Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1758 (7.1.1924)
- Date
- 1924-01-07
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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S *? \ s % I! *;i x i % } l b l,v U-- ' : [■: .y i . oral " -Ren, Mncky Ottiitt «orsmrem«W. T. Würmer im Nr. 17öS pMdent Prafchek, der Verwalter des Disposition-- l«chS, habe zwar die Erklärung abgegeben, daß polttifche Parteien nicht bestochen worden seien, doch sei das Blatt q» der Lage, zn erhärten, das; die n a t i o n a l s»; i a l istische Partei drei. Millionen aus diesem Fonds zum Ankauf des Kmemalographentheaterö „Louvre" erhalten habe. Das genannte Kino sei derzeit im Eigentmne der nationalsozialistischen Partei. Da-- Blatt fuhrt Wetter aus, datz der Sekretär der tschechischen National« soztallsten Tueny seinerzeit für die Erhöhung des ^iritnSpreises eingetreten sei, was ihm vom Bizepräsidenten der Partei, Strbeny, des" seifigen Cisenbahn- Mintsters, einen harten Tadel einirng. Z t r d e n y soll fich damals geäntzert haben : „Das 2 chwein bekam drei Millionen fnr daS'Lo nvre-Kino und deshalb stimmt es für die Verteuerung deSSpiritu s." Re Überschwemmung in Pari». Paris, 5. Jänner. i.HavaS). Das Hochwasser hat fit Paris sein Maximum erreicht. Die großen Nebenflüsse der Seine beginnen zu sinken. Er fallen keine Niederschläge mehr. Berhaftung der GrWn Merhaztz. Aus Preßburg wird berichtet: Bor br« Wochen wurde die Gräfin Louise Eszterhazy in Preßbnrg wegen Spionageverdachtes verhaftet und befindet sich derzeit noch immer in Untersuchungshaft. Ihre Berhaftung erregte besonders in de« Kmsen der ungarischen Adels große Aufregung. Der Staatsanwaltschaft in Preßburg sind seither zahlreiche anönymr Schreiben zugegangen, in denen a n g e d r o b t wird, daß für den Fall, als die 23jährige Komtesse nicht sofort a»S der Haft entlasten wird, auf hervorragende tschechische Persönlichkeiten Altensale auSgeführt werde» würden. Einige dieser Drohbriefe find im Auslands anfgegrben. SBttet sem Die Fruerwehr. Am fjanft Hei merlegafs« 8 brach cm Samstag dfotfe ch» Dippelbalkenbrand aus und als die AemMichr «chchieu, wurde ftftgestrllt, datz das Dach jeden LvgenAick ersftürze» könne. Der BrandinstEor ordnek deHer umfangreiche PolznugsarHeiten an. Da die Hauspartelen obre die A^twndhaltungsVofien sel-dst bezahlen nrüffon! und «emtt», die Sache würde ein Heidengeld lüften, witterfetzten sie sich der Aktion der Feuerwehr «ch woAm die Löschung des Brandes sogar mit Gewalt verhindern. Es nachte SkchechsttSwache em- ZHreiten, um dw Leute znbewege«, das Haus nicht Wer ff$ «Würzen zu Lasse». Stnhe»Wch einer Wleptver». Awifche» den FanMen Hart mann und Fe her in .pt Avysidche herrscht seit längerer Zeit Zwist, d« schon Sst« M ««Wen AichM« 'fichvte. Am 36. Dezembar bc°- gsWUie Ehrpear Feyer de« FleWhauevgsWen Franz H»rt«a«n, der fei: vre^nr Jahren an epilept. shen Auf allen leidet. Fm Borbeigchsn sagte Fr>r Flyer: »HttHatkttder Hund, steck mich nicht an...!" HaÄmamr gevket daxwösr in ftbche Außreglmg, daß sr Wni, SchnesschmHer die Schaufel entriß mb damit aus d'e %6jk so Lange mfyteb, büs die Schaufttl m Stücke brach. Er stellte sich nackcher der Polizei, konnte aber nicht einverwutakn Wochen, da et einen erpvletztischen Anfall erlitt. Da M der Schläysvei bslde Pavtelkn Denletzarttgen davongotvagen hatten, wmlde die ArqeAge an die GwMSmwMfch«st gemacht. Die Zelvgen bchanMn, datz >FvM Feyer, »me außerorldeMich stveitsüchtige Person, dm Havtmaml absichtlich gereizt habe, damit dieser in seinem pathologischenAM-t eine Handliuing begehe, die ihtt entweder nach Ste>nchof oder in« SandeSgevicht bringe. Unter Siftmordverdacht. 17. -ßc 0-, ver- Der 34jährige Maurer Josef Lader, Hernalser Hauptstraße Nr. 77 tvohnhaft, - ein heirateter Niann, der jedoch von feiner Frau getrennt lebt, unterhiett seit längerer ,&U mit der LHährigen Hilftarbeiterin Anna B i l e k ein BerhAitmis. Am 17. Dezember ist der Maurer auf seiriem Arbeitsort auf der Schmelz zusammengebrochen, nachdem er schon vorher über starkes Untvohlscin geklagt hatte. Die Retwngstzesellschast brachte ihn damals in das Rochusspital, wo er drei Tage in Pflege blieb und dann am 20. Dezember entlassen wurde. Bei der Polizei einvernommen, gab Lader an, daß ihm seilte Geliebte anr kritischen Tage einen Tee gekräht Iw-te, der nach rostige m Eisen schmeckte. Er sprach die Ber-- imltung aus. daß ihn die Bilek zu vergiften versucht habe. Dafür spreche der Untstartd, daß sie ihn: anfangs Dezernber gedroht habe, ihtn in die Speisen Gift zu gelben. Die Hilfsarbeiterin wurde in Haft genommen. Sie stellte entschieden in Abrede, dom Mann ctlvas verabreicht zu haben, tvaS ftm UnwhoMn hätte hcrüeiführell können. S'rc erzählte, sie habe den Tee aus Kräutern znbereitet, die sie btm der Mutter des Leder zum Teekochen erhalten habe. Frau Loder gab an, daß sie tatsächlich Kräuter zum Bereiten von Tee selbst im Menerivald gesammelt und für ihren Sohrr der Bilek übergeben habe. Bedenklich erscheint cs, daß inan in der Wohnung Loders auch eine Flasche mit K n p f e r v r r r i o l gefunden hat, die dem Maurer gehört. Lader behauptet, daß feit einiger Zeit ein Teil der giftigen Flüssigkeit fehle, so daß er annehrne, die Frau hätte ihm von dem -Gift in den Tee geschüttet, nm ihn zu beseitigen. Bei einer Hausdurchsuchung wurde weiters ein SuPPen-- schopftr gesunderk, der auf der unteren Semite grünliche Rostflecke auflveist, die möglicherweise auf die Berührung mit Kupfervitriol zurückzusühren sind. Die Bilek behauptet freilich, daß sie gleichfalls an de.m kritischen Tage von dem Tee genossen habe, ohne nachher ivgjend ein Unibchagen verspürt zu haben. Da trotzdem die Mv^liDeit eines GiftmvÄversuckes vorliegt, wird die Bilek nach AbMuß der Erhebungen dem Landesgericht eingoliasirt rvetden. Proben des Nkageninhaltes des Lover, die während seiner Behandlung im Rochusspital abgenourmen und ausbewahrt worden find, tom&en dem gerichtlich-medizinischen Institut übergeben, um eine genaue Unterfuchwng zu ermöglichen. * Tödlicher Unfall am Südbochrchos. Echter« nachluittags war der l8jahrige Schweeschaufler Hertl am Abladeplatz ans dem Südbahnhof mit dem ÄbkehM« von Schnee vom Dache -und von der Stirnfvont eines Waggons bchchäftick. Dabei geriet er zwischen die Puffer dieses Waggons und eines Schneepfluges. Er erlitt mehrfache Rippenbrüche und ist »och vor Eintreffen der Reltungsgesellschaft bersaneden. * Der Hett Börsendtt-psneni. Di« Polizeibehörde in Berlin verfolgte den ^iciett Bankbeamttu Hans Frey, der fett Oktober irach Verübung eines Bankbetruges und einer Urkundenfälschung auS Berlin flüchtig ge-- worden ist. Wie die polizeilichen Erhebungen ergaben, hat fich Frey fälschlicherweise als Börsedisponent einer Bank ausgeoeben, trotzdem er tatsächlich rmr Korrespondent der betreffenden Bank war. Cr sprach nun auf eigene Faust bei verschiedenen Kunden des Balffgeschosws vor, erklärte, daß er unter glänzenden Bedingungen Äfffekten kaufen könne, und lockte auch tatsächlich vtzelen Parteien auf diese Weist große Geldbeträge heraus. Späterhin fälschte er BankbeLr^e und Depotscheine, Me er seinen Klienten ausfolgte, um ihnen mit Hckfe dieser Fälschungen vor-ufpiegeln, daß-die angekausten Papiere in dem Depot der Bank auf den Rainen der Leute eingelegt worden fei r;. Frey wurde M lgestern behaftet. Er hatte na» seiner Ankunft in Wimin der Währingerstrag.: 15 g.- lvohnt und war dann mit seiner Fryll in die Theobaldgasse 1' übersiedelt. Man fand in stine-m Besitze mir inehr vier Dtillionen Kronen. Wie hoch der Schade ist, sonnte bisher nicht gestellt werden. Frey wurde gestern dem Landesgerichte einaekiafert. * Unfälle beim Wintersport. Gestern nachmutagüi ivnrde die Hietzinger Rettung^ gesellschaft ans die Knödelhütte berufen, -wo der Drechslergehilfc Karl Ritt! beim Skiläufen gestürzt war und einen Bruch des rechten Wadenbeines erlitten hatte. Fast zwei Stunden dauerte die Expedition mit dem Rettungsauto, das auch nur ein Stück der verschneiten, ansteigenden Sivrße nehmen konnte, so daß dann die Nodc-lträgbahre angetvendet werden mußte, um den Berletzien herabznfiihreu und in das Rochusspital zu bringen. ”ym Waide von Sievering sind der 21jährige Geschüfisdiener Ludwig Dcscheu und der Buchhändler Otto Fritz beim 2Ti-- laufen gestürzt. Beide erlitte« einen Bruch" der linier, schentel. Die Rettttugsge-seltschast verband sie und brachie sie auf die 2. Nnfattstatio'.r. Beirn Rodeln in der Nabe der Weberhütte beim Ka-hleubergerdor-s ist der lüfährige Sattlerlchrling Otto Seidl gestürzt nrw erlitt einen Bruch oes Oberscheukels. Die Rettu-ugsgesellschast überfiihrte ihn auf die 2. Unfallstation. Bcinr Rodeln anc Schaft berg ist die 1-8jährige Private Marie Bimctal gestürzt und mutzte mit etueni ©ntefte des Wadenbeines von der Rettnngsgesetlsct)afr ans die 2. Unfallstation gebracht werden. Beim -Ailauftu in ^-ber^St. Beit ist der 38jährrg' Privatbeaulte^Fosef Ban i gestürzt mtb erlitt einen Bruch bec> rechten Oberschenkels. Die Hietzinger Retrnngsgefellschaft brachte ihn in das Rochusspitäl. ,, * Widriges Jubiläum einer jüdischen Zeitschrift. Die i, Prag, erschemende indische Jugendzeitschrift u u q I u d a" tntt tu dlesem Mvnat in ihren i’ö. Fahrgang. Ern solche? Judrlanm ist ber cmer indischen Zeitschrift nrcht häufig. „Inno ^iuda" wurde vor 25 Iahreic voll Philipp L c b e n h a r t ae - gründet und hat aus schwierigen Anfällgen durch Verständnis für den Geschmack der tefenbeu jüdischen Irrgend des Westens rm Laufe der Zeit eine,', weiteil Leserkreis gewonnen. Zn bemerken fit, daß die Zeitung bereits in ihren ersten Jahrgängen noch vor der Arbeit der hebräischelr Bewegung intensiv die Erlernung des Hebräischen durch die indische Jugend propagierte und tu ihren Spalte,r auch praktisch durchzuführen versuchte. „Jung-Fllda" ist die einzige indische Jugendzeitschrfft, welche unter den vielen dieser Ar» üch so lange Zeit erhalten hat. * Dokumente über die Entdeckung Amerikas verbrannt? Die „Times" melden ans H«cl-M in Span-iru: Das CÜem-che?« haus des Dorfes Polos de la Frontera, aus dessen Hafen Kollim- '&M$ onn 3. AuMlst 1463 m>it der „Sanea Mlav.'?a" in See -stach, ist «durch eiate FeivrrSbruinist voUtänÄijg cknig-eäichert worden. Man vermutet, daß nrührere öri-rich-c Fu-nEcionäre all der El,!- st>ehun,g des Bmntdes botsil-'yt sind, wE sie AmH vor den «Wgen der dnnb Las Dirc-Lorünn Lniseockinöterl Une-er' suchung der Gemeindebücher Ijatteu. Es sind nämlich Unter- WaOWYvw vorgedmml«n, die an der Hanv der Bücher nachzuwststn waren.. Ein OMzier der Zipstgawe ist aus IVLadrid atWVSqt, um Idie ÄngelMm'hyit aiifznkHären nn!s MMch die auf Mfe GMerkinnn Ä.m-er-i?os 'bez-ü^icheu LchviMick-e - -i sammeln. Man fürchtet, datz wichtige Papiere des Gemeinde' archivs, unter ihnen auch die Amerikadok,imente, durch das Feuer vernichtet toordcrl sind. Mfado Goldband-Feigenkoffee mit Nabattmarkte R die beste Kaffvewnvze.' (En>t'Mlstd? briestasten der Redaktuu. Sch. u. 3.» Pake«. Eine spezielle Zeitschrift dieser All ist uns nicht bekaMt. Sie finden diese Materie in allen besseren Kunkizeitschrfften behandelt. -- Aionffk. 1. Der Kurs hat sich täattch geändett, er müßte also ein bestimmter Lag angegeben werden. 2. Bisher nichts. 3. Anton. — P. 8- Los Serie 5266, Nummer 79. wurde mit 13*50 Franken gezogen; sonst nichts. — DliMolz» Sifenffafet. Nichts gezogen. — D. I. s., Chodorvw. Di; russische Gesandtschaft in Wien dürfte informiert sein. --- Dr. Ä. T., Gta«is!«m. Ueber diese Aktion fmtn wohl Herr Johann jiremenetzky, Wie». 20. Bez., Dresdnerstraße 70, Auskunft gehen. Zm rWmkowSky-Ge-enkftier. Am 6. November 1923 waren 90 Jahre verstrichen, seitkem Peter Jljitsch Tschaikowsky, wenn nicht der bedeutendst«, so doch her berühmteste ruffische Komponist, in Petersburg <m dev Cholera verschic-rn ist. Unsere Staatsoper verzichtete darauf, mit einer Neubelebung der „Piquedmne" oder des „Eugen Owegm" des Tondichters zu gedenken, auch der Konzertbetti^b nahm keinen An^ß, durch Aufführungen weniger bekannter Werke den Gedenktag zu begehen. Erft jetzt erinnerte sich eine KonKertdirektion dieser Ehrenschuld und veranstattete an zwei Abenden eine Tschaükowsky-Fsrer, welche von Dr. R. N u ritsch i s k y geleitet wurde. Der in London lebende Russe ist in Wien vont Vorjahre her als umsichtiger Kapellnierster bekannt und ließ es auch als Tschaikowsky-Divigent an Gew'rsserr- .Mtgkeit nicht fehler!. Mas er a,r Kompositionen - von Tschaikowsky brachte, war ja lücht gerade das Iniercssanteste, aber immerhin besser wie gar nichts. Plan hörte zwei Stücke programmatischen Charakters: Tie Phantasieouvertüre „Francesca da Rimini" mit all ihrcll Schrecken der Unterwelt, die melfach an das Vorbild von Liszts „Dante-Symphonie" geinahnt, und die Manfred-Symphonie mit ihren Nawrschildenmgen und ihrem orgiastischen Bacchallale, in welcher der Einfluß Berlioz' vorherrscht. Wie bei Berlioz die „Idee fixe", durchzieht hier eine Zlrt Leitmotiv das ganze Werk. Außerdem standen die Romeo und .Julia-Ouvertüre mit ihrer von poetischem Zauber erfüllten Mondnacht und selbstverständlich ‘ die „Symphonie Pathetique", mit der sich Tschaikowsky nach seinem Lode die Welt erol>ctte. auf dem Programnl, ebenso der reizvÄle Bariatiowenfatz ans der dritten Suite Op. 55. Schade, daß «iwt Stile drr zweiten Snue Dp. 53 mit ihrem. Walzer;cnb dem SwüeSkm Scherzo mit Bevioeuduirg der Ziehharmonika m-Vfm M D«s kmimp tegmanjt vorgetragen, und das B-Moll-KlavlerkonFert, von Julius JsserliS mehr mit westlicher Kultur als mit russischer Wildheit gespielt, vervollständigten das Programm. Jrvteresstmt, daß dieses ungeheuer effektvolle Klavierkmr-zert, das Tschaikowsky aus Nikolaus Rnbiustems xWirnsch hin komponierte, von diesem undankbar befunden tourt«, und der Tondichter es daraufhm, da er eine Umarbeitung ablehntc, Hans v. Bulow widmete, der l'chn wiederholt gefolgert hatte. Bemerkenswert auch, daß der junge Tschaikowsky als Schüler Anton Rubinsteins für die Vertonung von Schilbers „Hynnms an die Freude" mit eimm Preise bedacht wurde und ein Musikkritiker daraufhin in den „Petersburger Nachrichten" das Urteil abgab: „Herr Tschaikowsky ist Mrz unfähig." Später freilich fi'chrte Peter Jljitsch Tschaikowsky als satirischer Kritiker der „Moskauer Nachrichten" und der „Zeitgenössischen Chronik" selbst die Feder gleich einer scharfeit Klinge und vor« starid feinen Spatz gegenüber Stümpern und Dilettanten. Im Gru-llde jedoch war er hilfsbereit und wohlwollend und der ihm befreundete „Kritiker Laroche sagt von ihm: „Peter Jljitsch toar über alle Matzen gut. In ihm lebte nicht allein die Güte, die jedermann ins Auge fällt, sondern auch dieMige, die nie* lltand ahnt. Er war ans jede Weise itnb nach jeder Richtung hin gut." Als Konlponisi war cr zeitlebens bestrebt, eilte Brücke zivischetl Osten und Westen zu schlagen. Er be;nühte sich nm westliche 5kultur, die er sich auf iveiten Reisen aitctgncfe, und gehörte nicht zn jene nt Verbände echt jungrussischer Lallte, die nur Mütterchen Rußland gelteil lassen. Er liebte Chopin und verehrte Scliumann, de»l er in seiner weichen Lyrik nild in »tauchen inhaltsreichen Episoden lmhestcht, mrd, 'wie jeder Mtlsiker, bewunderte auch er Mozart, deni er anläßlich der ÄeS iSvn Jiu-an" durch ZujaMneytzellnuK feiner Suite ,/Mvzartiana" aus vevfchiedenen von ihn: selbst instrumelltievten Mozarisätzen eine Huldigung darbrachte. Fm übrigen lebte in ihm ein unruhiger, eklektizistischer Zug, der ihn bald die italienische QPernkantilene, bald wiederum die Wagnersche Deklamation oder gelegentlich auch die Leitmotivik versuchen ließ. Selbstverständlich versenkte er sich lief in die russische Musik mit ihren reichen Volksweisen mtb ihren urwüchsigen Rhythmen, welche auch heute noch die müde Mllsik des Westens auffrischen. So ist feine Dtusik voll von Gegensätzen, zwischen denen er keinerl rechten Ausgleich findet mrd die wohl nur aus Widersprüchen seines ilnynsgeglichenen Wesens zu erklären sind: Bald weltschmerzlich weltvernemend, bald wieder Weltbürger, der freilich eine gewisse Scheu vor der großen Oeffentlichkeit nie ganz überwinden konnte, beherrscht er ttvch heute mit der ganz elementaren Silrnlichkcit seiner stets klangüppigeu, packendert Musik, die sich bald das Stärkste <tu Brutalität leistet, bald wieder trivial sentimental oder melancholisch ist, die breiten Massen, denen er auch in seiner Vorliebe für Tänze, wie Polonaisen, Walzer, Adazurka usw., begegnet. Dell Kenner wiederum nimmt er mit seiner zarten Lyvik und mit der Feinkunst mancher Episoden gefangen. Weniger Erfolg als seiner Kotrzertmusik war seiner Bühnenlnnsik beschkden. Bon etwa einem Dutzend Opern, vorwiegeud nach ruffifefjeu Stosseu, und einer Anzahl Balletten haben sich kaum ztvsi im Westen, viele nicht einmal in Rußland behauipten können. Die ideelle Bedeutung Dschaikowskys für Eurotzti und die neuere Musik ist freilich außerordentlich. Er hat Osten und Westen eillandcr näher gebracht uud nicht nur in Frankreich lllrd England, sondern auch in Mitteleurchia finde»! sich bi8 zu Mahler uröd Korngold hin feinste, kaum mehr meßbare Ausstrahlungen seiner .Kunst und seiner künstlerisch«» Wckltan schcnlnllg. Erivin Felller. * »r