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Wiener Morgenzeitung · 1924-01-11 · Heft 1762 (11.1.1924) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1762 (11.1.1924)
Date
1924-01-11
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Vskke l Mm, Frefkag _ Wiener MorgerrzettimA. Das Budget der jüdischen vemeiude. Sie Debatte im Plenum. DaS Budgetreferat, welches vorgestern Börsenrat Glück in der Sitzung des Vorstandes der Kultusgemeinde erstattete, wies darauf hin, daß bis zum Jahre 1918 durchschnittlich die Hälfte der Ausgaben durch die Steuereingänae gedeckt worden sei, während jetzt aus den Erträgnissen der Kmtnssteuer nur ein Drittel der Ausgaben bestritten werde. Es seien daher Maßnahmen zu treffen, um mindestens zum früheren Zustande zu gelangen. In der darauffolgenden Debatte ergriff zunächst Gemeinderat Dr. Pleschkes das Wort und besprach in eindrucksvoller, eineinviertelstündiger Rede die Aufgaben der jüdischen Gemeinde. Er führte aus: Es geht' wieder aufwärts mit der Wiener jüdischen Gemeinde. Heute dürfen wir, die Mitglieder der zionistischen Minderheit des Kultusvorstandes, mit Genugtuung behaupten, daß der Bestand dieser hochansehnlichen Gemeinde uns zu danken ist. Uns ist es zu danken, daß ein Chaos vermieden, die E i nsetzung des R egierungSrommtssärs verhindert, die Brotlosigkeit von hunderten Angestellten unmöglich wurde. Dreimal während der letzten vier Jahre, hat Sie — wir haben es verstehen, aber nicht billigen können — der Mut verlassen. Sie wollten Ihre Mandate hinwerfen und hatten schon die unterfertigten Rücktrittserklärungen in der Tasche. Wir haben Sie gehindert, voreilig die Gemeinde zu gefährven. Dessen freuen wir uns! Uns alle erfüllt der Wille, diese Gemeinde der Gesamtheit des Judentums zu erhalten, der sie zur Zierde gereicht, diese Gemeinde zu schützen, allen Feinden zum Trotz, die sich innen und außen erheben. Wir haben mit Ihnen gearbeitet. Einen unserer besten Köpfe hoben wir Ihnen als Vizepräsidenten gegeben, der Ungeüeures fiir die Gemeinde geleistet bat, unsere informiertesten Männer haben wir ins Vertreterkollcgium entsendet, sie haben ihre Pflicht voll erfüllt, von der hingebungsvollen Treue meiner Gesinnungsgenossen im Vorstande haben Sie sich genugsam überzeugen können. Was wir Ihnen geraten haben, war wohl erwogen und gut gemeint, es hat unserer Gemeinde Erfolg gebracht. Was wir Ihnen heute und in Zukunft sagen, müssen Sie ebenso beurteilen: Wir wollen diese Gemeinde zur Größe fuhren, der Wiener, der österreichischen Iudenschast die gMhrende Stellung im Judentum der Welt sichern. Die jüdische Gemeinde muß ihre Bedeutung und ihre Kraft aus dem lebendigen Verhältnis zu allen jüdischen Angelegenheiten schöpfen, ohne Engherzigkeit, und fern jeder Kirchtumspolitik. Sie muß fähig weiten, als' die zuständige Vertretung von Sechssiebentel der österreichischen Judenschaft das Verbindungsglied mi: der Gesamtjudenheit zu bilden, und jenen großen Aufgaben gerecht zu werden, welche nach den politischen Erfolgen des Zionismus. nach der Balfour-Deklaration, nach San Remo, nach der Mandatserteilung, nunmehr das Gesamtiudentum beim Wiederaufbau der jüdischen Heimstätte in Erez Israel zu erfüllen hat. Redner bespricht dann nach einigen allgemeinen' Bemerkungen zum Budget die Erhöhung der Bezüge für die Fleischausseher, und fährt fort: Viel eingehender muß ich mich Mit den Schul-. Unterrichts- und Bibliotheksangelegenheiten befassen. Denn hier sind wichtige Fragen der Mischen Gesamtheit aufzuwersen. Die erste und wichtigste Forderung auf kulturellem Gebiete wäre die vollständige Umgestaltung der jüdischen Erziehung durch die Schule.' Wir haben zunächst die Verpflichtung, die hebräischen Bibelschulen. welche sich wunderbar bewährt haben —- dank der vorbildlichen Tätigkeit des Herrn Oberrabbiners und der Arbeit des Herrn Prof. R o t h —, zu vermehren und auszubauen. Die jüdische Gemeinde hat auch diesbezügliche private Unternehmungen einzugliedern, um die Mängel des öffentlichen Religionsunterrichtes einigermaßen zu bessern. Ganz besondere Beachtung aber verdient das jüdische 2 ch u l w e r k, welches durch aufopferungsvolle Arbeit bc§ Herrn Oberrabbiners und mit amerikanischen Mitteln bisher erhallen werden konnte, das aber gegenwärtig an schweren Tefizüen leidet und in seinem Bestände gekährdet ist. Auch hier hat die jüdische Gemeinde einzugreisen, und die jüdischen Volksschulen und das jüdische Realgymnasium mit ihrem erstklassigen Lehrer- und Schülermaterial und dem prächtigen jüdischen Geist ganz ausgiebig zu unterstützen. Eine weitere höchst wichtige kulturelle Forderung, einen meiner ältesten Lieblingswünsche, beinhaltet mein Antrag, der jüdischen Gemeindebibliothek endlich jene Stellung im Wiener Judentum einzuräumen, welche diese glänzend geleitete Kulturstätte verdient. Ich bin jetzt 30 Jahre mit diesem Institut verwachsen und kann oeurteilen. daß der Lesesaal vergrößert und die Ausstattung der Bibliothek mit Zeitschriften jüdischen Inhalts, mit deutschen, hebräischen und jüdischen Büchern veranlaßt werden muß. Ich verlange, daß meiner jahrelangen Forderung nach Verlegung des Lesesaales und Behebung des geradezu unwürdigen Raummangels in der Bibliothek Folge gegeben und die Dotation des Bibliothekars fiir Neuanschaffungen mit mindestens 50 Millionen pro Jahr festgesetzt werde. Ans das Budgetkapitel Friedhofs- und Beerdigungswesen übergehend, stellt Redner die Forderung nach der Gleichartigkeit aller jüdischen Leichenbegängnisse, und wendet sich dann energisch gegen das Kasualienwesen, indem er unter anderem sagt: Seit wir in diesem Saale sitzen, wird die Forderung nach Abschaffung der mit Recht in Verruf gekommenen, für das Ansehen der Gemeinde und aller Angestellten gleich schädlichen Sporteln begehrt, und wir müssen es dahin bringen, daß diese Forderung endlich einmal verwirklicht wird. Unsere Angestellten sind den Angestellten der Stadtgemeinde gleichgestellt; wir können verlangen, daß sie sich auch so benehmen wie die städtischen Angestellten, und können ihnen verbieten, was die Stadt ihren Angestellten verboten hat. Unsere Angestellten müssen sich zu der Selbstachtung ausschwingen, welche die Straßenbahnschafsner für ganz natürlich halten, oder wir müssen eingreisen, und jene selbstverständlichen Verbote erlassen, welche die Stadtgemeinde nicht etwa bei höher qualifizierten Beamten, sondern sogar bei den mit gewissen historischen Rechten ausgestatteten Trinkgeldnehmern, den Mlstbauern, vorgesehen hat. Eine Beamtenschaft, die das nicht begreift, und dem Kultusvorstand bei Maßnahmen, die zu ihrer Ehre getroffen werden sollen, in den Arm fällt, spottet ihrer selbst, und weiß nicht wie. Die Funktionstaxen der Funktionäre sollen entsprechettdausgemessen werden, das K a s u a l i e nw ese n aber muß verschwinden Aus dem Gebiete des Fürsorgewesens forderte Doktor Plaschkes erhöhte Dotationen für die Fürsorgetätigkeit in den st ä d t i s ch e n W o h l t ä t i g k e i t s a n st a l t e n, insbesondere für die jüdische Abteilung in Lainz und für die jüdischen .Kranken am Steinhos, und verlangt Beistellung entsprechender Beträge zur Grüildung eines j ud i s ch c nAsy ls i r Obd a ch l o s e uub Durchwanderer. Der Redner bespricht Gründung des jüdischen Jugendamtes bei der Zentralstelle für soziale Fürsorge und bemerkt: Wir Meinen, daß dieses Jugendamt e8 sich nicht mit der Versorgung verwaister und unehelicher Kinder genug sein lassen darf,'sondern sein Hauptaugenmerk darauf richten muß, dort einzugreifen, wo in der jüdischen Jugend die Mängel der obligaten jüdischen Erziehung in Haus und Schule behoben werden können. Cs wird sich darum handeln, mit Hilfe bestehender und zu gründender Vereine auf die körperliche und geistige Ertüchtigung der Wiener jüdischen Jugend und auf ihre Beeinflussung in indischem Sinne hinzuwirken. Darin sehen wir eine der vornehmlichsten Aufgaben des Jugendamtes. Wir fordern hier die kräftigste Förderung des Jugendamtes unter der ausdrücklichen Bedingung, daß dieser wichtigste Zweig der Erziehungstätigkeit nicht vernachlässigt werde. Für die Förderung der jüdischen Jugend, für den richtigen Aufbau dieser Zukunft der jüdischen Gemeinschaft wird und darf kein Opfer zu groß sein! Die Juden Wiens werden umso freudiger ihre Steuern zahlen, wenn sie wissen, daß die Wohlfahrt unserer Alten, die Entwicklung unserer Jungen und die Förderung der jndifchkulturcllen Zwecks damit gesichert wird. ^Anch der Bildungsstätten für Inden und Jüdinnen, welche der Schule entwachsen sind, sollte nicht vergessen werden, der nützlich wirkenden Toynbeehallen. Vielleicht findet sich im Wiener Judentum ein anderer Bosel, der sein Geld nicht für hakenkreuzlerische und sozialdemokratische Zwecke bereit stellt, sondern für oie geistige Hebung der Juden. Dann können wir auch dieser Pflicht genügen und vielleicht in dem judenreichsten Viertel ein jüdisches Volksh a n s bauen. Gelingt dies nicht, muß die Kultusgemeinde mit wenn auch geringeren Mitteln wenigstens das Notwendige Vorkehren. Redner bespricht die Notwendigkeit einer Erhöhung des Belages im Spital und Versorgungshaus der jüdischen Gemeinde. wendet sich dann der Bedeckungsfrage bezüglich seiner Anträge, welche vom Vertreterkollegium und vom Kultusvorstand angenommen wurden, zu, und unterbreitet folgende Vorschläge: Em Teil des Erfordernisses werden wir durch Verhandlungen mit der Gemeinde W i e n hereinbringen, die ich durch Vorbesprechungen mit Prof. Tandler bereits eingeleitet habe. Es handelt sich darum, jene Beiträge, welche uns von der Gemeinde Wien als Anteil für die Erhaltung des alten Friedhofes angerechnet werden — wir heben hierfür einen Friedhoferhaltungsbeitrag ein mit denjenigen Auslagen zu kompensieren, welche uns die Gratisleichenbeaängmsse und die unter den Kostenpreis ermäßigten Begräbnisse nach der vierten Gebührenklasse verursachen. Es ist zu erwarten, daß diesen Verhandlungen Erfolg beschieden ist. Ein anderer Teil des Erfordernisses wird sich bei Annahme des Antrages ergeben, welchen ich im Einvernehmen mit meinen Gesinnungsgenossen zur Durchsetzung der Steuergerechtigkeit für Höherße steuerte gestellt habe. Ich habe beantragt, das S t e u e r m a x i m u m von 3 Millionen auf 40 Millionen zu erhöhen, und die Steuerträger, deren jährliches Einkommen mehr als 300 Millionen beträgt, je nach der Höhe dieses Einkommens auf Grund einer Skala zu bemessen, deren Sätze zwischen 5 und 40 Millionen in 36 Stufen variieren. Daß auch eine weitere Vertiefung und Verbreiterung der Steuerveranlagung eintreten muß, ist selbstverständlich und auch dadurch begründet, daß möglichst vielen Personen das Wahlrecht zugebilligt werde. Wir stehen grundsätzlich auf dem Standpunkt des allgemeinen, gleichen und direkten Wahlrechtes für alle Ge. meindeangehörigen, ohne Unterschied der Staatsbürgerschaft. Wir haben nie begreifen können, wie Sie dazu kommen, in einer jüdischen Gemeinde Juden wegen ihrer fremden Staatszugehörigkeit das Wahlrecht zu verweigern, und begrüßen es, daß Sie von diesem Standpunkte endlich abkommen wollen. Wir können Sie als Mehrheit leider nicht hindern, eine gewisse geringe Steuerleistung zur Bekundung des Interesses vom jüoischen Gemeindewähler zu verlangen, aber wir werden niemals billigen, daß unter irgend welchen Ausreden die Voraussetzungen des Wahlrechtes in der künftigen Wahlordnung gegenüber dem gegenwärtigen Wahlstatut verschlechtert werden. Das wäre, politisch genommen, eine U n k l u g h e i t, die w i r b e k ä m p f en. Und gerade politisch sollte die Wiener jüdische Gemeinde jetzt auf der Höhe sein. Der Ausgang der Wahlen hat den Juden Wiens leider nicht eine Vertretung in der Zahl gebracht, welche für den Schutz der jüdischen Rechte ausreichend wäre. Sache der jüdischen Gemeinde ist es daher — wenden Sie mir nicht ein, daß dies dem Statute zuwiderläuft —, auch die politische Vertretung der österreichischen Judenschaft zu führen, alle ihre Rechte zu schützen, insbesondere auch auf die Rechte hinzuwirken, wdlche im Friedensvertrage der Judenschaft als einer religiösen und kulturellen Min verheil zugestanden sind. Indes.'Voraussetzung für alles, was in dieser Gemeinde Großes geschehen kann und wird, bildet die Einheit der Wiener jüdischen Gemeinde, sowie sie im Gesetze festgelegt ist. Versuche, diese Einheit zu stören und Sonderwünsche durch Trennung durchznsetzen, werden wir mit allen Mitteln bekämpfen. Wir wollen diese Gemeinde so ausgestalten, daß sich in ihr alle wohl fühlen können, ohne Rücksicht darauf, ob sie Ihre jüdische Aktivität in Thoratreue und in der äußeren Form, oder in der den ganzen Menschen erfüllenden Idee erblicken. Es muß dafür gesorgt werden, Mitteilungen nur dem Publikum. HOTEL NEW YORK (dien, II. Kl. Sperlg., 5 Minuten vom Stadtzentrum mit allem Komfort au«gestattetes Familienbotel (geeignet für längeren Aufenthalt), 100 Zimmer mit fliessendem Kalt- und Warmwasser, Bäder, Dampfheizung, Halle, Schreib- und Lesezimmer. — Rituelle KQche« — Mässige Preise SEEFISCHE eingetroffen in den Filialen der NORDSEE 11 Jänner 1924 Nr. 1762 dag iveder Kaschruth noch jüdische Moderne eine Geheickwissem schaft einer bestlmulten Gruppe bilden, welche die Zusam»! em, arbeit mit den anderen Gruppen ablehnt und die Einheit rerschlagt. * 0 Denn niemals, seit das Judentum in der Zerstreuung lebt, war die Einheit notiger als gerade jetzt Nack 3o Jahren politischer und diplomatischer Arbeit, die Theodor 8cr3‘ SüLM” S'tadt mit ungeheurer Liebe und prophetischer Voraussicht eingeleitet hat, nach der Balfour-DeVlarcMon. nach San Remo und nach der Mandatserteilung, ist die Frage der in Erez Israel eine Angelegenheit des Judentums in seiner Gesamtheit geworden, und nur dann zu lösen, wenn das Judentuni der ganzen Welt immer neue Mittel herbeischaftt. Das jüdische Palästina ist eme Frageder Menschen und der Mittel. Die Menschen haben wir. Unsere Chaluzim sind bereit, das Land mit ihrem Jdealismus und ihrer Arbeitskraft zu erfüllen, Wa8 da8 Land braucht, ist Geld, Geld und wieder Geld. Der Keren Hajessod, der Palästina-Grundfonds, für den die Juden der ganzen Welt Opfer von ihrem Vermögen und Einkommen zu bringen haben, muß gerade von den jüdischen Großgemeinden finanzielle und moralische Förderung erfahren. WaS in W a r f ch a u, Mährisch-Ostrau, Graz und Czernowitz möglich ist, mllß auch in Wien möglich werden: Die Kultusgemeinde muß sich an die Spitze der Zeichner für den Keren Hajessod stellen und damit die Bedeutung dieses Fonds für die Schaffung des alt-neuen jüdischen Landes anerkennen. Wir Zionisten haben unsere Pflicht erfüllt und verlangen, daß jetzt alle Juden ihre Schuldigkeit tun. In dieser Hoffnung stiminen wir für den Voranschlag. Hierauf sprach Herr M. Bon di, der eine genaue Einhaltung der rituellen Brauche in den Wohlfahrtsanstalton verlangte, und für die Einheit der Kultusgemeinde eintrat. Herr Dohau sprach über das Versorgungshaus in der Seegasse, in welchem die räumliche Unzulänglichkeit eine Vergrößerung des Belages verhindere. Der Voranschlag wurde dann einstimmig angenommen sowie die Erhöhung des St euer mar im u nt § mtf 30 Millionen beschlossen. Gartenberg verhaftet. Diee Jnfolvenzerklärung des Eigentümers des Herren», modegeschäftes im Trattnerhof, Emanuel Gartenberg, über die wir berichtet haben, hat eine sensationelle Wendung erfahren. Obwohl vom Handelsgericht das Ausgleichsverfahren eiugelcitet wurde und von keiner der benachteiligten Firmen bei dieser Stelle eine Strafanzeige erstattet worden ist, wurden seither wiederholt Stimmen laut, die darauf hinwiesen, daß die Jnfolvenzerklärung sich nicht auf unverschuldete geschäftliche .Unglücksfälle zurückfühcen lasse, doch wurde noch immer keine Strafanzeige erstattet. Am 9. d. abends hat nun eine Gläubigergruppe der Firma Gartenberg bei der Wirtschaftspolizei die Strafanzeige erstattet, daß der Inhaber der Firma, Emanuel Gartenberg, an seiner Zahlungsunfähigkeit selbst schuldtrag e tt ö ist. In der Anzeige wurde die Beschuldigung ausgesprochen, daß Gartenberg durch Machenkcha ften verschiedener Art seine Gläubiger zu schädigen verstanden hat. Auf Grund dieser Anzeige leitete die Wirtschaftspolizei Erhebungen bezüglich der Richtigkeit der Beschuldigungen ein und verfügte die Vorführung Gartenbergs. Gleichzeitig wurde im Einvernehmen mit dem Ansgleichsverwalter eine Revision des Geschäftslokales vorgenommen. Die Amtshandlung dep Wirtschaftspolizei dauerte gestern zu spater Abendstunde noch fort. Mit Rücksicht auf die dringende Kollusionsgefahr, die nach dem Stande der bisherigen Erhebungen vorliegt, wnilde über Gartenberg in spater Abendstunde die polizeiliche Berwahrungshaft verhängt. von zwei Staaten besteuert. In einer wenig lbeneidonswevten Lage bof'mden sich dir Bewohner des von den Italienern besetzten Gebietes zwischen Tarvis und Arnold,stein in Kärnten.. Das Gebiet gehört zwar zu Oesterreich, «ist aber von den Italienern besetzt. Es Heiden dort niicht nur die Österreichischsn Behörden Steuern ein, sondern auich die itailienifchen. Eine Interpellation, die Angst «im Nationalrat e'mgrbvacht wurde, teilt hierüber nM, daß die Italiener noch heute das Gebiet bis zur ehemaligen Dsmarkationslinie «besetzt halten. Der Derikehr über diese Linie -ist so gut wie unmöglich, da die Italiener die Plombierung der Fichrwevke, amtsärziliche Untersuchung und Schutzimpfung der Zugtiere und eine Kaution von 30 Goldlire pro Fuhrwerk verlangen. Die Interpellanten stellten au den Bundeskanzler die Frage, ob er bei der italienischen Regierung Schritte unternehmen wolle, um die Härten und Schwierigkeiten beim Verkehr über die Dem^arkationstinie zu be'heben und besonders die'Einsiellung der Steuereinhebung durch die Italiener zu erwirken. Der Kanzler möge auch die Räumung dieses Gebietes durch die Italiener in die Wege leiten. Die Angelegenheit kam gestern auch int Hauptausschuß zur Sprache. Außenminister Dr. Grünberger gab einige Aufschlüsse über die rechtliche Konist-ruktion der Ge-. bietsbesetzung durch die Italiener und versicherte, daß die Schikanierung der Bevölkerung sch>on einigermaßen gemildert worden sei, was daraus hervorgehe, daß den Bewohnern dieses Gebietes sogar die Beteiligung an den Na-tionalratswahleu von den Italienern gestattet wurde. Die Lebensmittelmilrtte. Die Beschickung der Märkte ist infolge des anhaltendem Frostwetters verhältnismäßig schwach, doch reichen die Vorräte im allgemeinen für den Bedarf aus. Knappheit herrscht augenblicklich an Kartoffeln, doch nur vorübergehend, da große Mengen für den Wiener Markt gesichert sind, die bei Eintritt günstigerer Witterung in den Handel kommen werden. Für gelbe Kartoffeln werden augenblicklich 2000 K. bis 2200 K., für weiße und rote 14'>0 K. bis 1800 K. pro Kilogramnt gefordert. Auch Zwiebel zeigen steigende Tendenz. Einige Knappheit macht sich auch in größeren frischen Eiern bemerkbar, kleine, polnische Eier sind in genügenden Mengen zu haben. Zn der Großmarkthalle blieben die Preise ziemlich unverändert, der Verkehr war, wie gewöhnlich gegen Wochenende, «twaß

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