Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1766 (15.1.1924)
- Date
- 1924-01-15
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 8 Wien, Dienstag Wiener Morgenzeitung. 16. Jänner 1924 Ml 1766 guten Geist, aber sie wird unb kann nicht mit der Organisierung von Mörderbanden gegen die eigene jüdische Bevölkerung beseitigt werden. In: Gegenteil zeigt es sich, daß dieses Regime der Galgen und Bvmbenwerfcr das stärkste Hindernis gegen die Sanierung Ungarns bildet. Die kleine Entente hat sich darauf aeeinigt, von Ungarn die Anerkennung der heutigen Grenren zu verlangen, also die Irredenta aufm geben: weiters fordert sie Garantien geaen eine militärische Ve^enduna der Anleihegelder und die Absage an die Restaurationspropaganda. Die Konferenz hat sich auf diesen: Gebiete gegen heimliche Pariser .Herzenswünsche gestellt und es ist für den Geist der Beratungen lehr symptomatisch, daß gemäß ausdrücklichem Beschluß der Konferenz, Benesch diese Forderungen in London vortragen und lommentieren wird. Die vsWsche Bewegung. Die englische Regierung zieht Informationen ein. London, 13. .Jänner. Nach einer Meldung der „Mormng Post" ist der britische Generalkonsul in München. Clive, gestern früh nach der Pfalz abgereist, um sich : m Auftrag seiner Regierung über die durch die separatistische Bewegung in der letzten Zeit geschaffenen Zustände zu o r i e n t i e r e n. Seine Abwesenheit von München lverde etwa fünf Tage dauern. Französische Widerstände. Berlin, 14. Jänner. Nach einem Privattelegvamm „8 Uhr-Blattes" aus München wurde, dem von der englischen Regierung mit der Untersuchung der Vorgänge kr der Pfalz beauftragten englischen Generalkonsul in München von einem Beamten der Münchner französischen Gesandtschaft erklärt, seiner Reise stehe nichts im Wege, aber eZ wäre besser, wenn er einen franzökische n Offizier zur Begleitung mit nehme. Daraufhin habe der Generalkonsul erwidert, er danke vielmals, e.r werde allein reisen. Nach den letzten Berichten soll ihm tatsächlich ein französischer Zivilist beigegeben worden sein, der ihn auf seiner Inspektionsreise. begleiten wird. Die Leichenfeier für Heintz. Hetzer, 14. Jänner. Gestern wurde für den ermordeten Separattstenführer Heintz hier eine Leichenfeier veranstaltet. Der BischofvonSpeyer hatte die kirchliche Beisetzung Heintz.' verboten. Bei der Leichenfeier, der die Bevölkerung' demonstrativ strublieb, hielt der französische General de Me.tz die Trauerrede: er Gezeichnete Heintz als Freund Frankreichs. Eine Geheimorganisation. Frankfurt §. M., 14. Jänner. Nach einer Dttldung -des „Echo du Rhin" hat die französische Sicherheitspolizei m Ludwigshafen die Geheimorganisation „Treue Hand" entdeckt. Man glaubt sranzölrscherseits, einen Fingerzeig gefunden zu haben, der z ur Aufhellung des Attentates in Speyer beilragen könnte. Heintz' Nachfolger. Speyer, 14. Jänner. (Wolfs.) Den: Vernehmen nach ^rt der wegen Spionage und Unterschlagungen vorbestrafte 23jährige Separatist Major Kuhn aus Speyer '« der sogenannten vorläufigen Negierung als kachfolger von Heintz-Orbis die Präsidialer, s ch ä f t e übernommen. üeyaratiftische Kandidaten für den Reichstag? (Eigendünst der „Wiener Morgenzeitung".) Berlin, 14. Jänner. Der rheinische Separatistenführer jlatu§ hat im Namen des völkischen Unabhängigkeitsbundes ms Düst-eldorf an den Reichstag eine Anfrage gerichtet, ob ne separatistischen Kandidaten, die eventuell bei en nächsten Wahlen in den Reichstag gewählt würden, Immunität genießen würden und in persönlicher und parlanentarischer Freiheit ihr Amt ausüben könten. Reichstagsprärdent Loebe beantwortete dieses Schreiben dahin, daß jeder wn deutschen Wählern gesehmäßiv gewählte Abgeordnete Me Rechte eines Abgeordnete,: genießen würde; ausgenommen leien jedoch solche Personen, die sich des Verbrechens des Hochverrates schuldig machen. Die entsprechenden Schlüsse — heißt es in dem Schreiben weiter — werden Sie selbst darm§ ziehen können. Lrrhaftnngen der Knmpane Ludendorffs. München, 14. Jänner. (Tel.-Komp.) Der völkische Schriftsteller Major a. D. K ö r b e r ist ans Veranlassung des Generalstaatskommissariats verhaftet worden. Er soll verbotene nationalsozialistische Blätter verbreitet haben. Der Sekretär Ludendorffs, I l s h o e f e r, ist seit SamStag in H a f t. Blutige Stnilmmchen im Ruhrgebiet. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Berlin, 14. Jänner. Durch den Beschluß der Konfereng des deutschen MetallarbeiiervevbandeS über den Generalstreik, wonach es den Orgainsattoiu.n überlassen WM, selbständig in der Streitfrage vorzugchen, ist es in mehreren Orten des Ruhrgebietes zu Zusammenstößen zwischen Streitenden und Arbeitswilligen, beziehungsweise der Polizei g-ekommen. Besonders großen Umfang haben diese Unruhen in Gelsenkirchen angenommen, wo es zu schweren Z njammenstößen mit der Polizei kam, die mit bl an- ZaWMföWeit " 's 7 " . Dar Kontrollprogramm der Zachverständigen. Amerika in der Kommission. - Keine Ersirterung der Ruhrsrage. - An Saniernnassukem für Deutschlands Budget. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitnng".) Paris, 14. Jänner. Die erste Sitznng des mit der Untersuchung des Budgetgleichgewichtes des Deutschen Reiches betrauten Sa chve vstäitdigoniausschu sses ist heute um 11 Uhr vormittags eröffnet worden. Der Beobachter der Bere'i<ni'.gten Staaten von Amerika, Log an, führte die amerikanischen Sachverständigen ein. Der Präsident der Ropavationskommisiion Barth o u hieß die Mitglieder des Ausschnstes willkommen und erklärte, die Kommission erwarte nicht das Wunder einer Mvermuieten Lösung der Ropawtronsfvage, sondern hoffe aufrichtig, daß die Kompetenz umb die Autorität der Mitglieder dazu beitragen werden, die Erzielung eines Ergebnisses zu beschleunigen. Er betonte, daß der Vertrag von Versailles die Urkunde sei, in deren Rahmen die Arbeiten mit voller Unabhängigkeit und hoher Un- Parteilichkeit verfolgt werden müßten. Das Gleichgewicht im deutschen Budget Md die Stabilisierung der deutschen Währung, zwei miteinander verknüpfte Probleme, seien die ersten wesentlichen Bedingungen für eine RegeluiNg der Relpavatioinen selbst. Um damit Erfolg zu haben, fuhr Barthou fort, werden wir die bereits genmchteir Äudien sowie jedes notwendige Schriftstück Ihnen zur Verfügung stellen. Die Delegierten werden ihre Arbeitsmethode selbst bestimmen können. Deutschland stcht nach dem Vertrag d i e g erechte Möglichkeit zu, sich Gehör z:: verschaffen. Sie werden es in jener Form anhöven, die Ihnen als die zweckmäßigste erscheint. Wir wünschen lebhaft, daß seine Regierung nnd seine Verwaltung Ihre schwierige und verwickülte Aufgabe erleichtern. Man muß zu einem Ende kommen. Die Gläubiger Deutschlands und Deutschland selbst sind nicht die einzigen, die an der Regelung der Repavationsfrage inteveffiert sind. Es ist nicht übertrieben, zu sagen, daß da§ friedlich« Gleichgewicht der ganzen Welt davon äbhängt. Die gesanrte Kommission ist e-rfveni über die Mithilfe der Anroriikaner. Die SWußfolgerungen des Ausschusses werden dadurch einen wertvollen Zuwachs an Autorität gewinnen. Barthou bot schließl'rch General Dawes den Vorsitz an. General D a w e § hob in seiner Antwort an Barthou hervor, daß die Sachverständigen ohne vorgefaßte Meinung gekommen seien und fügte hinzu, daß der Ausschuß ffug gehandelt habe, als er nicht züließ, daß Fragen außenpolitischen Dhcrvakters wie die der Gesetzmäßigkeit der Ruhrbesetzung in: Schoße des Ausschusses erörtert werden. Wem: wir, erklärte Dawes, zu Vorschlägel: gelangen, die geeiignet sind, die finanzielle Lage D e u t s ch l a n d s w i e d e r h e r z ust e l l e n, werden wir etwas in Vorschlag gebracht haben:, was der Rsparationskonmüssion ermöglichen wird, Deutschland wieder auf den Weg zur Produktivität §u bringen, die der A u s g a n g s p u n k t für das G cdeihen Europas ist. Dawes schloß: Man muß ein System arffstellen, um: die deutsche Währung zu stabilisieren. und zwar derart, daß nwn das Wasser finde, um die Mühle, das heißt das deutsche Budget, zu speisen. Nachher tvevden wir die Mühle sMst bauen. Der Ausschuß, der bis dreiiiviertel 1 Uhr nachmittags versammelt war, hat die Arbeitsmethode festgeleg 1 und eine Anregung Dawes' angenommen, zuerst die Stabilisierung der deutschen Währung zu studieren, die' in der nächsten Sitzung erörtert tverden wird. lieber den Verlauf der zweiten Sitzung des Sachverständigenausschusses, die heute abends stattfand, wurde kein Bericht veröffentlicht. Die Mitglieder des Ausschusses mußten sich durch Ehrenwort verpflichten, der Oeffentli chkeit keine Mitteilung über die Sitzung zu mache::. Jas deutsche Eigentum in Amerika. New-Jork, 14. Jänner. (Wolff.) Nach einer Meldung der „World" aus Washington empfiehlt der Treuhänder siir das beschlagnahmte Eigentum ehemaliger Feinde dem Präsidenten C o o l i d g c die sofortige Gründung einer Bundeskörperschaft, die, gestützt auf die beschlagnahmten Vermögenswerte, den deutsch-amerikaüiischen Handelsverkehr wieder zu beleben hätte. Gr erklärt, daß 180 Millionein Dollar verfügbar seien, die aus dem Ertrag des fremden Eigentums erzielt würd-on. Diese Vermögenswerte könnten sehr vorteilhaft zur Wiederherstellung der Handvlsbezieihrmgön verwendet werden, so daß alle anerkannte-:: amerikanischen Forderungen an Deutschland ausdemGewinn gedeckt werden könnten. Darm könnten die Vermögenswerte selbst gegebenenfalls den rechtmäßigen Eigentümern überwiesen werden, wodurch jede Konfiskation fremden Eigentums vermieden werden könnte. Der Trerchänder fügte hinzu, daß die völlige Regelung der Frage des beschlagnahmten fremden Eigentums mehrere Jahre in Anspruch nehmen werde. m (Slegante ^Modelle in gestrickten 'Westen etc. * IDEALS1RUMPF I. TRATTNERHOF 2 (Graben) ra> ker Waffe die Arbeitswilligen schützen mußte. Eine große Anzahl Streikender wurde verletzt. Die Unruhen nahmen einen solchen U:nfcmg an, daß französisches Militär die Straßen räumen mußte. Man befürchtet, daß sich die Unruhen morgen fortfetzen und der Streik im ganzen Ruhrgebiet Ausdehnung gewinnen wird. Aalten und Zvsoslawien. Nincte' Mitteilungen über den Vertrag. (Eigendieilst der „Wiener Mvrgenzeitung".) Belgrad, 14. Jänner. Die Basis des italienisch-jugoslawischen Uebere:nkomme>ns, wovon Minister des Aenßern Nineic am Schluß der letzten offiziellen Konferenz der kleinen Entente die Teilnehmer verständigte, sollen folget Punkte bilden: 1. Italien verpflichtet sich, alle Bestimmungen des Vertrages von Rapallo zu erfüllen ltmlb alle mit den: früheren italienischen Minister des Aeußern Mrasen Sforza schriftlich festgelegten Abmachungen zu respektieren. 2. Das Königreich S. H. S. überläßt Italien die volle Fvecheiit hinsictMch der Organisation des Finnraner Staates. , 3. Jugoslawien wird das Recht ciuf die Benützung des. Fiumaner Hafens auf 50 Jahve eingeräumt. 4. Italien und das Königreich S. H. S. werden einte Handelskonvention abWießen. 5. Beide Staaten sind pvimipiell gecreigt, einen politischen Vertrag mit gegenseitiger Garantie des heutigen territorialen Besitzstandes aibzuschließen. In Mtevrichteten Kreisen schreibt man den Abschluß der italienisch-jugoslawischen VevhaMungon hinsichtlich Fiumes der Intervention Mussolinis zu, in dessen Auftrag kurz vor dem Zusanrmontritt der kleinen Entente der itallienische Vertreter in Belgrad, General Vordere, die Vechandlunge:: zum Abschluß geibracht haben sott. Die Belgrader Blätter besprechen die Liqu,idierung der jugoslawisch-italienischen Differenzen mit großer BefriedigMg und begrüßen den bevovstchsnden Abschluß eimS Bündnisvertrages ans der Grundläge der Garantier:: ng der abgeschlossenen Verträge. Die „V r e m e" bezeichnet das Bündnis als eines der GruiUdeleimente der Stabilisierung nnd der Sicherheit d e 8 europäischen Friedens. Das Bündnis sei von unschätzbarer Bedeutung auch für die innere Konsolidierung des füdsiawischen Staates, indem es die .Hoffmtngen der mnstürzlerischen Elemente zerstöre, die ihre Kraft aus den Z w i st i g k e i l •?:: mit Italien schöpften. „Politika" schreibt zu dom Mschluß des Vertrages zwischen Jugoslawien und Italien: Der Vertrag von Rapallo ist nunmehr in der Blüte seiner Jugend gestochen. Das ist fiir Mussolini eine günstige Wendung. Als er zur Rogieumg kam, erklärte er sehr entschieden, die abgeschlossenen internationalen Verträge seines Vorgängers zu erfüllen, doch hat er auch hier getvartet und die Erfüllung uvgiert. Nun ist es so gekommen. Das ist auch für Jugoslawien eine g it it st i g c Lösung, ebenso g:": n st i g wie für Mussolini. Me Entredue Mische« Pasir-Muffoiini. Belgrad, 14. Jänner. (Dschecho-slowakisches. Preßbureau.) Die Regie rungskreisen nahe stehende „Vrenre" »neldet, daß für die nächste Zeit eine Z u s a m ni c nk u n f t zwischen P a s i e, N i n c i e und M n s s o l i n i geplant ist. LemMon des serbische« Kriegsministerz. Belgrad, 14. Jauner. (Tschecho-slotvakisches Preßbuvean.) Kviegsminister Pesic hat den: Ministe rpräsideuten Pasic feine D e n: i s s i o n überreicht. Ile nsichfte Konferenz der kleinen Entente. (Eigendienst der „Wiener Morgeiizettung".) Belgrad, 12. Jänner. Die Minister Dr. Benesch, Dnca und Dr. Nineic haben beschlossen, die nächste Konferenz der kleinen Entente cntw-'d 'r I it » i oder Juli in Prag abzuhalten. 5854