Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1750 (30.12.1923)
- Date
- 1923-12-30
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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Wiener Morftenzelturrs. SO. Dezember 1923 Rr. 1780 Amtsenthebung dss Bürgemeifters. — Borberettungen für die Ne«, tvahl der Gemeinderat^. — knde der sksenwarttse« Bombemegtmes? Gest«- Wien, Gonukag' Handlanger der völkischen Richtung die so schöne N"sultate für die Weltgeltung deS Reiches erzielen, und sie sind gleichzeitig Bürgen dafür, daß auch die nächste zur Führung'dcS deutschen Volkes gelangende Generation getreulich mit Eichenlaub und Hakenkreuz arbeiten wird. Diese Folgerung wird auch in Paris gezogen werden und an allen Stellen, die Paris dienstbar sind. ES sind ihrer sehr viele. Wohl« steuert Europa? In Pari- und Rom beschäftigen sich bereits die politischen Kreise mit Vorbereitungen für die Neuwahlen ins ftanz-sische und ital enische Parlament. Die Rückwirkungen d«S englischen Wahlergebnisses bereiten ihnen groß: Sorgen. Man erörtert auch bereits in Frankreich und Italien. ebenso wie in den Kreisen der kleinen Entente, in Rumänien, Polen und Rußland die Konsequenzen der Berufung eines sozialistischen Kabinetts in England für die äußer« Politik. Besonders die Ankündigung, daß der neue englische Ministerpräsident eine Revision der Friedensverträge und die Lösung aller Streitfragen durch eine internationale Kon'erenz plane, hat viel Staub aufgewirbelt. All dies soll auch bei der demnächst stattfindenden Beratung der kleinen Entente in Belgrad erörtert werden. Dies« so komplizierte Lage in Europa wirb durch die verwor-enen Verhältnisse innerhalb der meisten Staaten sowie ihre ungeklärten Beziehungen zu einander und des ganzen Kontinents zu Asien und Amerika noch kompliz'erter. lleberdies muß auch die wichtige Tatsache in Betracht gezogen werden, daß England und Rußland Weltreiche sind, die wesentliche außereuropäische Interessen besitzen, die nun infolge des Konfliktes Englands mit Afghanistan sich wieder lr.mgen. Wie immer sich die politischen Verhältnisse in England in der nächsten Zeit entwickeln werden, die englische Rgsierung der Zukunft wird energischer als ihre Vorgänger in daS Triebrad der europäischen Politik eingreisen wollen, um einen neuen Weltkr'eg ödere ne neue Weltocöslution zu v.'.hindem, die der nationale Chauvinismus und Klasseneioismus herauszubeschwörsn drohen. England wird, in Zukunft —. schon mit Rücksicht auf se ne Position in Asien und sein derzeit unentbehrliches Bündnis mit Amerika — in Europa völkermsi-elud auftreien müssen Herrschaftsdrstrebungen aber wird jede englische Regierung — mögen sie von Paris oder Rom, Berlin oder Moskau ausaehen —, schon darum entschieden bekämpfen, weil de englische Bevöl'erung den Weltfrieden und e'ne großzügige Weltwirdschaft-volitik erstrebt. Hier aber begegnet sie sich mit der russischen Beväl'erung, welche ja vorwiegend darum das selige Regime stützt, weil sie in..ihrer überwiegenden. Mehr-., heit dieselben Ziele hat. Im Zeichen der Devise: Welbfrieden uNd-WeltwirtschaftspolA? tofe aber v'ne DeMichi^ gung zwischen London und MoSkan, besonders. im 'Falle eines sozialistischen Regimes in Großbritannien,.Platz greisen. Aruh m Paris plant man gleichzeitig mit den emgekündeten U lte Handlungen mit Deutschland wieder eine Fühlungnahme mit Rußland. Man will sich in PariS für öl{e: fiät'e vor Isolierung schützen. Da die Möglichkeit eines dauernden Gs^ensatzes zu London besteht, will man sich die Tür nach Rußland o"en halten. Wenn diese aber von Moskau zu-e'chlagen wird, will Frankreich sich mit Deutschland verständigen und eventuell mit dem neuen italieni^chsoanischeu Bund kooperieren. Das alles hängt auch sehr vom Ausfall der.nächsten Parlaments») Men in. Frankreich, Italien/und- Deutschland ab, sowie nicht tn letzter Linie von der Endvicksung in As'en.. Man ist in Paris sich darüber klar, daß die Entwicklung der Verhältnisse in Indien und Südafrika von großer Bedeutung nicht nur für Snalands innere Politik, sondern auch für seinen Kurs nach außen und speziell feine Stellung zu Frankreich sein wird. ' Falls es zu einer Verschärfung des englisch-afghanischen Konfliktes käme, der Em'r von Afghanistan zum Kali'en — auch nur der indischen Mohammedaner — proklam erfc würde und seine Truppen in Indien einmarschieren liede — unterstützt von Moskau, bann würde England s'ch wieder vom Kontinent einigermaßen zurückziehen und das englisch-sranzösische Bündnis wieder befestigen. England will e'nMe'kS die Wahrung feiner Interessensphäre in Asien und Afrika auch um den Preis weiterer staatsrechtlicher Knnzeffio-'en an die Kolonien, andererseits aber verwahren sich d'e'e. je mehr sie an Bedeutung gckvintten, dagegen, daß sie in Zukunft für andere Interessen Gut und Blut opfern als für die e'genen und Großbritanniens. Die w e'.erhll'en Reden des fü^rikanischm Generals SmntS, die gestern von „Dailp Gravhic" mitgeteil!« Drohung Kanadas. sich dom Mütie.land zu trennen, sind der Ausdruck der Stimmung der Dominions, die nicht z'.:l.-.f'en wollen, daß in Zukunft die großbritannische Reg'erung französischen oder deutschenitalienischen oder ru'fischen Imperialisten die Kastanien aus dem Feuer holt. Damit aber muß man daher allüberall in Eurova rechnen, daß das großbritannische, über den ganzen Erdball sich ausdehnend« Böl'e-reich mit seiner aus so vielen Nationen und Religionen zusammengesetzten Bevölkerung in Zukun't, besou^e.'s unter einem so,'ial Aschen Regime, nach innen wie nach außen nur einen Kurs der nationalen, religiösen und sozialen Versöhnung verfolgen kann und will. » * Wenn man aber in ^wir und Berlin, in Rom und Moskau da"srnd eine an.ere entgegengesetzte Richtung einhalten würde und England eine Vermittlung in Europa aussichtslos ersch'ene, daun müßte es sich iu Verbindung mit Amerika von ber europäischen KonLiirerrtalpolicik wieder zurückziehen. Berus. Budapest, 29. Dezember. (Tel. d. „Wr. Mvv-enaeijiutg".) Die unumschränkts Herrschaft des reaktionären, willkürlichen und antisemitischen Regimes der Budapests Munizipal der Wallung hat heule ihr Ende gesunden. Durch eine Verlautbarung des Amtsblattes wird di« sasorlige Enthebung deS gegenwärtigen Bürgermeisters Eugen Sipöcz von feinem Amte und die Ernennung des gewesenen Staatssekretärs Kolo-man Terszyanszkh zum RegierungSkommiffSr fürdie Hauptstadt.verfügt. Der neuernannte Regierungs-konrmissär, der sofort seinen Posten anzutreten hat. hat die Vorbereitungen für die Neuwahlen in die Munizipalvertretung durchzuführen. Praktisch h» deutet dieser Wechsel' das Ende dcs wie ein Alpdruck auf der Bevölkerung schwebenden Gewaltregimes, das mit dm „Erwachenden Magyaren" geradezu in einem Bündnisverhältnis stand ltmfc all« Schandtat« n der Bombenwerfer begünstigte. Die bisherigefogenann-te chrWchnationale Mehrheit. ein reaktionäres Mischmasch aller nur möglichen politischen Abenteurer und Pogrom-' Helden, wird durch die Neuwahlen voraussichtlich einem liberalen Regime weicktzn müssen, das im Verein mit den Sozialdemokraten di« Mehrheit in der Budapests Gemeindestu>be mnahaben wird. g(ob£ grer&*-B iköre Für Silvester! Punch* l’Ananas Grand Seigneur Grand Mystöre Cordial Hobieure ftab&treuse Hobgfleur Triple-sec Echt nur In dlessr runden Flasctienfornl Alleinieer Erzeuger Dtmaee Hob*, Qißnder der LtW ttiarkeHobä ii. einziger Träger des Namens Damase HoM 4. Tsl.24229 Zuden vnd Araber. Von Universitätspraftsior Adolf Strauß. Wenn das Volk Zions in Palästina eine Heimat finden M, so mutz es vor allem lenes, Volk, kennen lernen, unter welchem es leben wilU ES ist wicht nur daß mewfchlrchv, sondern auchdaS nationale Bestreben jedes Zionisten, diese Kenntnis auf die Höhe tief innerlichen segenseitigen Verstehens emporzrcheben, Zeder Neugründer von Zion wird von dem Bewußtsein seines nationalen Berufes er- Mt. Cs ist nur selbstverständlich. daß jcder neue Heimatgründer das Wohl der ganzen Nation sich vor Augen halten und jede wünschenswerte Freundschaft pflegen wind, damit möglichst wenig NeiiburgZflächen und Gegensätze aufta-uchen. Wenn Reibungsflächen unausbleiblich sind, so müssen sie zur Beruhigung und im havmowischen GiniverstÄnidniS beider Völker beseitigt werden. Das gleiche müssen wir auft von dem anderen Volke, von den Arabern, vorauSsetzen. In dem Matze, in welchem die Araber zum vollen Bcwußtsoiri ihres eigenen nationalen Interesses erwachen, weifen sie d'e teils von selbst, teils durch fremde oder feindliche Beeinflussung entsdebenden Einflüsterungen von sich, di« zwischen dem avabifchen und dom jüdische« BM «inen dauernden Gegensatz schassen wollen. DieS ist meinerseits nicht bloß eine Borairsfehimg. Ich will jaurn Beweis meiner Ansicht aus die vornehmste und bewußteste arabische FLhrev^risönl'.chke't, auf den Emir Faisul, veowsistn,. d:r als Präsident der Hcldschas-Telegation an der Pariser Fricdentkonferenz te'lnahm und am 1. März 191S an Prof. Felix Frankfurt e r, den Frieder dde legierten der ameri-baMschen ZW* nisten, das folgende Schrsiben gerichtet hat: „Meine-erste Derühruna mit den amerikanischen Mo. nisten —so schreibt-der arabische Emir — möchte ich da>m benützen, um Ihnen das zu wiederholen,, wis ich Doktor Weizmann sowohl in Arabien olS auch in Europa bereits häufig gesagt habe. Wir vertreten -die Ueber^enMng. daß Arab.-r und sluden na-he Rassenverivaydte sind, dis gliche Pcrsolauna.en erduldet haben und durch eine glückliche Füiung in die Lage gekommen sind, gemeinsam den ersten Schritt zur Verwirklübuna ihrer nationalen;stdeal,> zu tun- Wir Araber namentlich die gebilloeten unter'uns, ver^'^n die sionistische Bewegung mit der t i e f st e n Sttmpathie. Vnsev7 hiesiae Delegation kennt geusn die Vorschläge, welche diezionistische Organisaiion gestern der FriedenSkan.ferenz unterbreitet hat, und wir halten diese Vorschläge für oemäßigt und gerechtfertigt. Wir w:rden uuserersei'S alles Mögliche tun. um Ihnen zmn Siege zu u^chelsen. Bei unserer Rückkehr in unsere Resinat werden w.r bk Juden mit einem her;'im.m Vii!kon-inen begrüßen. Wir standen mit den Führern sU)rnr Betnegun-!,, namentlich mit Doktor Weizmann. stets im engsten stontalt. Tn scr Kontci-kl be» D i e n ft € ft c 11 \ ft 11; ich hoffe, daß wir Araber alsbald iu der Lage sein werden, die Güte der Fnden zu erwidern. Wir arbeiten zusammen an der Reusch-asfung und Wiederevwecknng des Orients, und unsere beiden Bewegungen ergänz'.'» einander. Die Mische Be» wegung ist eine nationale imb feilte imperialistische — unsere Bewegung ist natieuia! und nicht imperialistisch. In Syrien ist genug Raum für unS b'ide. Ich glaube daran, daß wir im Iv'erefse eines wirklichen Erfolges aus einander ange« wiosen sind. Lowe, die weniger gut informiert und wen-iper verantwortlich sind, wie Ihre und wie unsere Führer. Leute, w lche die Notwendigkeit der Zusammarrarbeit der Araber und Zionisten nicht kennen, h^ben den Versuch gemacht, ans jene lokalen Swwieriglkeiten hinwweifen,. welch« im ersten Entwicklungsstadium unserer Bewegung in Palästina notg drungen entstehen. Einzeln dieser Dante haben, wie ich befürchte. Ihre Wünsche in den Augen der arabischen Bauern, unsere Wünsche in den Auaen der iüdiscbgn Bauern in ein falsches Licht gestellt. Sie haben diemit dem Erfolg getan, daß nunmehr die interessi rten Parteien Kapital auS dem fchlu-a-n. was man als zwischen unS bestellende Differenz bezeichnet. Ich wümiche Ihnen rwoine beste Neberzettgung auszudrücken, daß diele Differenzen nicht aus prinzipiellen Fr-cvgen, sondern bloß auS Detailfragen bestehen. und daß sie solcher Natur sind, wi..' sie bei der Berülhrung benachbarter Völker MausweMich vorkomme» müssen. Gegensätze, die bvi einigem Wohlwollen aus beiden Seiten oleich beseitigt w'rden können. Eine genaue Kenntnis wird fast alle Gegensätze bestimmt zum Schwinde« bringen. Ich und mein Volk blicken ' einer ite&mb «ntgrgrn, in welcher Sie uns und wir Ihnen besten werden. Sö vaß bie Länder, an welche uns gemeinsames Interesse knüpft, von n:uem eine Roll« in der Gemeinschaft der Kulturvölker der Velt spielen können." Dieses bedeut sänke Schreiben ist mehr als ein Brief — eS ist ein Dokument, welches die politische Grundlage da.für bietet, wie die beiden Volker zusammen wirken sollen. Gleichzeitig dient als Beweis dafür, daß ein Zusammenwirken mit den Arabern nicht nur dem Mischen Volke, sondern im gleichen Maße auch den Arabern wünschenswert ist. Dieses Dokument anerkennt jedoch bereits, daß die Z'wnisien der arabischen St che große Dienste geleistet haben und daß daß arabische Volk sich -für diesen Dienst dankbar erweisen wird. Es steht zweifellos fest, daß Emir Faisul, «lS er diefeU Brief schrieb, einen wahren, aufrichtigen und den Verhältnissen entsprechenden wichtigen Standpunkt eingenommen Hat. Den Skeptikern, die an den Dank der Völler nicht akauiben und der Ansicht sind, daß wechselnde politische Verhältnisse frühere Auffassungen aus dem Gedächtnis der Völker streichen, erteilt das Schreiben gleichfalls eiLeAntwort, indem es aus das große, dauernde, gemeinsame IXereffe. die gemeinsame Arbeitsteilung und Berwandtsck-aft der leiden Völker und auf den lokalen Charakier der etwa auftaucheuden Gegen"'tze hinweist. Wenn das arabische Volk fein ebenes Interesse wohl boareist, so können ihm aus der zionistischen Sache so zahlreiche und außerordentliche Vorteile erwachsen, daß diese weitaus schwerer in die Dag schal« fallen als die partiellen Nachteile. Andererseits ist die Angelegenheit des Aufbaues Palästinas für die Juden so unermeßlich wichtig, daß man im Interesse dieses Zieles vor Schwierigkeiten und Opfern nicht znrückschreckm darf. Seither hat Faisul, fflvtt als König von Mesopotamien, vor der Bagdader Judengemeinde bei mehreren feierlichen Gelegenheiten gelöbnisart'.ge Erllävungou m dem gleicht» Geiste und mit den gleichen Gefühlen abgegeben. Das jüdische Volk stand im Laufe der Jahrtausend« in engem Kontakt mit dem arabischen Volke, welchem es nahe verwandt ist. Sprachl'ch ist die Verwandtschaft zwr-- schen Leiden Völkern so grctz. daß die Sprache des einen nachgerade als eine uralte Erscheinungsform des anderen angesehen werden könnte. Aber auch bezüglich der Vluimlschung und des RassLUcharakterS gibt cS kaum ein Volk, welches dem jüdischen so nahe stände wie das syr^ch'Mlastinensische Arabertum. Wie weit diese jüdisch-arabische 6erwandtsrhast, zumindest im Bewußtsein drr Jslambekenner, in die Vergangenheit zurückreicht, wird durch alte, an me Bibel anknüpfrnde Sagen erhärtet. Danach erblicken drr Araber vom Jemen in Jrltan, dem Sohne des jüdischen Erzvaters Eber, ihren Ahnen, die Novdaraber hingegen iv Jsmael, dem Sohne Abrahams. Beide Gruppen verweist^ arst die jüdische Abstammung des gawzen ArabertumL Spätere t Äreipe dec Zaerzählen von Niederlassungen der Juden int :t Araber. Sv sollen sich zur Zeit Josms Juden t« m d°L m» S-Ml i» N-rdarabi«. *, 7407918