Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1737 (16.12.1923)
- Date
- 1923-12-16
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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feto 6 _Wien, Sonntag _ Miene« Morgenzeitung._ 16. Dezember 1923 Nr. 1737 ZMemttWe PropaWUdaliften und BanknotensAscher. Hnnderttansende von Hetzbroschüren ffir fasche« Geld hergeftellt. (Von unserem Bukarester Konespondenten.) pslrksu; GebrUder Brainfn Wien, II., Glockensasse Nr. 8 Werkstätten s II., Rueppgasse 37 / T* 1.45-4-33 gänzlich durchseucht ist. D:r Vater ist 'geisteskrank. der Großvater, bt-c Vettern. Da8 ganze Geschlecht ist krank. Ihnen allen ist die eiwbe Vcrstandesschärsc. die hohe n 101L i fl c n * der Anaeklaa^il ootfcKfalfcn. Aber decken Si« an die zahlreichen Dichter und Forscher, die in geistige lim» nachtnua verfr.len. Es geschah einmal e:was. dann wieder etlvaS — und Lonau war im Irrenhaus Der Verteidiger schließ:: In Wirklichkeit liech eine schwere Körperverletzung vor. Ich oi'te daher, diese Fray?, aber auch die Frage auf Simnesrerwirrung. zu besahen. Verderben Sie nichi diei-c Person voll Iahigkeiien und voll Taleni, lassen Sie diese Friedlose in Frieden .liehen. Da« vrtell. Zdach fast dreistündiger Beratung erschienen die Gesckwornen um viertel 10 Uhr wieder rm Saale und verkündeten unter aremlo'cr Stille ihren Wab'-'svruch. Hauptfrage: Ist die Angeklagte schuldig, im Mai und Juli 1922 in der Absicht, Dorothea Stülpnayel undderen Söhne ru toten wrrch Pcimen-'-n von Bleitoeitz in eine Anzakl Lebensmittelpakete» die sür den Haushalt der Familie Stülpnagel bestimmt waren, zur wirklichen Ausführung führende Handlungen unten,ommen. wobei die Vollbringung des Verbrechens nur wegen Unvermögens, eventuell wegen Alwischenkunrt eines fren'^g Hindernisses, beziehungsweise durch Zufall imterblieb? 12 Stimmen Nein. Eventualfrage: Ist die Angeklagte schuldig, durch eine aus Bosheit unternommene Handlung eine Gefahr für das Leben, die Gesundheit od<r körperliche Sicherheit von Menschen herbeigesührt zu haben? 6 Stimmen Ja, 6 Stimmen Nein. Für den Fall der Verneinung der ersten nnd zweiten Frage entsprechend der Verantwortung der Angeklagten: Hai die Angeklagte gegen Dorothea und Ernst Stülpnagel senior und deren Söhne nicht in d?r Absicht zu töten, aber doch in anderer feindseliger Absicht auf sv'che Art gehandelt dag daraus eine schwere Verletzung derselben erfolgtem 12 Stimmen Ja. Für den Fall der Bejahung der vorigen Frage: Erfolgte eine Gesundheitsstörung von mindestens dreitzigtagiger Dauer bei Dorothea und Ernst Stülhnaael senior, wobei Dorothea Stulpuagel auch eine Berufs« Unfähigkeit von mindestens dreißig Tagen erlitten hat? 6 Stimmen Ja. 8 Stimmen Nein. Ist der Angriff in tückischer Weise erfolgt? 6 Stim« men Ja. 6 Stimmen Nein. Als Zusatzfrage: Wurde die Tat in tiner Sinnes« Verwirrung begangen, in der sich die Täterin ihrer Handlung nicht bewußt war? 12 Stimmen Nein. Auf Grund dieses Verdiktes verurteilte der Gerichtshof die Angeklagte Milieu VutvbrankovicS zu dreieinhalb Jahren schweren Kerkers mit einem harten Lager vierteljährig. Die Untersuchungshaft wurde der Angeklagten vom 28. Juli 1922 an e i n g e r e ch n e t. erschwerend wurde die Mehrheit der Opfer, die Möglichkeit der Gefährdung anderer Personen, die Verübung der Tat durch Gift, die großen Schmerzen der Opfer un!d die hvh« Vorstrafe anoenommen.?llmildernd: Dos Geständnis, die erbliche Belastung und die Beübung der Tar im Affekr. Milica V u? vor an k ovi c s nahm das Uneil ruhig cntzegm. Ter Verteidiger meldete die Berufung an. r-1^ KUNSTGEWERBESALON ELSA ACKERMANN I. HERRENG ASSP21 / II. STOCK / 6AS ™LSADEN VORNEHMSTE GESCHENKE . ”” J Sie Braut des Grafen Ssztenburg. Die Affäre der Komtesse Esterhazy. Aus Prag wird uns berichtet: In der Angelegenheit der wegen DvionaaeverdachteS verhafteten Komtesse Luise Esterhazy Hai sich der „Becer" um nähere Jnscrmationen an den Kommandanten der Kundschafte rabteilung des Generlasrabes Oberst Milos Z a k gewendet, der auch verschiedene Einzelheiten erzählte. Die Gräfin wurde wegen .zweier ins Ausland adressierter Briefs verhaftet, worin sie versprach, militärische Na chr i ch 1 e n aus der Slowakei zu geben. Infolgedessen habe sie sich eines Verbrechens nach dem Schutzgesetz schuldig gemach:. Ein an die Gräfin von ihren. Verwandten, dem Grafen Tarnowski, gerichtetes Schreiben wurde von der Behörde aufgefangen. Als sie am 1. d. in ihr Schloß bei Neutra zurückkehrte, wurde sie verhaftet. Im Schloß wurde eine .Hausdurchsuchung vorgenommen. Das Verhör in Pretzburg schreitet sehr langsam vorwärts, weil die Verhaftete alles bestreitet, und in Fällen, wo sie überführt wurde, sich weigert, ihre Mitarbeiter zu nennen und alle Schuld auf sich nimmt. Nach dem Umsturz ge-ang es ihr, in die Gesellschaft der Offiziere der italienischen Mission in der Slowakei einzudrin« gen, und als diese abberusen wurde, versuchte sie sich auch an die französischen und die englischen Offiziere heranzumachen. was ihr jedoch nicht gelang. Sehr verdächtig waren ihre früheren ausgcdehnlen Reisen durch die Slowakei, wobei sir auch bw militärischen Objekte vcsich'.'igre. Ihr Interesse für alles Militärische war so groß, jbäjj sie feßiffc Militärische Bücher über Taktil las, Ju Rumäuicu ist bekanntlich feit längerer Zoit eine antisemitische Hetze» am Werks, welche mit allen Mitteln bestrebt ist, die Volksmassen zu vergiften und ständige Unruhen anzustlften. Sie wird aus vwschie-denen Zentren gespeist und an ihrer Spitze stellen Elemente, die sich eines nicht gerade guten Rufes erfreuen. Dies hat aber nicht zu verhindern vermocht, daß die Propaganda, welche au die atavistischen Instinkte appelliert, und ins chauvinistische Horn stößt, einen beträchtlichen Teil der Hochschuljugend zu verführen wußte. Die .Hochschulexzesse, bei denen sich alle antisemitischen Brutalitäten austobten, bis ihnen die Be-' Hörden entgegsntvaten, sind noch in allgemeiner Erinnerung. Die Hetze arbeitet planmäßig und in einer Weise, der man eine gewisse Großzügigkeit nicht absprechen kann. So werden allerorts stets neue Hetzvlakate gröbster Art an die Mauern geklebt und das ganze Land wird mit verhetzenden antisemitischen Broschüren überschtvemmt, deren Auflage mitunter in die Hunderttausende von Exemplaren geht. Eine solche Propaganda aber kostet begreiflichenveift Geld. Aus welchen Quellen sie gespeist wird und welchen Kalibers jene Leute sind, welche sich den Anschein besonderer Patrioten goben, kann man aus der hier vor wenigen Tagen veröffentlichten Meldung ahnen, welche zu besagen wußte, daß die rumänische Behörde einer Banknotenfälscherwerkstätte auf die Spur gekommen sei. welche von den antisemitischen Pogromag'.tenoren betrieben wurde. Nunmehr erfährt man aus Husi, einem der Zentren jener Hetzarbeit, nähere Einzelheiten: Bor einiger Zeit wurde ein Husier Gymnasiast — §ie Hetze, zum Teil von Professoren gefördert, bedient sich gerne auch der Mittelschüler für ihre Ausschreitungen — verhaftet, der int Verdachte stand, eine gr 0 ße A nz ah l sal sche r 500 Le i-N oten auf den Markt geworfen zu haben. Im Zusammenhang tust dieser Verhaftung wurde der Chemieprofcssor des Husier Gymnasiums. Povovici, auf die Polizei gebracht und einem' Verhör unterzogen, weil die Polizei Bdtveise zu haben glaubte, daß Povovici dem verhafteten Gymnasiasten und dessen Komplizen Entwürfe für die Klischees geliefert habe, mit denen die Notenfälschungen vorgenommen wurden. Der Professor leugnete anfangs, legte aber unter der Wucht der Beweise ein Geständnis ab. Die bei ihm oorgenornmene Hausdurchsuchung förderte näntlich die Summe von 250.000 Lei falscher Banknoten und außerdem Briefe zutage, aus welchen seine Schuld Zweifellos hervorging. Die Polizei stellte tveiter fest, daß alle antisemitischen Broschüren, unter welchen „Die Hydra mit den sieben Köpfen" eine große Rolle spielte, in Hundertlausenden von Exemplaren mit diesem Gelbe gedruckt und in allen Dörfern der Moldau verbreitet wurden. Auch das Druckvapier für diese Broschüren wurde mit diesem Gelbe gekauft. Die weitere Untersuchung wird in Siebenbürgen und iu B e ß a r a b i 0 n fortgeführt. weil die Behörden annehmen, daß die Banknoterffässchevbande dort Filialen ihrer unlauteren Tätigkeit besitze. Die Pmentpatrioten haben jedenfalls ein nicht gewöhnliches Mittel gefunden, um ihre „vm Interesse des rumänischen Volkes nollvendige nationale Säubern n g s a r b e i t" betreiben zu können. Sie haben auf solche Weise das Angenehme mit dem „Nützlichen" zu verbinden verstanden, die Noteusabrik sorgte für ein Leben in Saus und Braus, und wie sehr die rumänische Valuta durch solche Verbrechen geschädigt wird, das rnacht diesen Fahnenträgern des antisemitisch-patriotischen Hochgedankens wenig Sorgen. Man wird wohl bald in der Lage sein, zu sehen, welchen Umfang diese Verbrecherpwktiken bereits genommen buben.. Die von deren Trägern angerichteten moralischen Verwüstungen sind eklatant, nunmehr werden auch die materiellen Verwüstungen offenkundig. Aue autisemUWe Lüge aufgedeckt. Das Urteil gegen Lord Douglas. London, 14. Dezember. (Tel. der ,Wiener Morgenzeitung") Der Gerichtshof von Old Bailey hat gestern (wie von uns schon kürzlich berichtet) das Urteil in dem Prozeß des gewesenen Kolonialministers Winston Churchill gegen den Lord Alfred Douglas gefällt. Doula s, bekanntlich der Mann, der Oskar Wilde wegen ines abnormalen Geschlechtslebens denunzierte und in den Kerker brachte, war schon vor einem Vierteljahre von der Redaktion der „Morning Post" geklagt worden, die ihre Angriffe aus Churchill ans die Verleumdungen Douglas' gestützt hatte. Die jetzige Anklage war vom Oberstaatsanwalt ererhoben und betraf eine von Douglas knapp nach dem Kriege veröffentlichte Schmähschrift gegen Churchill, der im Kriege englischer Kriegsminister gewesen war. Die Schrift, die auch zum eisernen Bestand brr deutschen HakenkreuMeratur gehört, siihrt den Titel: „Der M 0 rd an Lord Kitchener, die Schlacht von Jütland und die Jude n." In dieser Schrift wurde Winston Churchill beschuldig:, den Bericht über diese Schlacht zu unrecht in äußere rdecnuch pessimistischer Form veröffentlicht zu haben, um an sine britische Niederlage glauben zu machen. Hierdurch sei an verschiedenen Börsen und auf den amerikanischen Märkten ein bedeutender Kursrückgang derenglischen Werte herbeigesührt worden. Außerdem wurde Winston Churchill beschuldigt, dem Finanzmann Sir Ermst Cassel zu großen Gewinnen verholfen zu haben, von denen Churchill für sich selbst mehr als 14.000 Pfund erhalten haben soll. Die Anschuldigungen des Angeklagten konnten von Winston Churchill widerlegt tvevden. Churchill hatte bereits nach dem Erscheinen der Broschüre die Lügen in Erklärungen an die „Times" ausgedeckt. Bor im Gerichtshof, der ihn als Zeugen unter Eid einvernahm, wies er die vollständige Grundlosigkeit der Douglasschen Erfindungen nach. Das Gericht erklärte Douglas für schuldig und verurteilte ihn zu sechs Monaten Gefängnis mit der Androhung einer tveiteren Gefängnisstrafe von sechs Monaten, wenn er mit seinen Verleumdungen fortfahre. „Seift und dumm." Frau Abg. Dr. Lüders über die Hakenkreuzhetze. Das „Berliner Tageblatt" veröffentlicht einen Artikel der bekannten dsnwkratischen Fvauenführerin Abgeordnete Dr. Marie Else Lüders unter der Ueberschrift: „Feige und dun: m." — „Ein paar Worte über die Judenhetze." In dem Artikel wird ausgeführt: „Es gibt schlechterdings nichts rnchr, wofür in Deutschland nicht den Juden die Verantwortung zugeschoben wird. Sie sind zusammen mit ihren „internationalen Jude ngenossen" schuld am Ausbmch des Krieges, an seinem unglücklichen Ausgang, am Ausbruch der Revolution, an der Geldentwertung, an der Teuerung, an der politischen und nationalen Not unseres Volkes nach >dom 5kriege usw. Muß doch selbst das Debakel des ehemaligen Kaisers dazu herkalten, rum nach jüdischen Tropfen in feinem Blute zu forschen. Wie feige und d u m m solche Vewllgemeiirerung ist, konnnt vermutlich den wenigsten zum Bowußtseur. Feige» weil man nicht einmal so viel moralischen Mni hat, die Ursache für das unermeßliche Unglück auch bei sich , selber zu suchen. Feige, tveil man nicht einmal imfkntbv ist, sein Unglück mit Würde zu tragen. D ü m m, weil man mit diesem schmählichen Manöver eine immer iveiter um sich greifende Judenhetze heworrust, die in ihrelt Wirkun gen weit über die Grenzen u n s e r e s L a u d e * hinausreicht und sehr l^denkliche nationale nnd politisch' 'Folgen nach sich zieht. Die verschiedensten Staaten - Amerika, Spanien, Oesterreich, die Tjchecho- Slowakei und Polen — haben, teils für sich, r^ils im Namen anderer, Beschwerde gegen dieses Treiben tu Deutschland ei «geile gt, zu dessen amtlichem Exekmor [ich bekanntlich der bayrische Generalftaatskommissär v. K a h \ 'durch seine Ausweisungsverordnung gemacht hat. Polen zum Beispiel verbindet seine Beschwerde mit der Drohurrg, daß es, falls jene Verordnung nich: aufgehoben tverde, alle auf polnischem Gebiete tvahnhasien Bayern austveisLN werde. Wir haben es jetzt glücklich so herrlich tveit gebracht, daß ein ehemaliger deutscher, jetzt zwangsweise polnischer Jude, ln Deutschland wohnhaft, besser geschützt ist, als sein früherer Kompatriot, der noch Deutscher ist, denn zum Schutze des ersteven setzt sich die polnische Regierung ein. Leider ist dieser Zustand mehr tragisch als lächerlich." An Aonsreb der Hetzantisemkten Polen«. AuÄ Warschau wird gemeldet: Im Nahmen des zchnjährigen FuMLums der ^xtram antlsemltischen Orgrieisation ,-Rozwoj" ftnidtt gogerovärtig m Warschau eine sogenannte ^udenkenn-er-Konferenz" statt. Refenruten sind die bekannteste« antisemitischvn Führer PÄenS. Ms dem Programm ist hervorzuh^ben: Abgeordneter Pfarrer LutosLawSkh: „Die rel'tgiösen und moralischen Gmmdlagen unseres Kampfes gegm die Juden"; Pros. Konvpczinski: ,Mmpf für Numerus elausuS"; Professor Rostwowwski: „Die Juden laut dom PentatKuch"; Mgoo.dneter Wieloen.- choski: „Das Problem dcr genveiniomen Erziehung von Polen und Juden"; Pfarrer SabczinSki: ,/Dic schlechten Ssiterl der jüditschen Seele in der Beleuchtung des «lten »md neuen TestamontZ". . . Aus den Statistiken der ,/Rozwo.j" geht hervor: Erst in den letzten fünf Jahren, seit der Zvit der pol-nischan Selbstständigkeit, konnte sich der Bund entwickeln. Im Jahre 1920 bosaß die Organisation in: ganzen vier AbKilurrgen, im Jahre 1M1 schon 16, 1922 zählte sie 99 rmd in diessm Jahre 210 Abteilungen. Die gegenwärtige MilMederzähl betrüg! achtzigtansend. Me Münchener HlNentkearuniverfitiit. Münch««, 15. Dezember. Die für heute angesagte Antrittsrede des Rektors der Universität ist unterblieben, da die Berhandlunge n des Rekto» r«ts mit den studentischen Korporationen wegen?lusrechterhaltnng der Ruhe und Ord. nu ng währeltd der Feier zu lc i u 0111 bf V! e d ige nden Ergebnis gejüjrt jabeg,