Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1748 (28.12.1923)
- Date
- 1923-12-28
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Sette 8 Wien. Frekkaq M. Dezember 1923 Wiener **»r+emtUvtui. Nr. 17« ilmrnbrik „Wr Margenzeit««-^ Film und Kim Hrslfieint jede« Ireitag „Der Kersnpf um Lady Yoeelyn." , Es war eine ne^te Idee, diesen FiÜm n-m die VeihnnchtSzrn rrsckeiuen zu lassen, diesen Film, der in seiner Handlung! so le'-h-rst an ssbe-n- {tcmofbcwc Illuitrai-onen eines Veiynachtsbuches „für die rsi-f-ere Jugend" erinnert, ßk-ofte Indianerkä:n.pse. virtuos dur-chaeislchrtr? Dc-aenduelle, Seoo^cchte, Piraten, Entfi'chvuna..n und Befreiungen, edl-e Heldon, die alle Hindernisse überwinden. Imriaanten. die ihren verdenken Lohn erhalten — dies alles rollt in ewigem Weckfel ab. George F'itzmaurice^ der Regisseur dieser Kolossalfilms in hsslovischx-nr 6kwande, ging m>rt vieler Livbe und rrrraebeurcn Mitteln an das Werk, das Virginren und seine BorM^niss« im 17. Ichchunderk recht anschaulich schildert Daß er die Amerikaner scharf in Gegensatz zu dem damalige« Enaland, das rr cks eine einz-ir«, riesige Leitecha-le schildert, hinstellt. dcws schli-eH'ich nicht wundern. Ilm so schärfer profiliert dadurch die Handlung den Gegensatz der neuen Kolonie 311 dem cgs'stischen Mutterland und we-'t'i hiermit i'^-on st'im-n, deck ber^d' auf die Separaiionsnölrakeit Amerikas von England bn. Dadurch wird dieser Film für Amerika. eben dieser Tendenz tveorn, Wohl viel wertvoller sein als für uns. die wir hier eigentlich nur reiner Schaulust Geniioe tun. Und dieser wird n'cht wenig geboten. Aber nickt nur die kolossalen Massens'enen sind meisterhaft heraus-gearheire:-. auch die eigen'licken Spielszenen zeigen sehr gute Regie, ausgezeichnetes Spiel und sind reich an netten Einfällen und gelungenen MiÄeuhildern. Durchwegs ganz evlAoffig ist die Darstelluna. Ravmond Harros verkörpert mit viel Humor den sckwacksinn gen König James den Ersten und Theodor Kosl offs in riganicr Lord Carnal ist eine auSaezeicknete Hof'vpe der damaligen Zen und des vergnügten, festereichen Hofiebens. in dem auch William Dlxrkesveare als mißlveronüoter. zu wenig cmsaesührrer dramatischer Autor figuriert. Deity C 0 m p s 0 n verkörpert die unglückliche Lady mit sehr v'et Liebreiz und ohne sonderlich viel Würde. so daß sie eWTriid) mehr in ihrer verfolgten NwchrUd an ein urNer Rackennnoen leiid.rdes Schreibmasch-inenmädel eines modernen Fssavs erinnert als an eine dramatische Heldin des Ze-talters Sbake^ear-s. Bert Ly teil, der Darsteller ihres Helden, ist der typische "mge M->nn und Li-ebhaber des a-mcrrkrn'-'schon Fv'ms, der Glanzleistungen in dern'r auf Svor' und Edelmut in Nh vereinigt. Für obenso drastssck'n wie trockenen Humor soro^ ^er gu son reichlich. Ausaez-eicknet sind Photographie und Beleuchtung, großartig die slrlgetreue Ausstattung. CENTRAL-KINO Iiaiieni KHii'ninvann 8 l|.,Taborstros««8 Direktion : I. SCHULZ | HHj | Ab he«re bis 3t. Dezember 18» „Namenlos"« Gksktlschaftsdr^m, in6Aktr« mit Michael Var-konyi 8 WM t« rer Hariyrrolle nnk das übrige Program« > ffiM - Begwn! *,5, >/,*. llfjr - SH B,i Br-iiiunc, oui die Wiener Morgni-eirunq" D sur seweütqer, */45 Udr-B^rftrvong Jfcrflirp.fiff _B iHkH ROTENTURM-KINO WIEN, FLEISCBMAUKT1 P Ab heute bis 31. vereinter ' .Namenlos’ | ßeseilschafcadraina in 6 A. t«n mit Michael Varkonyl In der Hauptrolle ] and das übrige Programm 1 Beginn der Vorsfellangen: 4 V-4. 7*8 nnd l/t9 I'hr Berleitm -sik einer ers*kla»sigen Köns»lerkapel}* „Sumpf-lumen." Dasselbe Suict war schon zur Zeit der Prod'ck'ion der „Aufklarunassiiiue". Erzeugnna Berlin, im Anitta Berbercsken Milieu reichlichst da: Pens von s nädchen — Mama Spielhöllenbesiverin und Kupplerin — Großvci'er vä'crlickersmiS Ehrenmann, Erkennen der kompromittierenden Verwand l'ck"ss. Verschweigen dieser lxi der Heirat mit de:n Ehrenmann der dann nach drei Jahren die aan-e Scklmnestik van binnen herum erfährt, weil Mama, resvl-ktive deren Lau's. erpreßt. — Krach. — „Du bist wie deine Mutter!" — Große Se^enblähung. Abschied vom schlafe:'den Babv. Verlassen des Hanfes in blaugrüner Nacht. — Reue des Gatten. Dwderrindcn der Göttin, Verleihung. Umarmung. Großauwcibme. Abenden. — Ende. — Blei-bt nur Norma T aImada« in der Hauvtrolle übrig, und dieser Uni stand allerdings kann für das b'S ^im Ue>b-'lweckden da^we-s.'ne D:t'e^ eu^chüdigen. Ihr veracht man ille schon so oft ausaenützten Nuancen, «i'b't nur weil sie. trotz ihrer im Grunde genommen harten Gesich'Szüa«'. wirklich sch'm ist. sondern w)il sie es io amsoe.zc'chnet venstrh^. dies? fUlmis-chen Genleinplätze so vorteilboft um 'hre Pern'on -u drapieren, was man rindedinai, wenn auch nicht als K"nst. so dock- <£$ anerkennen swcr'es Kun^ilück recken wt'ß. Mevdin's da« man oft das GeMl, wen-n es io reckt ki'schi>a wird: .chidb? Norma Tai^madac. wie günstig lki'test du gcevirkt, wenn du die ganze Rolle und den oanzen d iner Schwester Eonstonce ückerlaiien härtest. Als Pensionsmädel wäre die ficker besser geweisen und deine aroßange-lc-gte DromatÄ pdb* ja dock im Ki'lck unter." — Die ütbrigen Darsteller, deren Namen locker nickt genannt find, tckoen s<ckr scköne Leistn-n^n. Außer rlm-n lind Regie und Phv'ographie imstande, eine-m das schaudcchaste Dufe-r möglich, sogar sehenswert zu machen. „T«s Martyrium eines Stiefkindes." sDadrd Copperfield.) Die Werke Charles Dickens hoben fckon immer zur Berfilmuti-a dreist und es i't e'-vn'-'ick r<'r1v"N'd"'^'!ck. daß diele Amobiographie des Sckri'-ltellers so spät dem Film verfallen ist. Der lchwed'rscke Re-ckü'eur % W. Landberg har es wundervoll verstanden, in den G-eii't d's Autors eiuv'drln>"en und so wie Dickens leine M-'nscken lcki^de.". so tr^en auch hier auf die Bildstöcke. Prächtig sind die Tvven d-r cintzelneu Personen herauk-oearbeitet und es ist fast uniaftbar. wi" es nröalich wurde, in dem kurzen pdlMutri. den eine Kinovorstellung 4imsaßt, genau fo viel zu sao.wi. genau so die';u -eb.'n wie das dicke Buch. — Rer-end rt di' Ge't-a't des hi-lstosen Kna-ben in den lln-billon des tä^'-ltzeu Löbens, die iober'p'bensaroß über ihn hereindrechen und mit ihn: stmroboll 'vielen. Kaum wurde semcls das Marty-rv'm eines Kindes beüer dargestellt als hier, wo dieser kle-me Bob mit immer neiwm und wachsendem Erstaunen sich des ßteschickes Walten ansaoletzt sieht, um schließlich zu seiner Bertvunderüng aus all dem Wirrwarr den reitenden Ansoana zu ftnd"n. Und auch über semem späteren Lgben liegt das Walten einer püt-igeu Vorschuna, die immer wieder die Wunden zu lindern und zu heil.-n weiß, die sie selber schlug. — Der Fi-l-ut spricht so viel DrÄ'^»'^e2 zu dom Beschauer, daß er gttne veva'.ßt, daß die traulichen Räume mst der niederen Decke, die von so vi<l guten und lieb-n Mäuschen hevölLer: werden, nur der truae-den Leinwand anaehören, und läßt sich gerne in d-'s ^ngst vergessene Lan> zurückfschren, das dieses Buch einst, die ^'hontüsie beV^b-'n^ in der Kündheit sckus. Der Film gibt Trost — das reWte Geschenk, das ein Film in d'eser schweren Zeit Marschen geben kann — und damit die teste Zuvevsicht, daß alles schließlich einmal besser werden muß. Kann man von einem Fttm mehr und Höheres verlangen?! — Was den Fr'm stUb't onbelanat, muß er in jeder Hinsicht und in allen Belangen ganz erstklaM genannt werden. Die Filme der Woche. „DaS Martyrium eines Arztes." Der uitgarische Dramatiker Emmerich Föl>des hat nrst sein-ein Sckioiiispieil „Der Kurpfuscher" einen sehr großen Ersobsi erqielt. Er MlÄert eine tiesgreGende, menschlliche Tragödie eknes fungcn Arztes, der bpioirt (DER SCHARLATAN) Pa «Märtyrern eines Arr'es - Nach dem Schauspiel von EMMERf CH FÖI.DFS. — Für den Film bearbeit von LADISLAUS VAJDA Regie: MICHAEL KERTESZ Hauptdarsteller : MICHAEL VARKONYI MARY KID HANS LACKNER KARL FARKAS Vom 28. bis 31. Dezember: Rotenturm«X!no 1, Fleisc markt 1 MUnstedt-Kino, 11. Auä$tftlliins»strasse 143 CentrelaRino, II.. Taborsirasse 8 tz Eos-Llchte^luSCy III., vgar assH 60 ZQ»tralpa!aat«KinOy V'II.t M:inahilfe<-strasse 120 Vom 1. bis 3« Jenner: Burg>XBitOt l.. Opernring 19 p Gardenbati'^lno I., Parkrine 12 TuehMuh?7i-Kino, 1. Tuch'aobP'i 7a MUnsl««K-?(inoQa^s!, II. Ausstoilungsstr. 142 L&wen*Klno, lll Löw^ncaasp 88 einen h -fsnun"?sn8 erkr^ns'en Freilnd durch einen DieUtahl re^te>n will, um ibm durch dos so borMfte (!>^'d die Mbg'ichkei' zu bie'en, n^ch dem Lüd-m zu reistn. um dorr Änderung icknes Leid ms m finden. Auf der Höste der Wissenschaft und des Ruhmes an^e'angt, ocfr Arzt an dem aus reinster Menschenliebe be-anoenen Brrbrcck^n drr Fvoendr-rit zugrunde. Die-es Z'ück lx>t Ladislaus Vasda zu dem Vorwurs -nnes grandiosen Fll^wersts genommen, toelckes uwer dem Titel ,^N a m e v I 0 s" l,.Dcr Tchurlotan") twn Dlich'v! Kertesz inszeniert worden ist und vor kurzem die Kuirstwerikstatt der Daicka verlassen ha». Hier ist einmal ein wahres Kantmerspiel des Fi^ms entstanden, e^n Filmwerck. das durch stitw glänzenden sckonsyi-eleruck?n L"'sttrn>a.^n und d'e geniale Kunst des Regisseurs die hechten Erw"N''n^eu erfüllt. Die Preslevorfüstnrng dieses treuen Sascke^tz^ms s'ndet heu<e um 6 t?str abends iu den Eos-Lichts.pi"'len. 3. Ber. Nennweg-Ungaraasse 09. statt. T'e Hauptrollen spiel-on Michaeli Varkonhi, March K i d nutz Hans L a ck n e r. „Ein fideles Eelänanis". Filmlust-chivl in fünf Asten nach der Opereite „Die FstdermMs" von Johann Strauß. „Der Gefangene aus Kastell d'Ts." Abenteuerdrama in zehn Mten nach Alexander Dumas derühintein Roman, st-raestellt vun der amerikanilicken F>or->F-!>'m-Korvaration Die Erlebnisse des Grasen von Monte Ehr'sto bilden einen der packenden Nckentenrerromone der Wel'-liwr-atur und es ist -echt naheliegend, daß dieser großartige Stofs auch >den Fülmrea.i'sc.-nr reizt, an ifm seine Kunst zu versuchen. Fm vorli-e-'end-'n Falle ist dieser Versuch glän'.end aelunaen. Gin erkesenes En'emble erst-r anierikanWer Darlleller und Darstellerinnen, darunter Föhn Gilbert als Dan^s. Estelle Talllor als Mercedes, Virginia Fairn als Pr-inizesfin Hayde-e. erweckt die Gestalten des Romanes zu neuenr Leben. Insz.en'.emrng. Bauten un,d Ausstattung zeigen amerikanische Großzügigkeit. Lop>n?l,' ISZ4. Nalbdrniverdotr». J, Ladyaehnilofl-V.rlag, Berlin. (42. F-Uietznoa-. Snkel Moses. Roman von Schalom Asch. Irgend etwas in seinem Herzerr zweifelte an seiner Kraft. Und seine böse Lnst brannte darauf, dieses Etwas in feinem .Herzen zu überzeugen, daß er seinen Vorsatz aussühren werde; Onkel Moses murmelte vor sich: „Ob sie will oder nicht, sie muß Kinder haben." Jemand trat an feinen Schreibtisch. Der Onkel hob die Brauen und sah Maschas Bater Aaron bleich und erschrocken vor sich stehen; er spähte nach allen Seiten, ob kein Lauscher in der Nähe wäre. „Onkel, es war ein Mißverständnis. Das Mädel hat dann die ganze Nacht geweint. Sie weiß nicht, was eigentlich über sie gekommen ist." * Der Onkel wußte, daß Aaron log, daß er all das nur deshalb sagte, weil er um sein Brot Angst hatte. Das war. ihm jetzt attgenehm zu Höven. Er steckte den Kopf in dm Brief, ließ Aaron reden und tat, als hörte er nichts. „In ein paar Tagen wird sie wieder nüchtern sein; dann soll der Onkel kommen. Alles wird wisder gut fern." „Ruhe, darüber ist nicht mehr zu sprechen. -Habe keine Angst, ich werde dich nicht vor die Türe setzen. wenigstens vorläufig nicht, solange du keine andere Beschäftigung hast. Aber du begreifst ja dich und deine Leute aushatten wie bisher — davon kann keine Rede sein. Mascha bedeutet für mich jetzt gar nichts, sie sagt selbst, daß sie mich nicht lieht. Ich habe gar nichts gegen sie. ich wünsche ihr das Allerbeste, und wenn -‘Mi einmal die Mitgift für sie brauchst, felbstverstandlich. wie jeder von meinen Lands-teuten. Aber du begreifst, daß es besondere Begünstigungen nicht mehr geben kann. Wenn du bei mir mir blei-ben willst, so wirst, du wieder in die Werkstatt müssen; wenn r''cht, so werde ich dir gute Empfehlungen geben." „Onkrl, was spricht der Onkel da? Es ist doch gar nichts geschehen. Das Mädel wird doch blamiert — was spricht der Onkel da?" Dom Onkel tat es wohl. Er legte den Brief weg und blickte Aaro-n an. ' „Sam!" Sam lief herbei. „Wie hat er doch z-n .Hause geheißen?" der Onkel deutete aus Aaron. Sam traute se:nen Ohren nicht; zögernd an^.vortete er: „Ich glaube . . . „Gorgel". „Borget ist gut", der Onkel erhob sich und verließ den Laden, ohne^ Aaron eines Blickes KU würdigen. „Dam die Bestellung für Baltimore muß bis zum Ersten geliesevt toerden, verstanden?" „Yes. Onkel." Der Onikel trat aus die Straße. Er wußte nicht, was er anfangen sollte. Die böse Lust brannte noch in , ihm, und um sie zu kühlen, ging er zu der Frau vom Restaurant (was er nicht mehr getan hatte, seit er mit ihrem Manne übereingekommen war). Er nahm sie in ein separates Zimmrr, setzte sich nahe zu ihr. und beide aßen gebratene Enicir und tranken Lique>ur dazu. Der Mann, welcher jetzt des Onkels Häuseradministrator war. mußte die Leckerbissen auftragen rmd beide bedienen, und Onkel Moses ließ sich von ihm die Schuhe ausziehen. Er bctrank sich (was selten vorkam) und blieb bei der Frau die ganze ^Nacht... 13. Mascha kommt zum OnkeL „Was wivd nun werden, Rosa, was?" Aaron Melnik weint«. ' In ßinem Heim herrschte tiefe Verstimmung: Seit ein Paar Tagen waren die Zimmer nicht aufgeräumt. Man aß und schlief nicht. Di« jüngeren Kinder kamen vom Lande zurück. Cilli, welch« als Kind, als Aaron noch in der HoPki'Nsstreet wohnte, so gern Kino gespielt hatte, war jetzt ein erwachsenes Mädchen und besuchte das Lyzeum; sie hatte schon den Ehrgeiz, selbst Braut zu werden, und wehklagte und weinte debhalb am stärksten, daß die Schlve« ster sie unglücklich mdje. Die anderen Kinder, welche schon im Wohlstände ausgewachsen waren und nur noch wie im Traume sich der Armut in der Hopkins-street erinnerten, fühlten das Unglück mehr als sie es verstanden. Sie weinten nicht, doch sie dingen kindisch bekümmert und ernst umher; ihr kin.dlick>er Kummer machte mehr Eindruck aus Mascha als des Vaters Tränen. Die kleine Lea, Maschas jüngstes Schwesterchen, das von Kindheit auf gewöhnt Ivar, die „American Lady" zu svielen. und unaufhörlich das Englisch im H.'use korr'gierte. blickte mit ihren Kinderäugen Mascha an. Mascha war Leas Ideal und sie fand keine Worte. Sie fühlte: Wenn Mascha so handelte, so nmßte es so sein. Der Vater ging hilflos und schwach wie feine Kindel mit verbundenem Kopf in der Wohnung umher und rang unanifhorlich die Hände: „Was soll nun werden, was?" Den Juden schreckte die Armut, welche ihm bevorstand. In seiuem Leben besaß er gar nichts, weder Glaube? an sich selbst noch Energie, nur die Gunst des Onkels, welche er mit dem Glück feiner Tochter erkauft hatte — iHtb diese Gunst stand in Gefahr; gefährdet war fein Erwerb, sein Leben, sein tägliches Brot, sein« Wohnung. Cr sah sich wieder in den Abgrund dersrnken, aus dem .» sich empovochoben hatte. Er verlor da8 Gewicht um welches er in der Zeit, da es ihm gut ging, zugenommru hatte, und sah wieder aus, wie zur Zeit, da er in der Wevkstätte beim Onkel arbeitete. Nur Maschas Mutter, Rosa, ergab sich nicht. Erst lachte sie über den ganzen Vorfall: Das Mädel hat sich etwas in den Kopf gesetzt, wenn sie es ülvrschlafen hat. wird sie wieder nüchtern w'vden! Doch als sie sah, daß das Mädel es überschlafen hatte und drch nicht nüchtern wurde, da begann sie Mascha zu erklären, daß sie schon kein Recht habe, zurückzutreten. (Fortsetzung folgt.)