Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1745 (24.12.1923)
- Date
- 1923-12-24
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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Xv«wii »erde jedoch dann einer endgültigen Vereinbarung der Anleihe nichts im Wege stehenAnddiesedürftedanninderJännertagvng der Unterkommission erfolgeu. DaS Prottck)ll 1 werde allgemein als politisches Protokoll bezeichnet, indem darin eine Deklarativn politischer Natur enthalten sei. Dieses Protokoll unterscheide sich von dem bei der 'österreichischen Anleihe ausgestellten nur msoferne, als cs in der abweichenden Stellung Ungarns und den anderen Berhältnisten Ungarns begründet sei. Zlllen Gerüchten gegenüber stellte der Ministe rprästdeut sodann fest, daß der Iuhtttt der Prorokrlle vom ungarischen Standpunkt aus ein befriedigender sei und keinerlei Bedingung oder Erklärung enthalte, die die Souveränität Ungarns verletze oder eine Einmischung in innere Angelegenheiten bedeute. Die Bevölkerung »oerde sich davon nach der Veröffentlichung des Textes überzeugen können. sayem WA feine Berfaffiw» wdem. München, 24. Dezember. (Südd.-Korr.-Gureau.) Der Landeüansschuf; der bayrischen Vol-kspartei, der die Frage der Einleitung eines Volksbegehrens nach Auflösung des Landtages und auf Verfassungsänderung entscheiden soll, ist für Samstag den 29. d. nach München embemftn worden. MtiseMWchr FasziKe« in Tripolis. En.de Äusull dieses Icchres anLoickettsn ftch in Tripolis aus einem -unHedcutLndL-n Zwitckienfall Kvffchsn einem jüdischen 'LtraxerchLndler und einem irÄ-ienstchen SamtätAsMatvn, der den» Händler seinen Stand mnwa-rf, SchLägewren einer lÄrrchps rrn Faszistm unter der LnWvrmg eines gewijssn Bazaacna mir den Inden i-m jüdischen Biertvl Von Tripolis» bei .denen es a ch: Verwundet e, davmtter s i'l n s Jude n, szch. Damals rmrrdcn rtvanzig Juden unter de-r Deschrrldigung der Unrubestistung orrbfirer. Einige Tage später durchzog eine Mreilung von FaLzistcn das jMfche Giertff und griff die iürirschcn Pussan-ron an. Von von verhafteten Juden wurden zehn zu Arrestst rasen von zwe i bis fünf Mona« ren veMrtdllt. Seicher verschärse-n lich die fvichr: sehr grntcit Brzichrurgen Aviichrn den JLstirnarn und Juden in Tripolis muneir nrehr. Die in Tripolis angcksmmenLN Fastzisten tragen offen aim feindfelig: Hailiurrg gegen die Mische BöMZerimg von Tripolis zur Schau. Bor einiHeu Wochen erst wurden Mtter der Be« schulSigu-ng des EinvsrstülckmffsS m»r den an t^itasien ischen Revolutionären von TrfinM entzige angesehene Mitglieder der Mischen Gemeinde, die im Lande all« gom-üues Ansehen genießen, vsvhafvet. Unter chncm betfarch sich auch der angchchens Bankier 81 a h n m, der zu fünf Jahren Kerkers venrrtM wurde. Ssi-n Vermögen wu-rlde kon« f I I ,z irrt. In der allerletzte« Zsk wecken von dsrr Führern' der Fasfistsn in Tripolis öfftnrr-ich antisemitische Hetzreden gehalten, besonders von dem FasMensiHver Tpktor Slavaiti. Trotz der aus Rom gekommenen WeHungsn an die Faszistengrupp-n in TriPs'Ks, sich jedes foiMchchsn Aufrreions gesen die Juden pu enthcZtnr, hören die anjisemürschen Huchlsrekn wicht atif. Es scheint, daß der FaLfismirs mit der Entfernung von seinent MtttLett«P'd die -bnti'emitMe Note gewinne. - Tagesbericht. Mfttnöser einer FqhrikynteussMn. Zn der Nacht-zum 22. d, ZN. ist innerhalb weniger Stunden die 34jährige Maschinenfabrikantensgattin Helene Zuckermann, geborene Odkas, XVM„ HaiMgergasse 4b, unter merkwürdigen Umständen verschieden. Am 21. d. M. nachmittags war Frau Zuckermovn vollkommen gesund weggegsngen und als sie gegen 16 Uhr nachts in einem Antotax'i nach Hanse kam, klagte sie dem ihr öffnenden Dienstmädchen über heftige Atemnot und erlitt im Vorzimmer ihrer Wohnung einen O h n m a ch t sa n fall, so daß sie sogleich zu Bett getragen werden mußte.' Ihr Gatte, der eben heimkehrte, bemühte sich mit Hilft des ra'ch heröeigerufenen langjährigen Hausarztes Tr. N. Dpbrowsky, um seine Frau, pnh auf mnges Befragen erzählte sie den beiden Herren in abgerissenen Horten, stets nach Atem ringend,. fei auf das Auto, in dem s i e gesessen, ein Mann aufgesprungen, der dem Chauffeur die Worte zugerufen habe, ob sie (er meinte die Insassin) allein sei. Darüber sei sie in ungeheuren Schrecken versetzt worden. Weitere Fragen der Herren, wie das Auto ansgesehen habe, das sie benützt habe, und über beit Mann, der aufgesprungen sei, ließ sie unbeantwortet und erklärte, alles genau schildern zu wollen, wenn sich ihr Zustand nur einigermaßen gebeffert habe. Trotzdem sich der Arzt weiter um die Frau bemühte, ist sie b a l d d a r a u f v e r s ch i e d e n, ohne daß man etwas Näheres über diese mysteriöse Autofahrt von ihr erfahren konnte, so daß die Frage darüber offen bliev, ob die Erzählungen der Frau den Tatsachen entsprechen oder ob es sich um Phantasiegebilde einer Sterbenden handle... Die polizeilichen Erhebungen wurden durch das Kommissariat Währing eingeleitet, zumal feststcht, daß tsie Verstorbene tatsächlich mit einem Mitteilungen aus dem Publikum. TAZHZI&iSTITm Josef Ehrlich h ROTGASSE 3 * MODERNE TÄNZE Auto fuhr, daß sie in der Easa piccola auf der Mariahilfersl/aße, m dem sie nach ihrer eigenen Angabe von 7 Uhr abends geweilt hatte, und vermutlich gegen 10 Uhr verlassen haben dürfte, ausgenommen hatte. Andererseits aber schließt der Hausarzt Dr. Dobrowsky auf sogenannten Herztod und erklärt, daß die Tote besonders in bet: letzten Zeit an Atemnot und Herzbeschwerden gelitten hat. doch wurde, da die Todesursache nicht bekannt ist, die gerichtliche Oeffnung der Leiche beantragt, da auch ein indirektes fremdes Verschulden an dem rasch erfolgten Tode nicht von der Hand zu wciseu wäre, und die Staatsanwaltschaft von dem Vorfälle in Kenntnis gesetzt. Ler Raubübersall in der Leopoldstadt. Roch keine spur des Taiers. Die Bemühun-gen zur Aufklärung deS R<uMbevfalles auf den Sollizitator Siegumud Rosenfeld, der in der Leopoldstadt von einem Unbekannten niedergeschlagen und seiner Tasche mit 75 Millionen Kronen beraubt wurde, haben noch kein Ergebnis -gezeitigt. Gestern nachmittags konnte der in Spitalsbehandlung befindliche Sollizitator neuerdings einvernL-mmen werden. Er gab «me Schll" derung seines Weges nach dem Verlassen der Kanzlei des Rechtsanwaltes bis zum Moment des Betretens des -Hauses seiner Nichte in der Oberen Donaustraße. Er war am Freitag erst gegen 12 Uhr mittags von dem Rechtsanivalt fortgegangen. Sein Weg führte ihn zuerst in die Trafik in der Do-blhvWasse, von dort zum Jnstizpalast und zürn Postsparkassenanrt, wo er den Scheck ans 50 Millionen Kronen einreichte. Da er wußte, daß er -längere. Zeit warten müsse, begab er sich inzwischen zu-m nratzkstvatischen Bezirksamt tu der Wipplingerstraße und dann zur Steuerad nünistration am Fl-eischmarckt. Hieraus kehrte er wieder in das Postsparkassenamt zurück — es war dies gegen viertel 3 Uhr — und erhielt auch den Scheck a-uSbczahtt. Er nahm bas Geld, zählte es genau nach und erklärt auch selbst, daß es für eine dritte Person sehr leicht möglich gewesen wäre, ihn dabei zu beobachten. Dann gillg er znm -Handelsgericht, von hier m das Finanzmmistsnum in der Iohannesgaffs und über den Parkring Znm „F"-Wagen. in dem er bis zum Schottentor fithr. Hier stieg er grrs und begab sich zum BanHaus Kantor.!oo er, ime er glaubt, gegen halb 3. Uhr nachmittags erutraf. Da die Kassa geschloffen war, begab sr sich zum Straft bxgirkßgericht 1 u.nd ging dann noch in die Konditorei Reich, wo er Kourpott Linkaufte. Erft nachdem er diese Gänge hinter sich hatte, wollte er seine Nichte besuchen, Ep saun sich noch erinnern, haß iv das Haus nt der Oberen Donartstraße. betreten ü.tt. daran aber, daß er überfallen wurde und nw.> i'f>m geschehen ist, kann er sich absolut nicht erinnern. Samstag hat sich bei der Poläzei eirt Schaffner geurelder, der am kritischen Tage in seinem Zuge der Linie „O" finen etwa. Mahrigen.Man«.mit rnagsvem Gesicht, dunklem Hut und solchyn Ueberzieher beobachtet Hai, als dieser eine braunlederne Brieftasche öffnete urtd ein Paket mir zirka 30 Bartknoten zu 500.000 Krvnen herauäzyg, die einzelnen BanEnoten zählte und wieder ein-st-eckte. Aehnlichr Anzeigen aus dem Publikum könnten auf die Swtr des Täters führen, dessen Ausforschung arlgeistchts des ganzen Falles besonders schwierig erscheint. SeettMpna les WuflsmftMs. ■ Nach zwölfwöchister Dotier ttmchc der Chauffeurstreik bei den großen AtttotctMnternchmett beendet. Bekanntlich wollten die vier großen törttziebe sich dyn Zugsstgutztristen, welche die kleinen Utttewehnurngett den Chartsfenreit gemacht hatten, nicht anschließen. Gestern vorutittags fand iit der VoAshall« eine Versammlung der Chausftttre statt. Es wurde berichtet, daß dj« Verhandlungen mit den Unternehmungen zum Abschlüsse eines ÄolleStivvertrages geführt haben. Danach erhalten die Chauffeure einen Mindest lohn von 198.000 K. und 25 Prozent der B r u t t o e t n n a h m c n. Der Index wird sich auf ben Mittdestlohn auswirken. Bechaftrter NMnmSMr. Berlin, 23. Dezember. (Tel. der „Wr. Morgen« zeitung".) Der Kriminal-olizer ist es gelungen, einen dreihigfachen Massenmörder zu vechaften, Der Bochaftete ist der Arbeiter Scheibner, die AerhastnW er« folgte in Glogen in Ächlösien. Schsibne? war schon vielfach gssycht worden und hat «ach eigenem Geständnis etwa dreißig Morde auf dem Gewistrn. Meistens hat er seinen Opfern aus den Ehausteen anfgelauert, sie übersatten, ermordet und beraubt. 8in stanMcher Semli« vemWW. Perrls^ 23. Dezember. (Wolfs.) Der Frankreich gelieferte Zeppelin «Dixmuide", her gestern eine Reise nach Tunis unternommen hat, ist in Sturm ge» raten und schwer beschädigt worden. Re ßntdeckung des Radimus. Das Jubilattm CuvieS. Der ,Mrtin" schreib: Ant '36. d. wsvdem d M daß dcr verstyckene Pi-evr« Curie der Acodrwie de- SdianrrS die Mitterlumg macht«, «S fii ihm-, unter MLstwittung sainer Fra-u, «Mich geltmsen. das so lan-ge gebuchte neue Moment anS der Pechblende auszufchridett. (Der ,Moii-n" schwA „de la PeckMnide".) Curie haile zehn Jahre expermvcinlt'iercn müsstu, che cs ihm gkla.W, die gnvnU!ogtt,den Arbeiten des Gelchotcu DeSquarques zimt MrMchen Ende zu führen. De.r Frawps« Dcs^ter-qrtes war der erste, der ein .noch u-nbrkannics Nom-ent in der Pcchil'londe sucht«. Curie n-auwie das <tmi g.'s.!indc-ne Eümtrnt „Radiutn". Jedermann kennit heute dessen wttndvvbare Ci-Atttlchchten, stder wsiß, daß fast alle Wiffstvschafivn auSlchlaggeibend durch daö Radmm bevinfluß-r inmcken. Die Akademie des Soi>on«S Hai daher beMossen, das iJEiiläntm dieser Entdeckung feieÄrch zu begehen. Die kündüat für den 36. d. aln« Gällffitzung Eier dem Wrenvorsitz des Präsidenten der RüpE an. In dieser Sitzu-nq soll Frau Curie, neben däeVen Adveffyn ausländischer gelehrter Korpomvionelt, «kch der Sbfftshvief der Tnrie-Stifiimg übera-bc« wecken, deren erste N>ntznieß»rin die bedeulonde Gelehrt« felbrr fit. Mn weiblicher Saddik. AugestchtL der bekannten Tatsache, daß bei den. Attdex die Frauen von allen Dingen, di« mit der velitziöftn Tradition zusaunnenhängen, ftrngshalten werden, ist es besonders bemerkenswert, daß in der Geschichte der chassidischen Bawsgnug eine Frau eme Rolle spielte. Cs gab tatsächlich in der ersten Hälfte des 19. Iahvhunderts einen weiblichen Z a tf b i k, eine Frau, welchals Wnndsrtätevim und Mittlerin angeschen -war und eine ^verhältnismäßig oroße Zahl vo-n chaffidrschen Anhängern um sich scharte. Es ist dies die mtfct Vsm Namen „Lju d mirer Mojd" bekannte, Chane Rachel Werbeumanuer. Die wurde im Jahre 1815 in Madimir- Wolynski (der Ort wird jüdisch. „Ljudmir" genannt) als Tochter de« reichen und ob seiuer Gelehrsamkeit angesehenen Mnasche WeÄemnanner geboren. Chane Rachel, dos einzige Kind ihrer M-svn, war von großer Schönheit und besaß bedeutende geistige Fähigkeiten. Gs wird erzählt, daß sie im Mer von sechs Jahren die ganze Bibel im Original auswendig kvMte mck» «in gutes Hebräisch schriebe Später lernte sie auch etwas Gemara, Midrasch uu-d verschiedene raMnische Literatur. Bon früher Jugend au war sie sehr fromm und, wie «.ryähilt wird, geriet sie beim Achtzt in anßsrschsntkiche Mftaft und Bel^ttcktmg. Gie wurste m firngen Jtchrm verlobt; ihren Bräutigam kamtte sie noch von Kindheit an rmd hing sehr an ihnr. Da aber jüdische Wte «8 verbot, daß Braut und .Bräutigam vor der chochgsit MsarmmnioMMen, litt Chane Rachel sehr unter dem Zwang dieser Kbschließnng und wn-cke geumtSkrauk. <$te wurde menWnschen und sprach Mt nrernandem, schloß sich in ihr Zmnmr «in und hielt SeMstzgefPräche oder sprach mit Hott, kutztz» eS zeigten! sich aste Gynchtom« uervüftr lksHerreizung. Der Zustaud dauerte einige Jahve, inzwffchsn verstavb die Mutter des Mädchens. Plötzlich trat «ine Wandlung in ihrem Wesen ein; Chane Wchel begann toi« ein Mami zu leben; sie trug eimm Talliskoten uttt SchausäVen, betete in TaMS und Tesillin imd verbrachte Tage und Nächte mit Gehet und Stuidien. Die Verlobung löste sie aus und tat am Gelübde, nicht zu heiraten. Noch dem Tode ihres Vaters erbte si? dessen ganzes Beriuögen- und erbaute aus diesem Geld-? in ihrer Vaterstadt ein P e t h - H a m i d r a s ch, in wel chern sie ein besonderes Gemach für sich hatte, Wo sie beten' und levnte. Chan« Rachels Frönrmigkeit und ihr Thorastudiuut erregte in ganz WoHhnien Aufsehen, und aus allen Orte;: Mgerten Mmrner und Frauen zn ihr wie zu einem Zaddil. Auch Rabbiner und Belehrte statteten ihr Besuche ab. Si>' ließ jedoch nienmnden zu sich vor; den Chaffi-dim, inklst? sie besuchten, predigte sie hinter der Türe ihres Zim uters. Bald ivurdeu Chane Rachel Mevnatürlichr Stväj tc und Wunder Ungeschrieben mch sie wurde als Wunder-- tätrri-u verchrt. Ihr Narne wurde, i» Wolhhmmr immer mehr bekannt und'es bildeten sich auch Zinchpeu wn, Chaffidttn, die ihr anhingeu. Für sie 'hielt sic am Sabbat Predigten. Den Zadditiut und Wunderrabbis war die weiblieh<' .Konikurvenz natürlich nnangenchm' und es wtrrdc daher versucht, die Heiligkeit des weihl-ichett Zaddiks dadurch ist Zweifel zu ziehen, dtrß ma-n ihre Wunderkraft einem ,,uurei-nen Geis^ zuschnob, tzex von der Frau Besitz ergriffen Me. Schließlich verfiel Mn auf die Idee, Chane Rachel zu verheiraten, um sie von der Göttlichkeit abzrrzur Heirat. , w . . wegen, Dar Czerttobyler Rabbi gab auch dieser Hctraf otc ert-tsprechende nthstischr Deutung, indem er sagte, mau wnn,- ja nicht wissen, welches Zaddiss Seele in dieser Frau wiederevsiandeu fei; aber da die Seele c-ntes Zaddiks de st, nicht in einer Freut ihre Ruhe finden kömft.,ft: es iu'p schedett uub das gleich ... aoorstraBe 48 TcienhCM» A7,t*70 En RRtfns fin Ästsit ÜSie mu üEiliM . Ji‘*W ' . ft ' V, : 'f.,Äj!Är.«rosatk«o!'.u"-'