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Wiener Morgenzeitung · 1923-12-13 · Heft 1734 (13.12.1923) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1734 (13.12.1923)
Date
1923-12-13
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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I Deik 4 Men, Donnerstag Wiener MorstenzettunN. Mira Bulöbranlovics vor den Teschwornen. zweiter Berhmdlungstag. Die Verhandlung wuroe gestern nur Harb 10 ll-.-r fortge-- sttz: unv zuerst der Zeuge Ernst Stülp nagrl neuerlich vorgenommen. Er bittet zunächst, einige Aufllanrngen geben zu dürfen. Präs.: Sie dürfen heute nicht versuchen, Ihre gestrige Aussage zu verwässern. Sie scheinen sich nicht darüber klar zu fein, und -auch im Publikum herrscht diese Ansicht, daß auch das Verschweigen gewisser Dinge für den Zeugen strafbar ist. — Zeuge: Ich gebe ja ohne weiteres zu. — Präs, lthn umerbrechend): Das brauchen Sie nicht zuzugeben. DaS war ein Fehler, den Sic gemacht haben. Die Angeklacste erhebt sich und bittet um» Wort. (Zum Präsidenten gswewdet): Sie übersehen, daß der Herr Zeuge eine gesevliche Berechtigung hatte, gewisse Dinge nicht zu sagen. — Präf.: Einen gesetzlichen Grund kenne ich nicht. — Angekl.: Der Zeuge mutzte sich doch . . . — Präs, (sie unterbrechend): Sprechen wir nicht weiter darüber. Der Zeuge fährt in seiner Darstellung fort: Ich nröckte Ocute nur hinzu fügen: Diese innigen Gefühbe, die ich für Miliea Bnkobrankovics heute natürlich nicht mehr empfinde — aber ich muß doch alles in seinem inneren Zusammenhang barstellett, ich, der ich Milica Bukobrankovics am meisten belasten mutz, auch ihre Lichtseiten schildern, die mir sie wert gemacht haben, und das will ich run und davon will ich mich nicht abbrinaen lassen. Präs.: Sie tun so, als ob man Sie daran hindern wollte. --.Zeuge: Ich habe den Eindruck gestern gewonnen. — Präs.: Nein, Sie können alles, was gut und was schlecht ist. <ur6> alles, was in den ZusMmnenhang -Märt, alle Eintelbeiten vor dem 3. Juli Vorbringen. Ich will zunächst wissen, warum Sie die vergifteten Lebensmittel zur Sette geschafft haben und wieso es gekomunu ist, patz die Lebensmittelproben vertauscht wurden. Sie haben ganze Rede^ sreiheir. Sie sollen sich verteidigen, weil Sie sozusagen in die Nolle des Beschuldigten hineingvdrängt wurden. — Zeuge: Ich fühle mich nur insofernc schuldig, als ich vielleicht der erste Anstotz dazu gewesen bin. Verteidiger Dr. Kraszna: Herr Präsident, ich bitte, mir ,u sagen, mit wem ich es zu tun habe: Mt einen: Be^ schuldigien oder einem Zeugen? — Präs.: Bitte, ich habe ganz deutlich gesagt, datz er moralisch, aus einem gewissen Gefübl de? Gentlemcnts heraus, einen Teil der Schuld abgenonrmen habe. Zeuge: Ich habe mir ein halbes Jahr mein Gehirn darüber zermartert über das Warum, was kann die Beschuldigte getrieben haben, eine derartige Tat zu begehe::. Wenn man einen großen Einsatz wagt, muß demgegenüber doch wohl ein großer Gewinn stehen. Welchen Gewinn hätte sie durch ihre Tat haben können? Ich sehe keinen, nicht den geringsten. Zn: Gegenteil, sie hat sich durch ihre Tat rät jedem Falle in dir größte Gefahr begeben, ohne die Aussicht ans irgend einen Nutzen. Wo soll der Nutzen liegen? Meine Familie, von der sie weiß, daß ich an ihr sehr hänge, erkrankt schwer. Ich selbst auch, ich war am schwersten krank. Nehmen Sir an, ich gesunde und meine Familie geht zugrunde. Hat sie als gescheite Person, als die sie doch immer hin-gestellt wird, auch nur mit einem Gedanken daran denken können, daß dann eine Verbindung zwischer: ihr und mir möglich lväve. selbst wenn ich nichts von der Sache gewußt hätte? Ich halte das psychologisch für einfach unmöglich. G«e Geschworne: Der Herr ZerM h« gesrern gesag:: „Ich bebaute jeden Tag und jede Stunde, datz ich sie nicht mehr bei nur habe." And dm: Herr Präsident hat, wie ich vermuu\ wohlmeinetch ergänzt: „Wenn bas nicht passiert tvar-e." linb der Herr Zeuge hat die Worte des Herrn Präsidenten wiederhol!. — Zeuge: Ich werde das Gute, vaL ich bei ihr kennen gelernt habe,' weiter schätzen. Aber ich will das sagen, ich muß das sagen u m m e i n e r s e! b ft w i l l e n. Und wenn mir vor geworfen wird, datz ich zurückhaltend bin, daß ich nicht -aussaoe. wie man <£ mochte, so mutz ich eben so aussagen, wie ich muß und nicht wie andere es wünschen. Das will ich nicht, da? tue ich nicht, daß kann ich nicht. Präs..: Da mutz ich Ihnen schon energisch Vorhalten: Wer wünscht Venn, daß Sie anders aussagen? — Zeuge: Ich möchte jetzt an die erste Frage anknüpfen. Ich sei» ursächlich ircru, wie bfcft kluge Person mit kalter Ueberlegung gehanSetr haben soll; selbst wenn sie Rachw ha::^ n'chnren wolle:: an mir, hätte sie ein viel wiriungsvolleres Mittel gehadl- — Präs.: Zum Beispiel? — Zeuge: Sir hätte mir geschäftlich so viel schaden können, was ntich viel meyr getroffen hatte als vielleicht dieser Giftmordversuch. — Bräs.: Der eine macht es so, der andere so. Dee Zeuge erklärt schließlich: Ich toerve mich von jetzt ad kv Antworten enthalten. Ich werde scheu, ob ich antworten kann oder nicht, ich glaube kaum, datz die Behandlung, die mir enteil wird, geeignet ist . . . Üluf dir Frage des Präsidenter:, lvas er zu oeu: (Heftändnis kr Angeklagten gesagt habe, daß sie ein Liebesmittel in die Leben!.nnit'wl hinetttgegebet: hätte, erklärt der Zeuge, daß er .'anib;-? 'betroffen war und nicht daran glauben 'wollte. — *■1»r « 'Itrotirm wäret: Sie betroffen? Ein Liebrsmitttl ist doch nickt- Schlimmes, cs ist eine Dummheit. -- Zeuge: Wenn man vier Wochen krank gewesen ist, har man wohl ein Recht, n.-l.essen nr sein. — Präs. Warum haben Sie das Paket nicht -rbrochrn? — Zeuge: Ich war so deprimiert, ich wollte nichts mebr öaoon Horen. D:c Diskussion dreh: sich nun lange um die Frage, twamt die Ä-tacktag:? dem Zeugen offen einberaaur: hat, daß die LakuLnrnr-I Bl-.'Äveitz enthalten. Der Zer «ge «Kart. Milica bak ihm niemals ein volles Gsständnis abgelegt. Mut habe iit:- i.-)K>: MiiteilurtZLN auch den Eindruck gowinnrn können, d rß? -im um eine Undvrfiwtigkeii handle. d 'äs.: Harten Sie kr: Eindruck, datz die AngeKagte r- Sr r« s ivn rdiaes begangen hat? — Zen«e: öatte^ich danrals noch ttüfo gedacht. — -P 7 ä: Sache? 7 ä'-: „Schone mich, auf nteine Tat st«ch: lebenslanger werter." >'»rg e: ..>a. gÄvitz,^ aber das -wo--, rät ehveiu tt-uu.c-i Z-ett-- punkre cMwssn. Ifch frage nnch Herne: ist es nicht tnÄglich ftvivei-m. saß sie damals damit auf nach ei-ten größeren Ginuwchcn wollte? -- Präs.: Für mich ist es wichtig, zu mrsscu, ob Sie aus dem B."Uralten der Angeklachr". .-n.nomuten haben, daß «ckvaS StraftersS peschvhen' ist - - .-'»c n-ge: D a? g c w i tz. Auge kl.: Ich «:utz leidrr/ichchrllen, ---atz sich -H-rrr S-mipu^g-.! mr:. Bon robenslangen: Kerker habe ich nie aeftirochen. Ich vin auch heute der Ansicht, daß ich ilicht -hrche:"gahöre, sondern einem Arzt. Der Prchidcn: öeg. ag: nun >r.m. .il.-ug.-n, ob er sie Le-- osnsmttrelprobeit, welche lhisi eurhielten,- in i-ditem Btlroau durch voMourmen neue auSgrävechM habe. Dcr Zeuge erwidert, daß er die -hchSere in -gan.', nette Säcke tmikcrte, Beitrt UmMlen habe er sine:: TeÄ der vergftrerc'.t Alengsn vertextoik, — iPräZ.: Wissv Ämvmt rs. Hatz m diesen PEW. bei der UnteLs-uchuntt kein Gift konstQiiert werden konnte. — Ze uge: Vielleicht durch einen glückliche» Zufall. Ich weiß es nickrt. Eine Gaschwo-rne: H:rr Zeuge, warun: -lvär« die MvglickLeit einer Ehe glvischen Ihnei: Md der DtAobranrodkL MtSgoschlossen -gewefeit, im Falle Ihre Frau Gemahlin zugrunde qegattigen wäre und Sie nicht gewußt hätten» datz die Dukobrcmkovics an ihrem Tod die Schuld 'tragt. -- Zeuge: Ich hätte nie wieder gcheiratet. Machen rm Äuditormm.) — Präs.: Wissen Sie, daß die Angeklagte gesagt Hat, er hätte mich wahrscheinlich nie gsheiratet. w.'il er andere gehabt hat. — Angek l.: Bftte, so habe ich es nicht gesagt. Ich habe gesagt, ich glaubte, Grund zur Eifersucht zu haben. Ich tvar daher nicht sich«» ob gerade auf mich die Wahl gefallen wäre, tocitit der Herr StApnagel noch einmal geheiratet hätte. Pray: Das war» viel verlangt aeivesen, datz Ihnen der Herr Stülpnagel vocher eine BestäMrtrg gihj... — Angekl.: Herr Vorsitzender, eure Frau hat so viel Feingefühl, daß sie das selbst merkt. — Prä-s.: Es gibt Frauen» dte daS Feingefühl manchmal int Stiche laßt. Wo war Ihr FeingeMl, als Melden armen Mbert Pkffl brschulbigt hckben? — A ngekl.: Stehe ich noch einmal unter d?r 'AnNage wegen Verleumdung? Ich protestiere dagegen. — Bert.: DaS Fräulein Vukodraukodics war nicht auf die Gattin eifersüchtig, sondern aidf andere Mädchen. Herr Zeuge, sprechen Sie sich darüber frei aus, damit Klarheit darüber geschaffen wird. Warurn hätten Sie die Vnkodrarrkopics tmter keinen Unrstänkn geheiratet und warum mutzte sie das wissen? --Zeuge ^zögernd): Ich möchte das eigentlich nicht sagen. Weil ich von ihrer vorstrase Kenntnis hotte. Präs.: Haben Sie chr das gesagt? — Zeug«: Nein. — Bert.: Wenn Fräuiivin Bukobrankoivics oö darauf auMlegi hatte.^Src von Ihrer Frau wegAubringen, wäre das diesem Mädchen mit seinen glärrzenden Anlagen geglückt? — Zeuge: Nein. — Angekl.: Ich möchte eines seftstellen, was auch^Herr StApnagel gesagt hat: Ich habe nie von Herrn,Stü'lp::agei verlangt, datz er mich heiraten soll. -— Präs.: Nachdem was Sie gestern erzählt haben, war eräimal davon die Red? und es hotte goheitze»: Niemals. Herr Stülpnagel ha: auch von den großen Leidenschaftsansbvüchen enMsit, die dieses Wort niemals hervorgerufen hat. — Angekl.: Ich bitte, die Sache ist mir nicht gleichgültig. Sic ist füi nrich als Frau vor: großen: Wert. Ich härre genug Männer gesunden, die mich geheiratet hätten trotz meiner schrecklichen Vorstrafe, die ich ganq unschudig bekommen habe. Ich habe es nicht notwendig gehabt, mich e i n e m M g n n e a n d e n H a l § z u w e r s e n. Ich bin Herrn Stülpnagel nie nachaerannr. Ich alaube, ftder Frau mutz die Gedri-kd reißen, wen:: ihre Ehre systematisch in den Ko: gezogen wird. Äs d-ec Präsiden: an den Zeugen die Frage stellte, ob n sticht mit der AngeNagstn darüber gesprochen habe, wie sic zu dieser Tat gekommen sei, springt Milica B-ukobrm:kovics auf mrd unter den Rufen: „Ich kann nicht! Ich kann nicht!" eist sic fius Saaltür Hinaus. Zwei Iuftmfoldaten folgten ihr rasch wach. Im Einverständnis mit dem Berteidiger wird die Verhandlung auch in dlbwefencheit der Angeklagten fortgesetzt. In Beantwortung der letzten Frage des Prästdenter: sagt der Zeuge Stülpnagel: Ich habe ihr gesagt: Um Gottes willen, wie kann ein Mensch mit deinen Geistesgabett zu einer alten Hexe geliet: und sich eüi Mittel gebet: lasten? — Präs.: Habet: Sie mrä ihr nicht über tett Fall vom Jahre 1A8 gesprochen'? — Zeuge: Nein. Präs.: Was ha: irr über das Motiv ihrer Tat gesagt? — Zeuge: Sie habe es aus BerselM getan. — Präs.: Das ist gan.q Sie selber har gestern zugegeben. datz sie es aus Groll gegen Sie und abffichtlich getan hat. Wie kann mnu denn aus Versehen Bleiweitz äi zwanzig Pakete hineingtzbrn? — Zeuge: Sä; hat mir genau erklärt, daß es Müst oljrnc Versehen war. Später hat sie es anders daraestellt und einem Bevsehen schuld gegeben. — Präs.: Haben 'Sie ihr nicht gesogl, daß oav ein Unsinn ist'? --- Zeuge: Möglich. Nach der Vechaudluivsspause wird auch die Arrgerlagte wieder heremgesührt, und der Verteidiger bittet für ihr Verhalten von vorhin, wo sie.den Saal so fvrntlos verlasset: hcche, \m Ewtschuldigung. Es sei ein NervenMsammenbrnckj gewesen, verftärrdlich bei einer Fron, di.- .-,ut txm Vrori: lebt. Der s)etkge S t ülpnagel wird. neuerlich l>erei-ngetatfett. P r äSagen Sie uns, .Heo: Zeuge, von vem ist die Jdr-r ausgvgat^en. daS Päckchen StmEtzucker, in dem Blei-Wertz war, untersuchen pr lassen? — Der Zeuge nach emigsm Zögern: Ich mutz es ja sagen. Meine Pause.) Bon Fräulein Bukobrankovics. — Präs.: Und was sollte dann gesagt werden, wenn das Ergebnis der Untersuchutrg bekamrt würde? — Bettle: ES ist beim Einkauf eben drin gewesen. Ängekl.: Ich kann nur sagen: Wen heute einer käme und sagt, es sei alles tttcht wahr, was da vorgeführt wird, er Kckbr es gctuacht, so würde ich es auch glaubet:. Ich Hab-: das schon gestern hier gesagt: Dir Sache ist wie ein böser Traum, ich kamt «s nicht verstÄM. Es ist getschchrn, ich 'bedauerr es m:- enÄich, ich würde alles?*:>., um ei ungeschehen svu mache«, und habe auch alles getan, um die rollende tAigol aufzuhalie«. Ich bin versichert, Herr Stülp naget ist ein Ehrenmann und er will die Wahrheit sagen. Aber c§ sind Dinge, die schon .zwei Jahre zu'cückliepen. Präs.: Warum haben Sie, Herr Zeuge, als sie ihr Geständnis hörten, -nm ihr nicht vollkommen Schluß gemacht? — Zeuge: Ich ijabe sofort ihr gesagt» setzt mutz es ein Ende sein Mischen uns. Ich 'bitte dich nur um eines: datz tot während meinet Krankheit mi Geschäft bleibst. Uräb obgleich die Verhaftung ihr drohte, hat sie meine Bitte erfüllt. DaS ist ein Zug von ihr, wie ich ihn ntir schottet nicht denken lkatm. Ein anderer Mensch an ihrer Stelle hätte die Gelegerchett benützt, -',u verschwindet:. Sie hat aber bis zum letzten Tag. wo sie verhaftet wurde, ansgcharrt. — Präs.: Vielleicht wäre rs arrMsallen, wenn sie plötzlich ihren Posten aufgegebett hätte. Der Zeug.e erklärt dann ans Befragen des Verteidigers und Des Präsidenten, datz er infolge der Meiweitzvergiftnrrg eine schtvere Kranket torrchm-achie, starke Schmerlen hatte uud sick) sogar erschießen wollte. Seine ^kran-kheit habe mehrere Monate gedauert. .?<cyt fühle er sich -wo-yler denm je. — N räs.: Stellen Sie Ersatzansprüche an di? Ängeliaaro? — Zeug c: N - räi. Der Hausarzt. Der u.üW-c Zc»,pist Dr. Hugo Pta: f.!iv, on: vtr-■ i, der bk Tyatitific toähtktw ihrer .Hta:?T:;::t be>;guNll. ha:. Ist Znni unirbc er zun: ersten Male gu einen: 'der Söhne ge- Eti hMatzischr mt MMWMimmsmg, vsrjchmd 13. DezvnGer 1928 Nr. 17St , irgendein Mittel tmd sagte, tvrnn es ettvaS schlinmter tvnde» sollte, möge inan ihn vemä»:digen. Drei Tage später wurd er rteuerdingS geholt. Präs.: Herr StÄpnagel hat gestev» gesagt, Sie hättet: ihn amt 8. Juli tal-ephonisch geraten, d« Lebensmittel wegmgeben. — Zeuge: Davon ist mir nichtl bckcrrmt. — Herr Stülp-nagel wird mm mit Idem Zougcn kon>- frontierl. Cr bleibt bei seiner Behauptung. Die Angeklagtt ruft: Bitte, das habe ich gesagt. Der Äpzt epzählt dann, daß er Äe Anzeige machen wollte Äs er die Diagnose ans Bleivergiftung gestellt hatte. Hen Stülpnagel ersuchte ihn icdach. bis grm Cmtveffen der Untev suchungsresultctte p: warten. Ich habe natürlich, sagt de» Zeuge, noch immer nicht an einen Giftmordvevsuch, sonder« an die Folgen einer LebenstnittelfälschnM gedacht. In dräsem Sinne habe ich auch die erste Anzeige erstattet. Beim Wcggchev nannte mir Frau Konegcn auf nteine Frage, wer denn dft Lebensmittel besorge, und wer in dem Geschäfte ihres Schwü gersohneS angestellt fei. den Namen Buko. Darauf fragte ich: Wer ist das? Sie erwiderte: Das ist ein Fräulein Vukobranko vics.?lls tust die Frau auch den Vornamen Miliea nannte, sagte ich: Ja, daS ist ja die. von der vor vier Jahr«' in den Zeitungen Äe Rede war. Da mutz ich natürlich soforl eine frische Anzeige machen. bin dann noch spät abends zur Polizei gegangen und habe die Anzeige gegen eine bestimmte Person gemaall. Frau Dorothea Stülpnagel. Bevor idie Zrugin Dorothea Stülpnagel hercmge rufen wiÄ>, bittet die Angeklagte, während der Vernehmuni dieser Zeugin den Saal verlassen m Mitten; Der Präsident erlaubt es. Präs,: Warum sind denn am 3. Juli Ihve Lebens Mittelvorräte plötzlich beseitigt worden? — Zeugin: Düein Mann hat gesagt, er lwbe telephonisch mit dom Arqt gesprochen der die Meinung auSgedrückt hat, die ÄäbenSmittel müssen weg, sie enhalten offenbar Äift. — Präs.: Won dem Geständnis der Vnkobranfiivics habet: Sie also nichts gewußt? — Zeugin: Nichts. — Verteidiger: Und dicsts iÄephonvsche Gespräch Hai gar nicht stattgefunden. Herr Stülpnageß wollte offenbar dag Gcheimnis der Miliea nicht preisgeben. Präs.: Wie stehen Sie denn mit Ihrem Mann? — Zeugin ilebhaft): Wir haben immer sehr aut mit» einander gelebt und leben auch heute noch in best« Harmonie. — Präs.: Bei den häufigen Besuchen der BuL» branlovics in Ihrer Familie ist Ihnen nichts ausgefallen? — Zeugin: Ich habe nichts gehört und nichts erfahren, ich weist nur. datz mein Mann sie wegen ihres Fleitzes und ihre: Tüchtigkeit gern gesehen hat. Aber „a n s o w a §" habe ich nicht gedacht. Dapt habe ich sie für viel zu intelligeltt gehalten. -- Verteidiger: Haben Sie Ihren: Vtanne so was zugetraut? — Zeugin: Auch nicht. — Berteidiger: 'Dir haben Lben beide für ausg^cichuete Dien scheu gchaiten. Ms nächster Ze::ge wird der Packtische Arzt Dr. Inlins Löwh voogerufe::, den bk Artgcklagte hMzrend ihrer -Schwaltgrojcha'taufgesucht hatte. Unmittelbar nach dem Zeugen tritt die Brrkobrankovics in den Saal und sagt erregt ^uit: Borfitzetiden: Ich bitte, dieses Verhör wieder unter Ausschluß der Otffeirtf!(ir?eH zu fict)ton. Der Bovsitzende läßt den Saal räum«: und der Zeug» wird m gel>eimer Verhandlung einvernommen. Um halb 2 Ub, tritt eine gveistündige Pause ein. Di« RachmittzaOverhandlung. In der NachmütagKveöhcmdluug wurde die rä.eugui Dorothea Stülpuagel noch eimnÄ vorgerustu. Aus Aufforderung des Präsidenten faflt sie der Angektagton ins Gesicht: Jawohl Fräulvin, als ich schon sehr faau! war, hoibr:: S-i: mir, als. Sie vsi uns warn:, gesagt: ,Msetr Sie doch -nur von dem Zwieback, gnädige Fr:.,, er ist votMplich. Au ge kl.: Der Wir: lädt den Gast zum Essen c:n. abe. der Gast animiert doch nie den Wirt^WMgre-ifctr. Es?> "ocl> -ganz widvrsiuig, was die Zougn: da sagt. Präs.: Ob es wideüsinuig ist, das tverdet: cmo Ge schwornen etchschoiLen. Ver-ierdiger: Ha- Fräulein Bukobrankovics ieses- NUÄ bei Inen gegesien, livenn sie drausten war? - - Zeugin: Häuftg, aiber -nicht immer. Als es «mr auffisl. daß iie nick: essen wollte, begründete sie -dies mit einen: Magenleräci:. Präs.: Sie soll sich m-Mchtn-trl auch Milch uritgebracht babe::. wenn sic ,pt Ihnen kam. — Zeugin: IÄwohl. Präs, (zur AmgeRagton.): Das ist doch sehr auMtlig. Sir wollten den Vcvgisde-ten -Speisen aus-weichen und haben sich darum gleich Mttlch -mitgvbnacht, ltoe das beste Gegemnittcl gegen Gift ist. — Ange-k'l.: Sie tun mir wieder Unrecht,;Hevr Präsident. Mein Arzt bat mir damals Misch verordnet, bsi meinem Magen-leiden habe ich damals fast nur von Milch geleibt. Uebrigens habe ich auch für Herrn Stülpuagel 'häufig -Milch -besorgt anti) wenn er nicht inS Bureau kan:, -ualhn: ick sie chm nach Haus«, wenn er mich .ymm Besuch eirvlud. Daraus -können Sie mir dock keinen Strick drchen. Präs.: Sie haben cbsn für alles eine ErMrmng, aber man findet auch noch eine andere, eine tv-eniger harntl-o-fe NävlMg für Ihr Tun. Der tdächst« Zeuge ch Deo ITljÄhrigc Ernst Si: li pnagel, der «Mer seine Erkrankung berichtet und erzählt, daß er an ÄpM-rklosigke'it, an Eribrechrn und Stuhiboschwerdet: -b'i:. -- Präs.: Wissen Sie, wann die verdächtigen LeibmSmittel au-sgoschiedsn wurden? Zeuge: Das war an: Iutt. — Präs.: Woher wissen Sie dieses Datum so genau? Zeuge: Meine (Nrotzumttar yut -üibeir unsere .ManlheitsMschichte ein Tagabuch lwfühvt, daher weiß ick dos Datum. Ptz äs. («U'it Beto-lmng): Die Frau war sehr Wug. Düs cs Da-gelbuch wird nnZ sehr zugute konvmen, der AngeMagdsn ave:: unbeguen: werden. --- Angekl. (orrggt anfsipr-mgeud): Im Gegen-t-ell, das -ist für «mch sehr günlstrg. Der Präsident hält dam: der AngMagt-et: vor. baß siR rän Laufe der Uitterfuchung auch wiedechott 'tont llntei'- s-uchung§richter beteuert halbe, ->s müsse noch eine Avcilc Person Gift in die &efen&miM gemengt haben, als sie dies beveräs ei-ngest-Llli hatte. „Wk bonnten Sie, FrouWin,^dM: Nichtfccr so ungeheuerliche Dinge -erzäihleu?" sagt der PräsDeui. Angekl.: Iv'aer käni-pft nm seine Existenz, Herr Hosrat. Wenn Die an m«rä:er Stelle wären, wüüden Sie auch so handeln. Präs.: Nem, -ich Mrde die Mahrhell sagen. Angekl.: Alls I-hmn spricht der Richter, aber nicht der Mensch. — Präs.: Auch als Röenisch würde Äh sagen, va-- häbe ich geta:^ so habe Äh gelhanidAt. Nun humtpeTi em «A>es Mütterchen, die 7«iiährigc Frau Karoline cktonegen, Mutter der Frau Dorothea Dt-Apnaaei, in den Saal. Sie erzählt, daß sie -sinrn eigenen Ha::-8halt fuhr-:, obwohl sie in «in«em Hause mit.der Tocht-er woihm und datz^ ist nur, Äs Frau Dorothea Stutpnagel erkr-anft-e, in der Küche mit-gchovfet» hat. Sir gibt weiter an, sie solbst sei -wie kttnick -geworden. — P räs.: Wann ist >Ihre Tochter erkranlk:? . Zeng-i n: Das kann ich -gen-au sagen, an: IQ. Juni. Ich Äva««che nur -in -mviu«,:: Änst-eichuungan n-achArs-öhen. Oöi-efft rä> - chmn SM-;) «Wr 8. .IM wpvett!Äe Mch« Lttvik,

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