Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1750 (30.12.1923)
- Date
- 1923-12-30
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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MmWMsrUMIs Wie» - Zwo Abholen in der Expedition,II„Taborstr.l-3, oder meiner Verschleisstelle (Trafik) monatl. K 28.000 Strassenverkaaf in Wien dörch die Kolporteure der Firma Goldschmiedt,L Beau, Wollzeile 11. - Mit Postvereand für Wien n. Gestern monatl, K 28.000 Tschecho-Slowakei: Mon. K17. Jugoslawien: Mon.Dinar50.Polen: Mon. polnische Mwk 2,200.000, Deutsch!.: Mon. Gold* mark3,—, Frankr,, Belgien: Mon. Frcs. 10 DU» Naebs« blungen MW bä Preisexfeohuiifen Vorbehalten Mutter, dein Kind mit letiet TABORÖTft ^b(li«cfie>9lov«kfllit tschech. K 1,- Italien: Monatl. 12 Lire Rumänien Mon. 130 Lei Bulgarien Mon.75 Lewa) Schweiz und das übrig« Ausland monatlieh Frcs. 3 Redaktion u. Administration Wien, IL.Taborstraasel—3 Telephone: 44.0*38,43-3-19, ab<Uhrabds.l9-483,25-282 Tel,- Adr.:„MorgenzeHan7f' Wien Oesterreichisehes Postsparkassen-Konto Nr, 150.693 Rr. 17 SO Me«. Sonntag. 30. Dezember 1933 S. Fahrgang Set '' »ertrag. Keine miMrische Mnmchung. 29. Dezember. fHavaS.) In Besprechung des fran^ösisch-lsche cho -flowaki scheu Bündnisvertragserrtwuvfes heben die Blätter mit größter Befriedigimg dessen wesend lich friedlichen Charakter hervor. Sie erklären, daß er die logische Folge der von Frankreich zur Aufrechtcthaltung der neuen Ordnung Europas bereits abgeschlossenen Verträge bilden werde, und betonert, -bcr Vertrag werde nach seiner Veröffentlichung dem Völkerbund vovgelegt werden und keinerlei geheime militärische Abma chung enthalten. Der „Mabin" bezeichnet -den Vertrag, -der im Geiste des Völkerbunda.bko'mmeus gehalten fei,.als eine Bekräftigung und Ergänzung der FriedensÄerträge. -Der ,-Gaackois" hebt als charakteristisch für den Vortrag hervor, daß er die KonflMsrnöglichkeiten böseitige. Prager Blätterstimmen. Prag, 29. Dezember. (TeL d. „Wr. Movgenzeitunvg".) Die tschecho-flowa-kische Regiernngspres-se weist 'darauf hin, daß der Vertrag sich zwanglos der tschecho-,flowakischen Politik für die europäische Konsolidierung einfügt und .einen ausgesprochen friedlichen Charakter trage. Seine Spitze richte sich, wie die offiziöse „Prager Presse" hervochebt, ausschließlich gegen eine Hohenzollern-Restauration in Deutschland, während ein d e m o k r a t i s ch e s Deutschland von ihm nichts zu fürchten habe. - Eine rückhaltlose Zustimmung findet- .der Vertrag Hoi öjewakrctifcheu Presst...... ,/Navodw Lischt schreiben: ,M.handelt sich hier nicht, nur um einen Unterschved in den ^Anschauungen rn dam Sinne, daß die Deutschen eine Annäherung an DeutschlaW lvünschen, während wir eine Mianz mit Frmvkveich Wolken, -oder daß jene den Friedensverträgen nicht zustimmen, während wir daran feschalten, sondern es liegt hier ein grundsätzliche r Unterschied zweier politischer WÄtanfchauuugen vor: Auf der einen Serbe die Deutschen und ihre Freunde, auf der anderen eine. Welt mit ganz anderer Mentalität in Theorie und Praxis. Irgendwelche Kompromisse sind hier nicht möglich, da es sich in diesem Falle um Lebensfragen unseres Staates handelt. Die Errichtung eines tschecho-slowalkifchen Nationalstaates, den einzig und allein die Erfüllung der VerpflichtMigen garantiert, die der pro- Mievbe Entwurf mit Frankreich beinhaltet, wird stets in jedem, auch dem gemäßigtesten Deutschen einen Widersacher finden. Hiev muß ein klarer, logischer Schluß gezogeir werden: Die tsechcho-flowakische Politik kann nicht eine Regierung errichten, an der die Deutschen beteiligt sind. . In der deutschen Presse erfährt 'der Vertrag eine entschiedene, weyu auch zurückhaltende. Ablehnung. Eine scharfe Stellung gegen den Vertrag nehmen daskkonrmunistische ,-Rude Pravo" und der „SozialdemÄrat" ein, die in dem Vertrag vor allem ' eine M ilitärkowventlon seihen, die die Tschecho-Slowakei vollständig den fvanzösisch-im'perialistlschen Beistrebungen unterovdneu soll. „Sozialdemokrat" meint, Be n e sch habe zwar durch den Vertrag der stark erschütterten Stellung Po in ca res einen großen Dienst erwiesen, es sei aber sehr fraglich, ob auch die. Tschecho-Slowakei mit 'dem Vertrage zufrieden sein könne. Der Ring um Deutschland. Rom, 29. Dezember. (Tel. d. ,Mr. Morgenzeitung".) Der Abschluß ver svanzösisch-tschecho-stowa'kischen Allianz als Frucht der Pariser Reise Masaryks und B e n e s ch' wird in seinen Auswirkungen sehr aufmerksam verfolgt, wie die. ausführlichen Kommentare der römischen Presse beweisen. Der „Messaggero" meint, politisch habe sich Paris die Unterstützung seiner unerbittlichen Politik g e g c n ü b e r Deutschland durch Prag sichern wollen, obwohl diese Unterstützung nach der Ruhrbefetzung keineswegs die einhellige Zustimmung des Volkes der Tschechö- Slowakei gefunden habe. Immer deutlicher trete der Plan Frankreichs he.rvor, mit den Nachbarn Deutschlands gegen dieses eineu politischen Ring zu schließen Militärisch ergänze die Allianz das bisherige französisch-tschechoslowakische Luftabkommen. Wirtschaftlich trete die tschechische E i s e n i n d n st r i e immer mehr dem französischen Konzern bei, der so seine Kräfw b i s zu r Beherrjchnug Eu ropas erweitere. Der Inhalt des Vertrages. London, 29. Dezember. (Tel. d. „Wr. Morgeuzeitung".) Der „Daily Herald" und andere.englische Blätter weisen darauf hin. daß der neue Vertrag zwischen der Tschecho-Slowakei und Frankreich sine Annäherung zwischen Frankreich und Sowjetrußland erleichtern wird. Frankreich sei geneigt, England bei der Anerkennung von Sowfetrußland zuvorzukommen, wisse nur nicht, wie es dies bewirken könne, ohne seinen bisherigen Standpunkt zu offensichtlich preiszugehen. Hier könnte die Vermittlung der Tsch<cho-Sloivakei von großem Nutzen fein. Das Blatt Werst ferner darauf hin, daß anscheinend in der Frage der Restauration der Habsburger und der Hohenzollern ein wichtiges Kompromiß zuftandegekommen fei, in dem Frankreich sich verpflichtet habe, trotz der Sympathien Porncares für ein ungarisches Königtum der Habsburger niemals die Restauration der Habsburger Zuzugeben, während die Tschecho- Sloivakei die Verpflichtung übernommen habe, sich einer Restauration der Hohenzollern und dom Anschluß Oesterreichs an Deutschland zu widersetzen. . ' Porncares Ankündigung, Frankreich habe sich für seine Rüstungskredit'- von Polgn, Serbien und Rumänien wertvolle Garanten geben lassen, hat die Sachverständigen des 'englischen uich des amerikanischen Schatzamtes veranlaßt, für die diplomatischen Vertretungen ihrer Pächte -bei düsen' Staaten Fragebogen .cmszüävbeiten, um. eiüs^tiq' .Gi 'KvcmktzrichlMebeMin <&*v rantieyeine Bee^nrrWbguntz j Pfamdr echt den Alliierten garantierten Kriegs- und Mer Staaten darstellen.. Englische Ansichten^ London, 29. Dezember. Der diplomatische Berichterstatter des „Daily Telegraph" schreibt zu der fränzösischtschecho-slowatischen Allianz, der Quai d'Orsay ha^ - niemals in. seinen Bemühungen gerastet, gegeEber Deutschland einen Ersatz für die frühere französischrussische Allianz zu schaffen. Die französisch-polnische Allianz sei als für diesen Zweck ungeeignet angesehen worden. Die Interessen und Befürchtungen Serbiens und besonders Rumäniens Liegen in anderen Richtungen. Die Erklärung, daß, während keine 'formelle nrilitärische Vereinbarung bestehen solle, die Fühlung zwischen dem sranzo'fifchen und dem tschecho-slowak i ss ch e n Generalstäb a u s r. e ch t erhalten werden solle, würde verhältnismäßig wenig bedeuten, wenn nichts 'die Tatsache bestündedaß der Chef des tschecho-slo'wäkischen G-eneralDbes ein französischer General ist und die berühmten Skodawerke sichjetzt ans tschechischem Boden und in Händen einer französischen Gruppe unter Führung Schneider-Creuzots befänden. Dem Bericht-' erstatter zuifolige kann ein svanzöstsch-tschecho-flowakisches' Bündnis interessante Folgen aus verschiedenen Gebietenzur Folge haben. Es würde bald zum> Eintritt Polens in die kleine Griente führen können. Eine weitere Wirkung könnte fein, daß die augenblickliche Tendenz Italiens zu einer -neuen Umgruppierung gewisser Mächte sowohl in Mitte'l- «wie auch in Südeuropa verwirklicht wird. Eine tschechische Gekläeung in London. London, 29. Dezember. (Tel. d. „Wr. Morgeuzeituug".) Die tschecho-slowakische Regievuug läßt im „Daily Telegraph" erklären, .daß die neuen Abnwchuugen nichts weiter darstelleu als die Formulierung eines f ch o n b e st ehe nd cnpolitis cheu Zu sta nd e s. Die tschecho-flowakischL Diplomatiehalbe nichts zu verbergen und werde, daher den Vertrag mit Fmukreich dem Bölkerbunv zuir Eintragung vorlegen. Verstimmung in Polen. Warschau, 29. Dezember. (Tel. d. „Wr. Morgeuzeitung".) Der polnische Gesandte in Paris, Zamoyski, der auf dcnr.Wege, hierher war, um hier die Entscheidriug wegen der U-ebernahim des A u ß e n m i n i st e r p o st e n s zu treffen, bekam heute die Weisung, die Reise abzubrechen und nach Paris zu rückzukehren. Die Mitteilungen über den fwnzösisch-tschechischen Vertrag haben, hier arge Verstimmung hervorgevustn. NLau erblickt in der sich anbahuendeu Verständigung zwischen Paris und Moskau eine schwere Beeinträchtigung der polnischen Interessen. Die Zsolierung Deutschlands. - 7. W i e n, 80. Dezember. Den vielen Hilferufen, die der deutsche Reichs kanzler und der deutsche Außenminister an die zivilisierte Welt richten, entspricht es wenig, daß die rechtsbovschewNfche Strömung offensichtlich den Schutz der Behörden genießt. Zwölfhundert Landesverratspvozesse sind gegenwärtig anhängig und richten sich in-ihrer Mehrheit gegen demokratische und sozialistische Persönlichkeiten oder Zeitungen. In einem Falle ist ein Frankfurter Blatt tvegen Landesverrats - unter Anklage gestellt worden, weil es Mitteilungen über Putschversuche der Hitler-Leute gemacht hat. In , diesen Erscheinungen zeigt sich das Doppelgesicht der deutsctien Regierung, die von dem Zentrunisnatglied Marx und dein Vol'ksparteiler Strefemann nach außen und dem Völkischen Emminaer nach innen rep', äsentiert wird, dem man just das Justizressort.übertragen hat., Än dieser Stelle wird der aen die Republik und die republikanische Verfassung geführt und die Autorität des Gesetzes für Zwecke eingesetzt, die dem Lebensinteresse des Deutschen Reiches direkt/ zuwiderlausen. Der Vertrauensmann der Nationalisten im Kabinett hält sich strikte nach dem Grundsatz, daß Paris eine Messe wert sei. Seme Partei hat, um ihren Anteil an der Macht zu ergattern,' sich, wie das schön heißt, auf aus . den Boden der Republik gestelst. Nachdem das erste Ziel erreicht ist, steht der Unterwüblurg dieses Bodens kein sonderliches Hindernis mehr im Wege und wo sich ein^ solches findet,', sorgen die Organe der RepuW äugenMnEernd und Lewassnet mit Schntzgesetz für seine Beseitigung. . . Derartige Symptome treten, wie die Erfahrung - öer-lvtzk-en^Jähre' lehvt,- ffttwer dann auf, wenn: das Reich in- Mvierrge ästßere- Verhandlungen verwickelt ist, trie seme'poMschL-'^r-äst' äbförbieren und es zwingen müßten, eine gewisse ' Uebererustimmüng zwischen seiner äußeren und inneren Geschäftsführung einzuhalten.' Aber die deutsche Politik ist nun einmal davon nicht abzubringen, daß Leide Tinge getrennte Materien sind und daß sie, wenn ihr das Ausland zu offen sein Mißtraiten zeigt,' mit einfachen Dementis darüber hin- . wegkommt. Sie will sich und anderen nicht zugestehen, : daß die Vorgänge im Lande immer Reflexbewegungen bei ihren Partnern auslösen, ja daß ein gewisser kausaler Zusammenhang besteh:. Die Völkischen arbeiten ünmer fo, wie das die ftanzoflsche Politik für ihre Ziele braucht, und das Echo all der Demagogie ist auch jetzt nicht ausgeblieben. Die ftanzösische Kamnrer hat knapp vor ihrer Vertagung dem Ministerpräsidenten Poincare ihr Vertrauen votiert und Frankreich hat nnt der TschechoMowakei ein Bündnisabkommen geschlossen, dessen Inhalt kaum sehr freundlich für Deutschland lautet. Zwarstvick der militärische Charakter geleugnet, aber es wird doch betont, daß der Vertrag eine automatische Sicherung gegen, die Rückkehr der Hohenzollern und - Habsburger bedeute. Er richtet sich demnach zugestandenermaßen /gegen die Hakenkreuz'lere-i und das mit ihr korrespondierende System in Magyarien, gibt vielleicht 'auch nach Wien- .ein verständliches Avis au lecteur. Im ganzen ist er, politisch gesehen, ein Gegenzng gegen die Strömungen, die der Minister Emminger unter seinen höchstpersönlichen Schutz genommen hat. Mit im engsten Zusammenhang . mit dieser Wirkung steht die Verschlimmerungen dem Stande der deutschftanzöstschen Verhandlungen. Eine halbamtliche Auslaffnng der Pariser Negierung analysiert das gestern gemeldete deutsche Memorandum als eine Negierung der seit Jahresbeginn im Rnhrgebiet eingetretenen Veränderungen, also, als die Rückkchr zu dem System Stinnes-Helsferich-Cuno. Das ist nur unter sehr großen Einschränkungen richtig, beweist aber, daß die politische Situation Deutschlands nach einer kurzen Pause sich wieder den: Abrutsch nähert. Dies kündigt sich auch in den Annä'herungsbestrebungen zwischen Frankreich und Rußland an, die in der Hauptsache sich gegen England wenden, also mittelbar auch Deutschland treffen, das wieder die Hoffnungen aus die große Sowjetarmee Moimmen lassen muß. Wenn man in Moskau gute Aussichten aus französische Kredite erblickt, dann verschiebt man gerne die so oft angeknndigte und ebenso oft unterbliebene Hilfe für das kämpfende deutsche Proletariat. Deutschland ist isoliert m\b es ändert blutwenig an dieser Tatsache, wenn nun auch Berliner Studenten das Numerus clausus-Geschrei übernehmen. Sie sind