Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1757 (6.1.1924)
- Date
- 1924-01-06
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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5 > Ü 'i ’ i v '■ < S? . i t Seite 10 Wien, Tontrtag__Wiener; Morgenzeitung. _6. Jänner 1924_Nr. 178^ sLtnttmnha-njg kennt; da-gcyen eine Geischni-ackloisiigfeiit für dev Austritte am dem Judentum. Ära m e v Anten, ged. ‘26. Juni 1890, Mühlltanfen, -. Bez., Hahngasse 4. S i s d m n f Felix, geb. 30. Jänner 1890, Heuwwitz, Verkäufer, 8. Bez., Lederergaffe 14». Hermann Gredinger, geb. 23. November 1872, Seretb, Kaufmann, 19. Bez„ Hartäckerftraße 20. Gredinger Elisabeth geb. Schornich, aeb. 90. Oktober 1877, Malzdorf. 19. Bez.. Hartäckerstraße 20. G o l d ft e i n Emil, geb. 3. März 1882, Reichenbera, Ingenieur, 8. Bez., Lammgasie 10. B a r t a 8 Isidor, geb. 20. September 1865, Großwardein, RechnungSchef, 3. Bez., Klimschgaffe 8. Schn ü r m acher Erich, geb. 4. Juli 1902, Slllentfteig. 6. Bez., Brauhausgasse 81. Helfer Ludwig, geb. 23. Juli 1892, Budapest, 5. Bez., Margaretenstraße 82. S t e r k Alexander, geb. 7. April 1881, Bonyhad, Kürschnermeister, 5. Bez., Margaretenstraße 95. Grünberg Baruch, geb. 7. März 1895, Horodenka, Privatbeamter, 5. Bez., Jahngasse 6. Lichten st ein Leopoldine geb. Kernbauer, geb. 28. Juli 1897, Mson, 4. Bez.. Wiedner Hauptstraße 97. Lichtenstein Helene, geB. 6. Jänner 1918, Wien. 4. Bez.. Wiedner Hauptstraße 97. G 8 tz Hermüre geb. Neiger, geb. 25. Mai 1887, Javorzno, 3. Bez., Dißlergaffe 1. Friedländer Marie geb. Neuwirth, geb. 24. April 1650, Triesch, 3. Bez., Erdberaerlände 20. Dank Seinrich, geb. 30. Dezember 1893, Wien, Banweamter, 1. Bez., liscchethsttaße 10. Literatur. Der Wische Wortwitz. Ban S. Meisels. Der Wische Witz, der nrchr aufs BegrWiche als aufs ElnßchaMche «TurogefftcHt ist, äußert sich zuimsP, sSmer Eigen-- dümLichlksL enDnlechenid, in eiinom packenden, veMüffenden WorffpiÄ. Der Wische Witz ist Wortwitz. Er fuchMiie Sache durch das Wart, den Geigenjstaind durch seine BeMuung zu iLeÄviridsn; er kümmert sich weniger um die Dinrge. als um ihre Namen. Mch! das Ma-nmägstiUige, sondern das Biel-- dsubige ist seine Domäne. Nicht die Auifdeckung ähnlicher MerKnäle in verfchieidsnen Dingen, sondern das Hepansgreifen verschiedener Deutungen in gleichllautenden Worten ist seine Aujfgalbe. Nicht das (S'Idcfyieim, sondern der GleichH.ing bildet seinen Webt. Deshalb ist in ihm eine Art von Rhythnlius, eeüvas Vibrierendes und Schminigondes, ein anreyeniser und aufhaiternder, wenn auch die LachmuÄÄn selten berührender WohMaut, und mag er auch die größten Ungereimtheiten sagen — es reimt sich immer. Er greift das Wort ans irgendeiner Wendung heraus und läßt es -in allen möglichen oder auch unmüMchen Nuancen spielen. Er zerlegt das SinzÄue Wort in seine Silben, wechselt die Betoimng, schiebt nach WllWr andere Vokale dazwischen, bis er den Spruch in seinen Widerspruch autfgMst und die frühere Bchaupiung in chr GogentSrl uinngewandM hat. Dabei sag: er dasselibe, was früher gesagt worden ist, und höbt dennoch das früher Gesagte aus. Darin besteht denn auch seine ganze Fertigkeit. Wenn Kürze witAich des Witzes Würze ist, so st der Wortwitz der WürMte unter allen anderen Mygat-iungen. Denn: Kürze ist des Wortwirtzes Dugetnd. Der Wortwitz ist nicht mchr als ein Wurf, der geilingt, eine rasche Wendung im Borbeigchen, und er schass,t nur Neues, indem er das Alte wiederholt. Seiner Wesensart entspricht es nicht, Neues zu schaffen, sondern das Empfangene in anderer Gestalt wiederzugedeu. Der Wortwitz schafft nichts, weil er Lern Produkt des schöpferischen Geistes st. Er ist das Erzeugnis e'iner übersprudelnden Laune, das freiis SpiSl einer voiAltzievenden LugsEcksstimtmiuing, die, wie ein geschickter BalllspiSler den Ball, das Wart von sich Msudert und -es soyusagsn im Sprung wieder aurffängt. Wer euren WoMvktz macht, bei denn muß das Gefühl für den im Worts Mummernlden Rhythmus stark Wantütig sein. Denn häufig wird nur durch die VermÄer.uinig des Tm» falles die gewünschte MMrng erzielt. Jener Schaujfpieiler, der miitten in einer „GarVoS"-MWHMnig als MarqniS Pos-a ftotö ,£) Sir" das Wort ,L>sser" k'n den Zuschauerronm hlneindomvert — wodurch das geflügelte Wort „Osser, sagt Schiller" entsta-übsn ist —, hat nichts weiter getan, als die bekannte Anrede aus einen Don tiefer gestimmt. * Einen stark entWickMen Sinn für die Beiton-ungsMöKichkeLt des e-ingÄnen Wortes bekundet auch Mer HeiraksvermNler, der einem jungen Monn auf die Bemerkung, daß er nur Sm ehrbares Mädchen heiraten würde, die viieilsatzsnde. (nedenbei gewisse Kreise trefflich charakterisierende) Frage enügeTenhM: ,Leigen Sie mchr Wert auf oh r öder aus bar?" Hier geigt sich Sine neue Abart des Wortwitzes, die darin besteht, daß sie das einzelne Wort gerilogt, SM>e von Silbe trennt und dadurch des Wortes Einheit in eine Vielheit auljWst, deren Bede-uit-nnjg seinen ursipvünMchen Simm in scherHaifter Weiise entstellt. AehMch vechäbt es sich auch mit dem ibEainnten Ausspmch: „Ein Mädchen mit KvwnN'tg Jahren hat Hochzeit, beii Ä-nem MLchen von dreißig Jahren sst's hoch Zeit." So soll sin mit Töchtern reich geiseignoter Ba-ter einmal gesagt haben; diesem Mann war es also feint Wortwitz, sondern ein EchahrunyHatz. Vom AugeMick gciboron, ist der Wortwitz von der Gunst des AuyenMicks abhängig. Dieses Mtzrrtige Aufleuchten, dieses rasche, zeitlich kaum zu beigvsntzsnde ZusaMnentrcffe.n von Wort mild Wort mag' vielleicht auf eine gewiss GodächtniSroutiine zurüchstfführen sein: Sin Wort weckt die Erinnerung an alle süm« eigsnen BsdeutunMnÄBichkeiten oder an ein anderes Wort glSicher Klomigfaribe. Bei Ludwig Börne, dar häufig den Wortwitz anwemdeite, können wir es an manchen St-ellear bevbacht-en. Einen Brich aus Bruchsal datiert er simnal: „Trübsal, dm 18. November 1820", und fügt gleich HÄM: ,Mruchsvl hsißt der Ort, oder mir ist er 'sin TrWsvll und Schöüsn'l. Wenn die BergwSifliumjg Witz gibt oder nimmt, so toerde ich hier em Bolt>aire oder Sin Kretin. Ich möchte a-ns der Haut fahren, hätte sie nur eine Oeffn-unig, | die groß genug lväre, mich durchzulassen." Ein anderes Mal schve-ibt er aus München an seine Freundin Jea-uMe Wohl und bittet sie, den Ortsnamen so ausgusprechen, daß sie an den NachimtitaysyotteMenst der Juden erinnert werde sBöme meint das Wort Minchah, das wohqscheinliich im Frankfurter Jargon ,Minchen" ausgSfprochen wurde). In Anerfennm-ng und DanlkbiaÄkckt für die geistige Fördevuny, die ihm durch Jeanette Wohl wurde, unchersötchnet er sSine cm die Freundin gerichtsten Briche ,/Dr. Böme gelb. Wohl". Arrs dsm gelborenen Wohl wird aber bald Sin Wohlgeboren, und mancher Brief ist unterschvrSben: ,/Dr. Borne - WohligSboren." Kein schlechter Witz für den, der derr Zuder dirche iUntechchvist nrißvechtcht oder gar sie ernst nimmt. Ebenso wie die venschicdc.>lün Betdeutlunlge-n Sin und dessSlibvn Wortes rr-ützt onch der WondloHtz die stymologischen Mstüfungen nnd SchattMiungen Md löst nicht Man substantivierte Infinitive, AchMva und Partizipia in ihre tlchpüniugllche Form auf. Saphir war darin Meister. Wenn er einmal sagt: ,M>n DMor der Rechte ist üicht inumer der rechte Doktor," so wird iifym mantcher recht yebenr. Oder wenn er ans die Frage, warum man einen Gesandten nicht cin-e-tt Geschickten nenne, die EEmng Mt, daß sin Geifaudter zwar gesandt, aber meiistenteiils nicht geschickt ist, so hat er diese EMävunig höchst geschickt somuulliert. Oder wenn er devt Baron Rolthschild, den er wetzm eines versprochenen DaÄ-ehens besucht und von diesom E dent Worten enWutgen wird: „Sie kvmmien üm Ihr Geld, Herr Saphir?", prompt antwortet: „Nelin, Herr Baron, Sie komnte.n um Ihr Ge-ld", so hat er den Doppelsinn der Wendung ,Mt etwas kommen' gewissermaßen im Flüge für sich auKgeniützt. Manchmal ist der Wortwitz nur Sin Wortspiel, das ent« weder durch die Wortablbiitunig oder durch eine Koppelung von Worten glSichen Mmges sinen witzigen Ginn ergibt. Ein Mcmn honte sinmal eine Predigt im Tsmpol; der KantzÄrsdner begann mit den Worten: „Mßes ist oitSl Danid", daraus mSinte der andächtige Zuhörer: ,Mer geitöndM muß tverdenk'; damit hatte er allen WeWschmepz überwunden. Ein Jude rechtfertigte Sinimal üinen Autlis-emAen, der eine Jüdin ge« hSiratet hatte, mit den Worten: „Da sieht man, der Manen ist Autsssniit, aber nlicht tzvntissmitin." Cium gvano saliis retdate einmal ein Schnorrer seine Situation. Dieser kam zu einem Wohltäter und klagte ihm sein Leid. Er habe soiner Tochter sine MitMt versprochen uud habe >bvotz aller Muhe bisher bloß die Hülste des versprochenen Betrages zusammenbvingen Wnmen. „Das kann sa nicht mchr so schlimm sein," inSimte der Wohltäter, „d>a ihr doch bereits die Hülffte HM." Rasch entgsgnete der Mderr: Mas niüht nner de Halst', helft msr lieber." Da es sich hier nicht mchr nm einen Wischen, sondern um einen sPeWiisch jiddischen Wortwitz handeR, so sei die BenneÄung gcstawt, daß sich gerade der jiMsche Wortwitz dnrrch eine nnübertuchskiche ÄlMjgsert>ipfeit und Dveffsichechsit austzSichnet. David Bergelson: „Das Ende vom Lied." Roman. Berlin. 1623. Jüdischer Verlag. Der jüdische Romamoier Bergelson. dessen erlstes größeres Werl ,-Beiim Bahnhof" bereits einen eckzten Dichter verriet, hat in dem-vor mchr als gchn Jahren erschienenen Roman ,Moch allSmerr" (dies der Ditel des Oviginals, den die USbersetzung nicht ganz trau mit „Das Ende vom LiSd" wichergibt) den Typus der Frau des Wdflcherr lieber ganges nüit stärkster dichterischer Intensität gejstMeit. Das wehmutige Epos von der Frau eines Mfechenderr GsMechites, ,^ns in diesem Leben feinten Platz mchr hat", des Menschen, für den jemand, noch She er geboren wurde, ,feinten Frühling gÄM" hat, st eines der weseMichsten Werke der modernen jüdischen Litevatnr. Es dauerte mchr als Sin .JahvzSHNt, bis es dem deutschleseNdeit PMikum zugänglich gvmachl wurde. Leider verwischt die Übersetzung, in lvStcher ein seelenloser Kmrtovistenjargon sich >als DenlHch ^ansgibt, die herrlichen, schwSbenden StiNtmunpen des Originals fast völlig. Dennoch st die Schönheit des Romans so groß, daß slhm die llcbcrsehnng nur Glanz, nicht sein Licht nchmen kann. S. S. 8. G. Mutestore über „Athen und Zemsalem". Bon Sigma. Tie stärksten, am tiessten eingreifeudett Wirkungen, die bas Judentum int Verlaufe seiner mehrtausendjährigen Geschichte erlebt und erlitten hat, gingen von Hellas aus. Eine gesonderte Untersuchung der Verwandtschaft mid der Unterschiede zwischen Judaismus uub Hellenismus ist eine längst fühlbare Forderung der jüdischen Geschichtsschreibung. Unter den jetzt lebenden jüdischen Gelehrten ist C. G. Montefiore in London wohl der berufenste, sich einer solchen Aufgabe zu unterziehen. (Vor einem halben Jahrhundert war es Jakob Bernays, der aber diese Aufgabe nicht unternahm.) Montefiore verfügt nicht nur über eine erstaun?- lich ausgebreitete und tiefe Kenntnis der beiden Kulturgetbiets, sondern sein Geist hat die nötige Feinheit uitb Geschmeidigkeit des Verständnisses und der Empfänglichkeit, daß er beide in ihrem innersten Wesen begreifen, und wie ein Ziäbgenosse der antiken Völker miterleben und Mitempfinden kann, und zugleich als moderner Mensch, ausgerüstet mit der ganzen Kultur seiner Zeit, über beiden steht, ihre Grenzen kennt und beide gegeneirrander abzuwiegün vermag. Montefiore ist nicht nur ein großer Gelehrter, fottöcrit ein subtiler, religionsphilosophischer und religionshistorischer Denker, kühn und unerschrocken in seinen Ideen, .maßvoll in seinen Urteilen. Ueberdies st er eine tief religiöse Natur, der die Fragen der Religion nicht bloß Gegenstand wissenschaftlicher Untersuchung und philosophischer Spekulation^ sondern Sache des Herzens und des Gewissens ftitb. In anderem Zusammenhänge soll versucht werdert, ein Bild dieses Mannes, seiner Leistungen und seiner Weltanschauung zn bieten. Hier soll nur auf eines seiner neuesten Büchest „Liberal Jndaism and Hellenism and vther Essay s", hingewiejen werden. Der Essay, der dent ganzen Band den Namen gibt, ist der bedeutsamste und intercsscutteste. Montefiore versucht, die im griechischen Gedanken enthaltencsit ethischen und religiösen Werte zusammcnzufassen, die beit jüdischen verwandt oder airalog sind und uns somit als Ergänzungen und Stützen unserer ethisch-religiösen Lehren dienen können. „Es ist von Interesse und' hohem Wert, sogar von praktischer Bedeutung, gewisse ewige Wahrheiteit mtb noble Gedanken, die ttns von der Bibel her vertraut sind, in einer anderen, nicht lveniger fesselnden Form von griechischest Denkern ausgedrückt zu finden. Der in griechisches,Gewand gekleidete Gedanke stärkt und erhellt denselbe^r Gedanken, den wir in hebräischen Worten: überkommen haben". Gedanke und Form bilden eine Einheit. Die beiden Einheiten können sich nicht vollständig decken, aber jede von beiden stärkt und vertieft die andere. Natürlich muß es eine Verwartdtschaft ztoischen z!vei Reihen von religiösen Ideen geben, damit eine von dsr andern Nutzen ziehen könne. Und eben „der griechisch-' religiöse Gedanke in manchen seiner edlen Formen und Phase,t ist vom jüdischen Gedanken und voit -der jüdischett Lehre iticht so weit entfernt, daß letztere nicht imstande wäre, gewisse Elemente der erftcren zu absorbieren mtd M ihrer eigenen Erbauung nitd Bereichcrnug zu assimilieren". Es sind vornehmlich Plato, dlristoteles und die Stoiker S e n e c a, M a r c u s A n r e l i u s und E p i k t e t, deren Gedankenwelt Montefiore mit der Bibel und den Propheten in Parallele bringt. Abgesehen von der großeit Synthese jüdischer und griechischer Gedanken, die tit der vorchristlichen Epoche stattgefundeit hat, deren Frucht uttter anderen die „Weisheit Salomortis" war, deren Ergebnisse aber vont Christentum übernommen wurden, welches sich des Werkes der füdischen Pioniere für seine Zwecke bediente — „kamctt der jüdische und der griechische Gedanke noch einmal zusammen in jener Epoche, die durch den großen Namen des Maimonides berühmt wurde. Der Einfluß dieses Versuches einer Synthese war enornt und ivirkt bis auf den hcutigeit Tag nach . . . Aber die heutige Zeit braucht mchr und etwas anderes". — „In der abendländischen Welt fauit keine Religion existieren, die nicht mit der Philosophie ihre Rechnung gentacht hat, und Philosophie im abendländischen Sinne ist eine Schöpfung von Hellas". Montefiore läßt eine Reihe von Fragen Revue passiettvr, int betreff derer die großen jüdischen Denker sich mit den Propheteit Israels int merkwürdiger Weise begegnen. Da ist zunächst die Hochschätzung der Vernunft als Triebkraft der religiösen Entwicklung —ein Punkt, in dem Griechentum und Judentum zu differieren scheinen. Die Bibel verherrlicht die Weisheit in hohem Grade, und die Rabbineit haben int Achlzehngebet besondere Eulogien für den Schöpfer uub Spender der Vernunft und der ErkeuntM sestgesrtzt. Bettesfe-ck eUtyp der. wWiMrr Oytzckftagen der Lebensanschauung, wie die Wertschätzung des irdischen Daseins, des Lebensgenusses, betreffend das Vcke hältnis der gutenr Tat zu dem erhofften Lohn, den Wert der irdischen Güter im Vergleich zn den geistigen und seelischst Besitztümern, kommen die griechischeu Denfe^, wenn auch vott anderen Punkten ausgeherrd, beit jüdischeu Weisen merkwürdig nahe; oft bieten sie dieselbe Matsichh, nur von verschiedenett Seiten, und ergänzen sich aufs glücklichste. - Die mittelalterlichen Juden konuteit sich diese große Verwandtschaft nur so erklären, daß sie die 'griechischen Philosophen zu Schülern der Propheten Israels machten. — Montefiore sagt: „SBer die besten Gedanken von Judäa und.' Hellas in sich ausgenommen, ist für den Lebenskampf gut ausgerüstet". - Freilich, „das Kostbarste unserer geistigett Besitztümer kommt aus Judäa. Die Lehre von der menschlichen Vervollkomm - nung und einem messianischen Zeitalter ist den Griechen überhaupt kann, bekannt gewesen . . . Schwach uub ungleichmäßig ist die griechische Lehre von der persönlichen Unsterblichkeit. Bor allem, die Lehre vom himmlischen Vater, der alles kennt und beherrscht mit liebender Fürsorge, dem jede Menschenseele nahen kann, dieser Thleksmus mürbe nie zur festen Lehre iit Hellas noch in irgendeiner griechischen Philosophenschnle. Bott allen Stotfern kommt Seneca ihm am nächsten, aber erreicht, klar und leuchtcub, all gemein und verbreitet gemacht, konnte er weder durch bi* stoische noch durch eine andere philosophische Schule werden". „Der ' liebende Gott, transzendent und doch de», Menschett nahe, der Geist der Welt, doch über der Sßcll. schwebend, Schöpfer und Freund des Menschen, Quelle des menschlichett Geistes und der ntenschlichen Gerechtigkeit — dieser Gott kam zu tms nicht von Athen, sondern von Jerusalent. Voit Zion ist er ausgegangen. Und vott Zion fließen ' unsere tiefsten Tröstungen und unsere stärkstett Antriebe. Es ist der Gott des Judentums, der mt5 in seinen Dienst zwingt. Er ist unsere Festung und unsere Zuflucht. Cr beseelt und stärkt uns. Er ist unser Ziel ttnd unsere Heimat. Er ist unsere Hoffnung und unser Stern". die rein menschliche Seite des religiösen Lebens liefert die griechische Gedankenwelt ebenso viele Stützen. „Wir wollen in diesem Geiste vorwärts schreiten, Kraft und Begeisterung schöpfend in Athen und Jerusalem^. Mait tnöchte tvünscheit, das Molttefiore die angcfangene Msgabe m großem Stil zu! Errde Wre,