Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1736 (15.12.1923)
- Date
- 1923-12-15
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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e. 1738 Wien, Samstag * Fünf Personen durch Kohlengas vergiftet. Die Familie des Eisenhoblers Georg Sch in ko im 11. Bezirk hatte man im Haufe im Laufe des gestrigen Tages nicht geisehen. Zlm Abenv fiel dies auf, und, als Pochen an der Türe erfolglos blieb, sprengte man die Türe auf. Die Eintretenden fanden Schinko, fein« Gattin Johanna Schinko, ihren Sohn, den Hilfsarbeiter Franz Schinko, «ihre Enkelkinder, dt« elfiahrtge Karoline Fuchtenbauer und den zweiiährigen Karl Neuwirth, mit schweren Anzeichen einer Vergiftung t n d em mtt Kohlendunst erfüllten Raum. Georg Schinko und kein Sohn waren bewußtlos. Die RettungSstesellschast wurde berufen und der Arzt stellte eine schwere Vergiftung durch KohlengaS fest. Wie scstgestellt wurde, war der Unfall dadurch hervoraerufen worden, das; dem schadhaften Küchenofen im Laufe der Nacht Kohlengas entströmte. * Ei» merkwürdiger Jugendbildner. An der Knabenbürgevschule Neubaugasse 42 wirkt em Fachlehrer .Otto Riischa wi, der, wie Ms von verläßlicher Seite mitgeleilt wird, keine Gelegenheit vorubergshen laßt, um wahrend des Unterrichts seinen Antisemitismus zur Schau zu tragen. Es genügt. daß ein Mischer Schiiler die Hand «mpochebt, um vom Lehrer mit dem liebenswürdigen Worten: „Streck nicht dein koscheres Chaserfüßel vor," 'bedacht zu werden. Mit Vorliebe verwendet Herr R i s ch a w i ht einer die indischen Schüler krankenden Weise da8 Wort von der .„Judmschnl«", auch Politisiert er häufig mit den Knaben und für fine Gesinnung ist die Bemerkung bezeichnend, die Gesellschaft, di« nach Kriegsausbruch nach Wien gekommen fei, sollte man Lompl'ttt hinauSiagen. — Es wäre wünschenswert, daß sich die zuständigen Instanzen ein wenig mit der Angelegenheit befassen und Herrn Rischawi darüber belehren, daß die Schule^ nicht mit einer antisemitischen Propagandaversammlumg verwechselt werden darf! * Wohnungsanforderung und Eigentumsrecht. Der Vttfafluugsgerichtshof hat in seiner letzten Session über eine Reihe von Klagen zu entscheiden, welche gegen Entscheidungen von Mietkommissionen, mit denen in einzelnen Fällen Wohnungsanfovderungen bestätigt worden waren, eingebracht wurden. In den Klagen wurde seitens der klägerischen Parteien, deren Wohnungen angeforderi worden waren, geltend gemacht, daß die Anforderung ungesetzlich sei, weil diese eine krosse Verletzung des Eigentumsrechtes beinhalte. Der VerfassungsgerichtÄiof hat die Klagen mit der Begründung a b g ewiesen, daß allerdings jede Anforderung einen schweren Eingriff in das gesetzlich geschützte Eigentumsrecht beinhalte, daß aber diese Eingriffe durch das letzte, nicht angefochtene Mictenaefetz aus dem Jahre 1922 gedeckt sind, daher eine Verletzung des Eigentums nicht vorliege. Nur in einem Falle, in tvelchem die Mietkommission ein auf Grund des Anforderungsgesetzes vom Jahve 1921, welche Verordnung bekanntlich vom Derfassungsgerichtshofe als unaesehlich aufgehoben war, bestätigt worden war. wurde die Entscheidung der Mietkommission als ungesetzlich ausgehoben. * Im Restaurant eines Abgeordnetenhauses. Aus Prag, 18. d.. wird uns berichtet: Gestern nachmittags kam es in der Restauration des Abgeordnetenhauses zu eitnm, Zwischenfall. Di« tschechische Sozialdemokratin Frau Karpisek apostrophierte in der vorletzten Sitzung des Abgeordnetenhauses den kommunistischen Abgeordneten Kreibich mit dem Zwischenruf: „Schweig! Du bist ein Leutnant!", worauf Kreibich replizierte: „Dir ist ein Feldwebel lieber!" Frau Karpisek fühlte sich durch diesen Zwischenruf in ihrer Ehre gekränkt und verlangte gestern in der Restauration des Abgeordnetenhauses Genugtuung. Sie trat an den Tisch der Kommunisten heran und überschüttete die dort sitzenden Abgeordneten, vor allem den Abg. Kreibich, mit Schmähungen. In der Erregung hob sie die Hand, um Kreibisch zu schlagen. Nach der einen Version soll ihr dies tatsächlich gelungen sein, nach der anderen soll Abg. Mikulicek den Schlag aufgefangen.haben. Di« Szene rief in den Restaurationsräumen peinliches Auffehen hervor. ' ' * Ein Jude — Vorsitzender der VStterbundSkonnnission für Frauen- und Kindersürsorge. Wie aus New Hook gemeldet wird, wurde Dr. Abraham Floxner von der Rockefeller-St iftung zum Vorsitzenden der P 5 l k « r b u n d s k o mmiffion für Frauen- und Kindersürsorge in der ganzen Welt ernannt. Wie verlautet, hat diese Kommission ihr« Mittel durch eiine 75.600-Dollar-Stiftung aus dem von John D. Rockefeller gegründeten Amerffanischen Bureau für Sozialhygiene erhalten-. * Der neue Direktor der chirurgischen Abteilung deS Berliner jüdischen Krankenhauses. Professor Dr. Paul Rosen st ein. der Leiter der chirurgischen Poliklinik des jüdischen Krankenhauses in Berlin, ist als Nachfolaer des jüngst verstorbenen Chirurgen Professors Karowski zum Direktor der chirurgischen Abteilung dieses Krankenhauses gewählt worden. * Eine Hinterlassenschaft für den Jüdischen National« sonds in Japan. Die in Nagasaki vor kurzem verstorbene Frau Sophie Lerner hinterlicß dreitausend U«n für den Jüdischen Nationaffonds. Die Summe ist bereits beim Zentralbureau des Nationalfonds in Jerusalem eingetroffen. * Die Verantwortlichkeit der Stenotypistin. In Frankreich muß es offenbar zu viel Stenolttpisttnnen geben. Die .Ftevu« du Bureau" meldet nämlich, daß man ietzt in Paris, mn die Veberflntu-wg des Berufes der Stenotypistin nach Möglichkeit einzudämimen, zu dem Auskunftsmrttel greifen wolle» die Stenotypistinnen für jeden durch sie begangenen TYP" fehler in, G e l d st r a f e tt zu nhmen. Das Blatt gibt fvoar schon einige Bestimmungen des Strafreglements bekannt. Ei« Fehler in der Adressen- oder Preisangabe kostet einen Franken, ein sinnstorerider Textfehler 75, ein Datierungssehler 50, ein - Rechtschr-cijbunas-sMer 30 Centimes ufw. Ob di« gut organisierten franyöfischen Stenotypistinnen diese Strafeppedition der Chefs ruhig hinnehmen werden, darf füglich bezweifelt werden. * Münchner Damcnmods. Dam Mer'fner Tagebuch" Wird ans Münch-m gichvieben: Ich gche gemach ich durch die Ser.dliMeeystraße, da lenkt ein mir entaeg'.ukon'meudes Pärch'tt meine Aufmekksam-keiit auf sich. DaS heißt: Nur de.r weibliche Teil, denn an ihm, einem Jüngling mi>t Jaizz- Schuhen, hochmodern am Ulster und Mistbeet fenstenn im Auge, kurz, einem BanÄstifj mit guten D>p8, mir nichts Merkwürdiges. Aber di« Dam«. die er baatleitete, ein« biondr Gcvmanawftgur, war es schon wert, daß man sie näh.'r ins Anw faßte, von wegen dem Huit. dn, sie tvng. Es war ein schwarzer Samme<hut, Bwriwnform, mit dlntvo'er S^eib-e emd besticht mit vier handtellergroßen — Hakenkreuzen, durch die sie ihre Anhänglichkeit an den großen „Ade", dar in der Landsberger Einsamkeit schmachtet, doknmentzierte. Gibt das nicht erhebend« AuMick« für die Entwickuna der Damen,mode st, dsr kommenden Saison? Und für den Hanslbalt einer nationalen Fa mi'l-ie? Hakenkre-u.; am Nachttopf, schwarz-gveiß-rvt-es Bruchband!! Ich. gl-aubie, «8 der Dame schuDig -zu sein, ihren Bekemtermut auch nach dsm Berl-iwer Sumpf «zu melden. .* Ein Befreiungsdenkmal in Preßburg. An Stelle des Maria Theresia-Denkmals in Preßburg soll ein Befreiungs- Denkmal treten. Mit der Ausarbeitung des Entwurfes wurde Professor Saloun betraut, der eine Statuengcuppe, bestehend ins einem Tschechen und einem Slowaken hoch-zu Roß, als Wiener Morgenzeflirirs. F”-'---~~- KUNSTOEWERBESALON ELSA ACKERMANN L H ERRENGASSE 21 / II. STOCK / o«ssenlm>bn VORNEHMSTE GESCHENKE i "°°_J Set Stand der WeneiSiWe» Notivnalbank. Abnahme des NanknotenumlaufeS. — Geringe Zunahme des Barfchahes. Der soeben veröffentlichte Bericht über den Gand der österreichischen Nationallbank vom 7. Dezember 1923 behändest noch die GellÄverhältnisse vor Ausbruch des Poftftveiks, so daß ein Schluß auf die Wirkungen dieses Streiks auf die GeldverhL'ltnisie Oesterreichs noch nicht gezogen werden kann. Darnach hat der Banknatzemimlaus eine Abnahme um 75 Milliarden Kronen erfahren und beträgt nunmehr 6102 Milliarden Kronen. Eine geringe Zunahme weist der Bavschatz um 41 Milliarden Kronen auf. Er beträgt also 3608 Milliarden Kronen. Hervorhebung v.<dient der Umstand, daß das Wechselportefeuille trotz des Jahresendes eine Abnahme von 22 Milliarden aufweist und nunmehr 1070 Milliarden beträgt. Interessant ist. daß die Tarlehsnsfchuld des Bundes ebenfalls ein« Abnahme um 1 Milliarde Kronen erfahren hat. Dieselbe beläuft sich nunmehr auf 253^ Milliarden. Symbol der Freiheit und der tschechischen und slowakischen Einheit errichten will. * Tierärzte für Palästina gesucht. Bei einer Bi^ersichenrngssies-ellsHast stt Palästina {ötutwit vier bis fünf tüchtig« Tierävqt« Anstellung erhalten. Ledige Pe-rfonon erlhalten ein Monatsgehalt von 12 Pfund, vecheivatÄ« 15 Pf-uNtd fowi« Diäten, ferner eine W-odmmg, befteiheud aus {ml Zimmern und Küche. In erster Linie stammen Bmverber in Betracht, di« sich bereits länger Zeit als Tievärzte praktisch ^tätigt habm und gewisse Kenntnisse der hsbväiischsn Sprache besitzen. Bewerber wollen ilhve BewerbungSschreilben unter Beilschl'uß von StzudLn.zouMlsien und sonstigen in Bedacht kormnend'n Dokumenten lsventuell in bealaulbigelr Abschrift) an das Paläst-iwa-Amt, Wien, 1/Gez., Bauernmarikt 21 (Telephon 66.1L7), Dichten. (Nachfolgende Notizen bis z« der Rubrik „Vereine" find entgeltlich.) * Tanstnstitut Herma»» Braun, 14. Bez^ Reindorfgasie 42. * „Mikado Kaffee-Melangen" in ploMbirrt-cn Paketen mit Rabattmarke sind die besten. * Ganz Wien spricht von Klaus' echten Schweizer Huste nPastillen. Anerkannt bestes Mittel gegen Husten, Heiserkeit, Katarrh. Verschleimung usto. Verlangen Sie in allen einschlägigen Geschäften Gratisproben. * Die ^besten Oualitätsmarken in Scha stvoll- und Seidonstrümpfen, Herren- und Damenwest n, Handschuhen sowie sämtlichen Wirkwaren beim Wiener Stmtmpfkvnig (Inhaber Max VdargtrlieS, 7. Bez.. Neubaugasie 11 und 32. Dereine. DortrSge und Versammlungen. Ge s e lllchaft derFreunde kQuäker), 1. Bez., In der Burg. Michaelertrakt, Feststiege, 1. Stock (Frauenliga), frei rugänglicher regelmäßiger Montagvortrag, jedesmal um >/ 7 Uhr abends fl8 Uhr 80 Min.). Am 17. d. spricht Julius Poiffchek über „Wunder des Alltags*. Jedermann ist herzlich willkommen! t- Bukowina e r Zentra l v e rba n d. Sonntag. 9 Nbr nachmittags, im Cafe Industrie, 9. Dez., Porzellangasse 39 (Souterrain), Zusammenkunft. — Hebräisch« Stenograp bi e k u r s e eröfftiet die „Bibliothek Z i o n*. L. Dez., Glockengosie 30. Unterricht jeden Connta, 2 Uhr nachmittags. Einschreibungen täglich von 6 bis 8 Uhr abends. Zutritt frei. Verein Erez Israel, 2. Bez.,.Zirkuspasse 33. Hepte, 4 Uhr, Mischnaiewinar Dr. Goldstein. 6 Ubr Sichä. 8 Ubr Dr. Kaminka r Psalmen. Gäste willkommen. Moraeu im Cafe Orient, 2. Bez., Praterstraße 66, musikalisch-literarischer Vereinsabend. — Palästina-Sektion zionistischer Handelsschüler. Heute, 7 Ubr. im Heim der Vereinigung der jüdischen Hörer an der Hochschule für Welthandel, 2. Dez., Taborstraße t, Mezzanin, Vortrag Dr. Josef Löwenberz: Fortschritte und Hemmungen des Wiederaufbaues von Palästina. Gäste willkommen. — Jugendvereiy A h a w a t h - Z i o tt, 2. Bez., Glocken gaste 30. Heute. */„8 Ubr abends, Fortsetzung des literarischen Vortragszyklus H. S. Schwager. Anschließend Heimabend. Gäste willkommen! Montag, */„8 Uhr abends. Schachübung. Anmeldungen bei Hauser. — Zionistische K u l t u r g r u v p e. 20. Bez., Karl Meißl« straße 8. Heute, 3 Uhr, Vortrag Herr S. Kantor: „Politik und Judentum". 5 Ubr: Jüdischer GeschichiSkursl Anschließend Diskustion und Heimabend. — V o l k s b i b l i o t h e k „Z i o n", 2. Dez. Glockengasse 80. Ausschußsidung um 4 Ubr nachmittags. — Z e i r o t h H a m i s r a ch i. Erster Heimabend mit Picknick. Heute um ' „7 Ubr im neuen Vereinslokal, Untere Augartenstraße 85. Gäste willkommen. Jeden Dienstag und^DonnerStag, 7 Uhr, Nähabend. — Zionistische A r b e i t s p a r t e t HitachduLh. Heute, V*B Uhr, Sitzung des Waad. Urania. Heute t GroßerSaalr Uhr: Schit« lervortrap: Mariazell. Hochqnellenleitnng. Wie sollen wir sitzen 1 5 Ubr r Im Lande der Pagoden Md Elefanten. 8 Ubr: Radiotelephonische Vorfiihrung von Rede, Musik und Gesang. — Kleiner Saal: '/,6 Uhr: Ludwig van Beethoven. (II. Zyklus.^ 7j8 Uhr: Anton Amon: Vorlesung. — Kur saalrö Uhr: Dr. Hans Kapper: Geschichtspbilosophie hei Kant und Fichte. II. */»7 Ubrr Unit».»Prof. Dr. E. D i t t l e r r Ter Vulkanismus in seiner Beziehung zum Aufbau unserer Erdkruste. IV. 8 Ubr: Prof. Dr. Alfred K o e r b e l: Grundfragen der Logik und Metbodenlehre. III. Klubsaal: 6 Ubr: Univ.- Lektor Ferdinand Matra 8: Rednerkurs. I '/,8 Uhr: Bildungsfragen der Gegenwart. XU. Eduard G o l i a S: Spiel und Arbeit. - L e b r s a a l Nl: 8 Uhr: Prof. Dr. Hans Bauer: Licht- und Schwerkraft. V. — Lehrfaalllr 8 Uhrr Prof. Alfted Laßmann: Pubertät, Schule und Elternhaus. Hl. — U r a n i a- B i b l i o t h e kr Von 8 Uhr früh bis 6 Uhr abends geöffnet. Leopold st ädter Volksheim, 3. Bez., Zirkusgaste 48, 7 Uhr, Dr. Johannes Herbert Holz: Italienischer Theater. Karten z» 1000 K. 16. Dezember 1923 . Seite l Die zivniskische Aezirkssektion Drtgiitenau. 20. Bez., Karl Dkeißlsttaße b, eröffnet Dienstag den 18. d. ein Rechtss ch u tz b u r e a n das, von Rechtsanwälten geleitet, nur von Armen unentgeltlich in Anspruch genommen wird. Dar Rechts» schutzburrau ist jeden Dienstag von 8 bis */«10 Uhr abends geöffnet. Die Eröffnung brr Lesehalle erfolgt heute den 16. d. Die Lesehalle, in der Zeitungen allgemeinen und jüdischen Inhaltes aufliegen, ist ab 8 Ubr abends für jedermann zugänglich. ° Die Veranstaltungen des Wintersemesters werden mit einem Lichtbildervortrage über Palästina vom Direktor des botanischen Museums ln Jaffa, Herrn Dr. R «- b i n o w i t f ch, eiugeleitet. Die Orpaniiations-- und Keren Hajestodkommission kommen bis zur Durchführung der ersten Arbeiten allabendlich um 8 Uhr im Bereinßlokale zusammen. Zionistische Sestlion Zwifchenbrücsten» 20. Bez., Allerheiligenplatz 17. Gasthaus zur ^Eisernen Zeit". Heute. 4 Uhr nachmittags, jüdischer Literaturkurs, um '/,6 Uhr Vortrag des Herrn Dr. I. Kl aber: Gesundheit und ihre Schädigtmg. Montag den 17. d., '(,8 Uhr abends. AuSschußsitzung. Aach vorsieUnng von ..Oft nttft SVest". Heute. 10 Uhr abends, findet im Löwenkino, 3. Bez., Löwengaffe, eine Nachtvorstellung des bekannten jüdischen Lustspielfilms „Ost und West" nnter Mittvirknng eines Chors der Staatsoper statt. Bühne md Kunst. zwanzig Fahre Bolksoper. Am 14. Dezember 1898, also vor gerade 26 Jahren, ümtöt das. nenevbaute Kaifer-JubWums-Stadtcheater mit Kleists .-Hermannsschlacht" eröffnet. Durch sAnf Jahre machte die. Sprechbühne unter Leitung von Adam Müller-Gutbenbvun« vergsb-liche Bevsuche, sich durchzuisetzvn, dann übernahm Rainer Simons die Direktion des Theaters, das fortan eine Pflegestätte der Bolksoper sein sollte. Aufführungen von Webers „Preziosa" und MendölHohns „Sommernachtstvaum" waren di« ersten Versuche der neuen museal ischen Bühn«, und mit. der Aufführung des .^raifchutz" im Septem'ber 1904 war der eigentlich« Grundstein der Bolksoper geilegt. Unter der zisbbewußten Führung Alexander Zemlinskys folgten J-ahr« angespannter öünftlerischer Arbeit, Weiber und Mavschner, Meyerbeer und Wagner, Mozart und Verdi, deutsche wie französijsche und ita- >lienische Meister wurden einstudiert, das Repertoire ünsner mehr erweitert, volkstümliche österreichische Tondichter wie Kienzl, Oberleithner und Bittner gelangten zur Erstaufführung, zahlreiche bedeutend« Sänger — darunter die Jeritzo und der Bariton Josef Schwarz — wurden dem Institut verpflichtet. Schon durfte man sich freuen, daß die Kunststadt Wien eine zweite, und zwar volkstümiich« Pffegestätte der Oper gewonnen Hatzte, doch wirtschaftliche, politische und künstlerische Krisen brachen allmählich herein, Direktoren und Gäste kamen und gingen, die Bildung des Spieilplanes war der Willkür und Zufälligkeiten ausgesetzt und dieser Wirrwarr, der nun schon seit Jahr und Tag andauert und sich unter Felix Weingartner, dem nur gelegentlich in Wien gastierenden Doilksopevndirektor, noch verschärft hat, lähmt die Arbeitsfreude aller Mitglieder. Die Volksoper hat ihren Charakter als musikalisches Mittelstandstheater, das die volkstümliche Oper, die in Wen so arg vernachläsiigte komische Oper und die klassische Operette pflegen sollte, völlig.eingMßt. Weingartner hat den Ghr^geiz, es der Staatsaper gleich zu tun, und bevorzugt trotz der beschränkten MM und Wer Enge der Bühne die große pruntwolle Oper. Di« Neuaufführungen der letzten Fahre waren Nieten: Mit Schaudern erinnert man sich der pachetisch vevlogmen englischen Oper „Die Kinder der Don" von Halbvooke. „Tor kleine Marat" von Mascagni und „Die Liebe dreier König«" von Montemeyzi waren Fehlgriffe, die Einstudierung von klassischen Operetten und von Tanzabenden erfolgte meistens mit ganz untauglichen Mitteln, und so ist die russische Oper ,Mris Godunow" von MtssovgRy als einziger Erfolg der letzten Jahre zu buchen. Wir verkennen keineswegs die allgemeinen und insbesonder« die materiellen Schwierigkeiten, unter denen auch die BolksoPer in der Nachkriegszeit zu leiden hatte, und bedauern, daß wir.das GebuvtStagskiud nicht herzlicher beglückwünschen können. Als Angebinde zu ssinent Jubeltage überreichen wir ihm den Wunsch und di« Bitte, es möge nicht weitechin hin- und hertastzen, sondern energische, zielbewußie Arbeit im Dienste des Mittelstandes leisten. Wenn die Volksoper in weiser Beschränkung auf daS BoKslümlich« einen zeitgemäßen Spielplan auf-- stellt und auSgcstaltet, wenn sie in enger ständiger Zusammenärbeit mit Direktor Weingartner ihre fest vevpffichteten Mitglieder» deren Spieffreude durch die Häufung der ganz überflüssigen Gastspiele nur gehemmt wivd, richtig verwendet, und so. die Arboitsfrend« am Mährinaergürtel wieder einkchrt, dann wird die Volksoper, auch jenes künstlerische Niveau wieder erklimmen, von dem sie langsam und stetig herabgeglitte« ist. Tages Arbeit, abends Gäste, saure Wochen, frohe Feste, sei Dr künftig Zauberwort. flb. MatthSns Bemman» sestvrbeu. Ein Nachruf von Michael Epstein. Tot ist er, der große jüdische Komponist. Gestorben?m Elend, verhungert wie ein gemeiner Strolch, der vor Erschöpfung im Rinnstein endet. Verhungert im Land« des märchenhaften Reichtums, im Lande des rollenden Dollar. Vor mir liegen einige Manuskript«, durchtvegs Chöre mit unterlegten Mischen Texten, di« ich vom Verstorbenen im Dezember 1919 als Andenken erhallten habe. Wie schön war das damals, als wir seine Palästina-Symphonie mit einem Dilettantenorchester aufführten. Deutlich sche ich ihn noch vor mir, wie er in einem ausgeliehenen Frack dirigierte und nachher die Chöre am Klavier begleitete. Deutlich hör« ich noch die Beifallsstürme, die durch den Saal brausten, und sehe daL freudig erregte Gesicht Bensmanns, dem dieser Jubel galt. ES waren Perlen nationaler Schöpfungen, die Bens-mann in Palästina komponiert hatte: Die füniffätzige Palästina-Sym. phonie, ein Violinkonzert, und drei Chor«: „Schir gwuvah". „Schir erez" und der ^iaMabäer-Hymnus". Höher schlugen unt