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Wiener Morgenzeitung · 1923-12-28 · Heft 1748 (28.12.1923) · p. Seite 5

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1748 (28.12.1923)
Date
1923-12-28
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 1743 Wien. Freitag Bereinr, Sotttfjge »vü Tersk«mlu»srn. Z. M. L. I e d i b ä q. Morien Samstag, ‘/910 Hf'r vormittags, im Bindoboua-Kino. 20. Bez., Wallensteinp^tz 6 - 5!, Aufführung des berühmten Film« ,.D a S neue jüdische P a l ä st i n a".zugunsten deS RationalfowS. Urania. Heute, 6) r o ft e t Saal, 5 ttbr: Die Besteigung des Mount Everest. */.,8 Uhr: Tad Singspiel. Tie Opernprobe. Tie A'üruberger Vuvpe. — Kleiner Saal, '/,<» Nbr: Dr. Fritz Schuld of: Leben tunst. ‘/,8 Uhr: Prioatdozert Tr. Rudolf A I lerS: Erkenntnis und Beurteilung deS Mengen. V. — K u r 8 s a a l. Kl Uhr: Ing. Architekt Emmerich SiepriS: Wiener .Hmiszeicken. 8 Uhr: Tr. Robert Ä l u m a k: Einsi'chruna in die Astronom'e. — K l u b s a a l. 6 1!hr: Univ.-Lektor Ferdinand M a t r a 8: SvrechkurS. UI. lL8 Uhr: Tr. M. V l a ch^ Hans Baihinaers Philosophie des Als Tb. I. - Lehrsaal U. 8 Uhrt Hosrat Ing. Josef L ö w y: Grundlagen der Wechselstrom- Aektrotechnik. V. MHne und Kunst. Konzerte. Ein von Furtwängler geli+etcS SympHonstkonzert ist immer -in Ereignis, mag man auch mit der Willkür und den Eiaenmächt-i-gikeiren des Dirigenten in letzter Zeit nicht ganz -einverstanden s in. Wie vor Jahren, als Furnrängler zum ersten Male in Wien Beethovens „N un.e" dirigierte, fühlt man auch heute das heilige F-aier und die stammende Begeisterung mit welcher der nachschafscnde Künstler glvich einem Neuschafsenden am rle ist, man sta-unl über die großartige Plastik, mit der er die melodische Linie bieder, über die technisch' Durchqrbei.'-uug, die sonst unbeachtete Nebcnstimmen in Helles Licht rückt. Auch diesmal waren Allegro und Scherzo der „Neunten" ganz in rhnthmische Energie getaucht und das Finale — unter MimirkPig de8 Singvereines und d s trefflichen S-oloqnartetts 'Ki urina, Nulschka. Maikl und Mayr — ka-m mit hinreißendem S-ckwunge heraus. Im Adagio jedoch machte sich ein nervöse Unruhe grl cnd, weiche eine gewisse Gefühlsarm»! nicht überdecken konnte. Auch im letzten Abonnemenkonz-ert des T o n k ü n st l e r o r che st e r s, in welchem Funwängler mit nuswi'chlender Leidenschaftlichkeit Schumanns D-Moll--Symphonie und voll Elan Beethovens „Achte" dirigierte, war auf die technische Bravour und ans wirkungsvolle Kontraste mehr Bedacht genommen als auf die ursprüngliche vom Herzen kommende Gefühlswärme. Wir schätzen Furtwängler als den bcdenlcndsten deutschen Konzert« Dirigenten und gerade darum bedauern wir es, daß auch bei ihm wie bei so vielen Zeitgenossen das immer noch wachsende artistische Können stärker ist als die Quelle des Gemütes, die dom 5-erzen zum Kerzen fließt! Ein Fest ganz eigener Art war die Ausführung von Brahms' Requiem -durch den Opernchor unter Direktor Schalks Leitung. Bocher hörte man Brahms zu selten er« klingende „Deutsche Fest- und Gedenksprüche", erlesenste Vokalmusik voll herben srühdeutschen Klangreizes, die vom Opernchor in edelster Reinheit gesungen wurden. So schon singt eben nur ein „Berufschar". Auch BrahmS' Requiem, dieses letzte mächtige chorische Bollwerk einer großen musika« ckschrn Prgangenheit, erklang in unsehlbarcr Sicherheit und in schönster musikalischer Durchleuchtung. Fr-cru Schumann — recht gewandt, doch zu sonbrewenhafl — und Herr D u h a n in priesterlicher Gindringlichk it sangen die Doli. Man merkt der „S ch ö p f n n g" von Bator Haydn, die weit über hundert Jahre alt geworden ist, noch keine Spur von Altersmüdigkeit an feirr rlci Fälschen oder Runzeln in dem ewig jungen lächelnden Antlitz. Noch immer leucht« sie herrlich wie am ersten Tage und das Lob, das sie dm Wunderwerk der Weltsch-ölpsimg singt, wird immer wieder zmn Lobe -cs Wunderwerkes Bat er Haydns, ihres Schöpfers. Man vergißt an Atonalität und probstmschwongere Mnsikgegonwart und genießt die himmlischen Freuden dists seligen Tierparadie'es mit „Bich und kriechendem Gewürm nnd Tieren der Erde nach ihren Gattunaen". Mt umso behaglicherem Schmunzeln freut man sich dieses goldenen musikalischen Zeit« altl.rs, wenn es dem Zuhörer in so liebenswürdig -onheimcln« dr Weise geboten wird wie letzthin in der von Paul von Klon au gesc-'neten Ausführung, in welcher die Singakademie und der kaufmännische Gesangs- Verein mit Hellem Eifer mimürkten. Recht tückxig Elaire Born und Richard Tauber in den Solopartien, sie alle überragte Richard Mayr mit seines wunderbaren Basses Wärme nnd Grundgewalt. flh. Siegfried WagnerS neueste Oper. Im Rahmen eines .;.r:’>'T- -i Nu--- y jm iV i> i| r rf r v S ^d'.sl''"«er stattfand. g-Zauoie bst neueste Oper Siegkri>.'d WagnerS „Der S ch m i c d v o n Marienburg" zur Nranflühruna. Sieg, lried Wagner, den ein Kritiker einmal den ..nnwagner? ckuste'n der beut.gen Tondichter" genannt hat, wandelt auch in diesem We>>st e,>g'-ne W-e.ge. dl" von dnm so'-nes bm'tlvn'en B-o.ers Ruck-ard wer c'bbiev'n Es ist sti'-td»' »nd d'-rcha^s hrä'che M.-Kk» dv?s'n">! rench an sch>m.'tt. a>nipreck>''ck-en Madien. Bes.ortidnv" Boif-all iho.'.'e V>8 B.on'i"'vl und das Fzin-ale des :z>tv»iit-en A'k'es. Es war c>iu sta-1'er E'i'olg Charlie Cha-Plln wehrt sein geistiges Eigentum. Ehanlie Ehe.pion -lob: uu e illeche der lltzb.'unnio 'ug, -d'ß wicht nur s<>iue Davstclb''ug. sonl-erin auch soin-c o'lstönelle ärißeve Austmackung soiu Esten, imr ilst nnd deshalb auf gesetzlichen Schutz Ausvvuch Hst. Er bsstellbuH ietz-' .g'-ren <d"n Fii'ini.atzst.stier Wrll'st West, der t>w<; fc<Vc-3 a-nq<i.'!säck l'ii'-cheu Nauuens mexikan.!- sch.'r Hevku-M ist. eine Klane wov.n Pia-eiq,ts und n.n'la.u>eren M.ch.tiü'Awer'öos auwestrcua.t. Der Betzklag/e siohi den Prozeß uo'-t -voller Nitlste en<igege-n uud erlk. an: den An>f>oruch Ell.ia'sti'us für völlig gvn-rch'os mit dem E''n>re'iS, dgß ElharSie weder ein Palen-t ^n-och oitzd Monopol -auf d'-e kurze Jacke die vie''enha-cn SchuiheE nu>o soi-n stii-ome-s, läck-etzi-iches -Schnitirr'bär chm he>bc, des West üstr'>''ens scheu vor lllh-rnlie gevr-ugon hÄbeu will. In Lm«v.,kaniischc,n F'i'.'mkre->sen sich, man vorn Ausg-aug dieses Prozesses irj'm großer Dpannii-ng entgegen. Aus den Theatern. Burgtheaterr Morgen um 7 Uhr „A t o n i n S «nd Cleopatr a". A k a b e m i e t h e a t e r r Dkorgen nm halb 8 Uhr »Die Frau von v i e s i g Jahren". Wiener MoraerszeUuriA. Kammerlviele: Heule und morgen um 1» Nhr abends finden die Ab-chiedsvsrstellunaeit Brette G u i l b e r t S nnd ibreS Ensembles statt. V.-adawe Guilbert bat für diele Abende ein nenrd Programm gewühlt. F-Ür Sonntag den 80. d. nm l0 Uhr abends ist die Prenstere der Revue-Overette „D i e D a m.e u vom O l y m p" von Rudolf Neklch angesetzt.' B o l k? o v e r: Heute „Maskenball". Morgen lSamstagl findet unter der Leitung deS Direktors Feliv Weingartner die Erstansiii''tnng von Anders „Tie S t u n> in e r o n R o r t i e t" statt. In der Titelpartie gastiert Frau Weingartner. Hakenkreuz «nd Sahobrlrieb. Die Zustande auf -cm Franz Joscfs-Bahnhos. Ein recht e'lgentüml>'che§ Licht auf die Zustände im Franz IoW-Bahnhof warf der gestern vor dem Lchtvurgcricht durchgeführt-e Pror-rß gegen d'.e R-edak^ure deS „A'bend", Schriftsteller Karl F. K o c m a t und dem verantwortlichen Redakteur Dr. Si-eiofri-ed Klausner. Dieser Prozeß zei^e die Zusamn-rnibön^e zwi'chrn Partcäpolitik und dem Betrieb einer Eisenba.hn, obwohl es genug Leute g'^rrr wird, die der Anichauu-ny sind, dost ei:.eö mit dem anderen nichts zu tun habe. Man wurde hier eines Besseren belehrt. Unter Anklage stand ein im „Abend" erschienetter Artikel unter der Neberschr'ft „Der Komnmmst", in dem berichtet wunde, daß der bei der Franz J-sefs-Bahn angestellte Felix Bornard anvcrtrante Gelder für die Ansführnng Tollers „Maschinenstürmer" acht Millionen unterschlagen habe. In dem Aufsatz wird ferner behauptet, daß der Oberinspektor Scholz, Bernard, der d c u t s ch n a t i o n a l war, besonders begünstigt habe. Die Berhawdlilng leitete Hvfrai Dr. F r a u e n f e l d. Der unter Anklage gestellte Artikel, dessen Verfasser Kocmqta war, enthält v-crsch:eden< Befch.rldi-gnngen gegen Bernard und Scholz. Einer daraus erfolgten Berichtigung fügte Kccnwta einen Nachsatz hinzu, in dem er sagte, daß das Preßgnetz ihn zwinge, bie Ber'chligurlg 6« pcröffuulichen, auch wenn sie der Wahrheit ins Gesicht schlage. Tr. S-iegsriod Klausner war an-gcklagt, den oben angeführten Nachsatz zr.m Druck« befördert zu haben. Dia Anklage lautete auf Clhrenbelvi-digung. D-rr Angeklagte Karl Kocmala erklärte sich als Berfass-er des Artikels n-wd sagte a-uch, daß er a^e darin enthaltenen An-würfe aufrecht erhalte, da er nach den Mitteilungen seiner Gewährsmänner die Beschuldigungen für wahr halten müsse. Er sei bereit, den Wahrheitsbeweis zu erbringen. Auch der zweite AngeklasTtc, Dr. Klausner, übernahm die Berantwortrtng für den rnirimmierten Artikel. Er erbat sich das Wort zu folge, der Erklärung: „Es wird dem Fernstehenden vielleicht merkwürdig erscheinen, daß dieser an sich zienü.ich belanglose Fall bis zu einer Schwnr->er''ck>t^verhandluna aedieben ist. Man muß sich aber den politischen und pMizistischen Hintergrund derartiger Fälle vor Auaen halten. Die chvistlichsoziale Preffe, vor allem die „Neichspost", hat es sich seit jeher -zur Gewohnheit penmcht, innner dann, wenn in irgendeinem Betvieb sich Unzukömmlichbe-iten ereignen, in tendenziöser Weise die Betriebsräte hcrabzusetzen; dafür sind schon ständige Rubriken mit hämischen U-rberschriften. Unser Gewährsmann hat darauf Griwicht gelegt, Scholz zu nennen, tveil dieser InspekKr als Führer der Gegenseite und als für den Betrieb verantwortlich anzusehen'st." Hieraus wurde eine ganze Reihe von Zeugen dvrüber vernommen, ob Bcrnard tasachlich seine D-ienstespstichte» in man^.'lßafter Wcise erfüllt haBe. Al-s erster Zeuge erschien Rcgierungswt Heinrich B e r n i k, Stationsvorstand des Franz Jrsafs-Bahnlp-fes. Aus seiner Aussage geht hervor, das; es anch ihm ausgefallen sei, daß Bernard ziemlich häufig „Absentierungsbewillig u n g e n" erhalten habe. Boi einer Untersuchung habe er festgcstcllt, daß Bernard mehr Urlaub hatte, als ihm gebüihrt hätte. Diese Urlaube soien ans Grund von Zetteln erteilt worden, die Scholz genehmigt habe. Auf eine weitere Fra-ge bemerkte der Zeuge, daß von den Urlaubsscheinen viele verloren gingen cdcr verlegt wmvden. Daraus fand drr Vorsitzende, dah dies ein ziemlich merkwürdiger Vorgan-z sei. „Es ist mir noch nicht vorgekommen, daß man einfach Urlaube erteilt mid sich niemand darnni kümmert", bemerkte der Vorsitzende. Der Hauptzeuge war Gcmcinderat I n n e rhübe r. Er schilderte die Zustande auf dem Franz Jos-css- Bahnhof, besonders in der kommerziellen Abteilung, die von Oherinspettor Scholz geleitet Wunde. Der Zeuge, der Obnmtm des Bertrauensmänneraukschussts ist, kennt die Verhältnisse sehr genau. Er gab an, daß ständig Klagen darüber einlstsen, daß Bernard eigenmächtig dem Dienste fernbleibe. Es sei zum Schluß so weit gekommen, daß alte Diener mit m>a 30 Dienjrjahvrn aus dieser Kanzlei versetzt 'wurden, tveil man sie als Stänkerer bezeichnete, wenn sie sich beschtvertcir. Bernard kam ins Amt, nahm feine Aktentasche, nm gleich wieder Wegzu-zehen. Dies geschah nicht nur vormittags, sondern auch in den Nachm ittagsstunden. Das ganze Personal des Bahnhofes war sich darin einig, daß Bernard den Ciseldbahnerberuf nur gewissermaßen als Nebenberuf betreibe. — Bor f.: Diese Tatsachen sind Ihnen nicht auS eigener Wahrnehmung, sondern aus einer NHe von Aussagen bekannt? — Zeuge: Ja. Die Leute kanten sich zu mir beschwere^. Ich leitete die Beschwerde an die -uständi-ge Dienststelle an Oberinspektor Scholz weiter. Im Frühjahr 1923 kam es so weit, daß in dieser Angelegenheit mehrere Protokolle von der obersten Dienststelle ausgenommen wursten. Die Erv'jmng unter den Angestellten des Bahnhofes stieg wegen dieser Vorgänge aufs äußerste. §3. Dezember 1923 Seit, 5 Vors.: In einem Urlaubsbitch wurde ftstgcstellt. daß Bernard mehr Absenzen hatte als die anderen. Zeuge: Das ist mir auch anfoefallen. Oberinspektor Scholz, der ein sehr guter Redner ist, verstand die Sache immer so darzustellen, als ob es nicht so arg wäre. Alle Vorstellltngen und Beschwerden hatten keinen Erfolg. Schrlz wurde auch von der oberst:n Dienststelle aus diese Zustände anfmerkam gemacht. Noch honte gibt es ein Prot.lloll, welches noch nicht erlcdiat ist. Vors.: Hat es nicht den Eindruck gewacht, daß die Leute mehr ans politischer Gegnerschaft ge-"en Bernard anfaetret-en sind, weil er drr deutschen Gewerkschaft angehörte? Zeuge: Min. Scholz bat mit un^le'chem Maße ge. mesicn. Wenn jemand um fünf Mmutcn zu spat kam, so wurde er ohne Rücksicht bestraft. Die Leute wurden vcr. folgt nnd diejen'igen, die mitgewirkt haben, an drr A-uf. rechterhaltui-,; der Ordnung, haben keine Posten bekam» men, wurden schlecht qualifiziert und zum Schlüsse ans die Abbau liste gestellt. Als die Leute diese Zustände gesehen haben, wicrdrn sie natürlich erbittert. Ich verbuchte intmer zu beschwichtigen, und man nannte mich deshalb nicht nrchr Innerhuber, sondern nur ,,K'Mprem'ß-^:'ber." Auch die anderen Zeugen gaben im wesentlichen an, daß Bernard tatsächlich seine Nrlaubszeit überschritten habe und dem Dienst witdcrbolt ferngeblieben sei. Nach durchgeführtem Beweisverfahren bejahten die Goschworncrt die .Ha-uptfrage aus Ehrenbeleidigung für beide Angeklagte mit a ch t gegrn vier Stimmen und verneinten die Z-usatzfvage auf erbrachten Mckhrheitsbeweis mit a ch t gegen vier Stimmen. Auf Grund dieses Brrdiktes verurteilte der Gerichts. Hof die -beiden Angeklagten bedingt mit je zweijähriger Bewährungsfrist zu einer Geldstrafevon je 500.000 Kronen, eventuell einer Woche Ar re st sowie zum Ersatz der Kosten des Strafverfahrens. Uober Antrag des K'age« anwoltes Dr. Walter Rie-l wurden die Beschuldig!en außerdem verhalten, das Urteil auf ihre Kosten in zwei Wiener Tages blättern („Astend" und „Arbeiterzeitung" sowie rm Fachblatt der Eisenbahner zu p u b l iz ierc n. Demonstrierend« Hakenkreuzler Am 11. Ceote^^'öer, nach einer nn Prater abgehaltenen HakmkreuversammlnnL z--'pen einiqe jugendliche Vertr-ter dnjtfebvöltischen Geisies über den Ring. B-eralp'ch-t v"-n d'n'-raunfürwahr — hchr-en Worten ihre;, si'iiißrcr, ^ürste'en die Jungen noch Taten. Vor -dem Künstler^> bot sich den Helden d:s frtfevitmwS Gele^" hrit. Mit den, Rufe: „Inden hinens!" ,-Sckllogt die Juten nistzer!" stÜRten sie sich aus die Gäste. An-ührer der räd.'n Bm-ge! war wieder der in der Spielcrner Mordaffäre unrühmlich brkenn'e Hans Sirobl. Außer ihm tot sich nock) ein tapferes S5m--iderlem. A'w'n Manwan, dolstn Zuname ütöri^ns besondere deu-tsche Prägung zeigt, besonders heripor. Boi'te wurden arre'iert und man sonst b?i Srabl öin-^ Lotst an ge unst einen Hirschfänger, bei Mcritv-rn de üb!icke Hakenkrerkzleritvoffe, eia?n G u m m i k n ü t t e l. Dist Jnsirntzkrnte soll'en anscheinend zur Rettu-'g des bedrehi.-n Denllchtuws verwendet werden. Gätern stand Morwan vor G richt. Cr yoNe notürl>:ch weder e!iwos ge:en. noch t:m$ beabsich'-iat. -nrst benötigte den GiMmikm'l't-t-el nur zu stinnr persönlich.-n S-Ha.h. Nur darüber zeigte er sich befriedigt, daß di» Juden geschla^-?n wurden. Da der ho'fmrngSvolle Jüngling bereits zweinrol wo»en l'e^-ertveninq des Weffenpatentes vorbestraft ist nnd auch zwischen Mein und Dr«in nicht sehr gen-r-im Unterschiede macht, wurde er zu drei Tagen Arrests verurteilt. Die Kenntnis deS Preßtresetzes. Bor dem Bezirksgericht Füncha-us hatte sich der Priv-a!'bea-:n:e Karl Brosch zu verantworten. weil er dem Oberwach-mann Otto Riedel in Ausübung seines Dienst S die Worte zugerufen bat'e: „Mir scheint, daß Sie das Preßgesetz nicht zur Genuas vev'tehen, lesen Sie es sich durch". Am 22. September, halb 12 Ubr na-ck-ts. wurde näm-lich Brosch beanstandet, weil er m Gesellschaft orstcrer Personen in Hernals in der Tllszeile W-a h l a u f r u fu. plakatierte, bezichungsweist an von der Behörde nicht erl-e-ustien Ort-en anllebte. Bei dieser Boanstanduug rief ihm der Angeklagte die in'krlM'ini r’.e Aeußerung zu. Oberl-andesgerichtsrat Dr. Nch-"da sprach den Angekl-agten frei, da auch das Gericht der Anschauung ist daß in d'm beanständeteil Ausdruck eine Ehrenbeleidigung nicht gelegen sei, da cin WachnMn-n das neue Preßaefetz nickt zu kennen brauche, weslstlb in dem Vorwurf d.'r Unkenntnis desselben eine A-mtsohrenbeleidi^nng nicht erblick: Wersten kann. — Diese kleine eerichtliche. Episode gibt Awstß zum Nachdenken. Der Wackmann. der des Preßaes tz nicht zu kennen verpflichtet ist. schritt gegen die unbefugte Plakatiernng gewissermaßen instinktmäßig ein. D r Presst- Itaq'sanwalt jedoch, der gewiß zu ienen Pevsonen gehört, di« zur Kenntnis des Preßges tzeS verpflichtet sind, hat es monatelana geduldet, daß Mord- und Aufnchrl)etz»n. Aufsorderung zu Rassen- und Klasserchaß in den Wiener Straßen unbehindert plaßall'rt wurden, Dinge, die bekanntlich im Preßoesty ausdrücklich verboten find. Oder nicht? Wenn man das Urteil liest, derß Herr Hosrat Nehoda gestern gefällt hat, können die. Bürger ei 'er S'adr recht merkwürdige Folgerungen daraus '/iahen und sich moncherlm denken, was nicht gerade schmeichelhaft ist -- für stne. die das Preßgesetz kennen müssen ... Ter gute Tcn auf der Elektrischen. Vor dem Sirafbeürksgericht trat gestern der Private Eug.ua G e r c m i als Privatkäger gegen den S raßeubahnschaffner Karl Brand t auf. Am.4. Saptemb.r war es auf der Elettischen pvischeu dem Kläger und d:m Anosklqgten zu einer Auseinandersttzung gekommen. weil Ceremi sein? Zahrkarte nicht finden konnte und angeblich behauptete, daß der-Schaffner Mar das Geld für die Fahvkar e genommen, die Karde. aber dem Iabrggsl nickt ansgesolg-l habe. L'lS nach einst cm Stichen der Iehrgast die Karte fand uud dies dam Schaffner m-eldeie, fuhr l-.tzterer den Fa-Hrg'si mit den Worten an: „Wissen Sie. was 2k verdienen würden? Rinn sollte Ihnen fünfundzwenzig aus dem Hinteren fleten". Wie d r Kläger in seiner Kings -hervock^bt. hrtte diese Aeußcr-ung das Schaffners u-n:er den üvrigrn Fahrgästen große Empöruitg ycvvovgerustn und er sei von dm übrigen Fahvg'strn aufgeford rt worden, im Ingresse der Allgemeinheit die Klage gegen den Schaffner einzubriitgen. Der Boschnld'.g e gab zu. die Lleußcrmrg getan zu haben und erklärte^ daß er mit die er Aeußerung nur das Vorgehen des Klägers kritifieren wollte. Der Kläger beantragte im Interesse der Allpemeinhoit über den Amgktagten eine strenge Arreststrafe, jodrch nur bedingt, zu verhängen nnd ihm übevdieS als Nebenstrafe zu verurteilen, -ulnen größeren Betrag für einen wohltätigen Zweck zu erlegen. Ter Richter verurteilte den Angeklagten unbedingt zu einer Geldstrafe von hunderttau je ud K ro n e n, evemnell zu 48 Stunden Arrest,

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