Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1740 (19.12.1923)
- Date
- 1923-12-19
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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V». vm WMl, MI Mvol H Invalide erteilt 1ixta. : [,..cu. Man befürchtet, daß diese Verfügung geeignet sein könnte, ungezählte Juden, welche seit langer Zeit Gastwirtschaften auf den Dörfern besitzen, brotlos zu machen. Mauen. Ae «evaratio» Wer die MiiwrMsrechte. Aus Paris wird gemeldet: Auf der Tagung des Völkevbundrales wurde offiziell bekanntgegeben, daß der Bölkevbundrat in lieberem stimmung der vom litauischen Premierminister echaltenen Mitteilung das <un 12. März 1922 mit der litauischen Regierung getroffene Mommen über die Min ori täten re chte als offiziell in Kraft getreten anficht. Las Sormtagrmhegesetz. Aus Kotvno mel-det I. T. A.: Der Gesetzentwurf über die vollständige Sonntagsruhe wurde im Sejm in erster Lesung angenommen. Nach diesem Gesetz sollen alle jüdischen Geschäfte, Werkstätten und Schulen, auch wenn sie an den Sabbattagen geschloffen, sind, gezwungen werden, am Sonntag zu schließen. Rundschau. Amerikas Werten in der ReparationslommWon. Washington, 17. Dezember. (Havas.) Das Staatsdepartement hat die Bestellung des Generals Dawe s und Otoeit Noungs zu Mitgliedern des Sachverständigenausschusses der Repavationskommistion gutgcheißen. Frankreichs Delegierte. Paris, 18. Dezember. Der „Temps" teilt mit, daß der frühere Finanzdirektor im FinanMimstermm P a r m e ntier und der Bolkswirtschaftsprosessor All ix, Frankreich im Sachverständigenkomitee vertreten werden. Der Streit «m dar ReichrbankprSfidinm. Berlin, 18. Dezember. Das ReichsbanWiwktorium und der Zentralausschuß der Reichsbank haben sich mit der Stellungnahme des Reichsratsausschusses zur Neubesetzung des Reichsbankpräfidiums beschäftigt und einstimmig beschlossen, an der Kandidatur Dr. Helsferichs f e st z u h a l t e n. Demgegenüber wird bekannt, daß die P re u ß i s ch e R e g i e r u n g an der Beisetzung des Postens mit dem bisherigen Wähvungskommissär Dr. Schacht festhalten will. In der heutigen Sitzung des Reichsrates wurde entsprechend den Beschlüssen der Ausschüsse der ReichAwährungskommistär Dr. Schacht als ReichsbaMprÄftdent vorgeschlagen. Nach Mitteilungen des Berichterstatters Dr. Wolfs hat die Reichsregierung erklärt, daß ihr dieser Vorschlag genehm sei. Ae Arbeitslosigkeit in Lmtschand. Berlin, 18. Dezember. Der Stand der Avbeitsloisiglkeit in Deutschland ist, wie aus einer Statistik des Reichsarbeitsministermms heworgcht, zurzeit der höchste, der jemals statistisch ersaßt wurde. Im besetzten Gebiet waren Ende November zwei Millionen Personen völlig erwerbslos und 600.000 Kurzarbeiter, die Unterstützungen erhielten. Im unbesetzten Gebiet waren anfangs Dezember 1.450.000 völlig Erwerbslose und 1,830.000 Kurzarbeiter. Der sächsische Militärbefehkhaber. Dresden, 18. Dezember. Durch eine Bekanntmachung des Militärbefehlshabers wird die Verordnung über das Verbot der Ausstellung von Wahlvorschlägen für Parteien mit verbotener Organisation aufgehoben. Kahr gegen die Hitler-Lente. München, 18. Dezember. (Wollff.) Der Generalstaatskom'iuissär erläßt eine Warnung, wonach Anzeichen dafür vorliegen. daß bestimmte Kreise die allgemeine Not für politische Z w e df e aus nützen wollen. Er erklärt, die bewaffnete Macht werde die Durchführung der Anordnungen nötigenfalls mit der S chuß Waffe erzwingen. Diese Warnung gewinnt Bedeutung durch einen Artikel im Zentralorgan des Bundes B a h e r u u n d R e i ch, der geradezu zu einem Putsch aufgefordert hat, ohne daß bis jetzt gegen die Zeitung eingeschritten worden wäre. Es ist bekannt, daß gleichzeitig die' hiesigen Nationalsozialisten erhöhte Tätigkeit zeigen und daß von seiten der nach Tirol geflüchteten steckbrieflich verfolgten Teil nehmcr am Putsch aus Kufstein und Jnnsbruck Unruhe in die Bevölkerung getragen wird. Unterdrückte Plünderungen in KAn. Köln, 18. Dezember. Heute nachmittags sanmielten sich beim Arbeitsüachweisamt Erwerbslose, die Geschäfte plündern wollten. Der Zug wurde von der Polizei aufgelöst. Dabei machte ein Polizeibeamter, der angegviffen und im Gesicht verletzt worden war, von der Hiebwaffe Gebrauch, während ein anderer einen Schuß abfeuerte. Zwei Personen wurden festgenommen. Der Dälkerbnnd und die Studentenschaft. Aus Paris wird uns berichtet: Am 4. d. hielt das Umber sitätskomit-ee der Komm iss io n für die geistige Mitarbeit beim Völkerbund in Paris eine Sitzung ab. Es _Wiener Morgenzeitung. Zionistische Bezirkssektion Leovoldstadt - ■ ■ Sektor II Keule Mitlwvch um 8 Wr abends int Cafö Reif, 2. Bezirk, Taborstraße 49 Bortrag Gemeinderat Dr. L.Plaschkes: „Das Gemelndebndget 1924 und die Steuererhöhungen" 19'. Dezember 1923 Seite 8 ist dies der erste Fall, daß der Völkerbund die Mitarbeit der Studenten bei Lösung der Fragen des Studentenausschusses und der internationalen Beziehungen verlangt hat. Es waren vier internationalle studentische Verbände geladen. Die Konferenz^ wird dem BöVkerbnnd empfehlen, bei den Regierungen die Unterstützung der studentischen ZentraLverbände und des Jnsormationsbureaus zu urgieren sowie Ermäßigungen aus Bahnen und Schiffen, bei Pässen und Zöllen zu verlangen. Außerdem tverden die Hochschulen aufgesordert, die Frage des internationalen Index sowie -der fremdländischen Stipendien zu studieren. Es wird eine internationale Hochschnl-Jnformationskanzlei errichtet. Den Vorsitz bei der Sitzung führte Pros. Henri Bergson, sein Stellvertreter war Senator Russin:. Segen die antisemitische Hochschulhetze. Paris, 17. Dezemlber. (I. T. A.) In der dritten Tagung der BAkerbundkommission für geistige Zusammenarbeit, die vor kurzem in Paris abgehalten worden ist, wurde über ein von dem Komitee der jüdischen Delegationen eingereichtes Memorandum betreffend die wiederholten antijüdischen Unruhen an den Universitäten Oesterreichs, Rumäniens und anderer Länder in Verbindung mit der Numerus clausus-Agitation verhandelt. Nach Besprechung des Memorandums nahm die Kommission eine formelle Protestresolution gegen die antijüdischen Umtriebe an den Universitäten Zentral- und Osteuropas an. Frankreichs Mftungskredtte an die Maaten Paris. 18. Dezember. (Wolfs.) Ter Senat verhandelte gestern über die Kredite für außerordentliche Ausgaben und für auswärtige Militäroperationen. Vor der Abstimmung über die französischen Vorschüsse an Polen und J ugoslawi en erklärte Senator d'Estourn elles de Konstant. wenn die Vorschüsse, die der Senat jetzt bewilligen würde, dazu bestimmt wäreir, die wirtschaftliche Erholung der Völker zu sichern, denen sie zugute kommen, würde er begeistert dafür stimmen. Dem sei aber nicht so. Dia Vorschüsse seien dazu bestimmt, diesen jungen Völkern Mstungsbestellungen bei französischen Industriellen zu ermöglichen. Frankreich verliere also nichts dabei, behaupte man. Er sei außerstande, bis zu diesem Grade das nationale Interesse und das Interesse einzelner Jndustrixillev zu verwechseln. Es werde behauptet, daß Frankreich siich durch diese Kredit die Unterstützung mächtiger Heere sichere. Man müsse sich fragen, ob man Polen, Jugoslawien und Rumänien würkl ich einen Dienst erweise, wenn mau sie auf dilese Weise sozusagen zwischen zwei Feuer stelle. 4 Sine Rote Tschitscherins Wer die Memel- Frage. Riga, 17. Dezember. (Tel. der „Wiener Morgenzeitung".) Tschit sch er in hat an die Regierungen von England, Frankreich, Italien, Japan, Belgien, Tschecho-Slowakei,- Schweiz, Spanien, Uruguay und Brasilien eine gleichlautende Note gerichtet, in welcher er mit Beziehung auf seine früheren Noten in der Memelsrage gegen jede neu Absicht, diese Frage ohne die Anteilnahme Rußlands zu entscheiden, protestiert. Die Memelutw die mit ihr verbundene Njemenfrage seien von großer . wirtschaftlicher Bedeutung für Rußland. Die Sowjetregvernng unterstreicht in dieser Note, daß eine Entscheidung in der Memelfrage ohne Hinzuziehung Rußlands von ihr als feindlicher Akt angesehen werden würde und behält sich das Recht vor, in dem ihr geeigneten Augenblick ihre Forderungen nach Ersatz des Schadens zu präsentieren, der ihr aus einer für sie nicht günstigen Entscheidung der Memel frage erwüchse. Re bolschewikische Kriegsakademie. Moskau, 18. Dezember. (Tel. d. „Wr. Movgenzeitung".) Die Kriegsakademie der Roten Armee beging vor einigen Taget: die Feier ihres fünffährigen Bestehens. Unter den Offizieren, die in dieser Zeit ausgebildet wurden, sind 95 Prozent Kommunisten. Trotzktz malariaftank. Moskau, 16. Dezember. (Del.-iKomP.) Trotzky teilt in der „Kvasnatja Gas eia" mit, daß er an Malaria erkrankt sei und daß seine Wiedecherftiellitmg längere Zeit in Anspruch nehmen dürste. Kein Ualienlsch-Hnigarischer Seheimvertrag. . Rom, 18. Dezember. Die jugoslawische Regierung ha der italienischen Regierung ihr Bedauern über di« Bevöffentlichung des ,^rgotwinski Glasnik" ausgedvückt, worin von einem angeblichen italienisch-bulgarische n V e r t r a g die Rede war. Tagesbericht. Momentaufnahmen vom Karmelftervlatz. Er ist der Naschntarkt der Leopoldstadt. Sein Rahmen ist kleiner, das Getriebe stiller, fein Charakter intim und familiär. Er ist der sicherste Treffpunkt der jüdischen Hausfrauen, denn dort kennt sich alles. Blumen- und 'Obststände bilden feinen äußeren Anstrich. Aber seine größte Anziehung übt die Geflügelabteilung aus. Sie gibt ihm seine Bedeutung und verleiht ihm das bekannte Gepräge. Wer kennt nicht die wichtige Rolle einer fetten Gans in der Wirtschaft der jüdischen Hausfrau? Mit suggestiver Kraft wird sie nur immer beweisen, daß man mit der Gatts« noch am billigsten auskommt. Das Schmalz allein und bann die Grammeln, und es ist doch ein ganz anderes Essen. Die hartnäckigste Hausfrau wird bei dem Gedanken an eine Gatts weich. Dort spielen sich die munteren Dialoge des täglicheil Lebens ab, zwischen kerngesunden, feisten Frauen hinter dem Stand, verwegen dveinblickenden Burschen, die ihre Gutmütigkeit durch das keck hingeworfene Wienerische verbergen wollen, um der Einheitsfront der Hausfrauen zu imponieren, die das Material weniger auf Herz und Nieren als vielmehr auf die Leber prüfen. Denn Auswahl und Ueberfluß sind ja Gott sei dank vorhanden und die lockende Einladung des ,Miß die Hattd, gnä' Frau" atmet tiefen Frieden. Und wenn die bösen Nullen nicht wären, wiirpe nichts mehr an die „große" Zeit mit den kleinen Bisten erinnern. Auch die Enttäuschung der „Damen vom Stand" ist harmloser und die spitze Dialektik der Naschmarktsopherln erscheint hier in mild-philosophischer Abart. Selbst das „Servas Jud" der Markthelfer untereinander trägt wohlwollenden familiären Charakter. Und so ergibt sich ein anheimelnder sympathischer Duft dielses Milieus, Vas sogar schon heute theaterreif geworden ist und gar manche dürrgewordene Bühne mußte zu koscherem Schmalz greifen, um das — nichtjüdische Publikum anzulocken. Dort gibt es keine Parteien und Schichten der Bevölkerung, nein, nur Hausfrauen im bescheidenen Alltag? gewande der Arbeit setzen die Taktik der Solidarität den Methoden der Verkäufer entgegen. Da wird geprüft, gewogen und zu leicht befunden, die nur unseren Hausfrauen eigene, nnnachahmliche Art der wägende Handbewegung, die geringschätzig stempelt, um billiger kaufen zu können, die-treffenden Wechselreden und der Kampf mancher Mutter um ihr „Junges" beleben die malerische Szenerie. „Was kosten diese Taubeneier" wird diplomatisch 51t entwaffnen versucht. „Das soll eine Ente sein? An der ist doch gar nichts v'ran!" „Ja, aber frisch ist sie!" „Na hören Sie, so eine Henne soll ich kaufen, wem soll ich das erst geben." „Dafür ist sve so zart, gnä' Frau, da können £k sogar die Knochen essen." „Sie, die Butter schmeckt doch wie Margarine!" ,Keine Spur, vielleicht nur obenauf!" „Also die Gans hat aber gar kein Fett." „Ja, gnä' Frau, das ist eine Fleischgans!" „Fleisch, so, vielleicht, daß man mit einem Operngucker was bemerkt!" „Ja, liebe Frau, um den Preis kann man nicht altes haben!" „Ich bitte, alles angreifen, und anssuchen'geht nicht!" „Dort drüben kann ich immer aussuchen." „No gut, aber, wenn jeder aussuchen wird, Reibt mir der Pofel zurück." Schließlich ist doch das RItige erobert und schnell nach Hause damit. Indessen die Männer in den Mühlen des Lebens frohnden und kämpfen, um das tägliche Brot, um den Braten der Woche, denn auf viel mehr reicht es heute oft nicht, schafft unsere Hausfrau dies Wohlbehagen des häuslichen Herdes, kämpft mit als Gattin und Mutter und weiß, daß der gut gedeckte Tisch auch eine Pointe zur Zufriedenheit bedeutet. Denn die Liebe geht gar oft durch den Magen. st «Mer sür die Universitiitsbibliathe! in Sttttfalent. Das unter dem Vorsitz des Herrn Oberrabbiners Doktor Chajes und Universitätsprosessors Dr. Ehrmann und unter Leitung des Herrn Dr. Korn stehende Komitee zuv Förderung der jüdischen Forschungsin st it nie in Palästina hat in letzter Zeit eine Reihe wertvoller Bücher und Zeitschriften gesammelt, die für die Universitätsbibliothek in Jerusalem und das Technikum in Haifa bestitnmt sind. Aus Grund einer Anregung des Zionistisch-akademischen Landesverbandes hat sich der Sportklub H a k o a h, der am 27. Dezember seine Reise nach Palästina antritt, in dankenswerter Weise bereit erklärt, auf eigene Kosten anläßlich dieser Reise die zmr Absendung bereitliegenden Bücherspenden an ihren Bestimmungsort zu bringen. Wir richtet: daher an alle Förderer der jüdischen Kultur die Bitte, noch im Laufe dieser Woche dem Sekretariat deS Zionistisch-akademischen Landesverbandes, 2. Bez., T-abor«' straße 20a, anzuzeigen, bei welcher Adresse Bücherspen'den für diesen Zweck abzuholen wären, oder diese Spetlden den: Sekretariat des Landesverbandes zuzustellett. Am besten u. billigsten Schiffmann II., Taborstraße 49 Telephon 47-1-79 En gros En datal( aacgBBgqwfipy r' VfW’S1* Ji ... r Ui.