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Wiener Morgenzeitung · 1923-12-25 · Heft 1746 (25.12.1923) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1746 (25.12.1923)
Date
1923-12-25
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 1746 Men, Dienstag PMstina? ~ Die erste Sitzung de» neuen Staatsrotes. . Aus Jerusalem mdldet I. T. A.: Der neue Kdvisory Couuc!I, der von Dir Herbert Samuel zu Beginn dieses Monates eingesetzt worden ist. hielt bereits ioine erste Sitzung ab. Die Hauptangelegenheit, die zur Diskussion stand, war die Sicherung g e s e tz l i ch e r Z uftände, besonders im Beer She ba-Di strikt, wo die Lage eine Zeitlang unsicher war. König Hussein und der Pia« der panarabischen Föderation. Jerusalem, 23. Dezember. (I. T. A.) Die Ankunft des Königs Hussein von Hedschas in der Hauptstadt von Transjordanien, Amman, wird für den 30. d. erwartet. Der König wird von dem Minister sür auswärtige Angelegenheiten des Königreiches Hedschas, Fuad el Khatib Bei, begleitet sein. Wie verblutet, .wird König Hussein bec Gelegenheit seines Ausenthaltes in Amman mit seinem Sohne, dem Emir Abdullah, sowie mit anderen arabischen Repräsentanten die Frage des- Abkommens zwischen England und Hedschas erörtern, bevor der Vertrag unterschrieben wird. Deputationen palästinensischer Araber haben sich auf den Weg nach Amman begeben, mit dem Auftrag, sich an dem Empfange König Husseins zu beteiligen, und diesem gegenüber gegen die Palästina betreffende Klausel des Vertrages Einwände zu erheben. In der letzten Woche sandten moslemitische und christliche Vereinigungen dem König Hussein Telegramme mit dem Ersuchen, den Vertrag nicht zu unterzeichnen, wenn die Klausel betreffend Palästina in der Form beibehalten würde, wie sie in dem von der Palästina-Regierung veröffentlichten Text enthalten ist. Es wird allgenrein erwartet, daß die Frage eines panarabischen Staatenverbanpes unter Einschluß Palästinas auch - in Amman erörtert werden wird, im Hinblick ans die große panarabische Staatenkonserenz, die am 26. Jänner abgehalten werden wird. Bei dieser Konferenz wird auch der zweite Sohn König Husseins, König Faisul, anwesend sein. Aus zuverlässiger Quelle wird dem I. T. A.-Vertreter versichert, daß die Idee der panarabischen Staatenkonföderation mit Einschluß Palästinas fortbesteht und in politischen Zirkeln lebhaft erörtert wird. Die LbNaotionen der valöstlvenfischen Hypothekenbank offUicK gemAtutat. Aus Jerusalem meldet I. T. A.: Die Ausgabe von Anteilscheinen der palästinensischen Hypothekenbank, die vom Keren Hajessod gegründet worden ist, ist hier am 18. d. offiziell genehmigt worden. Eine Kolonie der österreichischen Aquda. Die Wiener Agudas Israel beabsichtigt die Gründung einer Kolonie auf dem Boden des historischen Bnei-Brak in Palästina, wo die Nachbarschaft des Ruthenbergschen Elektrizitätswerkes und der gut« Ackerboden eine landwirtschaftliche Prosperität verheißen. Der Bodenkamplex wurde von der bekannten palästinensischen Baugvsellfchast Basith Wenachalah erworben und die österreichische Agnda beabsichtigt, auf diesem Boden eine eigene österreichische Sicdlunasaruppe zu errichten. Es müssen in fünf Wochen die ersten 2000 ägyptischen Pfund be- Wiener Movgenzeitilng. ' _^ M. Dezember '1923_ e*xk 8 Gm NtflftsniMal in sämtlichen Abteilungen I i«l i r■nnwüvt ■ » Fraekbemden ..K ltO.OOO Rav6-B»tisthemden . . „.K 110/. 00 Seidenb«mden . . ......... 85^.000 Lrikrlisohv Zephirhemden.K 110 000 Hüte . . .. K 180000 Pyjamas . . . .. K 1B0.000 Wollw^ten . . . .... .... . .K 170.000 Krawatten ... . , K 50,000 Taschentücher. ...... per StückiK 15,000 Frack*, Smokimr- und oriff. engl. Anittge nach Maas, Pelze, Automäntel. I, Sonderpreis Or'g. engt Raglans. . . . . . K 1,200.000 stätigt sein, damit das Optionsrecht zu den ermäßigten Verkaufsbedingungen der vorderhand für Oesterreich in Aussicht genommenen 250 .Dunum Boden ausgeübt werden, kann. Ein Dunam Boden soll ungefähr 9 ägyptische Pfund kosten. Man muß nun abwarten. ob der Plan der Aguida zur Tat wird. „Felostin" über Jäbotinsky. Der „Felostin", das Orgm^ der Mästinensisch-arckbffchen Exekutive, gibt einen Artikel wieder, der kürzlich van Wladimir Jäbotinsky unter dem Titel „Eine eiserne Mauer" in drr Presse veröffentlicht worden ist. Di? arabische Zeitung fügt die folgende Bemerkung hinzu: „Uns stehen die Haare zw Berge, wenn wir lesen, was Herr Jaboiinsky über unser Land zu sagen hat. Wir sehen deutlich, was Herr Jäbotinsky aus Palästina zu machen gedenkt. Wir wollen lieber sterben, als es erleben, daß es mit unserem Lande so weit kommt. (Jta.) ich ver Lklohd Girorge-Parteh blieb aber in der Mim decheit. Ae Migkritdes türkischen Sondergerichtshoses. Aus KvttstcmOnopvl würid berichtet: Der >MÄchtShoif zum Schutze der tü^öifchvn Republik" ist bereits.in voller Tätigkeit. Die Dechast.nugeu sogenannter GeymrevoiÄbionärer Element« sind noch nicht abgeschlossen und unter den bsveits bisher Berhafteben befinde» sich auch Persönlichkeiten aus der nächsten Umgebung des KcOfen. so unter anderen auch dessen persönlicher Wdsuidaut. Die Verhöre mit den drei wegen Veröffent- Eichung des BviefeS Aya, Khans verhafteten RedaKenve dauern bercktS mehrere Lage. Die Anklage lautet auf Aufreizung gegen die Gesetze der Republik, die den Kakifen Mer weMchen Macht entDoSden. Die Angeklagten vechtfe-vtiigen sich damit, daß chnm die Mchrfft des Briefes durch die Post gwgclstellt worden sei. Dem Ibmlstcmlde, daß die Anschriften aus London st-ammen, was laut der AuVlaye die RedaLeure hätte zur Vorsicht mchnen sollen, haben sie ksine Bedvutu^ng böigemessen. Im übckge-n versucht Agg Kahn .s^bst den vechcvf- .ieten Redarteuven von London aus Zu hellfsn. In sinsm an den Herausgeber der ,/Demps" gevichtet'en SchvaSben weist er den Vorwurf, feinen Brich an Jchmed Pascha auf englisches Beitre-iben oder gar zur Förderung englischer EiNnÄschung in die Angsleyrnheiien der Türkei gchchrtickben zu haben, energisch gurück. Gr habe immer für Herbeiführung freamVschcW'icherBe- Kchungen Zwischen Gvoßbrit'cmnien und der neuen Türket, allerdings auf der Gruindlage der Soubevämtüt nicht nur - der Mrlkei sondern auch Pechians und Afcchanlistaws gewrrLt. Diese feine TAngkeit sei auch Nicht chne Evfolüg geMeben. Agr Khan erklärt ferner, daß er gar nicht daran denke, eine Rückkehr zum monarchistischen System in der Dnrkoi oder die Wrejdervereiinignng von KoKfat un!d Suilianat gu fördern. Er sck immer der Meinung gewesen, daß die vepulbl-vkcmrsche Staatsfovm sich Ar vchne Komiitiische Staatsgomeinschaften vovOEch eigne. Was er allerdings wünschen müsse, sei ein starkes KaKsat, daß^ sich über den politischen Parteien erhebt und daß dieses Kä.H^ bei der FcvnMe bleiben «Müsse, die es seit Jahrhunderten inne habe. Dor diesen Sondevgevichtshof soll nach Beendigung des Prozesses gegen die Rchaikbeure die AnWage gebracht werden, die der Präsident ans das öKumeursche Patvichchat Papa Gpht-in wegen Hochverrats angestrengt hat und über weilche wir wiederholt bevichbvden. 2r. Sölowettschik aus der SioaWschm krekntive ausgetreten. Aus Lrudru melde: I. T A.: Das Mlglivd der Londrner Zionistrscken Cxck.üivL S eloweitschik har'dem Präsidium der Exekutive daß ex sich gqzftmmgsn sche, aus d-w Exekutive a u s; u : t c : : n. ,, Dr. SolnwcitschiL bat noch k:ri einiger Ae>it gegen den .po.lit i;chen Sekretär der Ere.tu'ioe Leonhard Stein den Borwurs erbo'b"«, daß er die Beschlüsse des großen Akt'onskamit-^s eigen.möch'.'g i lsl^Ze. Dr. Soioweitschik bestand inwlzedüs'.n aus Entlassung des SLkrctärs, welcher Forderung jedoch die Mehrheit der Exekutive Nicht stattgsgcben hat. Daraiufhin meldete Dr. SoiÄweiischiik seinen Rücktritt an. Mr. Leonhard Stein spielt sine Rolle im politischen Leben Englands. Er war bei den Letzten Wahlen Kandidat Sie ruMche RMmalltStenpoMk «ud dir Zuden. Bekanntlich ist vor einiger Zeit das sowjetrussische Kom» wissariat der Nationalitäten abgeschafst worden, worauf die einzelnen Bundes-Sowjetrepubliken aus territorialer Basis organisiert wurden. Im Zusammenhang mit dieser Um< gestaltung tauchte d-er von den Volkskommissaren Käme new und Stalin verfochtene Plan auf, eine jüdische Bund esr epu b li>k i n Weißrußland zu errichten, um der jüdi^ schon Bevölkerung dieses Gebietes, welche in einzelnen Distrikteu besonders stark ist, eine direkte Bertvetung im Zentralrat zu ermöglichen, in welchem es gegenwärtig keine speziellen iüdiscyeu Vertreter gibt. Wie die I. T. A. erfährt, ist dieser Plan \n\nmehr fallen gelassen worden, vermutlich darum, weil eine jüdische Bundesrepublik zu großen Anfeindungen ansgesetzt wäre. Am besten u kaufen Sie im iScniffmann TafaorstraSe 4& Tatonhon 47-1-78 | Bn aros En dets Vom Werden der jüdischen Renalsfanre. <Achad Haams Briefe.) Bon Dr. Joses Mcisl. Die Kunst des Briefschrcibens ist auch bei uns in Vergessenheit geraten. Wer verfügt noch über Zeit und Kraft, um seinen Gedanken in Briefen an Freunde und Mitstrebend«:» zu gleichen Zielen Ausdruck zu geben, seine Seele aus ihnen sprechen zu lassen? Umso tiefer sind die Eindrücke, die wir voll Briefen empfmcgen, die über rein geschäftliche oder familiäre Angelegenheiten hinaus sich zu einer Sphäre echebeu, «us welcher die Fragen: der Zeit, die grossen. Prvblcnce des Individuums und der Allgemeinheit zn uns sprechen. Bricfsammlungen solcher Art sind in der hebräischeic Literatur, insbesondere aus den Zeiten der Haskalah, nicht gerade selten. Aber es ist wohl nicht übertrieben, wenn wir behauptell, daß nur wenige dieser Sammlungen an plastischer Airschaulichkeit, an epigrammitischer Prägung der Gedanken, a»r Größe und Bedeutsamkeit der erörtertest Probleme, an meisterhafter Beherrschung der Sprache den Vergleich mit den jetzt zu erscheinen beginnenden Brich'eu A ch a d H a a m s*) auszuhalten imstande sind. Auf Drängen seiner Freunde hat Achad Haain sich entschlossen seine Briese in mehrere!: Bänden, angefangen vom Jahre 1896, der Lesfentlichkeit zu übergeben, eine Aufgabe, die ihm noch dadurch erleichtert wurde, daß er fast von allen Briefen Kopien zurückbehalten hat. Zwei große Gebiete eröffnen sich uns aus den. in dem ersten Bande vereinigten Briefen: Die hebräische Literatur und das Palästina-Problem, beziehungsweise der Zionismus. Irr beiden Richtungen stand Achad Hacun in den vordersten Rechen, in Heiden Richtungen wird sein Einfluß von ent- ^jheidender Bedeutung. *) Band I, Tel-Awiw, . »M'oriah" Achad Haaur!var iu der hebräischen Literatur sticht nur ein geistvoller Schriftsteller, nicht nur eüt unvergleichlicher Stilist, sondern vor allem ein Erzieher. Mit einer beispiellosen Hingebung seiner Person, mit Opferung seiner Privatinteressen hat er dieser Aufgabe gedient. „Wir haben weder Schriftsteller noch Literatur", so sagte er seinem Freunds Rawilizki (S. 65). Und sein Ziel wurde es, beide zu schaffen. Wie hat er darum leiden und känlpfen müssen! Demc Achad Haam ist ein Unenttvegter, kein Mann der Kompromisse. „Was ich bin, bin ich. Ich denke nicht daran, mein Wesen und meine Llnschauungen über meine Pflichten als Herausgeber zu ändern. Und wenn ich sehen werde, daß ich mH dieser meiner Natur und meinen Anschanungen dieses Gewandes nicht tvürdig bin, iverde ich von der Bühne herabsteigen, aber ich iverde herabsteigen, wie ich hinaufgesticsgen bin, und ich iverde sein, der ich gewesen bin." (An Achiafaf S. 48.) ■ ' Gegen eine Welt von Vorurteilen, gegen Mißbräuche, Uebelwollen und Verständnislosigkeit mußte sein Kampf geführt werdeir. Es ist nicht gar so lange her, als unter den Hebraisten die Meinung verbreitet tvar, jeder des Hebräischen Kundige könnte schreiben und jeder hebräische Schriftsteller sei von vornehcrein ein Talent. Achad Haam snchte mit der ganzen Kraft seines Einflusses biefotu Unfug cntgegenzutreten. Nicht jeder der schreibt, könne auch «schreiben, und man kann ein ausgezeichneter (Genießer, ja Kritiker sein, ohne selbst etwas schaffen zn müssen. Der Kritik in höherem! Sinne in der hebräischen Literatur das Bürgerrecht verschafft zu haben, ist Zlchad Haams Verdienst. Und er hat es sich nicht leicht gemacht. Es gibt fast keinen Aufsatz, kein Gedicht für den „Haschiloach", die er nicht »selbst bis inS Einzelne prüft, zu verbessern sucht und nöttgenfalls.schoünngslos zurückweist. Dabei macht es für ihn kaum einen Unterschied, ob es sich um anerkannte Persönlichkeiten, oder Dii minores handelt. Ihn schreckt es nicht, sich mit anderen Schriftstellern verfeinden zu müssen. Denn er will ein literarisches Niveau schaffen, den kritischen Sinn schärfen, die rf,58atlanut", die ihm als eines der Grundübel erscheint, mit Stumpf und Stil ausrotten, zu Takt, Toleranz und Geschmack erziehen. Er klagt über den mangelnden .Errfft. vieler Mitarbeiter, die allenfalls zu dilettantischen Ver-° suchen in Feuilletons und leichter Ware zu finden sind, nicht aber für das chm so besonders am -Herzen liegende Gebiet der popularisierenden Wissenschaft. Dies ist um so schwieriger, als die Gelehrten, die dazu am besten geeignet erscheinen, die wenigen in Westeuropa vorhandenen jüdischen Gelehrtetn, kvie etwa David Kaufmann, eS verschmähen, „zunc Volke herabzusteigen". Man mag in Einzelheiten nicht immer Achad Haam zustimmen, mall mag sein Verdienst und seine Erfolge einschätzen. wie man wolle, über alle Kritik erhaben steht seine sittliche Persönlichkeit, die mit der überlegene Ruhe des phllosophisch geschulten Geistes und mit d!em ^unbeirrbaren, nur von dem eigenen Gewissen diktierten 'Verantwortlichkeitsgefühl für eilte erhabene Aufgabe ihren Weg ging. Aus dieser Voraussetzung begreift man seinen Kampf mit denr unbändigen Wildling Berdyczewski, der alles vernichtell und ein neues Judentum begründen, dem Nietzsche' anismlls Eingang in die hebräische Geistestvelt schaffen will, einen Kampf, den Achad Haanr führen zu müssen glaubte, nicht nur, weil er Berdyczewskis Voraussetzungen für falsch ansah, sondern weil ein solches Beginnen ihm verantwortungslos und mit seinem Gewissen unvereinbar erschien. Und' man begreift weiter, weshalb Achad Haam es ablehnte, sich für seine Haltung zu Personen und Problemen die Weisungen von einer außerhalb seiner Neberzeugung ftehendsir Instanz diktieren zu lassen. Mit aller Entschiedenheit tveist er es zurück, den „Haschiloach" zu einem offiziellen zionistischen Organ zn stempeln. Nur im Dienste der RenaissanceVewegung, unabhängig von parteimäßigen Bindungen, sollü seine Zeitschrift stehen, wie er selbst sowohl den Chowewc', Zion wie auch den Zionisten gegenüber zum Verdrnste viele: sich das Recht der fteien Kritik gewahrt hat, und es nichi als gotteslästerlich ansah, wenn man ihm in gleicher Weis« entgegentrat. Wir, die wir die fertigen Schöpfungen Achad Haanu. bewundern und lieben, können je<ck erst anseinen Brief«.

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