Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1762 (11.1.1924)
- Date
- 1924-01-11
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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SÜ.'fj®'” . Wien, Freitag Unterhaus und Sberhaus. » (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) London, 10. Jänner. Das Unterhaus versammelte sich gestern nachmittags, uni die Verlesung des königlichen Dekrets anzuhören, das die Zustimmung zur Ernennung desUnterhauSpräfidenten gibt. Sodann wurde die. Vereidigung der Abgeordneten fortgesetzt. Der Sitzung wohnten weder Bald w i n noch A s g u i t l) noch Müedonald bei. Ferner wurde ein Brief verlosen, toofciu Bckdwin mH« teilte, daß die feierliche Eröffnung des, Parlaments durch den König am 15. d. stattfmden werde. Auch im Oberhaus verlas Lord Cnrzon einen ähnlichen Brief, worin die Lords eingeladen Wecken, vollzählig der Eröffnungssitzung und den sagenden Sitzungen beizuwohnen, da diese für das Land von vitaler Bedeutung sein würden. Geistern nachmittags fand unter Vorsitz Lloyd Georges eine Versammlung der Delegierten der Parteiverbände der Liberalen von England, Schottland und Wales statt. Die Versammlung nahm eine Entschließung an, worin die Verschmelzung der unabhängigen Liberalen und ver nationalliberalen Partei gut geheißen, und Lloyd George eiugeladen wick, seine ganze Kraft dafür einznsetzen, um diese Verschmelzung qu befestigen. Die Abgeordneten der Arbeiterpartei versammelten sich gestern nachrnittags, um die Wahl des Parteivorstandes vorznnchmen. Ramisay Macdonald wurde wiederum zum Präsidenten der parlamentarischen Fraktion, und Clynes zum Vizepräsidenten gewählt. Die Versammlung hieß ferner eine Entschließung des Vollzugsausschusses der Partei gut, worin die parlamentarische Fraktion eingeladen wird, dieBilduug der Regierung z u übernehmen, falls sie vom König damit beauftragt werde. Dienstag wird die Arbeiter^artet die Formulierung der Mißtrauensresolutwit vornehmen, die als Zusatzantrag zur Adresse an den König eingobracht werde. Der Prinz von Wales bei Millerand. Paris, 10. Jänner. Der Prinz von Wales, der sich in Paris unter dem Namen eines Earl of Chester aufhält, wurde nachmittags vom Präsidenten Millerand empfangen. Die letzte Session der französische« Kammer. (Eigendienst der „Wiener Bkorgenzeitung") Paris, 10. Jänner. Raoul Per et eröffnete heute nachmittags die l e tz t e S e s s i o n der französischen Kcnnmer. Die üauptsächlichste Aufgabe, die die Kammer vor sich habe, sei die Bekämpfung d e r T e u e r u n g und der V a l u t aspekulation. Die Nation interessiere sich außerdem fär die Regelung der Reparationsfrage. Wenn die Stunde der Annäherung da sei, so werde dies von der Welt begrüßt werden. Antrag auf Veefafsungsän-erung. Der 2lbgeordnete B o n n o t hat der Kammer eine Vorzüge eingereicht, worin er eine vollständige Revision der f r a n z ö s i s ch e n politischen Verfassung vorschlägt. Doumevgue — Senatspräsident. Paris, 10. Jänner. Int Senat wurde Gaston Doum t r g u e mit 216 von 238 Stimmen wieder zum Präs i» deuten gewählt. krleichterungen in brr Ruhrbesehung. Dortmund, 10. Jänner. (Wolfs.) General Touchh hat den hiesigen Lesetznugsämtern folgendes mitgeteilt: Zn Uebereinsnmmung mit der Interalliierten Rheinlandk o m m i s s i o n wird jede Kontrolle bezüglich des Verkehrs nt i t Brennstoffe n tut alt- und neubesetzten Gebiet sowie j e d e K o n t r o l l e d e r A n s f u h r, über welche Grenzstelle sie auch innner stattfindet, a n f g eh o b e n. Bezüglich des Verkehres mit Nebenprodukten der .Kohle ist bis jetzt noch keinerlei Aenderunq eirtgetreteu. Der Aumahmszuftand in Deutschland. (Eigertdienst der „Wiener Morgenzeitung".) Berlin, 10. Jänner. Der Vorstand der sozialdeinokratischeu Neichstagsfraktion beschloß gestern, die Reichsregierung neuerdings zur Beseitigung des militärischen Ausnahnns zustau des ansznfordern und die gesamte Fraktion der sozialdentvkratischen Partei auf den 16. Jänner zur Besprechung der innen- und anßcnpolitischett Lvge einzn- ^rufen. Sine Kundgebung de» Reichskanzlers. Berlin, 10. Jänner. Der Reichskanzler erläßt anläßlich der Wiederkehr des Jahrestages des Ruhveinbrnches eine Kundgebung, in der er auf die Leiden und Prü-> sltngcn der Bevölkerung des alten und des neuen besetzten Gebietes hinwcist unb fortfährt: Lln alle diejenigetl. irr der Welt, die sich noch meltschliches Elnpftndvn und völkerrechtliches Denken bewahrt haben, appelliere ich, mit uns dahin zu. tvirken, daß der Rechtszustmtd im besetzten Gebieb wieder hergestcllt werde, daß vor altem die unschztldig im Gefängnis schmachtenden Deutschen iyreit Familien wieder jnrückgegeben werden uttd die Vertriebenen in ihre Heimat zitrückkehren köntren. In allen Deutschen ist gerade durch die bittereit Erfahrungen der letzten Monate die Ueberzengnng vertieft worden, daß besetztes inrb unbesetztes Gebiet nicht! ohne einander leben können. Wiener MorttMzertünA. '. Lohnkiimvse ln der deutsche« Metallindustrie. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Berlin, 10. Jänner. Die Einführung der vermehrten Arbeitszeit und die damit verbundene teilweise Herabsetzung der Löhne hat allenthalben in der deutschen Industrie zu Zwistigkeiten zwischen Arbeitgebern und Arbeite r s ch a s t geführt. Nach der Beilegung des Konflikts in de« Berliner Metallindustrie ist jetzt ein ähnlicher Kampf in der Nretallmdustrie von Magdeburg aus-gebrochen, wo die gefantte Metällarbeiterschaft ansgesperrt wurde. Auf den bei Görlitz gelegenen Gruben weigert sich die Arbeiterschaft, die zehnstündige Arbeitszeit durchzuführen, und trat tu den Ausstand. In Gelfenkrrchen kam es ans diesem Grunde zn Unruhen. Die mitteldeutschen Kaliwerke in Mnhof bei Fulda wurdest von einer vieltausendköpfige« Menge Streikender iiberfallctt. Auf den zu den Werkest führenden Eisenbcchngeketsen wurden Barrikaden errichtet. Ein Zug mit Arbeitswilligen wllrde zum Stehen gebracht und beschossen. Polizei und Landjäger waren der riesigen Menge gegenüber machtlos nrtd wurden teilweise entwaffnet. Reichswehr stellte schließlich die Ordnung wieder her. Verhaftung eines Komplieen Hitlers. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Berlin, 10. Jänner. Der Asiistent im botanischen Institut nt Berlin, Dr. Brenner, ist in seiner Wohnung auf Grund eines Haftbefehles des Generals v. Seekt durch die politische Polizei festgenommen und vor den Untersuchungsrichter geführt worden. Dr. Brenner, der deutschvölkifch orientiert ist, scheint in die Angelegenheit des Hitler-Pntsches verwickelt ztt sein. Ein Schreiben, das er an einen Bekannten in Magdeburg richtete, ist in die Hände einer anderen Person geratett, die die darin enthaltenen Aeutzerungen anzeigte. Diese Attzeige hat zttr vorläusigett Festnahme Dr. Brenners geführt. Auch Belgien fürchtet für seine» Frauken. Brüssel, 10. Jänner. Die Finanzkommiffion des belgischen Senats forderte die Einsetzung einer Spezialkom- Mission, .welche den belgischen Franken gegen weitere Angriffe schützen und den Kurs heben soll. Die Aufgabe» der Völkerbundes. Eine Botschaft Lord Ceeils. London, 10. Jänner. (Woliff.) In einer aus Anlaß des vierjährigen Bestandes der D ö l k e r b u n d l i g a an diese gerichteten Botschaft bezeichnet Lord Robert C e c i l die Lösung der Reparationsfragv sowie die A u fn a h m e D e u t s ch l a n d s und wenn möglich auch R « tzl a n d s in den V ö l k e r b n n d als die A n f g a b e d e r I a h r e s 1 9 2 4. Die griechische Dolksabstiuunung. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Athen. 10. Jänner. Die polnischen Parteien find darüber einig geworden, die B o l k S b e f r a g n « g über Mo na r ch i e o d er R e p n b l i k Ende Mn r z zu veranstalten. Diese Frage wird in den nächsten Tagen endgültig entschieden werden. Die republikanischen Offiziere geben aber bekannt, daß sie eine E n t s ch e i d u u « zugun st e n d e r M o u a r ch i e n i ch t a u n e h m e n unb die R ep u b l i k m i t G e w n l t e i n s e tz e « würden. Dies scheint um so eher utöglich, als die Republikaner die Gunst der Arntee besitzen und aus anderthalb WillionenFlüchtl i n g e a n s K l e i n a s i e n rechnen können ttnd die Mehrheit von Athen, tut Pyrän? und ans den Inseln hinter sich häbetl. * Illach einer Meldung aus R o ttt ist das griechische Köuigspaar mtf der )ll eise nach N e a p e l in R o nt ing etroffen. Benifelos nicht erkrankt. Berlin, 10. Jänner. Zu dett ans Rom in Utnlanf gesetztett Meldtutgeu, wottach Vettiselos an einer schwere« Vergiftung erkrankt sei, teilt die hiesige griechische Gesandtschaft mit, daß diese Meldungen jeder Tatsache entbehre «, tmb daß sich VenisrloS v o r z tt g« licher G e s u tt d h e i t erftene. Die Konferenz der kleinen Sntente. Die rumönifche Delegation erst heute eingetroffen. Belgrad, Io. Jänner. Nach einer ungewöhnlichen Berifpäinttg traf heute nachmittags der Zug mit der rn-mÜMschett Dele-Miott ein. Gleichzeitig mit der rmnänifchen Delegation kamen auch die Bevtreter der rnmänischert Presse in BÄgraid an. Die Reife Dr. Dncas von Bukarest nach Belgrad dauerte vier Tage und vier Nächte. Sofort nach feiner 'Att!bu>nft begab sich Du ca itt Begleitung der Miatffter Doktor Nincic und Dr. Benefch zum Mirnisterpräfidenten Pa« f'ic, wo eine Vorkonferenz der Neimen Entente abgehalten wucke. Die Eröffnung der Bera.tn.ngen der Keinetr Enitenic findet erst morgen vovntittags um 10 Uhr statt. Es stcht noch nicht fest, ob die Beratu-ttgen der Keilten Entente über den vorgefehemen Termin vom 18. Jänner hinansgehen werden. Darüber wind hett-t-e abends entschieden werden. Es >ift hierbei bemerken, daß der tschecho-stowcvkische Außen« miitister Dr. Benesch spätestens am 13. nach London ab reifet! muß, n,m am 15. an der Sitzung der FiUMtzsektton des VlöKerbundes teklznnchnten, iu der über die Frage der endgültigen Atrlei^he an lingarn Beschluß gefaßt tverden wird. _ 1.1 Fäldn« IM _3fe0e a , Polens Finanzen. Abnahme des Banknotenumlaufes. Warschau, 10. Jänner. In der unter dem Vorsitz des Ddiwifterprästdent e> t Gra'bs-ki aibgshalltenen Konferenz von Fttvanzsachverständigen wurde die Frage der EinHieihnuy der zweiten Rate der Vermögenssteuer itmd die Frage der Emission von Sieuerbons und Eisenbahnobligation eu lbesprochen. Ministerprästdent Grab Ski teiifte mit, daß der Bericht der polnischen Darrehenskafse vom 10. d. im Vergleich zum Bericht boan 16. De- Mtbsr v. I. gum erstenmal eine Abnahme -des Notenn m f a tti tf c § rmsweise. Ausgabe von Fünfmillionenuoten. Warschau, 10. Jänner. Heute, wurden Banknoten zu süns Vkillionen in de« Verkehr gesetzt. Re Bestechung,gffüre Praschel. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Prag, 10. Jäntter. Der Vorstand der tschechischen Agra^ Partei hielt gestern unter Vorsitz des Mmisterprästdenteit Svehla eine Sitzung ab, die sich mit den gegen den Senats- Präsidenten Praschek in feiner Eigenschaft als Vorsitzende, der Spiritus zentrale erhobenen Anklagen beschäftigte. Praschek, der cm bet Sitzung teilnahm, stellte der Partei sein Amt zur Verfügung und ersuchte um Einsetzung einer UntersuchnngskomMission, der er das ganze Material vorlegeu wecke. Der Vorstand nahm diesen Vorschlag au und betraute mit der Untersuchung die engere Part ei exekutive. Bor der Demission Prascheks. Wie das «Prager Tagblati" atls zu-verläffiger Quelle tv fährt, wird Praschek seine Stellung als Senatspräfident noch vor Beginn^der Partamentssesstvu ttiederlegen. Lrotzkys KrankheU. «Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".'« Berlin, 10. Jänner. Das von dett Aerzten Trotzkhs aus» gcgebctte Bulletin besagt, daß Trotzky gegenwärtig an eineut Zlnfall von Grippe, begleitet von Abmagerung, Nachlassen der Arbeitskraft und einer Erweiterung der Bronchialdrüsen leide. Es fei ein Urlaub von mindestens $taei Monaten für eine klimatische Kur unb gänzliche 33efrei* ung von jeder Llrbeit unbedingt erforderlich. In Bcrlimr politischen Kreisen vermutet mutt angesichts der Vorgänge in der russischen komntunistischen Parei in diesem Bulletin eine Art diplontatischer Krankheit und eine Kaltstellung Trotzkhs. Konferenz der bMsche« Staaten. «Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".^ Helsingfars, 10. Jänneb. Bezüglich der bevorstehendem Konserertz der baltischen Staaten in Warschau erklärte bet Minister für Austvärtige Angelegenheiten Vennola, der Fimtland auf dieser Konftrenz vertreten wird, daß Finnland, Polen, Estland und Lettland an dieser Kouseren; teilnchmen wecken. Litauen wick sich wahrscheinlich nicht ein finden. Bezüglich des Programme s biesec Konferenz bemerkte der Minister, daß eine eventuell?< Besprechung zwischen Polen und Litauen iit Erwägung gezogen werden dürfte, dagegen würde keine Frage bezüglich einer Al l ia nz' behandelt werden. Die Konferenz wird am 2t. Jänner beginnett. Tagesbericht. Stumflut im Atlantischen Szean. Paris, 10. Jänner. (Tel. d. „Wr. Morgenzeitutig".) Dir atlantische Küste vott der Bretagne bis Spaniett wurde geftertr nachmittags von einer Sturtnflut hermgesucht, wie man sie seit 1882 nicht mehr erlebt hat. Zahlreiche Schiffe wurden von den Ankern gerissen und an beit Felsen geschleudert, wo sie zerschellten oder nntergingen. Der Sachschaden ist sehr groß, besonders in St. Nazaire und Biarritz, wo g r o fiie Warenlager zugrunde gingen. Menschenleben sind nicht zu beklagen. ___ Re Nettrlfijirruug der Wiener Stadtbahn. Der BwdgetauLfchnß hat gestern die Wiener Stockt* ü ahatvo rIag e a n genommen. Dr. Daune b erg bcmerki-r, daß sich die Genteticke Wiett von der Belebung des Sdadlbahnverkehrs auch eine Besserung der Wohn- -nno -AMnnMkchÄtrMe verspreche. Durch die WeLriffzicru-ng der StaMcchn wecke and) eine sehr ergiebige Arbertsm'öKiäi'kei! geschaffen, wecketr. Der Ausschuß beschloß dann auch noch die Ge-ivähritng von Bei trä gen zur B e h c b n n g v o n H v ch - Wals fr r schaden in Salzburg und zur Wiederherstellung der Brücke über die Jll in Vomrkberg. Doktor Dannaberg äußerte 'bei dieser Gelegetcheit den Verdacht, daß die Regierung durch derartige SondergSsetze den Lätckertt, deren VerwaR-nnigstttchrheit ihr sympathisch ist, ffnanzielle Zuwrtcktrltgen machen wolle. Der FManzmiittster bezeichrretc diese Bernrutttug als unzutreffend. Dir. Vorlage halbe mir Poli^' nicht das Geringste zu tim. Milderung de» Frostes. Der amtliche Wetterbericht besagt: Der allgemeine Südost» ström hat sich in ganz Europa durchgesetzt und den F r o ft t n Mitteleuropa gemildert. Die tneisten Staüotten in Oesterreich hatten leichtes Tauwetler, in Wien hielt der Frost an. Voraussage: U n s i ch e r c Bewölkung, leichte- T a n w e t t e r, südöstliche Wind«, Lawinengefahr,