Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1763 (12.1.1924)
- Date
- 1924-01-12
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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(Seite 2 Wien, Sämsiag jvegen der Nilstttstgvsv.G.e uub schließlich durch dir \/.,i.. Anerkennung SGvjetrnßlauds kann Frankreichs Stellung im Mittelmoer, auf dem Balkan, in Mitteleuropa und nicht zuletzt im vorderen "Asien erheblich erschüttert werden. In den wichtigsten Fragen, die fast den? Lebcnsinteresse für Italien bedeute^ hat England sich trotz seiner vorsichtig tastenden Politik für dieses entschieden. Für Italien war das europäische Gleichgewicht, abgesehen von territorialen Fragen, gestört im Augenblick, in welchem Frankreichs Schwerindustrie durch die Ruhrbosetzung eine Monopolstellung erlangt hatte, wodurch Italien in seiner Rüstungsmöglichkeit betreffs der Rohstoffversorgung beschränkt ward. Da ferner für die Entwicklung des Exports und die Ausdehnuugsmögtichkeit nur die Richtung über den Balkan ^rach der Levante in Betracht kam und schließlich eine ungestörte Ntittelmeerverbindung zu den afrikanischen Kolonien und dem entfernteren Osten unerläßlich war, mußt« sich die Emanzipation von Frankreich vollziehen und eine Anlehnung an andere aufstrebende Mächte gesucht werden, von denen Deutschland und Rußland vorerst nicht in Rechnung zu ziehen sind: es erfolgte daher zunächst die Annäherung an das rassenverwandte Spanien. Dieser für die europäischen Fragen sich deutlich ausprägendr Zusammenschluß bezieht sich aber auch auf die Erhaltung der spanisch-italienischen Kulturkolonien in Südamerika; hier würde natürlich eine scharf akzentuiert aktivistische Politik auf den Widerstand der Vereinigten Staaten stoßen, die demnächst die Jahrhundertfeier der Monroe-Doktrin begehen werden. Durch das Zusammengehelt mit England und dllrch die Vergrößerung seines Machtbereiches im Mittelmeer wird in Bälde auch in Palästina Italien sich firtanziell und wirtschaftlich sichtbar lnachen; dies wird desto intensiver geschehen, je schwächer Frankreichs Stellung in Syrien sein wird. Da Italien sich nur nach dem Osten hin ansdehnen kann, nachdem ihm einmal der Balkan selbst verschlossen ist, Griechenland sich mit Jugoslawien und in weiterer Konsequenz mit der kleinen Entente verständigen wird, die bereits unter französischem Einfluß steht, sind daher bei normaler Entwicklung italienische Schiffe, italienisches Kapital, ttalienische Energien zwischen Kleinasien und Aegypten zu erwarten. Diese Konstellation beinhaltet die Möglichkeit neuer politischer Bündnissysteme, daher die Aufmerksamkeit, mit welcher die Regierungen scheinbar fernliegende politische Ereignisse studieren. Man sucht nach Elementen zur Bildung eines neuen europäischen Gleichgewichts und kommt zur Erkermtuis, daß die Lebensfragen einzelner Staaten alle wiederum in den großen Strom des europäischen Völkerlebens nrürchen. ZMsK-arabische Zusammenhänge. Bon Umversitätsprofessor Adolf Strauß.*) Die Bodens rage in Palästina dürft« die Bezieht, ngen Kvischen der avaibffchsn und jiüdffchsn BevAkevu-ng schwerlich , gefährden. In Palästina verbleibt noch für lauge Zeit genügend kuituirfähiger Ackerboden iür beide VoLksÄLMeme, denn auf wmgsfähr 30.000 QuadraMom«i«r lbben bi'oß 800.000 bis 900.000 Menschen und der Boden ist überhaupt noch nicht in euchprechenver Weise bebaut. Die Hälfte des zu bebauenden Bodens stcht noch zur Berxü-gung, ein Gebiet, tvÄches bei gewöhnlicher bandiwirtlschasMchr Bearbeitung ohne Obst- und, Gar'.en'bau ein halbes Jahrhundert für die jüdische Aüsiedliung genügt, geschweige denn, daß man auf oine entsprechnde Gartenwirtschaft übergeht. We-it-er ist in Betracht zu ziehen, daß die beständige Steigerung der intensiven Wirtschaft durch die Juden die künftigen wirtschaftlichen Aussichten vielfach erhöht und daß auch die voraussichtliche .starke arabische Auswanderung nach Mesopotamien wiche Gebiete für die Zuku-nfl erschließt. Es ist wahrscheinlich, daß in Meisopotamien das alte KanwMeruusMystenn n-vu gchchafsen werden wird. Hierdurch Wird der Westen mit unberechevbaron landwirtschaftlichen Werten überschwemmt werden und das dort wohnende Araber tum infolge der großen ProdEtiian einen unigeahntrn wirtschaMichen Aufschwung nchmen. Schon vor den: Wclllkcieg durchforschten europäische und amerikanische Jugmüeiu-re das Tigris- und Guphvaldeilta, um einerseits die Nalpihchagebivie zu studieren, andererseits durch den Bau von Kanälen diesem unyohsursn Gelbist neue Wirtfchaftsmöglichkeiten zu erschließen. Das GeÄiet -in dem Tigris- und Euphratdelta, das für die Landwirtschaft gewonnen werden Tann, ist so groß wie das gesamte Gebiet des Königreiches Italien. Infolge Mangels an en-tfprechondem Boden und der damit einhergchenden wirtschaftlichen Uckbck dürft-en also Gegoa« sätze zwischen dem Judentum und denn Aräbettuim schwerlich entstehen. Um so wertvoller ist für die Avaibor das, was ihnen das Judentum bereits bisher an wirtschaftAchrn Werten gebracht hat und was es ihnen noch weiter in gestöigenam Maße bringen wird. Berkchrsmittell, Eisenlbahmn, Straßen, neue Mär!kt>e für die Pvodükte, Gold, all das sind nnlschätzbar- Werte. Man kann in der Dat sagen, daß das Araber bum keinen Grund hat, sich vor den Juden zu fiirchten, daß im Gegen teil gewisse Besorgnisse in der Seele des Judentums entstellen können, das wuinimchr sich anjschickt, den Böden von Palästina durch Invest ii-ionen, durch aufopfernde .straft zum Ans- Milhrn zu hviwgm, um den Arabern ein mode rn entwickeltes Land zu .schaffen. Aber auch das ist. bloß eine Böforgn-is. Denn die Araber, die ihre eigene Wiedergeburt münden, müssen schm, daß die Juden nur das gleiche für sich *) Siche die Aufsätze ,Juden und Araber" irr Nunvmer l750 (30. Dezember 1923) und „Der arabische Raii.ma.'- chorakter" in Nummer IW (1. Jänner) nnferes Blattes. Wiener Morgenzelturig. ver.ungm. Sie müssen erkennen, daß sie sich einer ist d.r gaitijeu Welt entfacht c-n Strömung gogorMber finden und das; diese nicht aussizuhalt-en ist, weil sie unaufhörlich fließt. Diese Siröur'.inig ,viid ans allen Geigenden der Welt beständig ge« nährt und tritt mit der unüberwi,Wichen Krcht einer visltaüseitdjcilhviig-n berechtigten Forderung ans. "Auch das Jneresse des Llralbertuius wünscht es, und zwar nicht bloß des engeren palästinensilfchon Aralbortums, sondern das Interesse aller Araber, denn in dem geplanten arabischen Staat-mtbunde, welcher Arabien, Syrim und Mcisopotanliell mufassou wird, könnte das Aralbevdum weder der Zahl nach, noch auch tvirtschaiftll'ich auif einen grünen Zweig kommen, es umß daher antlf die Hilfe der in der ganzen Wellt zerstreut lebenden Juden rechnen. Diese Hilfe gewälhrt der arabischen Entwicklung eine weite Perspektive. Dr. Artur Rnppin schreibt darüber in seinem hervorvagenlden Werke „Der Ausbau des Landes Israel": „Das neue Reich (Syrien, Arabien und Palästina) tritt sowohl numerisch als auch wirtschaftlich zieanklich schwach in die Geischichte ein. Die sümif bis sechs Millionten Araber, die die Bewohnerschaft bilden, sind wirtlscha'ftllich nnMbildet und in der europäischen Omanifcrtion nnd Politik unerfahren. Sie werden viele Feinde nnd Hindernisse auf ihrem Möge finden und deren Uetberwinldurm wird, tvenn sie allein stehen, sehr schwer oder vielleicht gar unnwOich sein. Ein Bündnis mit den Juden, die mit einer Seelen,zahl von süni;chn Millionen in allen Ländern zu Hause sind, die durch ihre BWunia. durch ihr Kaviwl und durch ihre Presse großen Einfluß halben, wird dem Arabertum von bedeuten« dem Ruhen sein. So ist es beiwielslweise wahvscheinlich, daß das neue arabische Reich eben inlsoillge einer niedereren wirtschaftlichen Entwicklung nicht imsstlande sein tpivd, ein eigenes Geldsystem aus oigener Kraft zu schaffen, irgendeine Art von Mün-zuniion nrit dem iirdischen Staate — zuimaik in Palästina ein großer Geldverkchr zu erwarten steht —. kann die GrundlaiM für die Schaffung einer sEtändigen Valuta bilden. Auch auf änderet, Gebieten des staaEchen Lebens werden die Araiber, denen haute mrr ein« verschwindend geringe Zahl von Männern moderner Bildung und Orpanisa« tirmsfälhigkeit zur Verfügung steht, kaum imstande ftin, staatliche Jnistdtutionen aufßurichten und weiter zu entwickeln. Un-er allen UenftäNden werden sie Mwuugen sein, zu diesem Zweck Fremde rmd Verbündete nach außen hin Alt suchen. Es 'liqgt in der Natur der Sache, daß die mit «ihnen benachbarten rassenverüvaNbtM Juden eben infolge ihrer bcikaMten f'maniziellen Kraft, infolge -ihrer FäthWeft in Organisation und Technik allen übrigen BAWem vvrgukieihen sein worden." Das Ambertunr arbeitet daher im Interesse seiner eigenen großen Zukunft, wenn es Hand in Hand mit dom Palästina anfbauenden Judentum schreitet. Zwei Verbündete ftchen hier vor den Auigen der Welt, die jeder mit anderen Kräften einander ldurchdrmgen, bedingen und orgmrzen. Das gwß« arahM^ Lardtzckbiet überläßt der Indenheit nur einen verschNnnZend geringen Toll, andererseits aber schaffen die in der ganzen Welt' zerstreuten Anhänger Zions den aus ihrer Zurückgebliebercheit emtporstrebenden- Arabern wertvollste Unterstützung. Es wäre eine übermenschliche Aufgabe, den mehrere Jahrtar^sende älter. Wog.'der semÄischen RafsenMischung zu verfolgen und die Wujbanide zwischen den.beiden verwandten Völkern in ihrer ganzen Wosercheit daryulogen.. Es genügt in dieser Beziehung zu wissen, daß Juden und Araber durch eine innere RassenverwaMfchast zusammengehalten werden, durch eine Rassengomeinfchaft, welche auf Jahrtausende, bis in die Ateften Zeiten zurückreicht, die sich aber Än Laufe der Geschichte wiederholt immer wieder erneut hat. Dies wird durch die Sprachenverwandffchaft überzeugend klargelegt. Eine nähere Verwandtschaft als die der arabischen und hebräischen Sprache ist kaum denkbar. Man unlelscheidet zwei Zweige des semitischen Sprachstcrmmes: den östlichen und den westlichen. Der östliche Zweig, zu welchem die babylonischen und assyrischen BA-ker gehören, sei hier außer acht gelassen Der westliche Zweig, zu welchem'sowoU die Juden Wie die Aräber gehören, wird in sine nördliche und im sine südliche Gruppe geteilt. Zur nördlichen Sprachengvuppe gehören die aramäischen, hebräischen, moa'bitif cf,en und ph önizischen Sprachen, zur 'süldlichen Gruppe die verschiedenen Variationen der arabischen Sprache. Sowohl die althebräische wie die altarabische Sprache ist bis aus den heutigen Tag in rfjrer Reinheit erhalten geblieben. Die heutige araibiische Sprache, die Sprache des gebildeten Arabertums, in welcher die literarischen Schöpfungen erscheinen und die arabischen Zeitungen ge-schrioben werden, ist identisch mit der vor vielen Jahrhunderten geschriebenen ältaräbifchen Sprache. Dialekte gibt es naturgemäß ebenso Wie im allen gebildeten Sprachen. Die arabische Sprache erhält ihre ungeheure Bedeutung dadurch, daß sie sozusagen ein Bindeglied der durch die Nasse so >schr verschiedenen n,ohammedanischeu Völker bildet. Zweilhundert Millionen Mohankmedaner, die in allen Teilen der Welt leben, werden heute durch^ diese Sprache verbunden. In dieser Sprache ist das he'ili'ge Buch der Mähammedancr, der Koran, geschrieben, die Bücher ihres Propheten, die Kommentare zum Koran, di« juridischen und wirtschaftlichen Schöpfungen. Während einersMS die VMHprache in den mohammüdanffchen Gebieten erhalten blieb, war die Sprache der Religion, der Wissenschaft und der Literatur lange Zeit arabisch. Das Arabische hat aber un-auAöfchl'iche Spuren in der Sprache der moham-inedanffchen Döliver, in erster Reihe natürlich in der Literatuvsprache, zurückgelassen. Di-e heiibige Sprache ist ein -nnerfchöpflicher Schatz für di« mohaurmedanischen Schriftsteller. Der mohainmedanische Schriftsteller ge* stailtet seine Schriften durch die Anwendung avaibischer Sprachsätze literarisch. Auch di« Volkssprache ergänzt sich aus arabischen Urquellen. Wer die Sprache und Literatur irgend eines mohcmrmedanifchen Volkes studileren will, der muß auch heute noch ■ zur Quelle, zur arabischen Sprache zurückgehen. So ist beispirlstveise die türkische Literatursprache voll von arabi.sch>rn Wörtern, namentlich ist stilslstischer Beziehung stcht sie vollkormnen unter arabischen, Einfluß. IS. FStMieir '1924 Nr. 1763 Ter Boden, das Volk und die Vergangenheit Arabiens iveifen trotz der verischiedenen Forschus,gen noch immer Uwbekanntes auf und bieten dem Forscher fruchtbaren Boden. In Inner,-- und Mittclarabien gibt es auch 'heute noch Gebiete, so groß wi>e ouvopä'ische Länder, die der Fuß eines Europäers noch nie berührt hat. Blaues Mvcr mit woißen Felsen: dieses Bild bietet sich sehr häufig dem Fremden dar. Dann eine endlose Mäste, auf welcher da nnd dort Kamel« auftau-chen. In Tälem grün« Palmen. Dahinter fclfige Berge, Gcibirgszüge, di« sich immer höher heben. Dann wieder geschlossene Wüstem flächen. Selten unterbrechen Städte und Karawanen das Wüstenbild. Bekannt sind die uvalten Karawaneirwege, welche in Mekka Zusainmenlan'fen. Die Anhänger des Islam,s werden durch ein heiliges Band zuisammeugehalten. Sie finden sich an'f der Pilgerfahrt nach Mekka zusammen. Sie sind selig, tvrnn sie den weißen Mantel des Jhram aus sich nehmen können. Weniger bekannt ist es, daß im westlichen Arabien, wo honte ausschließlich Araber loben, im erftien Jahrhurtdert vor M)visti Güburt auch bedeutende jüdische Gen,ein* schäften existiert haben. Dies« repräsentierten eine ochMiche 'Kraft, trugen Waffen und bildeten kviegerifch« Gruppen. Solche kriegerische Gruppen lebten in der Gc-gend von Ghaibar, Fadak, Karada, Wadi el Kora sowie Radivu l'Jmbuh. Es ist wenig bekannt, daß Mohammed zu Beginn seltner Laufbahn, als er vergobl-ich vorfuchte, die Araiber für sich zu gewinnen, in Medina die Juden uu, Hilfe angüdg und ihnen das Verspreche,, gab, statt MesAa Jemfalen, zur heiligen Stadt zu erheben und den Samstag statt des Freitags zu heiligen. An doin Widerstand der Juden von Medina scheiterten die Pläne Mähamm-cds. Dies« Tatsache zeigt, wie nahe verwandt der arabische Rolitzionsstifter sich dem Juden tu n, fühlte mid daß die Ar aber noch vor dem Auftreten des Propheten in großem Maße dem jüdifchei, Glauben zun-eigten. Hiedurch ist eS auch erklärlich, daß Mohammed feine Religion auf der Gmndlag« des jüdischen Glaubens aufgebaut hat. Aadtbahngesetz und kleiner Lotto. 'Heiteres aus dem Nationalrat. In, Parlament ging e-s gestern recht friedlich zu. Gemäß dem von den Parteien geschlossenen Uebereinkommen wurde das Gefetz^ über die V e r p a ch tu n g der Stadtbahn an die Gemeinde Wien und die Gewährung von Bundesbeiträgen für die Wiederherstellung der Jllbrücke in Vorarlberg und für die Behebung von Hochwasserschäden in Salzburg in beiden Lesungen ohne jede Debatte angenommen. Von den ersten Lesungen, deren Durchführung die Sozialdemokraten seinerzeit zu Obstruktionszweckeu verlangt hatten, sind nunmehr alle bis auf die des Anslieferungsvertrages mit Italien erledigt. Aus nähelicgendeir außenpolitischen Erwägungen sind die Mehrheitspaitcicit mit einer Hinausschiebung der Debatte hierüber einverstanden, oa die Sozialdemokraten diese Gelegenheit nicht versäumei, wollen, um über Mussolini und den FaszismuS los/.nziehen. An der ersten Lesung des Gesetzes, durch das die § 14-B erordnnng üb er d i e.b e g ü n st i g t c n B a » ten aufgehoben werden soll, sprach sich der Sozialdemokral Weiß er dafür aus, daß Bauten nnd Betriebsanlage!,, welche öffentlichen oder gemeinnützigen Zwecken dienen, weiterhin als begünstigte Bauten erklärt, und daß hierfür bestimmte Grundstücke enteignet werden können. Dann kam der h eite re T e i l der Sitzung. Es wurde die erste Lesung des Gesetzes über den Weiterbestand des Zahlenlottos vorgenommen. Abg. Schiegl erinnerte an den jahrelanges Kampf, den der Abg. Dr. 8toser im alten Hause geführt hat, um Oesterreich von der Schande des kleinen Lottos zu befteien. Gelegentlich der Einführung der Klassenlotterie im Jahre 1912 wurde ein Antrag angenommen, daß das Zahlenlotto in längstens zehn Jahren den Betrieb einstellen müsse, unter der Voraussetzung, daß das Erträgnis der Klassenlotterie innerhalb dieser Frist so viel abwerfen werde, als der Entgang beim Zahlenlotto ist. Es hätte infolgedessen das Zahlenlotto am 26. Juli 1923 den Betrieb einstelleu müssen. Die Regierung hat also seit dem 26. Jultz 1923 überhaupt kein Recht mehr, das Zahlenlotto aufrecht zu erhalten. Nach ihm kam Abg. Forstner zum Worte, der mit einenr ganzen Pack verschiedener Traumbücher unter dem Arm die Rednertribüne betrat. Er hielt eine Vorlesung aus den Traumbücheln und mußte wiederholt infolge der spontanen Heiterkeitsaus^ brüche des ganzen Hauses in seiner Rede iunehalten. Abg. Forst ner bemerkte, bent Zahlenlotto kommt jetzt gewiß nicht mehr jene Bedeutung zu, die es zu Zeit«n Dr. Rosers hatte. Die Spielwut hat durch die Klassenlotterie, durch die Wettrennen und durch die Errichtung von Spielbanken eine Ablenkung erfahren, und so ist für die Auswucherung der Volksmassen in ausreichendem Maße gesorgt. Ohzwar das Ende des Zahlenlottos gesetzlich festge-- legt ist, wird es mit einer Hartnäckigkeit aufrecht erhalten, die mit der allgemeinen Politik der Regierung übereinstimmt. Alles geschieht unter den, Titel der Sanierung und auch die Beibehaltung des Keinen Lottos soll zur Saniermnt gehören. Auf der ei-tten Seite werden Staatsbetriebe, selbst wenn sie aktiv sindabgestoßen, aus der anderen Seite wird man sich vielleicht um die Verstaatlichung des Agnesbründels in Sievering bemühen. (Heiterkeit.) Vielleicht wird dorthin noch em höherer Staatsbeamter gesetzt, der aus dem Agnesbründel die Nummern herauslesen soll. (Lebhafte Heiterkeit.) Die