Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1737 (16.12.1923)
- Date
- 1923-12-16
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Serie 4 Men, Sonntag $DienJ. JÜHäpur^tmarkt £ JJI »JTlcxieles SGtiTffan fiobes. U6stumes>Jftaateai*ft feqgwni et foturtiftp Jfelefim LL2/S. 3) ie neuesten <M o d eite in grossen Slbend- und Stilkleidern Palästina. König Hussein und die palöstlnenftschen Araber. Jerusalem. 11. Dezember. (I. T. A.) Die nation-al- «abischen Verbände in Palästina treffen große Vorbereitungen zur Begrüßung des'Königs Hussein von Htdschas, der zum Besuch seines ältesten Sohnes, des Emirs Abdullah von Transjordcmien, in Aman erwartet wird. Aus den verschiedensten Teilen Palästinas werden Deputationen in Aman erwarten. Tie arabischen Deputationen wollen mit König Hussein über die Zukunft Palästinas und der arabischen Gemeinschaft sprechen. Wie ferner gemeldet wird, geht in Aman eine beispiellose Bautätigkeit vor sich, lieber 250 neue Häuser sind in der letzten Zei: entstanden, eine Anzahl Marktplätze benndct sich im Bau. Errichtung eines Einwandererheims in Haifa durch die Zionistische Exekutive. In Anwesenheit einer taustndkopfiqeu Versammlung wurde in Haifa drv- Grundstein zu hinein Einwandcrerheim der Zionistischen Exekutive im Bcth-Galim- Viertel von Haifa gelegt. Ansprachen hielten der Gorwerneur des Nordaebietes sowie die Herren Ussischkin. Professor Pick und anders. (I. T. 21.)' Rundschau. Sie Geheimsttzung der Löllerbundrater. Die Saarfrage. Paris, 15. Dezember. Ueber die heute Vormittag ab-- gehaltene geheime Sitzung des Völkevbuwdrates, die sich mit der Saarfrage beschäftigte, wurde eine amtliche Mitteilung veröffentlicht, worin es heißt: Der Völkerbundrat hat beschlossen, die Mandate der gegenwärtigen Mitglieder der Regierungskommission des Saavgsbietes bis zum 31. März 1924 zu verlängern. Da die englische Regierung darum ersucht hatte, die Frage der Streikpostenverordnung auf die Tagesordnung zu setzen, erinnerte Lord Robert C e c i l an dir Erklärung des Rates, er überlasse es der Regierungskommtffion, die Entscheidung über die Wiederherstellung des Zustandes im besten Sinne. Da haben wir zum erstenmal einen, der Märchen erzählen kann, und sie obendrein gut jüdisch, gut hebräisch oder sagen wir: gut biblisch erzählen kann. Ich kenne nur noch eine kleine hebräische Märchensammlung, die „Sagen der Vorzeit" von Samuel Josef Fün, worin jüdische Märchen ebenso in unverfälschtem Märchemon und in echtbiülischem Stile erzählt werden. Berdyczewski aber ist der erste große jüdische Märchenerzähler, der die jüdischen Sagen und Märchen, Mvrhen und Legenden, Geister- und Tämonengeschichten in Ruhe und Gelassenheit und dazu fesselnd und anmutig zu erzählen versteht. Er ist unter' den jüdischen Erzählern der erste, dcc Freude hat am Erzählen. Und Lust rum Erzählen, das ist die Tugend de^ Märchenerzählers. Berdyczewsli predigt nicht, er läßt die Moral sozusagen in der Geschichte darin, er deutet sie wohl befchüdeutlich an. aber ec deutet nicht ausdringlich darauf hin. Noch um ein Geringes und Micha Josef Berdhczewski hätte sich in der Reihe der besten Märchenerzähler einen Platz errungen. Er hätte der Jakob oder Wilhelm Grimm» der jüdischen Literatur werden können. Er aber, immer ein Eigener, setzte seinen Stolz darein, der Märchenerzähler hin. Noch um ein Geringes, und Micha Josef Berdhczewski Auch :oeuu bin Gocion rin Märchen erzählt, weis; man, noch bevor mau es gehört oder gelesen, wovon es handelt; hin Gorion sag: cs einem im voraus. In seinen herrlichen „Die Sagen der Juden" und „Der Born Judas" ist alles sein säuberlich eingeschachtelt. Da weist man sogleich, wovon all die Sagen uno Mhthen und Märchen, und Legenden haudeln. Sie handeln von Liebe und Treue, Recht und Gerechtigkeit, Sitte und Sittsamkeit und von allen anderen Tilgenden des Menschen. Aber bin Gorion setzt die Moral immer nur als Schlußpunkt: er tritt sie nicht breit auf! Kosten der Erzählung. Deshalb ist bin Gorion ein trefflicher Märchenerzähler und zugleich ein jüdischer. Er hält sich treu an die Ueberlieferungeu, gibt den Urtexten nur den äußeren Schliff, ohne sonst viel in ihnen zu ändern, und haben seine Sagensammlungen auch wissenschaftlichen Charakter, so sind seine Märchen doch volkstümlich genug erzählt. dast sie als solche angesprochen rverden können. Mienen Morkgenzettung. _ des gemeinen Rechtes zu treffen. Unterstützt von dom schtvedifchen Delegierten B r a n t i n g sprach C e e i l die Hoffnung aus, die Regiermigskommission werde in naher Zukunft die Verordnung zurückziehen können. Der Vorsitzende der Regierungskommission erklärte hieraus, daß es nach seiner Arffichl im Augenblick nicht möglich sei, die Verordnung zurückzuziehen. Frankreichs Hegemonie. Kontrolle über die russischen Eisenerzlager. New-Aork, 15. Dezember. (Tel. der „Wiener Morgenzeitung".) Die Hoarst-Presse veröffentlicht, wie Universal Telograpk» Agency meldet, einen Bericht ihres europäischen Chefkorrespondentcn Karl v. W i e g u n d über den Abschluß eines wichtigen Wirtschaftsvertrages zwischen Frankreich und Rußland. Die „Socicte anonyme de Kriwoi Nog" habe von der russischen Negierung eine Konzession erlangt, die ihr die Verfügung über die ausgedehnten Eisenerzlager von Kriwoi Rog bei Jekaterinoslaw in der Ukraine sichert. Diese Lager gehören zu den bedeutendsten Europas. Da Frankreich, schreibt Wiegand, im Wage der lothringischen Erzgruben, die ihm der Versailler Vertrag zusprach, ohnehin schon einen Großteil der europäischen Eisenerzproduktion beherrscht und nunmehr seine Hand auch auf die russischen Ersenerzlager legt, erscheint seine Uebermacht auf diesem Gebiet unerschütterlich und besiegelt die Unterlegenheit und Abhängigkeit der deutschen Eisenindustrie gegenüber Frankreich. „Macht durch Eitzn" sei Frankreichs Losung in seinem Kampfe um die Befestigung seiner militärischen unwirtschaftlichen Hegemonie über Europa. Gin Fournslistengeseh in Deutschland. Berlin, 14. Dezember. (Tel. der „Wiener Morgenzertung") Heute abends fand im Sihnngsfackle des preußischen Landtages eine dom Berliner Bezioksverband des Reichsverbandes der deutschen Presse einberufene zahlreich besuchte Versammlung statt. Zur Erörterung stand das Thema: „Schicksalsfragen der deutschen Presse". Reichskanzler Dr. Marx und Reichstagspräsident Loebe schilderten in eindrucksvollen Worten die wichtigsten Ausgaben der Presse in -ihren Drziehungen zu Staat, Politik, Parlament und Volk. Der Reichskanzler, der den Vertretern der Presse für den Kampf um ihre soziale Steilung seine Unterstützung zusagte, teilte u. a. mit, daß im R-cichsmmisterium des Innern der Entwurf zu einem I o u r n a l i st e n g e s e tz vorliege, der die politische Freiheit und soziale Stellung der Journalisten sichern solle. Er wies daraus hin, daß es sich jetzt für das siarrze Volk um Schicksalsfragen handle. Die inneren BechAtnisse, führte er aus, lassen unsere Herzen erzittern. Wir erleben gerade jetzt furchtbare Tatsachen. Unsere finanzielle Zerrüttung und die Vernichtung vieler Existenzen wirken erschütternd. Diesen Tatsachen müssen-wir offen ins Antlitz sehen. Die Regierung ist gewillt, das deutsche Volk, wenn irgend möglich, aus dem tiefen Fall emporzusühren. Die innere Lage ist ernst, die äußere nicht weniger. Tie innere Lage kanU nicht gebessert werden, wenn sich nicht die äußere bessert. Wir mögen noch so viele Steuern Vorschlägen, noch so viele Tpfer dem einzelnen aus erlegen, che nicht die Rhein- und R uhrfrage gelöst, ist eine Sanierung nicht möglich. Wir wollen nach außen hin den Frieden und die Freiheit des Handelsmarktes. Darum wollen wir mit unseren Widersachern verhrndely, aber als Gleichberechtvgte. Unser guter Wille soll anerkannt werden. Chefredakteur Ackermann sprach eingehend über die schwere soziale Beeinträchtigung des JournaWcnstandes. Die Ausführungen sämtlicher Redner waren, vbtvoh! sie in vieler Hinsicht der jetzigen Notlage der Journalisten galten, von idealer Auffassung der politischen und erzieherischen Ausgeber, der deutschen Presse und warn,er Anerkennung ihrer gerade jetzt unter schwerstem maierieliem Druck hervorgebrachten Leistungen erfüllt. Sie Gewalttaten der Separatisten. Protest des Stadtrats von Ludwigshafen an die Signatar- Mächte. Ludwigshafen, 15. Dezember. Gestern haben die Separatisten die beiden Bürgermeister verschleppt. Der S t a d t r a t hat gegen diesen Gewaltakt energischen Protcst erhoben, in dem er sich an alle Signararmächte des Versailler Vertrages sowie an die gesamte zivilisierte Welt zum Schutze -er rheinischen Bevölkerung vor dchi Drangsal! erungen fremder Elemente wendet. Die Separatisten haben nunmehr der Presse untersagt, irgendwelche Erklärungen der politischen Parteien zu veröffentlichen. England annettiert den Südpol. Paris, 15. Dezember. „Marin" meldet: England habe in aller Stille sämtliche Zufahrtsstraßen deS antarktischen Kontinents sowie die Mehrzahl der neuenideckten, für die internationale Fischerei sehr ergiebigen Gebiete einschließlich des Südpols annektiert. Die betreffenden Dekrete seien nur im R eg ier u ngSbla tt der Falklandinseln publiziert worden. Dieser diskreten Operation sei keinerlei internationales Einvernehmen vorausgegaugen. Mnffolini and die Farziften der Srients. Aus Rom meldet I. T- A.: Der Chef der faszistischen Organisation in Syrien, Palästina und Sizilien, Brwno A g o st i n i, wurde - vom Ministerpräsidenten Mussolini empfangen. Der italienische Premier drückte Agostim seine Befriedigung über die Unternehmungen der faszistischen Italiener im ndjen Osten aus und überreichte ihm seine mit Autogramm versehene Photographie. Mussolini sagte, die faszistischen Italiener des Ostens können fein-csi wärm st c n I n terteile-sicher ftm. 16. Dezember 1923 Nr. 1737 | Pariser Original-Modelle I $ Kosttime, Kleider, Mäntel J * in hocheleganter und gediegener Ausführung, besonders # A pro i« wert # * MAISON DILBART, l.. ORABEN Nr. 30 § % TELEPHON 68-1-77 „ * Tagesbericht. Stiertos bei den Men. Ein kleinerer Kranken saal in der Siechenabteilung de- Lainzer Versorgungsheimes. In den sauberen, weißen Betten liegen lauter alte Frauen, lauter alte jüdische Frauen. Schneeweißes Haar lugt unter den Kopftüchern hervor, und hält man eine, von kaum ergrautem Haar irre geleitet, für jung oder doch jünger, dann erfährt man im Gespräch, daß sie die achtzig überschritten hat. Manches Bett ist mit hohen Seitenwänden versehen, eine Art großer Wiege. DaS ist für die ganz Alten, die den Kindern wieder ähnlich, werden und die man davor bewahren muß, während des Schlaies aus dem Bett zu. fallen. In einem solchen Wiegenbett liegt auch die Aelteste des Saales, die Heuer ihr 90. Jahr vollendet. Sie hat sechzehn Kinder geboren und acht davon auswachsen gesehen „grab und schön wie die Bäume im Wald". Als sie das sechzehnte nicht mehr selbst zu stillen vermochte, empfahl der Arzt — sie wohnten auf dein Lande — die Anschaffung einer Kuh. Bon dieser Kuh nun erzählt das Mütterchen den ganzen Tag. Alle Nachbarinnen lächeln schon, wenn sie wieder von der Nährkuh zu berichten beginnt. Aber jetzt ist sie ganz still, still und erwartungsvoll. Man hat ihr nichts von der kleinen Feier erzählt, die der sunge Rabbiner seinen Schützlingen bieten will. Aber als die Alte die Meuorah sah. wußte sie, daß eine Freude und Erbauung ihrer harre. Ungeduldig weist sie das Backwerk zurück, das freundliche Frauen zur Feier des Tages gesendet haben, in ihre dunklen Augen tritt ein Leuchten und über das starre Gesicht fliegt .der Schatten eines Lächelns. Ehannkkah — tausend Kindheitswunder blühen wieder mir. Das Tischchen mit der Menorah steht vor dem breiten Fenster, das prächtigen Ausblick bietet. Voran die hell erleuchteten Gebäude des VersorgungZhames, aus dem Hinter-- grund blinken und blitzen die tausend Lichter der Stadt. Als die Lichter in der Menorah aufflammen, da ist es, als tauschten sie einen Gruß mit senen anderen Sternen da unten, als sendeten sie einen Dank hinüber zu der Stadt, die auch den alten Judenfrauen ein Astzl bereitet, ein stilles Plätzchen mit einem Strahl des Abendsriedens und der Fcsttagsfreudc. Mit weicher Stimme singt der Rabbiner die uralte Weise. ' Sachte wiegen sich die weißhaarigen Köpfe,, leise summt die eine oder andere mit. Sie haben sich alle in den Betten onfgesttzt, sogar die Kraule, die zn schwach ist. hat sich mit e'n v-aar Kissen stützen lassen. Sie sitzt jetzt mit gefalteten .Händen da nnd ein seelisch-verträumics Lächettl zaubert den Liebreiz von einst auf das runzlige Gesichtchen. Sie ntfe, die da leise lächelnd dem Liebe lauschrti, träumen sich in die Kindheit zurück: über Siechtum und 0wbrechen, über Sorgen und Altecsnot hinweg haben sie für «ine kurze Glücksstunde der Seele den Weg in§ Jugend laut» gefunden. Sic haben Feiertag. Als der Rabbiner von den Verfolgungen und Drangsalen der Vorfahren aus dem Buche vorlicst, da sieht mau au den Mienen, dos; die alten Frauen die Berbindungslini-z zur Jetztzeit wohl zu ziehen wissen. Vielleicht haben sie uickits vom Hakenkreuz gehört, nichts vonr Kreuz- und Blutbund. A^rr daß eine harte Zeit für alles, was jüdisch ist, angebrochen ist, das wissen diese Frauen, obwohl sie den Kämpfen i>r stiller Altersruhe entrückt sind. Und als der Rabbiner die Vorlesung mit dem Bericht über den glorreichen Sieg schließt, da sprechen alle so andächtig Amen! als wäre cs der Abschluß eines innigen Gebets. Die Neunzigjährige aber verbeugt sich iu iln-em Wiegenbett einmal ums andere, so gut sich das nur machen läßt, und bedankt sich mit gefalteten Händen beim Rabbiner immer, wieder, daß er ihr „den Koweb angetan" und in ihrem Zimmer die Lichter angezündet hat Ter Feiertag währt noch fort, auch als die Vorlesuug beendet ist. Es ist für die Frauen ja schon ein Glück, einmal aus.denr Kreislauf der Familieugeschichten, Krankheitsber'chte, Alltagsfragen herauszukommen. Lange, langt hat ihnen kein Feiertag geblüht, haben sie geistige Anregung entbehrt. Run find sic doppelt glücklich und jede einzelne bemüht sich, dem Rabbiner ihre Dankbarkeit zu zeigen. Die gehobene Stimnmng hindert allerdings nicht, das; mau sich die Buchteln und die köstliche Schokolade tapfer munden. Aeidnachtt-vklrarson K^ÖW/G Herrenwäsche Spitgdgam $ TiliaUt I. Planfrengatst« Mondhamden . . Zeph|rhemck>n . . Kurze Unterhosen Pyjamas. Nachthemden . . . K 110.000 . K UO.OhO . K £5.(100 . K 120.000 . K 120.000 UMMM EürmMMHv