Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1762 (11.1.1924)
- Date
- 1924-01-11
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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/ M.178S Mett, FM KlA kebhafter. Mit der Bahn sind gestern in der Großmarkth du iu Waggons mit verschiedenen Fleischgattungen angekommen. Zwischen den Viehhändlern einerseits und den Fleischhauern und Fleischselchern andererseits haben sich in der letzten Zeit wegen der W a r e n u m s a tz st e u e r Unstimmigkeiten ergeben, die im Laufe der nächsten Tage zur Austragung gelangen sollen. Zu einer Auseinandersetzung über diesen Gegenstand hat die Fleischhauergenossenschaft für heute, 3 Uhr nachmittags, in den Drehersaal auf der Landstraße eine Versammlung aller Fleischhauer und Fleischselcher Wiens einberufen. * Lehrkräfte. Für das hebräisch-deutsche Gymnasium in Danzig werden qualisizieirbe Kräfte gesucht. Anmeldungen ibiS nächsten Sonntag Lei Dr. S. Auer Lach, 3. Be-., Rembmndtstvaße 26. * Salon Cadve. Frau Engenie Degvassi wurde wegen des Verdachtes der Mitschuld an den Verbrechen der Fvan Cadve dem Landesgericht ein-geliefevt. Sie behauptet, von den Vorgängen in der Wohnung der Frau Cadve keine Kenntnis gchM -u häben. Ge>genübor den Angriffen eines Mattes gegen -die Polizei, weil sie bisher noch nicht die Namen aller <wt den sadistischen Vorführungen beteiligten Personen bekamttgcgvben halbe, obwohl Tagebücher mit den Namen dieser Personen gefunden worden seien, wird von der Polizeikorvefpondenz WA- Helm mitgeteilt, daß bisher nur bei der Hauptbeschuldigten Cadve-Kadinetz ein kleines Notizbuch mit. verschiedenen Vormerkungen, darunter auch Namen mehrerer Personen, gesunden wurden. Die Ausforschung der Träger dieser Namen, unter denen sich auch Pseudonyme befinden, und die Untersuchung darüber, inwieweit sie <m der strafbaren Handlung beteiligt toaten, sei in vollem Gange, Vor dem Abschluß dieser Untersuchung und vor der Feststellung der sivafgssetzlichen Verantwortlichkeit dieser Personen können deren Namen unmöglich verlautbart werden» um nicht die weiteren Recherchen zu erschweren uud Personen, deren Mitschuld noch gar nicht festgcstellt ist, vorzeitig an den Pranger zu stellen. * Die Affäre Battistel. Battistel und Ezingelli, die bekanntlich unter dem Verdachte, mehreren Firmen TextMvaren um mchrere Milliarden herausgÄockt zu haben,^ ^verhaftet wurden, werden heute dem Landesgerichte oingeliefcvt^ werden. Nach den bisherigen Ergebnissen der Untersuchung dürften sich die Passiven auf vier Milliarden belaufen. Battistel schiebt die Verantwortung auf Czmgelli, während, dieser behauptet, nur im Auftrag Battistels gehandelt zu haben.^ Im Zuge der Erhebungen wurden bei verschiedenen Geschäftsleuten große Mengen vor: Textilwaren und Lebensmitteln, die zum Teile unter dem Einkaufspreise verkauft worden waren, sichcirgestellt. Auch verpfändete Waren wurden beschlagnahmt. Die von Buchsachverständigen vorgenom mene Prüfung der Bücher und Belege hat den Beweis erbracht, daß die Bücher nicht in Ordnung geführt worden sind, >daß Belege zum Teile fehlen und daß fingierte Eintragungen vorgenommen worden waren. Es sind Verhandlungen im Gange, um die zivilrechtliche Seite der Angelegenheit mit den Gläubigern zu ordnen. Die Gläubiger Battistels wurden vom RechtSanwcckt Dr. Schnepp ersucht, sich in seiner Kanzlei zu melden. * Keine Wolkenkratzer in Wien. Die Mitteilungen, daß die Gemeinde Wien in Neu-Muvgarsten in diesem Jahre den Ban eines zivolMöckigen Wohnhauses, mit einem Bauaufwand von 40 Milliarden Kronen beabsichtigt, werden von der Baudirektion der Gemeinde Wien als erfunden bezeichnet. Der Bau von Wolkenkratzern ist nicht beabsichtigt, dagegen sollen in diesem Jahre 4600 Wohnungen in Hochhäusern und 1200 in SiMungshäusewn erbaut werden. * Streik in den Auszugfabriken. Wie wir erfahren, sind die Arbeiter in den Wiener Auftugfabriken wegen Ablehnung von ÄohisiorderiMgen, die sie unmittckbar nach Abschluß eines Arbeftsvertrages für die Wiener Metallindustrie steMen, in den Ausstand getreten. Da die Betriebs hierdurch >gäiftlich stillgestgt sind, weil sich auch die Monteure unter den Streikenden befinden, ist es derzeit unmöglich, Arbeiten an Aufzügen vorzunehmen. * Von der Rettungsgesellschaft. Der Samariterkurs Nummer 310 für Männer aller Stände beginnt am Sonntag den 27. d. wm 9 Uhr vormittags und wird an acht aufeinanderfolgenden Sonntagen von 9 bis 11 Uhr vormittags fortgesetzt. Der Samariterkurs Nr. 311 für Frauen und Mädchen beginnt am Montag den 28. d. um 6 Uhr nachmittags und wird au jedem Montag und Donnerstag von 6 bis 7 Uhr nachmittags stattfmdeu. Persönliche Vormerkungen für diese beiden Sanrardterkurse werden in der Zentralkanzlei der Rettungsaesellschaft. 3. Bez., Radetzkystraße 1, 1. Stock, entgegmgmommen. * Reichsdeutsche Gemeindepolitiker in Wien. Reichsdeutsche GemeindepoMiker sind hier unter Führung des Vorsitzenden des Deutschen Städtetages, des ehemaligen Bromberger Bürgermeisters Mitzlaf, eingetroffen, u.m die städtische Finanzgtzbarung zu studieren. Sie werden auch mit den Führern der Minorität im Rathanse in Fühlung traten. * Der Nachtomnibus wird billiger. Da sich die beim Tagsverkchr der Kraftstellwagen emgeführte einmännige Besetzung überaus gut bewährt hat, wird diese Vereinfachung des Dienstpersonals nunmehr auch im Nachtverkehr durchgeführt werden. Die dadurch erzielte Ersparnis an Personalsten wird in der Form einer Verbilligung der Tarife dem PMikum zugute kommen. Alle sechs NachtverkchrSlinien werden nämlich in zwei Zonen geteilt, deren Tarif je 5000 Kronen betragen wird. Die ZonenlteÄwng evfoiligt beim Stephansplatz, beizichungsweise Gürtel. * Der Zirkrts Hagenbeck hat den Wiener Schulkindern die Möglichkeit geboten, mit ihren Lehrkräften in geschlossenen Gruppen zu äußerst billigen Preisen, für arme Kinder gratis/ die Nachmittagsvorstellungen zu besuchen. Besonders soll erwähnt fein, daß in den Nachmittagsvorstellungen die gesamten Tiere durch die Manage geführt werden, um sie unseren Kleinen zu zeigen. Die Naulbttere werden in der Vorstellung, die Kamele, Elefanten. Lamas, Känguruh, Strauß, Zwergponys. Hunde u!sw. in der Manege vorgeführt, dä die Polizei aus bawtechnischen Gründen eine Besichtigung der Stallungen nicht zuläßt. * Der Sportzug der SÜdvahu. Die Betriebsdirektion der Südbahn i. L. teilt mit, daß, insolange die Witterung den Wintersport im Wienerwald'begünstigt, an allen Sonntagen ein Sportzug von Wien-S. B. nach Mödling mit Anschluß nach Kaltenlentgeben und Aufenthalt in allen Stationen in Verkehr gesetzt wird. Mfcchrt von Wien-S. B. 8 Uhr 20 Min., Ankunft in Liesing 8 Uhr 40 Min., Ankunft in Mödling 8 Uhr öl Min. Abfahrt deS Anschlußzuges von Liesing um 8 Uhr 45 Min., Ankunft in Kaltenleutgeben um 9 Uhr 7 Min. Ferner werden im Bedarfsfälle im Anschluß au die von Wien-S. B. um 8 Uhr 4j5 Min. und 9 Uhr 4?» Wiit, abgebeirden Personenzüge am Sonntag Erforderniszüge geführt, die in Kaltenleutgeben um 9 Uhr 36 Min., Lezielnmas- 10 Uhr 38 Mi«, •intoffta werden. Meiler MorgenzeMnü. Jede mondäne Dame bezieht Ihre Seide vom r eidenstaeiialhaws Richard Leltner Wien, IV. Margaretenstr. 10 Unerreicht billige Preise! 6008 (Nachfolgende Notizen bis zu der Rubrik „Vereine" sind entgeltlich.) * Tanzinstitut Herwann Braun, 14. Bez., Reindorfgasse 42. * Perfonalnachrichl. Sonntag den'6. d. fand die Verlobung des Herrn Berthold Sternfeld, Bankier aus Lübeck, mit Fraulein S i d i Reich, Tochter des Oberrabbiners von Baden, statt. Vereine, VortrSge und Versammlungen. Palästina Sektion deS akademischen Vereines jüdischer Mediziner. SamStag den 12. d., V38 Uhr abends, 2. Bez., Taborstraße 20 a, Generalversammlung. Zionistische Mediziner sind höflichst eingeladen. Anschließend Vortrag Chaim Hammer: Aufgaben der zionistischen Studenten. — Bukowina erZentralverb nnd. Sonntag den 13. d., 3 Uhr nachmittags, im Cast Industrie, 9. Bez., Porzellangasse 39, Hauptversammlung. Eintritt nur für Verbandsmitglieder gestattet. — Verein für jüdische Geschichte und Literatur in Wien, 2. Bez., Ferdinandsstraße 23, Tür 8. Morgen SamStag, 7 Uhr abends, im Sitzungssaals der Israelitischen Kultusgemeinde, 1. Bez., Seitenstettengasse 4, Vortragsabend. 1. Präsident Professor Doktor Samuel Krauß: Immanuel Löw (anläßlich dessen 70. Geburtstages^. 2. Rabbiner Dr. .R 0 s e n m a n n: Die Wischen Katakomben in Rom. Eintritt frei. TechnischeSMuseum. SamStag den 12. d., 3 Uhr nachmittags, Führungsvortrag von Kustos Ingenieur N. Boroevic: DaS elektrische Licht. — Sonntag den 13. d., 10 Uhr vormittags, im großen Hörsaal Lichtbilder- und Demonstrationsvortrag von Dr. H. Prellinger: Die Röntgenstrahlen in der Physik. — Mittwoch den 16. d. ist Schulbesuchstag von 9 bis 12 Uhr. (Geöffnet r Erdgeschoß.) IMscher Elternverein für den 9. Bezirk. Donnerstag den 17. d. um 8 Uhr abends findet im Cafe Metropol, 9. Bez., Bevggasse 33, die diesjährige Generalversammlung des Jüdischen Elteruvereins für den 9. Bezitzk statt. Anschließend Vortrag Dr. Herzberg. Um zuverlässige s nnd pünktliches Erscheinen wird ersucht. Bühne und Kunst. Re Rot der Staatstheater. Gründung einer Gesellschaft von Wiener Kunstfrermden — durch die Großbanken. Gestern .nachmittags fand im UnLerrichtsmimst>wmm eine Beratung statt, an der auf Einladung des BuwdeSministers Dr. Emil Schneider die Vertreter dm Wiener Großbanken teilnahmen. BnndeSminister Dr. Schneider legte in längerer Rede dar, welche Grenzen der Bundesregierung bezüglich der Bsistellung der finanziellen Mittel für die beiden Bunldeschoater gezogen sind und, wie feiner Ansicht nach durch private Initiative deren künstlerische Entwicklung vollauf gesichert werden könne. Sämtliche Teilnehmer der Konferenz ergriffen das Wort. Das Ergebnis dieser Beratung ist dahin zusantmenzufassen, daß die Gründung Mer Gesellschaft von Wiener Kunstfreunden als der richtige Weg >bezeichnvt wird, auf idem das angestvebte Ziel zu erreichen wäre. Da dicfe erste Beratung zu kurz war, um sogleich die näheren Richtlbnien festzusetzen, wird in der allernächsten Zeit eine zweite Konferenz einbernfen Wehden, in der konkrete Vorschläge vovgebracht werden sollen. Moderne Kunsttzrovaganda. Ein interessant« neuer Versuch auf dem Gebiet der Kunstpropaganda wird von Italien aus unternommen. Dieser Tage geht von N e a p e I ein A u s st ellnngsschiff ab, das eine große Anzahl Kunstwerke, viele aus dem Besitz der Nati 0 nalgalerie, um die Erde führt. Die künstlerische Leitung dieser schwimmenden italienischen Kunstausstellung untersteht dem römischen Maker Aristide Sartorio, der die Weltreise mitmacht. Emil Salzberger hat für seinen am 18. d. in: Weinen Musikvereinssaal 'ftiat'tifinbenlW Klavierabend folgendes Pwgramm gewählt: Beethoven: Rondo a capricoio G-Dur; Sch>ubert: Scherzo; Moment musiowl; Chopin: Polonaise; Nocturno; Marcia funebre; Bakses; Griieg: Peer Gynts Heimkehr; Böglein; An den Frühling; Döb-ussh: Arabeske; PoDini: Mariouettes; Rachmaninow: Polichinelle. Siegfried Wagner, der derzeit in der Tfchecho-Slowakei weilt, reist 'in den nächsten Tagen nach Amerika >ab, um zwanzig Konzerte, darunter einige in der Metropolitan-Op er in New-Nork, zu dirigieren. Das Erträgnis dieser amerikanischen'Tournee soll für die Zwecks des Bayrenther F e st s p i e k f 0 n d 8 verwendet werden. Neue Ausstellungen in Wien. Morgen Samstag den 18. d. werden zwei Ausstellungen eröffnet. Im Künstilerha u s die Gedächtnisausstellung Franz Rumpler und im HageNbund die achtzehnte I>ahresausstekIung deS ö st erreich i 's ch le n K n n st l e r b u n d e s mit zwei Sonderausstellungen. Eine Operntruppe in Konkurs. Aus Lyon wird gemeldet^ Die deutsche Operntrnppe. die Amerika bereist, um Wagner-Aufjiilhvun'gei: zu veranstalten, meldet 'ihre Insolpeng an. Die Pa>sfiva betragen 36.000 Dollar. Bon bekannten Künstlern gehören dieser Truppe Kapellmeister Möricke, Schöpf l i n und Frau G e n t n e r - F i s ch e r on. Ms den Theatsm. B u r g t h e a t e r. Samstag, 7 Uhr abends, zu «'rb^-ten Preisen, ^Maria Stuar t". 'li Fäwmr IM —' ©eBe 8 Im 3( t a b e nt i e t () e a t c r gelangt Samstag um V,8 Uhr abends die Komödie in vier Akten „Jolandaletztes Abenteuer" von Norbert G a r a i zur Uraufführung. V o l k 8 o p e r. Heute Humperdincks „K ö n i g 8 k i nb er. Morgen Wiederholung von AuberS „Die Stumme b o n P o r t i e i" mit Frau Weingartner als Gast in der Titelrolle. Im Deutschen Volkstheater beginnt die heutige Uraufführung von Raoul Auernheimers Lustspiel in Versen „Casanova in Wien" pünktlich um 7 Uhr. — Sonntag, */»3 Uhr nachmittags, Hermann Bahrs Lustspiel „Wienerinnen". Abends 7 Uhr „C a s a n o v a in Wien". In den Kammerspielen findet Sonntag um 3 Uhr nachmittags eine Auffühmng von Avery Hopwoods Schwank «Der M u st e r g a t t e" statt. Montag den 14. d. geht um 7 Uhr abends zum 26. M a l e Sascha GuitthS Komödie „Mein Vater hat recht gehabt" mit Hugo uud Hermann T h i m i g in Szene. TheateranderWien. Frau Fritzi M a s s a r y wird nur bis 1b. d. die von ihr kreiette Rolle in „Perle n derCleopatra" spielen, da sie ihren verttaglichen Verpflichtungen in Berlin Nachkommen muß. Er finden somit noch sieben Vorstellungen statt. Carl-Theater. Sonntag, %3 Uhr nachmittags, „Polenblut". Abends 7 Uhr „G l ü ck b e i F r a u e n". Neues Wiener- Stadttheater. Sonntag, 3 Uhr nachmittags, „DerPfarrer von Kirchfeld . Wiener Komöd. ienhaus. Im Rahmen eines Zyklus' volkstümlicher Nachmittagsvorstellungen gelangt am Wiener Komödienhaus Sonntag den 13. d., 723 Uhr nachmittags, „D e r M e i n e i d b a u e r" von Ludwig Anzengruber mit Ferdinand B o n n und Wally Brenneis zur Ausführung. Jüdische Bühne.. Heute den 11. d. wird die Komödie „DerMoralprediger" vonM. Goldb'erg in der Jüdischen Bühne zmn ersten Male äufgesührt. In den Haupttollen sind die' Damen Deutsch, Graf-Weinttaub, Niarkowa, Waldberg und Weinberg und die Herren Reißmann, Klinger, Deutsch, Waldberg und Bell beschäftigt. Gerichtssaal. Die Wohnung als EntschA>igung für den Ehebruch. Tet Eifenibahnangestellte Georg L. ist seit em-or Reihe von Jahren Vevheira-tet. Ihm gehört bis Wohnung, ihr die Einrichtung. Die Ehe ist nicht glücklich, es herrscht Streit und Za.uk. Die Frau leidet an Eifersucht; er bchandÄt sie auch nicht, wie er sollte. Er beklagte sich bei einem Fileunde, daß er kern Heim habe un>d daß ihn die Frau lieblos behcvMe. Eines Tages sei er nach Hause gökonrmen, da war die Wohnung fast «usgeräunn; sie habe säst alles aus der Wohnung schaffen lassen; die Sachen gehörten zwar ihr, allein es sei liablos gewesen, was sie getan, denn er habe nicht gewußt, wo er sich hinlegen solle. Sein Freund Vevsprach ihm die Bekanntschaft einer Frau, die chm sein verlorenes Heim und die Gattin ersetzen tvevde Nach einiger Zeit erfuhr die Frau von einer gewissen Marie Tordik, daß Georg L. chr Geliebter gewesen und daß sie von chm schwanger sei. Die Frau L. erstattete nun gegen ihren Gatten (und nicht auch gegen ihre NebeNbuhleriu) die Ehebruchsblage, worüber vor dom Bezirksgerichte Favoriten die Verhandlung stattfand. Der Angeklagte gab zu, der Tordik einen Besuch gemacht zu haben und über Nacht geblisb?u zu. sein. Es handle sich um eine einmalige Verfehlung; ein Verhältnis habe er mit chr nicht gehabt. Er halbe einmal bei chr übernachtet, weil er zu Hause kein Heim hatte. Aus die Frage des Richters, ob die Frau seine Besttafung wünsche, erklärte sie, daß sie nur dann davon abschen würde, wenn er ihr die Wohnung überlasse, nnd zwar zum Alleinbewohnen. Der Angeklagte erklärt« sich dazu bereit unter der Bedingung, baser wenigstens dort schlafen dürfe. Aber davon will die Klägerin nichts wissen, sie will ihn nun ganz los werden und erklärt, „man könne mit chm nicht zusammen leben". Der Reichter lc gte dar, daß es nicht in seiner Kompetenz liege, mif Grund eines Wohnnngsübereinkommens einen Schuld- oder Freispruch zu fällen, nnd stellte nochmals an die Klägerin die Frage, ob siv die Bestrafung ihres Gatten wünsche. Die Frau bemerkte, daß, da sich chr Gatte weigere, chr die Wohnung bodiggungslos zu übergoben, sie seine Besttafung wünsche. Der Richter verurteilte ihn hierauf zu einer Arresfftrafe von 48 Stunden. Als mildernd wurde angenommen das Geständnis, die bisherige llnbescholtenhcit nnd die Verleitung znm Ehobruch. Brandstiftung. Vom Schwurgerichte in St. Pölten wurde der 24jährige Wirtschaftsbesitzerssohn Anton Hagl, >der das Haus seines Vaters angezündot hatte, weil dieser ihm nicht die Wirtschaft übergeben wollte, zu vier Jahren schweren Kerkers verurteilt. Der angerichtete Schaden betrug beinahe eine halbe Milliarde Kromn. Bedenkliche Wohltattgkeit. Die Private Me!la Auffenberg. eine Schwägerin des ehemaligen Generals Auffenberg, l>attt sich gestern beim Strafbezirksgericht wegen einer Art B-etlelbetrnges zu veranworten. Sie hatte in Fortsetzung der im Jahre 1917 gegründeten und von chr gc>leibet-en Wohltättgkertsaktion „Freibrot für die Armen", welche Aktion schonlängst eingestellt wurde, sich im Vorjahre an größere Firmen mit dem Ersuchen um Naturalfpenden für verarmte Mittel« ftändler gewendet. In der Auswahl der Gegenstände, welche die Angeklagte angMich zur Verteilung an verarmte Mittelständler sammelte, war sie nicht wählerisch. Sie sammelte auch Seife, Schuhpafta, Zündhölzchen, Hausschuhe, Spiritus und andere Bedarfsge-genftände. Im Oktober vorigen Jahres liefen ibei der Polizei Anzeigen ein, daß die Angeklagte die ihr zugekommenen Spenden nicht zur Wcrteilnng bringe, sondern die Wohltätigkeitsaktion für sich selbst .infzeni-eve. Es wurde Ende Oktober in ihrer Wohnung eine Durchsuchung vorgenoinmen, bei der Seife, Schuhpasta, Zündhölzchen in großen Mengen vorgefunden wurden. Frau Auffenberg gab bei ihrer polizeilichen Einvernahme an, daß sie die ihr zugekommmen Naturalfpenden zumeist au notleidende verschämte Mittelständler unter der Hand verteile, konnte jedoch über die Art der Verteilung keine Belege vorzeigen. In der Verhandlung erklärte der Verteidiger der nichterfchienenon Angeklagten, daß seine Klientin die ihr zngeislossenen Natnralspenden von zumeist geringfügigem Werte auch tatsächlich zur Verteilung bringe, wenn sie auch darüber keine Bücher führe. DK: Richter sprach die Angeklagte mangels Beweises einer betrügerischen Msicht ftei. Der Linzer Bahninspektor HoheiSl verurteilt. Das Linzer Schöffengericht hat am 9. d. nach zweitägiger Verhandlung den Bundesbahninspektor und Kassier des Güterbahnhofes in Linz, Hoheisl, wegen Verbrechens der Amtsveruntreuung unter Anwendung des außerordentlichen Milderungsvechtes und Einrechnens der Untersuchungshaft zu acht Monaten schweren' Kerkers verurteilt. Hoheisl war bekanntlich beschuldigt, zum Schaden der Bundesbahn aus der Güterbahnhofskasse 216 Millionen Kronen veruntreut zu haben. Von stimm Sohne, der angeblich an der Wiener Universität studiert nnd sich in einem Briefe an den Vater des Diebstahls der genannten Summe beschuldigt hat, fehlt bisher jede Spur. Hoheisl hat bezüglich Schuld und Strafe, der Staatsanwalt menen zu geringer Strafbemessung Berufung eingelegt- Stttitta Sä; z:,r~.