Mannheim
Compact Memory

Wiener Morgenzeitung · 1923-12-25 · Heft 1746 (25.12.1923) · p. Seite 8

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1746 (25.12.1923)
Date
1923-12-25
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
87% known words query
IRI
…/2979076-2980477-2980828--17214-3004198
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

8 Dien, $fen8fcwi Srdankenspiitter Saniri Spitz«». („SOI«*» «dNechee.") Der rühmliche Wiener FeniVekonist Daniel Spitzer, besten „Wiener Spaziergänge" noch heute eine vortreffliche Lektüre sind, hat ein« Anzahl Notizbücher zurückgelaffen. Wilhelm A. Bauer hat nun lm Verlag „Wiener Drucke" eiu Büchlein ediert, welchedurch einen bemerkenswerten Effai Bauers über Daniel Spitzer eingeleitel ist und in entbrechender Zusammenstellung Gedankensplitter. Kernworte und gelegentliche wertvolle Notizen diese- Wiener Satirikerenthält. Die meisten dieser , Worte sind ienen Notizbüchern entnommen und ' daher dir nnn völlig unbekannt. Wir -ringe« heute eine Nein« Auswahl aus dem lesen-werten Büchlein. j * <&M*$tl9fitiU Wenn wir gerecht gegen unsere Feinde ' md. so ist dameisteneia Beweis, daß sie nicht die Stelle gesoffen haben, wo wir verwundbar find. * Dos labii Dar Grab trennt Freunde und vereinigt tränte. * Dl« Satire ist di, Tonne, welche die Lütter aus de« L^fen der Freche» bescheint. * Eine deutsche LhrdnrrLe. Die deutsche Thronrede hat m9 in dm kriegerischesten Ausdrücken die Hoffnung gegeben, daß den Friede erhalten bleibe« werde. * fiert r litri«« Prüderie ist der Affe der Lugend und fort» Der Lanzer« Der Tänzer bildet, wenn ich mich da- «rnistisch ausdrScken darf, de« Uebergarig vom Zirkusschimmel SU* lyrischen Tenor. » Dt» Heiter*. Sie sah heiter cm-, wie eine gut gekannte Tigerin. * Di« £cftutt«ri|<!)C» Ein trämerischer Wesen, dar schöne Frauen anzunehmen wiffea, wenn sie an gar nicht» denke». * guimcf -ieselpe. Die Frauen bleiben immer dieselben, sie sind immer veränderlich. * Der OiebenswUrtzige. Co wie diejenigen, die keinen lieben, gegen alle liebenswürdig find, haben jene, die alle» loben, für nichts «in wahres Interesse. * Der Unverdorbene. Die Unverdorbenen kommen leicht tz» den Nuf, unverbesserlich zu sein. £ Einiges Löge öie Wshrhett. Unsere Zeit hat zwar eine große Vorliebe für die Nacktheit, aber der Wahrheit nimmt man e» übel, wen» sie auch nur im oeringstra dekolletiert erscheint. * Das flaltlch« PiraOoron. Je schwerer da» Geld ist. da» man in seiner Tasche hat, tejto leichter schwimmt mau im Lebenrstrome weiter. * Lumme. Wein Humor ist da» Vermächtnis meiner Mutier », wäre sie doch ohne Testament gestorben! * Macht. Man überzeugt am besten von seiner Macht, wen« man sie mißbraucht. Mm im Schnee. Seit vorgestern ist «S richtig Winter geworden. Schon Sonntag vormittags setz!« starker Schneefall ein. der mit ge« ringen Unterbrechungen bis gestern nachts anhielt und die Straffen bald mit einer dichten weißen Deck« überzog. Wenn auch die Wintersportler über den Schneefall sehr erfreut sind, so siw es die anderen, tee keine Skiläufer und Rodler sind, weniger. Denn der außerordentlich starke Schneefall bildet im großstädtischen Straßenverkehr ein starkes Hindernis. Sofort nach Beginn des SchneefalleS wurde von der Straßenbahn mit der Säuberung der Fahrbahnen begonnen, um die Geleise für den Berkehr freizuhaltsn. Rur dieser unaufhörlichen Arbeit ist es zu danken, daß es in Wien zukeinernennenswerttn Verkehrsstörung kam. Das anmutige Winterkleid der Stadt Wien hat selbstverständlich die Gemeindeverwaltung zu bezahlen, was nicht ganz billig ist. dem die Arbeit wird Tag uns Nacht fortgesetzt. Wenn man bedenkt, daß allster 8500 fremden Schneearbeirern, welche 3000 K. für die Stunde erhalten, noch die 1000 eigenen Arbeiter der Straßenbahn zur Straßensäuberung herangezogen werdu, so gibt das ein kleines Bilv von den Kosten dieser Mntertol« kette Wiens. 70 motorisch betriebene Schnoepstüge und 16 von Pferden bezogene sind notwendig, »nt den. Verkehr zu ermöglichen. Nimmt men nur eine 24stündige Arbeit an, so wird man kaum fehl gehen, wenn man eine Ausgabe von nicht viel weniger als 660 Millionen Kronen aus den «affen der Gemeinde Wien rechnet. Dazu kommt noch, daß die Abiraaung dieses Straffenkletdes, wenn es alt wird und sich dann in ein Koim-eer verwandelt, auch noch ein erkleckliches Sümmchen kostet. Das Schneegestöber hatte selbstverständlich auch Anier- Svechun^n im Post- und Telegraphenverkehr zur Folge. Auch große ZuslSverspätungen wurden geineboet uns betrafen messt die aus drn Alpengebielen kommenden Züge. Es sei auch auf die unbedingt notwendige Bestreuung der Gehwege durch di« Hausmeister aufmerksam gemacht, die gestern noch vollkommen außer Acht gelassen wurde. Verkehrsstörungen kn Tirol. Innsbruck, 24. De-ember. Infolge starken Su: . .j.llles hat der Zuqsverlehr in Tirol sehr gelitten. Vorübergehend mußte der Verkehr auf der Mittenwaldbahn eingestellt werden. Man hofft, ihn nachmittags wieder anfnehme« zu können. An vielen Stellen dieser Bahn und der Arlberg-sträcke sind La« wirren niedcrgegangen. An der Freilegung der Geleise wird gearbeitet, lieber den Arlberg kann der JugSverlehr nur noch mit der größten Mühewaltung ausrechterhalten werden. Cs schneit Wetter. In den nördlichen Abpenländern fielen vorgestern und gestern beträchtliche Schncemengen. Mittelsteiermark (Graz) hat heiteren Himmel. Bon Westen her ist die Temperatur gestern bedeutend gestiegen, Qberösterseich hatte schon morgens null Grad. Salzburg plus ein Grad. Am L-strand der Alpen hält sich noch die kalte Luft. Da die warm« W-estluft schon so nahe an Wien heronreicht, ist cs wahrscheinlich, haß im Laust des Tages die Temperatur bis null Grad steigt. Voraussage: Schneefälle anhaltend, T<.'Mveratrw »o.hr um Null. Wiener Morstenzertüng. Mitteilungen nur dem Publikum. ffiodeffleus .m. Qrüste ‘WeihtiachtsoM'lsiön m den neuesten Pariser ^Modellen ‘Habörsir. 1 Wien* //. %abonfr. 1 Erna Lassner Arnold Frey i Verlobte UCHen, im Dezember 1923 Möbelfabrik J. Spira Feine °>» M II]., MNllM!« 1H WohmsngseinrtcMangen. (Ecke Kart Schweighofergasse ilAtHziws'mm Josef Ehrlich I. ROTGASSE 3 * MODERNE TÄNZE WEINBRAND;»».... FRAGEN SIE IHREN ARZT Depot: Apotheke zum römi3ch°n Kaiser Wien. I.. Wollzeile 13 A rbeitsmlntel Selirosseranztigo» toinSL'acken etc. HASSItesil Wien,VII. B *r{?§a««e^ I.Tol,3 4*0-25 \mmm St»dtni0derIan«: I», Sr.hettenring 10 Ti ei. 18-2-31 tft! OBERE DONA« »STRASSE 91 GtAsrtes itreog l^D-neataurant unter Anf« cht «If-s Er»rw ttin^ln-><< der Sch ffechiH!n */j Tonnen, auch in Waggonladungen, ab Hamburg sehr preiswert za haben. KliegHofferS Feioer, Wien, II., üv Donaestr 71 YeUphea 40-2 7J 53 Telepb*o 46-3-73 Was nicht jeder weiss — ist, dass Ich atisafr meinem Spezial Hrt:k*1 (T^iar«) die e'earan regte 5?®rir«n» narÄ.-r^be (Zivil, Spo t. auch fflr D»men. Uniformen) sowohl an* eigenen als auch aus mitgehraehten Stoffen Mit 30 Jahren erzeuge.. RUDOLF GOLDSTEIN T.i. »«• WIEN, II. TABORSTKASSS 84 IMS Better - Juwelen, Gold-, Silberwaren u. Uhren mwn 8., n®Ye37UI*l^T8ÄSS& m* 22 S5. Dezemter 1VSS Nr. IM Gruß aUcäahi Air schämen untz nicht vör diesen in Dportkämpftn W härteten jungen Menschen und ihren Filhwrn, die alle Dsgche haben, GefühlsanSbrüchen der Schreiber im grvften Bogen ausznweichen - wir schämen uns nichts ünlüfflich der Abntse unserer „Hakoah" nach Erez Israel pathetisch zu werden. Es ist ein heiliger Augenblick, da sich diese Gemeinschsst in der Bahnhofshalle versammeln und, von Unzählisten beneidet. der Stunde thktzr Landung an der ersehnten Küste ent. gegenfiebern wird. Schon in den letzten Iahten vor dem Weltkriege'pflegten klein« Fähnchen jüdischer Turner und JugendbÜndlet im Frühling nach Palästina zu streben, um Mit Zektblatt und Kochgeschirr durch die Kolonien zu wandern, die Wunder te» M" Verhaft üppigen Aufblühens der palästinensischen Äeficlde gtzntetzend (in Lilien kleiden sich die Felder!) und däS größere Wunder des neuen Itschub. ES war ein Symbol der Ber« brüderung der jüdischen Jugend Westeuropa» mit den PMsttna-Pionieren im Frühling. Diese Fahrt der „eakoahaber hat mehr als shmbolisch« Bedeuiung und sir kann der berückenden Schönheit de» palSstb «ensischen Frühling entbehren. „Hatoah" kommt selbst als Pionier zu Pionieren, nicht mit leeren Händen uitb nicht bloß um zu sehen und zu empfangen. Mit fanatischer Zähigkeit hat eine Schar junger Nutzen Kraft, Elastizität und sportliche Kampftüchiigkcit ihres Körpers gepflegt. Fhr - Beginnen hemmte Spott, Unduldsamkeit, Geringschätzung, Hätz und Judenfeinde und die weit schmerzttchötk Apathie, das weit lähmendere Kaseehaußgeschwätz südtschet Zeilsmvssen. Sie setzten sich durch, man weiß es ja: sie setzten sich lerrlich durch, und die wenigsten, die jetzt „Hakoah" als einen der Attivposten jüdischer Erneuerung schätzen, denken auch nur einen Augenblick daran, w'- dorneurelch, wt« bitter dieser Weg zur Höhe war, welche der Begeisterung m Werke sein mutzte, um die Zeit vom belächelten Anbeginn biS zur heutigen Entfaltung burchzuhalten. * ».Euer Bestich Ist für uns da» größte ErestmiS dtt letzten Jahre. Da wir den Tag Eurer Ankunft kaum erwarten können, ist es uns HerzenSbedürfuiS, wenigstens aus schriftlichem Weae schon jetzt den Kv«:okt mit Euch herzustellten. Seid nicht böse, wenn wir Euch jo viele Briest schicken!" Diese Worte, herausgerissen anS dem täglich wachsenden Stoff von Briefen anS Palästina an die „Hakoah" sino für die jüdischen Sportler reiche Entschädigung für die Bitterkeit langer Jahre. Die dort dr-üben, welche jahrelang mit dem Wüstmboden rangen, biß er sich erschloh, wissen di« Tat der „Hakoah" zu schätzen, wenn sie auch, oder gerade weil sie durchaus einseitig, verbissen einseitig war. Die dort drüben haben das Gefühl, daß diese jungen Menschen zum Unterschieb von vielen Palästina-Kibitzen bereit und fähig wären, im Augenblick den Steinhammer zu ergreifen oder den Spaten und mitzumnl Wenn sie auch (oder bester, wenn auch viele unter ihnen) den inneren Znsameuhang mit dem Werte der jüdischen Erneuerung und Errettung in Palästina nicht hatten. Aber wer im Angesicht einer gar nicht wohlwollend aus. jede Blöffe lauernden Oeffentlichkeit einzutreten wus-te für jüdische Hochstleisfimg auf einem Gebiete, das eine jahrhunderte alte feindliche Entwicklung dem Judenttim verschlossen hatte, der ist wie kein anderer berufen, mit klarey Augen zü sehen, was geschah, wenn junge Juden Straffen bauten, auf Steinboden Fruchtbäume pflanzten, Städde und!n blühende Felder gebettete Dörfer förmlich aus dem Beden stampften. Di« werden nicht blvff Palästina „bejahen", nach der Art schöngeistiger Intelligenzler, die werden zurückkommen und für Erez Israel arbeiten, wir sie für daö Wachstum ihrer „Hakoah'' gearbeitet haben. * Die Welt ist nicht blind für heldenhaftes Tun. (Das Wort ist mit Bewußtsein und Verantwortung gewählt. JA meine nicht die Mitläufer und gerechter Weise auch nicht die. welche kamen, als ,Kakoah" schon groß war, sondern jene, di« von Anbeginn und mit Selbstausopfernng die Jahre der Vorbereitung und Erziehung mitmachten.) Tie Fahrt des Sportklubs „Hakoah" nach PalaWa ist für das Judentum eine Angelegenheit von politischer Bedeutung geworden. Den Wiener jüdischen Sportlern wird in Haifa «ine Mannschaft gegenÄberstehen, die sich aus Arabern, Christen, Engländern und Juden zusammenseht. Darum durfte ich früher sagen: Sie kommen als Pioniere. ES gelang ihnen zum ersten Male, die so heiß ersehnte Eintracht im Lande anzubahnen, und da zeigte es sich schon, daß d!« häufig unterschätzte Beschäftigung am „grünen Rasen" politische Auswirkungen haben kann, die sich am „grünen Lisch" nicht auSklügeln ließen. „hakoah* bringt nach Palästina mit: Disknffe, Kngeln, Sperre, die Insignien leichtathletischer Körperkultur und schwere Kisten mit Büchern für di« Universität in Jerusalem. .Hakoah" bringt mit: eine Schar junger, frischer Menschen, deren Herz sich weit öffnen wird dem Pionierleben der Chalu« zim und Mäun-er der Industrie und Wirtschast. welche die Möglichkeiten der Erweiterung und Festigung des Aufbaues von Erez Israel studieren wollen. Sie wird bestimmt kein blotzeS „Sportvergnügen" sein, Weife Fahrt der Wenn jüdiischeck Spooler durch Evoz Jsra-el. Gute Fahrt, ihr Beneidenswerten — und bringt uns güte Botschaft! °* % Sie FeirrtagrmSrNe. Begreiflicherweise war gestern der Besuch der 'Markt« trotz deS SchneawetterS übevau» stark. Der größte Verkehr yerrschde auf den Geflügel« und Fisch Märkten. Die Borräie an Geflügel und Fischen waren twtz der lebhosten Nachfrage vollkommen ausreichend. Auf dem.Fischmarkt blieben die Preise für Karpfen unverändert auf 30.000 biS 42.000 Kronen pro Kilogramm; in den Bezirken wurde dagegen stellenweise mit ^'bendrn Karpfen Wucher getrieben und Händler verlangt«» Pvoije bi» zu 50.000 K. pro Kilogramm. Auf dm t Hi T.V. ..mX. 4699

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.