Mannheim
Compact Memory

Wiener Morgenzeitung · 1923-12-23 · Heft 1744 (23.12.1923) · p. Seite 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1744 (23.12.1923)
Date
1923-12-23
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
88% known words query
IRI
…/2979076-2980477-2980826--17187-3004169
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Akr. OTJ’ Wien, Sonntag mcibnacbts-OUKaslon KON//G Rcrrcnwäscbc 1.5plegrlg»rrr $ Tiiialet I. planlktngarrr 4 Abendhemden.K 110.000 Zephlrhemdan.K 120.0« 0 Kurze Unterhosen ...... .K 65.000 Pyjamas.* * . . . K 120.000 Nachthemden.. . K 120.000 dem Tadel des Herrn Finanzministers stelle ich aber fest, ddtz es stets zu den Merkmalen einer ordentlichen Verwaltung gehört hat, zu den festgesetzten Terminen den Wirtfchaftsplan aufzustellen. Auf das Referat folgte nun wieder eine Debatte, in welcher der Wortführer der Minorität, (8emeind'crat Z immer!. in scharfer Weise die FinanMbarnng kritisierte und die Erkläung abgab, daß seine Partei ihr das größte Mißtrauen entgegenbringe. B i l a n.z und Bedeckung wurden schließlich' angen o nt in e n. * Der Wiener Gemeinderat als Landtag hat gestern die mch unerledigten Steuergesetze genehmigt. Die Wertzuwachsabgabe, ine von nicht valorisierten Kauffummen eingehoben wird, wurde von der Opposition als Raub an entwertetem Besitz bezeichnet; die erhöhte Wassergebühr als unsozial. Die Sitzung nahm den nachstehenden Verlauf: Stadtrat Breitner, der über die Erhöhung der Hundesteuer referierte, führte aus, daß nach den dem Magistrat über die H n n d e p l a g e zukommenden Zuschriften die Anzahl der in Wien gehaltenen Hunde eine ganz phantastische Höhe erreichen müßte. Während man im Frieden eine jäbr'iche Steuer von 8 Kronen bezahlte, soll jetzt die Steuer von 20.000 auf 60.000 Kronen erhöht werden. Das Gesetz wurde nach kurzer Debatte angenommen, worauf Stadtrat Breitner über das Gesetz betreffend die Wert zu wachs st euer referierte. In der Debatte gab Gemeinderat Biber (christlichsozial) zu, daß der Vorschlag gegenüber dem früheren Gesetz eine Erleichterung, eine Besserung bedeute. Man müsse den Vorwurf ntachen, daß das Gesetz nicht mit der notwendigen Sorgfalt ausgearbeitet sei, wie es die tatsächliche Stabilisierung der Valuta gefordert hätte. Es drehe sich lMte nicht um einen Zuwachs an Wert, sondern um einen wesentlichen Verlust. Die Geuleinde kaufe doch selbst große Grundstücke, für die sie kaunt ein Zehntel des Friedenspreises bezahle. Sodann wurden die Gesetze betreffend die städtische Grundsteuer und die Erhöhung der Wassergebühren beschlossen. Unter Erhöhung des gebührenden freien Wasserquantums von 25 auf 35 Liter pro Kopf und Tag wird jeder Liter des Mehrverbrauches mit 1500 Kronen. Gebühr belastet. Die gestaffelten Gebühren für Jndnstriewasser bleiben unverändert wie bisher. Mtener MoeaeirzeNun«. Die ReWmmenmMdate. Gestern nachmittags beriet die VerbandLtvahlbchövde der Wahlkreise des Burgenlandes und der Länder Kärnten und Steiermark über die Aufteilung der Restmandate im zweiten Erm:ttlungsverfahven auf Grund des Erkenntnisses des Verfasstrngsgerichtshofes vom 6. d. und der neuerlichen Entscheidung der Wahlfrei sbehövde in Eisenstadt vom 20. d. Die VerbandZwahlbchörde gelarvgte zur Anschauung, daß der „Landbund für Oesterreich" und de.r ,Iandbnnd für Oesterreich (Burgenländischer Bauernbund)" nicht «ls eine und dieselbe Partei anzuseheu sind und daß demnach die diesen Parteibezeichnungen zugesallenen Reftstimnten im zweiten Ermittlungsverfahren nicht berücksichtigt werden können. In Ausführung dieses Beschlusses wurden ans Grund der übrigen zugewieseuen Neststimmen der sozialdemokratischen Partei d r c i Restmandate, der ch r i st l i chsozialen Partei zwei Restmandatc und de in Verband der Großdeutschen und des Landbundes zwei Restmaud'ate ztlgewiesen. Es erscheinen demnach gewählt: Von der sozialdemokratischsir Partei Dr. Arnold Eisler (Graz), Georg Sailer (Wien) und Johann Hancmersdorfer (Wien), von der christüchsozia'lelt Partei Dr. Enranu-el Weidenhofer (Graz) und Leopold Schein (Belisch) und vorn Verband' der Großdeutscherl urrd des Landbundes Emil Krast (Graz) un Dr. Ing. I. Greiler (Mixnitz). Ueberelnlommen mit der Schweiz Wer die ArbMslosrrnmteMtzimg. 'Zwischen Oesterreich und der Schweiz ist ein Uebeveinkommen über die Gegenseitigkeit in der Arbeitslosenunterstützung getroffen worden. Danach sichert jeder Staat dem anderen die gleiche Behandlung der auf seinem Gebiete wohnhaften Arbeitslosen des anderen Staates. Die österreichischen Vermögen in FugoflMim. Graz, 22. Dezember. Die „Tagespost" meldet aus Belgrad: Der gestern abgehaltene Min ist er rat beschäftigte sich auch mit der Aufhebung der Sequester über die Vermögen der ö st e r r e i ch i s. ch e n Staatsbürger. Das Justizministerium wird über die Aufhebung der Sequester der österreichischen Besitztümer einen Plan ausarbeiten, de.r in kürzester Zeit ‘ durchgeführt lverden wird. Achechv-Llowaiei. Der Pariser Besuch Dr. Benefch'. Regelung der Beziehungen zu Frankreich. Prag, 22. Dezember. Die „Gazetta de Prague" erfährt, daß Dr. Benefch von seinen Pariser Besprechungen mit der fvLNZösischcn Regierung, die den lschecho-stowakisch-französischeu Beziehnngert eine stabile R e g cl u tlg geben sollen, am 28. d. nach Prag znrückkehren dürfte. Die Grrnzreselnng mit Nngarn. Prag, 22. Dezember. Nach den „Lidove Nvviny" wird die Tschecho-Slowakoi in den nächsten Tagen drei im 23. Dezember 1923 Seite 3 i Gm WtlMMmM in sämtlichen Abteilungen (SW/e«A© lM Trattnerhof 1. \Lß Frackheriidlen.K. 110.000 Rayd-Batiste emden ..li 110/00 Seidenhemden . ..IC 260.000 Englische Zephirhemden.K 110.000 Hüte.. . . . K 130000 Pyjamas.K 150.000 Wollwosten . ..IC 170.000 Krawatten ..K 50.000 Taschentücher. ..per Stück K 15.000 Frack-, Smoking- und orig. engl. Anxüge nach Mass, Sonderpreis j Orig. engl. Raglans.K 1,200.000 | M -& Tarjaner Grenzbezirk liegende Dörfer mit ungefähr 3500 Einwohnern gemäß der Entscheidung der Abgrenznngskommission an Ungarn übergeben. wgam. Bethleris «Mehr. Budapest, 22. Dezember. (Tel.-Konrp.) Ministerpräsident Graf Bethlen, Außennlinister Daruvary und Finanzminister Kallay treffen morgen, Sonntag, früh um 7 Uhr, aus Paris in W i e n ein und setzen unverzüglich die Reise nach Budapest fort, wo sie nachmittags eint ressen. Der Ministerpräsident wird noch während der Weihnachtsferien der Nationalversammlung einen Anlaß wahrnehmen, um die Parteien in großen Zügen über die Ergeölt i f s e der Unleiheverhandlungen zu i n s o r m i e r e n. Gleich nach Ablauf der Weihnachtsfevien wird der Ministerpräsident im Parlament Erklärungen über die Anl-eibe abgeben, an die sich eine Diskussion schließen wird. Horthhs PoliW. Mißbrauch der Amtsgewalt. — Schwere körperliche Der» letzungen. . Budapest, 22. Dezember. (Tel. d. „Wiener Morgen zeitung".) Der sozial dent okratisch e Abgeordnete von Oedenburg, Dr. Eduard Hebelt, hat gegen vorläufig unbekannte Detektivs der Budapest er Polizei eine Anklage w e g e n Mißbrauchs der A m t sgewalt und schwerer körperlicher Verletzung erhoben, nachdem er vor einigen Sogen eine Interpellation in dieser Angelegenheit in der Nationalversammlung eingebracht hatte. Es handelt sich um die schweren Mißhandlungen, denen die Studentin Alice kaufen Ularen- Sie im kos [Schiffmann II., TaborstrsOs 48 Tei^nhem 47-1.75 En gros En dlaiiai! “—-- Gerhart Hauvlmanur „Set weiße Heilaud". Deutsches Volkstheater. Deit Satz, daß die Wilden doch bessere Menschen sind, dramatisch zu erweisen, ist ein schwieriges Unterfangen. Und die Richtigkeit des Wortes gar an dem Schicksal des alten Kulturvolkes der Azteken zu zeigen, welches spanischer Raub- und Erobernngsgier zum Opfer fiel, ist besonders verfänglich. Man kennt das grausame Schicksal der Azteken und das heroische Verbluten dieses Stammes unter den europäischen Krallen. Wenn man sie sprechen läßt, diese Ursprünglichen, Unverderbten, — diese besseren Wilden — wie Europäer sprechen, ist das Spiel verloren. An sich ist die Sprache in diesem Drama Gerhart Hauptmanns matt, weitläufig, geschwätzig, trotzde.ru sie gebunden" ist. Man muß es sagen, trotzdem man dem verehrten Dichter für ein köstliches Lobenswert heißen Dank schuldet: Diesmal sind die Dialoge „etzliche Verse lang". Aber das größere Uebel ist doch die Geschnmcklosigkeit, solch europäisch-marktgängiges Versgeklingel dem Kaiser Montezunra, seinen Gelehrten, Priestern und Helden in den Mund zu legen. Es wirkt drastisch, Montezunra Sätze reden zu Höven, die aus unseren Schulbüchern stammen, wie etwa: ,/Wie die Taten, so der Lohn". Die Edelsten der Azteken halten rm Tempel ihres Kriegsgottes nächtliche Beratung in schwerster Zeit und einer von ihnen sagt wörtlich: ,/Gerne wollt ich euer Handeln durch ein glattes Nein bestätigen." Dieses „glatte Nein" ist so glatt europäisch, daß cs im Munde eines mexikanischen Edclmenschen der Aztekenära völlig spanisch klingt. Wahrlich, diese kannten den Schwindel der nuancierten Bejahung und Verneinung noch nicht! Ihre Rede war: ,^Fa, jja — nein, nein." Höchst unglaubwürdig ferner, daß ein Azteke sich wie ein europäischer Pavlamentsdebatter benimmt und sagt: „Alles scheint sich mir zu einer einzigen Frage zu verdichten." Nur Tracht, Hautfarbe, Geparde unterscheidet diese Mexikaner Gerhart HauptmamiZ von ihren spanischen Bedrängern: Daran scheitert die Tragödie. Ich muß gestehen, daß die Geschichte von Montezumas Täuschung, Leidensweg und Untergang im stummen Lichtbild, das man gelegentlich im Kino sah, ergreifender und lebendiger wirkte als. in Hauptnranns gesprächigem Bühnengedicht. & Der Kaiser Montezunra, der edle, entnervte Sprosse einer uralten Dynastie, körperlich hinfällig, aber mit reichstem Innenleben begnadet, von Gesichten bedrängt und beglückt, Mt den spanischen Feldherrn Fernando Kortez für den „weißen He.iland", der vor drei Jahrtausenden das Reich.der Azteken gegründet hat und nun zurückgekommen ist, „die lang Verbannten Kinder heimznholen in den Glanz". Alexander M o i s s i spielt diesen edlen kranken Kaiser mit großer Kunst. Er tänzelt von Anbeginn weltabgowandt, von visionären Träumen gewiegt, über die Szene, sein Augenpaar leuchtet in unirdischem Feuer, seine Sprache ist nicht von dieser Welt und sein Spiel fesselt so, daß man zum Vorteil der Dichtung viele Verse überhört, die er sprechen muß. Höhepunkt: Die mystische Verzückung, ansdrnckend sehnsüchtiges Verlangen der Reinigung durch Schilleren, wenn er die Perfidie der spanischen Gäste erlannt lhat und daß durch ifnt sein Volk verraten ward. Und das 'ungehemmte, laute, tietisch ^unbekümmerte Meinen über sein und seines Volkes Schicksal. Fe.rnando Kortez, sein Gegenspieler,' ist Hans M a r r. Dieser Gestalt ließen sich Züge des großen hellenischen Abenteurers Odysseus geben. Marr versäumte es. Er ist bloß knorrig und resolut. Die austretenden Häuptlinge und Priester seines Heeres sind nicht glücklich besetzt. Einer von ihnen, Herr Günther-Ha dank, wirkt sogar lächerlich. Der de-währte Alfred Schreiber ist in der Rolle des Los Casaz fehl am Platz. Da gibt cs in der Schar der Azteken bemerkenswertere Dlimen. .Haus Rode nberg spricht feurig und echt und Otto Soltan ist von edler Amnut. Direktor Bernau, um die Inszenierung erfolgreich bemüht, hat leider unterlassen, die Dichtung für seinen Teil so zu stützen, wie es Moissi tat. Beim Regisseur will das bede-uten: durch Filmwirkungen. So schön auch die exotischen Bühnenbilder Pros. S t r n a d s sind — die Massenszenen und Begegnungen von Menschen wirkest starr «ub frostig. Wiederholt wirbelnder Wasierdampf macht viel Lärm und kann Weihrauchstimmung nicht herbeizaubern. Der Beifall war laut, aber man erkannte doch nur Verehrung für den Dichter und Dank für Moisii an diesen Kundgebung^ O. A. „Zar Weib i» PurM." Operette von Leopold Jacobson und Rudolf Oesterreicher, Musik von Jean Gilbe r t, U r a u f f ü h r u n g i Neuen Wiener Stadtthecrcr. Wieder einmal geht Me große russische Kaiserin Katharina über die Buhne, also historische Operette in großer Ansinachnng. wie es jetzt Mode ist! Mitten in den Rausch eirtcs russischen Hofballes dringt die Kunde von einem Revolntionchcn in der Gardekaserne und der Sprecher der Rebellen, ein junger Leutnant, der der Zarin mutig gegemiibertritt und gegen die Günstlingswirtschaft bei Hofe scharfe Worte findet, soll hingerichtet werden. Doch die 5laiserin, ibie an dem schmucken Burschen Gefallen fnvdet und gerade Ersatz für den leytcn, eben verabschiedeten Liebhaber sucht, überlegt es sich, schenkt ihm die Freiheit, und besucht ihn überdies — nicht mehr als Weib in Purpur, sondern als einfaches, russisches Bauernmädel — in seiner Svldatenkneipe, wo ein geschicktes Doppelspiel anhebt. Sic möchte ihn wie ihre früheren Liebhaber zum Oberst aller Garden machert, doch er, dem das süße Mädel mehr gilt als die hoheitsvolle Frau in Purpur, lehnt ab und zieht voir danuetr. Dieses au Spannungen und Ueberraschungen reiche Libretto, das auch wiederholt lustige Ausflüge ins Politische unternimmt, tvor nur schwer an seinen Tondichter zu bringen. Nach manchen Irrfahrten kam es att Jean Gilbert, der damit nach Sorrent fuhr und im blauen, italienischen Golf den Zaren- Hof und die russische Kneipe ntit slawisch wienerischer Musik versorgte. Man merkt der Musik die Eilfertigkeit an. rn.it der

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.