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Wiener Morgenzeitung · 1924-01-12 · Heft 1763 (12.1.1924) · p. Seite 6

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1763 (12.1.1924)
Date
1924-01-12
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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i&tte 6 Mm, SainSkag ' dazu entschlossen, meiner Hörerschaft einen Einblick in diese „okkulten" Verhältnisse zu ermöglichen." WaS Prof. Hochenegg hier schildert, geht nicht nur seine Hörer, sondern auch die gesamte Oefsentlichkeit alt. Denn es beleuchtet Uebelstände, die ihre Gründe nicht nur darin habeil, waS Prof. Hochenegg „moralischen Zllsammenbruch" und „Erwerbssücht" nennt, sondern in der erschreckenden Ueberzahl an Aerzten, welche besonders in Wien zu konstatieren ist. Diese große Zahl der Aerzte ruft die K o n k ll r r e n z hervor, welche in ihren Methoden nicht wählerisch ist und Formen anninnut, die freilich dem Ansehen des Arztes schaden. Doch gerade der Kliniker kann und soll aus dieser Konkurrenz ausgeschaltet werden. Da gibt es nur ein Mittel, das in Amerika bereits geübt wird: der Arzt, welcher ein klinisches Lehramt bekleidet, darf dort die Privatpraxis nicht ausüben. Eine medizinische Kapazität wie Prof Hochenegg im Konkurrenzkämpfe, der in Wien heute oft ein Existenzkampf ist, mit verleumderischen Mitteln herabzusetzen, ist im höchsten Grade verwerflich. Um solche Dinge zu verhindern, gibt es nur ein Mittel: den wissenschaftlichen Kliniker aus dem Konkurrenzkampf auszuschallen, indem ihm der Staat die materiellen Sicherheiten gibt, die es ihm ermöglichen, auf die Privatpraxis zu verzichten. M ist Geld. Aber nicht bei den Bundesbahnen. Die Rücksichtnahme auf das Publikum gchört reicht zu den Gepflogenheiten österreichischer Behörden. Es-ist dies ein Ucderblerbsel aus jenen Tagen, da jeder Postpvaktikant sich als Teil der Regierung, der Leitung des Staates ftchlte und solchermaßen das Recht zu haben glaubte, mit allen nichtbeamteten und mchtumformierten Bürgern nach seinem Gutdünken umspringen zu können. Ein Teil dieses k. k. Aittvritätsglaudens hat sich bis in die heutigen Tage erhalten, und wie zum BvispiÄ mit der kostbaren Zeit des Publikums -bei den Bundesbahnen umgogangen wird, zeigt folgendes Beispiel: Bekanntlich muß tvegerr unrichtiger FroKhtberechnung ein Großteil dar Frachtbrief« von den industriellen und gewerblichen Betrieben zur Reklamation eingoreicht werden. Die Frachtbriefe sind auf dem Nordwestbahnhofe, also in einem gang außerhalb des Geschäftszentrums gelogenen Gebäude, einzuveichen. Die Referenten befinden sich in der zirka fünf Minuten entfernten Mari nelligaffe, ein Teil der Registratur befindet sich am Schwarzenbergplatz. Will nun eine Firma sich nach dem Schicksal irgendeiner RÄlamation erkundigen, so muß zuerst am Nordwcstdcchnhof die Aktzahl festgcstellt werden, dann muß sie zum Referenten in die Marinelligafle, und wenn zur Behandlung ihrer Re- Namation «in älter Akt benötigt wird, vielfach noch aus den Schwarzenbevgplatz gehen. Selbstverständlich trifft diese ganz unschörte Zeitverschwendung nicht 'bloß die Parteien, foi&em auch die Beamten des Rückvergudungsdienstes, da diese zur Behandlung ihrer Akten ebenfalls häufig den Spaziergang von der Mavinelligasie zum Nordwestbahnhof und vom Nordwestbahrchof zum Schwarzenbevgplatz machen müssen. Vor gar nicht langer Zeit wurde von der Umwandlung der österreichischen Bundesbahnen in einen eigenen Wirt« schcrstsKrper auf kaufmännischer Grundlage sehr viel Wesens gemacht. Es scheint aber, daß der kaufmännische Geist 'bei den Bundesbahnen darum noch lange nicht eingezogen ist. Denn sonst müßten die Bundesbahnen wohl wissen, daß ein Gveisler, der seine Kunden so bedienen würde, wie es die Bundesbahnen tun, in kurzer Zeit sein Geschäft sperren könnte. Diese Gefahr besteht für die Bundesbahnen allerdings nicht. Denn -cs gibt Greisler genug, während die Bundesbahnen in Oesterreich eine Monopolstellung besitzen. Diese aber gegen das Publikum auszunützen, ist weder kansmännifch noch moralisch. Me Advokaten Wer die Streitwertnovelle. Androhung der Ablehnung der Ex offo-Bertretungen. Am 10. d. fand eine Vollversammlung der wirtschaftlichen Organisation der niedcröfterreichischen Rechtsanwälte im Sitzungssaale des alten Rathauses unter großer Beteiligung statt. Die Beratung galt mehreren wirtschaftlichen und Standesfragen, insbesondere auch der vom Nationalvate beschlossenen Streit Wertnovelle, .nach Wucher die Wevtgrenge für Streitsachen lbei den Bezirksgerichten von einer Million auf 16 Millionen Kronen erhöht werden soll. Es wurde hervorgeho'ben, daß eine so weit gehende und sprunghaf.de Ausdehnung der begirksgerichölichen Zuständigkeit, abgesehen von der Schädigung des Anwaltstandes, eine schwere Gefahr für den Richberstand, insbesondere aber für die Rechtsprechung, bilde. Durch dieses Gesetz wiirde die Arbeit der Bezirksgerichte sicherlich auf das Zehnfache erhöht werden, ohne daß für entsprechende richterliche und Ka-nzleikräfte Vovgesorgt fei. Eine derartige Vorsorge wäre auch nicht möglich, weil die Versetzung der Richter von den Gerichtshöfen und Bezirksgerichten nur mit Zustimmung.des Richters erfolgen kann, und selbst im Falle dieser Zustimmung die bekannten Wohnungsschwievigkeiten und der MangA an Amtsräumen unüberwindliche Hindernisse bilden würden. Die Anzahl der Berufungen wurde immer größer, die Sicherheit wnfc Einheit der Rechtsprechung immer mehr gefährdet im$> der Prozeß dadurch gegen die Absicht der Gesetzgeber verlängert und verteuert werden, worunter insbesondere die ärmere Bevölkerungsschichte schwer leiden würde. Es wurde darauf verwiesen, daß infolge Intervention maßgebender^ juristischer 'Kreise die Behandlung .des vom Ncrtionalrat bereits verabschiedeten Gesetzes im Bundes rate verschoben wurde. Es bestehe daher die Aussicht, daß den berechtigten Wünschen aller Bevölkerungsschi chten noch Rechnung g^vagen werde. Bon mehreren Rednern wurde darauf hingewröfen, daß die Anwaltschaft durch die wiederholte gesetzliche Inanspruchnahme als Ex offo- und Armenvertreter schwer überlastet sei und daß insbesondere die Anwälte der Provinz oft bis zu vier Tagen in der Woche der Arme» . Wiener MorftenzettunF. rechtspftege dienen müssen, deshalb haben auch die Anwälte in mehreren Kreisge-richtSstädten bereits die Ueber nah me von Ex ofso-Bertr-etnngen a'bgeleh nt. Die Vollversammlung beschloß, daß für den Fall, als die vom Nationalrate beschlossen« Stveitivartnopelle Gesetzeskraft erlangen sollte, ihre Mitglieder alle Ex offo-Vertretnugen in Zivil- und Strafsachen abzu leh en habe n. Die Verhaftung Manuel Gartenbergs. Die Verhaftung des vor einigen Tagen insolvent gewordenen Inhabers der großen Herren moidefivnra Emanuel G a r t e n b e r g erregt in kaufmännischen Kreisen außerordentliches Aufsehen. Das Erngre-rfen der Wirtschaftspolizsi erfolgte auf dringendes Betreiben des gesamten Gläubigerausschusses, insbesoudeve auf Verlangen von zwölf Firmen. Es handelt sich durchgehends um Warengläulbiger, darunter die Anm-once-rifi-rma Danneberg und der Architekt, der die Einrichtung des Lokals lieferte. Auf Grund der Anzeige nahm die Wirtscha'ftspol'izeL Gartenberg in Berwahrungshafi. Durch Belege konnten tatsächlich strafbare Tatbest ä n d e söstgestellt werden. Zunächst mußte Gartenberg als Geschäftsmann sich darüber im klaren sein, daß er ein Geschäft auf großer Basis nicht mit dem chm zur Verfügung stchon'den eigenen Mitteln betreiben konnte. Es ist klar, daß die Anlage des Geschäftes von vornherein ferne finanziellen Mittel überstieg. Weiters hat Gartenberg seine Gläubiger dadurch getäuscht, daß er einen stillen Kompagnon, der dem Geschäfte angeblich Milliarden zubringen sollte, vorspiegelte. Die Mion der Mrtschastspolizei gefchicht im steten Einvernehmen mit dem vom Ausgleichsgericht bestellten A u s g I e i ch s v e r w a l t e r, der 4n der Person des Prof. Singer von der Boidenkreditanstalt ernannt wurde. Um den Geschäftsbetrieb unter steter Kontrolle zu halten, wurde von der Wirtschaftspolizei im Geschäfte selbst eine Aufsicht eingerichtet. Sachverständige sind mit der Ueberprüfnng der Geschäftsbücher beschäftigt, mn eventuelle Machinationen festzustellen. Nach den bisherigen Schätzungen, betragen die Akbiven ungefähr zweieinhalb Milliarden, denen Passiven von etwa sieben Milliarden gegenüberstehen. Der Geschäftsbetrieb wird hauptsächlich aus dem Grunde ausrecht erhalten, mn die zahlreichen Angestellten der Firma nicht brotlos zu machen. In der großen Wäscherei und in der Schneiderei sind außer achtzig Angestellten noch eine Menge Heimarbeiter beschäftigt. Die Geschäfte der Firma Battistel. Die Geschäfte der Firma Battistel entwickeln sich immer mehr zu einem Skandal für mehrere große Wiener Firmen. Durch die Erhebungen der Polizei wurde nämlich fLstg-estellt, daß sich eine ganze Reihe von Firmen des b edenkllchen Ankaufes schuldig gemacht haben. Die beteiligten Firmen scheinen aber auch bei den Lieferungen mehr als bürgerlichen Nutzen gezogen zu haben. Nach der beiläufigen Schätzung der fakturierten Waren, die Battistel bezogen hat, sind diese Waren nicht einmal ein Drittel des Fakturenbetrages wert gewesen. Es sollen sogar Fälle festgeftellt worden soim, wo das fünf- bis sechsfache des Tagespreises gefordert wurde. Die bei der Firma Karl P o l l a k u. C o. beschlagnahmten Waren belaufen sich auf etwa zweieinhalb Milliarden. Auch 'bei anderen Firmen wurden Waren sicher^stellt, so daß 'Waren für ungefähr dreieinhalb Milliarden der Jnsolv-einzrriasse zufallen. Dadurch verkleinert sich auch die Schaidenss-umme, sehr wesentlich. Das Pilsner Bier wird billiger? Die Tschecho-Slowakvi erhöbt anläßlich der demnächst beginnenden HandelsvertragSverhandlungen die Hauptforderung nach Herabsetzung des B.ierzolles a u f f ü n f Goldkronen. Das Handejlsministerrum hat die Brau Industrie hievon mit dem Bemerken verständigt, -daß dieser Forderung möglichst entsprochen werden müsse. Eine Abordnung der Brauereiindustriellen erschien 'Nun gestern beim Finanzminister und äußerts schlimme Befürchtungen für die Brauindustvie, falls tatsächlich der Bierzoll herabgesetzt werden sollte. Würde sich doch beispielsweise bei einem Bierzoll von fünf Goldkronen zwischen dem Ausfchantpveise eines halben Liter Pilsner Biers und eines halben Liter österreichischen Bieres in Wien nur eine Differenz von zirka 700 Kronen ergeben, so daß ein Krügel Pilsner, das jetzt zehntausend Kronen kostet, dann nur mehr auf etwa 4000 Kronen zu stehen kommen. Selibstverstäudlich würde sich auch die Hembsetzung des Bi-eveinfuhrzolles auch auf Deutschland auswir'ken und nicht nur das Pilsner, auch das 'bayrische Bieg müßte billiger 'werden. Der FinanFmimstsr gab 'der Abordnung die. Versicherung, daß er bei allen die Brau- Industrie Mtelvessievenden Maßnahmen deren Gutachten einholen wolle. Leichte Niederschläge. Amtlicher Wetterbericht. Voraussage: Vorwiegend trüb, leichte Niederschläge nicht ausgeschlossen. Temperatur nähe dem Nullpunkt. * Das Neueste ist . . . Das Neueste ist nämlich, daß es der findigen bayrischen Polizei gelungen ist, einen Kaufmann stellig zu machen, der seine Tätigkeit in der Absicht ausübte, Gewinn zu erzielen. Mau erwäge das Entsetzliche: Ein Kaufmann, der Gewinn erzielen will!' Kein Zweifel, daß die Welt solch Greuel und niederträchtigen Frevel noch nicht erblickt und darob vor .Grauen m Erstarrung fiel« M. MnMr 1082 M. 17W Seit Menschengedeuken übt der Kaufmann sein Gewerbe uw Gotteslohn und fein einziges Bestreben ist darauf gerichtet beim Verkauf der Waren tunlichsten Verlust zu erfahren. Namentlich während des Krieges ist dieses Bestreben bis zur wirtschaftlichen Geißelung fortentwickelt worden. Wenn es hier und da trotzdem passierte, daß Kaufleute Gewinn erlangten, so geschah das selbstverständlich jedesmal ganz gegen ihren Willen, und mußte als unangenehmer Zufall ertragen werden, so gut es gingi So haben es die Kaufleute gehalten seit den Zeiten der Phönizier, die ja bekanntlich nur deshalb in die Nordmeere gesegelt sind, weil sie hier die Aussicht witterten, wenn schon nicht beraubt und erschlagen zu werden, so doch mindestens ein schlechtes Geschäft zu machen, zu welchem Zwecke sie überdies den Bernstein nach Hause schleppten. Und nun nach der endlosen Kette der veAustgierigen Kaufleute das widernatürliche Ungetüm, das auf gewinnbringende Geschäfte ausging!' Die deutsche Sprache ist nicht stark genug, dieses Vorgehen gebührend zu kennzeichnen. Selbstverständlich ist der ruchlose Geselle ein Jude, der auf diese Weise neuerdings bezeugt, welcher Perversitäten man sich von dieser Rasse zu versehen hat. Wenn es auch vielleicht Unrecht wäre, zu behaupten, daß sämtliche jüdischen Kaufleute so weit gehen, gewinnbringende Geschäfte machen zu wollen, so genügt die Tatsache, daß einem dieses fluchwürdige Bestreben nachgewiesen werden konnte. Sie genügte auch wirklich, denn zum Glück trat das Monstrum in Nürnberg in Erscheinung, und die bavrische Polizei weiß, was sie in solchen Fällen zu tun hat. Wie es heißt, steht die Ausweisung sämtlicher Kaufleute bevor, die beabsichtigen, gewinnbringende Geschäfte zu machen. Auf welche Weise man dann Lebensmittel und Bedarfsartikel ins schöne Batst rland bekommen wird, ist noch nicht klar, aber d-ie Wohnungsnot wird ein Ende haben. Kater Murr. ' * Zionistisches.Landeskomitee. Die Bezirkssektionen und Sondergruppen werben aufgefordert, ihre Parteiratsmitglieder bis spätestens 15. d. bekanntzugeben, da unmittelbar darauf das Parteigericht zwecks Verifizierung der Mandate znsammentritt. Später bokanntaegebene Parteiratsmitglieder werden daher an der ersten Sitzung des Parteirates, die am 27. d. stattfindet, nicht mehr teilnehmen können. — Die Finanzkommission des Landeskomitees halt Montag den 14. d. um halb 7 Uhr abends eine wichtige Sitzung ab. — Dienstag Len 15. d. um halb 7 Uhr abends Sitzung der politischen Kommission. Um 8 Uhr abends Sitzung des Landeskomitees. * Wiener Zionistisches Lokalkomitee. Morgen Sonntag um 11 Uhr vormittags Sitzung. — Donnerstag den 17. d. um 7 Uhr abends, 2. Bez., Taborstraße 20 A, Sitzung der Schekelkommission. * Semesterschlutz in den Schulen. Der Stadtschulrat für Wien hat auf Grund ministerieller Ermächtigung verfügt, daß an jenen Schulen, wo das laufende Schuljahr bereits am 3. September 1923 begonnen hat, das erste Semester diesmal ausnahmsweise schon am 1. Februar schließt., Der Unterricht im zweiten Semester beginnt an diesen Schulen am Mittwoch den 6. Februar. * Der Selbstmord Weinbergs. Der 37iährige Buchhalter Albert Weinberg, ein etwas wirrer Kopf, der Streitschriften gegen den Zionismus verfaßte und mit ihnen sich bis an die Spitzen der Behörden -wendete, hat sich, wie, damals berichtet, am 80. November vorigen Jahres nach einem mißglückten Selbstmordvevsnch aus dom Hotel Tiroler- Hof entfernt und war bald nachher bei der Angavtenbrücke in den Donaukanal gesprungen. Gestern nachmittags hat der Schien ßemneistsr Josef Denk beim Absuchen. des Donaukanals die Leiche eines Mannes gefunden, in der nunmehr Weinberg erkannt wurde. * Von einem Auto niedergestoßen. Geistern mittags wubde in der Nähe des Hotel Metropole am Franz Josefs-iKai^ der 70iä>l)rige Buchrevisor Heinrich Eppstein, 7. Be;., Stiftgasse 17 wohichaft. von dem Auto A 4 359, das der Ebauffeur Johann N a g u l a lenkte, erfaßt und nisdevgestoßen. Eppstein erlitt eine Nervenerschütterung und eine Rißwunde am Hintechaupt. * Ein verwegener Raubüberfall an einer Prostituierten. Gestern in den Abendstunden kam in das Haus Jcchngasse 22 in das Zimmer einer Prostituierten ein junger Mann und sing ein kurzes Gespräch an. Dem Mädchen war es ausgefallen. daß der Bursche nach dem Betreten des Zinrmers den Riegel au der Tür von innen zugozogen hatte. Ihr wurde ängstlich zumute und sie ging zur Wre und zog den Riegel wieder auf. Dies schien der Bursche bemerikt zu haben, denn er nahm die auf den Tisch g-eworfene Brieftasche wieder und verschwand. Nach knapp einer Stunde, es war zirka 8 Uhr abends, kam anscheinend der gleiche Bursche, zu einer zweiten in dem Hause Jahngasse 22 wohnenden Prostituierten. Ms das Mädchen >den Geldbetrag,.den ihr der Mann ^versprochen hatte, verlangte, trat der Bursche auf sie zu, packte sie am Halse, hielt ihr mit der Hand den Mund zn und versetzte der zu Tode Erichrockoneu mit einen: Gegenstand, vermutlich einem Messer, einen Stich in den Rücken und einen zweiten in die linke Gesichtshälste. Sie rief um Hilfe und konnte noch in Abwehr den Burschen in die Hand beißen und ihn mit einer Hand im Gesichte Kratzwunden beibringen. Der Bursche ergriff die Flucht. Er touirde verfolgt, konnte jedoch nicht mehr eingeho'lt werden. Die Nachforschungen nach dom Täter wurden eingeleitet. * Ein albmisches Grubenhündchen. Politisch« Meldungen sind ja in vielen Fällen sehr ulkig, auch wenn sie sich sehr ernst gebärden; etwa wenn gemeldet wird, Ungarn habe die Ausländsanleihe schon in der Tasche und es hänge von der Gnade der erwachenden oder anderen Betharen ab, ob sie sie annehmen wollen. Aber politische Silvesterulke eines englischen Blattes in ernstes Gewand zu hüllen und als Telegramm des Pariser Korrespondenten weiterzugeben, blieb einem, Wiener Spätabendblatt Vorbehalten, das allen Ernstes mit Berufung auf „Daily Expreß" meldet«: „Ein junger Mann, der vor kurzem heiratete, wollt« zum Beispiel seiner jungen Frau den Thron von Albanien als Hochzeitsgeschenk üo«rveichen. Auch ein Zahnarzt hat sich gemeldet, bei welcher Gelegenheit der albanische Pvemierminister gesagt haben soll, es handle sich hier offenbar um eine Person, die mit goldenen Kronen umzugehen versuche. Charakteristisch ist dev Brief eines Engländers, der schreibt: „Väterlicherseits bin ich nicht adelig, aber seitens meiner Mutter kann ich beweisen, von Wilhelm dem Eroberer abzustammen,"' Das Interesse der Welt an der Besetzung des albanischen Thrones ist ja. so groß, daß das Wiener Blatt glaubt, es müsse seine Leser unter allen Umständen genau darüber informieren, wer Mbret von Albanien wird. Da wird nun jedes Wort über Albaniens Thronsorgen hastig zur „Meldung" gemacht — und das Ergebnis: ein niedliches Grubenschoßhündchen, aus englischem Humor geboren und mit liebevollem Ernst gehegt. Ich sag's ja: Mit Albanien soll man sich nichts - ««fangen! ' -tz>

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