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Wiener Morgenzeitung · 1923-12-13 · Heft 1734 (13.12.1923) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1734 (13.12.1923)
Date
1923-12-13
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Wfte? Men. Donnerstag Wiener Morftenzeitung. 13. Dezember 1923 SK. 17» affiftenten. W heute vormittags 8knftell«ag des Unterrichtes. LentichlandWe und Anschlutzprovaganda. Lärm im Nationalrat. Da die Verhandlungen ,;ur Beilegung des Poststreiks gestern nachmittags noch nicht beendet waren, entfiel der eigentliche Grund für die Natioualrarssitzimg, die'nur zu dem Zwecke eiriberuftu worden war, um das Besoldungsgesetz zu verabschieden. Man glaubte nämlich, daß bis Aachrnittag der Friede mit den Beamten schon hergestcllt ieui und dar» Parlament die Aufgabe haben werde, das Abkommen formell abzuschließen. Da man also nichts Besseres zu tun hatte, verhandelte das Haus eitlen sozialdemokratischen Antrag, für die Notleiden den Deutschlands zey u Milliarden zu widmen. Die Sozialdemokraten benützten bi' Gelegenbcil, um sich wieder einmal exzessiv deutschnatioual zu gebärden und den -Großdeutschen Verrat an der Anschlußidee. vorzuwerfen. Es kam Nil-ei, icobd.un sich die Großdeutschcn größte Zurückhaltung auierdegten. m widerlichen Lärm szeneu und B e- ' ch i in p f u n g e it. Der. Berichterstatter Dr. Waber /vielte hierbei eine r-echt unglückliche Figur und seine Argumente für die Ab- ^ckyniing ae-> Antrages roareir herzlich ungeschickt. La'sagte er u, a. eme Nothilft von Staats ivegen im Betrage von <-OO.OM Friedenskronen würde des deutschen Reiches nicht entsprachen. Mau rief ihm. min zu, er 'könne mehr beanrragrn. Er meinte aber, auch 7 Millionen Friedensh-üitcit wäre nur eine Verkleinerung d e r N o t d e s aeur scheu Volkes. Diese Aeußeririrg rief bei den So- .Achdernornkraien lebhafte Heiterkeit hervor. Als der Präsident Bi i kl a s mit Rücksicht ans een Ernst des Verhandlungsaegenwandes zur Ruhe mahnte, beschimpfte n die S ozialdemokraie n den Dr. Waber. Abg. Hölzl tief 'hm zu: ie treibenmir der Ehre e: dent- 'chen Volkes S cd i n d lu de r!" Dr. Eisler nannte Waber einen „Entente kn echt" der hier eine Zimmer^ mannred; balle, und als Waoer geendet hatte, ging das ch i ru p f k onz e r t ocr SoziazdLUlolratcn mir verstärkter >>raf: los. Laute. Vfuirufe ertönten und, als die "'roßdmrrsch.'n Wabe r in Schutz nehmen rvoU'tcu, schrie aie Linke unausgesetzt.' „Judas, Judas!". Der Sozialdtemokrar Abranr. k-r als erster Redner in der Debatte sprach, uanure die Bernerar der Mehrheit erbärmliche Menschen, die sich hier als Repräsentanten des deutschen Volkes austpielen. Dr. Wader übertönle den lebhaften Beifalu der diesen Worten folgte mir dem Rufe:„Sie Schürte! Es ist eine Schu rkerei, s o etwas zu s a g c u!" Ter Präsident ries A b ram z u r O r d n u n g, woraus d;e Link auch beit Ordnungsruf für Waber verlangte. In dein, allgemeinen Lärm nannte der Christlich soziale S p a l o v § r h A b r a m einen ordinären Schimpfbolb und eine Schande für die Deutschem Der Präsident erteilte Spalovsky und Dr. Wabrr den Ordn.u ngsruf, worauf schließlich Dr. Waber mit den Worten den Saal verließ: „Ich lasse mir eine solche Beleidigung nicht gefallen. Ich lasse mir meine Gesinnung nicku in dieser Weise in den Staub ziehen!" Es sprachen dann iu>ch der Großdeutsche Ei'efsin und dar Ebrinüchsoziale Volker für eine Privarhilssaktion ugnnfrcn der Notleidenden in Deutschland. Abg. Leuth- »er nopelie schließlich die Großdeutschen und Christlichsv.Z'.alen und nannte sie erbärmliche Knechte der Entente, hkicht durck, bloße Sammluirgen könne dem deutschen Volke geholfen werden. Heute sei die Frage zu entscheide-u, ab sich die Mehrheit als Teil des deutschen Volkes bekenne, ob die vielen Beschlüsse für den 'Anschluß an Las deutsche Volk und an die große deutsche Republik W a h r h e i t s d e r L ü.ge waren. Heute müsse ausgesprochen werden, ob die Politik des Bundeskanzlers diesen Staat soweit gebracht hat, daß er nicht einmal iu einer Sache, die seine Empfindung und 'eine Ehre betrifft, frei, vom Diktat der 'Entente handeln könne. Bei oer Abstimmung wurde o e r s o z i a l d em o k rai-iche Antrags mit 86 gegen 66 Stimmen abgrlehn i und die Resolution des Ausschusses angenommen, in welcher die Regierung ausgefordert wird, die Hilfsaktionen der Bevölkerung .für Deutschland •, n unterstütze it, da der österreichische Staat infolge 'einer politischen, finanziellen und wirtschaftlichen Verhältnisse nichr in der Lage ist, von Bundes wegen der reichs- ^"irscheu Bevölkerung wirffrme Hilfe zuteil werden zu lassen. Rnchfte Sitzung heute 3 Uhr nachmittags. Jugoslawien. Fjnr SLdbahodirektimr iu Laibach. Belgrad, 12. Dezember. (Spezialdienst der „Wiener wcorgen;eitu.ng".) Da das Eisenbahnnetz der Südbahnassellschafr bereits iw verflossenen Herbst in staatliche Vorivalmng übern-onnnen wurde, wird am 1. Jänner in Laibach eine neue Stuatseiscrrbahndirektion errichtet. .Hrcr-durch wirdi« A g r a m e r Direktion, der bisher auch olle StaatSbahnen in Slowenien unterstellt 'waren, wesentlich entlastet. Ungarn. Rn halbWriger Budgetprovisonum. Mit weiterer Anspannung de» Notenpresse. Budapest, lll. Drzsinbsr. (Uitß. Teil.-^Lorc.-Bur.) In 2er : i-ons.'deÄ«'-MMldg wurde ein s e ch L >m o>n a: i a e s p'udtzi4tpvov'isop.rnm -inst MirtjanMt. b'-s Ende .Zn-n: Der Verband der H t> chf chulassrsterrte rr hat in seiner gestrigen BvlldersavmÄung Einstimmig einen dreitägigen Proteststreik gegen die Behandlung, die bei der gegenwärtigen zweiten Etappe der Gehaltserhöhung den Hochschulassistenieu zuteil wunde, 'beschlossen. Der Proteststreik, der für Donnerstag, Freitag und'Samstag angesetzt ist, wird sich ans eine vollständige Einstellung des Unterrichtes seitens der Assistenten an allen Wiener Hochschulen erstrecken, ahne daß diesmal die sonstige Tätigkeit der Assistenten (zmn Beispiel Krankendelrieb) in Mitleidenschaft gezogen wird. 1924 arigenotnvmen, wo An -die Regierung orwächrigl wird, bis zur Flüssraniachung der ausländischen Anleihe zur Deck n >u g des Desi.;>it s des Staatsbau:bcrlteS vvur staatElchen 9! oteni ust:tu: einen Krtdii iit Anspruch zu uMmen. Zer gelbe FleS. Budapest, 12. Dezember. Die erwachenden Studenten T)i:lrert Montag abends eine Sitzung ab, in welcher die „Forderungen" der magyarischen. Studentenschaft angenomnun wurden, welche unter andevem die Errichknrg des jüdischen Ghettos fordern sowie die Anordnung gelber „Abzeichen" für die Inden. Der Dekan der philosophischen Fakultät, Michael Pekar, wurde von einigen Sirrdenten insultiert. .Heute bliehen sämtliche Zugänge zu der Universität wiedemm von ftudeutischeu Wachen öesttjr. zu Ausschreitungen kam es aber nicht, denn di« jüdischen Höver stellten sich zu den Vorlesungen nicht ein. Der Block der liberalen Abgeordneten ist wiederum bei Minister Baß eingeschritten und der Abgeordnete Benede? verwies auf die Forderungen der Studentenschaft, mit welcherr sich diese direkt gegen di« Vorkehrungen der zuständl-- gen Behörden wenden. Abgeordneter Bencdek fordert, daß die Angelegenheit der studen tische.n Kameradschaftsverbände geklärt werde sowie baß sostyefteM wird, welche Ziele diese verfolgen. Es sei eine Unmöglichkeir, daß die Studenten sich in itte$Qfan Organisationen zrlsammenwtten. Abgeovduoter 'Bagisonhi verlaugte, daß die Subverrtionen aufgehoben würden, welche nicht direkten Schub- und UnterrichiZJwecken dienen. Abgeordneter Rassai wies aus die Strafgesetze hin und forderte Einschreiten der Gerichte und der sonstigen zuständigen Behörden. Minister Baß betonte in seiner Antwort, daß die Regierung di« voMommene Ordnung zugefichert habe und macht daraus aufmeriksam, Äaß an der Universität unver-> antwortlich« Elemeitbe ihr Wesen trieben, deren Sicher-- stelluug die Aufgabe der Polizei sei. Di« Personen, di« den Dekan Pekar insultiert hatten, wurden verhaftet. Die Abgeordneten der Opposition nahmen die Antwort Baß' zur.Kenntnis. Der Studentenfichver Nagy erklärte, daß der Zmtralverband der Studenten mit den Vorgängen vom Montag nicht übeveinstimme -und sie vevurteile.. Di« Stlrdenwnorga-nisationen erhielten stvengsten Befehl, sich jeder Mtion ftruFuhalten. Wer diesem Befehle nicht Forste leistet, gegen den tverde das strengste Diszrplinarvevfahven «iugeleitet. Die an der Funfkirchner Universität studierenden christlichen Hörer verlangten gesterrr an° läßlich einer Vorlesung im Hörsaale für Anatomie die Entfernung der jüdischen Höver, wobei mehrere jüdische Studenten tätlich all gegriffen wurden. Nach Erscheinen des Rektors trat Ruhe ein. kin Erlbstmordversuch Marfftzr. Budapest, 18. Dezeiuber. (Speziüldienft der „Wiener Morgenzeitung".) Aus amtlicher Quelle tvird mitgeteilt: Ter wegeu des versuchen Bombenattentats gegen di« französische Gesandtschaft in Haft befindliche Bankbeamte Mar ff!) versuchte heute in der Zelle Selbstmord durch Erhängen, doch wurde er daran verhindert. Budapest chue Auslauüemeldaugeu. Budapest, 12. Dezenrber. (SpeMdienst der „Wr. Morgenzeitung".) Auch Budapest wird durch den ösderreichischen Telephonstreik sehr ilnangenehin in Mitleidenschaft gezogen. Die hiesigerr Zerrungen, die ihr Auslandsrnatevial zumeist durch telephonische Uebermittlung von Wien erhalten, müssen, zmnal die Berbirrdung mit den übrigen Nachbarstaaten schlecht funktioniert, durch den Streik gehemmt, fast ohne D«r i ch t e a n S d «m AuS la nd erscheinen. Jas Recht auf Kriegsertliiruns. Rom. 16. Te-zem-övr? Rach Mätt2r-'me.lÄ'ngen aus /W a j-ii i-.r.;to u ist!>.':» K-o-?. g r eß eine En-ichließ'-mg unte.rdrei-:et .worden, wonach der Präsident iKib ^e..; Äongreß e-ir.f u - K; >: g nst roch B':frag»m st '^"rch -ckmen. l -'i n! *: c ru ji <iK;j »> ■ai’lräwU ÄÜWl!, Akademikern, bi« mindestens mit 35 Prozent, Wckhungtz« weift 40 Prozent der Leistwngsbezüge bedacht ivurden, nur die Hochfchulassistenten mir 20 Prozent eingesetzt. Alle Bemühungen im Bnndeskanzlevainrt, im Finanzministerium und bei den politischen Partei««, «ine Besserstellung zu erreichen, waren vevgeMch, weKhailb sie in den Streik treten. Ihm sollen sich auch die Demonstratoren au von Hochschulen anschlteßen. Weichzeitig wurde nach lebhafter Kritik der Austritt der Hochschnlassistenten auS der Akademiker, gewerkschaft und dam Roichsvebbamid beschlossen -sowie Gründung einer eigenen Organisation der Gesamtbundeslehrerschaft deschlossen. Paris, 12. Dezember. (SpeziaWienst.) Ans WashrnHton -wird durch Kabeltelegramru gemeDei, daß die amerikanische Regierung üch bereit erklärt habe, amerikanische Delegierte für Vas SachverständigenLomitee zu ernennen, welches von der Repamtionskbm-miPion einge* setzt werden soll, um dft Z a b l» n g S f ä h i g 3 e i t D e u t f ch. lands za prüfen. Lo«do», 12. DkAarndsr. Wie die Blatsrr mellvon, werden die Berei'.digtM Staaten im SachverstänbigenauSschuß durchs einen chenraligon. höheren Finan^vvaMtsn namens Davis Vevlvetsn sein. Sie Verhandlungen bes Bölkerbundrates. Die Bedingungen der kleinen Entenft für die Sanierung Ungarns. Parts, 11. Delzembe-i:. <Wostf.) Der Bölreck-Mbrat hat in der heutigen Sitzung den Bevicht des fchwödifchm Dslegievien Beanting über bk Sklavereifragc und b&n Bericht des Gautschen MrristechnÄsibenden Äbrr bi« liSäuische Minderheitenfrage, die mmmchr geregeili «Ischemt» zur Kenntnis genommen. Nachmittags tagte nur der geistern oingesotzie Uu-tsmusschuß, für die Frage der uugarischrn Sarrievunz. Auf der TageSrnLmung der morgigen üfftut-lichm Sitzung stcht als erster PuM die Saarfrage, wozu Lord Robert Eeoll ein Mc -morondttm u-nteckroitet hat, daL bk GvuMätze bchandeltt, die »ach seiner Auffassung für die Berfahven bei der Coneuurrrrg der iaavländrschen Mitglieder der RiegiewngSkonl-irmssicm maßgebrnö sein sollen. Belgrad, 11. Dezerrnvsr. tzchavas.) Bezü-Mch der Mkgavischeu ArÄeihe haben sich die Staaten der ktleinen Maxiem< dahin geeinigt, daß sie vor Anleihe zustimnnen werden, wenn erstens' 20 Prozent der grfamiten An'ekhe zur Bezahlung der Repavat-ionon vevwendrt wvrlden, die Umgarn iwr Staaten der flehten Entente schuldet, .zweitens in die Reparativ »Skom-miffio-n Midg'Wder X'r kleinen Entente zugelassen werden, um «ine «ventnk>üs Dsrwendung der Anloche yu Rüskmgon gu verhlndsrn. Der deutsch-amerikanische Handelsvertrag. Berlin. 11. Düzemder. <Wo!>ff.) lieber di« Grun^ini^ -er am 8. Dezomibrr in Washington urrteryoichn-vten HandesSvertroges «mit Dswifchland erfährt dar Wolfissrhe Bureau so-lgendeS: Die GvuMage des Vertrages bÄd-t die GÄvZhrmrg ^er gegenfeittgeu Meistbegün^tgu ng. Dar Vertrag gcht .über das nein wirtschaftliche Gebiet wevt hinaus mid bezieht sich auch auf rechtliche., ku.Mrelle uno andere Fragen. Im Vertrag werden folgende Punkte erlcdigt: Ernrc-ise und Nieldierlafsunig, Erwerb und Ilebevtragung vorr beweglichem und unbeweglichem Eigenirrm, AuÄtbmvg des Haudelsgewerbes, Jvtlassung und GrÄndung vonGesolkschafte«, BödsU-iyMg an solchen und dc-ven Nefteuerung, Auß», Ein- und Durchfuhr, Fragen des MufterverfchreS der Hcvrddelrreisenüxnr. Einn, iuisgrierendrn Bestandteil «des Vertrages bildet <m «ftgeneS Konsul« rab komm en. D« Wirkungsdauer der Berivages ist untrt zehn fahren, vom Tage «der R«bifi5r-.ion an gerechnet, Wgcfttz!. Rach dieser Zeit kau« der Vertrag e'njäihwg gekündigt wenden. Dir Reichsregirnlng »ege« Gehaltrerhshungeu der Beamte«. Berlin, 12. Dezember. Tos Roichskabinett hat nach erneuter Beratrutg über die B e a m t e n b e s o l d u n g beschlossen, daß an den beschlossenen geringen BesoDmrgSsätzen zurzeit fest ge halten werden müsse, da die Finanzen deS Reiches eine andere Regelnng durchaus nicht znlassen. Wertbestkindiser Notgeld für da» besetzte Gebiet. Düsseldorf, 11. Dezemiber. ghavas.) Der Maschen Behörde ist es mi Grnvernchmen nvii der Reichs reg ierung gslungen, em gemeinsames wertbestaudiged Noid» geld für alle Gsmemden des besetzte« Gebietes zu schaffen. Die Voröoreüungen sind schorr so weit gedichva, daß, kmvn feine irlUvothergrscheift Störung einitcitt, 4m Jänner , i'üiM her gesamt« MMrdgsbüdarf «des össetzieu Gebietes «uf Weift »nüt Ntertbe-MldMn, Noten gedeckt Mckdmt ^nn Im Regierun-gSentwurf lvuvde von allen Amerika nimm an der SachverWndige«- konfereuz teil? WMWeMi r*- tttttasäflss jag^,gaisi

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