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Wiener Morgenzeitung · 1924-01-12 · Heft 1763 (12.1.1924) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1763 (12.1.1924)
Date
1924-01-12
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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SÄte t Wen, SemMg Wiener MovftenzeltunK. ' n. m IM Nr. 1768 Metalliudnst r i e erhöht sich voll Tag zu Tag. L-iptak ii. Co-, Eisenwerke, haben ihrell Betrieb in den letzten.Tagen gänzlich eingestellt und ihre gesamte Arbeiterschaft von 3000 Kopsen entlassen. Die Ganz-Dan n b i n S - Schifsswerste und Waggonfabrik haben 6 O O A rbeiter entlassen und 35 Beamte gekündigt. In der Munitionsfabrik Manfred Weiß würden 1500 Arbeiter entlassen. Auch in kleineren Betrieben der Eisenindustrie nehniell die Arbeiterentlassungen täglich größeren Umfang an. Die Untersuchung über ßsongrad abgeschlossen. (Eigendienst der „Wiener Morgen-citung") Budapest, 11. Jänner. Die Untersuchung in der Angelegenheit der C s o n g r a d e r Bombenaffäre und der „A l f ö l d e r B r i g a d e" ist, wie au8 Szegedin gemeldet wird, abgeschlossen. Der Bericht der Szegediner Bebörden wird morgen dem Minister des Innern vorgelegt. Ein Teil der verdächtigten Personen wird nach Budapest übersübrt. An Attentat gegen die Erwachenden? (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Budapest, 11. Jänner. Im Laufe des Abends erstattete die Vereinsleitung der „Erwachenden Magyaren" bei der Polizei die Anzeige, daß gegen sechs Uhr abends von einem unbekannten Täter in der Einfahrt des Klubhauses eine Handgranate niedergelegt worden sei. Zu dieser Sturrde war die Vereinsleitung unter Vorsitz Tibor Eckhardts zu einer Sitzung versammelt gewesen. als die Frau des Portiers die Versammelten alarmierte und sie zur Handgranate führte. Die Uintevsuchung ist eingeleitet. Automobilunfall des griechischen KSnigspaarer. Die Königin schwer verletzt. (Eigendienst der „Diener Morgenzeitung".) London, IO. Jänner. Wie aus Bukarest gemeldet wird, sind König und die K ö n i g i n v o n Griechenland das Opfer eines Automob ilunfalles geworden. Die. Königin soll schwere Verletzungen erbitten haben. Der König blich unverletzt. Die Wirren in Mexiko und die Wische Anwaudernng. Wie I. T. A. aus Chicago berichtet, können die tm mexikanischen Hafen Vera Cruz eingetrolffenen jüdischen Einwanderer nicht landen, weil der Hafen wegen der Revolutionswirren gesperrt ist. Die fünfzehn in Vera Cruz wohnenden jüdischen Familien sind nicht in der Lage, den Einwandernden zu' helfen. Wie der Sekretär det B'nai B'rith-Loge in Chicago, Herr Leon L. Lewis, mitteilt, ist eine Unterstützungssumme für die.Immigranten bereits abgeschickt worden, weitere Summen sollen folgen. Litwinow Wer die Konzessionen. (Eiaendienst der „Wiener Morgenzeitung".) London, 10. Jänner. ,/Manchester Guardias veröffentlicht einen Artikel des russischen Handelskommisiärs Litwinow über die Beteiligung des internationalen Kapitals in Sowjetrußland. Danach hat das AußenhamdelLamt (Wnefchtovg) im Laufe des vergangenen Jabres insgesamt 800 Angebote von ausländischen Kapitalisten auf Beteiligung an russischen Unternehmungen genehmigt. In erster Linie steht deutsches Kapital. Die wichtigste, den Deutschen verliehene Konzession ist nach Litwinow die Holz- und Eisenba-hnkonzession „Mologa", bei der der frühere deutsche Reichskanzler Dr. Wirth Präsident des Verwaltungsrates ist. Diese Gesellschaft bsavbeitet aine Million Deßfattnen Beiden fläche. Dann folgt die K rup Pfch e Ackerbaukonzession mit 25.000 Deßsatmen Arbeitsfläche und einem Kapital von 40.000 Pfund, wovon die Hälfte jedoch in englischem Besitz ist. An dritter Stelle steht die Handelskonzession des OttoWolff-Konzerns. Englamd ste-ht unter den Ko nMvonsnationen erst an zweiter Stelle, während Frankreich überhaupt noch keine einzige Konzession erhalten hat. Litwinow erklärt zum Schluffe seines Artikels, es gäbe so viele An Wärter um Konzessionen in Rußland, daß die Sowjetregierung in der Lage sei, sehr wählerisch vorzugehen und nur die günstigsten OArte zu berück sichtigen. Hungerstreik Wischer Emigranten. W»me Gruppe jüdischer Emigr^rten aus Polen wurde von der Auswandererhilfsgesellschaft „Jaka" auf dem Schiff einer französischen Linie nach Argentinien transportiert. Die Emigranten, welche vor kurzem in Argentinien gelandet sind, veröffentlichen in den dortigen Blättern eine Warnung vor dem Transport mit französischen Schiffahrtsgesellschaften nnd weisen auf ihre Reiseerlebnisse hin. Sie wurden, obwohl sie Schiffskarten dritter Klasse hatten und eine solche in gutem Zustande auch auf dem französischen Schiff vorhanden war, in feuchten Kellern untergebracht, deren Luft den Atem verschlug. Das Essen war ungenießbar. Die Proteste der Passagiere nützten nichts. Sie erhielten stets die Antwort, sie seien Bolschewiken und Meuterer und für sie gäbe es keine besseren Wohnräume und kein besseres Essen. In ihrer Verzweiflung trat diese Gruppe von Emigranten in einen Hungerstreik. Als Repressalie wurde ihnen die Verabreichung des Wassers entzogen, sogar die kleinen Kinder bekamen kein Wasser. Die Emigranten erreichten in völlig erschöpftem und hergenommenem Zustande ihr Reiseziel. krmrdms der SeparatisteHihrer. der Reichsregienmg. - Bennnchigung in London. — Lord tznrzon bet* langt eine ünterfnchnng an Sri nnd Stelle. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Berlin, 10. Jänner. Die Rsichsvegierung Lündigt in einer Kwndgcib-nng fiu kn Vorgängern m Speyeir. an, sie wende durch die deutschen Vertreter in Paris und B r ü s s e l die schärfste Verwahrung gegen das Vorhalten der Besatzungsbehövden und der Rhoinlanidskomimission oinlegen . lassen. In der Kmudgeibumig heißt es unter anderem: Durch die Evrnovdmig des Sepatatitstenführers Heinz sei die durch die Sepavatistenpntsche uwd ihre Begünstigung durch die Bssatzungßbehörde gefchcvffene Lage Wtzartvg beleuchtet worden. Seit Wochen sei die wehrlose Bevölkerung auf Gnade und Ungnade dem ungehemmten Terror einer skrupellosen Bande ausgeliefert, die sich als unumschränkte Herrin, im Lande aufführe. Plünderung, Vertreibung, Freiheitsberaubung, Raub und Erpressung seien an der Tagesordnung. Die rechtmäßige Polizei werde durch die Bosatzungsibchwrde auf Schritt und Tritt gehemmt, von ihren gesetzlichen Mitteln Gebrauch zu machen. Das französische Militär, das sonst in jedem harmlosen Vorfall sofort eine Bedrohung der Sicherheit der Besatzungstruppen und der öffentlichen Ovdn-ung er- Aicke, sehe nicht nur tatenlos diesem Treiben zu, sondern begünstige es auch m jeder Betziehung^ Paris, 11. Jänner. Nach MrtteNmgen des ,/Lcho de Paris" und des „Matin", die Einzelheiten über den französisch-englischen Konflikt bringen, sei die Annahme berechtigt, daß sich London und Paris über die Durchführung der Untersuchung noch nicht verständigt haben. Nach dem „M a t i n" habe der französische Botschafter in London neuerdings eine Unterredung mit Loch. C u r z o n über die Vorgänge in der Pfalz gehabt, wobei Loch C u r z o n eine Untersuchung an Ort und Stelle verlangt habe. Man behaupte sogar, er habe die Absicht, die Angvlegercheit dem Völkrbund in G e n f zu übevmittein. London, 11. Jänner. Die Vorgänge w Speyer wirken hier beunruhigend, weil man weitere Zwischenfälle und eime Verschärfung der Lage befürchtet. „Daily Telegraph" steht darin eine Bestätigung für die Dringlichkeit des, englischen Verlangens nach einer interalliierten Untersuchung der Lage in der Pfalz. Die diesbeKügjlichen Verhandlungen' mit Pa vis sind cm eiimm toten Punkt angelangt, weil Frankreich wohl einer Untersuchung zustimntt, aber nur durch die Mtemliliierte Oberikommiss-ion, was England als wertlos ablehnt. Freilassung der Geiseln. Zweibrücken (Pfalz) 11. Jänner. Die von den Separatisten verhafteten Geiseln sind sämtlich in Freiheit gesetzt werden. Die Freigelassenen mußten sich schriftlich verpflichten, das Weichbild der Stadt nicht M verlassen. Ein neuer Separatistenputsch? Mannheim, 11. Jänner. In Worms haben die Separatisten neue Abteilungen zusammengezogen. In verschiedenen anderen Orten entfalten sie .eine st a r k e Werbetätigkeit unter den Erwerbslosen. Dadurch sind Gerüchte Mer einen neuen unmittelbar bevorstehenden Putsch der Separatisten entstanden. Französische Maßnahmen. Paris, 11. Jänner. Wie düs ,Mho de Paris" aus Speyer meldet, hat der Bozirksdelegievte der Interalliierten Kommission wegen der Ermordung des H. einz den Verkehr zur Nachtzeit für Speyer verboten. Ferner wurde die Einreise in die Pfalz allen nicht in den besetzten Gebieten wohnenden Personen untersagt und die Sperrung der NheinbvückM, ausgenommen fiir den EisenbchnreAchr, ci „geordnet. General de Metz empfing.gestern eine Anzahl Abordnungen, darunter Jndustrielleu 'rrbäudc, Bankveremigungen/ Vertvettr des Vereines der preußischen Zeitnngsvertegcr, die ihm einen Protest gegen die unrecht mäßig e Re g i erung in Speyer überreichten mit dein Bemerken, daß sie diesen Protest bei dar Interalliierten Rheinlandskonnnission wiederholen würden. Bor dieser Deputation hatte de Metz die Vertreter .der preußischen Städte empfangen, die ihm gegenüber den in Koblenz eingelegten Protest der preußischen Städte gegen die zu Unrecht 'bestehende autonome Regierung der Pfalz wiederholten. Eine Interpellation in dev französischen Kammer. Paris, 11. Jänner. In der heutigen Sitzung &V Kammer brachte der Deputierte de M a g e l o n eine dringliche Anfrage wegen der Ermordung des Separatisten« sührers Heinz in Speyer ein und verlangte deren sofortige Besprechung durch die Kammer. Die Kandmer lelhBe die' sofortige Besprechung der dringlichen Anfrage ab. Sodann interpellierteder sozialistisch-radikale Abgeordnete Herriot die.Regiem-ng über die Neparaiions- und Schulden frage, besonders mit Bezng auf die Ablehuung des Vorschlags des - Staatssekretärs H u g h e s betreffend die Einberufung einer internationalen Sachverständigenkommission. Herriot erllärte, daß diejenigen, die die Rulhraktion solange für notwendig angesehen haben.- jetzt bereits zugeben -müßten, daß sie allein für sich nicht genüge. Seiner Ansicht nach dürfe die.Ruhrb e s e tz u n g n i ch t als eine Garantie für den Frieden angesehen werden. Eine feste Garantie, für den Weltfrieden, sagte Herriot/müsse durch den Völkerbund angestrebt werden. Es sei zu bedauern, daß diese I n st i t u t i o n in Frankreich so be.Iä chelt werde. Die Ergebnisse der Rührbesetzung seien bei. weitem nicht so - befrisdiMd gewesen, wie dies Poincare behauptet habe. Hilfsaktion ffit Wische geistige Arbeiter in Deutschland. Lebensmittelhilfe der „Mittelstandsfürsorge". Wir erhalten den folgenden Aufruf: Der Mittelstand in Deutschland hungert. Gerade die Besten und Wertvollsten leiden anr meisten. Allen, die willens sind, zu helfen, ermöglichen wir in vollkommen uneigennütziger Weise, mit den geringsten Mitteln die größtmöglichste Hilfe zu leisten. Wir stellen die Lebensmittelhilfe nach Deutschland auf eine völlig neue Grunddlage. Wir bringen Lebensmittel in Paketen zu 5 und 10 Kilogramm nicht ab Wien, sondern ab Freihafen Hamburg, wo diese Lebensmittel zur Versorgung von halb Mitteleuropa aufgestapelt liegen, auf Grund von außerordentlichen Begünstigungen seitens der deutschen Behörden, welche unserer Aktion, im Hinblick auf ihren rein wohltätigen Charakter, eingeräumt wurden, zum Versand. Die so erzielten Borte>'le bestehen darin, daß 1. die Preise der Pakete bei gleicher Qualität um zirka ein Viertel niedriger find als beim Versand ab Wien, da fast alle in den Lebensmittelpaketen verwendeten Waren Importe aus Hamburg find, 2. die Pakete in kürzester Zeit ihren Bestimmungsort erreichen, 3. daß der Wiener Markt entlastet wird und die in Wien beginnende Lebensmittelteuerung, welche zum Teil durch die plötzliche und täglich wachsende Nachfrage nach Lebensmitteln für Liebesgaben verursacht wird, nicht gesteigert wird. Der Unterzeichnete Verein, dem ein vertrauenswürdiges Kontrollkomitee in Hamburg zur Seite steht, bietet die Sicherheit für klaglose und rasche Durchführung. Spenden werden im Einvernehmen mit der Z e ntralstelle für jüdische soziale Fürsorge verwendet. Mittelstandsfürsorge . Hilfsaktion für jüdische geistige Arbeiter in Not. Hebriiische Altertümer in Aleppo. Die „Vier Kronen". Der bekannte amerikanische Zionistenführer Doktor Magnes befindet sich gegenwärtig auf einer Studienreise in Palästina und Mesopotamien. Auf seinem Wege nach Bagdad kam er in Gesellschaft der amerikanischen Dele^ gation für Archäologie von Palästina, deren Mitglied Doktor Magnes ist, auch nach Aleppo. Hier besuchte er die dielen berühmten Aliertumsdenkmälec der Stadt und vor allem die uralte Synagoge.- Diese Synagoge bewahrt unter anderen Schätzen eine Anzahl alter Manuskripte der hebräischen Bibel, von denen vier besonders berühmt und unter dem Namen die „Vier Kronen" bekannt sind. DiL.se Manuskripte sind auf Pergament geschrieben, eines derselben wird auf ein Alter von mehr als tausend Jahren geschätzt, während ein anderes, in Silbereinband, mit herrlichem Bilderschmuck, ein Alter von über 600 Jahren haben soll. Dr. Magnes besuchte auch die Moschee Al Chajath. Dieses Gebäude war ehemals eine Synagoge und wurde von den Ar a b e r n beschlagnahmt und in eine Moschee unrxewaudelt. Hebräische Inschriften, die auf dem Gebäude noch vorhanden sind, weisen auf ein Alter von über 1000 Jahren hikr. Auch in anderen Städten des Orients besuchte Doktor. Magnes die Synagogen, neben denen besonders die Genisas, die Aufbewahrungsorte alter Tborarollett und sonstiger archivarischer Stücke, für die Forschung von großeru Werte sind. Dr. Magnes will nach seiner Rückkehr in einem unlfangreichen Werk übex seine Funde und das'Ergebnis' seiner Studien berichten. Amnndsen« Rordpolplüne. Aus Berlin wird uns gerneldet: Der Nordpolfahrer Noald Amundsen ist in Berlin eingelroffen. In einer Unterredung mit einem Mitarbeiter des „Berliner Tageblatt" erklärte er unter anderem, sein im vorigen Iah« aufgegebener Versuch, den Nordpol zu

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