Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1741 (20.12.1923)
- Date
- 1923-12-20
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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M. Tffl_ Wien. Donnerktag sich gelegentlich oder eine Hand. Uni» jede dieser BApeguugen. ist eine geniale Eingabe Hallenbergs. Ein Beispiel; Er hört die niederschmetternde Offenbarung, daß er sich durch seine Haustyrannei beinahe die Liebe der Seinen'verscherzt habe. «Liebe!" Das Wort erinnert den Pedanten daran, daß auf einer Inschrift im Hause der Anfangsbuchstabe „L" verwischt sei, worüber er sich im ersten -Akt ungefähr hundertmal empörte. Die Augen rollen im erstarrten .Körper seitwärts nach jener Inschrift.' Er hat's auch jetzt nach nicht verwunden, daß dort das „L" nicht in Ordnung ist. Hier hat man in einem Augenblick den ganze»: Pallenberg. * Dann spielt er eine Minute höchst ergreifend den Körnig Lear. Wenn nämlich die Komödie mit der ausgestopften Puppe vorüber ist, Josef Malik plötzlich ausspringt, alles entsetzt ausek «anderst iebt und er gebrochen 'dasitzt, seiner Kinder und seiner Frau -beraubt. Da er ein Weilchen Strohpuppe sein mußte, hängen ihm, just wie weiland König Lear in der Wahnsinnsszene., Strohhalme um das gestrenge Pedantenhaupt. — Es «geht natürlich alles gut aus. Die „Dampfmaschine" kriegt Beschäftigung außerhalb des Hauses und wird von nun an daheim der angenehmste und friedlichste Familienhäuptling sein. * > Eine Figur von bizarrer Heiterkeit und in jener Wendung des dritten Aktes von großer Tragik ist diese „Dampfmaschine" Josef Malik. Eine Schöpfung Mar Pallenbergs. Sein herzhafter, überaus anmutiger Erzieher ist Anton Edtho fer, der sich mit Pallenberg in die Ehren des Abends teilt. Auch die übrigen Mitwirkenden der Vorstellung, die von Direktor Beer sorgfältig geleitet wird, insbesondere die Damen SchleiniH, Witzmann, Loos, Geßner und Herr Kersten sind vortrefflich. . Palienberg wird seine „DampfmaschineV voraussichtlich häufig in Wien vorführen müssen. Otto Abel es. DloUnvIrtaosen. Nach jahrelangem Fernbleiben hat Jan Kubelik wieder den Weg nach Wien gefunden und als Novität sein A-Moll- Violinkonzert mitgebracht. Es ist bereits sein fünftes Konzert, virtuos gesetzt und Laienhaft instrumentiert, wenig interessant, doch im Festgewande seiner slawischen Melodien und Rhythmen immerhin willkommen, wenn es Kubelik selbst spielt. Bee'hovens Violinkonzert, arg verzärtelt und auf äußere Wirkung zugerichtet, war vom Geiste Beethovens weit entfernt. Mit seinem süßen Geigenton — es ist vielleicht der süßeste, den wir jemals gehört haben — und mit seiner ganz außerordentlichen Bravour vermochte Kubelik, das große Publikum auch diesmal hinzureißen. Aus viel höheren und einsameren künstlerischen Regionen erklingt das Geigenspiel der jungen Almä Moodie. Wie sie schon oft das Beethoven-Konzert in schlackenloser Reinheit und «in keuscher Linienführung nachbilde'.e, so spielte sie letzthin eine Solosonate von Bach mit großem Ausdruck und ganz verinnerlichter Empfindung. Der Zufall fügte eS, daß wir die gleiche Sonate am gleichen Abend auch von dem vorzüglichen Geiger Soma P i ck st einer mit sauberer Technik und polyphoner Plastik spielen hörten. Doch welcher Unterschied zwischen Vicksteiners bürgerlichem Spiel und Alma Moodies kühnem Flug Hohenwarts. — Margarethe K o l b e - I ü l l i g, der bekannte weibliche Primarius des Damenquartetts, das sich durch die Pflege moderner Musik den Dank oller Fortschrittler erworben hat, absolvierte mit reifem Können ein abwechslungsreiches Programm, das interessante slawische Stücke enthielt. Alfred G r ü n f e l d, Fritz Kreisler und sein Bruder Hugo Kreisler verbanden sich zu einem Trioabwd, an dem die beiden Schubertschen Klaviertrios von Meisterhand w'.edergegeben wurden. Es war ein herrlicher, herzerquickender Abend, an welchem ein Stück musikalisches Alt-Wien lebendig wurde und die Schubertsche Musik wie ein Mailüfterl die Zuhörer umschmeichelte. flb. Wiener Moraenzeitung. Mitteilungen aug dem Publikum. SJ Qroase %VeihnachfsokJcasion m ** den neuesten Tathet tModeUen %aborstr. 1 Wien, //. %aborstr, 7 Billiger als überalll-uft» Si« Seiden« u. Textilwaren ftwft -->,>»-1 -n«m- Herreaftoffe u. Damenmodewaren SrKte Auswahl in Fntterware« MO mficnic WrihnchtS-«. AeMrWmle Richard Svringer ^AZHZizHsmm Josef Ehrlich I. ROTGASSE 3 * MODERNE TÄNZE ^cbtS’O^ Beiter Juwelen, Gold-, Silberwaren u, Uhren NUR I., ROTENTURMSTRASSE NR. wirf-. zm 8da Roland «tritt a!b heute.wieder in der Renaissance-Bühne auf. De Nerven haben sich beruhigt, das Interesse des Pulblrk-ums für dicisen irnpüffivm Star ist verstärkt, die Vorstellungen wcvden gjlänzend besucht sein. Und so dürste die Direktion durch guten Geschäftsgang für die Exzesse der Roland und für Hren Streik hinlänglich entschädigt sein. Es war'eine gute Reklame. Daß o'lkr just aus Anlaß der Aufführung eines feinm mit Herzblut goschriebenrn Stückes des jung verstarb onm Dichters Kaltneker dieser Rummel vor sich ging, ist gewiß bedauerlich. Die Musik hinet-r der Szene — der Dichter hatte für jenes Bild nicht eine 'bestimmte Musik vorgeschoieben und sie -ist erst anläßlich der 'Ausführung bestellt worden — durste nicht der Anlaß zu entern Theater-Skandal fern. Frau Rnland wird niemand glauben machen, sie ly.-.iv Pietät für den Dichstr gestreikt. Mirjam Schnabel—Höflich licst ÜK-Te am •••••alb 8 llhr abends im Klu^saal der Urania orientalische Erzählungen. Eine Maßnahme der preußischen Knnstverwaltung. Wir haden semerzeu gemeldet, daß die preußische Knnstvevwaltung die Maßnahme traf,, einen Teil 'der für die „Not gerne inschaft der deutschen K u n st" ei nlau senden Mittel für den Zwecken verwenden. M a te r-i all ie.n für bildende Künstler zu kaufen. Nt'in hat die prcnßische Kuustver- . waltung an ungefähr zweihundert begabte notleidende Künstler Gutscheine ver'eilt, die auf je I vierzig Goldmark lauten und dazu best'mm t sind, diese 'b'lldcnden! Künstler mit Farben, B''.ndomi't>l-c'l, Firnissen, Kupfer,p a'rm, .1 graphischen PapiereS, ,u>f:v. zu vorschen. Freil ich ist da,Nil nichts güschchrn, wenn diese Künstler nicht auch sonst unterstützt werden. Denn die Ze-'chnung.'n, Bilder und Stal'-nen, die sie mit den' gespendeten Materialien a-nerligm. verschaffen ihnen wohl Arbeit, ad ei bei der gegenwärtigen Lage in Deuts chland t wohl in den seltensten Fällen auch Brot. Gasttir, Itiig! 8 Tage Marke „Gebe" 8 Tage Reklame-Verkauf Bor Enikaui andkrwitrl» s>brrze»gkn Ei» fiiti von unfccem Retlamcvcrlauf t ffa»lock>er, »weiflammig ...... ffi. t5**,<*00 1 tMajfodKr, Muetflammi«. 2 ©eitfitodier.K. ‘iflH.OOO 1 Wa8to-i'.fr, dreiflaimnig, 8 Weitrrlocher ...... K. S'^C.000 1 ffa^adiPhr O. W. . . .». 30".00t> 1 G.inii ur. öia?nfcti, 2 Gtaqrl, 2 EUrn. 1 (SrMtipr . K. ‘'OO.OO« 1 ff ci’ljerD, brdfliurnntg, i Blatrohr, 1 RUstrauni a.tfn». von K. 1,425.000 ©ocftfeit . ... . . aufm, von K. L- .0 0 Freie Besichtigung! Teilzahlungen werden gewahrt! Siegfried GIÜchLCo.ILSchMgaffeS Epezta geschäft filv Sau«» und Küchengeräte» GlaS- »ind Porzrllanware» Me Sföacke lmtüelicuf! WEINBRAND COM.’lc Wen-yJudapest. 20. D°z«Er 1928_Seit, L Kunstgewerbliche werhstfltte „StotK-Im-Elsen* Hans Naumann, Q. m. b. H. I« Stock-Im-Elscn-Platx 3-4 Lohrknrae/Mlnaodr«1vnugao t&?l t Welhntohtsrorkuttra&usistenn Sch!ilsi?*jzÖ38 Vll. »uri Adolf Bell, das geschätzte Mtg-lied . der Mi.chen Bühne, feierte dieser Tage sem zwanzigjähriges,B st h n ewj u b ilöum. Er spielte die Haupt-oolle in Gavi-ins Drama „Der wi'lde Mann", eine seiner basten Rollen. Bell, der glänzend disponiert war. Wwrde durch stürmischen Beifall ausgezeichnet. .. DaS neue Seft der „Menorah". Svöben -ist Nummer 6 der illustrierten Monatsschrift für die indische, Fa-miiie, „M enora h" erschienen. Mr hüben aus dam reichen Jnhatli dm Aufsatz Wladimir Iabätinskis „D'e ei'er ne W-and"» den Essay S. Meiseis .Mcber die Glückel von Hammeln", und eine Betrachtung ,-Gericht" von Eugen Höflich hervor. DaS reich illu'str'erte Heft enthält ferner -mehrere Gedichte, demunt-er eines vom Uriel Birnbaum und eine neue Rübrik .^Frauenwelt". die von Amitta-Müller-Coben geleitet ist» 'interessantes, „foi klovistiiches Allerlei" un>d einen sehr 'bemerkenswerten bibliographischm Mbfchrrit-t. Ans den Aeatern. Dargtheater. Morgen um 7 Uhr ^Antonius und Kleopatra". Operntheater. Morgen «m 7 Uhr »Di« Boheme". Akademietheater. Morgen um ll,ü Uhr »Der eingebildete Kranke". V o l k S o v e r. Heute »Boheme* mit Kammerlangeriu Elisabeth van Endert von der Staatsover in Berlin lMimil und Frau Stella Eisner (Musettes als Gästen. — Morgen Freitag „MadameButterfly*. In den Kammerspielen findet beute um 7 Uhr die deutsche Uraufführung von Sacha Guitrys Komödie „Mein Vater hat recht gehabt", mit Hugo und Hermann T h i m i g in den Hauvtrollen, statt. Um 10 Uhr abends Gastspiel Klvette Guilbert mit ibrem Ensemble. Das Apollo-Theater bringt im Rahmen der Aufführungen klastischer Operetten Sonntag den 29. d. um 3 Ubr nachmittags zum erstenmal „Die Fledermaus". Bel dieser Vorstellung spielt Ludwig Stärk den Frosch. GMtssaal. Kn antisemitischer Hetzredakteur vernrtekit. Aus Warschau wirb uns geschrieben: Dieser Tage stand der Redakteur der hetzantisemrtifchen „Dwa Grosze", Sadziowicz, vor dem Warschauer Gericht, wert er zwei Juden in unbegründeter Werse denunziert hatte. Er beschuldigte den Präsidenten des Handwevkevvereins in Minsk. Sternstvauch, k o m m u n i st i s ch e r Umtriebe, sowie den Einwohner von Giechanow» M. Gornfmkel, des Schnapsschmuggels. Da dem angeklagten Redakteur m beiden Fällen der Wahrheitsbeweis vollständig mißlungen war, wurde er lvegrn des ersten Falles zu einem Monat, wegen des zweiten Falles zu zwei Wochen Arrest verurteilt. > Der Wert des plhchlatrischrn Gutachtens. Beim Zivili landesgericht ereignete sich der seltene Fall, daß der Richter trotz! des Gutachtens der Psychiater gegen diese entschied. Der Be- \ amte Bruno Sch. hatte die Hofvatstochier Eleonore P. geheiratet und nach vielsährige.r Ehe die Ungültigkeitserklärung dieser Me verlanat, weil seine Gattin geisteskrank sei, was sie schon zur Zeit der Eheschließung gewesen sein mnß^. Die Gcrichtspsychiater bestätigten einheitlich die Aussassflng des Klägers. Der Vertreter der Gattin wies darauf hin, daß die angeführten Momente nicht überzeugend genug seien. Trotz deS Gutachtens wies das Zivillandesgericht di« E h e u n g ü l t i gkeitsklage ab und stellte sich aus den Standpunkt, der Klager habe sich über den geistigen Zustand seiner Frau, zur Zeit der Eheschließung im klaren sein müssen. Gegen dwseS Urteil brachte der Kläger die Berufung an das Oberlandesoericht ein und der Klagevertreter b-estritt die Berechtigung deS Richters, sich über das Gutachten der Psychiater hinwegzusetzen. wogegen der Geklagtenvertreter erklärte, es sei eine Verkennung der Aufgabe ds Richters, wenn die Gegenseite der Ansicht feil der Richttr müsse das, Gutachten der, Psyckiiater hinnehmen wie es ist irnd dürfe sich in eine Kritik desselben nicht einlassen. Der Richter erklärte, das Urteil des Berufungs^ senates werde schriftlich bekann'gegeben werden. Ein Witzbold. Der Kellner Anton Rappel liebt es. manchmal witzig zu sein und seine Mitmenschen auf angeblich geistvolle Art zu srozzeln. So kam er eines TageZ in das Geschäft des Kaufmannes Samuel Epstein, kantte irgend etwas um 2490 Kronen und als es zum'Zahlen kam, da ,legte der witzige Herr Rappel den Kaufpreis in lauter Ern- und Zweikronennoten hin. Der Kaufmann, der die Frozzelei wohl heraussühlte, oab dem Käufer sein Geld zurück und verweigerte den Verkauf der Ware. Das schien, der Rappel nur gewollt zu haben» denn er erstatttte die Anzeige wegen V e r« kaufsverweigernna. Gestern hatte sich Samuel Epstein deshalb vor dem Bezirksgericht Fünfhaus (Landesgerichtsrat Dr. Schedy) zu veran'worten. Der Richter verurteile ihn zu 30.000 K. Geldstrafe, da die Ein- und Zweikronensche,ne „gesetzlich anerkannte Geldscheine" sind. Ein« Beschränkung in der Annahme des Papiergeldes sei im Gesetze nicht vorgesch.'ii. Ob der Richter auch dieser Ansicht wäre, wenn.ihm etwa sein Gehalt in lauter Ein- und Zweikronennoten ausgezahlt werden würde. Z« weit rechts. Nicht etwa im politischen Sinne zu weit rechts, sondern im Sinne der Fahrvorschriften. DaS Fräulein Hilda Schenk ist glückliche Besitzerin eines Automobils und hat natürlich den begreiflichen Wunsch, das hübsche Fahrzeug auch selbst zu lenken, wie es jetzt Mode ist. Um das Fahren zu lernen, fuhr sie öfters des nachts unter Anleitung, einer BerufschÄuffeurs durch die Straßen. Dabei passierte ihr einmal das Malheur» daß sie, als sie einem anderen Fuhrwerk Vorfahren wollte und nach rechts ausbog. des Guten zuviel tat und einem anderen entgegenkommenden Auto in die Quere kgm. Nur durch die Geistesgegenwart des Lenkers wurde ein ernster; Unfall vermieden. Gestern stand die Autolenkerin wegen dicser bedenklichen Neigung nach rechts vor dem Richter, der sie zu j 0 0 0.0 0 0 K. Geldstrafe verurteil^. Ja, es muß eben jeder zahlen. Autofahren ist f• -^ 646