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Wiener Morgenzeitung · 1924-01-06 · Heft 1757 (6.1.1924) · p. Seite 6

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1757 (6.1.1924)
Date
1924-01-06
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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spqBQaagasi WNWWSWI NeÄe 8 ' Men, Sonn^tag ' Ehristenmensch. Ich sprang tu den Wagen, nnd >v-ir setzten UNS, von Hochrufen begleitet, in Bewegung. Bergauf ging es ganK gut, dann jedoch stieg der Alkohol dem Pont) jii1 Kvpf. .Ich hatte schon mehr als einen.Bemmtenen heimgebracht und kann mir eine angenehmere Beschäftigung vorstellen, sah auch schon betrurtkenc Weiber, die »noch ärger sind, aber mit einem betrunkenst Waliser Pont) WM ich mein Lebenlang nichts mehr zu tuir haben.!Da cs Vier- Füße hatte, gelang es chm, sich ansrecht zu erhalten, doch vermochte es sich nicht selbst zu lenken, und wollte auch nicht gestatten, daß ich es tue. Einmal befande'.r wir trns auf der eilten, einmal auf der anderen Seite d<«r Straße, oder aber wir standen quer über die Straße, .hinter mir vernahm ich ein Läuten, wagte aber nicht, beu Kopf zu tuenden. „Ich will Vorfahren," brüllte der Manu auf dem Rad." „Sie können nicht." „Weshalb ilicht? Wieviel von Der StraHe beanspruchen Sie denn?".„Die ganze, und noch etwas mehr." Er folgte mir schimpfend eine'halbe Meile. Jedesmal, wenn er vorzufahren versuchte, wurde dies vom Ponp verhindert: es schien fast, als ob die Bestie es absichtlich tat. „Sie dürfen in so einem Zustand überhaupt njcht kutschieren!" schrie der Mann. Er hatte recht; ich war völlig erschöpft. „Für ivas halten Sie sich denn? Für eine Kavallerieattacke?" Er war eilt vulgärer Kerl. Ohm wurde ich zornig. „Was hat das Reden für einen Sinn?" brüllte ich. „Beschimpf» Sie das Ponp, )u?nit Sie schimpfen müssen. Ich habe auch ohne ihre Weckeruhrst^nme alle Mühe, cs zu halten. Gehen Sie doch fort, Sic machet», die. Sache nur noch ärger." „Was fehlt denn dem Pottp?" „Schert Sie nicht, daß es betrunken ist?" . Ich gebe zu, daß diese Bemerkung töricht klang — das tut die Wahrheit häufig. „Einer von Euch beiden ist entschieden betrunken," meinte der Mann. „Ich hätte fast Lust, Sie vom Wagen zu. zerren." Mir tväre das recht gewesen, denn ich hatte ohrtehin nur einen Wunsch:, heil aus dem Wagen zu gelangen. In diesem Augenblick jedoch, machte das Ponp eine jähe Schwenkung, ich vernahm einen Ansschrei, dann wüstes Fluchen, itnb ans dem Graben spritzte Wasier hoch. Und nun ging die Bestie.durch. Ein Mann auf einem mit Rohrsesseln beladenen Wagen kanr iiie Straße entlang; er schlief. Es ist eine Schande,, üvie di'ese Fuhrleute auf der Strafe schlafen, ein Wunder,,daß nicht mehr ^lnglücksfälle vorkomnrcn. Ich glaubte, der Mamr wußte nie recht, ivas ihm damals geschah. Ich konnte mich auch nicht nach ihm umsehen. Am Hügelabhang schrie .mir ein Polizist zu, ich möge anhaltcn. Eine halbe .Melle vor Chesham stießeir wir ans die Zöglinge einer Mädchenschule; ich wette, die Mädchen rebeit auch noch heute von ihrem Erlebnis; die alte Lehrerin dürste über eine Stunde gebraucht haben, uni sie wieder zu sammeln. .In Chesham war Markt, wir rasten mit einer Geschwindigkeit von dreißig Mellen die Stunde durch, die Stadt. Eine .Meile weiter erblickte ich die Postkutsche. Aber nun war »mir schoit alles einerlei, ich empfand nur schivache Neugierde. Ein Dutzend Pards vor. der Kutsche blieb das Pony „plötzlich stehen und ich fiel vom Sitz ans den Boden des Wagens. Konnte nicht ausstehen, weil der Sitz aus mir lag. Ich sah nur den Himmel und bisweilen den. Kops des.Ponys, wenn sich dieses auf die Hinterbeine stellte. Aber ich chörte, was der Postkutscher sagte: „Gehen Sie doch mit.Ihrem verdammten Zirkus von der Straße," brüllte er. *Er hätte doch sehen müssen, wie hilflos ich war. Seine Pferde tanzten und .'tobten. Pferde sind nun einmal so, wenn sie einen Idioten, sehen, wollen sie alle Idioten sein. Eine alte Frau wurde hysterisch und begann zu lachen wie eine Hyäne. Das trüb das Pony von neuem an. Soweit ich durch Beobachten der Wolken seststcllcn konnte, galopvierten wir etwa vier Meilen. Dann trollte das Pony über ein Tor springen, nnd als es bemerkte, daß der Wagen es daran hinderte, begann es ihn zerschlagen. Ich hätte niemals geglaubt, daß ein Wagen zu so bieten Stücken zerbrochen werden könne. Als außer einem halbem Rad nnd dem Spritzblech nichts' mehr übrig war, ging das Tier abermals durch. Ich blieb mit "den Trümmern zurück und freute mich der Rast. Spät «abends kam das Pony heim und ich verkaufte es in der folgenden Woche iür fünf Pfund; Die Reparaturen kosteten zehn. .PiK zum heutigen Tag iverde ich mit dem Pony geneckt, die Temperenzlergesellschaft der Stadt benützte dm Fall als Thema für cineit Vortrag. Das kommt davon, wenn man einen Rat befolgt. Jüdischer Lebe» in der Freistatt Danzig. Zionistische Arbeit. Der große Krieg hat nebst victen Neuschöpsirugen auch ein merkwürdiges Gebilde gezeitigt, den „Polnischen Korridor". Es ist dies ein Streifen Landes, der mitten aus dem deutschen Gebiete herausgeschmttcn, den Polen übergeben wurde, als unbedingt notwendigell Zugang zum Meere ohne Benützung fremden Gebietes. . Ten Abschluß dieses Korridors bildet die „Freie Stadt Danzig", das ist der Hafen Danzig in seiner ganzen Ausdehnung, nabst einigen kleinen Flecken und Städtchen, von denen das Ostseebad Z o p p o t omt bekanntesten ist. Tie Bahnen und Zölle unterstehen der polnischen Berüuiltung — für 25 Jahre -- im übvigen ist die „Freie Stadt" autonom. lieber die Poti« tischen Zustände ein anderesmal; heute wollen wir ttuc die öfö* nomischen Verhältnisse berühren, da sie eine wichtige Rolle für uns Jne'len. In Danzig hat sich der Schiff ahrtsverbchr aller derjenigen Gruppen entwickelt, die ein Interesse daran hatten, deutsches Gebiet zu meiden. Und da bei den gegenwärtigen Verhältnissen diese Gruppen sehr stark sind, ist auch der Verkehr in Tanzig in den letzten Jahren gewaltig gestiegen mW das sich stetig Wiener Mor^enzeAung.^ NlmWche BMssektion Leopüldftadt ..Sektor II " ■ -..Trrar-i»,! In der LilchgeleWaft Bllrschak II. Grobe Schlffgasse 3 Reurtagde» st.Mmer l.8.,vräzise8Uhr abend» Bortrag Dr. Joses Löwenherz: .Der Mederausbau Palästinas, feine Fortschritte «ad Hemmungen" Gästewillkommen! Eintritt frei! Voranzeige! Dienstag den 15. Jänner Vortrag Professor A. Freud entwickelnde WrvttsthaftSleben hat wirtschaftlich rührige Elemente angezogen, -darunter selbstverständlich auch viele QfU'btett. So befinden sich gegenwärtig in Zoppot gegen 800 jüdische Familien, die jedoch dort nur wegen der in Danzig herrschenden Wohnungsnot ihr Heim aufZeschlagen haben. Die zionistische Bewegung unter Führung von Dr. Landau hat eitle reiche Täti^eitsnwtzlichNeit und ist auch bestrebt, sie nach Kräften auszunützen. So konnte Dr. Schmarjahu Lewin vor kurzem in dem größten Versammlungslokale Danzigs vor einent vollen Saale über die Grundlageit.der zionistischen Bewegung sprechen und auch für die Organisation eine nicht geringe Summe — 250 Pfund — nach London abführen. Da die Danziger „valutckstark" sind (25 Danziger Gulden gleich 1 Pfund), falten ihre Beiträge sehr ins Gewicht. Es ist sclbswerstäMich, daß auch die kulturelle Arbeit rticht vernachlässigt wird. Außer der dortigen Organisation interessiert sich für die geistigen Bedürfnisse der dortigen Juden die Tarbuth-Organisation in Berlin und ihrer Initiative ist es zu danken, daß in Zoppot die Gründung eines j n d i •]' chen Gy nt n a s i n m s in Angriff genomrnen wurde. Ein hebräischer Kindergarten, eine Lesehalle und ein hebräischer Klub wurden in den letzten Tagen eröffnet. Wenn es noch eines Beweises bedarf, daß die jüdische Bewegung -in Danzig lebt, sehr lebt, so liefert ihn unsere dortige Jugenid, die im Haschomer hazair uuid im Blau- Weiß stramm organisiert ist. Es ist eine Freude, unter biefctt jungen Juden zu weilen und ihre Freuden und Sorgen zu teilen. Freilich muß man da nebst Hebräisch und Deutsch auch Russisch verstehen. Die Pariser Ueberschwemmang. Aus Paris, 5. d., wird IMS. gemeldet: Die Berichte über die Ueberschwsmmung sind heute etwas optimistischer. Der Regen Hai aufgehört, seit ztvei Tagen ist-daL. Wetter gut und Äe Seine steigt weniger rapid als'in den letzten Tagen. Heute ist die Seine um 20 Zentimeter geftiogeir und hat einen Wasserstauvon 7.20 Zentimeter erreicht. Dieser Wasserstand ist etwas niedriger als befijrchtet wurde. Dennoch sind einige beunruhigende Tatsachen zu verzeichnen. Im Jnvalidenbahnhof ereignete sich heute vormittags eine Katastrophe. Der untere Teil der Mauer, die den Bahnhoskörper von der Seine trennt, ivurde durch die Gewalt der Wassermassen in einer Länge von zirka 40 Meter durchbrochen und ungeheure Wassermassen ergossen sich aus den Bahnkörper. Innerhalb einer Stunde stietz das Wasser bis zu einer Höhe von 3.50 Meter. Selbst wenn der Wasserstand der Seine sinken würde, müßten diese Massermassen ausgepumpt werden. Der Bahnhof wird also erst nach Verlauf von mehreren Wochen wieder in Betrieb genonnnen werden können. In der Nähe des Lazarebahnhoses, also ziemlich tveit von der Seine entfernt, füllten sich einige Keller plötzlich mit Wasser. Die Pumpen wurden sogleich in Bewegung gesetzt und ernstere Schäden sind nicht zu verzeichnen. Aber die Tatsache beweist, daß durch die Einflußröhren und Kanäle das Wasser doch sehr weit unter den Boden der Stadt gedrungen ist. Auch in der Untergrundbahn sind die. Wände feucht. Auf dem Loneordia - Platz und den angrenzenden Straßen entstehen ziemlich ausgebreitete Wasfertacken, die nicht sehr' tief sind und den Verkehr nicht stören, aber die Passanten beunruhigen. 4500 Personen sind insgesamt in Notstandsbaracken untergebracht worden. Anläßlich der NeberschMiMmangswtastropkr von der Paris heimgesucht wird, erinnern die Blätter daran, daß bereits seit Ludwig den Vierzehnten die Stadt Paris beabsichtige, eilten Um'teilungskanal der Seine zu errichten, um die beinahe alle drei Jahre periodisch wiedcrkehrenden Ueberschwemmung'n zu verhüten. sei bi» höchste Zeit, meint der „Figaro", daß dieser Plan Ludwigs des Vierzehnten endlich zur Ausführung komme. Ser Geist Fwau» der Schrecklichen. Im Kreml geht's um. Das russische Blatt „Jswestia" erzählt die folgende Geschichte: Die Rote Garde, die zur Bewachung des Kremls bestimmt ist, ist plötzlich in den Streik getreten nnd ist nicht zu bewegen, den Dieitst tvieder aufzunehmen. Vor einigen Tagen nämlich, vernahm die Hauptwache aus der Richtung einer der Arkaden des Palastes einen markerschütternden Schrei. Einer der Wachposten lies zur Stelle und fand seinen Kameraden mit einem Dolchstich in der Brust auf dem Boden liegen. Am andern Tag wurde ein anderer Soldat an derselben Stelle betvußtlos aufgefundev. Nachdem er zu sich gekommen war, erzählte e r, daß ihm Z a r I w a n der Schreckliche in voller kaiserlicher Tracht, bewaffnet mit einer Lanze erschienen sei. „Ihr habet Rußland vernichtet", sagte der Zar, mit Grabesstimme, «M M werdet alle aWMttet w«dm!" 6. Jänner 1024 . Nr. 1757 Die Bolschewiken, die nicht dabei waren, erklären selbst, verständlich, daß irgend ein Gegeitrevolntionär sich in den Kreml geschlichen nnd beit Geisterspuk inszeniert' habe. Die aber dabei waren, sind nicht zu beruhigen und auch nicht zu bewegen, wieder im Kreml die Wache zu beziehen. 8» taut. „Es taut", sagt die alte Frau« und Lächelt in die matte Winterfonne hinein. Sie erzählt sich selbst diese Netuigteit, denn es ist sonst niemand da, der an ihrer Freude Anteil nehmen könnte. Es ist nie jemand da. Zwar ist das ziveitc Bett in der Kammer, die Küche, Wvynnnd Schlafraum bildet, vermietet, aber der Mieter ist ein Heilscr auf dem Fischmarkt, der nur abens sein „Heim" aufsucht, ein paar Stunden schläft und beim Morgengrauen. wieder davonläust, ohne auch nur guten Tag zu sagen. Ein einzigesmal hatte die Alte ihrer Verzweiflung über dick Kälte vor dem Mieter Ausdruck gegeben. Aber da hatte der mürrische Mann nur gelacht. Kalt? Na, sie sollte einmal auj den Fliesen der Fischhalle stehen, -beständig die nassen, glatten Fische in den verklarnmten Händen chalten müssen, dann würde sie toissen, tvas Kälte war. Die Alte hatte sich in ihr Tuch gehüllt, die Hände ilt die Acrmel gesteckt und geschwiegen. Vielleicht hatte sie in vber Stille gehofft, der Markthelfer würde sich bewogen fühlen, den Zins ein paar Tage früher zu bezahlen, '-damit sie doch noch vor dein Ersten einen Kübel voll Kohle anschaffen konnte. Aber der starke, gesunde Mann lachte und ging seiner Wege'. Auch das Klagen ist ein Luxus, den sich arme Leute nicht immer leisten können. Wem hätte die alte Frau ihren Jammer klagen können? Die fremden Menschen finden es so natürlich, daß es im Winter kalt ist, wie sie natürlich finden, daß man mit 75 Jahren die Gicht hat und nicht nt ehr arbeiten kann. Und dann: was wissen denn die jungen, die gesunden, die. satten Menschiear, die Menschen, die warme Kleider und eine warme Stube haben, ivas ivissen denn die vom Winter! Sie glauben, sie kennen den Schnee, tveil sie mit Ski und Rodel über die wcißckn Härtge gleiten, sic glauben, sie kennen die Kälte, weit sie, fest itt weiche Wolle nnd lveiche Pelze.gehüllt, durch dein Wintertvald spazieren. Aber von der hilflosen Verzweiflung im bitterkalte»: Zimmer, von dein Grauen, das ans der leeren Kohlenkiste leise ins Herz kriecht von der hilflosen Angst, tvenn alles, was man angreist, jedes. Glas, jeder Teller, jeder Sessel Eiseskälte in die Glieder Jagt, wenn jedes Fünkcheir Wärme, jedes Fünkchen Leben rund umher erloschen ist und die im Innersten geschütterte Kreatur fühlt und begreift: die Kälte, das ist der Tod, davon ahnen sie nichts. Es war niemand da, dem die Alte davon hätte erzählen können, niemand mehr, der sich um sic sorgte. Ja, frühdr einmal, als ihr Mann noch lebte, als er, einer der wenigen jüdischen Handwerker in Wien, noch 'wacker schaffte, da hätte sie einen teilnehmenden Zuhörer gehabt und da hätte sie auch nicht frieren müssen. Aber ihn deckt nun lange schon die Erde. Auch der Sohn, der einzige, den sie großgezogen, ist von ihr gegangen. In einem Massengrab am Karst liegt der Alten letzte Hoffnung be graben. Heldentod hat.man's danials genannt, um nachher die Juden Drückeberger zu schelten. Die junge Wilmei und das Kind beziehen eine winzige Pension, für die alte Mutter muß der Staat nicht sorgen. Zuerst hals ihr die Arbeit über den Schmerz und die Rot. Sie hat gearbeite!. die Alte, weiß Gott, schwer und hart genug. Boden scheuern, Fenster putzen, Wäsche waschen, nichts war ihr zu viel. Sie vergaß an die Tage des Wohlstandes, sie -vergaß an die Ehren, die ihr an Festtagen zuteil geworden untren, sie vergaß an ihre Jahre — sic arbeitete. Aber dann kam die Gicht und'' sagte: nein. Bei gutem sWetter kann die alte Frau noch, leichte Arbeit verrichten, Botengänge.machen, Einkäufe besorgen. Wcnir es kalt ist, sitzt .sie zu Hanse, von Schmerzen gekrümmt, friert und ist immer 'noch zutapfer, um zu den Nachbarn ru gehen und zu weinen. Sie sitzt in der dunklen, kalten Kammer, sitzt und friert, Ivie keiner von den Winterhelden auf dem Gipfel der Rar bch schärfstem N'ordost je gefroren. „Es taut!", sagt die kleine grauhaarige Frau 1 itnb lächelt der Tochter zu, die seit fast zehn Jahren gelähmt im Bette liegt: „Denke dir nur, es taut!" 'Ganz aufgeregt ist das Weiblein und tvenn das Rot »der Freude in ihre welken Wangen steigt, dann sieht man immer noch, wie reizend sie einmal gewesen ist, und begreift, daß ihr Mann, der eines reichen Kaufmannes einziger Sohn gewesen, in der guten alteti Zeit, da 'Elternsegen noch unerläßlich erschien, erklärte: Die oder Keine. Das ckicht lange, lange zurück, wie alles Glück int' Leben dieser Frau. Ein Sturmwind hat es verweht. Der Mann «starb, die Tochter erkrankte, der Krieg nahm den letzten «Rest dgts alten Wohlstandes. Aber heute blüht eine Freude.— es taut. ,Das heißt, daß die Mutter doch nicht tvieder wor die Wahl gestellt wird: essen oder heizen, das heißt, daß man das winzige Oe scheu, ein rechtes Armclcuteösche!», nachmittags mit ein paar Stücke Holz und einer Schaufel voll Kohle „betrügen" kann, es heißt, daß die würgende Angst, die seit Wochen das Herz zusamnienpreßt, ihren Griff lockert. Es heißt, daß ein Strahl des Erbarmens, in die Trostlosigkeit gefalleit ist. „Es taut", sagt die Klaviertehrerin, die eilig von einer Lektion zur euderen läuft, und lächelt, obwohl ihr gerade, ein dicker Wassertropscn ans die Nase gefallen tvar. Ach, nun wird das Spielen ans den eisigkalten' Tasten doch nicht mehr so entsetzlich; sein. Der Salon, in idem das Klavier steht, wirb ja ittc geheizt, das „verlohnt" sich nicht. Auch leidet das Instrument bekanntlich darunter, die „Stimmung" läßt nach. Daß bei der Lehrerin.die tStinunuuo narblaisen

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