Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1764 (13.1.1924)
- Date
- 1924-01-13
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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_ Wien, Sonntag Die Rede Dueas. (Fortsetzung des Berichtes von Seite 1.) Hinsichtlich der Anerkennung von HowjetMUmid halbe» sichdie einHeln-eu Staate»! der NerMu Enteerte ihre Ak ti onsfreihe it geüvahrt. Aus die Frage einte# Korrespondenten erklärte Dnca-, das; Wer dein Ort, wo diese VeckhaMungen stattfinldon sollen, mit ONoskan kein GmveMeshmen erhielt worden sei. Nach Blättermeldnngen schlagen die Sowjets Odessa, die Rumänen Salzburg vor. lieber Ungarin und Bulgarien ist nur so viel gu sagen, das; wir allesamt die Durchführung dev Friedensverträge sondern. Dararvf ist unsere Politik 'basiert und wir lvollcu dieise Richtung ei nhalteu. Ob der ts ch e ch.0 -- s l o wakis ch - f r a ösische Vertrag auch ans andere Staaten aus gedehnt werden soll oder nicht, darüber sei überhaupt nicht gefp rochen worden. Es ist festzustellen, daß in allen Fragen zwischen uns .1 o l l k o m m e n e U e b e r e i n st i m m u n g besteht. Wir änd sehr glücklich, daß die nächste Versammlung der kleinen Entente in Pr a g stattfinden lvird. Mein Wunsch soll es ein, daß wir in Zulk-unst einander näher kommen, daß wir ins durch geeignete Propaganda kennen lernen auch bis m die breiten Massen des Volkes, damit es den Sinn des Bündnisses erfasse. Auf eine Frage erklärte. Dnca, daß die Antwort aus die Frage der euglischen Regierung betreffend hie A nleihen, die Warschau, Bukarest und Belgrad in Frankreich abgeschlossenhaben, fertig sei und daß, diese Anleihen die Zahlungsfähigkeit der drei Staaten hinsichtlich ihrer Verpflichtungen gegen England ' e r nes 'wegs b e e i n f l u f -s e n. Die Schlußsitzung. - Belgrad, 12. Jänner. Ueber die heute nur halb 1 Uhr «achmittags gn Ende geführte letzte Sitzung der Konferenz wurde folgendes Eommuniqre ausgegeben: Die letzte Sitzung ter Vertreter der kleinen Entente fand heute tun 10 Uhr im Ministe-rinm des Aeußern statt. Dr. Benesch, Duca n-nd Aincic haben die Besprechung >der Frage der u n g a r ischen Anleihe fortgesetzt. Nachdem sie die diesbezüglich e-n Protokolle in ihrer Gänze überprüft hatten, sind sie über die Entscheidungen übe.reingeiomimen, die noch zur Beseitigung der bestehenden Schwierigkeiten n-ottvendig sind. Ir. Benesch «ach London abgerrU. v'-t- TMener MorgenzettünK. Hobe Freres- LIKÖRE Punch ä I’Ananas Grand Seigneur Grand Mystöre Cordial Hobecure Hobitreuse Hoböfleur Triple-sec Echt nur in dieser runden Fiaschenform! Alleiniger Erzeuger Damase Hob6, Gründer der Likörmarke Hobe u. einzigerTräger des Namens Damase Hob6 Zentralboreaif: Wien, I.. Srülparziriir.U, lei. M 10157 die Souveränität über Fiume abtritt, während Italien zugunsten Juigoslawiens auf alle Ansprüche an dem Boroshafen und auf das Delta verzichtet. Außerdem wird ein b,e!s>oinde.rsr Vertrag geischlossen werden, womch Jugoslawien für 50 Jahre das Recht der Benutzung des Hafens von Fiume erhält. Italien verpflichtet sich außerdem, einem Garantievertrag mit Jugoslawien zur Sicherung der 'bestehenden, durch die Friedensverträge geschaffenen politischen Lage irr Mitteleuropa. beizutreten und im Falle eines militärischen Angriffes aus Jugoslawien dem jugoslawischen Staate m i l i t ä r i s ch e Hilfe zu. leisten. Zu dieser Nachricht erfährt Ihr .Korrespondent, daß tatsächlich ein Abkommen abgeschlossen wurde, daß aber Details noch nicht bekannt seien. Minister des Aenßern Dr. N incic erklärte, -daß der Inhalt des Vertrages dieser Tage bekanntgcgeben lver-den wird. Vor der englischen Thronrede. Belgrad, 12. Jänner. Dr. Benesch ist nach Beendrlu-ng der hiesigen Konferenz nach L o n Ä o n zu den Verhandlungen des Völkerbnn-dkom-itces über die 'ungarische llüleihe abgere,ist. ' Kne Konventton über Mme. Militärisches Bündnis zwischen Jugoslawien und Italien? Belgrad, 12. Jänner. (Tel. der „Wiener Morgene.i-t-um,g".) Der j n g o s l a w -t s ch e A u ß e u m i n i st e r Vr. Nincic teilte Heute den auswärtigen Korrespouideuen mit, -es sei zwischen ihm und deu Vertretern Italiens, wnt Geschäftsträger S u m o n t e und dem General B o rkekla, zu einer Aussprache über die Fiume-Frage gelom-nren. Jur Anschluß daran wird aus politischen Kreiselt nitgetM, daß zwischen de.it beiden Staaten eine Konvention vereinbart wurde, derzufolgc Jugoslawien an Italien lEigeneienst der „Wiener Morgcnzeitnng".) London, 12. Jänner. Das Kabinett trat gestern nachmittags zusammen, um den endgültigen Text der Thronrede feistzusetzen. Nach einer langen Diskussion, in der ^bedeutende Mein'nngsverschiede.n'heiien zu. Tage traten, wurde beschlossen, daß die Thronrede keilte direkten Arrspic-lu>ngen auf den S ch u tz z o l l enthalten, sondern nur das Vorzugssystem, wie es von der Reichskonferonz vorgeschlagen lvurde, erivähnen soll. Außerdem wird die Thronrede von der politischen n it d w irtschaf tl-ichan Stabilisierung in Europa sprechen. Bis jetzt haben sich schon 60 liberale Redner eingeschrieben, um nach Stellung des Zusatzantrages der Arbeiterpartei zu der Dankadresse auf die Thronrede das Wort zu ergeifen. Die liberalen Abgeordneten tvünschen, denn Laude bekannt zu geben, weshalb sie mit der Arbeiterpartei zusammengehen, um den Sturz des Kabinetts 13. Jänner 1924 <Se«fe 3 Schuhe/1 «SVWW! Bald Win und das Zustandekommell einer Regierung der Arbeiterpartei zu erinöglichell. Unter diesen Uluständeir hält ntau es in potiti-schen Kreisen für wahrscheiMch, daß das Kabinett B a ldwi n erst am 22. Jänner zu Fall kommelt wird. Die Negierung 'hat beschlossell, die funleidjeieplpvttisch- Verbrestnn.g der Thronrede n i ch t zu gestattell. Eine MiniftevlisLe. London, It.^. Jänner. Die Liberalen und die La- Ü o n r Party snw . vorläufig' in der Frage' des Rücktritts Baldwins einig und darüber, daß ihm nicht gestattet werden dürfe, vor seinem Rücktritt iloch Parteiernennungen im Präsidium des Unterhauses vorzunehmen. Wie der Stur; herbeigeführt werden soll, ist noch linsicher, vielleicht kam: schon die Ernennung des Vizepräsidenten Baldwin zu Fall bringen. Eine Schwierigkeit für die sozialistische Kabinettsbildung bleibt der Mangel an adeligen Parteigenossen, die die Labour.Party im Oberhause vertreten Wimten. „Daily News" stellt folgenbc wahrscheinliche Ministerliste zusammen: Premier und A e u s; e r e s — M a c d o u a l d, Unterstaatssekretär für Aeußeres — General Thompson, Schatzkanzler — Snowden, Finanzsekretär des Schatzamtes — Graham, Inneres — H e n d e r s o n, Kolonien — Th onr a 8, Indien — W e d g e w o o d, Unterricht — T r e v e l y a n, Gesundheit — Web b, Ackerbau — B u x t o n, Arbeit — Greenwood, Minister für Schottland — Ada ms on, Lord-Advokat — Mi ts che ll. Es fehlen also noch sehr wichtige Posten, wie der Minister für Landesverteidigung, alle Unterstaatssekretäre und der Lord- Kanzler,- der zugleich Vorsitzender des Oberhauses ist. Für den letzteren Posten nennt man Richter Saukey, während als Kriegsminister H a m i l t o n bezeichnet wird. Auch C l e y n e s, der Parteiführer im Hause werden soll, wird, ebenso wie auch Margaret M. B o n d f i e l d bestimmt ein Portefeuille erhalten. Auch die Vert-retung -des Kabmetts i-nt Oberhaus ist noch ungelbst. So spricht man davon, daß die neue Regierung sofort den Antrag auf-Abänderung der Berfafsung einbringen iverde, allen Ministern zu gestatten, in beiden Häusern zu erscheinen und zu sprechen, ohne jedoch in!de.m Hause, dem sie nich-l angehören, Stimmrecht zu besitzen.' Es ist -aber sraglich, ob mander Labo-ur Party so chlWvollend gesinnt ist, daß diese Vorschläge die Majorität echa-lten. Rach der franzöNch-HMschen Antwort. Stresemanns Ansicht. Berlin, 12. Jänner. Das Organ Stresemanns, „Tie Zeit", veröftentlicht in besonderer Anftnachung eine allem Anschein nach aus der nächsten Umgebung Stresemanns, wenn nicht gar von diesem selbst stammende Darlegung des deutschen Standpunktes zu der französischen und der belgischen Antwort aufs die deutschen Vorschläge. Darin heißt es u. a.: „Es ist seit mehreren Wochen bekannt, daß tnan in Paris über die Lösung des Reparationsproblems heute ganz anders denkt als Seiden-, Futter-, Damenstoffe NMÄ- MÄwÄMW Henri Verison. Bon Dr. Bruno Alturann. Um die Unterschiede zwischen mi-tielenropäischetu. und ivestlichom Antisemit ismus nach Umfang und Grad a-bzulchätzen, ist es nur n-ötig, sestznst-ellen, -wie nn-d wieviel die Kdcntendsteir Repräsenlanieu L'es Judentmus unter ihm ,-n leiden hatten und haben. Verfahren Mir dabei gar nicht Xjdaintisch; uehureit wir die Sache nicht tragisch, äve.nn schon >ie Jugendzeit eines bedentend'en jüdischmr. Mannes an-tiemitischen Gchässigkeitetl ansgesetzt war, obgleich sehr viel verbitterndes gerade in dics-en Evfahvnngen liegt. Sozial vichtig ist doch erst, was der Mann selbst infolge feiner sjngehörigke'it znm Jndentnnr Ämchumchen mn-ß. Und' anuit: hie deutscher Antisemitismus — hie französischer. Am Bei-- »pic'l: Hie Ernst Cassie-rer — hie Henri Bergsvn. Ter heutige Hanrbn.rger Ph-ilos-ophiechwsessor Ernst Kassierer halt gegeilt 1010 die Häbilitati0!N als Privaidozünt in der- Berli-U'er U-niVersität ang-eftreU. Irr der FachiwÄt var er durch seine Preisschvift? über das „ErTonntnisoroblem" bereits mehrere Jahre vorher eine An-ioviiät geivorden. Bon diesem. Weirk konEtv gut ein Dutzend Durchschn'itlsprosessorere profÄ-ierelt amd sie haben das auch getan. Tie Lei-strrng'slvlorau-ss'etzu-ngerti-waren also int bester Ordnung, >'rl bst verständlich auch die sittliche Onalisikatio-n. Ernst Eassi-cve.r ist — und das Wort ,»ruß nmn bei chm in. seiner .z-anzen Tiefe neshmeir — ein Charakter. "Aber eines war für üe -Berliner N-u-dvevsität nicht -in Ordnung: er ist JuÄe. blewis; lein Prinzipi-eller Ein-wa-nd gegen die Znilassung zrmt vwdeunfchen Lehranit, aber als stille V'ereinbarnng hatte sich )aina!s ber-eils die Gr-wvhnhc-it dn-rchgesetzt, Juden von der behrtärigkeit an der Unibersi-tät 'möglichst fernznhalten. Da unn zu jener Zeit Mangel an. Privatdozentelr -in der Philo- VWe herrschte, da lein grundsätzliches An-stellungSverbot gegen Juden vo-rlag. so uiussie inan nach außenden „Scho'm e-ewahreu". Nian irelfte E.rsiie.rer nicht von vornherein ab- Djeistn, so-rtdpvnseine TaMickHi-t drMt ül Krage iW«n, daß die Ablehnung seines Habiliiationsgesil-ches als bene chtigte Maßnahm« erschicim Jede Fakultät hat in Deutschland das R-echt, einen Bewerber vor 'der Ertsilmtg der venia legendi einer Prüfung zu nnterzi-ehen. Easiierer sollte von ihr z-erma-lnit iverdeir. Drei Fachv>evlvaUer>, Alois Ri-chl, Karl St-rcnips, Wi'lhelni Dilthey, hattelt die Aufgabe, übernom-men, ihn heveinznlegen. Sie fragten das Entlegenste, das Unerwartetste, sie fragtenhauptsächlich in denr Gebiet herum, über welches Cassierer als Schüler Cohens voraussichtlich -weniger o-rienUert war: -über Spinoza. Es gelang, ihnen nicht, den Kandidaten ans eine Lücke fostzulegetl. Nach dve-istü-ndigem Tr-oimnelfener von Kreuz- und Onerfvagenkapitullievt-ensie. So wurde Ernst Cassi-er-er Pribat'dozsnt in Berlin. Uur die Achtzigerjahre arbeitet!: sich in Paris ein j-mcher PnAiM aus der journ-alisi-ischen Laufbahn in die Wisstnschast hinein. Er hatte allerlei studiert: Physiologie, Physik, Ana-tolni-e, Philosophie. Die Not drärigte ihn, Jo-nrualist z-n sein, sein Herz zog ihn zur Wissenschaft. Da erschien rin Jahre 1889 ein Werk von ihm: „Essrai für les Donecs immediates de la eonseiencg", denlsch unter dem Titel „Zeit und Freiheit". Er ijalle leinen la-itten Erfolg, fand aber dock) Beachtung. Ein Phrlvsoichiepvosess-or Duuat laS es und überreichte es stinenr bevühnrteren Kollegen Naville. „Sie iverdeu sehen", fagi-e Dnuat, ,M ist -einer, der die Meiaphys-ik z-n neuen: Leben galvanisiert". „Wer ist der Wrr-ndertäter? Wo liest er?" Daß jemand -imt wissenschaftlicher LieWng an eiltet Universität lehrt, ist für beu Fwnzvfen e.ine fast felbstverftändliche Sache. Desto erstann-t-er war Naville, als er erfuhr, d.rß Henri Bergfon, der empfohlene Verfasser, d-e-m Universitätsbetrie-b noch völlig fernsta-nd. Naville -ivar -von dem Buch ganz ergriffen. Und nun stand -eines für die beide-n Golchrven fest: Henri Bergson muß dem College de France gewonnen tverden. Irgendwo an -cin*Mi! jw-ntraieu Ort fand eine Znfaimnenknnft statt. Bergssn widerstrebt-e. Nicht aus falscher 'Srlonbescheidenheit, spnderu aus s-aWKen. EritMpMn- Gr Wre -Liebe für die Tagespublizistik gefunden- und sckme faszimerend schöne Sprache verhalf ihm auch dort zu Erfolgen. Andererseits ging die Richtung der Bergso-nschen Philosophie stets auf engsten Anschluß an die „exakten" Wissenschaften, und Bergfon glaubte, daß er hierin noch nicht genügend gesatte.lt sei, um auf ihrer Grundlage -eine Philosophie zu begründen, auf die er sich als Prosessor sestlegen könne. Den zweiten Einwand ließen Dn'nal und Naville gelten. Sie versprachen, irr z-lvei Jahren wieder bei Bergson anz-upochen-; cs ginge nicht anders, er müsse akademischer Lehrer werden. Sie ivaren schon früher da. Als -eriva ein Jahr später ein jüngerer Dozent starb, bestanden die beiden Gelehrten förmlich darauf, -daß Bergson sich habilitiere. Der Gebetc-ne gab nach. Fakultät, Senat und Regierung rejdeten überhaupt nicht da-win, es kümmerte sie gar nicht, daß Bergson Jude und obendvein Jude von Polnischer Abstammung war. Zu den Nen-nzigerjahr-cn tobte Fmukreich in -der Drcysus-Affäre seine.n Antisem-itis-mns aus. Die jüdischen Gelehrten ^bekamen davon zu spüren, Persönlich gar nicht, -wenn sie sich -nicht selbst in die TagesPolemik ei-nmischten. 'Auch das ist ein Unterschied zwischen mittöleu-ro- Päischem und 'westlichem Andifem-ismns: selbst der Fanatismus -eines Leon Daudet, eines Roche fort, eines Brnnetiere geht nicht bis zur. persönlichen Schädigungsabsicht des sich 'Nieutral verhalt,eu>den Inden. An einen Numerus clausus, der die Bcrechtigu.ngs- und Bcrnsnngsfragen ganz mechauisch nach der Zahl regeln will und damit in das Leben jedes Ju'den schädigend' eingreifen kann, hat in- Frankreich niemand gedacht. In eigenartiger und wiederum für französische Ber- HÄinisse ganz charakteristischer Weise bekam Henri Berxgson viel später etwas vom 'Antisemitismus zu spüren. Seine metaphysische Lehre verfiel, der kn-rialen- Verfemung, obgleich die -kirchliche Anfsassnng -eine weite Strecke, mit ihr gehen kann und aus iyr sogar geistiges Kapital geschlagen ltat. Bergson zeigt die völlige Unfähigkeit aller Wissenschaften zu nreltanscha".'.lick)c-n Abschlüssen. Die soMM-nnt» Gtchstan-- *