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Wiener Morgenzeitung · 1923-12-13 · Heft 1734 (13.12.1923) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1734 (13.12.1923)
Date
1923-12-13
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Ur. 1734 Wien, Donnerst gehn Millionen Goidmart wöchenMK Kr Ne krwerbrloseMrsorge im besetzter» Gebiet! Berlin, 18. Dezember. (Spezi-aldienist --er „Wr. Morgen» zoittmg".) Die „Vossifche Zeitung" nw'Pb-et aus Stuttgart: Der wurttembergische Firmnzminister hat im Stuttgarter Verein der demokratischen Partei einen Bortrag über die finanzielle Lage Deutschlands gehalten. Danach beansprucht die Erwerbslosen für sorge im besetzten Gebiet wöchentlich Kehn Mllionen Goldmark. Hören die Zahlungen auf, so sei mit dem Verlust deutschen Landes zu rechnen. Werden aber die Zahlungen fortgesetzt, dann sei der Zusammenbruch der Rentenmark sicher. Nach der Stillegung der Notenpresse müsse das Reich bis zur Bilanzierung des Etats mit den von der RentenbanL zur Verfügung gestellten 120» Millionen Rentenmark Auskommen. 550 Millionen davon seien bereits angewiesen, 400 Mllionen schon in den ersten 14 Taigen verbraucht woriden. Es sei der schleunigste Abbau der staatlichen Verwaltung und damit des Beamtenakpparates nötig, da sonst der Zusannmnbvuch der deutschen BoMswirtschaft unabwendbar sei. Stinner will die Bahnen und die Mchrbank. Berlin, 12. Dezember. (Spezialdienst der „Wr. N!orgenzeitumg".) Der „Vorwärts" teilt mit, daß der Sinnes- Konzern der Reichsregierurig eine Denkschrift überreicht habe, in der die Uobergabe der Rei chseife nbahnen an eine Privatgesellschaft vorgeschlagen wird. Nach einer anderen Meldung soll die Frage schon das Reichskabinett beschäftigt haben. Es wird darauf hingewiesen, daß die Schwerindustrie mit allen Mitteln darauf hinarbeitet, auch die Reichsbank irr ihre Hände zu bekommen. Sie nützt dabei ihre wirtschaftlichen Rechte als Kreditgeber in der Roichsbank aus. Seitdem das Reich die Kredite für die Eisenbahnen gesperrt hat und die Eisenbahn auf ihre eigenen Ein-nahrnen angewiesen ist, die die Msgcvben nicht decken, ist die ReichsbcrrÄt^r'walt-urrg auf die Kredite der Industriellen angewiesen. Zu diesen Kreditgebern gehört in erster Reihe der S t i n n e s - K o nzern, der während des Ruhrkampses die Lieferung von englischer Kohle besorgt hat. Anscheinend wollen die Industriellen weitere Kredite nur bewilligen, tvenn ihnen bestimmte Zusicherugnen gegeben werden hinsichtlich der Auslieferung der Eisenbahn an eine von der Industrie beherrschte Privatgesellschaft. Im Reichskabinett soll der Gedanke einer solchen Auslieferung der Reichsbahnen an das Privatkapital schroffe Ablehnung erfahren haben. Der ,vorwärts" bleibt trotz eines Dementis der „Deutschen Allgemeinen Zeitung" bei feiner Behauptung. Veriinvernngcn in der ReparatümskommWon. Paris, 12. Dezember. (SpezieMenst der „Wr. Morgenzeitung".) Der italienische Delegierte in der Reparationskcmmrission, d'Ameglio, verläßt fernen Posten. Er.wird durch den Generalkonsul Korfi, der zuletzt italienischer Vertreter in der Repawtionskomurission in Berlin war, ersetzt werden. Auch der belgische Vertreter Bemelmans verläßt bekarrntlich am 15. d. den Posten und wird drucch den fetzigen Kabinettschef im belgischen Wnistermm des Aeußern, Gutt, ersetzt. Frauenstimmrecht in Frankreich. Paris, 11. Dezember. <(Tschecho-slotvakisches Pveß- Lureäu.) Die Kammer verhandelte heute den Jmtiativeutwurf betreffend Einführung des Familienstimmrechtes. Danach wird das allgemeine Wahlrecht auch auf die Frauen ausgedehnt, doch erhält jedes Familienoberhaupt, und wenn der Vater gestorben ist, die Mutter, außer dem eigenen Wahlrecht so viele Stimmen, als minderjährige Kinder vorhanden sind. Leuemugslrawake i« Paris. Paris, 12. Dezember. (Spezialdienst der „Wr. Morgeuzeitimg".) Bei .Kundgebungen von Angestellten für die Erlangung einer Teuerungszulage kam es zu Z u s a mm enstöße n. Mehrere Offiziere der Munizipalpolizei, welche die Menge beruhigert wollten, wurden hin und her gezerrt und mußten sich schließlich zmückziehen. Ferner haben die Manifestanten auf der Place de la Concorde den Chef der Munizipalpolizei und seinen Stellvertreter zu Boden geworfen und verprügelt. Schließlich schufen die republikanischen Garden Ordnung. Sie republikanische Bewegung irr Sriecheuksnb. Athen, 11. Dezember. (Agence d'Atheulcs.) Eine Abordnung der republikanischen Parteien ersuchte gestern Plast! ras, die Regierung möge noch vor den Wahlen eine Entscheidung bezüglich der Entfernung der Dynastie aus Griechenland treffen. Plastiras erklärte, der Regierung sei es nicht möglich, ihre Entschlüsse gu revidieren. Die Frage des Regimes könne vor den Wahlen nicht gellst werden. Nach den Wahlen werde das Volk berufen werden, sich mittels V l e b i s z i i 8 für die M n a r ch ie o d e r d i e R c- '> >b >l i I auszusprechen. Mt Lage in Masten. Poris, 14. Dezember. (Wolsf.) Ota'ch Meldungen aus Manila halben sechs Zerstörer der amerikanischen Flotte in den asiatischen Gewässern Befehl erhalten, im Hinblick auf die Lage in Kanton sofort nach Hongkong abzugehen. Wiener MovWttreitüns. Zionistische BvLiekSsrktiim Leovoldsllüdt Keule Donnerstag den 19. d. M., präzise 8 Uhr abends, im Caf 6. Bürger, 2. Bezirk, Praterstrahe 11 Generalversammlung Tagesordnung: 1. Referat: „Die Lage im Zionismus" (Oberbaurat Stricker) 2. Tätigkeitsberichte 3. Neuwahlen in den Ausschuß 4. Wahlen zum Parteirat 5. Referat: „Die künftigen Aufgaben der Zionistischen Brzirkssektion" (Gemeinderat Dr. Plas chke s) 6. Eventualia Erscheinen aller Mitglieder Pflicht! ÄDttbericht. Irr letzte Streiktag. Der Mrn'isterrat trat gestern mittags im Parlament zufammen, um über die Streiklage zu beraten. Die erbitterte Stimmung der Bevölkerung kam in zalllosen Entschlüßen zum Ausdruck, die von den vevschiedensten wirtschaftlichen Korporationen an die Regierung geleitet würben. In dem Wirtschaftsleben i ft ein kaum zu übersehendes Chaos eingetveten. Sämtliche Banken und Großfivmen Wiens und Osster- -veichs haben unmittelbar nach 'dem Ausbruch des Streiks einen K u r i e r d i e n st eingerichtet. L u n denbu r g, Preß bürg und Znaim waren mit einem Male Brennpunkte der österreichischen Wirtschaft geworden. Insbesondere Preßburg war als die nächst erreichbare tschechische Stadt das Ziel von tansen>den Augestellten Wiener Häuser und die Landesbahn hatte seit Montag einen ungeahnten Aufschwung ihrer Einnahmen zu verzeichnen. Alle Züge waren überfüllt, dep Grenzkontrolldienst wurde. zwischen den Stationen Berg und K i t t s e e verdoppelt. Die Postbehörde in Preßburg hat sich auf den Andrang bereits eingestellt und eine Verstärkung des Dienstes vorgenommen. Auch die Flugpost bringt täglich ganze Pakete mit Briefen und Auiftvägen für Wiener Firmen mit. In de.r Provinz hat man den gleichen Weg eingerschlagen. In Tirol und Oberösterreich wandert man nach Deutschland, in Südsteiermark auf das jugoslawische Gebiet. In unterrichteten Kreisen schätzt man den Entgang an Gebühren ans viele-Milliarden. Trotzdem ist der Schaden für die Kaufmannswelt kaum abzuschätzen und es wird lange dauern, bis die Dinge wieder in das ruhige, Geleise kommen. Das kaufmännische Gremium hatte gestern Verla utzbart, daß es einen Kurierdienst für Briefpost eiu-richten wolle. Das Aktionskomitee der Streikenden trat dieser Absicht entgegen und erklärte die Beförderung derartigen Kuriergepäcks durch die Eisenbahnen f ü r S t r e i k b r u ch. An den Grenzstationen ..ist cß gestern vielfach ausgefallen', daß die österreichischen Revisionsorgane Personen beanständeten, die Briefe für mehr als eine Firma mitführten. Ein Reisender wurde in der Station Berg, da er sich auffällig benommen hatte, einer Leibesvisitation die ergebnislos verlief. _ Dar erste radiotelephonWe Gespräch zwischen Amerika und Europa. Der Präsident der Vereinigten Staaten Coolidge hat gestern r a d i o t e l e p h -o n i s ch ini t England gesprochen. Seine Rede wurde von den englischen. Zuhörern um 1 Ähr 30 Min. früh (nach englischer Zeit) gehört. Coolidge erklärte, es gereiche ihn: zur großen Befriedigung, daß er radiotelephvnisch der Freundschaft zwischen England und Amerika Ausdruck geben könne. Er hoffe, daß ähnliche Geispräche häufig fein würden. AassenschWerverbrechen und ritterliche Genustmrng. Aus Budapest wird uns berichtet: Wie erinnerlich, fanden int Frühjahr 1920 in Verbindung mit dem Fall des Szegedincr Oberrabbiners I m manuel Löw gleichfalls antisemitische Ausschreitungen au der Budapest er Technik statt. So wie jetzt, in den verflossenen Tagen, wurden auch damals die jüdischen Hörer zum Verlassen der Lehrsäle anfgcfordert und wer dieser Aufforderung nicht sofort Folge leistete, wurde hinansgeprügelt. Als am nächsten Morgen der jüdische Student Georg Lukacs Erknndigungen über eine Prüfung cinholen wollte, wurde er von niehreren Angehörigen der studentischen Brachialfonnation, die danials an der Technik bestand, ergriffen und trotz seines Widerspruches, seiner Ostgenwehr nnd der Berufung auf seinen Rang als Reserveoffizier und Besitzer der goldenen Tapferkeitsmedaille mit samt einen: zweiten Kollegen unter schiveren Mißhandlunger: zun: Donauamt verschleppt, wo die beiden jüdische:: Studenten von ihren rassenschützlerischen Kommilitonen gezwungen wurden, bis znm Hals ins Wasser zu steigen. Lukacs erstattete dainals lvegen dieser 'Kergewaltigung, da eine Anzeige gegen die Angreifer n:: tz l o s gewesen wäre, die Anzeige gegen sich selbst und bat das Offizicrsehrengericht um die Feststellung, ob die Behandlung, deren Opfer er gelvesen ist, mit seinem Charakter als Reserveoffizier vereinbar sei. Jnzloischen hat Georg Lukacs als Opfer des'Numerus clausus ins Ausland gehen müssen, wo e'r seine Studien beendete. Nachher fand er eine Anstellung in einer Buda- 13. DeMZer 1923 ' Me'3 pester Fabrik. Bor einige:: Wochen nun, also drei Jähr< nach dem Vorfall, erhielt Lukacs die Antwort der ehrenrätlichen Behörde auf seine Selbstanzeige. Die Entscheidung läutete, daß das Vorgehen Lukacs als gerechtfertigt befunden wurde und ihm aufgetragen werde, von seinen Peinigern auf ritterlichem Wege Genugtuung zu fordern. Lukacs entsprach der Aufforderung und letzten Samstag hat das Duell, daß die Sekundanten Zwischen ihm und dem' einzigen der damaligen Bande,, der heute noch aufgespürt werden konnte, dem gegenwärtigen Bankbeamten Andreas Andor vereinbart hatte, tatsächlich stattgefunden.Der mit Säbeln geführte Zweikampf endete mit der Kampfunfähigkeit Lukacs'. Die Akten hierüber werde:: dem ehrenrätlichen Ausschuß unterbreitet werden. Aehnliche Ehrenangelegenheiten sollen, wie „Magyar Hirlap" meldet, noch der gleichen Erledigung harren. Das ist wahrscheinlich die bequemste Art, wie in Horthy-Ungarn die alten und vielleicht auch die neueren Verbreche:: 0er rassenschützlerischen Studenten und ihrer Auftraggeber liquidiert werden. Die Verbrecher gehen frei herum und erhalten täglich Aufmunterung zu neuen Verbrechen und die Opfer müssen sich, wenn sie sich von,den Folterungen erholt haben, noch glücklich schätzen, sich auf ritterlichem Wege neuerlich zusammenhauen lassen zu dürfen. __ Sie Braut des Merften Lsztenburg. Das Verhör mit -er Komtesse Eszterhazy. Preßburg» 12. Dezember. (Eigenbericht der „Wr. Morgenzeitung".) Im weiteren Verlaufe der Untersuchung hat Konüesse E s z t e r h a z y ihr Geständnis auftecht erhalten, jedoch die sie kompromittierende Korrespondenz dahin modifiziert, daß ihr die in Warschau aufgefundenen Briefe von dem Diener einer auswärtigen Mission in Budapest gestohlen worden seien. Damit läßt sie die Erzählung vonderWarschauerKonspiration fallen. _ Fames BleichrSder unter Kuratel. Berlin, 12. Dezember. (Spezialdstrrst. der „Wiener Morgenzeittmg".) Ueber James B'leichröver, ein Mitglied der bekannten Berliner Familie, soll die Kuratel verhängt werden, doch ist die abschließende Entscheidung der höherer: Instanz, bei der >das Verfahren zurzeit noch schwebt, noch nicht ergangen. In erster Instanz ist allerdings ein bekannter Berliner Rechtsanwalt, der seit Jahren, die Vertretung -des Hauses Bleichröder inne hat. zum Kurator bestellt worden. Der Äntra-g auf Knratelvechängnng erfolgte wogen Berschwe,:- dnng, da James Bleichröder, der älteste von den setzt lebenden drei Brüdern, in letzter Zeit unglaubliche Ausgaben gen:acht und eine selbst für das Hm:s Bleichröder schwer erträaliche Verschwendung gctricben hat. Bekanntlich ist einer von den drei Brüdern, Hans Bleichröder, der Ma-r.n Maria Orskas, bereits vor Jchren unter Mratel gestand?n Las Mrliche SchMudget der Gemeinde. Rund 356 Milliarden für städtische Schulen. Einengroßen Vvuchtorl des Gomeiudsbudgotsfür bas Folw 1624 nchmen die Ausgabe:: für das Schulwesen -ein. Sie bclauifensich aus >run'd Z 6 6 M i ll i a r d c n Kro n e u, vo-n .denen der größte Teil auf die Volks- und Bürgerschulen entfällt, für die im Voranschläge nicht wemger als rnud 631 Milliarden vovgeschen sind. Datzon crnsallen 18 0,4 M i l l i a r d e n K r o e u -aus die B c z ü -g t des Schulp crso nale s und 71,6 Milliarden Kronen aus die Ruhe- und B e rso rgungsgenüsse'ber Lehr, personeu. Für Lehr- und Lernmittel in deu BMs- und Bürgerschulen sind mit 2Qß Milliarden Kronen veranschlagt, wovon aus die K lasseu-lektnr e und Bücher SP Milliarden eutsallm. Die Beheizung der Schul-räume erfordert 19,6 Milliarden und die B el euchtu.wg 3-6 Milliarden Kronen. Die Reinigungsgegenst äude werden rund,eine Milliarde und die B erwallu n g d e r st ä d t i s ch e n Schu l h ä u s e r,u:chr als. 18,4 Milliarden Kronen losten. Die Fachschulen sind in: Boranschlaye mit cin-er AuHgübeusumme von mehr als 9,6 M illiarde n Kror.en enthalten. Den größte:: Teil dichs Betrages, näinlich 8,1 Müliomn Kror.en, beansprucht der gesetzliche Beitrag der Gcureinde zuu: F o r t b i l d u n g 6 s ck l f o n d s. Nach den: Borauschlage werden -im Jahre 1924 die M i t t el -s ch u e n der Gem-oinde n:chr als 851 Millionen Kronen -kosten. Davon entfallen allein auf den persönlichen .Aufwand sü-r die Lehrrrakademie nu'd für sonstige Lehranstalten 376,4 Millionen Kronen, der sachliche Aufwand für da? pädagogische Institut der Stadt Wien erfordert 3V4-6 Millionen, die Lehrmittel für die M-ittelschul-en 72 Millionen und die Lchvbücher für -s rem de Sprachen für diese S-chulon 50 Millionen Kronen. Die AnSgaiben für den S t a d t s ch u l r a t sind mit -170,2 Mi tlionen, für Stipendien miit 183,5 M'.llionen amd ,nr d.-e Lehrerarbeitsg-em ein schäften mit 16 M-:ll:o-nen Kronen vera.Us-chi a-gt. Die Koster: für die Schülerausspeisaug betrageu .nach dem Voranschläge für das Jahr 1924 minb 14 Milliarden, die Bezüge der 41 Schulärzte und der 7 Aerzte in den Schulzahnkliniken 408,8 Millionen u.nd die Bezüge der 7 zahnärztlichen Assistenten au den Schulzahnkliniken und die Pauschal-ieu der dort beschäfti-gtM Schulwarte 106,6 Millionen Kronen. Am besten u kaufen “ff Sie im iSchiffmann II., TabarstraSe 48?eie|thon 47*1«79 En gy»s 8b Metall

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