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Wiener Morgenzeitung · 1923-12-15 · Heft 1736 (15.12.1923) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1736 (15.12.1923)
Date
1923-12-15
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 173(3 Men, Samstag Wiener Morgenzeitung. Io. Dezember 1923 Seite 2 der Durchführung der Agrarreform zwischen der Witos- Gruppe und beu anderen Gruppen -der Koalition, insbesondere der Nationaldemokraten, starke Meinungsverschiedenheiten entstanden sind. Der Ausdruck dieser Differenzen ist auch der Rücktritt des Ministers für Agrarreform Osiecki (Witos-Gruppe), Melcher demissioniert hat, da es ihm infolge des Widerstandes der Nationaldemokraten nicht nicht möglich war, die von seiner Partei verfochtene Agrarreform bis zum 30. November d. I. durchzuführen. Der am stärksten umstrittene Punkt der Agrarreform ist die Parzellierung des Großgrundbesitzes. ’ 4 Bei den Beratungen über das Gesetz betreffend die Ansiedlung und Parzellierung verließ heule ein Teil der Abgeordneten der polnischen Volkspartei mit dem Abgeordneten Pryl an der Spitze den Saal. IN Zusammenhang damit legte der von dieser Partei gewählte Sejmpräsident R a t a y sein Amt nieder. Die heutige Sejmsitznng wurde infolgedessen vorzeitig geschlossen. Keine Verpachtung des Tabakmompols. Warschau, 14. Dezember. Wie die „Gazeta Warszawska" meldet, gab der F i n a n z m i n i ft e'r im M i n i ft e r r a t bei Erörterung der Frage der Verpachtung des Tabakmonopo-ls die Erklärung ab, daß an eine Verpachtung 'des Tabakmonop-ols nicht zu denken sei. —KSglSNL > ÜHLÜSL in keinster Qualität D zu billigsten Preisen bei Heinrich Weinberger. I.,Singerstrasse 6 Rumänien. Sie Grenzregelnng mit Jugoslawien. Bukarest, 14. Dezember. (Orient-Radio.) Jnr Senat erklärte Minister des Aeußer Du c a im Laufe der Beratung über das von Rumänien und Jugoslawien Unterzeichnete Protokoll betreffs des Austausches von v i e r B a n a t e r Gemeinden, dieses Abkommen fetze die Grenzen nicht fest, sondern bringe im Gelände die durch den Vertrag festgesetzte Grenzziehung gemäß dem in Paris zwischen Take Io nescu nnd Pasic erzielten E i n v e r n e h m e n zur Durchführung. Alle bestandenen Differenzen seien durch das in Belgrad Unterzeichnete Protokoll bei ge legt und die rumänischen Interessen seien gewahrt. Die Serben. Kroaten und Slowenen würden jetzt wissen, daß sie in Rumänien loyal ergebene Freunde haben werden. Die Vorlage wurde mit 56 gegen 2 Stimmen angenommen. Re gesamte Lehrerschaft droht mit ihrer Renftniederlegnng. Ultimative finanzielle Forderungen. Bukarest, 14. Dezember. (Tel. der „Wiener Äivrgenzeitung".) Die Mit telschulpr osess oren und Voilkss ch u l l e h r e r gang R n m ä n -i e n s bvjchliofsen auf einem Kongreß ihre g e m e i n s a m e D e m i s s i o u, falls die Regierung nicht bis 1. Jänner 1924 die fi nau ziellen Forderungen der Lehrerschaft erfüllen sollte. Die Un ive rsitätsprosessoren haben das Streikmittel der Gesamtidemission ab gelehnt, wollen jedoch mit den übrigen Lehrern möglichst solidarisch Vorgehen. PalWna. Das Budget der palästinensischen Administration 1822/28. Der Bericht der palästinensischen Regierung über das ab gelaufene Finanzjahr zeigt als Hauvtposten in den E i n nahmen (die eingeklammerten Ziffern beziehen sich auf da Vorjahr): Z ö l l e 594.000 Pfund (623.300), Steuern usw 493.000 Pfund 758.100). In den Ausgaben sieben an de Spitzer Sicherheitswesen 307.850 Pfund (321.000), Gesundbeits wesen 114.150 Pfund (142.600), öffentliche Arbeiten 114.000 Pst,^ (38.000), laufende öffentliche Arbeiten 100.000 Pfund (63.500) Erziehungswesen 88.200 Pfund (88.200). Die Eisenbahnen ergaben ein Defizit von 30.000 Pfund, hingegen die Postverwaltung einen Ueberschuß von 6000 Pfund. Charakteristisch ist, daß die Regierung aus den allgemeinen Landeseinnahmen für Sanität und Erziehung nicht m e h r aufwendet, als ungefähr die Z i o n i st i s cb e Organisation ans freiwilligen Mitteln für den Iischnw allein. — Der Rückgang der Steuersumme gegen das vorige Jahr ist vor allem durch den der Oschereingänge «Steuer auf Bodenprodukte verursacht, die natürlich bei fallenden Preisen der Produkte geringer werden müssen. Andfcha«. Ae Tagung der Välkerbundsratrs. Paris, 14. Dezember. Der Völkerbundsrat hat in seiner öffentlichen Rachmittalgssitzung außer dem I a w o r i n p r o b l e m die Frage der intellektuellen Zu sammLliarbeit, den Mädchen- und Kinderhandel sowie den Opiumhandel behandelt. In der Jaworinfrage Han delt cs sich nunmehr darum, ob der von der Grenzfestsetznngs kommissiou erschienene Grenzverlauf der Enlschckiduwg d Botschafterkouscrenz entspricht, was von polnischer Seite behauptet, von tschccho-slowarischer Seite (''.'stritten wird. Der Völkcrkbitndsrat wird seine Entscheidung in einer späteren Sitzung betauutge beu. Der englische König gegen Renwahken? Berlin, 14. Dezember. (Tel. der „Wiener Morgenzeitung".) lieber die Abneigung des englischen Köuizs gegen lrenerliche Wahlen berichtet ein Londoner Telegramm der Zeitung": Deu pobitischeu Parteien sei klar gemacht worden, sie könnten nicht daraus rechnen, im Laufe des nächsten Jahres vom König die Ermächtigung zu einer u e u 'C n A u if U) f it n % des Parlaments zu erhallen. Der König vertrete offenbar die Auffassung, daß das Zweiparteiensystem endgültig der Vergangenheit angchöre. Bei diesem Eingreifen des Königs spiele die E u t lu i ck l u n g d e r a u ß e n p o l itischen Lage die ausschlaggebende Rolle. Man wolle verhindern, das; die englische Außenpolitik neuerlich monatelang lahm gelegt werde. Re Kampagne gegen die Ruwandemn« in Amerika. New-Aork, 14. Dezember. (Reuter.) Der Unterstaatssokretär für die Arbeitsfragen hat in einer Konferenz über die Einwanderung eine Weitere Beschränkung der Einwanderung vovgeschlagen. Er erklärte, 'der Mangel an Arbeitskräften, der vor einigen Monaten geherrscht habe, habe sich jetzt in Arbeitslosigkeit verwandelt, die mbglichemeise .einen drohenden Umfang annehnren rönne. Italienischer Protest. Rom, 14. Dezember. Der italienische B o t; ch a s t e r in Washington ist beauftragt worden, ge-gm die beabsichtigte weitere Einschränkung der italienischen Einwanderung nach Amerika Protest zu erheben. Re WiMugen der Hakenkreuzlerei. Berlin, 13. Dezember. (Teil, der ,Miene r Movgeuzoibung".) Die Reich svogieru>n>g beabsichtigt, die Verhandlungen mit ausländischen Geldgebern über Kredite, die Deutschland gewährt werden sollen, wi-sder in Gang zu bringen. Es handeilt sich neben LsbönAmittelbkrsditen vor allem nm Währnng'skvLidite nnd um Kredite für Industrie und Landwirtschaft. Die Reichsregierung ist der Ansicht, daß die Aussichten für dis Wicdevanifnalhme dieser Verhandlungen' günstig sind. Die Besprechungen sind in der vergangenen Zeit zweimal dadurch gefährdet gewesen, daß ans der anderen Seite die Vollmachten zurückgezogen wurden. Das eine Mal am Tage des H i t l e r-L u b e ndorf - Pntsches in München, das zweite Mal beim Sturz des Kab inetts Stre semann. Zn welchem Zeitpunkt die Verthandl.unigen werden ausgenommen werden, steht im Augenblick noch nicht fest. . Endlich beabsichtigt die Reichsregierung, sich an den Völkerbund zu wenden. Welche Hilfsaktion die Reichsregierung vom Völkerbund erwartet, ist einstweilen noch nicht klar. kin itnlienisch-bnlsarischer Geheimvertrag? Belgrad» 14.- Dezember. (Tel. der „Wiener Morgenzeitung".) Die südslawischen Matter veröffentlichen einen angeblichen^ geheimen Bündnisvertrag Zwischen I t alien und Bulgarien gegen Südslawieu, in dem sich die beiden Staatew-gogeiiseitige Hilfe für den Fall Zusagen, daß einer von ihnen a n g e g r i f f e u wind oder ein B al k a nstaat bulgarisches Gebiet besetzen sollte. Re italienischen Sozialisten beteiligen sich nicht an den Wahlen. Rom, 14. Dezember. Die Führer der unitarisch.'u Sozialisten Turati und Modigliani haben eine Errtschließmrg gefaßt, worin erklärt wird, daß sich die Sozialisten mit Rücksicht auf das Fortbestehen des faszistischen Gewaltregimes und seiner Intoleranz gegen die oppositionelle Presse, wodurch die für die Wahlen notwendige Freiheit behindert würde, mt b e it W a h l e n nicht beteiligen wollen. An Konflikt zwischen Griechenland und Albanien. ' Rom, 14. Dezember. „Mcssaggcro" berichtet ans Paris, daß Griechenland an Albanien ein 4 8 st it udiges U l t i m a 1 n m gerichtet und seinen Gesandte -u a b h crufen habe und daß der griechische Ministerpräsident sich weigere, beu albanischen Gesandten zu empfangen; dieser werde demnächst von Athen abreisen. Die Fnden und die WaWeweZuag in Saloniki. Aus Saloniki wird gemeldet: Der jüdische Gemeindevovstand hat in einer Sondersitzung die Teilnahme an den Parlameu-tswahlen beschlossen. Hierauf hielten die z i o n ist i s ch e u Bereinigungeir eine P r o t e ft v ersa m ml u it g ab, in welcher e ine Ne so lullou gegen bk' Wahlbe^ tetlignug gefaßt nnd die Stellungnahme der jüdischen (?>k weindevovstehung mißbilligt wurde. Auch die jüdischen linken Sozialisten haben eine gleichlautende Re-solu tion Tagesbericht. Rach dem Aostftreit. Der volle Dienst in Gang. Gestern ist der Dienst überall wieder aufgenommeN worden. In der Früh erhielt man wieder Briefe und Zeitungen ins Haus gestellt, das Telephon läutete und die Telegraphen begannen wieder zu klappern. Int Hauptpostamt, wo sich in den viereinhalb StveÄtagen die aus dem In- und Auslände eingelangten Sendungetr in gigantischen Bergen aufgetürmt hatten, setzte regstes Leben ein. Auto ans Auto, bis zum Rand mit den nach dem Ausland bestimmten Wiener Postsachen gefüllt, verließ Äen Hof, um feine Ladung lden Bahnhöfen zuzufühven. Auf der anderen Seite harren die endlofen Reihen von Potstsäcken mit den aus fremden Staaten stamnienden Sendmugen, ferner die zu Riesenhaufen aufgeftapellten ausländischen Zeitungen der Postalischen Abfertigung. Das Aiatevial muß gesichtet und den einzelnen Bezirks Postämtern zugestellt wird. Nun muß auch der Inhalt der lokalen Briefkasten der Normalbearbertung zugeführt werden. Die Arbeit, die hier zu bciwaltigen fein wird, geht ins Riesenhafte. Denn es handelt sich nicht bloß um die enormen Rückstände, sondern auch um den täglich sich erneuernden Einlauf einer Z!we.imillionenstadt. Man wird sich daher kaum darüber tvundern dürfen, üvenn die nächsten Tage noch ziemliche Unregelmäßigkeiten bringen werden. Vor allem wird es kaum zu verlangen sein, daß einem die Post chronologisch ins Haus gebracht wird. Es wird vielmehr sehr fig Vorkommen, daß später a u fg e g c b e n e Briefe früher und früher der Post übergebene Sendungen später zngeftellt iverden. Die ungeheuren Rückstände sollen nicht in Neberstunden, sondern durch Einführung doppelter Schichten zur Aufarbeitung gela ugen. und ziwar mit derartiger Beschleunigung, daß nach dcu Wünschen des Mionskomitees spätesten s Nc o n tag der normale Zustand im Postbetrieb erreicht werberi soll. Bedeutend größer sind die Schwierigkeiten im Betrieb 'des H a u p t; o 1 la m t c s, das ja schon in normalen Zeiten überlastet isi und weit zeitraubender arbeitet als die Post. Eine Verschärfung erfährt dieser Zuftand dadurch, daß Sendu'ngen mit leicht verderblichem Jühatr infolge der unterbliebenen Abfertigung anssortiert iverdeu müssen. Aber auch in diesem Betrieb will man ein. rasch e r e s Tempo dadurch erzielen nnd den Normalzustand früher erreichen, daß man bereits einen großen Teil der Arbeit auf den Ba h n h o f z o l l ä m te r n durchführen will, so daß das Hauptzollamt vorerst mit seinen eigenen Rückständen fertig werden kann. Diesen Sonntag wird Post zugestellt. Die GenevalpoMvektion teilt mit: Vnst die ^Wirkungen der d.rrch den Streik entstamdenen Berzögermtg möglichst -wettzunia-chen nnd um den Gcschäftsbevürfnisstn des Weihnachtsverrchres tunlichst entgegenzukomme:!, wind Sonntag den 16. d. bei den Wiener Abgabepostämtern F e i c rtag sdieust (Parteien-Dienststunden von 8 bis 12 llhr) gehalten und zwischen 8 und 9 Uhr vormittags ein Br-icf- und Paietzustellaang abgelasseri. Um diese Maßnahme rvirksam zu niachen, wird ersucht zu veranlassen, daß in den Bureaus und Geschäftslokalen eine zur Uebernahme der Post berechtigte Person winwesend ist. Güterstauung aus dem Hauptzollamt durch den Poststrcik. Eine -der unangenehmsten Folgen des Poststreiks, die sich zufolge des erhöhteir Verkehres anläßlich der bevorstchcnden Weihnachrett für die Kaufmauitfchaft besonders eorpfiadlich macht,, ist die Aufhäufung kaum übersehbarer Rückstände an ausländischen Zollpostpaketen anf dem .Hauptzcllämte. Ta jede Verspätung in der Zustellung einen schweren Schaden für den Handel bedeutet, mit so mehr, als die bet ress enden Waren vielfach für das Weihnachtsgeschäft bestimmt sind, wurde zur Bewältigung dieser Arbeiten dern .Hauptzollamt aus anderen Abteilungen Personal zur Verfügung gestellt. Von dieser Maßnahme sowie von anderen intcvnen Verfügungen wird eine Erleichterung der durch den Streik geschaffenen Komplikationen erwartet. Der Fnder plus 1. . Sie graße ZtzmDr. Paris, 13. Dezember. (Spezialdienst der „Wiener Nlorgenzeitung".) Ein römisches Telegramm des „Petit Parifi-en" weiß ans eingeweihterr vatikanischen Quellen zu melden, daß der P a p st in dem am 20. Dezember stattfindenden geheimen .Konsistorium eine äußerst wichtige, hochpolitische Rede halten und auch die Einberufung einer großen Synode anliindigen werde. Angeblich soll als Termin für die Abhaltung der Synode das Jahr 1926, eventuell 1928 in Aussicht genommen sein. Kommt die Synode zustande, so dürsten sich etwa zweitallsend Bischöfe in Rom versammlen. Seit dem Führe 1870 lvurde keine geirerelle SyncdG abgehglten. Die paritätische Kommission im Miitisterium für so» ziale Vertoaltuug hat beit Index für die Zeit vom 16. Nvvember bis 15. Dezember errechnet^ er beträgt plus ein P r o z e n t. Die Steigerung gegenüber dem Vormonat, tvo der Judex gleichfalls mit plus ein Prozeiltt kalkuliert morden ist, katm erfreulicherweise als nicht bedeutend gelcitilzeichnet werden. Die Ursache der St-ebgerung liegt, wie die Kommissiou feststellte, in der Tatsache, daß die Preise zahlreicher Lebens- und . Bedarfsartikel in der Verrechnuugsperiode eine mäßig steigende Tendenz ailfgewiesen haben; die bekanntlich in dieser Zeit eingetrrtene Ermäßigung der Kohlenpreise verhinderte eine stärkere Erl'ähnng der Indexziffer. Der Indern betrügt genau Plus 0,89 mtb wurde, wie üblich, auf Plus 1 abgerundet. Bei der Post Ernährung ist eine Steigerung von 1,7 Prozent zu ' verzeichnen. Billiger geworden sirtd Mehl und Pflanzenfett, verteuert haben sich Brot, Reis, Kartoffeln, Schiveinefett, Rindfleisch, Zucker, Kondensmilch,- Bohnenkaffee, llnverändert geblieben find Margarin und Kafscefurrogate. Die 21tertenerungen sind im allgemeinen geringfügig. Bei oer Post B e k l e i d n n g sind alle in Betracht kommenden Am besten ii.billigsten». teufen im [Schiffmann TaforsiraSe 48 TcSejshoii 47-1-79 Ab gros En detail —"r—i-r

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