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Wiener Morgenzeitung · 1924-01-06 · Heft 1757 (6.1.1924) · p. Seite 11

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1757 (6.1.1924)
Date
1924-01-06
Page
Seite 11 (sequence 11)
Language
German
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Nr. 1767 Wien, Sonntag Bühne und Kunst. „Sie Katakomben." (Burgtheater.) Ach, ttu liebe Zeit! — Dieses himntelblaur Stück war schon verstaubt als es vor witt Vjerteljahrhundert über bie, Bretter ging. Die Aussühvung <iitno 19H4 chrt immerhin den Wert, daß nmx in diesem „Lustspiel" wie in einem Titienbnch der unmittelbaren. Bergaugetcheit liest, ihre zuckörsüße, rosig kaschierte Verderbtheit erkennt (wie die KM-mendtzn die anders geartete, aber, bei Gott, nicht sympathischere Verderbtheit der Gegenwart ans manchem ^itgenossischen Bnhnenwevk mit kritischen Angen lesen werden). Da sind bloß Drohnen und Arbeitstiere. Ta sind hoch-- mögende Dummköpfe und Faulpelze, vor fcteneit die schwitzenden Aktenschiinde.r zittern und deren Protektion für sie Gegenivartstmum, Zukuuftssehnsucht, einzige Hoffnutrg ist. Da wird gegen die „herrschenden Zustände" ganz leicht, sozusagen mit voller Ergebenheit, vaisomert und alsogleich erwiesen, daß diese gutgebetteten Tagediebe und Schickfäls« lenker im Grunde bmve, wohliwollende Menschen sind (nur bei den Strebern der nntevstien Rangsklasse ist der Autor freimütiger), und da wird man durch günstige Endresultate belehrt, wie durchaus gütig und gerecht diese beste aller Wetten war. Mmlich: Der ruppige Wahrheitsfanatiker mit dem unentlvegten Rückgrat macht fabelhafte Karriere, ein Konzepts Praktikant kriegt eine sabeLhast reiche Nussiu, nur die sich kein, geringerer als fein Präsident bewarb, und des Präsidenten Töchterchen verlobt sich mit einem fabelhaft veicheir, jmvgen BertvaltungAbeaErr erst daun, bis sich beide überzeugt haben, daß bei beiden leine „Nebenabsichten" obwalten: bei ihr kerne Spekulation auf sein Vermögen, bei ihm hmiwie^derum keine ans die Protektion ihres einflußreichen Papas. .Höchst amüsant, wie die Verlogenheiten des Stückes gelegentlich nochmals „nmgelogen" werden und die possier- (ichsten Unnröglichkeiten zeiitigen. Der elegante Gerichtspräsident erkiest zum Exempel einen schlecht angezogenen, der sogelmnntienUmgangs.sovmen völlig entbehrenden, völlig undiplonratischen, kindlich ausrichtigen Sübaltevnbeamten zu seinenr SeLretär, und nachdem man duvch zwei Akte, wckhrgenoMmir hat, daß in der Welt dieses Dirstspiels nur Protektion, Gönnevtrun uitd WiMir regiert, sagt jener Wahrheitsfanatiker zu jener Russin, die nach ihrer Art Ränke spinnt: „Wir sind hier nicht in Rußland . . Der alte Ladenhüter, dessen Aufführung Max Burkhard kaum erlaubt Hütte, wurde ausgegraben, >uw Herrn T h a l l e r eine geeignete AntwMvolle zu MM. Er wgr als widevhaaviger, kreuzbraver HilMmberadjunkt amt dem Herzen am rechnen Fleck und amt schlagartigem Mundwerk ausgezeichnet, aber eine Nestroh- oder Raimund-Rolle, oder eine Charakterfigur von ausgesprochen wienerischem Timber hätte die Vorzüge dieses feinest, herzhaften Künstlers tauglicher erwiesen als diese Dutzendrolle — und man hätte sich überdies erspart, die ,MrWo!nben" in den Spielplan aufznnehmen. Tie Darstellung war übrigens dlwchaus vortveffüch und verhalf dem Burgtheater zu eingm richtigen Bmgtheaterabend. Eine große Frettde der Amtsdiemr des Herrn M a i e r h o f e r. WiMch lnmsteirlrch die Mischung von submisssster Ergebenheit und pfiffiger Uebevlagercheit in Viescr Bedienterrseele.. In Augenblicken, insbesondere wenn der 'Archivdiener tufeinem Busen evlvägt, ob noch hündische Gefolgschaft am Platze oder schon freches AufbegeHreir gestattet ist, lvächst seine Schaufpielevleiistuilg hoch über das Stück. Rassig Frau Aknay, angenehm Fräulein Frank e r (die Frau Wohlgenmihs jüngere Schwester sein könnte), voll Verdienst insbesoüdere die Damen Witt und Glossy, die Herren Georg Reimers, Devricnt, Z e § k a (Baker und Sohn) und Huber. Das Publikum bereitete Herrn Dhaller lvavmen Empfang. O. A. Ja» Aktionsprogramm des Bnrgtheaters. Die Jänner-Premieren. — Neue Stücke. — Sommersaison in Schöubrmm. Die -nächste Pvonmere des BntrgtheaterS, Motnars "'D i c Rot e M ü h l e", caffährt eine Wsine BevMgevung und wit-v erst am 24. d. >iu Stzelle gcheu. Im Akadentteiheaier gebmgi oim 10. d. Robert Garais' Lustspiel ,Iolandas letztes Aden i e u e r" zur EüstauM)vung. Im KammrerspiMaus des Buogtheaters wird, auch der neu einstudiertt ,.B i b e r p e lz" noch m dieifom Monate herarisgeibracht, und iw.ir am 17. d. Air neuen Stücken ha-: die Bu^gtheaier-Direktion das Lustspiel „Ein wundervoller Tag" von Qnison uud M i r a n d e (dentische Uabevtraigung von Otto Eisens,chirtz), semer das Lustspiel „Hahueusalz" van Davis crwovben. Es verlautet, daß die Bl>'««!desHMerverwalchuinig auf die Vor* stetlungui des BmMMteEusenMcs im Schönbr unsre r schloß t heatcr nicht verzichten will. Wir halben erst!>ii»pst an 'dieser Sielle vermerkt, daß wir es nicht nur vom lim>stler>ischeu, fondem auch vom wirtschaftlichen Standpunkte! üx unbegreiflich finden, wem«, Wie «Well uritigetvitt üvurde, das L<tib^nlbru'nner SchlvßtltMter gänzlich nmbewützt blclilbew 'sollte. Es werden alle KunstftMlinlde begrüßen, daß man sich jetzt ervt-, schlossen Hai, bann Emtritt der warmen WiMvu'ng die Saison den: herzlichen Schönbrunner Schloßtheater zu ewsfnerk Eann wird das Ensemble des Bnugthealers vier Häuser -nr Berfiigrmg haben: Das HcmptWbände, das Akademi«- ibeater, den Redoulensaal n„D das Schlaßihmfir. Für den Mmat Februar ist am Blkugi-heater', beziehuugAociilse Madomie- Wü«-. i»! »r«MG«W«, M WW> VMM Äm« Wiener Morgenzeitung. „Agnes Jordan" und die ErstauMhruug vor: Slobodas LusGrell „A.m Teeiisch" geplant, tvckches in Wien schon u'bcr mehrere. Bühnen ging. Die letzte Mode. Es verlautet, daß sich eine Operettendiva auf der Bühne bekleidet gezeigt hat. Die Nachricht müßte entschiedenem Unglauben begegnen, würde sie nicht durch zweifellos verläßliche Zeugerr bekräftigt. Man wird das erstaunliche Phänomen also wohl als wahr hinnehmen umssen, wenn rs sich auch selbstverstäMich der Erkärung entzieht. Um der Wahrheit die Ehre zn geben, muß ja gesägt werden, daß das Kleidungsstück nicht sehr wesentlich war — jedoch war es vorhanden und soll der Geschichtsschreibung nicht vorenthcklten werden. Im allgemeinen hält man hingegen anr guten neuen Brauch fest, und so haben wir es denn auch schon von einer 2!acktlchauspielerin glücklich bis auf drei per Abend gebracht. Vivat >equens! Ivr Dämmer der nahen Zukunft erscheint der mit blonden Schildkrothaamadeln, Rouge, Lippenrot und Augenbrauenschwarz bekleidete weibliche Chor, der seiner Ansicht: o, -wie süß ist doch ein Schimmy — Schimmy — Schchchchchimmh! durch entsprechende Hand- und andere Bewegungen Nachdruck zu verleihen vernwg. Da man sich schon lauge entschlossen hatte, das Dekollete bis zur Taille auszudehncu und die Röcke über die .tbuie hinaufzuzieheu, hat es sich ja nur um unbeträchtliche Gelbietsteile gehandelt, und der Schritt vom Lächerlichen znu: Erhabenen war klein genug. Darüber, daß die Kunst neuen Ansporn durch diese Ausstellungsmöglichkeiten erhalten. wird, kann man tvohl nicht zweierlei Meinung sein. Bicrundsünfzig Librettnsten arbeiten au griechischen Operetten, die im Paradies und Umgebung spielen. Allerorten wird mit Glut und Begeisterung der Grundsatz verfochten: wenn inail ein Dutzend Unbekleideter Mädeln auf die Bühne zu bringen weiß, ist man ein gottbegnadeter Dichter und der literarische Erfolg entschieden. Es ist ja ganz hübsch, wenn einem auch sonst noch etwas einsällt, aber es muß tvirklich nicht sein. Ucbrigens gebietet die Wahrheitsliebe, zn betonen, daß die- Künstlerinnen keineswegs wirklich unbekleidet die Bühite betreten. Vmt der Stirne aufwärts war reichlich Schmuck und Berhüllung vorhanden. Aber trotzdem hoffen wir,, in dieser Kleidung, wenn das Wort nicht zu kraß ist, nicht die Theatcrmode von begrüßen zn müssen. Wilhelm Steinhaufen gestorben. In Frankfurt a. M. ist gestern,, wie uns von dort gemeldet wird, der Maler Wilhelm Steinhaufen gestorben. Er war einer der bedeutendsten Vertreter der religiösett Historienmalerei. Schwere Erkrankung des „Baal Machschowoth". Wie die I. T. A. aus «Kowno meldet, ist der, hebräische Schriftsteller Dr. Eliaschow, der unter dem Pseudonym „Baal Mach« schowoth" („Der Denkende") in «der hebräischen Publizistik einen.hohen Rang emnimmt, vor einiger Zeit an einem Herzimd Nierenleiden mcht unerheblich erkrankt. In Iden letzten Tagen hat sich sein Zustand derart verschlimmert, daß ein Spezialist aus Deutschländ telegraphisch an sein Krankenbett berufen wordetl ist. — Erst jüngst wurde Eliaschow anläßlich' seines Schriftstellerjubiläums in der gesamten jüdischen Welt schr gefeiert. Hoffentlich gelingt es der Kursst der Aerzte, die GesmÄcheit des geschäKen hebräischen Publizisten wieder hevztl-stellen. Ein Verlag nach amerikanischem Stil. Amerikanische Blätter berichten über die Gründung eines Riesenverlages, der jährlich mindestens dreieinhalb Millionen Bände herausffcen wird. Das gebundene Exemplar soll nur 10 Cents kosten. ie Reklamespesen für diesen Muen Verlag haben bisnun drei Mllionen Dollar ausgemacht. Eine Goethe-Ausstellung in Kopenhagen. Am 27. d. wird in Kopenhagen eine Goethe-Ausstellung eröffnet, welche die deutsch-dänische Gesellschaft veranstaltet. Die Einrichtung der Ausstellung leitet Dr. Bockritz vom deutschen Bach-Museum iiit Leipzig. Die Ausstellung verspricht, eine Sehenswürdigkeit zu tverdeu.. da die Sammlungen in Weimar, Frankfurt am Main und Leipzig, ferner das deutsche Bach- MÜisMm und die Sammlung Kippenberg wichtige Handschriften, Brie^fe und Originalausgaben zur Verfügung stellen. Besanders bemerkenswert ist, daß auch die berühmte Faust- Sammlung Dr. Stummes' diese Ausstellung beschickt. Bestellung eines staatlichen Inspektors für Musikuntervichl'. Der Bmtzdesminister für Unterricht hat den Pvbsessvr an der StaatSak-ademie für Musik uttlb da-rstellentde Kunst .Hans Ende r s mit der Fachinispoktian snr MWkuntertzicht an den BnndesersielmnpSanstcilten bötvant. Aus den Matern. B n r g t h e a t e r. Morgen um 7 Uhr ,.D e r Teufelss ch ü l e r". Dienstag, 7 Uhr, „D i e K a t a k o m b e n". Akademietheater. Morgen, 7as Ubr „D t e kleine Konditore i". Dienstag, V^8 Uhr, „D e r Weibsteufe I". Volksoper: Heute abends „D i e S t » m m e von Partie i". Nachmittags bei ennäßigten Preisen „D e r Zigeunerbarv n". Morgen Atontag „M a r t Ü a". Die nächste Novität der Volksoper ist die komische Oper „F ü r st i n T a n a g r a". für die Bühne bearbeitet von Karl L a f i t e. Die Premiere findet Samstag den 19. d. statt. Im D e u t s ch e n V o l k s t h e a t e r tritt Ataria O r s k a morgen in Grillparzers „Die Jüdin von Toledo" zum letzteil Male auf. Im Carl-Theater findet heute um s/t8 Uhr bei ermäßigten Preisen eine Aufführung der Franz Leharschen Operette „Der R a st e lb i n d e r" statt. Abends, 7 Uhr, wird mit Gisela W erb e'z i r k und Ernst Tautenhayn in den Hauptrollen, die Operette „G l ti ck L e i F r a n e n" gegeben. , I,o h ä n n S t r a u ß - T lve ater. Heute gelangt als NachmittagSvörsiellnng , „Die F ö r st e r ch r i st l" mit Äkimi Marlow zur Aufführung. MendS, 7 Uhr, täglich ♦ ajazzo 8 Ab enteut r". L e o p o l d st ä,d t e r V o l k s h e i m, 2. Bez., ZirkuSgaffe 48. 7 Uhr, im Festsaal r Ernste und heitere Szenen und Lieder von Ludwig Anzeng r.« b e r. (Neue Folge.) Mitwirkend r Schriftsteller Karl Anzengruber, Konzertsängerin Anna Anzengruber, Dr. E. Fischer (Klavier). H'8 5000 K. . 6. Jännev 1924 SeÄk ü tzerichtssaal. Der Prozeß Wege»» der Memoiren Alexander des Zwctteil. In Nizza fand vor einigen Tage:: die Sa>lntzvevhaMnn,g i-n dem Prozeß statt, den der russische Journalist Mar'ko ff gegen die Evben der Gattin des Zars Alexander Äks Zweiten 'in morgarmtlischer Ehe, Fürstin Iirrewski, angestreilgt Hatto. MaÄoff Hatte mit den genannten Erben nach der Fürstin Iurelvski einen Vertrag geschlossen, wonach Sicjo verpflichtet wetzden, das gefaulte in ihrem Besitze besindlicho Material der Memoiren des Aars Alexander ibcä Zweien auszufolMn aup die Einwilligung ^ur Hevausgäbe dieser Memoiren erierlen. Für den Fall der Mchteüchaltnng des Vertrages war ein Pönale Varl 200.000 Franken vorgcschen. Die Ebben überlegten sich inzwischen die ganze Sache und verhiriderten die Veröffentlichung der sRvmoiren. Fürst Iure w s I i erklärte sich auch bereit, den auf ihn elttfallenden Teil des Pönales zu bgz-ahlen, vEhrend die Miteigentnmeriii der Manuskripte und Anfzeichunngen, Fürstin Ob o lens La, die Zahlung des ' Reuegeldes aAehnte. Das Gericht von NiM verurteilte auf Grund der Zeugeneinvernahmen Fürstin Obolensla zur Zahlung von 100-000 Franken an Markoff oder zur Freigabe des Ver< ösfentlichungsrechtes für die Mcnwiren Ällexander des Zweiten. Der Stammgast. Der Zollbeamte Johann Sch. ist Stammgast in dem Lokale, das von der Frau Anna Hanisä) in mustergültiger Weise geleitet wird. , Das heißt, er ivar Stammgast, bis jenes peinliche Ereignis einiraf, das gestern den Gegenstand einer Bozirlsgerichtsverhandlung «bildete. Das Lokal, für dessen Ordnung und Reinlichkeit^ die gute Frau Hanisch von Amts wegen zu sorgen hat, ist nmnWh eure jener kleinen Anstalten, die,^ mit dem ,Drüdi" und dom HakeEeu.; ~ ziert, einem Bedürfnis der Menschheit en'kspreihen. Herr Sch'- hatte eine Vorliebe gerade für diese eine Anstalt. Sein Fehler war. daß er leider etwas zn neugierig war.,Anstatt sich ausschließlich der in diesem Lokale üblichen Tätiiakart zu widmen, 'bohrte er Löcher in die Wand der Damenatbteilurrg. um die sich dort abspielenden Vorgänge einer kritischen Beobachtting z» nnterzichcn. Er hatte aber nicht mit der Wachsamkeit der Hüterin dieser Stätte gerechnet. Denn eines schönes Tages wurde auch die Frau Hanisch neirgierig. Ms sie in der Abteilung in der Herr Sch. saß, oder vielmehr sitzen sollte, ein verdächtiges Geräusch hörte, das mit der ^Ausübung jener Tätigkeit in keinem Zusammenharrg stand, stieg sie auf eine Leiter und sah. wie ihr Stamm-gast Locher in die Wand bohrte. «KockMd vor »novalischer Entrüstung holte sie einen Wachmann, der Ech. arretierte. Bor Gericht 'bezeichnete der Angeklagte alle diese Behauptungen als eine Frechheit. Da trat Frau Hanisch als Kronzeugn in «der peinlichen AngAegenhett auf und bestätigte gewissermaßen «unter „Amtseid^' die in der Klage ausgesührteil Behauptungen. Darauf verurleilt-e der Richter den 'neugierigen Herrn Sch. zu 10 0.000 Kronen Geldstrase, tvogegen der Vvrrrrtc>illt'e deöiief. Dem stcMsanwaltschasWchL \ \ Funktionär war die Strafe auch zi« gering imd er 'berief ebenfalls. Drahtseile — keine verbotenen Waffen. Der Jndustrie- Leamte Josef Ru Ai cka steckte, als er sich zum Vortrag des Professor Nikolai begab, ein «Stück Drahtseil, das in seinem Bureau als Warennmster lag, gu sich. Sicher ist siä)er. Besonders in jemrr Zeit, da der Ostara-Szabö mit seinen Leuten den Wienern auf seine Art christlrch-.q-omanische «Kultur 'beitzUbringen versuchte. Als> nun das Sprengkonrmando ^aibos unter Frchrung des ehemaligen SchiMeutnants Tllosjt g gegen die Mvmffenden losging «und, auch Professor Nicolai bedrohte. eilte Rilizicka von der Galerie in den Saal, mit Nicola: zu schützen. Inzwischen war auch Polizei emgchchritten ur.s RMioka wurde mit dort anderen Ruhestörerlt verhaftet. Man scnrd das Stückchen Drahtseil 'bei ihm. er wurde wegen UÜbertretung des Waffenpatentes angeklagt und 'beim Strafbczirkö- «gericht 1 Fn 60.000 «Kronen Geldstrafe ver-urteili Der Beneid:- ger legte Berufung ein, und Ruzicka wurde von einem Berufungssenat unter Vorsitz von Hosrat^ Dr. Hriderich mit der BagvüaMMg f r e i g e s p r o ch e u, daß dieses Stück Drahtseil sü v Gewerbe^wecke Verwerfung finde und keine verbotene Wisse sei. Der Kavalier. Der Kutscher Ferdinand W. ist ein Kava Her. «Kürzlich -machte er in -der Rotenturmstraß: die Bclänn:- schaft einer jener Damen, die dort berufsnkäßtg ,;mn Au knüpfen vo«t Bekanntschaften eifvig auf- und^ niederwa ndÄn. Es liegt in der Natur der Sache, daß die Bekanlitschen intim wurde, wofür der Kavalier 60.000 K. zu entrichten yar-e. Eine Vlertolstu.nde später legte der Herr, auf die Fortsetzung,d:r Bekanntschaft wit Fräulein Rosa keinen besonderen Wert mehr und als >c.r auf dem Tische die von ihut iur voraus bc- MMn 60.000 K. sah. steckte er sie wieder ein. Denn er ist ein Kavalier. Einige Tage später wurde er vort dem Nlädchen a,ff der Straße wiedererkannt und einem Wachmrnrr übergobcu. Gestern stand er wegen Diebstahls wr Gericht und wurde, obwohl er sich an die Vorgänge nicht eriraterrt konnte, zu einer Woche Arrest verurteilt. Monarchistenkrawall in Brunn. Anläßlich einer vom Komeradschastsbund gedienter Soldaten (Beteranenverein) in Brunn und Pcrchtoldsdorf veranstalteten Feür kam e§ 'bekanntlich am 8. September v. I. zu erregten Austritten. Die Arbeiter in Brunn hatten erfahren, daß der Perchtoldsdorfer Verein eine schwarz-gelbe Fahne mit Doppeladler mit sich ftihve und es wurde beschlossen, dem Verein die Fahne wegzunchmen. Ans Eingreifen des Brunner Bürger- Meisters versprachen die Angehörigen des Kameradschastsbun des, die Fahne zugerollt zu tragen. EMgegen diüser Zu-sagen wurde die Fahne während des Marches jedoch entrollt. Während de? Marsches mürben die Verenre von fünf Arbeitern, ange- Wiest. Es crttstand eine Balgerei und die Arberirr versuchten. die Fahne wegzunehnren. Die Gendarmerie stellte die Ovdrmng wieder her. Zm Laufe der Nacht kam es vor den Häusern des Tischlers Niederreiter, des 'Schneiders Z o r und «des Fabrikanten Schneider zu AuIschreirungeit. Ans Grurrd der Gendarmeriemeldunge«: wurde gegen zchn Personen die Auflage wegeir Verbrechens des versuchten. Hansssi^ensbruchcs, sowie ivegm llebertrst>ung der laichten Körperverletzung erhoben. Die Ängeklagtell wurden vor einigen Rlonaten von Qberlaudesgerichtsvat, Wilhelm .zu Arreststrasen von einem bis zu fünf 6)iönaterr veöurtellt. Heber btc isowotll von der Staatsanwaltschast als mich von der Verteidigung erhöben« Berufung hatte gestern ein BernfungÄemtt unter den' WoGtz des Bistspräsidentcn Hofrat Dr. Biz ist e zu cutscherden. wobei Hofvat Sacher wieder die Anklage vertrat. Der Berufung des Robert Milctitsch wurde Folge gegeben, .und ein« be.dm.gte strenge ArreWrafe von drei Monaten, bei Rudoll Kadlicek eine bediirgte strenge Arrsifftrase von zwei Nwno^^ bei LaMvig Peterliä) eine bedingte strenge Arrestrose von Monaten 'ausgesprock>eu. Hingegen wurde der Bevufmrg d« Staatsanwaltschaft im Fälle Gustav Milatitsch Folge gegcber und die Strafe auf je chs Monate Kerker erhöht. Di< Berufung Häuslers wurde FMÜckgewiesen mrd vom beding ien Stvaifnachlaß kein Gebrauch Muacht, lveil Häutzler nach de? Äussage des Geicharmeriepostenfuhrers mÄ) eiurs ffoKiaLdemo' kratischen Z«rugsn als der H a u p t r ä d c l s 7 ü h r e v bczeich \ net tourde. Die Berufungen der übrigen Angeklagten tnurder nerüchzÄvlesen, nur bei Äreol wurde der Berufung gegen fort Strafausmaß/Folge gegeben und «Dttckbl zu einem Monat

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