Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1759 (8.1.1924)
- Date
- 1924-01-08
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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'««oft f Mttt, DiMSistz D—«.. f*P" -- ----—--- dien fv gut wie in Aegypten und insbesondere in Palästina, wo die vorn Völkerbund bestätigte HNaudatsver-- pflichtung Englands, dem jüdischen Volk eine .Heimstätte zu errichten, von den Organen der Kurie mit allen Mit' keln obstruiert wird. Der Mailänder Bortrag des MouslZnore Galbiati über die Tätigkeit der ..Opera Cardinal Ferrari", den wir am Soimtag mitgeteilt haben, arbeitet das „Bündnis zwischen Christen und Arabern" sehr scharf hemuS und zeigt in dankenswerter Offenheit die Frontrrchtung gegen „jede englische mtb jüdische Vormachst^. ES ist von den englischen Kabinetten der letzten pvei Jahre viel verabsäurnt worden, an foicfem Punkte klare Verhältnisse zu schiffen. Dort ist die englische Ehre engagiert und die Garvinsche Aufforderung an die neue Regierung grlt auch für dieses Gebiet. Der kontinentale Sozialismus tvagt sich nicht gerne an das jüdische Problem heran. Es imrb abzttwartert sein, ob die englische Partei die Kraft hat, auch hier die Traditionen der kontinentalen Parteidoktrineu zu brechen und Englands Wort zu erfüllen. _ Macdonalds Progmmmrede. (tetgeubkuft der „Wiener Alorgenzeitung". > London, 7. Jänner. Ramfah Macdonäld wird üwrgeu in der Alberthall seine angekündigte große palriische Rede Hallen, der mit größter AufmerkmmLit eutgegengesehen wird, weil umn annimmt, daß cr ErÜärungeu über die künftige Politik der Regierung geben wird. Er soll die be v o r st e h e n d e A nerlettuung der Sowjetrepublik verkündigen, gleichzeitig die Einberufung einer Konferenz verlang gen, die das Reparationsproblem einer Regelung unterziehen soll. Ae IBttftige englische Regierung. (Eigendienst der „Wiener Vtvrgenzeituug'H London, 7. Iämter. „Daily Telegraph" schreibt, man glaube, Ramjay Rtaedonald vlLÄL^tveun cr außer dein Anu des Vremiermmisters Vas Foreign Office übernehme, \m {einen hauptsächlichsten Gehilfen X um 2H aw unb Artur P o n sonb v machen. Es sei auch wahrscheinlich, daß Low il c t o u, bet Lut Jahre 1910 Gesandter in Finnland war. zur Mitarbeit herattgezogut werbe. Auch Murray Buxlon komme wegen seiner Kenntnis ber europäischen, insbesondere der östliche» Probtenw, als Mitarbeiter in Beeracht. Rack den. „Times" hc-ftch: Grund zur Annahme, aaß Lord Parmoor der Arbeiterpartei genehm fein würde, werm er bereu wäre, in der neuen Regierung das Lord-Kanzler am: zu überuchmeu. <Lord Parmoor, durch seine Tätigkeit in der An:i Fanne-Aktion bclaiutt, hat während de^ den; Frirdensschlasse solgeuüen Krisenze.it häu-sig Oesterreich besucht. Anm. d. Red.) Führer des Unterhauses solle ElUnes werden. Auch He nd er so il gelle als üchcrer Kandidat für ein Kabiueirsportcferlille. Sentfelns’ Schwierigkeiten. lEigendienft der „Wiener Morgenzeitung".) Mailand, 7. Jänner. Der hiesige „Times" Korrespoiwent .^wldet aus Athen, die von Bcuizelos übernommene Aufgabe der Versöhnung der Parteien sei schwieriger, als man im allgemeinen glaube. Die Frage der Rü.ckkch r des K ö u i a s werde das größte Hindernis sein, weil sie die Vorbedingung der ailtiveniselistischen Parteiführer für die Ausnahme irgendwelcher VersöhnunIsverhaildlungen bildet. Sie machen geltend, ber ,König müsse sofort zu rückkehren und während der Vollsabstimmung über das künftige Regime Griechenlands in Athen bleiben. Andererseits tuet gern, sich die republikanischen Extremisten, die Rückkehr des Königs auch nur in Erwägung zn ziehen, und crTfäreir, sie könnten. Beui salos nicht veriprechLn, daß sie das Ergebnis der.Volksabstimmung annehmen würden, falls dieses für die Beibehaltung der. Monarchie ansfallen sollte. Benisclos erkrankt. — Ein Anschlags Bekanntlich ist V-euiscloS während der Kanuncrsiiznng. (ii der er unter großem Ovationen zum Präsidenten gewählt: wurde, z u sa nt m e n g c 'b r o ch t n. SOtent ixtrniutcte 'ursprünglich einen Herzanfall, doch ergab die ärztliche Untersuchung, daß es sich mu eine Magenvcrg iftu n"g handle. Nach Ansicht der Aerzte dürste Veniselos bald w i e d e r h e rg e st e IX t fein. In Athen gehen Gerüchte um, daß gogen Veniselos ein Gissm o rda ns ch la g bwftfct worden fei. Neue Verhandlungen über Fiume. Belgrad. 7. Jänner. <Trl>Komp.) Hier ist der italienische Gensrak P o d r e r a oingÄwffen, der mit der j u g o s l a w iichen Regierung über die Liquidierung der Fiumeuer Frage vechandeln soll. Eine Besprechung zwischen General Podrera und Außenminister Dr. Nincie hat bereits stattgesundeu. Man erwartet einen baldigen Abschluß der Verhandlungen., Rumänien gegen die ungarische Anleihe.' Forderung ausreichender politischer Garantien.. Bukarest, 7. Jänner. (Tel.-Komp.) Wie die Blätter erfahren, wünscht Rumänien aus der Belgrader Konferenz vor allem eine Regelung der Frage der nnga-' rischen Anleihe. Rumänien werde seine Zustimmung von entsprechenden Garantien abhängig machen, die Ungarn insbesondere mit Rücksicht auf die zwcidcn t i ge Hall nn g geben müsse, die es während der letzten Verhandlungen mit Rumänien eingenommen habe. Bor allem müsse die non Budapest ausgehende s e i lt b f c l i g e P r 0 p a g a n d ä gegen die kleine Enteilte eingestellt tverden. In einem Mini st errat, den Außenminister Dura beiwichni,-, wnrden die-bezugliche Beschlüsse gesasn. bettet MürkgeWeWns. __ _ 8, Jänmrr IM M. LM Ungarn und Lesterreich. ~ Bundeskauzler Seipel Wer die Rassenfrage und das chongrader «ttmtch Jur „Pester Lloyd" berichtet Julian Weiß über eine Aussprache mit dem österreichischen $ Bundeskanzler Dr. Seipel, in der sich dieser über die Bezichungen zwischen den beiden Staaten äußert: „Die Verhändlmtgen Mischen Ungarn und Oesterreich silw noch tricht abgeschlossen, aber sie gehen vottvarts. Meine österreichischen Beaucten sagen: „Es ist schwer, mit den Ungarn einig zu tverdetl, aber wir werden's schassen."' Die Ungarn, Äe temperamentvoller sind als wir Oesterreicher, klagen mir hingegen, daß die Beratungen iricht flott vonstatten gehen, daß daher die Gefahr drohe, schließlich Überhaupt keil, günstiges Resultat erzielen zu können. Ich teile diese pessiuristisüw Ansicht durchaus nicht. Wir tverden nn8 verständigen, weil toir uns verständigen müssen! Da ist keine Feindseligkeit mr Spiel. Däag sein, daß die alten Beamten, die noch die AusgleichSkämPfe. von Anno dazumal uciuicachren, nach der heute wM schon" ein wenig autiqnierten Methode einander Vorteile abringen und ablisten wollen, doch letzten Enses tvird ein Komprom.iß zustande kommen. Wieder« hott habe ich schon vermittelnd eingegrisfeu, und ich werde dies -abermals tun. sofern es notwendig sein sollte. Ich bin der Ueberzeugnug, baß die maßgebenden Kreise den Wunsch hegen, daß ein möglichst freundschaftliches Verhältnis zwischen beiden Staaten bestehen möge. Bon einer Wiederherstellung der ehemaligem Beziehnugen, von ei it er R e u a u finge O e st erreich Ungarns in welcher Form immer kann nicht die lltede sein: man Ur.lt das bei uns ebensowenig wie in Ungau,. Und wenn man es wollte, es wäre - undurchführbar. Oesterreich und Ungarn sind von Siegerstamen umgeben, die sann und sonders jede Wiedervereinigiillg perhorresziereu, die samt mtb sonders darüber tvachen, tmß die Friedens- Verl rage vom ersten bis zum letzten Pnirkt eingohalten werden. Jeder. Versuch, dies derzeit 31t ändern, lvüre meiner Meinung nach verhängnisvoll. Wir müssen nns darauf beschränken, ans dein Baven, der uns geblieben ist, zu wirken: hier zu sär». zu pflügen und zu ernte». D:e Ungarn stehen unter eitler noch schärferen Kottirolle der Siegerstaaten als die Qesterreichcr. Wir sind ruhiger mtb geduldiger, die Magvaren aufbrausender und leidetkschastlicher. Weder aus der Rnl>e. mit der die Ocsterrricher, noch aus der Unruhe, mü der die Ungarn die'Intcgr-itatssragc behandeln, darf der objektive Beurteiler einen Vorwurf schmieden... Ter Oester reicher beklagt das Schicksal senrer deutschen Brüder in Tirol und in Böhmen, aber er loeiß, daß auch das große Deutsche Reich mit ihn, fühlt und denkt. Anders der Ungar, der allein steht nud für seine unter Fremd-* Herrschaft geratenen Brüder ans keine fremde .Halse hoffen kann». Zn bedenken ist locitcv, daß die unklare Staatsform — Königreich ohne König --- manche Nachbarstaaten mißi.auisch macht.?,hnen scheint die österreichische Republik lveit weniger gefährlich. Alle diese Umstände müssen uns zur Vorsicht zwingen und zu einer Politik für den Tag veranlassen. Ich bin kein Prophet, ich weiß nicht. viach der Nteldnng des Bukarcster „Tirneste-Körrespon- Ocitteit wird sich die Belgrader Konferenz, im Gegensatz zu geivissen Meldungen, nicht mit der Ausdehnung des tschc-, ch i s ch s x a n; 0 sischc n B ii n d n i s s e s befassen. 8in versuchtes Bombeuattentat in Warschau. Warschau, 7. Jänner. (Tschecho-slolvatisches Preßbureau.) In der Nähe des (Äcfängnisses, in dem die kürzlich tvegen Teil-, nähme an mehreren Bombcnat teutaten zunt Tode verurteilten Offiziere B a g i n s k i und W i e e z 0 r k ie w i e z uniergebracht sind, wurden zwei Personen fest ge nommen, die mehrere Bomben bei sich hatten. Die Polizeilkchc Untersuchung hat ergeben, daß die Verhafteten durch ein B 0 m b c it a 11 c u t et t eilten Tumult Hervorrufen wollten, um den beiden Verurteilten zur Flucht zu verhelfen. Neuerliche Anklage gegen Marrel kachln. sEigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Paris, 7. Jänner. Gegen die kommumstischen Abgeordneten Each.in und Ba illant-Eont nr ier ist wirderunt eine Anklage erhoben worden, und zwar-gegen den ersteren wegen Verleitung von Militärpersonen zum Ungehorsam,. gegen den letzteren tvegen Mittäterschaft. Der neue japanische Außenminister. Tokio, 7. Jänner. (Havas.) In deur neuen japanischen Kabinett übernimmt Baron Mat sni das Portefeuille des Aenßern. (Ursprünglich war Baron .J.shii für dieses Porteseuille in Aussicht genommen.) I Elegante Zhflödelle in gestrickten besten etc. * IDE ALS TR UMPF L TRäTTNERHOF 2 (Graben) m was die Zukunft bringe« wirb, und ich vermeide auch jede Deklaratümspolitik. .Ich habe wede» in dev Anschlußfrage an Deutschland Erklärungen abgegeben, noch tvill ich mich durch Worte, die ja derzeit bloß Worte sind und sein können, binden, zumal dadurch nun die Position Oesterreichs bei jenen Staaten verschlechtert wird, auf'deren Hilfe wir angewiesen sind und noch lange all gewiesen sein werden." Bezüglich der Aule i befrage meinte der Bundes - kanzler: „Ich bin der Ansicht, daß die Befürchtungen übertrieben sind. Die Summe ist allerdings geringer als die Oesterrc 16) gewährte, aber die finanzielle und wirtschaftliche Lage Ungarns ist auch wesentlich günstiger als die -OosterreichS gewesen. Zu beachten wäre noch, daß Oesterreich nicht bemüßigt ist, die ihm zur Verfügung gestellten Beträge in ihren Gänze in Anspruch zu nchuteu. Illlgarn kann daher bei festem Willen und starker Energie sicherlich das Auslangen attf der vom Völkerbund und der Roparationskoumtisfion sestgelegtcu Basis finden. So erscheinen mir die smanziellen Bedingungen keineslvegs ungünstig. Was nun die politischen Bedingungen betrifft, sind sie weil besser, als man allenthalben erwartete. Was wurde in der jüngsten Zeit doch über die Forderungen der kleinen Entente gesäbelt? Nun. da das sogenamttc politische Protokoll vor' liegt, wird jeder zugebcu müffeu, daß es feilt kaudinisches Joch ist, durch das Ungarn gehen muß. Sicherlich bleibt viel, sehr viel zu wünschen übrig. Trotzdem möchte ich behaupten, daß der Weg, den die Siegerstaaten Ungarn zeigen, geeignet ist, um vorerst zu einem Rubeprmkt und dann zu einem Ausstieg zu gelangen. Freilich dürfen keine peinlichen Zwischenfälle eintrelen, wie sic in den letzten Ätonaten.vorkanten, ivcil dadurch das Bertraucn des Anslandes untergrabrn wird. Die empörenden Vorfälle in Csongrad sind, wie mir scheint, nur ein Glied, hoffentlich das letzte Glied einer Kette. Ich kann mir nicht verhehlen, und ich stehe nicht an, cs. anszusprechen, daß ich in diesen Verhetzungen, ob sie nun in Worten oder Taten zum Ausdruck kommen, eine Absicht, eine böse Absicht erblicke, die daraus gerichtet ist, das Kousolidierungstverk Ungarns . zu stören, lvoMvglich 31t zerstören. Die Rasscmtheorie — ein ivissenschaftlicher Irr tum — hat auch anderwärts ihre Anhänger, so bei uns i ii O e st c : r c i ch, doch zu A n s s ch x c i t u it g t u wie in Ungarn führte sie nicht, kann und darf sic nicht führen. Witt Ungarn feig derzeit wichtigstes. Ziel, das ist die moralisch.e und materielle Unterst-ützung Europas, erringen, dann muß es bedenken,, daß die gegnc.' rischen Nachbarn mit größter Spauitung alle Ereignisse verfolgen. Ich habe aus mcmeit Auslandsreisen und bei meinen Beratungen mit fremden Regiernngsvertreterrt die Wahrnehmung gemacht, daß die Ruhe unb Ordnung in Oesterreich die Sympathien für uns stärlte, jeder Exzeß, jeder Streik, dm gegen nusereik Aspirationen schadete. Wie inüfsen da erst Ereignisse wie diejenigen von Esongrad wirken?" Solowejtschik und die ZioMische Aekutive. Das Zionistische Landeskomitee für Oesterreich hat in seiner letzten Sitzung die von dent Mitgliede -der Exekutive. -Hcrru Solowejtschik, iu den Zeitungen veröstontlichteu ^Berichte über Vorgänge bei dev Erekuti-be gum Gegenstand einer eingehenden Diskussion gemacht. Es iuurbe beschlossen, an das Präsidium des A. E. das Ersuchen zu richten, zivecks Klärung dieser ^lngekegen heit eine Sitzung des A. E. einzube.msen. Der jüdische Rationalrat der Achecho- Slowakei gegen die Ritualmordhetze. Prag, 7. Jänner. Wie der I. T. A,-Bertreteir erjährk. i>a't ber Präsident des jüdischen Nationalrates, Rechisanwait Dr. Singer, im Aufträge >dcs HMtionalratcs bei der Staatsanwaltschaft eine Strafanzeige gegen den Rgdakieur d'es Organs dev kkerikalen Volt'spartet „C e ch" eingereichl. Diese Zeitung hat in einer ihrer letzten 'Nummern im Zn-' sanrmenihange mit einer Pütemik gegon den „auglo-irisch en Juden Bernhard Shaw" geschrieben, es sei „weder eine Lüge noch eine Taktlosigkeit, zu behaupten, daß die Juden christliches Blut zu. Jtitual zwecken brauchen und deshalb zu Nt-orkke-n an christlichen Atädchen schreiten". Der Stahlhelmbuud. Berlin, 7. Jänner. (Tel. der „Wiener Ncorgew zeitung".) Der Bund der FvHntsoldateit, der ^tählhelnt-- bund, hielt gestern gelogentlich einer .Fahnenweihe eine Parade ab, an der die Prinzetl Eitel Friedrich und Oskar von Preußen sowie zahlreiche Mitglieder der srüheven Generalität und Admiralität und außerdem noch mehrere denischnati-onale und dentschbökkische 'Abgeordnete teiknahmen. Bombenlager iu Ssnabrück. (Eigendimst der. „Wiener. Atorgenzeitnng".) Berlin, 7. Jänner. Nach einer Meldung aus Osnalnnä ist in einer Wohnung ein Bombenlager entdeckt worden. Ter Wohnnngsinhaber wurde verhaftet. Veranlassung zu diesen Jtachsorschungeti in der Provinz hat das jüngst gemclbeic A neu; n , a u > bas R e g i e r u n g s g e ö ä -n d . gegeben