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Wiener Morgenzeitung · 1924-01-13 · Heft 1764 (13.1.1924) · p. Seite 5

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1764 (13.1.1924)
Date
1924-01-13
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Mm, Ddmttag Wiener MoLgenzeikung. Seite l SK. 1764 /... Die amerikanischen Faden in der Fewish Agency. LrklLrmtgen Dr. WeizmannS in der Hadassa. New-Zork, 9. Jäumr. (I. T. A.) Dr. LH. WeizmaM aahm an einem Gesellschaftsaibend der atneri'kanischen zionistiischen Fvauenorgauttsatron Hadassa toll. Dr. Weizm<vnn mrterftvich in seiner Ansprache die Bedeutung der HadassaMGeit für die Verständigung zwischen der Bevölkerung Palästinas. Er -sagte unter anderem: ,Mn Krankenhaus in Palästina ist ein besseres diploniatischeJ Mittel, run Inden und Amber zusammenzwsiihren als alle diplo-natischen Zeitungen es sein könmen." Dr. Weignrann sagte weiter, die Juden der ganze n Wo l t müßten gemeinsam die Lasten für den Ausbau Palästinas noch weitere zehn Jahve tragen. Er teilte mit. daß seine Bemühungen zwecks Zusammenschlusses der Vertreter verschiedener Richtungen der a m e r i k a n i s ch e n Judercheit aus der Plattform der Jewish Agency bereits Erfolge gezeitigt haben. Verhungernde Mische Arbeiter. Die Wirtschaftskrise! in Lodz. Lodz, 10. Jänner. (I. T. A.) Die schtveren wirtschaftlichen Verhältnisse in Polen, veribunden mit großer Avbeitslosigteit, haben das Elend unter der Mischen Avbeiterschaft im höchsten Grade gesteigert. E r s ch ö p f u n g s t o d infolge Hungers iist eine häufige Erscheinung. Allein in Lo dz sind in den letzten Tagen drei jüdische Arbeite r, ein Weber, ein Lastträger und ein Tischler infolge Erschöpfung durch Hunger aus der Straße zusamnrengebrochen und gestorben. Polens Wirtschaftslage. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) , Warschau, 12. Jänner. Der Vertreter Aoungs, Hick- ,on, reiste heute nach London, um dort über die Wirtschaftslage Polens Bericht zu erstatten, woraus er mit Aoung zusammen wieder nach Warschau zurückkehren wird. Die zwischen Hickson und Grabski stattgefundene Konferenz er- -zab eine vollständige Uebeveirstimmung. Ser Beamtenabban in Pole«. (Eigeuoienst der „Wiener Morgenzeitung") Lemberg, 8. Jänner. Die Regievung gcht daran, im Rahmen der finanziellen' SanievungSaiktvon eine ziemlich durchgreifende Reduzierung der Staatsüediensteten durchzufuht^n. Me Reform dürfte sich für das niedere ohnehin aim schlechtesten cjniMjnte Personal besonders empfindlich fühlbar machen. Vor allem hat dbe hiesige Postdivektion zunächst ungefähr vierzig verheiratete Postbeamtinnen gegen eine monatliche GchaltSabfertigung mit 1. Jänner enthoben. Unter diesen Beamtinnen befinden sich auch solche mit mehr als zehnsähviger Dienstzeit, die noch in österreichischen Diensten «standen und ihre Penfionsberechbigung erworben halben. Die ungarische Anleihe. Verhandlungen Karolyis in Paris. — Bethlens ^letzte Reise". (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Budapest, 12. Jänner. Der Pariser Korvesporckent des „Pesti Hirlap" meldet seinem Blatte, daß Graf Mchael Karolhi in Paris weile, wo er mit Diplomaten der kleinen Entente gegen die ungarische Anleihe verhandle. Derselbe Korrespondent erfährt aus englischer Quelle, daß die Festsetzung der Reparationsverpflichtungen den Erfotz der Anleihe bedrohen würde. Bezüglich der Reise Bethlens nach London erklärt Abgeordneter R a s s a y in seinem Blatte, daß dies die l e tz t e Reise Bethlens sei. Sollte sie evfotzlos enden, so würde sie den Mißerfolg der ganzen Aktion bedeuten. Abschluß der Untersuchung über Aongrad. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Budapest, 12. Jänner. Die Arbeiten der UntersuchungSbehörd'en in der Efongroder Affäre sind nunmehr abgeschlossen und die ganM Akten, insofern« sie sich auf die an den Tag geförderten politischen Momente beziehen, nach Budapest geschafft worden. Es kann festgeftellt iverden, daß in dem Dossier die Fäden einer weitverzweigten U m st u r z a k t i o n' aufgedeckt worden sind, in deren Mittelpunkt Hejjas mit seiner Alf older Brigade steht. Ueber das gesamte Material wird heute den: Minister des Innern Bericht erstattet werden. Minister Raszkovsky ist unpäßlich, doch hat er sich die Erledigung dieser Angelegenheit Vorbehalten. Heute wird in seiner Wohnung eine Konferenz stattfinden, zu der die E h e f s d e r S i ch e r h e i t s b e h ö r d e n erscheinen werden. In dieser Konferenz soll darüber entschieden werden, ob und welche behördliche Verfügungen gegen Hejjas unternommen tverden. Es wird einen hartnäckigen Kampf geben, da Hejjas sich von seinen Anhängern a^ekehrt und ein Geständnis (?) abgelegt haben soll. Disziplinarverfahren gegen den Budapefter Vizebürgermeifter. Budapest, 12. Jänner. Der Minister des Innern hat als -berste Vorgesetzte Behörde gegen den Vizebürgermeister von Budapest Zilaghy-Kiß die Einleitung eines Disziplinarverfahrens und seine Suspendierung vom Arut verfügt, weil Zilaghy-Kiß anläßlich des vom Minister Grafen Klebelsberg gegen einige Mitglieder der Leitung des Vereines der Erwachenden Ungarn eingeleiteten Verleumdimgsprozesses sich, da er gleichfalls dieser Leitung angehört, mit den Angeklagten soljdavi[ch erMrt hat, . $DieV\j, JBildprslsfiarkt -c&öT&r t&nms et srourrtUjgß 2)ie neuesten 3/lod eile in grossen SUhend- und Stilkleidern Segen den Numerus clausus. Auch in der ungarischen Regierungspartei. Ms Budapest wird uns berichtet: Zum erstenmal, stiidom der Numerus clausus in Ungarin Gesetz wurde, ist in der N-ationalvevsanrnÄung von den Bänken der Regierungspartei eine Rede gegen den nur auf Juden angeweudolen Numerus clausus gehalten worden. Es war der Wg. Bertold Nemes, der in der Freitagsitzuing zu diesein Thema sprach uu» unter anderem ausführte: ,ßo selbstverständlich ich es finde, daß jedermann in gleicher Werse geschätzt werden müsse, der in ehrlicher Gesinnung die ihm Übertragene Arbeit erfüllt, so begreiflich finde ich es auch, daß sich in den Jahren nach den Revolutwnen die Erbitterung in Äine-m gewissen Grad van Reaktion geäußert hat, namentlich in jenem viel besprochenen Gesetz vom Numerus elanfns. Ich bin überzeugt, daß dieses Gesetz ht der Form und in dem Sinn, wie eS seinerzeit zustande kam, über kurz oder lang seine Geltung verlieren muß. Ich kann einen Numerus Äauisus begreifen, wenn er den Zweck hat, das Problem zu lösen, daß, wenn Ungarn jährlich nur tausend Juristen im Leben unterzubvmgen vermag, mcht 3000 jährlich promovieren. Aber auf konfessioneller oder religiöser Grundlage kann der Numerus clausus unter keinen Umständen aufvechtechalten bleiben. Ich halbe schon zur Zeit der Wahlagitation öfter erklärt, daß ich den MineruS Äaufus prinzipiell nicht billige und daß ich meinerseits alles aufbiöbsn werde, um feine Abänderung herbsizuWhren. Ich erwarte hierzu die GÄegeichoit von seiten der Regierung. Aber auf sine Provokation von der Linken, um auf solche Weise die Einheit meiner Partei zu zertrümmern, kann ich nicht «ingchem. Nemes ewnwvte noch den Kultusminister an svi>ne Zusage, daß er den Numerus clausus in der vom Redner vertretenen Auslegung handhaben werde. Leider zeige sich jedoch, daß der Kultusminister das Gesetz anders auSlegt Äs die Universität und in der Praxis die Universität Siegern n bleibt. Re rmnünWe» Alioholgesehe. Schädigung der jüdischen Schankinhaber. Bukarest, 11. Jän-mr. (Del. der „Mover MorgenzevdMg".) In L»öiN freisinnigen Blättern wird die Regierung darauf anfmevffam gemacht, daß die Regierungsverovdnnngen über den MoholveÄauf die Zahlreichen Mffchen Schankinhaber m den Dörfern 'Materiell schwer schädigen, oft sogar brotlos machen. Me Bevordnungen richten sich nicht, was das einzige Mittel zup Bekämpfung des MoholismuS wäre, gegen die SchnaPHbrvnmreien, sondern gegen die Schenker; diesen werden die Konzessionen ewtzogen, um sie dann Kriegerswitwen und Invaliden! zu übergeben. Die Regtevumgsvevvvdnungen gegen die Schenker haben auf den Dörfern ne-ue antisemitische Hetzvgrtation gegen die Juden hervorgeruftn, so Vdß die Mischen Schenker auf den Dörfern oft in Lebensgefahr schweben. Sine internationale vmkgratlonrkonfereni. Rom, 10. Jänner. (I. T. A.) Roch im Jänner tvird.pt Rom eine internationale Emigrationskonferenz der Bertwter verschiedener Regierungen stattfinNrn, in welcher hauptsächlich wichtige technische Emigrationsfragen behandelt werden sollen. Die zentralen jüdischen EmtzrationsqFnstrtutionen werden ebsnsalls Vertreter entsenden. Aus der TageSordnuno der Konferenz ist hervorzuhcken: 1. Emigrantentraus- Port, 3. hygienische und sanitäre Bedingungen, 3. Zusammenarbeit Vtzr Ein- und Auswande* rungsämter in verschiedenen Ländern, 4. Emigrantenschutz in den Häftn, 5. Regulierung des Emigrationsstroms in die entsprechenden Länder durch Aufklärung der ElMgrv'nten.' Re Sinschrünlung der amerftanische« Einwanderung. Aus Washington wird berichtet: Der Einwanderungsausschuß des Repräsemanten- Hauses hat sich für eine Einschränkung der jährlichen Einwanderevziffer Msgesprochen. Es sollen je 2 Prozent der Zahl von Angehörigen jener Nationalitäten zugelassen iver- I Werbet Abonnentensürdie t sTU* i r*j 13. Jänner 1924 den, die sich im Jahre 1890 in den Vereinigten Staaten befanden, mit ei ne in Jahresüriniuruur von 200 für die eiirzelne Nation. Ferner tritt der Ausschuß dafür ein, daß Frauen, beziehungsweise Männer amerikanischer Bürger und Bürgeriluren, Kinder unter 18 Jahren und Eltern über 55 Jahre uneingeschränkt zugelassen werden sollen. Hitlers „rassische" «ad Wische Vertreter. Die völkische Nebenregierung Hüters hat bekanntlich an ' den ihr geeignet erscheinenden Plätzen der enro-päischen Staate» ihre „diplonmtifchen Vertreter" eniseiidet. Als besonders wichtiger Posten erschien ihr der „Gesandtenposten" in Rom, wo der Faszismus, den die Hrtterei als ihr Vorbild und Ideal ausschreit, seinen Sitz Hai. Aber die Liebe scheint sehr omsMg zu sein. Hitlers gesandter" in Rom. Lnddekc, ist, wie die „Voffische Zeitung" nreldet, vor einigelt Wachert still aus der Hauptstadt des Faszisurus abgereist, weil man il>m recht deutlich zu verstchen gab, daß seine Anwesenheit nicht erwünscht sei. Vor allem konnte er es trotz kr-ompfhaster Bvmühungen nicht erreichen, von Mussolin: empfangen zu werden. So verlegte er denn imiue „Tätigkeit" in die Borziimner des PalaW Chigi, wo Mussolinis Rogierimg chr^n Sitz hat, und hofstc damit Eindruck zu mach'en, daß er über die „schröcklichell" Inden schinrpftc. Vor allen: hoffte er, miit seinem Geschwätz sich bei Mussolinis Kalbinettschef Barrone-. Russo in Gunst zu setzoll. Der völkische „Ambassadeur" hatte $>a!6ei nur an eines leicht gedacht: daß Barrone-Russo Jude ist. Den: Kabinett §<fyej war denn auch die ständige Anpöbelei seiner eigenen Stanrnlesgenossen durch das Hitler-Unterläufel bald zu dunml und er ließ ihm den Stuhl vor die Tür setzen. Jetzt werden wir in der völkifcheit Sudelpresse bald zu lesen bekommen, daß der bisher angebetete Faszismus sine Mische Tens-elserfindung sei. Mit ihren „rassischen" Vertretern haben die Völkischen Pech; dafür aber höben sie um so treuere Mische Vertreter. Einer ihrer bestell ist der Naulnannsche Verband nationalldeutscher Juden. Der hat sich wieder anläßlich des jüngst erfolgten Verbotes des Münchener „Jüdischen Echo" eilt neues troudeutsches Stücklein geleistet. In der ,/Bayrischen Staaiszeitung" erschien eine Zuschrift des Naunlann-Klüngsls, in der festgestellt wird, 1. daß das „Jüdische Echo" ein rein zionistisches und jüdisch nationales-Organ ist; 2. daß die im Berbanid der nationaldeutischen Juden zusammengeschllosfenen und die außerhalb dieses VerbMdes stehenden nationaldeutsch empfindenden Juden die Bchandlung der Ostjuden nicht als eine jüdische, sonder« als eine rein deutsche Angelegenheit betrachten. ^Die Ostjuden," heißt es in der Zaschrist wöMch, „sind für uns ebenso lästige und ebenso wertvolle Ausländer wie die lästigen und wertvollen Ausländer anderer Relogion und anderer Rasse. Wir beanspruchen kein Privileg für jüdische Ausländer in Demschland. Wir vertrauen auf Recht und Gerechtigkeit auch in denr Sinne, daß die Zugehörigkeit zlmr Judsutum für sich allein keine Vermutung begründet, ein Schädling zu sein." Nun denn —*■ Herr Naumann und seine Getreuen haben unrecht: ihre Zugchörigkeit zum Judelttum tvenigsteus könnte die Vermutung, daß das Judentum Schädlinge habe, nur allzu begründet erschsmen lassen. Possierlich in diesem traurigen Dokument Mischer Selbstbeschmutzung ist die Uebemahme des Rassenproblems in diese EMrung. Die „rassischen" Herren vom Verband nationaibdeutscher Juden seien dem Konsortium HUer-Ludmdorff-Ehchardt für seine „Vertretung" im AuAand bestens «npfchlen. Snffelns Sohn gefallen? Kairo, 12. Jäwner. (Reuter.) Wie verlautet, soll Enrir A l i, der älteste Sohn König Husseins, im Kampfe gegeu die Wahabiten tödlich verwundet worden feht.' Eine Bestätigung der Meldung liegt nicht vor. Kish bei Hussein. Wie der Jerusalemer I. T. A.-Vertreter erfährt, Hai sich Colonel Kish als Repräsentant der Palästinensischzionistischen Exekutive nach Amman begeben, um den dort bei seinem Söhn Emir Wdullch weilenidon König Hussein zu begrü ßen. Per Handelsverkehr Sesierrüchs mtt ZtaUen. Für Italien passiv. Rom, 12. Jänner. Die Agenzia Bolia veröffentlicht dte italienische Statistik der ersten neun Monate 1923 über dKr Handelsverkehr mit Oesterreich. Die Einfuhr nach JtaliR aus Oesterreich betrug 222 Millionen Lire ent Wert, die Ausfuhr Italiens nach Oesterreich 197,5 Millionen. Es ergibt sich sohin für Italien ein Defizit von 24,5 Millionen Lire. Verlängerung der Srmächttgnngsverordnnng für die kifenbahnen. Da diese Bollntacht imnmehr aftgcktifeii ist, hat bte Buindesvegievung dem Au>ßevordeMchen Kabinettsrat gestern folgenden Antrag unterbreitet: „Die BundeZregieru'Ng wird urit Wirksamkeit Äs 31. Dezember 19 24 e-rmächiigt, Asndevungen der Grundlagen für die Tarife der österreichischen Bundes" bahnen und der für Rechnung des Bundes betriebenen Privatbahnen unter Berücksichtigung der MrffchaMchetk Verhäldnisse und der BelastungsfLhigke.it des Verkehres mit der Maßgabe zu genchmigen, daß das Erträgnis dieser Tarife die Selbstkosten des Bundrsbahnbetriebes nicht überschreitet." Der AuherordeM'iche Kabinettsrat hat im Immer 192S dem Bu'ndesminifter für Verkehrswesen für die Zeit M 31. Dezember 1923 die Ermächtigung zur selbständige« Neufeftsetzuna der ü Tarifgvimdlagen der Bundesbahnen erteiltmÜä

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