Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1750 (30.12.1923)
- Date
- 1923-12-30
- Page
- Seite 11 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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ül vm Wen, Toinltag Wlfüsik Mvrftenzeltnns. 80. Dezember 1923 Sekte 11 tfatv Er war nn Jahre 1607» dem letzten Jahre der Opern«, direktion Gustav Mahlers, als er gelegentlich der letzten Wiener Nsueinstudin'rnng der „Stummen" trotz des Protestes aller Ballettkoryphäen die Nolle der Fenellä der noch ganz unbekannten Ballettänzerin Grete Wiesenchal znwieS und damit den Grund zu ihrem Ruhme legte. — ES ist bemerkenswert, daß der Tondichter Ander die Partie der Fenella nur darum einer stummen Person Meilte, da die Pariser große Oper damals üd r eine zweite goeignete Primadonna gerade nicht verfugte, und daß er noch in einer zweiten Oper, „Der Gott und die Bajadere", eine stumme Person zur Trägerin der Hauptrolle machte. — „Die Stumme von Portiei" wäre nicht von Ander» dem klastischen Vertreter der französischen heiteren Muse, wenn sie nicht trotz ihrer ernsten Drst-ion den heiteren Spuren Boeldiens' folp'e, in ihr^r feinen, leichten Bewegtheit erkenn; man auch den Einfluß Rossnris und in dem dvamarischm Feuer der Melodie und Szene scheint leltsamevweise daS große Thvaterpathos MeyerbeerS vovwoggenommen, d.r evst im Jahre 18Sl. also drei Jahre später, mit „Robert dem Teufel" in die Pariser große Oper einzog. Die von Direktor Weingartner betsorgte Einstudierung nahm, um unnütze Längen zu vermeiden, sehr energische Striche vor und beschränkt« sich in der Hauptsache auf das nach heute Bühnenwirksame. Die mimdsch- Rolle der Fenella war Frau Betty Weingartner, der Gattin des Direktors, an« vertraut, die in früheren Jahren in Amerika als Schaufpreler'in und Sangtom gewirkt hätte. Mit großem Eifer ging sie an ihre Aufgabe und befleißigt'« sich lebhaften GesichtSauRwucks, doch vermochte sie das furchtbare Schicksal des stummen, ent« ehrten und von seelischen Konflikten gepeinigten FifchermÄd« chens nicht r.cht glaubhaft zu machen, namentlich ihre gleich«, mäßig wiederkchrendrn Körperbewegungen entbehrten tieferer Empfindung. Vortrefflich bei Stimme war Herr RitterS« heim, der Slezak der BolkSop.r, der feine blendenden, hohen Tone frei-fcbifl auSsandte, ebenso Herr L i st, desien Stimme an Schlagkraft gewinnt. Mit viel Liebreiz sang Frau Fried!« Böhm die. etwas verstaubte Partie der Elvira in kleineren Rollen erreprachen die .Herren Dr. Fellner, Dr. Kroeg« le r, Dr^ 8 o re n zi und Weber. Hoffentlich hält der h rz« lrche Beifall, der auch dem von Direktor Weingartner ge« führten. Orchester, der Regie Direktor Markowskys, der g.schmarkvolten Ausstattung und dem redlich bsmühttn Choc galt, weiter an und ermöglicht der „Stummen" ein längeres Verweilen im SpieSplane der Dolksoper, wie eS chr um ihrer schönen, frischen und volkstümlichen Melodien willen gebührt. flb. Las Ziitmer-Programm de- Smgthraters. Willy THaller tritt fein Engagement in dem Lust« spiel von Da v i s „Di e Katakomben" an. Die Premiere findet am 5. Jänner statt. Es folgt dann am 17. Jänner die deutsche Uraufführung von Franz Molnars „Die rote Mühle"' und Cnoe Jänner die Neueinstudierung von Georg H irschfe l d S Drama „Agnes I o r d a n". — Im Äka. demietheater, dem Kammerfpiclhau.se des BurgthsatcrS, sind für den Monat Jänner ebenfalls drei Neuaufführungrn» bezw. Neueinstudierungen vorgesehen: Am 8. Jänner geht Norbert GaraiS „Jolandas letztes Abenteuer" in Szene. Am 12. Jänner wird HauptmannS „Biberpelz" in den Spielplan ausgenommen und am L2. Jänner Karl S lobodas Lustspiel „Am Teetisch". Festliche FSnufr-Teranffaltuoge« in der Staatrover. Die Termine für zwei festliche Veranstaltungen im Opern« theater im Laufe des Monats Jänner wurden nun endgültig festgesetzt. DaS Theatre Paree findet am 14. und die Opernredoute am SS. Jänner statt. Ile KovMen der Bolksoper. An interessanten Novitäten der Volks aper sich in Vorbereitung: Braunfels' neuestes Werk „D i e B ö g e V\ Wilhelm Kienzls „Ho ssan, der Schwärmer" sowie die Faschinosnovitat „Fürstin Tanagra", komische Oper von Oökar Fricdmann, Musik von Offenbach, bearbeitet von Professor Lasite. L»»U«reI>e 0exivksseKt:o:i Ccopolfl«(adt Jeden Donnerstag für Dkitglieder und eingeführte Gäste n w ä' n.« l o l e Z n s a m m e n k ü ti f t c D»ltntitt«i0 den 3. Jänner, vräziie 8 Uhr abends, im Uliener BBracrcafi, 2. Bezirk, Praterstraße 11 vouiur« des Herrn Professors Artur Freud: yy£ur Ent«* vricklungsgeschlchte des Zionismus.” eint MM.Premkre im Seutschr» «olkrtheater. Im Deutschen Bollstheater. ist die Uraufführung der nächsten Neuheit, das >drei>cck'ige Lustspiel „Casanova in Wien" von Raoul Au e r n h e i m e r für Freitag^ den 11. Jänner angesetzt. Di« beiden Brüder Casanova spielen die Herren M o i s s i und F e l d h a m m e r. Es ist dies der erste Fall, baß Alexander Moissi eine neue Rolle in Wien kreiert. Die Novität wird von Dr. Heinz Schul baur emstudiert. Tre! Fdeen für die Tljeatemett. Bon Franz Molnar. In der ungarischen Zeitung „Az vjfag" empfiehlt btt Dichter Franz Molnar der Aufmrffamkeit der Theaterwelt drei Ideen, deren Durchführung bei entsprechender Propaganda für das Theatevwesen von großem Nutzen sein könnte. Molnar legi seinen Ausführungen wohl zunächst di« Budapest«? Verhältnisse zugrund', sie sind jedoch a-nch für die Theaterwelt im allgemeinen von Interesse. S.ine drei Ideen lauten 1 Leihbibliothek für Schriftsteller. Es ist bekannt, wie unerschwinglich wu>:r heule das Büch, besonders das ausländische Buch, ist. Junge und alle Drameü« dichter, die die Tramenliieratur der Welt kennen sollten, sind jetzt aus die Spielplän-e der Theater emgewiefe«.- Die cfifettt« Sichen Bibliotheken kommen von diesem Gesichtspunkte au» kaum in Betracht. Es müssten durch GeD« und Bücherspenden spezielle dramaturgische Leihbiblioth ken für junge Schriftsteller geschaffen werden, damit sie in die Lage kommen, jene tausend Thoat>.rstücke zu lesen, die sie unbedingt lesen müssen, wen« sie sich diesem Berufe widmen. Ich glaube, daß eine solche Bibliothek schon durch die Bücherfpenden allem zustande käme, w nn sich nicht mtt Verleger, sondern auch Private an den Spenden von hauptsächlich französischen, deutschen und englischen' Büchern beteiligen würden. Eine solche Dramenbrblrothek würde mit der Zeit sehr mächtig werden. Geld sollte nur für die allerneuesten Dramen cmSgeooben werden, während die Klo Mer und sonstige älteren Dramenwerke von Privaten beschafft werden könnten. In dieser Bibliothek müßte dann allerdings das Drama jedes einzelnen interessanten und vom Gesichtspunkte des Lernens wichtigen Autors bis auf den heutigen Tag vorhanden sein. 2 Kurs für Drameüschrlftstrller. Das ist kein Scherz. Ich denke mir die Sach« so, wie etwa die freien Malschulen organisiert sind, ungefähr nach dem Muster der Pariser Aea-demie Julian.. Wenn b.'währte, berühmte Maler die Werke der Jungen korrigieren können, so können ebenso bereits anerkannte Dramendichter Dialoge». Szenarien, Akte und Drücke korrigieren. Genau wie die korrigierenden Lehrer. bet fielen Malschulen, nicht ihre «igene Individualität den Jungen a -rzwiwgen, würde auch der korrigierende Lchrer der Drameiffchulen der Individualität des Zöglings Rechnung tragen, so daß unter der Hand d s konservativsttn Lehrers selbst der Wildeste exprefsivniftisü)« Schriftsttll'r sich frei entwickeln könnte. In Amerika, der Name der vnwersitäi ist mir entfallen, beftffjl bereits ein solcher Kurs für Dramenschriftfttver. Der Professor dieser Lehrkanzel schreibt selbst fast nie ein Stück, ist aber-ein anerkannt vorzüglicher -Kritiker und Dramaturg. Unter seiner Hand entsteht in f'.'dem Jahr ein Theaterstück, das mit großem Erfolg über die bedeutendsten Bühnen Amerikas, geht. Di? Theaterdirektoren bestürmen diesen Kurs förmlich um Autoren und Korrektoren und Umarbeiter, Im Jänner kommt Gilbert Miller nach i Budapest und er wird wohl in der Laos fün, ausführlich über das - Institut Auskunft zch. erteile«, das sich - so. bewährt hat." E 3. Schule für Regisseure. Diese Schule müsste an der Schau'pielakademic hgroßem Stil «nfo gründlich geschaffen werden. Wir sind zw isellos arm an glnen Rogissenren, aber aus einem guten Regisseur wird ein guter Direktor, ein guter Dramaturg. D'r gut« Regisseur produziert den guten Schauspieler, den guten Maler, die gute Theaterknltnr. Dir st-hcn damit so, als wenn wir gute Krankenhäuser ohne.gute Aerzte batten. Zu den Schülern der Schule für Regisseure würden nicht nur jene g hören, die sich direkt für diesen Berns ausbilden wollen, sondern sie müßte von jedem ambitiösen S<banspieler und jeder S6>inspioler'!n besucht werden, auch wenn sie bereits üb^r die Zö«lina§mhre hinaus sind. E'n Semester d's Kur es müßte der Schüler im Ausland verbringen, yrd zwar das letzte Semesters N»!nrlich konnten nur die besten Hörer dieses AnslaNdsj'Me'ster. auf öffentliche -Kosten absolvieren. Ich bin überzeugt, daß jedes größere 'Theater gerne je e'n S'tpeudium für di"«n Zweck stiften würde. Jetzt, wo «8 in Budapest so viele Theater, Kabavttts -und Varietes gibt, in denen Theaterstücke aufaeführt w-rden, jUnd da vielleicht doch mit dem Aufblühen der zugrunde geachteten Filmindustrie gerechnet werden kann, könnten mit einer modern und in avoßem StA geleiteten Schule für Re« gissenre dank uns ren Diamenschriftstellern und unseren Schauspielern große Erfolge erzielt werden. Karkheim Marti«, der <»T« Svielleiter bereits früher in Wien starken Erfola ba-tte. insbesondere mit seiner Inszenierung von §muv'mann8 ..Florian Geyer", Düchn-rs „Woi^ek" und Tollers „Moschin-usturmer". ist aus dem Be-bande de3 Berliner Schauivieltheriters ansaeschieden. Wie verlauft, wurde Karll,einz Mart'n für das Wiener R a.i- .mundtTheaier als ReMeur verpflichtet. Valerie Martens, das eLem^ige M^«g'i«!d des Burg« ttzeaters, deren -bürgerlicher Namrs Vcvievie Poier Frei in 'o. M-ahersberg Lv'UtÄ. hat sich in Berlin mit dem defomv.m Dranmt'Hker w«ß> Schcmffpiel-er Kurt Gotz venmählt. Hagenbund. Di« graphische Ausstellung wird Donnerstag den Z. Jänner geschlossen. Jfa-Palast-Kin». 2. Bez.. Taborstrafte 1. Morvm Montag um 10 Uhr abends große S i l v e st e r i e i e r. Mi-Mirkend: Neu-iahrsprolog vovgewc»a>en vom ktemcn R-.tdi Wetber; Cllh Tollen. Vor'rassk'ünite'l'n; Nip-olai DinkofÄY, der ftwK» berühmt« Balalajka-Birtuos«; Lutz-.Hamm«r und GrLtav M-eindl, Mtwimer Due'tisten: UnÄMÄenchor, die berühmten russischen Sänger: Mawka Glossy, B.urg.'chcdu5pie>lerM,. herbe« ClwnisonS; Arm-m Storünger, der berühmte Komiker. Kimst* -lerilsche Lrr'itnn-u- I. Faustimls Schiller. Kaltes und warmes Vüfott. Kein Wemtwan-g Karten an der Abendkasse -und im Kavtantbu-reau „Aida", 2. Bey.. Twborsrcaße 5, echäle/ich. Preiffe 7>ir Plätze: 1. b-S 10. Neide SO.OOG K.. 11. bis 16. Reihe L'.OYO 5b., 17.- bis 21. Reihe A.000 K. 22 und 23. Reihe 15.000 K., Balk-onMi-ite 1O.OOO K.. BalApn^Sä-ge 30.000 K>> Pavtevre-Sag« ln.000 K., BMvn-tSsit« 20.000 K. ' tEntpeltlich.) Der Schlimme Bvbeu-Ball fü-ndst am - SmnStaq de« 6. Jänner im Restau-ram „zmn weihen Engel", Hietzing, Am Platz 5, statt. <En>tqsltKch.> Aus den rljeoteru. O p e r n t b e a t e r. Die Vorstellung „2 o & e n «11 tt* am Dienstag den 1. Jänner dirigiert Dr. Richard Strauß. . B « r g t b e a t e r. Morgen. 7 Uhr, „Einen Jux will er sich machen". Dienstag den 1. Jänner 1924. 2 Uhr nachmittags, „Fasching". 7 Uhr abends „Der Teufelsschüler". Akademietheater. Morgen Montag „D i e Fahrt ins B l a « e". Dienstag den 1. Jänner 1924, 3 Uhr nachmittags, „Q u a l i t y S t r e e t", */*8 Uhr abends „D i t kleine Konditorei". Volksover. Die morgige Silve sie rvor fiel ln« g „Fledermaus" isi ansverkauft. Am Rensahrstatz findet abends die erste Wiederholung der „Stummen v o « . P o r t i c i" in der Premierrnbesetzung statt. Als Nachmittags« lvo.stellung gelangt zu ermäßigten Preisen „Der Tronbad v u r" zur Anffühnmg. I« den Kammerfpielen findet beute, 19 Uhr abends, die Premiere der Revue-Overette „Die Damen vom O l h m v" lSchanzer und Welisch', Musik von Robert Nelion, statt. Als Srlvestervorstellnngen geht in den Kammerspielen um 7 Uhr Sacka GuitthS Komödie „Mein Vater hat Recht gehabt" mit Hugo und Hermann T h i m i g. um 10 Uhr die Revue-Operette „Die Damen vom Olymp" in Szene. Die Redoutedes Deutschem Volks t h e at r r 8 wird auch im nächsten Fasching wieder abgehälten und ist brauchgemäß für den FaschingsamStag, b. i. den 1. März 1924, angesetzt. Die Montag den 31. d. im N e « e n W i e n e r Stad tt h e a t e r in der vollständigen Prernierenbeletzung stattfindende Silvester-Festvorstellung der Operette „Das Weib im P u r v u r" beginnt präzise '/,7 Uhr. Dienstag beit 1. Jänner 1924, '/,3 Uhr nachmittags, findet eine Auffübrnng der „W u n der a u 1 0 v 1 R a ch t" für Kindermund Große bei kleinen Prellen statt. Mitwirkende r der türkische Zauberkünstler A h d u l Hamid, Opernsänger Heinrich P a ch e t, Mitglieder des Staatsovernballetts nfw. Elternvereine und Organisationen genießen Begünstigung. * In der unter der Devise „Ein Empfang beim sstßenKavalier" stattfindenden Silvester-Toppelvorstellung ^Apollvtheatrr tritt Leo S l e z a k zum ersten Aiale jn seinen humoristischen Vorträgen auf. % DOROTHEUM | Versteigerungs-Einteilung IMf 9 h T«ohnlaehe Auktion: Anir» n«g Bentandtelle, Ma«eh nen, Wollen, zeuge. Amin* ftiren, M-sttapntrate, 8. Bezirk. Fe'dnasse 8. Tüflich aebr«uöh»jo9§iist*«1# Im t.nd«rigstOTtf>, RSss er* Und v olowrntxiat um spe-teli De een 3. Dl tfen 8 I : Sch« e UL,»He. Pelz». Per<-ertepntche. K<fla> r, ^äinimsch ne", Fahrrsder; )«#an Ml PhotoappAnte, Fnrnulä-er Öchrelbnta*ch»nen. Relureuee; Pr 4. t «wikieweme"«, •«»Ike- 1>«M Pr 4. I. Bi Mirii« una Pelz*. Falfrrfder. m Lt-<- ‘ ■“*•■- für 14 Tage le'ien ne SetiBne« MoUttae. Per-1 e-rtrpptotie, Gern* de, Kuneteej urerbeun Franzlosef8-S*al :|edrn I Pr und Dr 8 I. im Hoch«Saai, I lede« Mi und 8»!nt Debau*- aal: I Kunet?ewerbe, O mSlde, Ten- I piche, Antlqu-'tatcn; f^den Pr. Mi I 2. 1. and 1« 8 1. Möbel. Lus-er, I Bilder, Hausgerfite Im Olanhof 1 D» 10. I und jeden Fr und s'a I sreier i« km n?er>8^1; vi 8. 1. | und *eien Mi and Pr Brlefmerk-'n, I t Recrk Marieiiilferstrasee 7 .. I Tiejoti Pretietee; Ol 8 l 8 wer I «pd ävnawlbnr: jeder Ui Brtt* I lentr« und Perlenscnmuck int I Franz-Saat. __zour im L'-dwiKsterff-^an' Täglich Schaustellungen ab 1 Uhr Beginn der Versteigerungen ab 3 Uhr Näheres durch-die „Mitteilungen" und „Nachriditcnbiätter* Gerichtssaal. Erlaubte und unerlaubte Dahlagiiatiou Außer der bürgen ländischen Nationalraiswahlbeschwerde beschäftigre auch eine Gemeinderaiswahlbeschwerde uns dem But ctenlar.de den Versassungsgerichtshof in der Te^mbersessi^-n und es gelangten hiebei prinzipielle Fragen zur Entscheidung. Bei der Grmernderatswahl in Schattendorf im Bargen« lande erhielt die sozialdemokratische Partei 8, die chrismch' soziale Partei 6 Mandate, andere Parteien haben Wahlverschlage üichi eingebracht. Von der chriftichsozialen Partei wurde das Wahlergebnis wegen gesetzwidriger Vorgänge nn Wahlver fahren bei der Landrswahlvehörde an gefachten, weil seitens der sozialdemokratischen Partei am Wahltag innerhalb des agitationsfreieu Raumes Wahlaaitation betrieben -worden sei. Die Landestvahldehörde in Saueüvrnnn wies die Beschtoerde ab, weil die in derselben angeführten gesetzwidrigen Vorgänge auf das Wahlergebnis ohne Einfluß gewesen feien. Der Versassungsgerichtshof (Vorsitzender Präsident Doktor V i 1 t o r e l l i) fällte folgendes Urteil: Die Wahlanfechtun« wird abgewiesen. Werl eine Mahl nur dann wegen gesetwidrigen Vavaauges am^efochten werden könne, wenn derselbe auf das Ergebnis von Einfluß sein könne. Nun würde sich aber am Wahlresultat auch dann nichts ändern, wenn die Stimmen, um die es sich hier handelt, der. christlichsozialen Partei zugefallen wären. Abgesehen davon, sei es mehr als zweifelhaft, -ob der von der Wahlbehörde sestgestelltc Tatbestand überhaupt als Wahlagitation angesehen werden kann, zumal ein« größere Anzahl von Fällen nicht nachgewiesen ist und es sich um freiwillig abgegebene Stimmzettel handelt. Der Amtsschimmel darf nicht beleidigt werden. Der Textil- Warenhändler Karl Perlmutter stand gestern vor dem Richter, weil er ein furchtbares Vevbrechen begangen hatte: Er hatte den österreickiichen Amtsschimmel beleidigt. DelPAmtsschimmel ist bekanntlich in Oesterreich ein heiliges Tier, sowie es im atten Aegypten der Ibis unb das Krokodil! warem Er wird von einer zahlreichen Priesterschar angebeter, und die Zahl der heiligen Stätten, wo dies geschieht, ist sehr groß. Auch bei der Steueradmniistration wird der „Schimmel- Kultus" mit großem Eifer betrieben. So erhielt Herr Karl Perlmutter eines schönen TageS eine Steuervorschreibung von 50 Millionen Kronen für den Ertrag ans einer Ka^diten- ■ erzeugung. Steuervorschreibungen — ob sie nun hoch oder ' niedrig sind — sind an und für sich keine angenehme Sache. Man Wird daher den Aerger des Herrn Perlmutter begreifen, wenn man erfährt, daß Herr Perlmutter sich in seinem ganzen Leben niemals mit der Erzeugung von Kanditen befas-r hat. Und nun kommt das Verbrechen: Er schrieb der Steuer« administrativ« wutentbrannt einen Zettel, auf dem es hieß: „O, heiliger Amtsschimmel! Wann wirst Du eMich krepieren? Pfui Teu'el!" Dieser ebenso kurze wie deutliche Protest führte zur Erhebung einer Klage wegen AmtSehrenbeleidi« g n n g. Der Richter fand, daß der Amtsschimmel unter keinen umständen beleidigt werden dür'e, und verurteilte Herrn Perlmutter, der sich bei der beleidigten Behörde entschuldig'!', wollte, zu einer Gelostraje von 500.000 K.