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Wiener Morgenzeitung · 1923-12-23 · Heft 1744 (23.12.1923) · p. Seite 5

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1744 (23.12.1923)
Date
1923-12-23
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 1744 Wien, Sonntag Wahlergebnis noch ausstand, wurde der konservative Kandidat Marquis von H e rlington gewählt. Die endgültige Zusammensetzung der Parteien im 'Unterhaus« ist nunmehr die folgende: Konservative 258, Arbeiterpartei 197, Liberale 158 nnd Unabhängige 2, zusammen 616. König Georg «nterwegs. Konstantinopel, 22. Dezember. (Tel. d. „Wr. Morgenzestung".) Der griechische Dampfer „Daphne" hat gestern auf dem Wege nach Constanze Konstantinopel passiert. Es scheint somit, daß der König seine ursprüngliche Absicht, Von Saloniki die Eisen-ba.hu zu benützen, aufgegeben hat. Offizielle Aufforderung an Beniselos zur Rückkehr nach Griechenland. ' Athen, 22. Dezember. (Tal. der ,/Wiener Morgenzoiümg".) Der Minislerrat hat nach einer langen Beratung der Lage Plast-iras beauftragt, Beniselos offiziell aufzufordern, nach Griechenland zurück'ukehven, um die wivtschaMche Lage zu vögeln. An seine Rückkehr werde ke ne.Bedingung geknüpft, sondern Venliselos vollständige Mionsfreiheit versprochen. Der F i n a n z m i n i st e r, der bei den Wahlen unterlegnen ist, hat demissioniert. Seine Demission wurde nicht angenommen. Der Offiziersverein hat bei Beniselos telegraphisch angefragt, ob er die Dynastie Glücksburg für endgültig a b g e s e tz 1 betrachte. In politischen Kreisen hält man es für wahrscheinlich, daß Beniselos dies bejahen dürfte. Der viftgaMes. Die Londoner „Evening News" bestätigen die Meldung. wonach englische Chemiker der britischen Heeresver» walt-'.ng ein neues Giftgas angeboten hätten, welches in einem zukünftigen Krieg ganz besonders fürchterliche Wirkungen gegen feindliche Armeen und Zivilbevölkerungen hervorzurufen geeignet sei. Dem Blatt zufolge s-ei die Nachricht über die Erfindung der englischen Chemiker auch nach den Vereinigten Staaten gedrungen. Die amerikanische Regierung habe darauf auf vertraulichen: diplomatischem Wege bei den Großmächten angefragt, ob sie nicht gewillt 'wären, an einer internationalen Konferenz, die die Vereinigten Staaten einberufen würden, teilzunehmen. Zweck dieser Konferenz wäre, die V e r w e n d u n g v o n G i f t g a s e n und Unterseebooten in zukünftigen Kriegen zu verbieten oder wenigstens einzuschränken. An KM von Sowjets Gnaden. Berlin, 22. Dezember. (Tel. d. „Wr. Morgenzeitung".) lieber die wahrscheinliche Ausrufung des Emirs von Afghanistan zum Kalifen berichtet die ,^8ossische Zeitung" aus London: In hiesigen politischen Kreisen vevfolgt man mit lebhafter Besorgnis die Ereignisse in Afghanistan. Die letzten Nachrichten aus Kabul besagen, daß der Emir von Afghanistan als einziger selbständiger mohaurmedanischer Fürst von bolschewikischen Ratgebern ermutigt werde, sich zum Kalifen ausrufen zu lassen, nachdem die von England unterstützte türkische Regierung in Angorä entschlossen sei, die Macht und den Einftnß des Kalifen möglichst einzu schränken. Sowjetrußland hoffe, daß es im Emir von Afghanistan ein gefügigeres Werkzeug der russischen Politik in Asien besitzen werde als in M u st a s a Ke mal, der sich mit englischer Hilfe auf der Londoner Konferenz der russischen Vormundschaft entzogen habe. Schließung de» Bureaus der vMfchen Reichstagrabgeordneten. Berlin, 22. Dezember. (Tel. d. „Wr. Morgenzeitung".) Die Polizei hat gestern das in der Dessauer Straße gelegene Bureau der deu tschvölkischen Reichstagsabgeordneten geschlossen und versiegelt. Die Abgeovdneten Henning, Graefe und Wulle haben gegen diesen Schritt, den sie als verfassungswidrig bezeichnen, Protest eingelegt. Das Attentat gegen Roste. Eine Aeutzerung des Oberpräsidenten. Berlin, 22. Dezember. (Tel. der „Wiener Morgenzeitung".) Oberpräsident Noske äußerte sich einem Vertreter des „8 Uhr--Bla.tte8" gegenüber, daß der mißglückte Bombenanschlag nnzweifoHhaft gegen ihn gerichtet war. Er führt aus, es sollte sich hierbei wohl um ein kleines Weihnachtsgeschenk der Kommunisten für sein« Person handelt. Daß das Attentat mißglückte, sei darauf zurückznfühven, daß seine Wohnung zur fraglichen Zeit hell erleuchtet ivar und die Täter somit bei der Entwendung der Bombe gesehen worden wären. Als die Detonation erfolgte, habe er sich gerade in einer Beratung mit seinem Prästdialchef befunden. Die Wirkung der Explosion war derart heftig gewesen, daß die halbe Außenfront des Gebäudes stark beschädigt wurde und fast a l l e Fenster zertrümmert wurden. Die polizeiliche Untersuchung habe bisher kein nennenswertes Resultat ergeben» Dar Tanger-Statut. Jüdische Vertretungen in der gesetzgebenden Versammlung. Paris, IN. Dezember. (HavaS.) Ju dom Tanger- Statut, das gestern von den Unterhändlern unterzeichnet worden ist, wich di« Autorität und Souveränität des Sultans über Tanger ottenfottM wird bestätigt. Der Sultan wich einen Mendnb e-Memlen^ der Wiener Morgenzeitung. Nicht darauf kommt es an. daß Sie jung sind. Ihre Beweglichkeit und Frische ermöglichen es, mit Jüngeren in Wettbewerb zu treten und ihre Erfolge zu überflügeln. Wahren Sie die Geschmeidigkeit Ihres Geistes, üben Sie die Federkraft Ihrer Muskeln, stählen Sie Ihre Nerven im Kampfspiel! Die Lebenskraft zu erhalten, ist das Geheimnis des Lebens. Erschlaffen Sie nickt, altern Sie nicht! Spielen Sie Goal-Game die Verwaltung für die jüdische Md muselmanische Bevö'kevung leiten wich, sowie die dem Mendulb unterstehenden Beamten. Eine in-terinationale Körperschaft wich den fremden Staatsaugchövigen dieselben Bürgschaften wie die Kapit-ulationen sichern. Gm ge misch» er Gerichtshof, der ans spanischen, französischen und englischen Beamten zusammengesetzt ist, wich im Namen des Sultans Recht sprechen. Ein amf sechs Jahre gewählter Administrator wich der allgemeinen Verwaltung vorstehrn. Der erste Administrator wich französischer Nationalität sein und vom -französischen Konsul vovgeschlagen werden. Ihm zur Seite werden ein s P a n i s ch « r Gehilfe für die Verwaltung des GesnnidlheitsressovtS und ein englischer Gehilfe für das Finan-zressort stchen. Eine internationale gesetzgebende Ders a m 'in lung unter dem Vorsitz des Menduib, die aus vier Franken, vier Spaniern, drei Eng'ändern, zwei Italienern, einem Belgier, einem Portugiesen, einem Holländer, sechs Muselmanen und drei Inden besteht, wobei der Sultan die Muselmanen und Juden ernennt, wird Beschlüße fassen, die jedoch der Genchmigung eines aus den Kvnsnlardertretern der Signatarmächte der ZUgeciras-Akte zusammengesetzten Kontrolllkomitees bedürfen. Ein französischer Ingenieur wich die Leijiu-ng der öffentlichen Arbeiten des Staates, ein spanischer Ingenieur die der Gemvindoarbeiten übernehmen Die gegenwärtigen milÄärischen Zonen und die Tabors in- und außerhalb der Stadt werden ansgeh oben. An «ihre Stelle tritt sine eingeborene Gendarmerie von Wo Mann unter dsm Kommando eines belgischen Kapitäns, dem französische und spanische Ossiziere zur Seite stchen. Der marokkanische Franken ist die gesetzliche Währung, die Peseta bleM vollgültiges Zahlungsmittel. Dem Statut ist die Regelung der Hafenfvage arrgsschilossen. Neu ausgenommen ist die Besti'nrmung, daß die Mächte, die den Vertrag nicht unterzeichnet haben, zwischen dem neuen Statut und dem früheren Kapitulationenregime, wie «8 aus dem Vertrag von Algeciras hevbovging, Wahlen können. Diese' Bestimmung wuche im Interesse Italiens angesügt. Außer dem eigentlichen Vertrag wurden gestern noch vier Zusatzverträge nuterzeichrM, die Ausführlnrgsbvstirn.nungen enthalten. rp Aus den Bestimmungen des Statuts ist die. Tendenz ersichMch, die jüdische Bevölkerung T a n g e r s als bodenständigen und den Muselmanen ^eichberechtigten Faktor angus^hen. Beide Bevolkevungsterle werden für di« Ordnung ihrer inneren Angelegenheiten einem einheimischen Beamten unterstellt. In den gesetzgeibenden Versammlung Schotten die Muselmanen sechs, die Inden drei vom Sultan ernannte Vertreter. Es ist dies der erste Fall der gemeinsam erfolgten Anerkennung des orientalischen Judentums durch eine orientalische Macht und die europäischen Interessenten, sohin ein sinngemäßes Fortschreiten aus dem durch das Völkerbundmandat für die jüidsche Heimstätte in E-rez Israel betretenen Weg. Obzwar dies hier nur auf der GvuM-age des ddotabebnprinzips geschieht, ist es doch der Beginn zur Entwicklung des Politischen Bewußtseins der eingeborenen jüdischen Bevölkerung Nordafrikas. AoWre» in Pari«. A-us Paris wird gemeldet: Die Chauffeure der Po st automobile sind in den Streik getreten und suchen die Z u st e l l u n g der Postpakete zu v e r h i ndern. Da diest jedoch durch Militärkraftwageu besorgt wurde, fand der Ausstand ein Ende. I Werbet Abonnenten sürdie l; „Wiener Morgenzeitung" I 23. Dezember 1923 Seite 8 Okkasionsverkaui *#*«##** | Pariser Original-Modelle I Z Kostüme, Kleider, Mäntel * S in hocheleganter und gediegener Ausführun-r, besonders * * preiswert » MAISON D1LBART. I., GRABEN Nr. 30 5 5 TKLEPHON 68-1-77 45 * LagesbeE Sine Wische Frauengestatt. Vor wenigen Tagen war hier von dem Ableben der be» kannten Vorkämpferin der Frauenbewegung Dr. Brunhilde W i e n zu lesen, welche der Tod m der Blüte ihrer Jahre mitten aus einer reichen und hoffnungsvollen Tätigkeit gerissen hat, die. ebenso der Wissenschaft wie der Wohltätigkeit und dem Kampfe für eine geistige und soziale Besserstellung der Frau galt. Aus Kreisen, welche der Toten nahestehen, geht uns nunmehr eine Schilderung zu, welche den Verlust dieser seltenen Begabung und hohen Menschlichkeit doppelt tief empfinden läßt. Dr. Brunhilde Wien war «ine überaus schöne Verkörperung Mischer Frauentugenden. Sie stellt jenen jüdischen Typus, nur ins Weibliche übersetzt, -dar, welchem in Wahrheit der Kampf der antisemitischen Reaktion gegen jüdischen Bildungshunger und jüdisches Auswärtsstreben gilt, eine jener jüdischen Energien, welche die Widerstände der verschiedensten Art nur zu steigern vermögen. 1893 in Stryj geboren, stieß sie mit ihrer unstillbaren Sehnsucht nach höherer Bildung auf manche Hindernisse bei der religiös-traditionellen Familie, die ihr Kind vor den Stürmen des Lebens behüten wollte und dem begabten Mädchen darum zwar den Besuch des Gymnasiums, aber nicht das Hochschulstudium gestattete. Sie verließ also das Elternhaus, maturierte in Lemberg und ging in die Schweiz, wo sie Philosophie studierte und kurze Zeit auch Bureauarbeiten oblag. Als die Eltern auf Heimkehr bestanden, ging sie nach Antwerpen und Amsterdam und schlug sich durch Lektionen durch. Um sich Geld zur Fortsetzung der Studien in der Schweiz zu verschaffen, ging sie nach Argentinien, wo sie mehrere Jahre tätig war, soziale Arbeit leistete, als Bibliothekarin im staatlichen statistischen Amt unterkam und auch als Bureaukraft in ein Geschäftshaus eintrat. Damals war sie 19 Jahre alt! BaK> jedoch ist sie in Buenos Aires als Mitarbeiterin verschiedener Zeitungen und wissenschaftlicher Journale tätig und wird trotz ihrer Jugend Professorin der Philosophie. Sie gründete dort einen Verein für jüdische Wöchnerinnen, der heute segensreich tätig ist. und entfaltete eine reiche charitative Wirksamkeit. In verschiedenen spanischen Zeitschriften Südamerikas finden sich wertvolle Aussätze von ihr, so in der bedeutenden Zeitung „Verbum" und der „Revista de Filosofia", wo sie einen Aufsatz über den jüdischen Denker Achad H a a m veröffentlicht hat. In dem führenden Blatte „La Naeion" finden wir einen interessanten Aussatz über den Zionismus und die Erneuerung des Judentums, sie übersetzte die Propheten ins Spanische, von denen bisher zwei Bände vorliegen. Außerdem hat sie eine Reihe von unveröffentlichten Schriften hinterlassen. Doktor Wien stand in intimem persönlichen Verkehr mit Max N o r d a u, der ihre Begabung besoMrs zu schätzen wußten und die Briefe Nordaus, die sich in ihrem Nachlaß finden, sollen demnächst der jüdischen Nationalbibliothek in Jerusalem zufallen. An mehreren Frauenkongressen, so in Zürich und letztens in Rom, nahm sie hervorragenden Anteil. Neben dieser reichen Tätigleit fand sie Zeit, im stillen Akte der Wohltätigkeit zn üben, und mancher Kranke, manches Kind, dem sie zu eurer Operation verholftn hat, mancher Arme, dessen Habe sie aus dem Versatzamt auslöste, beklagt an ihr eine warme Wohltäterin, die, wie man erst nach ihrem Tode erfährt, stets bereÜ war, ihr Letztes mit dem Armen zu teilen. Eine hervorragende und wertvolle Menschlichkeit ist mit ihr dahin gegangen und ihr früher Tod bedeutet einen wirklichen Verlust für das jüdische Volk. Die Konferenz der Mirrachiverbönde in den Donau- und Balkanländem in Wien. Die Konferenz findet vom 25. bis 27. d. im Festsaär Reichshof, 2. Bez., Praierstraße 60, 'statt. Tagesordnung: Dienstag den 25. d. um 9 Uhr vormittags: Eröffnung; Begrüßung; Wahl des Präsidiums und der Kommissionen; Tätigkeitsberichte der Landsmannschaften. 2 Uhr nachmittags: Organisation, Konstituierung der Zentrale für die Donau- und Balkanländer mit idem Sitze in Wien; Budget; Presse. Gemeinschaftliches Abendessen. 8 Uhr abends: Aufbauarbeit: Kolonisation; industrielle Betätigung usw.; Misrachibank. — Mittwoch den 26. d-, 9 Uhr vormittags: Das Verhalten der gemeinschaftlichen zionistischen Institute zum Misrachi (Keren Hajessod, Keren Kajemeth); Keren Hamisrachi. 3 Uhr nachmittags: Zeire uzeiroth Hamisrachi; Chaluzwesen (Alija, Hachschara usw,). 8 Uhr abends: Misrachiarbeit in den Galuthländeru, insbesondere Erziehungswesen und politische Betätigung. — Donnerstag den 27. b., 9 Uhr vormittags: Berichte der Kommissionen; Resolutionen. Schluß. Es liegen bereits zahlreiche Anmeldungen von auswärtigen Delegierten, darunter führender Persönlichkeiten vor. Eintrittskarten für Gäste werden mit Rücksicht auf die Raumverhältnisse nur in beschränkter Anzahl ausgegeben Pelze ftjlfl. Lmlikiil, cpijitcpcc AiiMmz! III. Karltzltz 7 KkckchWkiu Mß!m LtÄI) Zenttile: II. MMe 1t Te>. M? II «on 511

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