Mannheim
Compact Memory

Wiener Morgenzeitung · 1923-12-28 · Heft 1748 (28.12.1923) · p. Seite 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1748 (28.12.1923)
Date
1923-12-28
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
84% known words query
IRI
…/2979076-2980477-2980830--17235-3004221
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

, Nr. 1746 Mienen TTrsrALnzerrsns« zr xejjemDct i?rso Wien. Freitag An neues Bombenattentat in Budapest. Bn-apest» 27. Dezomiber. (Del. der „W'vner Morgenzsitung") Der Elsa ng-rader israelitische Frauennerei« veranstaiMe güsvem rin Wbhllät'iMltsfüst uült' Musik und Tany. Diele fuhvmde. Pevsimiichkeitell der Stadt und Nie ganze jüdische Bevölkerung wchnien dem Fkffte U. Nach Mitternacht frntib jedoch die Beranstailtung Wrch eine furchtbare Explosion sin jähes Ende. Eine Bombe war unter die Tanzenden geworfen worden, als deren Opfer elUe Frau tot o»uf dem Platze Miefc und zehn Schwerverüvundete wegge-traM wrwdsn. Das Attonitat gelschch «im großen Saal des dortigen Hoteils „zum Kö-nüg von Ungarn". Durch den Bombenwurf wurde citt Dienstmädchen sofort getötet, zwei Männer mib eine Frau 'wurden ldbensgesähiÄch, zehn Personen schwer, dreißig Personen leicht verletzt. Die UntarlsnchMg wurde sofort emae-lsitat. Die Sgegediner Poilizoi Ibvmii'ch» sich, die Urheber des M-eniaits Mszchortschen. Auch bk Budapest er Polizei hat Detektivs nach Csongrad gesendet. Bisher wurden Wölf Personen m polyeÄichm Geiwcchrscmt genommen. Alle Verhaßtsten sind Mitglieder der Eföngrader Ortsgruppe der,/Lrlwachsn!den". Me Srsamsation der Bombenwerfer. Budapest, 27. Deyomber. (Tel. der ,Mener MorgenzSvtu-lyg".) Die PoÄzei hat, wie sie mitteiilt, nach langen Recherchen die Personen stellig gemacht, die gemsinisam m>it Joses Marfsy uinid Gieza Ador^an die belanmen Attentate igeyen den ZMungKherattsgeLer Mit los den liberalen A>bgoovdneten Rajsay und den Eiisäbschstäd^er Demokratenübub aoorißereitet und atrsigsführt haitien Es sind dies der 20sährige Hochschnlier Joses Szasz und oer 81'jähv'ge.Karl Marosi, am gewostner Dragist, der «rach dein W-temat aus Rassah in der staatlichen ZollverwM.uing eine Anistellimg schalten hotte. Sie waiven Mitglieder einer geheimen Terrororganifat.ion der Erwachenden, die den Titel „loler Komitee" führte und nur Ksute Mf-ualhm. die für derlei Mordpläne einen gewissen Befähigungsnachweis erbrachten. Die Bonde war nicht bloß po- Misch in der Richtung des chrtstlichnationalen Kurses tätig, sondern arbaiteüe auch mit Erpressungen an wohlhabenden Leuten. Es wurden Droihbviofe auslgchmrdet, die .als Vorboten für Attentate galten und von dem Beamten Bola Drenka geschrieben wurden. Dvsnöa ist in Haft, dagegen konnte einer der HaiuPtschuMgon, der die Bomibe in das Eliisa'bethstädlter Kasino warf, wicht mehr stst-- genonvinsn werden. Er ist nach Deutschland entkommen. In vielen Häuistw sind HrusÄurchfnchmvgon vovgenomimen worden, bei denen röche Wassens und« gemacht wanden. In Verbindung mit der nunmehr stjftgeistelllen Organiisatiivn stand auch der Verein der siaaGchen Vertrauensmänner, das ist stneS Denunziantemkomitee, daS die Fühlung mit den Münchenier HAler-Louten aufvechch'M rrnd von dom Anzt Szsmere geleitet wurde. Gzemeve, der bei dieser Affäre gomrinis-am mit Alain ikonupwnvibtlievt wurde, war nachher in Hast genommen worden. Er 'ist jetzt wieder auf Wem Fuß. , Auch Bobula aus freiem Fuß. Budapest, 27. Dezember. (Tri. der ,Miener Morgen« zvitung".) Der amerilanische Ingenieur DickW Bobulo, rin Mitiangovlaigder -in der illlain-Äsfäre, wurde heute nachmMags Ms sreten Fuß gesetzt, nachdem seine Frau Jmvelen im Werte von mehr «Is 260 Millionen Kronen als Kantlion bei der Staatsanwaltschaft hinterlegt hatte. Frankreich bleibt Griechenland gegenüber neutral. - Paris, 87. Dezember. (Tel. der „Siettet- Morgenzoitttng".) Veniselos wurde heute am Quai d'Orsay vom Mmister Peretti della Rocca empfangen, der erklärte, daß die f r a n g ö s i s ch e Regierung gegenüber den politischen Errigniissen in Gviecheuland ai'bso- 'Vu-1 e Neutralität zu bewahren gednrke. Me neue franrüstsche Kammer. Paris, 27. Dezember. Di« Kammer hat in Fortsetzung ber Debatte über die Zahl der Mandate heute nachmittags den .Antrag Loucheur abgelehnt und mit 980 gegen 191 Stintuteit den Antrag des Ausschusses angenoutmen, der 576 Sitze fite die kommende Legislaturperiode Vorsicht. Ser Meldorfer Prozeß. Harte Dtrasen. Düsseldorf, 87.'Dezember. (Tel. der „Wr. Morgenzoitilibg".) Das Urteil im DüsieGonfer Prozeß ist heute gefällt worden. Eine große Anzahl der Untepbeamten wuche freigefprocheu, ebenso eine Reihe von Offizieren. Regierungspräisident Grützue r wurde wegen Mittäterschaft am Morde in coutuimaciaim zu zwanzig Jahren Zwangsarbeit venrrteilt, Hauptmann Beyer Ebenfalls in contumaciam zu zehn Jahren Zwangsarbeit. Eine Reihe von Angeklagten wurde zu GefäntzniKstwaßen verurteilt. Im GevichtSsaa-l herrschte nach dem UrteilSfPvuch die größte B'estü vzung. 2LL SeMBtlonalls», unarrelchtos Neiiiahrga »gebot la Satin dtst Chine in allen Farben, beste kleiderseide. 85 cm . . . K 76.000 CrOfie de Chine in allen Farben. lf0 cm K 08.000 la Pongls in allen Farben, für Wäsche, Lampenschirme etc., 93 cm.K 02.000 Seldenresta spottbillig I Seidenhaus Richard Leitner Wien, IV., Margaretenstrasse 10 mos Der Kommuuisteuausstaud i« Spanien und Portugal. Madrid, 27. Dezember. Die Rädelsführer der revolutionären Bewegung sind verhaftet worden. Die spanische und die portugiesische Polizei arbeiten tätig zusammen, um dtzn Anschlag zum Scheitern zu bringen. ___ Tagesbericht. Vermehrung der Arbeltsloügkett. Der Monatsbericht der industriellen Bezirkskommissionen über die Zahl der unter st ütztenArbeits losen weist Ende November 78.390 unterstützte Arbeitslose in Oesterreich gegenüber 75.809 Ende Oktober auf. Die Arbeitslosenziffer, welche seit Februar d. I. mit jedem Monat kleiner wurde, weist nun zum ersten Male wieder eine Erhöhung aus. Die Zunahme der Arbeitslosigkeit ist nicht in Wien, sondern in den übrigen Gebieten zutage getreten. In Wien ist die Zahl der Arbeitslosen Ende November mit 43.123 gegenüber 46.677 Ende Oktober sogar um 3500 Personen niedriger als im Vormonat. Dagegen weifen St. Pölten, Linz, Wiener-Neustadt, Graz, Salzburg, Klagensurt, Gmünd bedeutende Steigerungen der Zahl der unterstützten Arbeitslosen auf. Die Erhöhung der Arbeitslosigkeit im November ist vorwiegend auf die geringere Beschäftigung der mit dem Baugewerbe verbuudeuen Industrien, welche stets mit Einsetzen des Winters zu verzeichnen ist, zurückzusnhren. Wie jedoch die rückgängige Zahl der Arbeitsvermittlungen in Wien/ über welche die statistischen Daten bekanntgegeben werden, zeigt, ist fast in allen Arbeitszwergen ein verringerter Bedarf an Arbeitskräften wahrzunehmen, was nicht für eine Bessevwng der Konjunktur spricht. _ Abschied der tzakoah. Die Palästina-Fahrt. Gestern hat die tzakoah chre große Palästina- Reise angetreten, die mit Recht in der breiten jüdischen Oeffani'Mhkeit schon seit Wochen mit großer Spannung erwartet wurde. Ist es doch der tzakoah vergönnt, in die jüdische Urheimat den Sport zu iragm, dort den Beweis jüdischer Muskelstärke und körperlichen Könnens zu liefern, befmchtsüd zu wirken UlNÄ selbst die Eindrücke der alten Heimat zu empfangen und mitzubeileu. Die Tausende, die gekommen waren, um der tzakoah das Geleite zu geben, fühlten dm echebendeu Moment, und man darf ohne Usbertreibung sagen, es war ein großer Augenblick, nicht Mr im Werden des Vereines, sondern auch für die gesamte jüdische Regeneration. Kopf an Kopf drängten sich die Versammelten, und die jüdischen Korporationen und TuruveMnde ließen es sich nicht nehmen, den Bmdervereiin durch ihre hervorvageüdste>n Vertreter die Abschte'dsgrüße zu übermitteln. Als der Vizepräsident der tzakoah, Ing. Fedor Ackermann, unter atemloser Stille der versammelten Menge in einem Südbahnwarteraum die Bedeutung der tz a k o a h - R e i f e würdigte und von Pionieren sprach, die hinübergingen zu den Bruderpronleven, lauschten alle andächtig und begeistert stimmten alle ein, aks er die Seele der tzakoah und den geistigen Urheber dieser bedeutungsvollen Fahrt, den Präsidenten der tzakoah, Dr. Körner, feierte. Direktov' Spiegler, der im Namen des Jüdischen Sportverbandes sprach, erklärte, die Palästina-Fahrt der tzakoah bedeute einen Wendepunkt im der jüdischen Geschichte uud gab der ganzen großen Reisegesellschaft die besten GRickWüufche aus dem großen Weg mit. Der Sektionsleiter Artur Baar, der die Sportgeschicke der tzakoah seit mehr als zwölf Jahren leitet, würdigte in kernigen Worten die Mission, der Fußballer, welche diesmal eine über den gckvohnteu sportlichen Rahnien hinauAgcheube Bedeutung besitze, mid feinen Worten, merkte man die Genugtuung und den Stblß des ni'itgöschaffenen (5ifc%§ an. Der Vizepräsident des Zi-ouistischen Lamdeskornitees Dr. Löwen Herz gab in seiner AbschiedAveide der Meinung Ausdruck, daß durch die tzakoah über den für die jüdische Entwicklung hinausgehenldenwichtigen Zweck, die uumittelbare Berührung mit dom Lande der Mischen Neugeburt, die'se Fahrt auch für den österreichischen Staat wichtige Zukunftsfadeu knüpfen werde. Dann ergviss Dr. Körner das Wort. Mit tränenevstickter Stimme gab er, dom diese Reise die Krönung feines Lebsnswevkes bedeutet, >das Gelübde ab, er wolle das heilige Feuer der Urheimat mitbringen und an de»» Werke der Wiederaufrichtung des Indem t u m s, gestärkt durch den Atmr Palästinas, mit erneuter Kvast uud leidemschastlichster Begeisterung weliterarbeiten. Stürmischer Beifall folgte dieser Rede, und die Bevsarnmelten drängten dann ergvifsen nach,' als die Reisegesellschaft den Zug bestieg. Als sich dieser in Bewegung fetzte, erbrausten plötzlich die feierlichen Klänge der ,H a t i k w a h", welche den Trägern einer großen. Ausgabe das Geleite gab hin zum FrWing Palästinas uüd zum Frühling unseres Volkes. Me MIsrachi-Konferen; in Men. Am zweiten Verhand'lungstage referierte Herr Isidor A u st e r l i tz über das Verhalten der gemeinschaftlichen zionistischen Institute zum Misrachi und stellte die Forderung. daß sämtliche Institutionen in Erez Israel den Vorschriften der Tradition voll entsprechen müssen. Man müsse verlangen, daß Beamte, welche sich den durch wiederholt? Kongreßbesch'.üsse festgesetzten Thesen der Respektierung der Thoravorschriften widersetzen, von ihrer Stellung'enthoben werden. In sämtlichen zionistischen Aemtern müßten auch misrachistische Beamte angestellt werden. Es gehe nicht an, daß die in Verhandlungen mit dem Keren Hajessod einvernchmlich festgesetzten Monatsbeitrage für die Misrachiarbeiten in Erez Israel vom Londoner Bureau willkürlich gekürzt werden, wodurch der Bestand der mrsrachistischen Institutionen gefährdet sei. Der Referent verlangt zum Schluffe, daß im ,^keren Hamisrachi" ein Instrument geschaffen werde, daß geeignet ist, nötigenfalls den selbständigen finanziellen Dienst für den Misrachi auszunchmen. In dlcsem Sinns war auch das nächste Referat des Herrn Philipp M a h t über ,Mren tzamisrachi" ge-' halten, welches di: Schaffung eines eigenen Misrach'.- fonds vorschlug, welcher kein Konkurrenzunternehmen gegen den Keren tzasessod wäre, da der Keren tzamisrachi diejenigen erfassen wolle, die für eine Beitragsleistung für den Krren tzajessod nicht zu gewinnen wären. In der Nachmlttagssitzung hielt Herr Aaron B i n- Nun (Tcl-Awiw) das Restrat über Kolonisation. Er verwies auf die Notwendigkeit, die vom Misrachi bereits geschaffenen Kolonien und Siedlnngspunkte auszubauen. Das Instrument für die Kolonisationstätigkeit des Misrachi ist die im H a p o e l H a m i s r a ch i organisierte gesetzestreue Arbeiterschaft, die daher die weitestgehende Unterstützung verdient. Er fordert, das das Misrachibudget hauptsächlich für produktive Zwecke ausgegeben werde. Hierauf restrierte Herr Mordechai Gerstl über misrachistische Ju g e n d a r b e i t. Fräulein Erika. Feuchtwang besprach die Leistungen der misvachistischen Frauen- und Mädchengruppen für Erez Israel und aus.dem Gebiete der sozialen Fürsorge und verlangte, daß die bereits bsste-henden Gruppen mit allen Mitteln unterstützt und die Grünvrmg neuer Gruppen gefordert werde. Dann folgte das Restrat des Herrn Dr. Wolfgang Weist über Mija. Soll die Palästiua-JmmigraUon in das richtige Tempo gebracht werden, so gehe es nicht an, sich auf die Einwanderung von Ehaluzims zu beschränken. Ehaluz ist ein schwerer Beruf, da er den Verzicht auf jede Annehmlichkeit auf Jahre hinaus bedeutet. Es muffen darirm neue Wege oingeschlagen und die Einwanderung bürgerlicher Elemente gefördert werden. Dr. Knopfmacher referierte über tzachschara und verlangte die Schaffung von AuL'bild'Nrlgsndöglichkeiten nftsrachistlscher Ehaluzim. Herr M. D. Groß (Wien) hielt ein sehr-beifällig aufgenommenes Referat über Misvachiarbeit in den Galuchländ-cru, insbesondere über Erziehungswestn und politische Betätigung. Zrmr Schluffe wurde eine Reihe von Resolutionen angenomnren. Dann erfolgte die Wahl in -den Zentralrat. Geioählt wurden die Herren: Isidor Austerlitz, Ignaz Duschnitz, Rabbiner Jakob Friedmann, M. D. Groß, B. Jahr, Henuoch K a tz, Philipp Mayer. Mols Pinkas in Wien, Samuel Nuß bäum (Oradeaulare), Moritz Reiter (Satumare), Jakob Schwarz (Cluj), Jakob Hirsch (Beaiomare), Duff (Jaffy), Doktor Färber (Mähr.-Qstrau), Moses G u t t m a n n (Belki- Sevljus), Wolf Klafter, L.' Lebowitsch und Sternberg (Budapest), Isaak Weinreb, Ferdinand K o m l o s (Bratislava), Heinrich M-a u t n e r und Rapüael Me na che (Saloniki). Siner, der mit Millionen hernmwirst. Ein interessanter Betrüger, der mit seinem ungelMren Reichtum Geschäfstleuten Solid in die Augen streute und mit groß angelegten Lügen kleine Darlehensschwindelsien zu verüben suchte, ist dieser Tage in die Hände der Polizeibehörde gelangt. Die' erste Arrzeige gegen ihn erstattete eine Transportsirma, die angab. daß zu ihr ein junger Manlr, der sich Josts Steiner nannte, gekommen war. Er stellte das Anbot, mit einer Einlage bis zu 500 Millionen Kronen als Volontär einzutreteu. Der junge Mann zeigte scheinbar echte Belege vor, so daß am 20. d. ein Vorvertrag aufgesetzt wurde, demzufolge er der Firma 10.000 Dollar als Darlehen versprach. Er gab wirklich eine Anweisung auf 10.000 Dollar an dü Filiale der Deutschen Bank in Bremen und sprach auch sonst viel von seinem herrlichen Gut in der Schweiz und von f.'tucK riesigen Depot bei der Filiale Leipzig der Dresdner Er erzählte auch davon, daß er das Juweliergeschäst GoD-Koiste in der Liechtensteinstraße um 700 Millionen Kwnen gebufft und daß er mit der Firma Florida in der Kctteubrückengffse flmbeslenu.bllligslenSiStiS lilSchiffmann Telephon 47-1-70 ln gro» En ilaiali

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.