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Wiener Morgenzeitung · 1923-12-27 · Heft 1747 (27.12.1923) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1747 (27.12.1923)
Date
1923-12-27
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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M. «tfieittr ÄTrvkKettzerruns« ,. --vcgemver rvzv 8t. SoloweitWk Wer seinen Riicttritt ans der zrönMche« Krekuttve. Scharfe Angriffe ge-en den politischen Sekretär. .Me bereits gemeld-ot, hat Dr. Solowejtschik seine Stelle in der Zionistischen Exekutive rnebevgel-egt. Ueber die Gründe seines Rücktrittes äußert sich Dr. Soloivejtschiik einem Vertreter der I. T. A. gegenüber in fol^ geUder Weise: Bekanntlich hat das Aktrons-komite-e in der letzten Oktobevsession zur Frage Ve.r Arab Agency eine ablehnende Resolution angenommen und die Exekutiv« beauftragt, dieselbe schleunigst dem Colonial Office mitzuteilen, weil, nach den Mitteilungen Doktor Weidmanns, dieselbe in ein in Vorbereitung befindliches Weißbuch ausgenommen werden sollte. Außerdem war auch ein Memorandum — eventuell ebenfalls für das Weißbuch dem Colonial Office einzu-reichen, in dem die Gesamtstellung d r Zionistischen Organisation zur Politischen Lage in Palästina davgelegt werden sollte. Für dieses Momovandnm hat das A. C. in tagelanger Arbeit ausführliche Thesen ausgeärbeitet. Das politische Departement.der Exekutive, welches diese Beschlüsse auszuführen hatte, hat vor allem die angenommene Resolution in - gefälschter Fassung der Oeffentltchkeit übergeben, was-erst nach einer energischen Intervention meinerseits korrigiert wurde. Daun wurde sechzehn Tage lang, trotz wiederholter Mahnung, die Resolution dem Colonial Office nicht gesandt, und erst nachdem ich diese Verschleppung schriftlich als unerhörte S a b o t i e r u n g des A. C. gekennFeichnet habe, wurde die Resolution -dem Colonial -Office mitgeteilt, aber bereits nachdem das Weißbuch erschienen ist. Das Memorandum wurde, ebenfalls — trotz wiederholter Mahnungen — erst zwanzig Tage nach Schluß der A. C.-Sitzungen in Angriff genommen und ist b i s heute noch nicht abgefaßt. Nachdem er sich vergewissert habe, daß sich die Mehrheit in der Exekutive und im Wirtschaftsrat mit ihm identifiziere und di« Entlassung des politischen Sekretärs als einen lange notwendigen Akt der Sanierung des Londoner Bureaus anfche, 'habe er die Forderung nach der Entlassung Steins gestellt, nachdem er schon früher wiederholt auf dessen unzulässige Arbeitsmethoden hingewiesen habe. Die Exekutive habe aber seine Forderung infolge des Widerstandes Dr. W e i z m anns, der auch' früher den Sekretär gedeckt habe, abge.lehnt, worauf er (Dr. Solowojtschik) seine Konsequenzen zog, nachdem er mit der formellen Arbeitsniederlegung bis zur Rückkehr Sokolows gewartet habe. Die Zustände im Londoner Bureau — erklärt Dr. So« lowejffchik — sind chara'kteviftisch für das gesamte setzte Regime, dessen Hauptmerkmale Mißachtung der Bewegung und daraus resultierende ^Mutlosigkeit sind. Bei der terantwortungsilosen Sekretärwirtschaft sei S t e i n insbesondere darum ein Schaden für die Bewe- Mg, weil er fe-ine Tätigkeit, auf Dr. Weidmanns Vertrauen gestützt, auch auf das Gebiet der innerfüdlschen>Poätik ausdehm. Seine letzte Tat auf diesem Gebiete sei gewesen, daß er trotz eines klaren Beschlusses der letzten A. C.-Sitzung den Vertretern der englischen Indenheit im iliamen, aber ohne Wissen der Exekutive, schriftlich vorgeschlagen habe, daß in Zukunft nicht mehr der Kongreß, sondern der zu schaffende Council derJewish Agency das Budget für Palästina föststellen und daß dieser Council nicht nur beratende Funktionen, sondern rruch die Exekutivgewalt haben solle. Das erst nachträglich -der Exekutive, vorgelegte Schriftstück bedeute eine BeHLHnung der zionistischen Bewegung. Dr. Solowejtschik will die gesamte Angelegenmt ausführlich in der Mischen Preffe darlegen. Jas englische Rote Kreuz und die Rot in JeuMand. London, 25. Dezember. (Wolfs.) In seiner Erwiderung tuf den Aufruf des gemischten Ausschusses des Internationalen Roten Kreuzes in Genf zugunsten der unterernährten Kinder und der leidenden deutschen Handarbeiter und Angehörigen freier Berufe erklärt das britische Rote Kreuz, daß" eß mit Rücklicht auf den großen Umfang der Beschäftigungslosigkeit und die sich daraus ergebende traurige Lage in England zu seinem Bedauern nicht in der Lage sei, einen besonderen Aufruf zu erlassen. Die kinwandernng in PoWino. Wie die Einwandevungsabteilung der palästinensischen Zionistischen Exekutive mitteilt, waren die Anforderungen von Einreiseerlainbnisten m der letzten Zeit recht zahlreich, die Regierung wolle jedoch mit Rücksicht aus die gegenwärtige Lage nicht allen Nachkommen. Die Palästina- Aemter sind angewiesen worden, nur solchen Leuten Einveffebewillignngeri zu verschaffen, welche gewisse Garantien bieten, daß sie .den Willen haben wie auch die Bedingungen erfüllen, im Lande trotz allen Schwierigkeiten dauernden Wohnsitz zu nehmen. Die Folge ist, daß die Zähl der neuen Einwanderer im A b n e h m e n begriffen ist. Die Zahl der in den Einwaudevecheimen untevgebrachten und aus Arbeit wartenden Immigranten ist iveniger als .halb so groß als zur . gleichen Zeit des Vorjahres. Dreivierbol der Einwanderer der letzten Zeit haben Waren, Werkzeuge und gewisse Mittel mitgebracht. GraNritaifiMM in sämtlichen Abteilungen I., Trattnerhof 1. Vj/ IFjackhemden.. , , . p , . X 110.000 Ray6-BatistHemden.X 110.^00 Seidenbemden.. X 250.000 Englische Zephirhemden ...... X 110.000 Hüte. X 180.000 Pyjamas. X 150.000 Wollüsten.X 170.000 Krawatten.X 50.000 Taschentücher.per Stück X 15.000 Fiack-, Smoking- und orig. engl. Anzüge nach Maas, Pelze, Automäntel. Sonderpreis Orig. engl. Raglans ....... X 1,200.000 Tagesbericht. Die Bestattung Dr. Pan! WeisengrLnr. Dienstag vormittags wurde Dr. Paul Weifengrün unter zahlreicher Beteiligung seiner Freunde und Gesinnungsgenossen zur letzten Ruhe gebettet. Am Sarge hielt dem Toten Rabbiner Dr. Feuchiwang einen ergreifenden Nachruf. Der . Redner schilderte ausführlich den Werdegang und bk wissenschaftliche Bedeutung des Verblichenen und würdigte insbesondere seine eifrige Betätigung int Interesse des jüdischen Volks, welchem Dr. Weisengrün in selbstlosester Weise diente. Diese Arbeit für die Sache seines Volkes bildete einen erheblichen und behütenden Teil seiner Tätigkeit, sie entsprach seinem ganzen Wesen und seiner Veranlagung und becinflußte in starkem Maße seine wissettischastliche Betätigung. Nach Beendigung der religiösen Zeremonien sprachen am Grabe Freunde des Toten das Kaddischgebct. Die RatiouaMte» in de« amerttunische« GroßWdten. In den Bereinigten Staaten ist die Natronälitätenmischung am stärksten,in den Großstädten sichtbar, von denen in fast jeder eine andere Nation den Hauptteil der Bewohner bildet. Es scheint, daß gewisse Städte für ämgelne Nationen einen stetigen Anziehungspunkt für neue Zu,Wanderer bilden. Ein Blick ans. die Bedölkevungsziffer von 19 Großstädten der Bereinigten Staaten mit Bewohnerzahlen von mehr als einer Mertelmillion Menschen gibt darüber interessante Aufschlüsse. So waren in Baltimoredie stärkste Nationalität int Jahre 1910 die Deutschen, ihnen, folgten die Russen. Im Jahre 1920 haben diese beiden Nationen ihre Plätze getauscht und jetzt stehen die R u s s e n an erster Stelle und die Deutschen an zweiter. Als Russen werden alle Einwanderer bezeichnet, -welche aus Rußland gekommen sind, einerlei, welcher Nationalität sie angehören. Die Rüsten in Baltimore sind -hauptsächlich Juden. B o st o n ist die Stadt der Irländer, welche bei -der Zählung von 1920 ebenso toi« bei der des Jahres 1910 die erste Stelle unter, den Nationen Bostons ein nehmen. Dagegen ist Minn eapo li s die Stadt der Schweden und der Norweger, welche an den ersten beiden Stellen der Bevölkerungsverteilung nach Nationalitäten stehen. Andere Großstädte, in denen keine weseMiche Veränderung in der Verteilung der svemdgeborenen. Bevölkerung vorkam, stud: Philadelphia, wo die. Russen die erste und die Iren die zweite Stelle einnehmen, New-Jork, wo den Russen, di« an erster Stelle stehen, die Italiener folgen. St. Louis, wo die Denischen und erst weit nach ihnen die Rüsten kommen, New-Orleans mit überwiegend italienischer Bevölkerung, der sich als zweitstärkste Bevölkerungsgruppe die Deutschen anschließen. In anderen Städten wieder ist durch die Zuwanderung der Jahre 1910 bis 1920 die an zweiter Stelle stehende Nationalität vevscho-ben worden, während .die Hauptnationalität dieselbe geblieben ist, so in Eine i nnati, wo im Jahre 1910 den Deutschen die Ungar n, im Jahre 1920 aber die Russen folgten; in. Pittsbu rg und Milwaukee, wo nach wie vor die D e u ts ch e n an erster Stelle stehen, aber an der zweiten Stelle die Russen von -den Polen verdrängt wurden. Die herrschende Nationalität hat sich in folgenden Städten in dem Dezennium 1910 bis 1920 geändert: B n sfallo, wo die Deutschen durch die Polen vom ersten Platz verdrängt wurden und an Stelle der Kanadier aus -den zweiten Platz rückten; Newark, wo im Jahre 1910 die Deutschen -den ersten und die Russen den zwei teil Platz einnahmen, im Jahve 1920 die Italiener aus dm ersten Platz kamen und die Russen, welche jetzt an zweiter Stelle sind, die Deutschen überflügelten. Chicago hatte im Jahre, 1910 als herrschende.Nationalität die Deutschen; ihnen folgten damals die Oester re i che r (einschließlich der Tschecho-Slowaken und Jugoslawen); im Jahre. 1920 -l»udm jedoch die Polen, an erster Stelle und die Dsub schm am zweiten Platze. In Cleveland waren in Jahve 1910 die herrschende Nationalität die Oester, reicher (die Bezeichnung umfaßte die Tschechen und Jugoslawen sowie die anderen Nationalitäten des alten Oesterreich), denen die Deutschen folgten. Im Jahre 1820 nwfymen die Polen die erste und die Ungarn die zweite Stelle ein. Auch Detroit hat Veränderungen in. den ersten zwei Plätzen -der es bewohnenden Nationalitäten auszuweisen, indem an die Stelle der Deutschen und der Kanadier im Jahve 1920 die K a n a d i e r an die erste und die Polen an die zweite Stelle traten. In Ierfey City, wo im Jahre 1910 die Deutschen den ersten Platz und die Iren den zweiten einnahmen, traten an erste Stelle im Jahre 1920 die Italiener; die Iren behaupteten den zweiten Platz. Los Angeles hat seit 1920 die Mexikaner als herrschenden B-evölkerungsteil an Stelle der Deutschen, die es im Jahre 1920 waren; die Kanadier nehmen den zweiten Platz ein. San Francisco hat statt der Deutschen und Iren im Jahre 1910 an den beiden ersten Stellen die Italiener und Deutschen. In Washington kamen die Iren, welche im Jahre 1910 an erster Stelle siauden, im Jahre 1920 auf den zweiten Platz. An erster Stelle stehen jetzt die Russen, während die Deutschen, die an zweiter Stelle standen, aus die dritte kamen. In diesem Dezennium zeigt sich eine Zurückdrängung des .deutschen Bevölkern ngselements in den 19 Großstädten, was mit de.r verstärkten Zuwandernng anderer'Nationalitäten und überdies der völligen Unterbindung der deutschen Emlvanderung ivährend -des Krieges im Zusammenhang steht. Aber auch das irische Element ist zurückgedrängt. Hier spielt ebenso und in noch stärkerem Maße wie bei den Deutschen die. Modifizierung des nationalen Bekenntnisses durch die KriegsverhAln-iffe mit. Dar Wische Jugendamt. Die Nachricht von der Gründung des Mischen Jugend amtes itouifoe von allen Kreisen, welche der Kmdsüfüvsovge oder spez-'M den Fürsorge für das Mische Kind Interesse entgegmbviugeu, staubigst begrüßt, doch einen klaren Begriff, welcher Art diese wichtige Jnjstitwtiion se-i-n M und kann, dürften sich wohl wenige gelbiüi!dc>t haben. GeMt die Männer am Werlke, welche doch die im Betracht kommenden Nofftäude der jüdischen Jugend, die derzeit beistchende cmsgedchnbe, aber sysbvmlose Mb Ische Jugendfürsorge und die ihnen zur BerfügMg sichenden Mattel genau kennen, würden es nlicht wagen, dir spätere Entwicklung dieses Institutes vm-Mchuls-agen, das ^imzähiliige In» tresten der vevschiedenldsten BedMevuingsschichden Kt wahren halben WÄd. Das Mische Jugendamt, das cknen Zmeiig der Zentralstelle für Mische soziale Fürsorge" davstellt und von der MMusgemetinde nur siudbeMoniiövt wird, kann im keiner Weise tmiit dem Jugendamt der Stadt Wien Vevgjkiche« werden, web ches maheriell völlig sichergestellt ist, in allen Bezivken FUMstellen errichten kaum, von einer autonoimen B-chörde göfühvt kviird und prmziPiM nur nach Wien zustüMge Kinder besürsortgt. Kain ins JAdische tranÄponidsvtes MendA-d des städtischen Juigrndcvm.tes, sondern besten EvgLWmg wird angestrebt. Die neue Jnstiindion kennt keinen Unterschied nach L^n!deHzugchöri>Skeit. Für fvomdtztlstänidige Kiwdsr wird das Mische Jugendamt völlig säbstänidiig Vorgehen, wogegen es boi nach Wien oder emvm anderen der Bundesländer zuständigen Kindern die kompetenten Behörden in ihrer DAigheiit unterstützen will. Das Programm umfaßt vom Fürsorgebesuch bis zur Er- ' Dichtung si-gemr Heime, von der Sangkingsfürtsorge bis zur LchrWngSfürsorge alle Gedieäe, doch soll das neue tot organisch erwachsen. Der Teil der Tätigkeit, mit dsm am 1. Jänner 1924 begonnen werden soll, ist Leimeswegs wtv bedeutend. Schon seit einem Monat sind mehrere Kräfte damit schäftigt, in vinem groß rngel-egten Kataster alle fürsorgebedürftigen Mischen Kinder Wienzu evfasfen, schon m-t'rd?m miit dem städtischen Jng'vtdamt und mit allen anderen in Detoacht kommenden amtlichen und hakbamMchen Stellen mehr oder minder verbindliche Abmachungen begnglich gern e -i n i >i ü'f r Arbeit gc-woffen, schon halben sich oll« Vereiine, . 11 sicy mit jüdischcr Jngendfürsorige bsfaffen, yu einem ^ug^idfür\nr,>'züianimens.eschlostem und erkennen das neu.e Jugeltdamr als ibre Vertretung an. Dom 1. Jänner an werden sie nur -mrch deeles den W>njchen und staaWchnr Stellen o-rkehren. Die Ber u fs v e r mu » sch ' °- v5 der Ktlltusgemernde besteht, wird übe. u"n,n^ uu> Derussfürsorgerinnen und frsiwillire l'^ , ‘im s Brnssvornmnd bei -der Ueberwachma v ' »n' Müntdel unterstützen. Auch die Inarr . . '> i itnird an die Berusssürsorgerinnen > >, i n -Kräfte große Ansorder un-gen stellen. - o , groß die Liste aller in Wien unter Gn-ich-tsaussim. nw-nren Kinder und Jugendlichen fern dürfte, welche tnrntui*". r .i langt, kann man -daraus enrn-elnncn, daß schon' fehl fi/r {>io erste Hälfte des Monats Jänner elf .Jugendgerichisfäll: r-.". liegen. Und all diese K-inder sind nicht nur nronatllich einme.:" zu besuchen, da 'müssen K-inder in Erziehnngsanstattett und Spitälern untergebracht, Beschäftigung muß beschafft, Vermögens- und Heimatsrech tsfra gen ntüssen gelöst werden. Alle füdischett Fra-uen- und sonstigen Wohltätigkeit sve re ine sämtlicher Bezirke loerden -in diesem großen Werke Mitarbeiten müssen. Stellt ihnen das Amt für ihre eigenen Fälle einen umfassenden Recherchendienst zur B-ersüguny, so werden sie flmbestenu.bllllgstenstttiiSchiffmann II., Taborstraße 48 Teienhon 47-1 »79 En gfQi ln datai l

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