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Wiener Morgenzeitung · 1923-12-16 · Heft 1737 (16.12.1923) · p. Seite 5

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1737 (16.12.1923)
Date
1923-12-16
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 1737 Wiener Moraenzeitrmg 16. Dezember 1983 Seite kl Wien, Sonntag küßt. Dabei beginnen die Alten zn erzählen. Vom Chanukkah ihrer Kindheit erzählt eine schmächtige Frau mit einem feinen immer noch schönen Gesicht, aus dem wundervolle Augen leuchten, von den CHrnukkahfesten, bei dem der Großvater Heerschau über eine kleine Armee von EnNn gehalten und für jeden «in Geschenk vorbereitet hatte, von den Festen, die sie als junge Frau im eigenen Haus gehalten, 'bei denen fröhliche Gäste die Stunden gekürzt. Sie ist einmal sehr reich gewesen, die zarte Frau. Aber was ihr Mann mii der Arbeit eines Lebens erworben, das nahm der Witwe der Kieg. Jhrre Nachbarin, ein kleines Huzelweiblein, hat »ls Dorfhaus.'ererin wahrscheinlich schon lange vor dem Krieg den Hunger kennen gelernt. Jetzt ist sie glücklich und zufrieden, allen Sorgen entrückt zu sein. Durch das Stimmengemurmel dringt immer wieder die weinerliche Stimme des alten Mädchens. „Wenn ich nur meine Möbel noch hält' . . (Sie hat einen Unfall erlitten, mußte ins Spital gebracht werden und hat dadurch ihre Wohnung eingebüßt.) „Wenn das mein Vater selig wüßte, daß sein Schreibtisch . . Die lustige Frau neben ihr schreit der Schwerhörigen Trost in die Ohren, zuletzt aber ruft sie: „Ich w«rd' bei der Gemeinde um eine Zubuße für eine Anfeuchtung einkommen, weil ich mich heiser schrei'". Da muß sogar das alte Mädchen lachen. Und als wir Abschied nehmen, da sagt eine gichtkranke Alte dankerfüllt zum Rabbiner: „Heut' waren >vir alle zwanzig Jahre jünger ..." * Sie brauchen ihn alle, diesen Feiertag. Die Männer, die wir besuchen, sprechen noch von der Feier, die bei ihnen ein paar Tage früher stattgefunden hat. Ein Riese mit mächtigem grauen Bart überfällt den Seelsorger mit einem Schwall von Fragen, aus denen zu entnehmen ist, daß ihn di« Begründung der 36 Chanukkahlichter nicht voll befriedigt hat. Offenbar hat er in der Zwischenzeit darüber „geklärt". Er antwortet auf die Frage nach seinem Beruf: „Ich bin von Berns Jude". Und als ich ihn verdutzt ansehe, setzt er mit einem fernen Lächeln hinzu: „Das ist kein leichter Berufs. * Biel jüdisches Mittelstandselend hat im Lainzer Berforgungshaus ein Asnl gefunden. Einträchtig sitzt der Privatlehrer neben dem einstigen Schlosser, der Schriftsteller neben dem Kohlenträger, der Kaufmann neben dem Schneider. Die Kinder, die wieder in geistigen Berufen, tätig sind, können beim besten Willen ihre alten Eltern nicht versorgen, zu schwer drückt sie die Not des Lebens und sie sind glücklich, di« Men in guter Hut zu wissen. In guter Hut sind sie wirklich, da draußen im Altersheim. Gewiß, es ist nicht das Paradies. Aber obzwar es sich um nörgelsüchtige, mit sich und der Welt ewig uitgit* friedene alte Menschen handelt, hört man eigentlich Jfeiite Wage. DaS Essen wird von allen ausnahmslos gelobt, die Behandlung ist gut, rücksichtsvoll und mit gütigem Verständnis werden alle Wünsche der Pfleglinge ausgenommen. 1 Freilich bleiben der unerfüllten Wünsche immer noch genug, den größten dieser Wünsche aber, den, der am heißestem empfunden, am leidenschaftlichsten geäußert wird, dm zu erfüllen ist die Verwaltung auf alle Fälle außer Stanoe. Denn, dieser Wunsch ist an uns gerichtet, ist an die jüdischen Brüder und Schwestern gerichtet und heißt: Vergeßt uns nicht. Sie sagen es immer wieder, sie sagen es alle in der Sprache ihres Bildungsgrades, daß sie nicht ausgestoßen sein wollen aus dem. Kreis ihres Volkes. Sie wohnen weit draußen am Rande der Stadt, aber 'ihre Seele lebt in unserer Mitte und alle Sehnsucht ihrer alten Herzen gilt unserem Alltag Sie leben noch, sie wollen noch „dazu gehören", nicht zur vornehmen Gesellschaft, nicht zu den Kämpfern und Streitern, aber doch immer noch zur Judenschaft W'ens. Weit draußen wohnen sie. Ein Ausflug in die Stadt ist für jeden eine Reise. Für uns ist's eine Straßenb-ahr^ah rt, die ein bißchen langweilig wird. Die Alten da draußen aber brauchen uns. Wir müssen ihnen den Feiertag bringen. Für das Notwendige sorgt in musterhafter Weise die Stadt Wien. Wir müssen das bringen, was über das Notwendige hinausgeht, den unentbehrlichen Ueberfluß — ein bißchen Süßigkeiten für die genäschigen alten Leutchen, ein paar Früchte. Tabak, Bücher, Geld für eine Zeitung, für Spielkarten (die vorhandenen sind unglaublich schmutzig), fjjr einen Blumenstock. Sie brauchen noch mehr von uns, die Alten auf der einsamen Insel. Von Zeit zu Zeit wollen sie ein Schwätzchen tun mit einem, der von „draußen" kommt, sie wollen mit Menschen plaudern, die Anteil an ihnen nehmen und ihnen willig e'n paar Stunden opfern. Im Vorjahr haben ein paar wackere Frauen e-nen kle'nen Versuch zu d'esein Feichtagsbringen gemacht. Es ist leider bei dem einen Versuch geblieben. Aber d'e alten Leute svrechen noch heute davon. Denn es sind ja nicht nur Väter und Mütter dankbarer Kinder draußen, Väter und Mütter, die jeden Samstag auf ihren Besuch rechnen können. Da sind auch Eltern, de^en Kinder in unerreichbar tveiter Feme weilen und da sind alte Menschen, die einsam sind wie der Baum auf der Heide. Sie haben nicht Bruder noch Schwester, nicht Kinder noch Freunde, nur ein paar Gräber hat ihnen das Leben gelassen. Und sie möchten doch auch einmal Anteilnahme fühlen, möchten geistige Anregung empfangen, von einem, der nicht ihr Schicksalsgefährte ist. von einem „da draußen". Sie sind bescheiden geworden. Die geringste Gabe erfreut sie, jedes herzliche Wort nehmen sie dankbar auf. Ihre Nörgellucht, ihre jüdische Spottlust. ihre herbe Kütik, d'e haben sie verlernt: Sie sind nur mehr alte einsame Menschen mit der Angst im Herzen, vergessen zu sein, ehe sie die Erde verlassen haben. I > * Es ist weit ins Lainzer'Versorgungshaus. D''e Fahrt ist lang und langweilig. Zugegeben. Aber kein Weg ist zu weit, der zu einer Pflicht führt.' Klara Mautner. *Traget Schuhe! lk Dar Urteil gegen Milka Mobrarlkobkr. ♦ Der gestrige Vevhandlungstag, der tiiiil ziemlicher Verspätung um halb 11 llhr vormittags -eröffnet wurde, brachte den letzten Mt: die Reiben des öffentlichen Anklägers, des Verteidigers und schließlich das Urteil. Vor deM Gerichtsgebäude hatte der Andrang der Neugierigen schon in dm Morgenstunden begonnen und macht« die Ausbietung einer starken Wacheabteilung,notwendig. Die Kontrolle war sehr streng und wurde an mehreren Stetten von Justizsoldaten gusgeübt. Milica Vuko'brankov-ics, die nach dem Einritt der Geschwornen äu ihrem Platze geführt wurde. folct-*« in mühsam verhaltener Erregung dem letzten Stadium ihres Prozesses, dessen Ablauf unter ihre bürgerliche Er'st-enz den Schlußstrich zieht. Jetzt, heute steht sic noch im Mittelpunkt brennendster Sensation, tausend Augen einer perversen, medertröchttaen Neugierde starren nach der blassen Frau, verfolgen jede Bewegung und könneii sich nicht genug tun vor gesetzlich geeichten Korektheit. Wie viele in diesem Saale nur darum im Parterre, weil ihnen noch nichts nachg-ewiesen werden konnte! Im Namen dieser Neugierigen, gehoben von dieser fiebernden Massenstimmung und beflügelt von ihrer Sympathie in puncto „satter Tugend und-zahlungsfähig:« Moral" faßt der Staatsanwalt nochmals die Auflage zusammen, die er, säst wie in bewußtem Widerspruch gegen den Vorsitzenden, der einmal von der „Dame" sprach, gegen die Bauerndirn.' erhebt, die die Bäuerin wegwi innen will. Die Angeklagte sitzt wie eine Stemsänl-e, unbeweglich, die Hände nn Schoß gefaltet. Sie hört ab-w mit gespannter Anfmerk.s-ani'k-eft zu. Hie und da toenfoet sie sich p ihrem Verteidiger und flüst.rt ihm ein raschss Wort zu. Sie ist bleich wie Kalk. Ehe der Staatsanwalt beginnt, nimmt sie noch ein Beruhianngsmirtel . . . Nach der Verlesung tr« an di« Geschworuen gerichteten Fragen ergriff Staatsanwalt D. Sacher das Wort zu seinem Plaidoyer: Im Laufe des Verfahrens ist nicht alles so gegangen, wie es sonst in einem richtigen Schwurg.richtsve«fahren vor sich geht. Lassen Sie um Himmels-Willen, verehrt« Geschworn«, die Idee des Rechtes nicht schadn leiden durch den Schaden, den di« Form des Rechtes hier schon genommen hat. Di« Sachverständigen haben festgestellt, daß in fünfz-hn Lebensmittelpake-ten Bleiweiß gesunden^ wurde. Es waren noch 602 Gramm Bleiweiß drinnen, als di« Pakte beschlagnahirtt waren. Es muß also eine etwas größere Menge von Blei hineingetan worden sein, ungefähr zwei Drittel oder bwi Viertel Kilogramm. Sehen Sie davon ab. daß hier die gewesene Fürstin Milica V nkobrankovics sitzt, übertragen Sie sich den. Fall in irgend ein Bauernhaus, und nehmen Sie an, daß eine Bauerndirne das Bleiweiß in die Lebensmittel der Speisekammer prat-iizi-ert hat. Sie hören, daß dieser Tat der Banern-dirne ein« ganze Reihe von Szenen zwischen ihr und dem Bauern vörangegangen sind, bei denen es sich immer wieder darum gehandelt hot: Ich will nicht deine Martresse sein — Milica Vuko« brankovics hat ein etwas deutlicheres Wort gebracht — ich will Bäuerin sein. Sie hören, daß der Bauer zu Mittag nicht aus der gemeinsamen Schüssel gegessen -hat, daß es der Dirne darum p tun war, vor dem Ba>w."rn als eine richtige Bäuerin zu erscheinen, obwohl sie zu Hause sich nicht für di« Arbeit begeist«rt hatte, und Sie hören, daß schon einmal in einem Dienst« -bei ihr derartige Dinge vorgekommen sind, und daß die erst« Bäuerin nur durch ein Wunder einem dreimaligen Versuche, mit Arsenik und Phosphor ums Leben gebracht zu werden, entgangen ist. Es wird kein Zweifel obwalten, diese Bauerndirne ist «ine Mörderin, sie wollt« sich an den Platz der Bäuerin setzen. Die Angeklagte hat cs verstanden, um ihre Persönlichkeit «inen gewissen Nimbus m verbreiten. Sie gebärdete . sich unnahbar, trat wie eine Fürstin hier auf und zeigte damit von allem Anfang an die Nolle, die sie zu spielen gedachte. Das groß« Publikum unterliegt sehr leicht den Einflüssen solcher Aeußerlichkeiten. Ich erinnere. nur an das Beispiel eines B r e i t w i e s e r. wo das Urteil der Menge getrübt war, weil er es verstanden hat, sich mit einem Nimbus zu umgeben. Die Angeklagte hat von allen Anfang an Theater gespielt. Ihre Verantwortung lag nicht darin, was sie gesagt hat, sondern wie sie es gesagt hat. Diese Person tritt hier mit Allüren au>f, kommandiert, begehrt auf, schafft dem Vorfitzendn an, was er zu tun hat, greift in die Verhandlung ein. als ob sie die Verhandlung leiten würde. Das ist das Theaterspiel einer Person, die mit ein bischen Galgenhumor, aber gewiß auch mit einer angeborenen Frechheit auftre-ten will. (Bei diesn Worten fährt die Angeklagte aus, als ob sie etwas sagen wollt«, jetzt sich aber auf «inen Wink ihres Verteidig rs wieder nieder.) Sie betrieb hier Milienmalerei, sprach von Entbehru-np-cir in der Haft, von Hunger und Kälte. Aber die große Pose, mit der sie das alles -vortrug, erwies sich als Schauspielerei, als der furchtbar magere Sachverhalt bekannt wurde. Si« sprach auch von i'hr.ni ungeheuer empfindlichen Schanigefühl, das ihr nicht erlaubt, vor der breiten Oc-ffontli-chkeit das Inn^-o ihrer Seel« zu enthüllen. -Aber aus den Berichten des Ge- .sarMi-personalt habe ich erfahren, wie es um diofes Scham* Neue Österreichische Bau-Lose HAUPTTREFFER K 700,000.000 KRONEN JEDES LOS GEWINNT PBEIS EINES LOSES K 75.000 Sämtliche Gewinste vollkommen abzugs- und EINKOMMENSTEUERFREI gofühl bestellt ist. Sie gebrauchte geradezu UN qualifizier« bare Schimpfworte, wie ich sie in meiner fün-fundzwan-zig>sährigen Praxis mit einem Publikum minderer Sorte noch nicht gehört habe. Schauspielerei ist auch ihr Hinweis auf ihre politische Ueberzeugung, denn in i h r e n G e d i. ch t« n trieft es geradezu von d:r entgegengesetzten Politische Richtung, das sind dynastische Gefühle und dergleichen. Ich habe es durchaus begreiflich gefunden, daß sich, auch, aus der Geschwornenban! Widerspruch erhob, weil es mir wiederholt geradezu als eine Beleidigung erschien, daß einem zugemutet werde, solchen! Pflanz a -u f z u s i tz e n. Ich sage einfach, sie ist eine Giftmischerin. Das scheinen Gegensätze zu sein, die sich nicht miteinander vertragen. Aber wenn man in der Geschichte der Giftmorde nachblättert, so wird man finden, daß sich unter den Gistmrschrvn Personen von Rang und hoher Intelligenz befinden. Auch die Sekretärin einer Buchhandlung hat es genau so weit zum Giftmord wie -die Bciuerndirue. Der Staatsanwalt bespricht nun die Einzel-Hesten der Delikte und kommt dann aus die Rolle zu sprechen, die der Zeuae Stülpnagel in dem Prozeß gespielt hat. Es ist mir, sagt -der Staatsanwalt, von verschiedener Seite, durch anonyme Schreiben nahegelegt worden, auch Stülpnagel in diesen Prozeß hereinzuziehen. Ich behalte mir vor, irgend welche Anträge über Stülpnagel zu stellen. Ihn m diesen Pvoz'ß hinein,zuzivhen, wäre ein grober Fehler gewesen. Di« Schuld, die er vielleicht aus sich geladen hat/ wird Milic-a Vukobrarckovies in gar keiner Weise entlchten. Es ist viel, was er nicht getan hat. Er hat von Mitte Juli an gewußt, -daß Gift in den Lebensmitteln war. Er hätte aber die Lebensmittel beseitigen können. Wenn man so etwas nicht tut, ist es schwer. ihn mehr zu nennen als einen verliebten Mitwisser. Es mir unmöglich, zu denken,. daß er mit dem Plane einverstanden war. Ein Verbrecher hätte sich anders benommen. Das beweist auch, daß er das schriftliche Geständnis dem Gerichte überlassen -hat. Er ist ein schwerbeladener Mitwisser des Ganzen. Was er hier vorgebracht hat, war offensichtlich von dem Gedanken getragen: Du mußt jetzt hier eine Pose setzen. D.'r Staatsanwalt streift dann die Frage der triebhaften Handlung und meint, wenn auch im Gutachten der Vermutung,'es könnte eine triebhafte Handlung vorliegen, Ausdruck gegeben wird, so fei damit gewiß nicht gesagt, daß es ein entschuldbares Verbrechen sei. Auch die boshafte Gefährdung von ein-er ganzen Reche von unbekannten Personen sei durch die Handlung der Angeklagten gegeben gewesen, deshalb habe er, der Staatsanwalt, diese Frage gestellt, ab-er er hoffe, daß di-e Geschworuen zu dieser Eventualfrage gar nicht gelangen, sondern t>k\ Angeklagte wegen versuchten Meuchelmordes schuldig sprechen werden. Verteidiger Dr. Hermann Kraszna: Zwei hochgelehrte Herren Berufspsychiater haben sich mü der An-aeklagten vier Monate hindurch beschäftigt und sind gegeneinander in Kämpferstellung getreten, sie konnten sich nicht einigen. Daraufhin habe ich das Oberlandesg-errcht gebeten, ein Fakultätsgutachten einzuholen. Und auch die Fakultät hat in ihrem Gutachten auf die besonderen Schwierigkeit en des vorliegenden Problems bingewiesen. Diese Schwierigkeit ist evident. Das -hat niemand besser bekundet als der Herr Staatsanwalt in einer derart drastischen W ise, wie noch nie im Gerichtssaal es geschehen, «r ist völlig verwirrt geworden und hat den B o d en unter d e n F ü ß e n v e r« loren. Die AEage, die er im April erhob, ist ihm zerstört worden. Damals schrieb er: Milica Vukobrankovics hat dieses - Attentat gemacht aus Liebe zu Stülpnagel. In der zweiten Anklage sagt er, sie habe aus Rache gehandelt. Und -heute wieder sagt -er, sie hat es aus Liebe g.'tan, tveil sie Herrn Stülpnagel heiraten wollte. Aus diesein^wiederholtem Wechsel «der Anklagen ist zu erf:hen, daß der Staatsanwalt hur und -hevschwan'kt. Ein Mörder geht kalt und berechnend zu Werke Er handelt wie ein Mathematiker. Wo ist diese Zich'ich.nhcit bei der Bniköbraukovics? Auch den Psychiatern war dieses Nätiel nicht klar gc-worden. Aber das Gu-tack^en stößt dach ein Fenster auf. Im dritten Absatz heißt es: „Es li'gen Gründe vor. zu vermuten, daß es sich bei der Beschuldigten um triebhafte Momente hondÄt". Und dann heißt es tveiter: Die Frage eines triebhaften Vorgehens wird um so eher zu bo-alien sein, je mehr Handlungen gleiche ' Art sich wiederholen, während normale, verständliche it-nb nachfühlbar« Motive vermißt w'rden. Scheinbar ausreichende Motivierung schließt freilich das nicht gns,^ -was die Aerzte einen Impuls -nennen. Es muß etwas nicht in, Ordnung sein. Aber -der Tr'-eb Mensch denkt nicht, rechnet nicht, wägt nicht und mißt nicht. Und Vdilica Vukobrankovics ist «ine solche Person, d i e i n g e w i s s« n Z e i t c u it i d) t normal d e n k e n und nicht normal fühlen kann, -und die von ihren Trieben übermannt wird. Sie müssen sich vorstellen, meine vcrchrten Ge« schvornen, daß es ein« Person sei von Leidenscliast, von ungeheurer Impulsivität — ich lächle über je-ne Herren, die sagen, sie sei gefühlskalt. Sie ist «in Mensch, l>ei dem Intellekt und Gefühl vollkommen znsammeniklingen. Aber Wersen wir «inen > kurze» Vlick auf ihre Llhnenreche, die

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