Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1763 (12.1.1924)
- Date
- 1924-01-12
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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(Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Paris, 11. Iauiner. Heute um 5 Uhr nachmittags hat der politische Direktor des französischen Außenamtes Peretti dem deutschen Geschäftsträger Hoesch die Antwortnote auf das deutsche Memorandum über die Neuregelung der Verhältnisse im besetzten Gebiet überreicht. Die Antwortnote Frankreichs wird vorläufig geheimgeh a l t e n, ihr Inhalt ist offiziell noch nicht bekannt. Im Anschluß an die Ueberreichung der Note hatte der politische Direktor mit dem deutschen Geschäftsträger eine Unterred u n g, in der er im Namen Poineares versicherte, daß Frankreich die Absicht habe, die Verhandlungen mit Deutschland fortzusetzen. Der deutsche Geschäftsträger wird bereits morgen mit der französische Antwort nach Berlin reisen, um der Reichsregierung Bericht zu erstatten. Die Antwort auf die deutsche Note ist in Form eines Memorandums gehalten, das einen Umfang von 14 Seiten hat. Dieses Memorandum geht Punkt für Punkt auf die deutschen Ausführungen ein, um den französischen Standpunkt zu begründen, der, wie man nach den Presseäutzerungen der letzten Tage annehmen darf, im loesentlichen ablehnend ist. Einige Stunden vorher ist die belgische Antwort ebenfalls überreicht worden. Sie kleine Entente einig. Sie Beratmmm i» Belgrad. - Sie Anerkennung Rußlands erfolgt »ach Hem Modus der Großmächte. - Für eine FriedenstiolMk. (Cigendienft der „Wiener Morgenzeiturrg".) Belgrad, 14. JAmrsr. Wie bei international«.».- Konferenzen Mich, besonders, Ivenn sich So nder'bevichtevstatier in fo überreicher Zahl eiinfinden, wie diesmal in.BÄgvcch, werden Kombinationen in Umlauf- 'gesetzt' und Dats-chm gemeldet, die alles andere als stichhältig sind. Es hcmdeLt sich um das abgeschlossene Bündnis zwischender Dfchecho-Silowakei und Frankreich, ' um welches fetzt in Belgrad ein Sagenkreis gsmeilidet wird, obgleich' sofort betont werden muß, daß von einer Ausdehnung des Bündnisses auch auf andere Staaten der kleinen Entente nicht gesprochen worden kann, lieber den Verlauf der bisherigen Berhandluugen erfährt Ihr Korrespondent, daß die Beratungen vom gestrigen Abend und zum ToA auch die heutigen Beratungen Fragen allgemeinen politischen Interesses gewidmet waren' und in erster Reihe die. Staaten der Weinen Entente unmittelbar berühren; sodann wurde auch eine Diskussion' über das Reparationsproblem und die neue englische Regierungsvorlage abgeführt. Fm Rahmen der Besprechung über die allgemeinen politischen Fragen l>at 'Minister Duca ein längeres Referat über die Stellung Rumäniens zu So'wjetrußland gehalten. Die allgemeine Dendeni; der Aussprache ging dahin, in Hinkunft volle Handlungsfreiheit gegenüber Rußland zu iwalhren. In anderen Fragen wurde die Zusammenarbeit mit Frankreich, England und auch Italien wie bisher betont. Die Minister besprachen auch das Verhältnis der Staaten der kleinen Entente zu Frankreich und zu Italien im allgemeinen. Bei Erörterung der Balkanfragen wurde als Spezialthmna die griechische.Frage sehr aussühMch behandelt, und auch die bulgarische Frage war Gegenstand eingehender Erövtevmigen. Doktor N i n c i c erstattete ein ausführliches Referat über die Besprechungen . FugoskawkettS mit JtÄieu. ' Da es verschiede ne st r i t L i g e P unkt e gegeben ■ habe, sah• sich' F eingehende Informationen zu gehen Schlüsse dieser Beratungen würde'betont, daß mmr in allen Fragen der internationalen PolEtik mit Italien genau so wie mit Frankreich und England Mitarbeiten werde. Nachmittags setzten die Minister ihre Beratungen fort. Abends findet eine Festvorstellung im Nationalthsater statt. Rach dieser'sind die DellegatioMN und die diplomati-. schen Vertreter. Gäste des französischen Gesandten, Minister Glamens Simons. Die Frage der Anerkennung Rußlands. Es ist bezeichniend * für die Harmonie in den grundsätzlichen Auffassungen der Regierungen der kleinen Entente, daß es in dieser Fmge bereits nach kurzem Ge- Äankenaustausch zu einer einheitlichen Stellungnahme gekommen ist. Di^s dürfte 'daraus zurückznsühven fein, daß die Staaten der kleinen Entente in der Frage der Anevkennuug Rußlands, ohne selbst initiativ vorzugehen, ihre BvvMrugs'werse nach derjenigen 8er großen Entente. einrichten woll en. Das offizielle Commuaigue. . BÄgrad, 1V. Jänner. (Tschecho-flowakisches Preß- , bureau.) Die erste Zusammenkunft fand im Gebäude des Mln'vsterpräsidiums unter dam Vorsitze 'des Miuisterpväsideuten P a s i c statt. Wie alle bisherigen Konferenzen der kleinen Entente, war auch die. erste Besprechung der Konferenz der-internationalen politischen, Lage gewidmet. Ministerpräsident Pa si e und die Minister Nincrc, Duea und D r. Be ne sch konnten bei ihrem Gedankenaustausch die vollkoinmene Ucköeveinftimmung ihrer Anschauungen festistellen. Die kleine Entente wünscht als Organisation zur Erhaltung des Friedens ihre freundschaftlichen Beziehungen und die Mitarbeit-mit allen Verbündeten sovtznsetzen und dies mehr denn. je angesichts der heutigen europäischen Lage..Sie ist entschlossen, jene politische Richtung, die auf die Aufvechterhaltung der Verträge un!d die Konfolidiemng des Friedens, hinzielt, zu unterstützen. Die interalliierte Mllltärtontrolle arbeitet. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) München, 11. Jänner. Die Mitglieder der interalliierten Militärkolmnission haben gestern in M ü nch e n bei verschiedenen Regimentern, unter miderem auch beim Stab . des Whrkreiskommandos eine Kontrolle vorgenommen. ES kam zu keinerlei Zwischenfällen. Zum S ch u tz e der Kommission waren Beamte der Schutz polt z e i bereitgestellt. Ae Arbeiter Krupps streiken. lEigendienst der „Wiener Morgenzeitnng".) Berlin, 11. Jänner. Die Stveikbeiwogmlg der Metallarbeiter im Ruhrgeibiet nimmt täglich an Umfang zu. Heute sind die-Arbeiter Krupps vollzählig in, den Ausstand getreten. Griechenland ohne Regierung. (Eigendienst der „Wiener Movgenzeitung") Athen, 11. Jänner. Die Bemühungen, ein KMuett Ruf 's o s zubilden, sind im letzten Mourent gescheitert, da die konservativen Liberalen, die^ die Majori 1 ä t beisitzen, darauf ^bestanden, daß das Miwsteriuur von ihnen gebildet werde, dkachmitiags hat der Regent Danglis, den Führer 'der Liberalen, mit der Bildung der neuen. Regierung ^traut. Aber auch dieser hat in der Abendstunde zurücklegen müssen, .da ihm die rePUbliSauischen Liberalen ihwn Beistand verweigerten. Der Regent hat. darauf den -früheren Landwirtschaftsmirrister im Kabinett Venizelos vom Jahve 1920, K a P b a n d' r i s. -mit der hstmult. Dar Mittelmeer in der WeltpotM 0. r. Wien im Immer. Während innerhalb des Weltkrieges allenthalben der . „Kampf um die Seele der Neutralen" entbrannt war, bis er sich zugunsten der Entente entschieden hatte, haben die Friedensvertväge Frankreich den Weg zum Kampf um die Vorherrschaft in Europa geebnet. Die Politischen Strömungen, die ihre kräftigsten Impulse vom Quai d'Orsav erhalten, dieneu, ob sie sich nun in Allianzen kristallisieren oder endgültige Entscheidungen vorerst noch, offen lassen, diesem Zweck. Diese Erscheinung ist mit ein Grund, weshalb England sich für die kontinentalen Verhältnisse ernster als bisher.zu interessieren -beginnt. Frankreichs Festsetzung an der Ruhr und am Rhein, das polnische Freundschaftsbündnis, das als Zange gegen Deutschland und als' Brücke zu Rußland gedacht ist, der jüngst abgeschlossene Vertrag mit der tschecho-flowakischen Republik, der als' slawischen Macht eline ähnliche Aufgabe wie Polen zufällen soll, die direkte Fühlungnahme mit Sowjetrußland, dessen -Vertreter demnächst in Paris eintreffen sollen, die großen Rüstungskredite an die kleine Entente als. gemeinsamen Stein im Mosaik des neu zu schaffenden europäischen Bildes und schließlich der griechisch-türkische Konflikt, aus welchem trotz der Festigung der Angoraregierung durch die Reaktivierung . des sranzosensreundlichen Benrselos, Frankreich scheinbar als Sieger hervorging — diese Konstellation flößt BedeMn ein. . . - Welche Henimunjgsnwmente stehen ihr gegenüber? Was zunächst England betrifft, wird die kommende 7 beitervegierüyg? Mt AneÄetWng Söwjetrußlainds ' cieren und das Repavatronsproblem nen anfrolleu. Die russische Frage gerät dadurch näher in den europäischen Gesichtskreis; schon ein diplomatisches Nebenv'mauderlebcn Englands und Rußlands wird , den asiatischen Gegensätzen zwischen den bewen Landern ihre Schärfe nehmen. Mussolini, um sich nicht die Vorhand auf dem Wege zur wirtschaftlichen Exploitierung Rußlands nehmen zu lassen und seinen guten Willen bezüglich der Zusammenarbeit von Kapitalismus und Sozialismus zu dokumentiereu, sekuudiert bereits dem künftigen Premier Großbritanniens. Und ein Zweites: Die italienisch-spanische Kooperation, die sich in erster Linie aus das Mittelmeer bezieht und in beiden Ländern - Popularität genießt, da ihre Interessen gegen die Entnationalisierung der Spanier in Marokko und der Italiener, in Tunis'parallel lausen, hat England zu denken gegeben. Die Emanzipation Italiens von Frank-- veich.hat es zur Ueberzeuigung. gebracht, 'daß ein Zusammengehen mit Italien eine Notwendigkeit geworden ist.'Italien. hat ans das Hinterland von Tripolis Anspruch erhoben und der Besuch des.italienischen Königspaares in London wird für die englische Bereitwilligkeit die offizielle Bestätrgung bringen, so daß Italien, durch seine Festsetzung an der afrikamscheu Küste dem französischen Einfluß imrb begegnen können. ' England kann in straffer Fortsetzung seines Konsolidicrungsprogramms und des Wunsches, Europa vor den Wirrnissen des Reparationsproblenrs zu warnen, auf strikter Beantwortung seiner Anfrage an die kleine Entente bestehen, wie es denn eigentlich mit den von Frankreich' erhaltenen Rüstungskvediten bestellt sei und ob die Regie-- rungen Garantien für die Kredite leisten nmßten. Das sind zarte Unterminierungen der französischen Poliük, die eine Bezahlung der Deutschland eventuell zu bietenden Nahvungsmittelkvedrte im Rang hinter die Reparationszahlungen gesetzt haben will. Aber man sieht ganz klar, wohin Frankreichs Diplomatie will. Wenn sicki schon die kleine Entente als solche in spezieller Weise aus Ungarn bezieht, gegen dessen reaktionäres Regime sie das größte Mißtrauen hat, so besitzt nach Ansicht der politischen Führer Englands und Italiens das Bündnis Benesch-Poincare keinen Binnencharakter. Es greift schon hinein in die Sphäre der allgemeinen europäischen Politik und ist durchaus nicht gerechtfertigt durch die Konsolidierungsersordernisse, denen die Tschecho-Slowakei in Mitteleuropa gerecht werden will. Wenn nun die Tschecho-Slowakei durch dieses^ Bündnis sich einftellen muß auf eine einseitige Unterstützung des svanzösischen Programms in Europa und Italien wiederum England fteie Hand läßt gegenüber der Türkei, wie dies beispielsweise anläßlich der von England nicht gewünschten Verlegung der diplomatischen Vertretungen '^von Konstantinopel nach Angora der Fall ist, dannwächst die Situation im Mttelmeer über das'interne Interesse der direkt beteiligten Faktoren hinaus. Durch die Abtretung des tripolitanischen Hinterlandes an Italien, durch die * AMMM des RePa«at»PMmMMB und die Archoage