Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1741 (20.12.1923)
- Date
- 1923-12-20
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. I7'4i Wien, Doim-erstag Wiener Morgenzeitung 20. Dezember 1923 Rundschau. Ae französischen Mitglieder der Sachperstöndigenlommisffon. Paris, 19. Dezember. Nach dem „Temps" werden die französischen Sachverständigen im Ausschuß für das deutsche Budget und die deutsche W ä h r u n g der ehemalige Direktor im Finanzministerium Parmentier und der Professor für Nationalökonomie an der Sorbonne und frühere Kabinettschef des Finanz- Ministers Doumer, Alex, sein. Zum französischen Delegierten in dem Ausschüsse zur Untersuchung der deutschen Auslandsguthaben wird das Direktionsmitglied der Banque de Paris et de Pays Bas, A t t h a l i n, bestimmt werden. Der Lebensmittelkredit für Deutschland. Paris, 19. Dezember. Nach dem „Petit P a r ifien" dürste die Reparationskommission das Ansuchen Deutschlands betreffend Ermöglichung eines L e b e n s m i t t e l k r e d i t s in den Bereinigten Staaten n i ch t s or m e l l a b l e hn e n, jedoch die Bedingung stellen, daß durch eine' Untersuchung festgestellt werde, wie hoch sich die Lebensmittelbedürfnisse. Deutschlands belaufen und ob Deutschland über die finanziellen Mittel verfüge, die zu deren Deckung erforderlich sind. Eine zweite Untersuchung würde sich daher mit den deutschen Guthaben im Auslande befassen. Wenn das Ergebnis der beiden Untersuchungen für Deutschland günstig sei, könnte die angesuchte Priorität unter genauen, noch zu bestimmenden Bedingungen zugestanden werden. Rückgang des Fuder. Berlin, 19. Dezember. Die Reichsin >dexziffer für die Lebenshaltungö rosten weist gegenüber der Vorwoche eine Abnahme von 8,4 Prozent auf. Verselbständigung der Reichsbahnen. Berlin, 19. Dezember. Das Reichskabinett hat nach Annahme einiger Abänderungsvorschläge des Fünszchnerausschusses bezüglich der Kveiten Steuerverordnung die Frage der Verselbständigung der Eisenbahnen beraten und beschlossen, in Vorverhandlungen mit den Ländern einzutreten. Weiters hat das Kabinett in Aussicht genommen, sich mit der Gründung der Rheinisch-weMlischen Notenbank einverstanden zu erklären, wenn bestimmte Bedingmugen erfülltwerden, die in den letzten Tagen mit verschiedenen Vertretern der rheinischen Banken erörtert worden sind. klne Koalitionsregierung in Sachsen. Dresden, 19. Dezember. (Tel.-Komp.) Die von den Sozialdemokraten und Kommuniste n eingeleiteten Verhandlungen zur Regierungsbildung sind gescheitertda die Kommunisten an der Ausschreibung von Neuwahlen festhielten. Es besteht daher die Möglichkeit zur Rückkehr zur großen Koalition in Sachsen. Es finden bereits Verhandlungen zwischen den Demokraten und den Sozialdemokraten statt. Im Landtag, der heute zusammengetreten ist, wurde die Wahl des Ministerpräsidenten, da eine Einigung unter den Parteien nicht zustandegekommen ist. von der Tagesordnung a b g e s e tz t. Die Sitzungen sind auf unbestimmte Zeit vertagt worden. \ Guss» WtMtaiMof in sämtlichen Abteilungen I., Traffinerhof 1. \i/ Frackbemden . / . . . Ray6-Batisthemden . . Seidenhemden . . Englische Zephirhemden Hüte. Pyjamas. Woll\mten ...... Krawatten. Taschentücher ..... .K 110.000 .K 110.000 .K 260.000 ..K 110.000 .K 180.000 .K 150.000 .K 170.000 ..... ..K 50.000 . . per Stück K 15.000 Frack-, Smoking- und orig. engl. Anaüge nach Maas, Pelze, Automäntel. I Sonderpreis Orig engl Raglans . K 1,200.000 Seine amerikanisch-russischen Verhandlungen. Hughes lehnt die Vorschläge Tschitscherins ab. Washington, 19. Dezember. (Tel. der ^Wiener MovgenzeÄung".) Staatssekretär Hughes hat ans die Note Tschitscherins, worin dieser um die Eröffnung von Verhandlungen zur Wiederaufnahme der wirtschaftlichen Beziehungen ersucht ha-t'te, goantwovtet, daß er keinen Grund dafür sehe, warum gegenwärtig UntechaMungen eröffnet werden sollten. Nach einer Renter-MMnng erklärt Hughes, die Vereinigten Staaten würden aus ihre Grundsätze nicht verzichten nwd sie nicht zum Gegenstanddes Feilsche ns machen. Die Wahlresorm in Frankreich. Paris, 19. Dezember. Der Senatsausschuß für die Wahlresorm hat sich gestern mit 26 gegen 1 Stimme zugunsten der Wiederlherftellnng des Wahlrechtes nach Arrondissements ausgesprochen. Ein Anhänger Gandhis indischer Premier. London, 19. Dezember. (Del. der „Wiener Movgenzeidung".) Wie Reuter meldet, wurde C. R. Das, der Führer der indischen Homerule-'Bcwe'Mng, von der britischen R-egiern-ng mit. der Zusammenstelliumg eines Kabmerts für die indische Provinz Bengalen betraut. C. R. Das war einer der eifrigsten Anhänger Gandhis, des Organisators der antienglischen Bewegung, der zurzeit eine Kerkerstra-se abbüßt. Raisuli vergistu. London. 16. Dezember. (Havas.) Wie die „Daily Mail" aus Tanger meldet, ist der Führer der Ansstänid:,scheu in der spanischen Zone, R a i s n i i, gestorben. Man vermutet, daß er vergiftet wurde. Seite 3 Tagesbericht. Mische Denttchlandhttse. Unsere Brüder und Schwestern in Deutschland versinken in Not und Elend. Hungernde und frierende jüdische Kinder stehen mit hoffnungslosen Blicken vor geschlossenen Heimen, unzählige Existenzen sind durch den allgemeinen Niedergang erschüttert und gebrochen und an vielen, Orten wird die schwere wirtschaftliche Bedrängnis unserer Glaubens- und Volksgenossen durch die Auswirkung des Judenhasses bis zur Unerträglichkeit gesteigert. Wir dürfen nicht vergessen, was in den nicht fernliegendrn Tagen unseres eigenen Unglücks ausländische und auch deutsche Hilfe an uns getan, und darum ist es nicht nur ein Gebot menschlichen Mitgefühls mit fremdem Leid, sondern auch eine Pflicht der Dankbarkeit, mit reichen Mitteln hier helfend ein zu greifen. Vom Vorstand der i s r a e I i t i f ch e n K u l t u i n c - meinde mit der Zentralisierung und Durchführung der jüdischen Deutschlandhilfe betraut, haben wir unter bereitwill stet Mitwirkung der B e z i r k s k o m m i s s i o n e n der Kultnsgemeinde, der Tempel- und Wohlfahrtsvere ine in den einzelnen Bezirken und der sonstigen jüdischen Organisationen Sammlungen eingclcitet und Sammclblocks ausgegeben, die mit unsere^ Stampiglie versehen sind. Spenden werden auch von der Zentralstelle für jüdische soziale Fürsorge, 1. B-ez., Seitenftettengasse 2 (Postsparkassenkonto 101.814), und an der Hauptkasse der tsva-eliti-scheu Kultusgemeinde, 1. Bez., Seitenstettenpasse 4 (Postsparkassenkonto 162.254), entgegengenommen. Mit den einlanfenden Spenden tucröen Rot und Elend, die von Tag zu Tag wachsen und immer weitere Kreise erfassen, nach Kräften gelindert, die Ansgewiesenen -und Flüchtigen unterstützt, Kindertransporte nach Oesterreich durckgrführt. Vor allem aber wollen wir das Gespenst des H ringe r-s, von dem unglückliche jüdische Väter und Mütter, dar bende Mische Kinder bedroht sind, verscheuchen und L e d e n smittel Pakete in großer Zahl nach Deutschland senden. Die Verteilung unserer Liebesgaben haben die jüdt-> chert Wohlfahrtsstellen in Deutschland, mit denen wir in Verbindrmg getreten sind, übernommen. Ihre genaue Kenntnis der Verhältnisse der Einzelpersonen, Familien und der nstle wenden jüdischen Institutionen bietet uns Gewähr dafür, daß unsere Hilfe den Dürftigen und Würdigen zugute kommen wird. Um aber auch jenen, denen es Bedürfnis ist, einem lieben Freunde, Verwandten oder Bekannten mit Lebensmitteln -anszuhelfen, diesen Liebesdienst zu ermöglichen, sind wir bereit, gegen Entrichtung einer entsprechenden Spende Lebensinittelpakete an bestimmte uns angegebene Adressen zu senden. Die Versendung kann in drei Typen erfolgen, und zwar: Type £ Type v (5 Kilogramm) (Kinderpaket 5 Kilogramm) 54.000 ft. 67.000 ft. 1 Kilogramm Zucker 1 „ la koscher Speisefett 1 „ Vollreis l‘/4 „ Weizenmehl V9 „ holländischer Kakao 1 Kilogramm Zucker ll/8 » 1« koscher Speisefett Vo „ Vollreis »/' „ Grieß V, „ Holland. Kakao - 2 Dosen Kondensmilch Type 6 (10 Kilogramm). 115.000 K. RMchtsmastnahinen kn München. München, 19. Dezember. (Wolsf.) Zu den Gerüchten von einem angeblichen Putsch gegen die Regierung, wird mitgeteilt, daß im Laufe des heutigen Tages umfangreiche Vorsichtsmaßregeln getroffen worden sind. Der Landtag echiÄt polizeilichen Schutz. Ebenso wurden die Post und das Telegraphen amt durch Landespolizei gesichert. Wegen Befürchtung von Störungen ist l)eute die Aufführung der Oper „Tos ca" im Nation althe ater -und ebenso die von der Bayrischen Bolkspariei geplante parlamentarische Weihnachtsfeier Polizeilich untersagt worden. Die Lage der Zuden in Baiern. Pogromschrecken in Franken. ' Das Organ des Zentralvereines deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens berichtet über eine Sitzung, die vor kurzem in Nürnberg stattfand mtb auf welcher die Lage der Juden in Bayern besprochen wurde. Rabbiner Doktor Stein (Schweinsurt) berichtete über die B e d r o h n ngen und Gewalttätigkeiten, die, mangels staatlichen Schutzes, die fränkischen Juden in den letzten Wochen über sich ergehen lassen mußten. Der Referent gab folgende Beispiele: Um Mitternacht dringen Uniformierte in ein .Hans, angeblich, um Waffe n zu suchen. Der Hausherr wird mit dem Revolver in Schach gehalten. Massen werden nicht gesunden. Dafür heißen die Banditen Kleidungsstücke, Zigarren, ein Fahrrad mitgehen. Den Juden eines anderen Dorfes wird am Tage des Hitler-Putsches durch Bewaffnete verwehrt, ihre Häuser zu verlassen. Anderswo werden Todesdrohungen ausgestoßen, die nachts durch Schläge gegen die Fensterläden und Schüsse unterstrichen werden, so daß die verängstigten Bewohner nächtelang nicht wagen, zu Bett zu gehen. Hier und da möchten christliche Nachbarn gern eingreisen, aber sie fürchten Rache und Terror. Aehuliches erlebt man ständig auch in anderen Teilen Deutschlands. khrenvenfwn für Frau Curie. Ans Paris wird gemeldet: Die Kammer hat einstimmig den Gesetzentwurf angenommen, wonach der Frau C u r i c eine Jahrespensstn in der Höhe von 4 0.0 0 0 Franken als staatliche Anerkennung zugesprochen wird. Die Wische kinwandermg nach Amerika gefährdet. Aus Washington meldet I. T. A.: In Verbindung mit den verschiedenen Anträgen wegen Verringerung der Einwanderunasquote von drei auf zwei Prozent laut dem Zensus von 1890, wird in unterrichteten Kreisen versichert, es bestehe leider die G e f.a h r, daß diese Pläne Gesetz werden, worauf die jüdische Ein w ander u u g nach Amerika f a st ganz auf hören wird. Im Jahre 1890 wohnten in Amerika 182.560 aus Rußland und Finnland stammende Personen. Zwei Prozent steser Zahl würden nicht ganz 4000 Einwanderer jährlich ausmachen und auch diese wenigen Einwanderer werden sich nicht allein aus Jtsten rekrutieren. Mit V o l e n verhält es sich ähnlich. Die Zahl der Polen in Amerika betraf im Jahre 1890 — 147.440 Personen. Zwei Prozent würden weniger als 8000 Emigranten jährlich, wobei auch hier die Juden — betragen nicht die einzigen fein werden, die auf die polnische Quote Anspruch machen. Zionistische ßezirkssektion Ccopoldstadt Jeden Donnerstag für Mitglieder und eingesührte Gäste z Ui a n g l o s e Z u s a m m e n k ü n f t e Beute Donnerstaa den 20. d., präzise 8 Uhr abends, im wiener Büruercart, H.. Praterstraße 11 VffeH TI? A ß-Hr.Blegmmid? VüiJJüAVT HABES über: Scholem Alejeliem mitanschließend.humoristischer __Vorlesung_' : Voranz eige! Donnerstag den 27. d. Vortrag Oberbaurat Stricker: Die Lage im Zionisnms 2 Kilogramm Zucker 2 la koscher Speisefett 2 „ Vollreis 2 „ Weizenmehl */4 „ Kaffee, ungebrannt V* „ liolläirdischer Kakao 7* " Grieß Anmeldungen für diese bezahlten Pakete werden gegen Erlag des für die betreffende Type festgesetzten Betrages in unserem Bureau, 1. Bez., S e i t e n st e t t e n g a s s e 2, von 9 Uhr früh bis 2 Uhr nachmittags entgegengenommen uno können auch schriftlich bekanntgegeben werden. Juden Wiens! Wir appellieren an euch in der Stunde der schweren 21 ot unserer Brüder und Schwestern in Deutschland. B e w e i s e t, d a ß d a 8 v i e l g e r ü h m t c j ndtsche Herz keine Fabel i st! Spendet m r t vollen Händen! Spendet rasch, denn doppelt gibt, wer rasch gibt! Zentralstelle für jüdische soziale Fürsorge Wien, 1. Bez., Seitenstettengasse 2. Der Grazer Metallarbeiterstreik beendet. Aus Graz wird gemeldet: Die Al e h r h e i t der streikenden Metallarbeiter hat in ihrer in den Betrieben vorgenommenen geheimen A b st i m m u u g sich dahin entschieden, das von der Landesregierung v o r g e s ch l a g e n e Abkommen m i t der Grazer Industrie a n z u n c h m e n. Mit Rücksicht auf das Abstimmungsergebnis beschloß die vollzählig verammelte Konferenz der Metallbetriebe, den Streik a b zubrech e n und die A r b e i t h e u t e früh w i e d e ra u f zu nehmen. Der Flng Aber den Nordpol. Christiania, 19. Dezember. (Wolfs.) Raoul nt u ii b sen teilt mit, daß 'sein Plan einer Flu gexpedit i on üon S p i tz b e r g e u über den Nordpol nach Alaska 'Aussicht auf Verwirklichung habe. Die Marine der Vereinigt eit Sta atett stelle ihm einen ihrer tüchtigsten. Fliegeroffiziere, den Leutnant Davison, zur Verfügung. Der Aeronautieal Digest habe die Finanzierung des Unternehmens in die Hand genommen und zwar mit Hilst von Am besten u. kayfew II., Taborstraße 48 Telephon 47-1-7B En gros En detail