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Wiener Morgenzeitung · 1923-12-14 · Heft 1735 (14.12.1923) · p. Seite 6

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1735 (14.12.1923)
Date
1923-12-14
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 Wien, Freitag Wiener Morgenzeitung. 14. Dezmiber 1928 Nr. 1786 Iilmruörik „Wr. Morgenzeitung" ■Bwc«r!TK7rvT’«iaaijBB „Llrme Sünderin." Obwohl dieser Film schon oft Dage:r>es?neo. hauv.sachlich in awerikanischen filmen VcNvertetes bietet, ntiiR nwu ihn.doch spannend und interessant nennen. Es ist eine nicht allzu neue Version des Oliver Twists, bk dem Buche dieses Filmes zu Gnutbc liegt t die Leiden eines Kindes werden hier .wieder einmal mit prononciertcr Rührseligkeit anss Tape: gebracht. Ein? Bnchid-ee, die die Amerikaner eigentlich bereits schon bis zum Ueberdruß ausaenützt und bis zur lebten Nrraneiernnasmöglichleit verwertet haben, nicht weniger, als die'ebenfalls hier enthaltene Geschichte dr reuigen und bekehrten^ Sünderin, die zwar diesem Oil in den Titel, aber neben dem Kinde >nnr die zweit? Nolle gab. Diana Carenne verkörpert diese Frauerrsigur. Es braucht nicht -geringe Zeit, bis man sich an das Herbe gewöhn:, mit dem sie ihre Rolle aufgcfaßt hat, die-sie scheinbar mir gewollter llnliebenswürdi-rteiten durchführt. Es ist aber auch möglich, das; wir infolge der Sintflut amerikanischer Produktion daraus eingestellt sind, eine Sünderin. nur dann ernst zu uchm-en, wenn sie über einen sorgfältig gezeich-neten Kirschenmund verfügt und fortwährend mit allen Müsvielenden kokettiert. Das macht crber die Carenne nicht; sie hat nicht einmal das g.«wisse Shimmywiegen in den Hüsten und saht ihre Taschendieb in so aus, wie sie wirklich im Die größte Film-Aussta Nunasoperette! AN" Noch nie dagewesen! "^Seg > Akte .. Akt« P e r s o n e n - B e r - e k ch u i s: Tobias Lnipprni-ale, Grojikaufmamr . . . Ferry Sikla Sirgirm. ,'tinc Fran.M z.;i Schütz Mar», beider T chrer.. . Ava Tvrvl,, Pcrcival wcfbford. Diristent einer Ja^band Cha, le Wiilh Kahser Thornaö Brown, Lnipvcndalcs Freund, Grotzkanfmann in Nokvl,ama.Friedrich Berger Johnny Sohn.Karl Harbacher Famag ta, ein javanischer MarqniS .... Pawel Markow Osvkisan. seine Gri-ba . . . . Friede! de Fries Brasilianisches nnd japanisches Volk, Geishas, Matrosen nsw. Ganz Wien wird in einigen Tagen die Melodien singen aus: „Die blonde Gei ha" Ab heute bis Montag den 17. Dezember: EOS-LICKTSPtELE, 3 Bez., Ungargasse 60 ZEN77?ALPAI-AST-Klf30, 7. Bez., Mariahilferstrasse 120 Von Dienstag-, 18 bis Donnerstag, 20. Deztmber: IFA-PALASTKINO, 2. Bez., Taborstrasse 1 ERCSERGER-LICHTSPiELE, 3. Bez., Erdberjjstrasse 86 Von Freitag. 21. bis Montag den 24. Dezember: ATL.AN?lS-KS&Oj 5- Bez , Redner Hauptstrasse 103 SCHAFFER-KINO, 6. B«M Mariahilferstrasse 37 Von Dienstag. 25 bis Donnerstag, 27. Dezember WELTBtOGRAPH, 9 Bez., Aiserbachstrasse 39 WAw3.n?JS7Ef?-?»K$riQ, 2u. Bez,, WaÜensteinsirasse 55 Von Freitag, 28. bis Montag den 31. Dezember: PAEti-T-!Cl?n’Q, 13 Bez., Hietziuger Hafpistrasse 22 WCl.TSPI£GEL>KINO, 16. bez., l.erchenfeldergürtel 55 Von Dienstag, 1. bis Donnerstag 3 Jänner 1924: HINDENSURG'KIMQ, 14, Bez , Schwe Merstrasse 32 AS'rcn’A-KINO, u. ’.'.ez., Hernalser Hauptstrasse 156 Von Freilag, 4. bis Montag, 7 Jänner 1924: KOFLERPAHK-KIWO, 16. Bez, Kofierpark 12 ®CKLOSS-K!NOi 12. ßez , Scniosstrasse 4—3 SBS53 Öslerr. Filmlndustrie-Gss.m.b.H., Wien, VII. BBEBR ROTENTURM-KINO WIEN, 1, FLElSCimARKT 10 Ab heute bis 17. Deze^’b^r m letztt jim Norcliffher (Jro3sßlm in 7 Akten nrU rlaz ... Programm Beginn der Vorstelmnc-en : JA5. 7 nnd 3/49 Uhr fleyleiim sik einer ersikla-S’goa Kfinstlerkapell» Lowen-Kmo, HL, Lswevsaste 33 KBwwwmBBBHaaaaBMa Sümstsg des 18. Dezember und mit großem War der Ztaatsoper Tie Vorstellung wird ein besonderes Ereignis werden! “1SCQ : Sichern S'e ncb Karten! Sichern Sie sich Karten! Erscheint jede« Ireitag central-kino -ifa-palast-kino- II. BdzlrkJahorstraBal) fichwodonbrUcKo Samstag, Sonnu. Fa'ertage Beginn 4 Uhr Vorstellungen: '/,e, 7, V,9 Uhr abends heute bis 17, Dezember leibundKrtpel mittler berühmten Charakter- QjQfjj)' SWäOSOA und daB übrige Proz ramm Loben aussehen müßte, deshalb glaubt ihr sie niemand vom Publikum nn fyifrtt und wenden die gesamte Ansmerksamk-eit dem Kinde ^u. Und die Carenne ist aber wirklich gut. Nur bettelt sie nicht fortwährend um die Sympathie des Publikums wie ihre Kolleginnen von drüben. D.hr gut ist auch spritz Kortner. Ein viehischer Kerl, der sogar glaubwürdig gut boxt und eine Sterbepze-ne hinlegt, die an Naiuralitstik nichts zu wünschen übrig laßt. E-onst erinnert er etwas zu viel an SchünzÄ. Alfred A b e l spielt mit liebenswürdiger 'Salbung einen überlegenen Menschenfreund. Ange-- nehm und stimmungsvoll ist bas dunkel gehaltene Milieu, in dem di? Handlung spielt, und sehr gut die Photographie. „Goldene Träume." Ein amerikanischer Film, der den Toiletten nach mindestens vier bis fünf Jahre alt s-ain dürfte, der mangelhaften Ausleuchtni g der Interieurs nach sogar noch viel älter. Die Handlung, deren Untertitel ein aber nicht eintretendes Dyn^mitattentat verspricht, ist ziemlich 'wüst. Es wird vom Anfang bis zum End? geboxt, geschossen, verfolgt und geflüchtet. Gespielt wird eigentlich durchwegs gut. Auch die Regie versteht es, Spannung und Tonrpo in die dürftige Handlung bineinznbringen. Außerordentlich gm sind die Aufnahmen, die sich mit dem Wanderzirkus und dessen Menagerie befassen. Auch eine hier agierend? Ri sendcrme mit immensen Dimensionen ist schr gut und gibt viel erfreulichen Humor. Die übrigen Darstellerinnen fangen erst zu gewinnen an, wenn es sich um sportliche Leistungen handelt, in denen sie alle wirklich brillieren. Natürlich kommt hier auch ein kleiner Junge vor, der ja für se-den amerikanischen Film das unentbehrlichste Requisit zu fein scheint. Was die ReitMnen in diesem Film anibelangt, kann man nur die mangelhafte Photographie bedauern, die die hier gebotenen wirklich ausgezeichneten equilibristischen Leistungen nicht richtig zur G.lltung kommen -läßt. Vor zwei Jahren noch hätte dieser Film hier bestimmt Aufsehen gemacht, heute ist er leider schon im wesentlichsten überholt. Die Filme der: Woche. „Das Kind der Wildnis." Amerikanischer Exllusivfilm in füns Akten mü Dorothy Green m der Hauptrolle. \-,f „Mutterher z." Ein fesielndes Schauspiel mit' ^lona Matthasovsky, Fritz Greiner, der kleinen Gäda Lazar und adneren ersten deutschen Darstellern. „Der Brandleger von St. Othmar." Sensationsdrama mit Hanny Meiste und Paul Hartmann in den Hauptrollen. „Die blonde Geish a." Ausstattungsfilmoperette von Georg Okonkowsky und Ludwig Cerny. „Die Abenteuer des Kapitän B e n t o n." Schauspiel in sechs Akten mit Thomas Meighan in der Hauptrolle. „B o h e m e." Rach dem Roman von Henry Murger. mit Maria Jacobson, Usche Elliot. Walter Janssen und Wilhelm Diderle. „Dem Winde ent g ege n." Ein französischer Abenteurerfilm (Pathe-Prbduktion) mit Leon Mathot in der Hauptrolle. „Der Blinde von St. Martin." Exklusivfilm der schwedischen „Svenska"--Filmfabrik mit einer sehr spannenden Handlung. „Das Weib und der Krüppel." Amerikanisches Sensationsdrama in sechs Akten mit dem bekannten amerikanischen Künstlerpaar Gloria Stvooson. der temperamentvollen Schauspielerin, und Elliot Dexter, dem getvandten Darsteller, in den Hauptrollen. „Z w i e s p a l t d e r H e r z e n>" Französisches Drama mit Mdm. Lisseivka und Rimsky in den Hauptrollen. .. Peter Paul Feiner wieder in Wien. Der bekannt« Regisseur ist wieder in Wien eingetroffen, um di« künstlerische Dberleituüg d?r „Berit as" Film Co. Wien, abermals fixi übernehmen. Irn Boriahr« wurde unter seiner Regie das Kolossalgemälde „Der Graf von Essex" hergestellt, wclcher Film seinen Namen mit einem Schlage weltberühmt macht«. Dieses Jahr verfaßte und i-wszenierte P. P- Feiner den „K a u f m a n n v o n B e n e d i g" und unter seiner Regie ».reinigten sich die größten Bübnen- und Film'künstler Deurschlanids. Die Berlechfirma in New-Aork, die diesen Film kaufte, hat P. P. F'Irrer zur Ilraufführung. die noch in diesem Winter erfolgen wird, einaeladen. Wie wir hören, boa'bfichtigt P. P. Feln.'r, in der nächsten Zeit einen großen modernen Film in Wien zu inszenieren. Bühne und Kunst. Kaltnekerr „Sie Schwester". Renaissancebiihne — Gastspiel Jda Roland. Seit -der Aufführung seiner „Opferung" im Deutschen Volkstheaber weiß man, daß dieser von der Tuberkulose im 82. Lebensjahre nlödergestveckte Hans Kaltneker «in Dichter war und einer der edelsten Zeitgenossen. Die TuberkelbaMen hatten leichte Arbeit. Dieser Jüngling verzehrte sich in Gram über die Rot der menschlichen Kreatur. Die Grausamkeit, die dumpfe, wirre Enge, di? Traurigkeit des menschlichen Daseinversetzte ihn in Fieberglut des Mitleidens. Hier fand die totbringende Krankheit ein warmes Nest vorbereitet . . . Kaltnekers Mysterium „Die Schwester" ist mit Herzblut geschrieben. Es gilt dem ungeheuersten menschlichen Leid „Verlassenheit", gezeigt an dem Schicksal eines homosexuellen Weibes. Ruth, feit den Kindhertsjahren in sich gekehrt, bange und traurig, entbrennt in Liebcsverlangen zu ihrer Stiefschwester Lo, verführt sie zum Aeußersteu und wehrt sich leidenschaftlich dagegeu, daß ihr die Geliebte von einem Manne genommen wird. Lo, das belle, gesunde Ding, ist nach der widernatürlichen Ereignung jener Nacht verstört, wird aber durch schleunigste Bereheiichung gerettet. Ruth, die bis nun bloß daS Schicksal ihrer Veranlagung trug, nicht ohne heimliches Glück, wird nun auf die Straße gejagt und muß ihren Leidensweg gehen. Betäubung durch Arbeit — Betäubung durch perverse Lust — Betäubung (nein, jetzt schon Erhöhung!) durch Hingabe für die Unglücklichen ihres Geschlechtes — Krankenpflege im Spital der Dirnen — Entlassung wegen erworberrer ansteckender Krankheit — Gosse. In der allegorischen Schlußszene umgeben die Sterbende jene Enterbten, denen sie ihre Schwester!lebe darbrachte, und preisen Ruth, die Erlöserin. Mit dein heiligen Mute der Verantwortung, mit der Freiheit der keuschen Seele (die kein Ilmbiegen der Worte kennt) und mit itoi; Erregung Ides Mtleidendcn ist das — der miserable Terminus lautet nun eimanl so — „heikle" Thema behandelt. Nur Verderbte oder Verkümmerte können Anstoß nehmen. Selbstverständlich, wie könnte cs bei einem Zwanzigjährigen anders sein, sind nicht alle Szeiien und alle Dialogstellen Eigentum Kaltnekers. Man hört nntunter Wedckir d und die Stimmen der bekannten Expressionisten. Manches ist überspitzt, und eine Szene, die nämlich, wo der Spitalsarzt die Krankenschwester lächerlich roh und dumm behandelt, scheint uns mißlungen. Aber den ganzen Abend wird die stärkere die höchstpersönliche Stimme des Dichters laut, und immer wieder erweist sich im Bau der zehn Bühnenbilder ein Dramatiker von außerordentlicher Begabung. Jda Roland war an diesem Abend so groß, daß der G-edanke, 'der rote Dichterjüngling könne diese Gestaltung seines Geschöpfes nicht sehen, f-ehr schmerzlich war. . . Die leidvolle Ruhe in den ersten Szenen, das jäh aufschießende, sofort vom Kummer bodrängte Glücksgcsühl, das ihr Antlitz in den Liebesszenen mit der Schwester spiegelte, und dann die Stationen des Leidensweges — alles ergreifende Kunst der Gestaltung. Gehoben wurde diese Leistung durch dje Jugendfrische und Lebendigkeit ihrer Gegenspielcrin, der hochbegabten Hilda Wegener. Auch sonst unter Leilnug von Hans Brahm, der auch im Deutschen Volkstheater die „Opferung" inszenierte, ein wüvdiger Abend. Nur Herr Teubler war zu laut und Frau Eis schien nicht immer zu verstehen, was sie sprach. Außerordentlich geglückt das Bacchanal der Honwsexuellen (gleichsam in den Rahmen eines Traumbildes gestellt), sehr zart die Szene Ruths vor dem Schlafzimmer, der Schwester. Bei dieser Premiere eines Dramatikers, der längst unter der Evde modert, pfiff einer schrill und voll Verachtung. Tut nichts, der tote Jüngling hat auch für ihn gelitten. O. A. Mn Theoterstandal im Keim erstickt. In der Renaissance-Bühne. Währenid der Prom-iere von Kaltnekers Mystevium „SHe Schwester", welche das Schicksal einer Homosexuellen behandelt, schien es einen Augenblick, daß ein arger Theaterskandal di« Fortführung der Premiere unmöglich machen werde. Nack) einer Szene, in welcher die perverse dieigung der Heldin des Stückes besonders kraß behandelt ist, ertönte ein schrille Pfiff, dem einige Rufe des Unwillens über das Stück folgten. Fast das Mtsamte Theaterpublikum, das von dem Ernst der Dichtung ergriffen war, nahm gegen die Ruhestörer S ellnng und einige über die Demonstrvn'en entrüstete Besucher der Premier«, beförderten die Ruhestörer, kurz eiyschlossen, zum Saale hinaus. Die Vorstellung wurde dann unter begeistertem Beifall zu Ende geführt. Nach dem letzten Fallen >des Vochanges sprach Spielleiter Hans Brahm einige Morte. Er dankt« dem Publikum für die Ehnmg des toten Dichters. Der Aufführung wohnte auch der Zensur-Beirat in einer Log« bei und entschied dahin, daß die weiieve Ausführung des ernsten, literarisch wer r "'n Merkes z» gest-atten lei. „Die Hose/ Neu« Wiener Bühne. Mas Karl Stern heim schafft, scheint kalier Bosheit zu entspringen; und wie er den deutschen Menschen «abkonterseit, das ist nicht Karikatur, in welcher doch wenigstens Haßliebe steckt, sonkdern so etwas wie Mordlust, Sadismus, Frende am Entblößen von Wunden. Dieser Sternheim ist abstoßend im höchsten Grade, aber sein« Dichtung bleibt immer anziehend, weil sie Chronik ist. Chronik deS Deutschen „aus deS Fahrhunderrs Beginn". Und Vivisektion. Freude am Bloßlegen. Schon ihre Sprache ist unmew'chlich. aber auch sie viviseziert peinlich genau daS Wesen M Deutschen, wie ihn di« Laune der Natur

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