Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1750 (30.12.1923)
- Date
- 1923-12-30
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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gcfffg . Mm. Gonnkaq Wiener MnrnernekLmift._ , 30. Dezember 1923 . Nr. 1750 •««««•«* Okkasionsverkaut «**«*««« | Pariser Original-Modelle I * Kostüme« Kleider, AJJic-tef $ * in hocheleganter und gediegener Ausführung, besonder» J § preiswert « * MA1SON DILBART. 1. ORABEN Nr. 30 S } TKLEPHON 68-1 77 4, £ Tagesbericht. Las SEnÄnIs eines frmMchen Publizisten. Wie über Fudeutm» und Zionismus informiert wird. Man hat zur Zeit der Frieden-Verhandlungen wieder«' holt Gelegenheit gehabt, die traurige Feststellung zu mack:5. daß die Franzosen, die sich das Recht anmatzten, Europa auf-' zuterlen. nicht di« blässeste Ahnung von der suvopa-Üschcn Geographie und d?n ethnologischen Verhältnisse« in den ein« zelinen Staaten bositzen. Frankreich ist noch immer der Mittelpunkt der poWschen Schlagwort«, und die unKauHlrche Oberflächlichkeit, mit welcher französische Politiker und Publ-isststen Urteil« über Volker und Nationen in die Welt setzen, hat schon sehr di-öl UnheA CNgerichtet, und das chauviniistische, hartnäü'lqe Festhalten an der vorgefaßten Meiimottg ist auch einer der Gründe, weshakb di« Welt nicht zur Ruhe kommen kann.' Auch die Judenfragehat in Frankreich fern« bessere und kein« gründlichere Behandlung erfahren, als di« sonstigen DE fragen. Man kann in keinem anderen Lande eine so tchgrundlief« Unwissenheit über das Vasen der In denf rage mtzd über den Zionismus anireffen wie in Frankreich und bei seinen Polizisten. Ein krasses Beispiel hierfür biet« Pierre Binot, drr gegenwärtig im Aufträge feines Blattes. „Sit Journal" den Orient bereist, um einerseits dorr Stofs für eirrm Roman zu sammeln und andererseits die Leser feines Blattes über die Zustände im Orient und besonders in Palästina und Syrien zu informieren. Dieser französische Publizist hat kurze Zeit vor feiner Orientreise im .Journal" unter' dem -Titel ,Israel" einen ArtM - über Judentum und Zionismus geschrieben, der.bei der Unwillen« hei: e:; Verfassers zu den haarsträubendsten Schlüssen führt. Cahr.'n) seiner Reise durch Palästtna wurde Bmot von einem Korrespondenten des ^aarez" ausaefrogt, «und da gestand her arme Binot. daß er vls echter Francs« seinen Artikel, wir er. sich jetzt überzeugen konnte, in dö!l iger Un kenn t n i 3 de.r wahren Verhältnisse, und irregaführt durch di« Schlagworte der französischen Politik geschrÄben habe.. Geradezu rührend ist eS, wenn Binot sagt: „Ich bin kein Antisemit, und wenn ich bisher gegen den Zionismus war, so geschah - dies nicht, weil ich Antisemit -bin, sorK-ern aus dom Nrunde, weil in der publiZ'Mchen und poMcheu.-Ä-ett Franks reichdie Ansicht, daß die Zionistische Veltorganisation und ihre Arbeiten in Palästina nur danach angetan seien, die Herrschaft Großbritanniens fot Orient zu verbreiten und zu stärken, als unerschütterliche Wahrheitgilt. Dazu kommt noch, datz di« Inden in Frankreich nick-tS dazu tun, u-m die öffentliche Meinung über die wahren Ziele und ALsichten - des Z«msmuS auffzuklären. ES darf daher nicht wunderwehmen. datz wir auch gar keine Kenntnis vond er Kolonifa-vionötätigkeit der Zionisten und ihren großen Erfolgen besitzen. Bei unS zu Hause gilt es als politsscheS Axiom, datz die, französischen J-u-den keine ncrtinnal? Heimstätte brauchen und/die Inden ouS Polen und Rußland lieber nach Am er ika auSwandern mögen. Erst jetzt, da ich di« Gelegenheit habe, aus eigener Anschauung alles kennen zu lernen, freue ich mich aufrichtig, mein« .Ansichten revidieren zu müssen.". Nicht - minder überrascht war dieser - „bedsu-t-mde" französische PuHlizkst, als er vondem Korrespondenten deS h^räifchen ^TaMatieS erfuhr, daß der Zionismus in S o w j e t r utzl a n 4> den größten- Vocholaunce-n au.sgcs«tzt ist. Mit dieser Mitteilung, erklärte Binot, stürzt ein anderes SchbagwortgeLLtitze zusammen, das sich die fvanMfchen Poliivfct und Pu ÄizislengeFimmert haben. „Dir sind," sagte er. „dcchirr unterrichtet, daß-die Zionisten und die Juden im allgemeinen m Cvwietrußland di« Politik -beherrschen und zu ihren Gumsben mißbrauchen. Mir halben, wie ich sehe, keine Ahnung vonder materiellen und gesftig-öu'ltnreven La-M, -in welcher sich die Juden in Rate-Rußland ösfindcn." Aber das- Aasfjlfchast«- Beifpie! für - die unverantwortliche Leichtfertigkeit, mir welcher ftanzöfische Publizisten, u.nd leider auch nichtfvanMifche, sich, cm die Behandlung jüdischer-Fragen heranwagen, sst wohl das Gestä-ndnis Binots, daß er auch von der Existenz der Irgend den großen Leilftungen des Barons R o t h-. jch reld.in Palästina.zum ersten Mttle durch die Informationen des Korrespondenten des „.haarez" etwas erfuhr. Don d:n Rothschilds, meinte er schüchtern, kenne er bloß daS Mitglied der fvanMifchen Kammer, Maurice de Rothschild und JameS Rothschild. Daß aber ein Rothfchi-H auch in Palästina -sozusagen zion-iistifche Arbeit fördere, halbe er niemals g-chört. .So sech-n die Autoritäten des Antisemitisuns überall, nicht nur in Frankreich, aus. Am traurigsten vohl ist die Anklage, die aus dem Gespräch Binots gegen vi§ Juden in Frankreich hrrausklingt, daß diese. — wir kirnen sie aus den DerhaMungrn des Dölikevbundrates über Äe PaLäftma-Frage und über dr-e Minderheitsrechte der Juden — trotz besseren Wissens die fvanzösischeu Politiker und PuAiri-ften nchst nur nicht, über di« Wahrheit auftlären, sondern Mrch 'chr Verhalten die anttjüdische Prn-och che- Das Konzert tat Harem. Jsa Kremer Lei Len sechzig Frauen des letzten Sultans. Die jüdische Liedersäugenn I s a K r e m c x, die Äsvette .Guilvert d<s russischen und jüdischen Liedes, erzählt in der N^-w-Norter „Tribüne" die Kremer feiert jetzt in New-Aork ungeheure Triumphe — wie sie. vor den sechzig Fraue» des letzten türkischen Sultans Mohammed den 'Sechsten gesungen hat. Es war — so erzählt Jsa Kremer — ungefähr zwei Jahre vor dem türkischen Umsturz, bei d.'m Mnsta-fa Keniat die Angorarcaieruug bildete, als ich Mich auf einer Gastspielreise in K?nst.tntiltopel besang, wo viele russische Fiüchiklinge wohnten. Eines Tages erfch'en bei mir ein Bote aus >dem Palast dcs Sultans mit der Einladung, im Harem ^Mohammed dos Sechsten zu singen. TaS Konzert werde jedoch, so fügte der Bote hinzu am Nachmittag statffmden!müssen, da nach dsm Gesetz kein Ungläubiger den Harem des Sultans nach Sonnenuntergang ^treten dürfe. Am l festgesetzten Tage holte mich ein Automobil des Sultan-8 ab,!in welchem ich beim Papste vorfuhr. Durch große Tore, weite Gärten, an den Leibwachen dvs Sultans vorüber, kam ich zu dem alten Haupigebaude, sin welchem sich der Harem befand. Alle Frauen des Harcms iwomteri dem Ko-nzeil bei; ich zählte ihrer nicht mehr als sechzig, also gegerühcr dem Harem Abdul Hamids, von dem man, wenn auch vielleicht in. orientalischer Phantasie, überttisben behauptete, er sei so groß wie der drs Königs. Salomo, ein sehr geringer- Bestand. Die Haremsdamen waren alle ohm Schleier in großer Toilette, ganz nach der. iPariser Mode. Sie naomen in tiefen Stühlen oder auf Diwans, die mit Scharlach und Gold überzogen waren. ,Platz, d.e meisten von ihnen -rauchten 3t-,-raretten. Als mein Konzert begann, legten sie aus Höflichkeit ihre Zigaretten wog. Ich glau'be, in dieser Gruppe waren die schönsten lFranen vereinigt, die ich jemals gesehen habe. Sie,hatten;nur einen Fehler — sie waren zu dich Die Ursache lag -darin, daß sie gar nichts arbeiteten und zuviel Süßigkeiten aßen. Da eine Haremsfrau keinen Mann unverschleiert Ansehen darf, mutzte mein - Begleiter hinter einem scharlachroten Vorhang devsteckt sitzen, der vor 'einem kleinen Podium niederhing. So oft ich ein Lied be* igann. mußte ich durch den Vorhang auf den Flüge! klopfen, Zum Zeichen, daß der Pianist beginne. Ten Sultan selbst ifah ich nicht; man erzählt« mir aber, daß er in einer Lege isaß, die mit einem Dorha^ verdeckt war. In dieser Loge pflegte der Sultan übrigens jeden Abend zu sitzen und von .dort aus seine Frauen zu betrachten. Bor den Havems- 'damen sang ich das gleiche Programm wie vor jedem andren Publikum; sie habet: auch, wie es sich zeigte, denselben Geschmack wie andere intelligente, musikalisch rrz gem Frauen in Europa und Amerika. Den stärikst«n Beifall fanden bei ihnen dieselben Lieder, die auch den besseren Konz-tttbesuchern in anderen Städten gefal^n. Ich hatte bisher llmwor geglaubt, die Haremsfrauen seien, arme, unwifleu-de und bedauernswerte Ge'chovfe und war daher sehr überrascht, zu konstatieren, daß olle sehr nett und reizend waren, ausgezeichnet französisch sprachen und sich für Mededin-^e und sonstige Frauenaktualitäten interessierten. Die meisten von ihnen waren selbst gute 'Musikerinnen. Das -kommt daher, weil m den vornehmen türkischen Kreise alle Mädchen im Hinblick auf ihte Zukunft als Haremsdamen .eine gute., dem Hof des Sultans passende Erziehung genießen. Nach dem Konzert empfing ich von allen Frauen 'kostbare Geschenke, zumeist Stickereien. Teppich«, Schals, Perlen, besetzte Tücher und dergleichen. Heute gehört der Harem des Sultans der Vergangenheit au. wie so vieles sin der Türkei. Bur dem Taueduch Mola«» der zweiten. Der letzte Ruffenzar führte lange Jahve ein Tagehtich, .welches nunmehr erschienen ist. Cs ist fast das einzige persönliche Dokument Nikolaus', aus welchem die sonst so häufig entstellten Gedankengänge und das Wesen dieses Selbstherrschers zutage treten. Es kommt ein ärmliches B ld heraus: das Bil-d eines beschrankten und dabei in der Anlage schlechten Menschen. Hier sei ienei Teil des Tagebuches wiedcrgegeben. welcher di« Zeit nach de.r Februarrevolution des Jahres 1917 wiedergibt. da Nikolaus der Zweite mit seiner Fani-ilie in Zarstoje Selo interniert war: 6. Mrz 1917, Montag. Der letzte Tag sin Mohilew. Um Viertel 11 Uhr vormittags unterschrieb ich dm Abschiedsbeseht an die Ar-rnee. Um halb 11 'Uhr ging ich ins Kcmman.dogebau.de und verabschie'dete mich vom Stab und von der Verwaltung. Zu Hause nahm ich daun Abschied von den Offizieren, den Kosaken meines Konvois und von meinem L-eibvegiment. Das. Herz brach mir schier. Um 12 Uhr kam ich zu Mama, in den Eisenbahn Waggon, frühstückte mit' ihr und ihrer Suite und blieb bei ihr bis halb 5 Uhr. Ich nahm Abschied von ihr. von Sandro (Großfürst Alexander). Serge. Boris nnd Alex. Den armen Nilow ließ man nicht zu uns. Um dveivievtel 5 Uhr führ ich von Motz ilew ab. Ein« große Menschenmenge voll Rührung gab uns das Geleite. Bier Tumamitgl-ieder reisteu mit. Ich fuhr durch Orscha und WitebSk. Das Wetter ist frostig und windig. Schwer, schmerzlich und traurig. 23. März. Donnerstag. Nach 2 Uhr wurde es hell und klärte sich auf. Am Morgen nicht lange spazieren gegarten. Mit Büchern und verschiedenen anderen Dingen mich beschäftigt und alles zusammengelcgt, was ich mituchmen will, wenn es gelingen sollte, nach England zu reisen. Nach dem Frühstück mit Olga m.<ik Tatiana' spazieren gegangen und im Garten gearbeitet. Ten Abend wie gewöhnlich verbracht. 27. März, Morltag. Nach dem MittagSgotresdietM kam Kereilski und ersuchte, wir nwchten unsere Bcgcgtiungen auf die Efsenszeit beschränken und von den Kindern getrennt wohnen. Er muß das angeblich durchführen, um den Rat der Arbeiter- und Soldatendcputierten zu beruhigen. Man mußte nachgeben, um Gewalt zu vermeiden. Mit Tatiana spazieren gegangen, Olga hat sich wieder zu Bett gelegt, sie hat Hals'chmerzen. Die anderen fühlen sich wohl. 7. April, Freitag. Das Wetter hat sich gebessert. eS ist, wärmer geworden. Am Morgen länge spazieren gegangen, ttvas gut tat. Bei Tag mit Tatiana und Alexej gearbeitet. Die Gesichter d'r Soldaten und ihre freche Haltung machten auf alle einen eselhasten Eindruck. Biel gelesen. Vom -viertel 11 Uhr an zu Hause. , 18. April, Dienstag. Im Ausland ist heut»« be* :1. Mai. Darum hat unser Gesindel beschlossen^ diesen Tag mit Prozessionen in den Straßen, mit Musik und r o t e n F a h n e n zu feiern. Sie sind auch zu uns in den Park gekommen und haben Kränze auf ein Dach gelegt. Das Wetter hat sich, gerade w ie d i e se Fe ie r begann, verschlechtert. Dichter, nasser Schnee frei. Um viertel 4 Uhr. als alles schon zu Ende war. machte ich meinen Spaziergang; da ist die S o n n e wieder h c ra u s g e k o m m e n. 1. Mai, Montag. Ein wunderbarer Tag. Am M-orgen schöner Spaziergang. Von 12 Uhr an Geograpbielek ion mit Alexej. Bei Tag im Garten gearbeitet. Die Sonne hat stark gebrannt, aber die Arbeit ging gut vorwärts. Bis Mittag gelesett. am Abend laut vorgelesen. Gestern in Erfahrung gebrachtdaß General K o r n i l o w die Stell« eines Hauptkommamdierettdeil des M'rlitärbe-irk's von Petrograd verassen hat. Heute abends G u t s ch k o w s D «» Mission erfahren. Alles aus dem gleichen Grunde: Unverantwortliche Einmischung in die Ver-?rdmlngen der Militärbehörde von seiten des Rates der Arbeiter-eputierten und noch anderer Organisationen, die west mehr links stehen. Was bereitet das Schicksal , für das unglückliche Rußland noch vor? Der Herr erbarme sich unser. 3. Juni, Samstag. Nach dem Morgentee kam umr-, wartet Kerenski im Anw aus der Stadt. Er war nicht lange bei mir. Bat. ich möcze der UnievsuchungSkommission gewisse Papiere oder Briefe ausfolgen,, welche Beziehungen zur Innenpolitik haben. Nach dem Spaziergang bis zum Frühstück suchte ich zw. sammen mit Kawtfchenko diese Papiere aus. Bei Tag tat, er es zusammen mit Kobilinski. Ich zersägte die Wurzel» der Bäume in der ersten Reihe. Es gab eine Affäre tvegen Alexejs Gewehr. Er spielte damit auf der Insel. Die Soldaten, welche nn Garten patrouillierten, sahen es und ersuchten den Offizier, er möge Älexej das Ge- 'wehr wegnehmen. Sie trugen es aufs Machkomntando, später stellte es sich heraus, daß es auf dem Rathaus deponiert wurde. Schöne Offiziere, die es nicht wagen, den Soldaten etwas zu versagen. Ich war beim Abendaottesdienst. 9. Juni, Freitag. Es sind genau drei Monate, daß ich von Mohilcw gekommen bin und wir hier wie Gefangene sitzen. Es fällt mir schwer, ohne Nachrichten von tneiner teuren Mutter zu sein; alles übrige ist mir gleichgültig. Heute ist der Tag noch heller — 20 Grad im Schatten, in der Sonne 36. Nach dem Ssxtziergang mit Alexe; Gesch'chte gelernt in meinem neuen Kabinett, da es dort kühler ist. Dann viel gearbeitet an derselben Stelle im Garten. Alix (die Kaiserin) ist nicht ausgegangen, bis Mittag gingen wir selbfünft spazieren. Das Wetter war verhältnismäßig kühl. Ter Tag verging wie sonst. Knapp vor dem Mittagessen kam eine gute Nachricht. Eine Offensive an der S ü d w e st front hat begonnen. In der Gegend von Z l o c z o w haben unsere Truppen nach zweitägigem ' Artilseriefener. die feindlichen Sw-li'unaen. durchbrochen und etwa 170 Offiziere und 10.000 Mann gefangen genommen, sechs Kanonen und 24 Maschinengewehre erbeutet. Gott sei dankt Möge es eine gute Vorbedeutung sein. Nach dieser frohen Nachricht haben sich alle ganz anders gefühlt. 26. Juni, Montag. Ein prachtvoller Tag. Unser guter Kommandant Kobilinski hat mich ersucht, ich möge in Anwesenheit fremder Offi-zieve ihm nicht die Hand reichen itnfc Soldaten nicht begrüßen. Bisher sind etliche Fälle dorgekommen, datz nicht geantwortet wurde. Mit Alexej Geographiestunde. Wir l>a"en eine aroße E'che nichtweit vom Zaun hinter der Orangerie abgesägt. Tie Soldaten wollten uns bei der Arbeit helfen. Den Abend mit Lektür« beendet.. 8. Juli, Samstag. Ein schöner, heißer Tag. Im Park mit Tatiana und Maria spazieren, gegangen. Tagsüber gearbeitet. Gestern und heute hat sich die Wä ch e im Dienst ordentlich benommen. Die Soldaten sind während unseres Spazierganges nicht im Garten her-umgetorkelt. In der Zlv sammenfetzung der R e g i e r u n g sind A e n d e r u n g e n vorgekommen. Fürst Ll wo w hat demissioniert rmd Vorsitzender deS MlnisterrateS wird K e r e n S k i utlter Beibehaltung seines Amtes als Kriegs- und Morineminister; überdies übernimmt er die Leitung deS Ministeriums für Handel und Industrie. Der Monn steht in diesem Augenblick fest auf seinem Posten; je mehr Macht er hat, desto besser. 13. Juli, Donnerstag. In den letzten Tagen kommen schlechte Nachrichten von der Südwestfvont. Nach unserem Angriff bei Ha lieg haben viele Abteilungen, die mit der gemeinen defaitistischeu Lehre durch.und durch infiziert sind, sich nicht nur geweigert, vorwärts zu gehen, sondern sind an vielen Stellen ohne feindlichen Druck zurückgegangen. Heute erst hat endlich die provisorische Regierung verfügt, daß auf dem Kriegsschauplatz die T o d e s st r a f e gegen Personen, welche Hochverrat begehen, eingeführt wird. Wenn nur diese Verfügung nicht zu spät fcwritt! Der Tag war trüb, aber warnt. Wir haben an der,elben Stelle am Rande'des gesäuten Waldstreifens gearbeitet, drei Bäum« gefällt und zwei geschlagene umKe-