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Wiener Morgenzeitung · 1923-12-21 · Heft 1742 (21.12.1923) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1742 (21.12.1923)
Date
1923-12-21
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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gl. lt*6 ' _ ggiw, yvemky_2;. 4. Der Rat legt Wert darauf, seine zuv ersichtlich e Hoffnung auszusprechen, daß alle diejenigen, deren Zustimmung zur Regelung der schwebenden und noch vor der Unterzeichnung der Protokolle zu lösenden Fragen notwendig ist, alle Anstr engumgen machen werden^ um sob a ld a ls möglich zu gerechten und billigen Abko mmen zu gelangen. Lord Robert Ce eil gab einen historischen Ueberblick üLer den Gang der Verhandlungen sowie über das Wesen der zustandegekommenen politischen und finanziellen Abkommen. Cr gab hiebei dem Wunsche Ausdruck, daß diese Abkommen von Erfolg gekrönt sein mögen, wie es bei dem ANederaufbau Oesterreichs der Fall war. Er fügte hinzu, die Wiederaufrichtung Ungarns werde einen weiteren Schritt nach vorwärts bedeuten, und ein neues Beispiel für die wirtschaftliche W i e d e r a u f r i ch t u n g Cur 0 pas sein. Titulescn (Rumänien) erklärte namens der Vertreter der kleinen Entente, diese nehme die abgeschlossenen Abkommen an. Er drückte die Hoffnung aus, daß bei der Lösung der schwebenden Fragen die kleine Entente ans dasselbe - Wohlwollen der Unterhändler werde rechnen dürfen. Ghnritch (Jugoslawien) und Dr. Bene sch schlossen sich den Erklärungeir Titulescus an. Graf Bet h len erklärte, seine Regierung nehme unter gewissen auf Einzelheiten sich beziehenden Vor &ö* Halten das politische und das finanzielle Protokoll an. Bor einer Rekonstruktion de» Kabinett» 1 Budapest, 20. Dezember. (Tel. der ,Miener Morgen- Wertung".) Heute mittags fand beim Präsidenten 'bcr Nationalversammlung eine neuerliche Konferenz des Ministerpräsidenbenstellverdreters Baß mit den sozialdemokratischen Abgeordneten statt. Nach der Konferenz erklärte Baß den Pressevertretern, er habe Hoffnung, daß eine Vereinbarung Zustandekommen werde, so daß es zu keinem ex-lex-Zustand infolge der soFraldemokvatischen Obstruktion kommen dürfte. In den WeihnachiSserien des Hauses wird keine Unter- »bvechrmg emtveten. Es findet kerne Sitzung vor Silvester statt. In den Couloirs der Nationalversammlung kursierten heute Gerüchte über eine bevorstehende Rekonstruktion des Kabinetts. Loch eine Amnestie? Als Konzession an die obstruierenden Sozialdemokraten. Lndopest, 80. Dezember. (Tel. der „Wiener Morgenzeituug"? In politischen Kreisen verlautet, daß die Regierung, um die Obstruktion der Sozialdemokraten aus dem Wege zu räumen, zu namhaften Konzessionen an diese Partei entschlossen sein soll. Die Regierung plant insbesondere eine Amnestie, die sich zwar nicht aufdieCmigranten, wohl aber auf einen Teil der wegen politischer Vergehen Verurteilten erstrecken soll. Die Amnestievovlautbarung dürste am Neujahrstag erfolgen. Pole». Sa» Sxpnse Grabrki». Warschau, 20. Deyenrber. Das Kabinett Grabski hat sich heute dem Sejm vorgestellt. Ministerpräsident Grabski betonte im fernem Expose, daß die Polnische Regierung ihre Hauptaufgabe in der Durchführung der Sanierung der Finanzen erblicke. Daneben werde die Regierung ihre voll« Aufmerksamkeit der Ordnung der Verwaltung, der Erhaltung der Wehrhaftigkeit des Landes sowie der Bolksausklärung widmen. Die finanzielle Lage Polens sei im gegenwärtigen Augenblick eine derartige, daß ein Fortschritt aus keinem Gebiet denkbar sei, solange es nicht gelinge, der finanziellen Schwierigkeiten Herr zu werden. Die Gesundung der Finanzen erheische eine unbedingt« Friedensatmosphäre, sowohl auf dein Gebiete der auswärtigen wie der inneren Politik. Deshalb werde die Regierung unter Einhaltung strenger Unparteilichkeit 'bestrebt sein, dir Lösung der strittigen inneren Fragen auf einen Zeitpunkt aufzuschieben, wo die. Wiedechevstellung der Fliianziwirtsch-aft zu einer vollendeten Tatsache geworden sei. Die Gesundung der Finanzen werde di« Regierung einerseits durch eine Erhöhung der Steuerlei st ungen und durch die Steigern ug 'der ordentlichen Einnahmen, anderenseits aiber auch durch die Eröffnung außerordentlicher Einnahmequellen zu erzielen suchen. Die Regierung werde deshalb morgen vom Hause die Dotierung eines Ermächtigungsgesetzes für die Dauer eines JahreS verlangen, in welchem Zeitraum« die Grundlage zur Durchführung der Balutareform gelegt werden müsse. Die über diese Regierungserklärung eröffnet« Debatte ... wird morgen zum Abschluss« gelbracht werden. Sie Semiffiott der Sekmprststdente». Warschau, 20. Dezember. (Dell, der „Wiener Morgen- M>umg".) Neben der Regierungskrise, welche durch die Konstituiievung des Ministeriums Grabski vorläufig überwunden erscheint, erregt die Demission des SchmprZsidenten Rataj große Aufmerksamkeit, um so mehr, als ein Anlaß dazu eigentlich nicht gegeben war, da der Präsident des Pavlamrnts als unparteiischer Vorsitzender anzufchen ist und nicht mnt irgendeiner Partei oder Pavtelenkoallitzion verbunden ist. Es wird augeommen, daß Rcrtaij nur deshalb sein Amt zurückgeiegt hat, um dem Kabinett Wttos (er gehörl der oppositionellen Gruppe der Wstos-Pcvrtei an, welche eigentlich den Sturz Witos herrettet wrovtzL^LNUttg. öeffälMn), das weitere Verbleiben im Amte unmöglich zu -machen und für eine elxMiitell« Ueboruchnie der Regierrrngsbi'ldimg freie Hand zu-haben. Nun die Krise gelüst ist, ohn« das; Herr Rataj zur Regierung gekommei'. wäre, wird, wie inan in unterrichteten Kreisen annimmt, Rataj seine Demission als Sejmipräsideui zn-rückzieheu. Sollte dies nicht der Fall sein, so dürste sich um die Pväisidrnitschaft des Sesm ein lebhafter Kampf entDickeiln. Die Rechtsparteien kandidieren einen Angehörigen der christlichdvmokratiischen Partei, gegen den jedoch die Linke heftig Einspruch erhebt. Sie kandidiert unter anderem den sozialdemokratischen Deputiievten und ehemalligen Ministerpräsidenten Moraczewsti. Me chauvinWche Demonstratton in Stmüerg. Am Jahrestag der Ermordung des Präsidenten Narutowicz. Aus Lemb.erg wird uns gemeldet: Wie sehr die Äffeyt'liche Meinung noch immer unter dem Drucke der nationaldemokratischen Schlagworte steht, erhellt aus der Weise, tote der traurige Gedenktag der Ermordung des ersten polnischen Staats-präsidenterr begangen, wurde. Während sich die offiziellen Feierlichkeiten auf einen Trauer - gottesdienst in der Kathedrale beschränkten, veranstaltete die nationaldemokratische Hochschulijugend gerade an diesem Tage einen Vortragsabend über das Thema „Das tragische Schicksal des Eligius Niewiad 0 msk i". Es handelte sich hier um eine ganz unverblümt in Szene gesetzte, von den Behörden anstandslos zugelassene Glorifizierung des Präsidentenmörders. Llls der demokratisch orientiert« Teil der a>ka,demischeu Jugend diesbezüglich beim Rektor 'der Universität, dem durch seine antffemitischen Aeußerungen gelegerttlich der jüngsteu Immatrikulationsfeier bekannten Strafrechts'lchrer Prof. Makarewicz Beschwerde erhob und ihn ersuchte, dem provokatorischen Treiben der chauvinistischen Studenten - Einhalt zu tun, z-og sich der Rektor unter nichtssagenden Ausflüchten aus -der Affäre. Die hiesigen fortschrittlichen Organisationen veranstalten an diesem Samstag eine Gedächtnisfeier für den als Opfer seiner Gesinnung gefallenen Präsidenten. In der Warschauer großen Synagoge wurde am Gedächtnistagc ein Trauergottesdienst a-bgehalten, an welchen: sämtliche jüdischen Abgeordneten und Senatoren teilnahmou. Rumauien. Die russisch-rumänischen Berhandlvngen. - Bukarest, 20. Dezember. (Del.-Komp.) Außenminister Duc a machte im Ministerrat Mitteilungen über die Ergebnifle der in Ti raspol mit den Russen gepflogenen Verhandlungen. Darnach wird vorläufig «ine Grenzzone zwischen Rumänien und Rußland abgesteckt, innerhalb welcher der Handel mit Rußland abgewickelt werden wird. Die rumänische Kommission begibt sich demnächst-.nach Odessa,.um dort den diesbezüglichen Vertrag mit Sowjetrußland. zu unterzeichnen. Die Fragen politischer Natur werden auf der von Rumänien vorgeschlagenen Konferenz in Wien oder Salzburg zur Regelung gelangen. Fasjlften sprenge« einen Pressekongreß. Bukarest, 20. Dezember. (Tel. der Wiener Morgsnzeitung".) Wie die Blätter aus Cluj (Klausenburg) meiden, wurde der dorthin einiberufen« Kongreß der rumänischen Press« durch faszistische Studenten gesprengjit. Die Studenten, die schon am Bahnhofe gegen die «intreffenden Joumal-iften demonstrierten, drangen in den Bechandlungssaal «in und zwangen den Präsidenten, die Sitzung zu unterbrechen. Bei einem Bankett der Kongreßteilnehmer im Klausenburger Nationalcheater kam es zu großen Straßenkundgedungen gegen die Preßlente. Militär mußt« «inschreiten. Der Kongreß wurde schließlich für Jänner vertagt und nach Bukarest verlegt. Palästina. Eine Hypothekenbank!n Tel-Awitv. Wie der I. T. A.- Dertreter erfährt, soll binnen kurzem in Tel-Awiw eine städtische Hypothekenbank mit einem Kapital von 20.000 engl. Pfund eröffnet werden. Die Stadtverwaltung wird außerdem noch ein Viertel des Gesamtkapitals (5000 engl. Pfund) beisteuern. In Jaffa soll demnächst eine Agrarbank mit einem Aktienkapital von 20.000 Pfund eröffnet werden. Die Anregung zur Gründung der Bank gaben Captain Alexander Aoronsohn und die Firma Fels. Die Bank wird den Siedlern auf dem Boden der „Bne Benjamin" Darlehen gewähren. Ein« Montefiore-Siodlung in Jerusalem. Gleich nach den Passahtagen wird mit dem Bau einer neuen Siedlung unter -dom Namen „Montefrore" in der Nähe der SiMnng „Bcch Hakerom" auf dem Wege n-ach Jaffa begonnen tverdeu. Die neu« Siedlung wird zunächst 90 Häuser umfassen. Di« Erbauer erhielten Anleihen von je 450 englischen Pfund, die im Verlauf von 17 Jahren zu tilgen sind. (I. % A.) Beschäftigung jüdischer Arbeiter durch Araber. Ans Jerusalem melde: I. T. A.: Einer der wichsten arabischen Notabelirm Jaffa Mi Effendi al Mustcrkom hat mit der jüdischen kooperativen Arbert-s-Veremiigumg in Palästina «inen Vertrag über den Ba>u von •eflf gwßen Lagerhäusern in der Hauptstraße Mischen Jaffa und TelMoiw -abgsfchlossem Die für den Bau gebrauchten Maschinen werden von der, Rutenberg-Gtation mit elektrischer Kraft versorgt. wenden. M Gffendi «rllärt öffentlich, er sei von der bis jetzt geleisteten Arbeit außerordentlich befriedigt, er rate allen seiwen Freumden, -der jüdischen kooperativen Tlirbeits-Bevelnllguing Aufträge zu geben. 5i. MZ Gerte 8 Randschau. Der Umsturz in Griechenland. Londorr, 20. Dezember. Den ,Armes" wird aus Athen ge» meldet, daß das Herrscherpaar anläßlich seiner Abreise von ungefähr fünfzig Funktionären des königlichen Hauses, dem Präsidenten G 0 n a 1 a s und dem rumänischen Gesandten m Athen begleidel wurde. Um 4 Uhr 40 Minuten wurde auf dem Schiffst „Daphne", das nach dem rumänischen Hafen Constanc» abdampfte, die königliche Fahne gehißt. Bei seiner Mfahck wurde er von 21 Kanonenschüssen begleitet. Der Regent C 0 n d u r i 0 t i s, der die Regierungsgeschäfti leitet, wird heute den T r e u s ch w u x leisten. Die Regierung hat dem König einen Kredit von 3500 Pfund Sterling für seine Reisekosten gewährt. Wahrend seiner Abwesenheit wird ihm seine Zivillist« von 3000 Pftmd Sterling weiter bezahlt. Der Mlkerbundrat und die Mandate. Aus Paris wird uns gemeldet: Bei seiner letzten Sm gung beschäftigte sich der Völkerbundrat auch mit dem Bericht der Mandatskommission über di« von ihr seit der letzten Zusammenkunft geleistete Arbeit. Diese Kommission hat die Aufgabe, die jährlichen Berichte der Mandatsmächte entgegenzunehmen und zu prüfen und sich über alle die Mandatsausiibung betreffenden Fragen zu äußern. Der Völkerbundrat hat di« Mandatsmächt« auf die Bestimmungen hingewiesen, daß die dem Mandat unterstellten Länder sich nicht schlechter behandelt fühlen mögen als die Kolonien und daß für das steigend« Wohl der Bevölkerung der Mandatsterritorien gesorgt werden soll. Weiter hat die Kommission dem Wunsch Audruck gegeben, daß gewisse Mandatsmächte ihr ungenau« Angaben über di« finanzielle Lage der Bevölkerung in den ihrem Mandat unterstehenden Territorien vorlegen. Kahr-Dämmernng in Badern. Berlin, 20. Dezember. (Tel. d. ,Wiener Morgen» zestnng".) In Berliner politischen Kreisen werden die Vorgänge in Bayern mit größter Aufmerksamkeit 'verfolgt. Besondere Beachtung findet der Beschluß 'des bayrischen Landtages auf Ueberprüfung ddr Verordnungen v. Kahrs und auf eine genaue Abgrenzung der Rechte des G«ne,ralstaatskommissärs. Man sieht darin einen deutlichen Beweis für die Unzufrieden- ' heit mit Kahr und hofft, daß d>ie jetzige schwer« Krise in 'München der letzte Vorläufer der Wiederherstellung voll Ruhe und Ordnung sein, und daß nicht nur das Amt de;s Geueralftaatskommissärs ein Ende finden, sondern daß nun auch mit starker Hand gegen die rechtsradikalen Kreise vorgegangen werden wird. Regierungskrise. München, 20. Dezember. (Tel. d. Wiener Morgell» zeitung".) Der Landwirtschaftsminister Wutzelhofer hat nach dem Austritt seiner Partei aus der Regierungs^ koalition seine Demission gegeben. Antrag auf Auflösung des Landtages. München, 20. Dezember. Die Fraktion der b a y r ischeu V 0 l k s p a r t e i hat heute im Landtag die A u flösung beantragt. Der Antrag wurde dem Verfassungsausschuß zugswiesen. Die bayrisch« Mittelpartei hat zwei Anträge eingebracht, die eine Verminderung der Mitgliederzahl des Landtages auf mindestens ein Drittel der jetzigen Zahl, ferner eine Verminderung der Zahl der Ministerien auf fünf bezwecken. Dieser zweite Antrag wurde angenommen. Ford will nicht mehr tandidieren. Ihm werden anscheinend die Trauben zu sauer. London, 19. Dezember. Das Reutersche Burecm melde', aus Detroit, Henry Ford habe erklärt, er werde g c fj e it Coolidae nicht als P r ä s i d e n t s ch a j t §* kandidat Auftreten. Nn geheimes Konsistorium. Der Papst über die Notlage Zentraleuropas. Rom, 20. Dezember. Irr Anwesenheit sämtlicher in Rom weilenden Kardirräl« ty.n' ein gehei in e s K 0 n s istorrum .stattgefunden, irr dem der Papst erklärt«, daß die inneren und äußer«rr Verhältnisse der Völker, was ihren Frieden anlange, sich nicht zum Besseren gewendet haben. Das Schreiben des Kardinal-Staatssekretärs Gas pari, dvs den Zweck verfolgte, in den großen Drangsalen, von denen Zentraleuropa betroffen sei. einige Abhilfe zu bringen, halbe nicht ^das erhoffte Ergebnis erreicht. Die Not der durch den Krieg betroffenen Völker bestehe nicht 'bloß fort, sondern nehme immer mehr zu. ^aränral Gas pari hat an die Nationen, die Uebersluß an Getrei'de haben, die Bitte gerichtet, dem Mangel der Leidenden nach Möglichkeit albzuhebfen. I Werbet t&onnentenfiir Me Wiener Morgenzeitmg MM kaufen Sie im iSdtiffmann II., Taborstraße 48 Telephon 47-1-79 En gro» En ctoSnBS

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