Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1739 (18.12.1923)
- Date
- 1923-12-18
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Kr. 1739» Wien, Dienstag A " --- ~ ” Moskau sequestrierten rumänischen Staatsschatzes und schließlich Einsetzung einer russischen 'Gesandtschaft in Rumänien mtd «iner rumänischen in Moskau. PalMna. Sine Shanuklahrede Herbert Samuels. Aus London wird uns gemeldet: Anläßlich einer Lhanukkah-Feier in Tel-Awiw hielt Sir .Herbert Samuel -ine Rede, in der er besonders die Neubelebung der hebräischen Sprache hervorhob und das große Verdienst Elieser ben Jehuldas streifte. Die Juden dürfen ihre Hoffnungen nicht aufgeben. An die Tore Palästinas steht die Botschaft der Hoffnung geschrieben für alle, die das Land betreten. Der Beamtenabbau. Aus Jerusalem meldet I. T. A.: I« Verbindung mit der Ersparungsaktion ist einer der wenigen Wischen höheren Beamten in Palästina, Herr Josef Aksler, verabschiedet worden. Rundschau. Me Wahlen ln Srlechenland. Sieg der Venizelistm. Athen, 16. Dezember. (Havas.) Die Wahlen find in Kühe verlaufen und haben zu einem voNen Erfolg der Venizelisten geführt. Die Opposition hat sich der Stimmen enthalten. Venizelos wurde e i nstimmig gewählt. Samstag erschienen der französische und der rumänische Gesandte sowie der jugoslawische Geschäftsträger beim Mnistechräistdenten Gonatas. Nach bisher nicht bestätigten Angaben soll tkiese Vorsprache einen Kölle,tivschvitt der genannten Mächte bedeuten, der zur Erhaltung der Monarchie in Griechenland unternommen wurde. Athen, 17. D^ember. (Tel.-Äomp.) Nach den vorläufigen Wahlergebnissen schätzt man, daß die -Kammer aus 350 Liberalen, ILO RepMMmern Md 6 Agrariern sich gnsammensetzen wird. Regierungspriifident Srützner vor dem franMchen Kriegsgericht. Düsseldorf, 17. Dezember. (Havas.) Die Verhandlung Kegen die Angehörigen der Schutzpolizei anläßlich der Separatistenlundgebung vom 30. September hat heute vor dem französischen Kriegsgericht begonnen. Angeklagt sind im ganzen 40 Personen, darunter der ausgöwiesene Regierungspräsident Dr. Grützit e r. Die meisten Angeklagten befinden sich im französischen Gefängnis in Derendorf. Lschktscherin an ßoolidge. Washington, 17. Dezember. Oel.iKmnp.) In einer Note Lschitscherins an Cooli-dge erklärt sich die Sotojetregieruug 'bereit, über rnfsische Probleme zu unterhandeln, wie sie in der Botschaft Coolidges an den Senat erwähnt wurden. Dalbei hätte das Prinzip der gegenseitigen Nichteinmischung in die inneren Angelegenheiten zu gelten. Sowjetrußalnd sei zu allen Konzessionen bereit, die mit der Würde und den Interessen des Staates vereinbar seien. Aussichten auf freie Sinwanderung nach Kanada. Aus Ottowa -mellidet I. T. A.: In seiner Rede auf einer jüdischen Versammlung in Winnipeg teilte das Mitglied des kanadischem Parlaments, Herr S. W. Jacobs mit, daß in bezug auf -die Einwanderung in Kanada ein vollkommener Umschwung stattgefundeu hat. Durch die Politik 'der offener; Dür -und ^der Abschaffung der Emwanderungsbeischränkungen wird düs Land einen gefuniden ständigen Zustrom von Einwanderern erchalten. Es sind Vorbereitungen zum Empfange von ungefähr 6000 ukrainischen Flüchtlingen in Kanada getroffen worden, wobei die ,Jva die Versicherung abgegeben hat, daß die M'ückNnge nicht der OeffeiMichkeit zur Last fallen werden. Bis zu dom Zoitpunkt, da für 3>i'C ganze gewünschte Zahl der Einwanderer Raum geschaffen-ist, hat die Regierung eine Quote vo-n 100 Einwanderern Wochen tlich festgesetzt. Die kanadische R>ogiovu-ug hat allen -denjenigen jüdischen Einwanderern die Einreise nach Kanad>a ge»statte>t, die wogen Uelberfüllung der rusfischon Quote von den Einwanderungsbchörden der Vereinigten Staaten zur Deport a.t i o n bestimmt wurden. Die Dcpout'iorten in der Höhe von einigen hundert Personen werden sich 'bis zum Juli 1931, da die n-eue russische Quote wieder eröffnet wird, als Touristen in Kanada aufhalten dürfen. Der Avbeitsmimster der Vereinigten Staaten Davis hat aalch seinerseits dieser Regelung zugesti-m-nrt, so daß die jüdischen Einwanderer nicht gezwungen sein werden, wieder nach -ihren europäischen Ausgangsorten Mi'lckznßchren. Den Einwanderern, die sich noch aus Ellis Island befinden, werden weiter keine Schwierigkeiten gemacht; sie können sich dort dis zu ihrer Ginlschiffnu-g nach lüiuom kanadischen Hafen aufhalten. Um diese Regelung bemühte sich besonders eine Deiiagation kanadischer Juden, welcher der Präsident der Vereinigten jüdischen Organisationen Kanadas, Herr Lyon Cohen, sowie das PaölamentsmÄglied S. W. Jacobs und Herr R. H. Welofsky aus Montvoal angchovt-M. _Wiener Morgerrzeitung._ Sie Flottmachung Am Sonntag wurden die Verhandlungen zwischen dem Bundeskanzler und den Führern der , sozialdemokratischen Opposition fortgesetzt. Zu dieser Besprechung waren auch der Vizekanzler Frank und Polizeipräsident Dr. Schober erschienen. Den Inhalt dieser Konferenzen haben wir bereits mitgeteilt. Die Beschwerden der Opposition richten sich gegen die Uebcrhandnahme des reaktionären Geistes in den Offizierskreisen der Wehrmacht und gegen die Hakenkreuzler in der Verwaltung und Rechtspflege. Gestern soll nun eine Annäherung zwischen der Regierung und den Sozialdemokraten erfolgt sein, und man hofft, daß nunmehr in die Arbeiten des Nation alrates ein rascheres Tempo kommen und daß das Budgetprovisorium und die Vorlage über die Ausprägung der Schillingsmünzen anstandslos erledigt werden. Das Silbermünzengeseh. In der gestrigen Nachmiltagssitzung des Budgetansschusses stellten die Sozialdemokraten, von den bisherigen Abmachungen mit der Regierung befriedigt, ihre Obstruktion ein und so konnten das Silbevmünzengesetz und das Budgetprovisorium mit einer Gültigkeitsdauer, allerdings entgegen den: Vorschläge der Regierung, die vier Monate vorschlug, von drei Monaten angenommen werden. In der Generaldebatte über das SilbermünzenMetz bemängelte Abgeordneter Sever die Ausstattung der Münzen, vor allem, daß das Wort „Republik" auf ihnen fehlt. Er hätte gewünscht, daß die Münzentwürfe vor der Ausprägung dem Ausschuß vorgelegt werden. Flnanzminister Dr. Kienböck versicherte, daß auf allen übrigen zur Ausgabe gelangenden Münzen, von den Nickelmünzen angefangen, das Wort „Republik" zu lesen sein werde. Irr der Spezialdebatte wurde das Gesetz mit den vom Berichterstatter beantragten Aenderungen angenommen. Berichterstatter Heinl referierte hierauf über das Budgetprovisorium. Er teilte mit, daß zwischen den Parteien eine Vereinbarung getroffen wurde, wonach das Provisorium nur für die Zeit von drei Monaten, das ist bis zum 31. März 19 24 bewilligt werden soll und stellte die entsprechenden Abänderungsanträge. Jfran Freundlich beantragte die Verdoppelung wrenumsatzsteuer für Getreide, Mehl, Brot, Fleisch, Milch. Eier, tierische und pflanzliche Feite sowie Kohle und Brennholz nicht in Kraft zu setzen. Finanzministep Dr. Kienböck' verlangte, daß die Opposition im Nationalrat dasselbe Entgegenkommen zeigen möge wie die Christlichsozialen im Wiener Gemeinderat. Hinsichtlich der Taggelder verwies der Minister auf das letzte ausführliche Kommunique. Es soll, well in der Oeffentlichkelt unter Verkennung der tat- — - 16. Dezember 1023 Seite S des Rationalrats. sächlichen Umstände viel Lärnr gemacht worden ist, eine Volks« wirtschaftlich liützliche Sache ilnmögllch gemacht werden. Dazu bin ich nicht bereit. Schließlich verwies der Minister darauf, daß die bereits ausgearbeitete Personalsteuernovelle. di« demnächst dem Hause unterbreitet werden wird, Bestimmungen über» die Vermögenssteuer enthalten würde. Abgeordneter Dr. Bauer erinnerte daran, daß die Sozialdemokraten den größten Wert darauf gelegt haben, daß die Exportindustrie und die exportierenden Gewerbe die Waren u m s a tz st e u e r vückerstattet bekommen. In diesem Jahre ist gar nichts geschehen. Jetzt aber, wo die Steuer verdoppelt wird, gewinnt diese Frage eine viel höhere Bedeutung. Redner bat den Finanzminister um Auskunft darüber,, wie es um diese Frage der Rückerstattung steht. Eine andere Sorge der Sozialdemokraten ist, daß die Warennmsatzstener zu einem Instrument wird, durch das Zollfunktionen ersetzt werden sollen. Bei gewissen Pauschalierungsverträgen hat man ganz offensichtlich Steuerfunktionen mit Schutzfunktionen zu verquicken versucht. Schließlich kam der Rediier darauf zu sprechen, daß Verhandlungen niit den Banken über die Abänderung des Vorkriegsschuldengesehes gepflogen worden sein sollen, und fragte den Minister, ob dies wirklich der Fall gewesen ist und warum dem Parlamente kein Gesetzentwurf zugegangen ist. Finanzminister Dr. Kienböck teilte mit, daß über die Rückvergütung der Wrrenumsatzsteuer Verhandlungeil im Zuge seien. Man ist einer Lösung nahegekommen, welche im wesentlichen dahin gehen wird, daß die Exporteure den Ausgleichssatz von ihrem eigenen selbsterrechneten Satze irr Abzug bringen, allerdings mit einem minderen Satze, aber so, daß der Industrielle die Exportvevgütung in die Kalkulation einbeziehen kann. Die Rückvergütung wird nicht in voller Höhe gewährt werden könneii, aber doch in einer Form, die die Vrwaltung nicht belastet und doch einen Teil der Vorphasenbelastung der Industrie wird zugute kommen lassen. Schau aus den Nachrichten, die über die Novellierung des Vorkriegsschuldengesetzes in die Oeffentlichkeit gedrungen sind, kann mau ersehen, daß auch dieser Gegenstand der Ausmerksamkeit des Ministers nicht entgangen ist. Der Minister werde gewiß darauf bedacht sein, den Staat zu entlasten, wo immer es nur geht.' Abgeordneter Dr. Danneberg argwöhnte, das; bei der vom Finanzminister angekündigten Reform der Einkommensteuer i-m Zusammenhänge mit der Effekteunmsatzsteuer eine erhebliche Steuerermäßigung für die Börse an er herauskommen werde. Wenn der Finanzminister meinte, daß sich die Opposition im Gemeiilderate ailders verhalte als die Opposition im' Parlament, so hat die Opposi tion im Gemeinderate auch allen Grund dazu. Die Negierung irn Rathause hält eben die Vereinbarungen, die sie abgeschlossen hat und die Opposition dort hat nicht wie die Opposition hier Ursache, alles anfzuwenden, damit die primitivsten Bestimmungen der Verfassurig eingehalten werden. Das Budgetprovisorium wurde schließlich unter Ablehnung des Antrages Freundlich angenommen. Tagesbericht. Die pMWneafische Pslaurenwelt und dar Fadenvolk. Vortrag des Botanikers Dr. E. Rubinowitsch, Jerusalem. Ein geschätzter Forscher und Pionier der neuen Jndensiedlung in Palästina, der Botaniker Dr. Ephraim R u b i nowitsch, trat verflossenen Samstag als Gast der Vereinigung jüdischer Künstler, Schriftsteller und Forscher „Har nach" vor das Wiener Publikum. Er sprach über das Thema „Die palästinensische Pflanzenwelt im Leben und in der Literatur des Mischen Volkes", und obzwar er bedauernd feststellte, daß er statt in seiner geliebten Umgangssprache, der hebräischen, in einem ihm fremden Idiom sprechen müsse, war seine Rede doch so lebensvoll, herzhaft, durch treffliche Lichtbilder illustriert, und in ihrer Beweiskraft so ausgezeichnet, daß das Publikum mit größtem Interesse den Ausführungen des verdienten Gelehrten folgte. Nachdem namens des „Haruach" Herr Ludwig Bato den Gast begrüßt hatte, führte Dr. Rnbinowitsch im wesentlichen folgendes aus: Es ist ein Märchen, etwa von der Unsinnigkeit des Ritualmordmärchens, daß die Juden nie ein Verhältnis zur Natur halten. Ein Volk, dem die Natur seines Landes tat- Grosser WettndtsnrMsif in sämtlichen Abteilungen I-, Trattnerhof 1. Frackhemden.K 110.000 Rayö-Batisthemden.. . . K 110.^00 Seidenhemden.K 2B'\00Ü Englische Zephifhemden ...... ,K 110000 Hüte.K 130.000 Pyjamas.K 150.000 Wollüsten.K 170.000 Krawatten.K 50.000 Taschentücher.per Stück K 15.000 Frack-, Smoking- und orig. engl. Anzüge nach ^lass, Pelze, Automäntel. Sonderpreis Orig. engl. Raglans.K 1,200.000 S sächlich fremd geblieben wäre, hätte niemals solche geistige Werke schaffen können, wie das Volk der Hebräer. Man behauptet, daß zum Exempel die Griechen von der Natur ihres Landes beeinflußt waren, die Juden aber nicht, und versucht diese Behauptung damit zu begründen, daß die Hebräer nid)t genug lange -auf der palästinensischen Scholle saßen, um dieses Verhältnis zur Natur zu gewinnen. Rnbinowitsch wies nun an Hand untrüglicher Beweise nach, daß die alten Hebräer außerordentlich innige, unvergleichlich tiefe Beziehungen zum Leben und Weben in der Natur hatten. Er zeigt dies an der Entstehungsgeschichte und der ursprünglichen Bedeutung der jüdischen Feiertage, die Naturfeste waren, und dann durch hochinteressante Lichtbilder, daß die jüdischen Symbole fas! burcUaus Pflanzensymbole sind. Redner führt Stellen aus der Bibel und dem Midrasch an, die'in ihren Vergleichen mit der Eig'uart bestimmter Blumen und Bäume auf die Kemunis der intimsten Merkwürdigkeiten der Flora Hinweisen, wie iie mir durch liebevollste und ständige Beschäftigung mit der A.nur erworben werden kann. Besonders eindrucksvoll auch für bei; Laien war der Nachweis, wie die Menorah sich als künstlerische Verwertung der Gestalt einer bestimmten' Pflanze für die Form des Tempellenchtcrs erkläre und daß für deujenig.'», welcher das Modell für die Menorah aus der Natur kennt, klar ist, nur der am Titnsbogen abaebildete Leuchter sei die Menorah aus dem Tempel zu Jerusalem, nicht aber jener Leuchter, dessen Abbild bei den jüngsten Ausgrabungen in Palästina gesunden wurde. Rnbinowitsch schloß seinen höchst anregenden Var-rag mit dem Hinweis darauf, wie sehr sich die Inden bauc-cy sehnen, wieder mit der Natur Fühlung zu erhalten und wie es insbesondere in Palästina rührend sei,;n beobaäueu, daß der neue Jude einen förmlichen Naturhunacr habe. Er selbst wolle für seinen Teil dafür sorgen, daß der Jude dreneuen Jischub in der Natur Palästinas lesen lerne, wie in einem Buche. Das Publikum, welches den Saal des Ingenieur,- und Architektenvereins dicht füllte, dankte dem Vortragenden durch lebhaften Beifall. Die Ausstellung Dr. Rnbinowitsch'. Man hat bisher auf verschiedene Weise «die .st.enninis Palästinas zu verbreiten und das Interesse für dessen Landesverhältnisse in weite Kreise zu tragen versucht unb‘ das gesprochene Wort, die Photographie und namentlich der Film sind auf diesem Gebiet erfolgreich tätig gewesen. Zu dieser Art von jüdischer Werbetätigkeit für das jüdische Land hat sich nunmehr eine neue gesellt und man braucht keineswegs ein zünftiger Botaniker zu sein, um aus der Ausstellung palästinensischer Flora, die Dr. Rnbinowitsch leitet, besonders aber aus dessen mit eifrigster Bereitwilligkeit gegebenen Erläuterungen eine Fülle des Interessanten und Belehrenden zu erfahren. Wie sachlich und zünftig sich auch S» am kaufen Waren leVlSie im lirSchiffmann II., Taborstraße 48 Telonhon 47-i-79 Engros En detail