Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1759 (8.1.1924)
- Date
- 1924-01-08
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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UltzalmimnerEIOQO Wien: Zum Abholen in der Expedition, II.,T aborstr. 1 -S, oder in einer Verschleisstelle (Trafik) monatl. K 28.000 Strassenverkanf in Wien däreb die Kolporteure der Firma Goldschmied!, l.Bez., Wollzeile 11. Mit Postversand für Wien a. Oesterr. monatl. K 28.000 Tseheeh o-Slowakei: Mon. K17. Jugoslawien: Mon. Dinar 50. Polen: Mon. pohrisehe Mark 2,200.000, Deutsch).* Mon. Goldmark 3.—, Frankr., Bel* gien: Mon. Frcs. 10 HF* Naehrahlaason "MW bei Preiserhöhungen vorbehelle« illlllJllllillMHUIBMMWIWBW Wiener , vor Pamptwettor; [jPIe Schlucht des Todes, O’aboÄStrAü Polen: poln.Hk.100000 Italien: Monatl. 12 Lire, Rumänien Mon. ISOLei, Bulg-arier Mon. 75 Lewa, Schweiz and das übrige Ansland monatlich Frcs. 3 Redaktion n. Administration Wien, II., Taborstrasse1—3 Telephone: 44-0-38,43*3-19, ab 6 Uhr abds. 1 V^.25*282 Tel- Adr.:„Merg*nzeitu»$r* Wien m m Oestenreichisches Postspat kassen- Konto Nr. 150.69- Nr. 1759 Men. Dienstag. 9 Wnner 1924 6. Jahrgang Bor der Überreichung der Antwort an Zeutschland. Getrennte Antworte«. — Mittwoch Uebergabe. Sachverständigenkommissionen. Sie Termine der Brussel, 7. Jauner. Nun ist auch in Brüssel die Redaktion der Antwort der belgischen Regierung auf die deutsche Note fertiggestellt worden. Heute nachmittags ist der Entwurf dem Kabinettsrat zusammen mit dem Vorschlag einer Persönlichen Antwort unterbreitet worden. Beide Antworten sind im großen und ganzen überein stimmend. Doch ist -re Form etwas verschieden. Man erfährt, daß noch im Laufe des heutigen Abends die belgische Regierung ihre Antwort nach Paris übermitteln wird, worauf beide Antworten den deutschen Geschäftsträgern in Paris und Brüssel überreicht werden Tonnen. Es ist zwar noch nicht sicher, daß die Uebergabe der Antworten bereits morgen erfolge« wird, doch ist jedenfalls anzunehmen, daß Deutschland im Läufe von 48 Stunden die Antworten erhalten wird. . Re amerikanischen Sachverständige« in Paris eingetraffen. (Eigendienst der „Wiener Movgenzeiiung".) Paris, 7. Immer. (Eigendienst.) General Dawes kitiiyMr: Ioung,«dir beiden a rtterikanisch>en Sachverständigen, die sich an freit Arbeiten des SachverständigenkoiMtveS der Nepara'tionsrommlsfwn betelligsn, um die Mittel zu untersuchen, durch welche, das Budget des Reiches ins Gleichgewicht zu bringen sind und um die deusche Währung zu studieren, sind heute früh m Cherbourg gelandet und abends in Panis ang-kominen. General Da wes wird den Vorsitz im Komitee in netz aben. Die erste Sitzung fmdet nächsten Montag statt. Das zweite Komitee, welches die deutschen Kapitalien im Ausland untersuchen soll, wird seine erste Sitzung am 21. Jänner -in Paris abhalten. Bin norwegischer Schiedsspruch über den Versailler Vertrag. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Paris, 7. Jänner. Gemäß einem Commumque der Reparationslommifsion sind verschiedene Fragen über die Interpretation des Artikels 260 des Versailler Ver-- träges von der Neyarationskomnristian und der deutschen Regierung dem Schiedsspruch des Bor-sitzenden des Obergerichtes in Drontheim, Herrn Be ich mann, übermittelt worden. Die öffentliche Verhandlung hierüber findet am 11. Jänner in Paris statt. Das Micum-Abkommen. (Eigendienst der „Wiener Movgenzeitung".) Berlin, 7. Jänner. Wie die „Vofsische Zeitung" meldet, steht die Erneuerung des Mieum-Abkommens, das vorläufig nur bis Mitte Jänner Geltung hat, unmittelbar bevor. Es sei zu erwarten, daß jetzt bereits das neue Kohlensyndikat als Gegenkontrahent der Micum austritt, während bei den früheres Verhandlungen infolge der Zwistigkeiten im Syndikat Einzelverhandlungen geführt werden mußten. * Frankreichs Schulden an Amerika. Fast vier Milliarden Dollar. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Washington, 7. Jammer. Auf eine' Anfrage des Senators Borah nach dem gegenwärtigen: Umsang der fram zösifchen Schulden an Amerika teilte der FinanMnvi'ster mich daß sie sich, auf 3.990,657.605 Dollar | bekaussn. Ier deutsche Kronprinz in Meran? (Eigendienst der „Wiener Morgenzeiiung".) M a i l a n d, 7. Jänner. Wie „Corriere de la Sera" aus Meran meldet, halt sich der deutsche Exkronprinz seit längerer Zeit mit seiner Familie unter dem Namen eines Grafen Ludwig von Lingen in Merait a«f. England erfüllt Stalfetts afrikanische Ansprüche? (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Berlin,?. Jänner. Wie dem „Berliner Tageblatt aus Nom gemeldet wird, beginnt nach übereinstimmenden Informationen die englisch-italienische Annäherung praktische Gestalt anzunehmen, nachdem der Abschluß des tschechisch-französischen Bündnisses sowohl das Londoner wie das römische Kabinett von der absoluten Notwendigkeit eines engen Zusammengehens überzeugt hat. Die erste Frucht der wiederaufgenommmenen Freundschaft ist die Bereitwilligkeit Englands, endlich die auf das Jubaland bezüglichen italienischen Wünsche zu erfüllen; es scheint beabsichtigt, die Abtretung des Jnbalandes an Italien am Vorabend der Londoner Reise des italienischen Königspaares bekanntzugeben. Die auf die Okkupation des Senussenlandes und der Oase -K u f r a hinzielenden Wünsche dürften dagegen nicht verwirklicht werden. Der Prozeß der 80.000 Belgier gegen Deutschland. Poris, 7. Jännvr. (Havas.) Das bsbgW-ldeMche SMeösigevicht hat heute unter dem Vorsitze des Professors M 0 r i a u d von der Rechtsfakultät in Genf die Verhandlung des Prozesses wegen der von belgischem Deportierten verlangten Entschädigungen begonnen. 2ldvokat Pirenne brachte vertrauliche Weisungen des seinerzeitigen Gcneralgonverneurs v. Bissing sowie Geheimdokumente von größter Bedeutung vor und erklärte, die Kläger hätten nicht die.Absicht, einen politischen Prozeß führen oder Zornimb Haßgefühle wiederausznwcctell, soildern sie verlangten ein prinzipielles Urteil. Der lettische .Anwalt wird rnorgW das. Wort ergreifen, Neuerliche Berhastungen in ßsongrad Weiteres belastendes Material für die „Erwachenden". (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Budapest, 7. Jänmer. In Csongrad ' imnibetc heute ueueckich Haus-dur chsu ch um gen vorUetlmmmert. Man fand sehr wichtige Schürften u»itib MMÄiche Gru-emm'ungsde!kwte des Vevsims der Erwachemden Ungarn. Es. wurde» außerdem böi dem Vater des vevhafteteiir Pirvoska eine Eier-Hamdgranate vovgesmÄmt. Es wurden mehrere weitere VeühastumWr vorgemEmen. Standrechtliche Behandlung von Bombenattentätern< Budapest, 7. Jänner. Die PÄizer gibt durch MaueranWLsge die AuiSdchmmg des standrechtlichen Versah re ns aus Vevübumg von Mord und Totschlag unter Vevwendtvny von Spre ngmitteErr bekannt. Es wird der BsvAkerung zurEhreirMcht gemacht, die PMzei dadurch zu unjevstützeu, daß jeder,'der Sprsnigmittel oder Sprengstoffe in Vvrtvaihvumg Mt, diese unverzüglich ab liefe rt, besstehUngsweise daß das Publikum der Polizvi'brhöüde Personen anzsigt, m deren Bositz sich derartige SpreugmiM bcPnden. Die stanzöfischeu SenakswMe«. Die endgültige« Ergebnisse. Wi (Eigendienst der „Wiener'Morgenzeitung".) " - Paris, 7. Jänner. Das Resultat der Wahlen in den Senat wird nunmehr offiziell bekannt. Di« .Ko nservativen erhalten 16 Sitze und verlieren einen gegen den vorigen Stand, die Republikaner haben 20 Mandate erhalten und eines verloren, die L i n k srepublitaner haben 37 Mandate, tvoboi sie eines gegen ihvan früheren Stand gewimneu, die Radikalsozial! ste n erhalten 36 Sitze, w-vbei sie 2 verlieren. Die republ iranische n Sozialisten erhalten vier Sitze Ulnd gewinnen emk>en. Die Sozialisten haben 2 Sitze erhalten, wobei beide einen Gewinn gegen früher idarstellen. Das Gesaultresultat der Wahlen ist, das; die Z,ußWWMWW des M Mt vgräMrt M Ehre md Prestige. —7. Wien, 7. Jänner. Das englische Unterhaus tritt heute zusammen, um die Arbeiten seiner Konstituierung zu beginnen. In einer Woche wird dann mit der Eröffnung durch den König die eigentliche politische Funktion dieser Körperschaft beginnen, der so große Bedeutung innewohnt. Das Unterhaus wird die letzte Bilanz aus den Wahlen zu ziehen und das Provisorium des Kabinetts Baldwin zu beendigen haben. Die Entscheidungen werden einander sehr rasch folgen müssen, weil in der englischen Politik eine sehr fühlbare Unsicherheit eingetreten ist, die sich daraus ergibt, daß das Kabinett jeden bindenden Beschluß vermeiden muß. Die Arbeiterpartei rüstet sich bereits, das Erbe zu übernehmen, und es kursieren schon die Personallisten der kommenden Regierung. Die von der: Londoner Konservativen unternommenen Versuche, den Liberalen die Regierung und ihre Verantwortung zuzuschanzen, sind von Baldwin abgewiesen worden, der die Notwendigkeit erkennt, die Halbheiten abzulegen und die volle Konsequenz aus dem Wahlergebnis zu tragen. Nach dem traditionellen Brauch des Unterhauses wird sich das erste Stadium des Kampfes so abspielen, daß die Opposition die Thronrede beantworten und in einenl Zusatzantrag den Ausdruck des Mßtra-uens zu dem vom Kabinett Baldwin befolgten Pcilitrschen System formulieren wird. Daran wird sich eine große Debatte. schließen, in der die Führer aller Parteien das Wort nehmen, werden. Das Resultat der endgültigen Absttmmung scheint schon heute sestzustehen. Baldwin wird gestürzt und die Politik'Englands, die an Revoluttonen so reich ist, lenkt wieder in einen neuen Kurs ein, der vielleicht eine Revoluttonierung des gesamten polttischen Denkens in Europa einleitet. Die Schaden, die der Friedensvertrag angestistet hat, können freilich nicht mit einem Schlage aufgehoben, noch weniger in ihr Gegenteil umgewandelt werden. Der Weg von der Einteilung der Welt in gute und schlimme Völker bis zur Einrichtung der Vereinigten Staaten von Europa ist noch sehr weit und sehr steinig. Aber schon die Ankündigung, daß die Bestimmungen des Versailler Diktates mcht als sakrosanktes Gesetz für alle Ewigkeit gelten dürfen und daß sie revidiert werden können, ist eine Tatsache von sehr weitreichender Gewalt gewesen. Sie hat schon jetzt eine gewisse Umorientierung Frankreichs ergeben, Unfalls aber die Austnerksamkeit der englischen Oefsentlichkett wieder aus die Kardinalprobleme der Nachkriegszeit gelenkt: aus die russische Fmge und auf den Reparationsstreit zwischen Deutschlattd und Frankreich. In beiden Fragen schien England seit dein Sturze Lloyd Georges vollständig ausgeschaltet zu sein. Es ist ein sonderbares Zeichen der Zeit, daß der namhafte liberal Journalist Garvin im „Observer" der Arbeiterregievung die Ausgabe zuweist, die Ehre ltttb das Prestige Englands wieder herzustellen. Es Mt dies in einem ansehnlichen Widerspruch zu den vielen Befürchtungen, die sich in der bürgerlichen Welt Englands angesichts des kommenden sozialistischen Regimes geltend machen und dse das Staatsgesühl der Avbeitechartei als ein fragliches Gebilde hinstellen. Sie wird sich den Verhältnissen und der bestehenden Krästegruppierung insoweit an- Passen müssen, als dies zur Anbahnung^ eines muen Zustandes notwendig ist. Die zukünftige Polttik Englands findet ihr Geleise bereits vor. Sie wird Nur einen neuen Geist uitb jtcuc Methoden zeigen müssen. Sie wird es versuchen müssen, die Entente aufrecht zu erhalten, wett sie nur. auf .diesem Wege die Extratouren Frankreichs kontrollieren kann. Sie wird innerhalb dieses Bündniffes die Schuldenftage von neuem aufwerfen und so auf den Widerspruch hin- Wersen, der zwischen den riesenhaften Rüstungen Frankreichs und ihrer Begründung in der deutschen Zahlungsobstruktion liegt. Sie wird, wie Garvin ausführt, gegen die militaristischen Vormachttendenzen Frankreichs austreten und sie durch die Angliederung Deutschlands an den Völkerbund konterkarieren müssen. Zu diesen offenen Widerständen, die die englische Politik zu bekämpfen hat, gesellen sich aber auch noch Kräfte, die aus uralten konfessionellen Konflikten sich herleiten. Der Vatikan hat seine Rechnung mit England noch nicht ausactragen und er versucht dies, seit er keine materielle AkM)i besitzt, auf tausend Hinterwegen. Er ist unter kluger Benützung französischer Aspirationen insbesondere im'Orient am Werk. Still und geräuschlos arbeitet die römische Organisation an der Bekämpfung! der englischen Stellung, und ihr Wirken zeigt sich in In-