Mannheim
Compact Memory

Wiener Morgenzeitung · 1924-01-06 · Heft 1757 (6.1.1924) · p. Seite 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1757 (6.1.1924)
Date
1924-01-06
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
90% known words query
IRI
…/2979076-2980834-2980840--17335-3004329
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

9bt. 118t_Men, Sonniag ®ct „gute Ruf" dev magyarischen Armee. Budapest, 5. Jänner. (Lei. d. „Wr. Morgenzeitung".) Kr der heutigen Sitzung kt National crsammlung verörngtc der fozialdemokrattsche Abgeordnete Kabok die Freilassung der weger: politischer Vergehen Verurteilten sowie kr rm Internierungslager von Zalaegerszeg untergebrachterr Personen. Kabok bezeichnet^ ferner die Heimkehr der Emigranten, insbesondere Buch ingers und Lovassys, als wünschenswert. Landesvevtelidigungsminrster Graf Cfaky erklärte, es sei ein Krebsschaden für den guten R u f d e r A r m e e, daß je^er, der während des Kriege irgend einen militärischen Rang bekleidet habe, der Armee aber längst nicht mehr angehöre, immer noch mit feinem militärischen Titel bezeichnet werde, wenn es sich herausstclle. daß er ein Verbrechen begangen habe. Bezüglich des Vorwurfes, daß er «die Tat des geistig c it Urhebers t* c s C s o >n grader Attentats nicht als politischen Racheakt, sondern als gemeines Verbrechen qualifiziert habe, betonte der Minister, daß ein Mörder, tveun er seine Tat auch aus politischen, Gründen verübt habe, ebenso niederträchtig und strafwürdig sei wie in allen übrigen Füllern Der Minister habe in jedem Falle, wo Mißbräuche begangen worden feien, sofort Verfügungen zu ihrer Ahndung getroffen. Abgeordneter P e y e r (Sozialdemokrat): Mer erst in der letzten Zeit! Graf C f a k y: Ich kann mich nur mit den in der letzten Zeit bekanntgewordenen Vorfällen beschäftigen, für Vorfälle jedoch aus der Zeit T u t a n k h a m e n s muß ich die Verantwortung ablehnen. Sprengstoff. Vorgesehene Strafen für den Besitz und Verwendung von Sprengstoffen. Budapest, 5. Jänner. (Tel. d. ,Mr. Movgeu-ze.imng".) -Der Justizminister hat in der heutigen Sitzung der Nationalversammlung eine Novelle zum Strafgesetz eingebracht, frtc aus zwei Paragraphen besteht und die Bestimmungen über die Sprengstoffe behandelt. Wer sich unberechtigterweise Sprengmittel beschafft und dieselben versteckt hält, kann bis zu fünf Jahren Kerker verurteilt werden. Die Strafe kann bis zehn Jahre Zuchthaus verschärft werden für den, der andere verleitet, ihm Sprengmittel zu verschaffen. Auf das Verbrechen, mit Sprengmittel Menschenleben vernichtetzu haben, ist eine Strafe von lebenslänglichem Zuchthaus gefetzt. Durch eine Verordnung des Juftizmimsters wird das Standrecht tm ganzen Lande außer auf das Verbrechen der Gnrpörung und der Brandstiftung auch auf Mord und Mordversuch mit Sprengstoffen ausgedehnt. 13V Milliarden monatliches Defizit Budapest, 5. Jänner. (Tel. d. „Wr. Morgenzeitung".) In der heutigen Sitzung des Finanzausschusses, in welcher Abgeordneter Gömbös die Veröffentlichung sämtlicher auf die An leihe Verhandlungen bezüglichen Akten forderte, erklärte Ministerpräsidem Gvaf n> . ,.-ML... ■ > geduldigere Gefolgschaft wird, als es Weisengrüns Art gewesen ist. Man unterschätzt die rein rezeptive Seite der Me^schenuaiur. Unser Trieb zur Gemeinschaft unabhängig von unserem Zug zur Geselligkeit — erklärt sich nicht und erschöpft sich nicht mit dem Prinzip des -Tätigen, mit dem Drang des zu Schaffenden: er ergänzt sich, komplettiert sich erst mit der anderen Seite unsere^Weseltls: mit dem rein affektiven Verhalten; mit unsererLüst zu verweilein und auszuruhen und zu beruhen in dem, tvas man die Genie inschaftssubstanz nennen möchte; sie, die nicht bloß Nahrung und- Speise unserem Geist zuführen soll, sondern vor allem unserer Seele zum heimlichen Heim werben müsse: analog der öffentlich - rechtlicher: Heimstätte — die unöffentliche, die verborgen rechtliche. ES ist mir gar kein Zweifel, daß es auch bei Weisengrün Augenblicke gab, wertvoller als Theorien und „Stellungnahmen", wertvoll einzig durch das Bewußtsein dieses reinen Seins und Da-Seins in nationalmenschlicher Gemeinschaft. Wer Weisengrün, zumal in seinen jüngeren Jahren, in intimerem Kreise gesehejn hat,, der weiß sich gewiß noch zu erinnern, wie er im jüdisch Rezepitocit ganz eigentlich ein Natnrkind war; wie sehr auch er offenen Sinn entgegenbrachte all dem, was 'uns mit den ersten Glntwellen und jeder nachfolgenden ostjüdischeiv Kunst — und ostjüdischer Wesensart berühren undbewegen mochte: so wird auch ihn: „ein Augenblick Freude" geworden sein, wie sie empfindet, wer heimgekommen all das schaut und empfängt was liebende Ueberraschung dem Heimkehrcuden bereit hält. > Und Liebes, denke ichj, und- Ueberraschendes hat Las Judentum als unsere Gemeinschaft wohl noch für jeden von uns übrig: ob wir auf seiner äußersten Peripherie stehen, von hier aus seinen:- Mittelpunkt zustrebend, oder uns diesen: schorr ganz nahe wähnen und es nun immer wieder und am Eilde erst recht erfahren, daß die Feuersäule unseres Volkes dazu gemacht ist, den gemeinsamen Weg zu weisen: den Nahen und den Fernen; den Nächsten und noch den Fernsten. - r '•«iwsw Wiener MörrMzeikürtK. Hob6 Frferes I R Punch ä I’Ananas GrandSeigneur Grand Nystöre Cordial Hoböcure Hobötreuse Hoböfleur Triple-sec 10457 Echt nur in dieser runden Flaschenform! Alleiniger Erzeuger Damase Hobe, Gründer der Likörmarke Hobe u. einziger Träger des Namens Damase Hobd Zentrafbureau: Wien, I.. Grillparzersir.14, Tel. 24229 Bethle n, er habe die auf die Anleihe bezüglichen beiden Protokolle im Wortlaut in der Presse veröfseMichen lassen. Anläßlich der Verhandlungen im Finanzausschuß de.s Völkerbundes fei die Frage der Wiedergutmachungen aufgeworfenworden, und damals habe man von einem Betrag tu der Höhe von 10 M i l'l i o -n e n Goldkrone n gesprochen, doch habe Redner diesen Betrag mit Bezug auf die heutige Lage des Landes für uners ch w: u g l i ch erklärt. Flnanzminister Kallay führte aus, er könne über die staatlichen Bedürfnisse keine Ziffern neunen, da eine Orientierung erst nach der in gemeinschaftlicher Arbeit mit der internationalen Kommission voraussichtlich Eude Jänner erfolgenden 'Fesfftellnug deK zweioinhalbjährigen Fi-nanzprogramms möglich sein werde. Jedenfalls rnüsse bis zur Flüssigmachung der Anleihe mit einem -dreimonatigen Defizit von 130 Milliarden pro Monat gerechneit werden. Jas Münchner „SBbiftfie Echo" verböte«. München, 5. Jänner. (I. T. A.) Auf Anordnung des bayrischen Generalstabskommissärs v. K a h r wurde die in München erscheinende Zeitschrift „Das jüdische Echo" bis auf werteres Verbote::. Das Verbot wird damit begründet, daß das jüdische Organ einen angeblich unrichtigen Artikel über die Judencmsweffungen aus Bayern veröffentlicht hat. „Das jüdische Echo" hat zugleich mit der anderen jüdischen Presse die Meldung der Jüdischen Telegraphen- Agentur über Vorstellmrgen des britischen Generalkonsuls in München, Mr. Robert H. C l i v e, bei der bayrischen Regierung wegen der Judenausweisungen in München gebracht. Daraufhin wurden „von zuständigsr Stelle" in München durch das WoWche Telogvaphenbnreau ein Dementi verbreitet, und das Münchner Mische Blatt verboten. Diesem Dementi steht jedoch eine Auskunft des Londoner Auswärtige»: Amtes an die I. T. A. gegenüber, in der die Vorstellung des bvirischen Generalkonsuls bei der bayrffchen Regierung in der Angelegenheit der Judenausweifungen ausdrücklich bestätigt worden ist. An unsere Leser! In dem Bestreben, den Lesern der „Wiener Morgenzeitung" das aktuellste Nachrichtenmaterial auf allen Gebieten der Tagesereignisse zu bieten, hat die Verwaltung unseres Blattes, ohne die heute so hohen Koste» eines eigenen Nachrichtendienstes zu scheuen, einen solchen Spezialdienst für unser Blatt in den wichtigsten Zentren der Politik und der Wirtschaft eingerichtet. Unsere Leser erhalten jetzt die aktuellen Ereignisse und Vorgänge durch unsere eigene Berichterstattung übermittelt, die so organisiert ist, daß die „Wiener Morgenihr LeserpMikum über alles Wissenswerte rasch, zuverlässig und aus e r st e r H a n y informiert. Wir hoffen, damit den Wünschen unserer Leser in bezug auf Aktualität und Zuverlässigkeit in der Information in weitestgehendem Maße entsprechen zu können. Hand in Hand mit dieser Verstärkung und umfassenderen Gestaltung des Nachrichtendienstes geht auch eine intensive systematische Ausgestaltung der übrige» Rubriken unseres Blattes. Schon jetzt machen wir unsere Leser darauf aufmerksam, daß von morgen an in unserer am Montag erscheinenden Mttagsausgahe regelmäßig ein Referat Wer die Konzertereignisse der abgelaufenen Woche erscheinen wird; ferner wird in jeder Montagausgabe die von unseren Lesern mit großem Interesse ausgenommene Gchachrnbrik von nun ab regelmäßig veröffentlicht werden. kl. Jauner 1021 Seite ft & Ser gute Rat. Von Jerome K. Jeromc. (Aus dem Englischen von Herminia zur Mühlen.) Alt einem Winterabend schritt ich auf dem Perron der Eustouer Station auf und ab, wartete auf meinen Zug. Äü bemerkte ich ciueit Mann, der den Automaten verfluchte. Zweimal drohte er ihm mit der Faust, ich vcrniiei>rL!e, er werde jeden, Augenblick zuschlagen. Ich bin von Natur aus uiengierig und trat näher, wollte hören, was der Marti: sage. Als er meine .Schritte vernahm, wandte er sich mir zu. und fragte: „Sind Sie der Mann, der ^eberr hier war?" „Wo war?" lautete meine Gegenftage, derut ich hatte bevM etwa fünf Minuteit auf dem Perron geschüttwechselt. „Hier, ivo sie stehen," fuhr er mich an. „Was glauben Sie denn, daß „hier" bedeutet?" Er schien.etwas reizbar >zu sein. „Es ist möglich, daßich während nteiner.Wanderung auch hier vorbeikam," etttgegnete ich m:t ausgesuchter Höflichkeit, ..m ihn wegen seiner Grobheit zu beschämen ,Lch meine," sprach er, „ob Sie der Mann sind, der vor etwa einer Minute mit mir sprach?" „Der bin ich nicht. Guten Abend." „Bestimntt nicht?" beharrte er. „Wer mit Ihnen gesprochen hat, dürste dies nicht so leicht vergessen." Sein Ton tvar äußerst insultierend gewesen. „Erttschuldigen," brummte er. „Ich glaubte, Sie sähen den: Manne ähnlich, mit dein ich gesprochen hatte." Meine Stimmung wnrtw milder; außerdem tvar er auf dem Perron der einzige, und ich müßte noch eilte halbe Stunde warten. „Ich war es wirklich nicht. Was wollen Sie von dem Manne?" „Ich wollte mit ihm sprechen. Sehen Sie, ich steckte einer: Peümy hier in die Oesfnung." Augenscheiitlich verlangte es ihn daltach, sein Herz auszuschütten. „Ich brauchte eine Schachtel Streichhölzer. .Doch fiel keine heraus und ich schüttelte ebejn, fluchend, den Autoinaten, als ein Mann vorüberkam, ein Mensch etwa von Ihrer Größe . . . Sind Sie bestimmt nicht jener Mann?" „Ganz bestimmt nicht, sonst hätte ich es gesagt. Was tat der Mann?" „Er sah, was sich ereignet hatte, meinte: ,Diese Automaten sind ärgerliche Dinge, man muß sich auf sie verstehen." „Man muß sie ins Meer werfen," meinte ich in nteiner Wut darüber, daß ich kein einiges Streichholz mehr hatte. „Bisweilen bleibt der erste Penny stecken," belehrte mich der MaM. Wenn man d<mn^ ellren zweiten .hineinwirft, so löst sich* der erste und der zweite.fällt mitsamt der Ware heraus." „Mir schien diese Erklärultg töricht, der Mann aber tebeie, als wäre er von einem Automater: gesäugt wordelk, und ich war dumm genug, ihm zu glauben. Ich warf ein Geldstück hinein, das ich für ein Pennystück hielt; nachher entdeckte ich, daß es zwei Schillinge gewesen waren. Dennoch hatte der Idiot bis zu einem gewisser: Grade recht, etwas siel heraus, das!" Er hielt mir ein Päckchen BonLonS hin. „Zwei Schilling ein Penny," bemerkte ev bitter. „Ich werde sie für ein Drittel dessen verkaufen, was sie mich gekostet haben." „Sie würfen das Geld in den falschen Automaten," sagte ich. „Das weiß ich ja," erwiderte er ärgerlich; er war kein angenehmer Gesellschafter, hätte ich jemand alleren gefunden, ich würde ihn stehen gelassen haben. „Mir liegt ja nicht so viel am Geld, was mich ärgert, sind diese verdammter: Bonbons. Fände ich der: Mann, ich würde, sie ihm in den Mund stopfen." Wir schritte:: schweigend den Perron entlang. „Es gibt solche Leute," brach er darm plötzlich aus, „Leute, die rnnher gehen u«b gute Ratschläge austeilen. Mich werdm sie noch einmal sechs Monate Gefängnis kosten. Ich hatte einmal ein Pony, ein reiriblütiges Waliser Pony, eilt fallwses kleines Tier. Er war den ganzen Winter auf der Weide gewesei:; in: Frühling spannte ich es arr, fuhr nach den: auf zehn Meiler: entferrtten AmersLam. Das Pferd war etwas frisch, langte mit Schaum bedeckt 'an. Vor der Gasthaustür stand ein Mann. „Das ist ein gutes Pony," sagte er. „Es geht an." „Man darf Junge Tiere nicht überanstrengen." „Es ist zehn Meilen gelaufen," erwideirk ich, angestrengt Lin höchstens ich, jedenfalls bin ich weit müder, als das Pferd. Ich erledigte nreine Angelegenheit; als ich wieder auf die Straße trat, stand der Mann noch immer vor der Tür. „Führt Ihr Weg bergar:?" fragte er mich. Irgendwie rüißfiel er mir. „Ich muß auf die andere Seite des Hügels gelangen," entgegncte ich, iutb falls es keine andere, patentierte Art gibt, dies zu tm:, wedde ich wohl bergauf fahren müsse::." „Folger: Sie meinem Rat," sprach der Mann. „Geben Sie dem Pony ein Glas Bier, ehe Sie sich auf der: Weg machen.-" „Bier, es ist eir: Temperenzler." „Einerlei, geben Sie ihmein Glas Bier. Ich kenne diese Ponys, das Ihre ist gut, aber mach r:icht im Besitz seiner voller: Kraft. Wem: es eir: Glas Bier trinkt, wird es Sie auf der: Hügel schleppe::, wie eine Drahtseilbahn, ohrte sich dabei anzustrengen." Ich lveiß iricht, rms dieser Art Menscher: eignet; später ftagt man sich, weshalb nran ihrten rncht der: Hut über die Augen riß und sie in -der: rrächsten Teich warf. Solarrge sie jÄwch reden, glaubt mar: ihnen. Ich brachte den: Pony in einer Schüssel Bier. Etliche Burschen standen umher und risser: Witze. „Du bringst das Pferd auf die abschüssige.Bahri, Jim,"- sagte der eine. Er wird Karten spielen, eine Bank ausrauben und seirre Mutter errnordeu. Den frommen Schriften zufolge, fängt es immer mit einem Glas.Bier arr." „Sowird es nicht trinken," meinte ein anderer. .„Es ist kein Schaun: darauf." „Hast du keine Zigarre für das Tier?" 'fragte ein dritter. „Eine Tasse Kaffee und geröstetes Brot tväre weit zuträglicher," lachte eir: vierter. Ich war nahe daran, das Bier sortzngießen, oder es selbst zu tinufett, aber sobald das Pferdchen das Bier roch, streckte es den Kopf vor und leckte die Schüssel leer, als wä« es iß«

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.