Mannheim
Compact Memory

Wiener Morgenzeitung · 1924-01-10 · Heft 1761 (10.1.1924) · p. Seite 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1761 (10.1.1924)
Date
1924-01-10
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
88% known words query
IRI
…/2979076-2980834-2980844--17379-3004377
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

I W. NN WSöni, DonWrSlag >-»--- kontfrontiert. Von diesen Aussagen hängt eS ab, .ob diese Personen tatsächlich als regelmäßige Teilnehmer an benj Orgien festgestellt werden. v Gestern wurden die umfang reiche Korrespondenz und die Aufzeichnungen der Kadinetz überprüft. Auf Grund dieses Beiweisinaterials wurde auch der junge Tausssig verkästet. Die Untersuchung wird auch in der Richtung ge- Mhvt, ob die Kadinetz außer den bereits bekannten Kindern nicht noch andere Kinder für chre abscheulichen Zwecke mißbraucht hat. Es scheint, daß dies der Fall war, da die Frifeurin der Kadinetz erzählt, daß die Kadinetz.schon im Jahre 1932 ihr TöchtercheiN beim Klavierunterricht geschlagen habe. Darauf habe die Frau ihre Tochter keinen weiteren Unterricht mehr nehmen lassen. Wie es HMt, soll der in die Affäre verwickelte Dozent schwer belastet sein. Gr soll nicht nur ott den Lektionen^ teilgenommen haben, sondern soll sich die kleine Grete durch die Degvassi auch in seine Wohnung haben bringen lassen, wo er daS Kind mißhandelt chabe. Brot wieder teurer! Der Laib Brot um 100 Kronen, daS Kleingebäck um 10 Kronen. Bei der gestrigen Errechnung der Gestehungskosten haben die Broterzeuger ein Anziehen sämtlicher Materialvreise, wie fitr Mehl, Salz. Kohlen usw. festgestellt. Mit Rücksicht darauf und auf die Auswirkung der Warenumsatzsteuer wurde eine Eröhung der Brot- und Gebäckpreise vorgenommen. In der kommenden Verbrauchswoche gelten folgende Verkaufspreise: N o r m a l l a i b 6700 K. (bisher 6600 K., Erhöhung 10v K.), Rabatt 360 St. Extrabrot pro Kilogramm 6860 K. (bisher 5780 K., Erhöhung 80 K.). Rabatt 260 K. W e i ß e W e ck e n 3200 K., (bisher 3160 K., Erhöhung 60 K.). Rabatt 140 K. Kleingebäck 450 K. (bisher 440 K., Erhöhung 10 K.), Rabatt 30 K.. Die Teuerung nimmt zu. Jeder Tag bringt jetzt neue Verteuerungen von Lebens- Mitteln und sonstigen Bedarfsartikeln. So schreitet die Verteuerung der Kartoffeln infolge des momentan bestehenden Mangels täglich fort und es werden für ein Kilogramm Kartoffeln, wo solche überhaupt noch zu haben sind, bereits über 2000 K. bis zu 2400 K. verlangt. Frische Eier sind bereits bis auf 3000 K. pro Stück gestiegen. Kalkeier sind fast nirgends mehr m haben. Auch der Zucker steigt seit einigen Tagen wieder im Preise und kostet bereits überall über 12.000 K., zumeist 12.400 K. Hülsenfrüchte, die jetzt infolge des Gemüsemangels stark begehrt werden, steigen ebenfalls im Preise. Eine Verteuerung, die wohl als übermäßig bezeichnet werden muß, haben die Suppenwürfel, die bei den teuren Fleischpreisen stark gekauft werden, erfahren. In den letzten Tagen hat die Maggi-Gesellschaft den Preis eines Suppenwürfels von 250 auf 360 St., also gleich um 40 Prozent erhöht. tör Teebutter werden bereits bis zu 90.000 K. verlangt, uch die Zündhölzer haben sich in den letzten Tagen um zirka 10 Prozent verteuert, was mit der Erhöhung der Warenum satzsteuer und Fracht begründet wird. Me LebensmIttelmiiMe. Die Grünwarenmärkte waren gestern schwach beschickt. Die Nachfrage war infolge der hohen Preise äußerst gering. Die Folge davon war, daß sich Spinal im Preise gestern etwas ermäßigt hat, immerhin kostete aber im Kleinhandel ein Kilogramm Spinat noch immer auf dem Naschmackte 16.000 bis 22.000 K. Zwiebeln haben sich dagegen verteuert. so das; für ein Kilogramm ein Preis von 2000 K. gefordert wurde. Butter und Eier waren bei unveränderren Preisen in genügenden Mengen angeboten. Auch die Nachfrage nach Fleisch war gestern in der Großmarkthalle sehr schwach. Die Preise blieben ziemlich unverändert. In der Großmarkthalle sind sieben Waggons mit verschiedenen Fleischgattungen angekommen. Lauwetter. In Mitteleuropa hat sich bis zur Höhe von 1000 Metern rmc warme Südostströmung eingestellt und den Tauw eiteret nbruch bis nach Deutschland vorgeschoben, Inseln kalter Bodenluft zurücklassend. An der Nordseerüste trifft diese Strömung auf einen Keil kalter Luft, der über die Nordsee nach Südengland vorgestoßen hat. Im Bereich dieser kalten Nordostwinde schneit eS. Voraussage: Wechselnd bewölkt, nachts meistenteils Frost, tagsüber Temperaturanstieg bis über den Gefrier p u n k 1, neuerlicher Kälterückfall zunächst noch unwahrscheinlich, südöstliche Winde. * Zionistisches Landeskomitee. Die zionistischen Sektionen und Ortsgruppen werden aufmerksam gemacht, daß sie bis spätestens 15. Jänner ihre Mitglieder für den Parteirat zu nominieren haben, da unmittelbar darauf das Parteigericht Zusammentritt, um die Verifizierung der Mandate vorzunebmen. Nachträglich bekanntgegebene Wahlergebnisse könnten daher, für die erste Parteiratssitzung, die am 27. d. stattfindet, nicht mehr berücksichtigt werden. * AusspeisungsÄtion des .pOhel Rachel" für jüdische Rotleidende. Der Verein ,FHel Rachel" ftut unentyeMchen Aus- Weisung indischer Notleidender, der sich schon bisher durch die uneni'gMrche AuSspeilsnng von 120 bis 460 älterer jüdischer notleidender Personen große Verdienste um die Milderung der Not, unter den Wiener Juden erworben hat, faßte jetzt den löblichen Beschluß, seine Mion zu erweitern und weiteren 40 bis 50 jüdischen Bedürftigen die Wohltatt nnentgaltlicher Ausspeisung zu gewähren. Bei dieser neuen Mion kommen in erster Reihe kränkliche. ältere Personen und Kinder in BjLtracht. Es werden Frühstück und Nachtmahl verabreicht. Gesuche nimmt der Verein, 2. Bez.. Kleine Spevlgasse 8. entgegen., Präsident des Vereines ist Herr Harrh W ein in g er, der die Ausspevsung zum Andenken an seine Eltern. Selig und Berta Rachel Wetninger. schuf und di,e Kosten der AuSspeffung >biS zur Gründung des Vereines aus.etaemtt Mitteln bostritt. * Der Wiener Fremdenverkehr lm Dezember 1928. Im Dezember v. I. sind in Wien 88.766 Fremde in Hotels, Pensionelt und Sanatorien abgestiegen, davon 148 in Pensionen und 138 in Sanatorien. Darunter waren 18.944 Oesterveicher, weiterS 86 Albaner, 80 Belgier, 503 Bulgaren, 39 Dänen, 3798 Deutsche, 380 Engländer, 896 Franzosen, 226 Griechen, 164 Holländer, 1004 Italiener, 1417 Polen. 1141 Rumänen, 246 Russell, 69 Schweden, 12 Norweger, 413 Schweizer, 1889 Jugoslawen, 47 Spanier, 190 Türken, 7483 Tschecho-Slowaken. 36 Ukrainer, 5010. Ungarn, 29 Afrikaner, 567 Amerikaner, 170 Asiaten und 5 Australier. Hiervon waren 16.800 Passanteil. Wiener Morgerrzettung. 10. Jauner 1984 MB Mttteilimsen aus dem Publikum. THobeffßßus w* grosse Okkaston in den neuesten {Pariser {Modellen 1 Hßierit II. %aborstr^^| Billiger als überall I-Mf-N Sie Seiden-«. Textilwaren I-Wi« -chio-i mgiifdic Hrrrenftosfe «. Lamenmodewarea Größte Auswahl kn Fntterwaren Tief reduzierte Inventurpreise "WF Richard Springer w INDJACKEN Sohlosseranzttge, Arbeitsmäntel etc. Wien,VII. Burggasse8l.Tel.34.0-25 Stadtmederlage: I., Schottenring 19 Tel. I8»2"3I 85i Jede mondäne Dame bezieht Ihre Seide vom S eidensp ezialhaus Richard Lettner Wien, IV. Margaretenstr. 10 Unerreicht billige Preise! «d (Nachfolgende Notizen bis zu der Rubrik „Vereine" sind entgeltlich.) * Sensationelles, unerreichtes Angebot im Seidenhaus Richard Leitner, 4. Bez.. Margaretenstraße 10. Crepe de Chine, Satin de Chine, PonaiS usw. in feinster Qualität zu 62.000 bis 98.000 K. pro Meter. Serdenreste für Lampenschirme usw. spottbillig. * Tanzinstitut Hermann Braun, 14. Bez., Reindorfgasse 42. Gute, moderne Perfektion. Beginn halb 7 Uhr abends. Vereine. Borttöge und Versammlungen. Zionistische Bezirk Ssektion Brigittenau. Heute,? Uhr abends, ÄuSschußfitzung. — Zionistische Kulturgruppe Brigittenau, 20. Bez., Karl Meißl-Straße 6. Heute, 7,8 Uhr abends, Literaturkurs (Mendele Mocher Sforim). Sonntag den.13. d., 7 Uhr abends, in der Toynbehalle, 20. Bez., Denisgasse 33, Nordau-Gedenkfeier. Miiwirkende Oberkantor Dawidowicz, Aaron Schwertfinger (Festrede), Prof. Ehrlich, Samuel Schwager und andere- — Zionistische Arbeitsbeit S p a r t e i Hitachduth, 2. Bez., Glockengasse 30. SmnStag den 12. d., 7 Uhr abends, Vortrag des Sejmdeputierten Dr. S 1 l b e r f ch e i n. Gäste willkommen. — Z e i r e M i 8 r a ch i, 2. Bez., Praterstraße 43/11. Morgen um 7 Uhr abends dringende Ausschußsitzung. Vorher Sitzung der Finanzkommission. Bühne und Kunst. Mrsrrtheater. Kammersänger Richard Tauber als Dirigent von „Herbstmanöver". Die Musik von Emmerich Kalman tat wieder ihre Schuldigkeit: Flott und teniperamentvoll, vom Ungestüm ungarischen Zigeuuerblutcs durchzuckt, wirkt sie heute noch ebenso stark auf jung und alt wie das militärische Libretto einst auf die Frau- enwelt der Vorkriegszeit. Der Poesie des Kasernenhofesteh« wir heute freilich distanzierter gegenüber, eS ist vorbei mit den ,Husarenfieber", und die Lustigkeit der Kommandorufe, dit Poffenfigur des Kadett^Qffiziers^StellverdveterS!t R. Wallev stein und die gewichtigen Standesunterschiede zwischen Iw 'anterie und Kavallerie scheinen uns heute ebenso verblaßt w« der Zauber der Montur, der durch die Neueinstudierung Wied« aufgefrischt werden sollte. Wie schon so oft, machte Luise Kav tausch aus dem Freiwilligen Marosi eine köstliche Figur vob Wiener Wärme und Humors, Herr Otto Storm war vom Scheitel bis zur Sohle altösterveichischer Kavallerieoffizier, Fritz Grünbaum ein überaus possierlicher, an Einfälle« reicher Wallerstem. Ws prächtiger General trat Ferdinand Bonn auf, als Großknecht bot Herr Straßmeher eine seiner feinen Charakterzeichnungen, Grete Holm schwelgte iw Reichtum ihrer Stimmittel. Am Dirigentenpulte waltete Konzertsanger Tauber seines Amtes. Mit der Gründlichkeit eines preußischen Generalmusikdirektors und zugleich mit der schauspielernden Gefälligkeit eines ungarischen Zigeunerprimas schwang er den Kommandostab, und wer ihm zusah, zweifelt« keinen Augenblick, daß er auf diesem Manöverfeld siegen werde. Er ist sicher ein beherzter Dirigent und ein begehrenswerter Operettensänger; doch wenn ich zwischen beiden zu wählen habe, so ziehe ich schließlich den — Opernsänger vor. Auf dem Opernring wäre sein Manöverfeld, auf dem er seine künstlerische Pflicht tun sollte. p. Renaissance-Bühne. (Gastspiel Orska.) Bon Jda Roland eine Rolle zu übernehmen, ist undanb bar. Das mußte sogar Käthe Dorsch erfahren. Wer die Roland in Hans Kaltnekers Tragödie „Schwestern" sah, kann Frau Orskas Gestaltung der heldenhaften Dulderin Ruth nicht genügen, so ergreifend sie auch in manchen Szenen war. Dort, wo in diesem eigenartigen, mit Herzblut geschriebenen Passionsspiel anzuklagen ist, versagt ihre tragische Kraft (übrigens auch ihr Organ). Diese Szenen sind aber ausschlaggebend. Denn ein Jüngling hat dieses Klagelied der Verlassenheit, des unverschuldeten Martyriums der Vereinsamung, aus sich hinausgeschleudert. Aber die gefftige Ueberlegenheit dieser Künstlerin ist natürlich am Werke und sie bleibt in ihrer Auffassung immer unabhängig. Außerordentlich, ja eindrucksvoller als der Roland, glückt ihr die Fieberglut sündhafter Lust. Frau Orska wurde sehr gefeiert. Schade, daß dieses Stück, wie irgend eine Nacktoperette oder ein Sensationssketch alltäglich gespielt wird! CS handelt sich doch in diesem Falle um eine nicht alltägliche Seelenentkleidung, die das monatelange da eapo nicht verträgt, sondern in den Spielplan einer richtigen literarischen Bühne einzufügen wäre. Nebenbei aber nachdrücklichst: Eine neue Daryh Fräulein Albert, ist unzulänglich. O. A. Abschied der Düse von der Bühn«. Eleonore Düse soll sich, wie gemeldet wird, nunmehr völlig von der Bühne zuruckziehen und auch das bereits angekündigte neuerliche Wiener Gastspiel abgesagt haben. — Wenn sich diese Nachricht bewahrheitet, wird allen Verehrern dieser großen Meisterin erspart bleiben, sie auf der Bühne mit physische" Widerständen kämpfen sehen zu müssen, wie es bei ihrem Wiener Auftreten im Herbst der Fall war. — Die Düse bat noch ein reiches, für die Kunst ungemein wichtiges Md der Betätigung vor sich: Begabte junge Menschen in ihre unvergleichliche Kunst einzuweihm und für die Bühne zu erziehen Aus de« Theatern. Bnrgtheater. Morgen, 7 Uhr, Richard Brer-Haf< mannr „JaakobSTrarrm. Akademietheater. Heute, 7,8 Uhr, die Komödie „D e r K r e i s" von W. G. Maugham. DolkSoper. Heute „M a d am e B ut ter fl h". — Bei der nächsten Aufführung der «Fledermaus* am nächsten Sonntagnachmtttag wirb im Konzertakt Frau Hansi Niese Mitwirken und eine Reche von helleren Vorträgen halten. Raimund-Theater. Heute beginnt die Erstaufführung der Vorstadtlegende „2 i I i o tti“ mit Max Pallenv e r g und Karl Forest pünktlich um 7 Uhr. Gerichtssaal. Sittlichkeitswiichter mit Stl«kbombeu «ad Gummiknütteln. Zu dem Bilde der jugeMichen mit Hakenkreuz und Gummiknüppel ausgestattcken Versammlungssprenger und Retter des Deutschtums paßt ausgezeichnet der sittlich ieutrüstete Realschüler Rudolf Schwänder, der gestern weg«: der Demonstrationen, die seinerzeit im Komödienhaus gegen das Auftreten der Nackttänzerin Adoree Vilanh veranstaltet wurden, wegen Gefährdung der körperlichen Sicherheit vor dem Strafbezirksgerichte stand. Der 18jährige Jüngling, hatte nämlich in der erwähnten iVorstellung m ihm anbefohlener moralischer EntrüstungSLinkbomben und einen Sprengkörper gegen die Bühne geworfen und als man den Jungen anhielt, (so schlug er, um sich zu befrei«!», mit einem Gummiknüttel, Iden er bezeichnenderweise ins Theater mitgenommen hatte, auf den Billeteur los. Selbstverständlich ist der schneidige Verteidiger der gefährdete» Sittlichkeit auch Frontkämpfer. An welcher Front der jetzt 16jährige Bub gekämpft (hat, ging weder aus der Anklage noch auch aus ffeiner Verantwortung I hervor. In der gestrigen Verhandlung erklärte Schwander, daß er vor dem Theüter. von mehreren Frontkämpfern \(ine offenbar mit ihm an derselben Front gekämpft'hatten) gehört hatte, daß die Vorstellung gesprengt werden/sollte. Mtürlich. habe er sich bereit erklärt, an dieser Heldentat

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.