anncchme der Vorlagen. die Bertrauensfrage. stellen werde. Die neuen. Vorlagen bedeuteten aber keineswegs, daß Frank- , reich, auf MneRej^Uptronsanspichche verzichten werde. Die MuWWnMl «ne» WtzsWgM-imterbrosteri?^ s '' s' Neue Wahlen rtn Mar. (Cigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Paris, 18. Jänner. Die Blatter heben hervor, daß die gestrige Regierungserklärung nunmehr die Wahlen für d e n M o n a t M a i angekündigt habe. Ministerpräsident Poincare sagte darüber: Die Kammer wich wahrscheinlich im Mai vor der Bevölkerung Rechenschaft ablegen. Da von der Linken der Zwischenruf fiel „Söll dies eine Verlängerung der Mandatsdauer bedeuten?", erwiderte Poincare: Ich wollte sagen, spätestens im Mai. Im weiteren Verlauft feiner Rede aber wiederholte er: Die Wahlen finden im Mai statt. In parlamentarischen Kreisen glaubt man, daß die Wahlen nnnmehr vermutlich am Sonntag den 4. Mai stattfinden werde«. Hiermit seien die Projekte der Rechte», entweder die Kammerwahlen vorzeitig nn März <Aznhalten oder die Mandatsdauer zu verlängern, gefallen, desgleichen die von der Linken gewünschte Anberaumung der Wahlen für Beginn des Monats April. Das von Poincare festgesetzte Datum bedeute ein Kompromiß, indem zwar die Mandatsdauer nicht erstreckt, aber doch der Kammer die Möglichkeit geboten werde vor die . Wählerschaft erst zu treten, wen« die sanierende Ausw i.r k u n g der geplanten, die Bevölkerung belastenden Finanzreformen fühlbar sein werde. Infanterie die Verteidigung des Panamakanals durchführt«. In den Besprechungen der amerikanischen Blatter wird besonders hervorgehoben. daß an dem Manöverplau die Voraussetzung verblüfft, daß vom Atlantischen Ozean her ein Angriff durch eine Seemacht ersten Ranges überhaupt denkbar sei. ES gebe da nur eine Seemacht, die in Frage kommen könnte, tut*» das fei die Großbritanniens. Schweizer klmriseverbot Kr RM? Rom» 18. Jänner. (Telegramm der „Wr. MorgenzeitunF"). Dem früheren italienischen Ministerpräsidenten und Außenminister N i t t i, der beabsichtigte, sich über die Zeit der italienischen Wahlen nach der Schweiz z« begeben, soll die Einreise seitens der Schweizer Paßbehörden v e r w e i g e r t worden sein. Bor Torschluß. —y. SBiett, 19. Jänner Zur Anwesenheit des tschechischen Außennünisten Bene sch in London liefert der „Venkov", das führende Organ der tschechischen Agrarier, somit der maßgebenden tschechischen Partei, einen beachtenswerten Kommrntar. Man erkennt daraus, daß der tschechisch-französische Vertrag auch fiir London eine Ueberraschung war, die man jetzt vor dem vollkommenen Systemwechsel nicht ausreifen lassen - will. Benesch muß in London beschwichtigende Erklärungen geben, die ziemlich wert gehen, so weit, daß man in der Erinnerung an die vergangenen Zeiten der Kabinettspolitii mit ihren wort- und blumenreichen Friedensverficherungen nachdenklich werden muß. Es wird zu. viÄ von dem friedlichen Charakter dieses Uebereinkommens gesprochen. Wenn es so vollständig der aggressiven Tendenzen entbehrt und die: Fortführung eines schon bestehenden Verhältnisses ist, wozu wurde es geschlossen? Und weshalb gerade in dem Augenblick, wo das Eingreifen der Vereinigten Staaten in den Reparationsstreitin schüchternen Umrissen sichtbar wurde? In verschiedenen Reden hat Benesch den Gedanken ausgesprochen, daß die deutsche Frage ein allgemeines, nicht geographisch zu begrenzendes Problem sei, das imr durch ein Gnvernehmen zwischen' dort beteiligten Staaten, keinesfalls aber mit Gewalt -gelöst ' werden könne. Dies war auch das Grundprinzip der kleinen UMnhe,. das. MrigeyL. auch^etztharsch. GMvu nge u der führenden Staatsmänner dieser Gruppe bekräftigt worden ist. Es bliebe also nur die Mutinaßung, daß Frankreich durch die- Tschecho-Slowakei - die'kleine Entente für seine Gewaltpolitik gewinnen oder die Tschecho-Slowakei von diesem Konzern abziehen hatte wollen. Vielleicht war dies aus dem Wege, und die Besorgnisse, Lie man in London ausznsprechen sich beeilte, haben jedenfalls das Gute, daß es bei der Absicht bleibt. Die Beratungen der kleinen Entente konnten aber eben unter dem Druck dieses Ue'berraschnngsmomentes zu keinem positiven Resultat gelangen. Auch der italienisch-jugoslawische Vertrag wirkte nach dieser Richtung hin retardierend. Daß die so schwierige Streitfrage über das gequälte Fiume und den Baros-Hafen so rasch geglättet werden konnte, obzwar gerade dieser Punkt den Faszisten als ein Hauptgravamen ihres Putschprogrammes gedient hattet zeigt, daß Italien die Umgruppierung auf dem Balkan und im Mittelmeer, die ihm die Führung in die Hand spielt, gerne honoriert. Es hat den Anschein, als ob. sich alle Mächte beeilten, noch rasch vor dem Negierungsantritt der Läbour Party feste Positionen zu beziehen und Tatsachen zu schaffen, von denen, alle weiteren Verhandlungen ihren Ausgang zu nehmen haben. Daß sie. hierzu die letzten Stunden -des Kabinetts Baldwin. benützen, ist leicht erklärlich, und die ,Iimes" kritisieren diesen Umstand sehr scharf als eine Folge des Versagens der britischen Politik. Damit scheint es nun ein Ende zu haben. Die Reden der Londoner Arbeiterdeputierten klingen sehr energisch und zeigen'neben der vielfach sehr scharfen Ablehnung der bisherigen Pasiivität den festen Willen, damit zu brechen und zur außenpolitischen Agilität überzugehen. Es ist freilich nicht zu übersehen, daß die Arbeiterpartei ihre radikalen Reformpläne nicht gleich im ersten Waffengang wird verwirklichen können. Sie hat zunächst innere soziale Schwierigkeiten zu überwinden und muß. die Probe des drohenden Lokomotivfühverstreiks überstehen. Im Parlament ist sie-auf eine höchst labile Mehrheit angewiesen, der sie bereits die Konzession machen mußte, daß sie an der Entente festzuhalten beabsichtige. Aber sie strebt den Ausbau des Völkerbundes an," und dieser Plan, 'der in allen Kundgebungen der Partei aufleuchtet, wird sicherlich bis zu festen Tatsachen geführt werden, die der Intrigen- Sonntag, 20. und Montag, 21. Jänner >' t.l ftt"«