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Wiener Morgenzeitung · 1923-12-12 · Heft 1733 (12.12.1923) · p. Seite 5

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1733 (12.12.1923)
Date
1923-12-12
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nk. 1783 »n, Mittwoch Wiener Movttenzeitung. Üca MobrankMesvvr den Sefchwomen. Gestern «byMM der ans fünf Tage anbemmnte aussch.'n- «veyende Giltmordproze ß gegen di« ehemalig« BurgsrischMchvsvin MRra Vuko>brankov.le8. Es «st ein vich- Gsr S.'nis<vt>ionsprozeß Md der Andrang de« Publikums -mn Schwurgericht Ssacvl war sin gevcrd^l ungeheurer. Seit Mowalen sch die OchsrEchVeiL dieser BechanvKnes mit außer- «ÄxnGicher Gpamioung eutigogen. Die An-ölaige boutete auf versuchten Meuchelmord. BorsitzenLer «ist tzofvat Doktor HaerdtL, dl« Anlage Vsvtcktt Staat Kamwalt Hofvat Doktor Sacher und die VMeidvgung fiLhrt Dr. Hermann Kraszna. Da Miliea Bukrobrankovics während chwr andsrihalbjähvigLN Untersuchungshaft chve VerawbwoE'Ng ständig kvechi'Äte, hcvt die SwatsanwaLischaft di« Anklage auf ei'NM umfangreichen Indizienbeweis ausgcibcwt. In der AnAage wwd auÄgoführt. daß die Angoklagte die Gattin -SHM Chofs Frau Dovollhoa Stülpnagel und deren Söhne Wolfgang und Ernst duirch Bleiweitz. das f>ie verschiedenen Lebensmitteln beigemengt hatte» z-n vergiften verbucht hat. Die Absicht wuvde nur! durch die Anzeige des HauSapM vevoüM. Die Anklage. Im IM 1*922 erkrankte dar Sohn des BevkagMichlhand* feöS Stiüüpnaigol, Molisgang, unit'vr Der>gisr«uinHsenschviMNgon-. Bald nachher traten Ae ich« Symptomvr auch W feinem IKjährigen Bruder Emsst, 'bei Frau Dorothea StülpnxWSl und d«i der Bedienerin der Fami-bie auf, und auch StMpmvgol senior selbst arkraMe. Die io unlheiml>ich um sich givessen'^e« ödrcmlllheitselrschemAwgen waren durchweg MsZivsißvevJkstuntzen. Wie sichevgab, rühot-vu sie daher, daß »in die TcdenKimttÄvorwötd des SiMpnagÄschen Haushaltes ziemr'iche Menigen dieses gsifdigen Wochen Puivvors verteU woüden waren. Frau StMpncrgel hatte zur Herstellung dar SPoiisen drei Wache« hÄLmvch whnuwgS-loS vergif-tete Menge« von Mehl, Grieß, Salz und Znckea verwendet. In den beschlagnahmten LebensmitteAovräden der Speisekammer wurde mehr al)S «Ln halbes Kilogramm Bleiweiß, gut vor-teikt und vevmsscht, gefunden. Diese Menge hätte genügt, um zwanzig Personen zu töten. In einem von d:n Gomchtschemikem nntepsuchten Zwieback befand sich sine ziemlich wirksame Menge Bleiwoiß, aber der Göschmack Reises Zwieibacks «war vor-Kgi-ich. Nach dem Gutachten, der . Gevichtsär.^e hätte vin völlig Gesundor, wenn er 38 Stück dreS lFwi-edacks nach und «ach gegessen hätte, sterben müssen. Noch bevor die Gerichtsärgt« und Chemiker diese Tatsachen festgsstellt hatten, -war bei StiApnagel als Seikretärin dsdienistete 33>jLhrdge Mrlioa BukobranLovicS m dm Verdacht gekommen, die Täterin zu if-sin, weil dor Löbensnrittskeinkauf der Familie StMpnagek fast auSschli>:tznch durch chve Hände gvgango» war. Di« geüichtliche WovuniteiHuchnng diesen Verdacht bestätigt. Mrlioa Bukobrankoivics war im IM 1919 «ach Verbüßung einer Ov-ckiähvi'gen schweren Körperstrafe, von der ihr sin Teil im Gnadenwege uachgesehen wunde, fre-vMllossen worden. Bocher war sie BüvgevsckMehrevin gewesen. Nach einigen bürg dauernden Anstellung^ fand ste im Mai 1920 im Eomptair des BorlagSbuchhändlars Ernst StülPnogÄ einen Posten. Mit dor Zoit entspannen sich zwischen ihr und dem Chef der Firma, Ernst Siülpncigel, lintiime Beziehungen. Sie rückt« ziemlich rasch auf den Posten einer Sekreiärin der VeickagSbuchhand^mg vor und vertrat ihren Chef während seiner Wiederholsten Reisen Wie eine Prvkuristin. Racheplane. Miovechoilt kam Mlica auch als Tust m den Famillien- ErerS StülpnLaels. Im Mai 1928 verlangte sie von ihrem Chef, daß e-r sich scheiden lass«, um sie AN ehelichen. Ihre Schwangerschaft, anscheinend von ihr sökbst als Mittel qmn Zweck gewünscht, gab hierzu dcu Anlaß, wobei sie gleichzMg an Mittel zur Beseitigung dacht«. SÄlipnagsl weigerte sich, und nn Zorn darüber faßte Mlica den Plan, di« Gattin und die beiden Sihue ihres Ghcfs aus dem Wege zu räumen. Ei« kam nun Mf den Gedanken, zu ihrem Racheplan gegen die Familie Stülpnagel Bleiweiß zu v e rwe nden. In dem im HeinrichShof befindlichen Comptoir wurden die für den Haushalt Stülpuagols in der Stadt emgenausten Lebensmittel r-egelmäß-'g gosammÄt und dann durch Diener oder einem der Sohn« un Rucksack in die Wohnung befördert. In der Zwischenzeit konnte M'ilicr ungestört Meüveiß in die Paket« mischen. Die wissenschaftlichen Mordvorbereitungerr. Schon damals bereitet« sie ein« Deranüwortung vor, die P-e'o'-evgifiungen in der Fmnili« Stülpnagol durch das Versehen eines D r o g i st c n (BevweckMmg von Staubzucker und Dleiweiß) zu erklären. Ein Buch, das die Psychologie d e § GiistnrordeS in einer Reihe von belkanntgewordenen Emzelsällen darlogi, war ihr gut bekannt. Inn Laufe des Juni, während nach und nach alle Mt* Glieder der Familie Stülpnagel erkrankten, kam Milica wiederhol-t xlk ^-es-uch ruck war ge-nÄrgt, von den verigiflete-n Speisen n'.irzuesseu, uni nicht Verdacht auf sich zu lenken. Als di« sich hausenden Erkrankungen in der Familie veldücht'ig wlirden, iet der Hausarzt zu einer LebenSrnittetlnntersnckMlg. Ltiilpnagel als Mitwisser der Tat. Davon Lvsichr Milioa, da /Herr StMpnagel die zur «lntersuchung bcist'Mmten Säckchen ins Comptoir mitbrachte. Ae Gefahr e-iner Entldecku-ng ihres Deöbrechens rinsthenld, machte Miliia im Vertrauen auf die Verschwiegenheit 2tülp n a,gels d i esen zum M-i twifs«r ihrer Tai,;tm itfrn «u bestimmen, aus Furcht vor der Oeissentlichkeit die gegen unvergiftet« einzutaufchen. Auf dieses Ansinnen ging Herr Stü'lpnagvl ein. Bei dem Geständnis gegenüber StLlpnagel, durch welches dieser gut Vernichtung der Spuren deS Verbrechens bestimmt werden sollte, bekannt« Milica Bukrtbrankovics ziemlich deutlich di« Mordabsicht, die sie mit chrer Giift-mischerei verfolgt hatte. Ms Herr Stüch« nagol zu seiner eigenen Deckung' ein schriftliches GeständniK verlangte, wurde sie doch vorsichtig und brachte nur eine etwas gewunden« Erklämtug zu Papier. Mer diese ist iim Zusammenhang mM den Airgaben StülpnageilS als ein Geständnis schwerer verbrecherischer SchuAd zu werten. Während der Untersuchung hat Mrlioa VukoibrauEodies ihre Verantwortung wivdecholt geändert, sie den ihr vorgehaltenen Beweisen angepaßt und durch Gegenbehauptungen dir Verdachtsgründe zu zerstrsuen gesucht. Auf dies« Weis« ist ihre gesamte Verantwortung e'wt wirres Durcheinander von Widersprüchen gsworden.. Das psychiatrische Gutachten. Schon awLßbich chreS Prozesses im Ichre 1918 war Vtilies Dukobva'nkovics ÄS geistig normal befunden worden. Auch im Devlaufe des gegc.nwävt!rge>n Prozesses wwrdr sie psychiat«risch rmwrsucht uM> als goistig gesund erklärt. Infolge verschiedener Widersprüche zwischen den Gerichtspfychiatorn ordnele das OborbackdeLgericht die Einholung eines FakultatsgutachtenS an, vn wrlchem MMca BukobvanikodieS gseichfalls als geistig gesund möd strafrechtlich vollkomme» venaniwoctlich bezeichnet wird. Auch öine vorübergehsn'de Bewußtseinstrübung zur Z-rit dr-r Tat.fei ausg.schlossen. In beyug ^uf die Frage, ob bvi der Bukoibrankovies von einer besonderen Nsigung, Hang oder Tvieb qum Morde« gespwchcm werdu könne, sagt das Fakultät SM tachr en» daß bei der Angeblagten Lriebhaftv Momente vermutet worden komvsn. Doch fei eine Feftstelbunig nicht möglich. Die Zuhörer mit Operngucker». WJHrend der Verlesung dor Anklageschrift wende:« sich die Angeklagte, als von Shven Bszitchungon zu Herrn Sl'üp» nagst die Rede war, außowodentiliich heftig gegen die Zuhörer. Sie erhobt sich und sagt M erregter St-iamm: ,Ich bitte um Ausschluß der OHoMchkeit. Eltens, weil diese intimen Dnge di« Zuhöver nichts angchen, und Kve-iwnS, weA ich fehe, daß OperngHLser verwendet werde«. ES ist ei« trauriger Anlaß und man benimmt sich wie Lm Theater. . Bors, (zur AngeAagten): Ich bitte, dmch Ihren Derwiidbger «m:n Antirag stelle« zu Assen. Der Vorsitzende we^t di« Saadiener an, fen« Zuhörer, die Opemguck« verwenden, so gl e »ch a«S dem Saal« zu führen. ‘ Die Verlesung der AMageschrift wird hierauf fortgesetzt. Vors.: Bekennen Die sich schuldig? — AngeN. (laut und beski-mindt): Ich bakenna mich nicht ischwldig. — Bors.: In gar keiner Weise? Angell.: Ich bekenne mich nicht schuldig. — Vors.: Bükennen S'e sich viell.'icht msawoit schuldig, daß Sie -ugeben, in die für die Familie Srü'pnagek bestimmten ÄsbensmittiÄ etwas hineinyeHöben zu hckbrn? — Die Angelklagte wredechoK zweimal: Ich b ele-nne mich in keiner Weis« schuldig. Bors.: Das ist ja nur ein Wovt. — Auge kl.: Ich dm ander Halb Jahre in Unt^uchu ngShaft, davon war ich sechzehn Monate in stronDer Eiinzolhaft. Ich habe selbst eine Gleivergfftung gehabt. Maine Re-vven sind total fertig. Ich kann daher schon Rücksicht vw'angen. — Bors.: Rücksicht werdrn wir «chmsn, soviel Sie wollen. Regen Die sich nicht Mevflüssig auf. Au ge kl.: Am meisten regt e§ mich auf, wenn ich waitz» daß hier Menschen sitzen, die nur hier sind, um sich an meinem Unglück zu weide«, Men-schur, die «ich; zu tun habm als sich stundenlang anMellen. -—Vors.: Scharf« Worte sind 'überflüssig. Das Gesetz verlangt di« OosfenWchkeiit. Sie ist i-n den meistm Fällen so^ar sehr gut. Wenn Gründe des Gesetzes «3 verlarrgen, so werdrn wir die OefiseuMchkert auZschlüeßvn. Darauf. Knmien Dir sich ven!ass>sn. Auge kl.: Wenn Sie von mir verlangen wüpdan, ich soll mich Herstellen und sPHitternackr auÄziehen, so würde da4 omen Schrni der Entrüstunig heTvormren. Die ve^angen von mir äber Ae-ngeres, Die verlangen., daß ich vor diese« neu« gierigsn Leuten meine Deel« enthüllen soll. Dar tue ich nicht. Ich weigere mich mich z»r v«r ran iw orten, solange diese Lru-te hie-r sitzen. Eine GenichtSvechaniMng ist -ein OpereitewÜhvater. Der Vorteidigar bittet den GkoichtZhof, darauf Rücksicht zu 'Ntchmon, das; die Angeklagte sehr leidend sei. Allein Gestarttnis!" Der BertMiiger wesst darauf hm, daß die ,v, >lagit« dadmch seötssch «rschMevt sei, daß sie nun ein Kveites Mal ihre mühsatm .äufgeibante Existmz zenskört sehe. Gr bittdt, von dar Erörterung der Schnldfrag jetzt abznsehen und sagt: Meine Klientin wird sicher «och im weiteren Nrrlauf der Bor- Handlung ein weitgehendes Geständnis ablegon. — Angekl. (mssspri-ngend): Rein, das werde ich nicht! — Bors.: Ttzollen Sie übechMpt wicht antworten? — Angekll.: Nein. Der Verteidiger spricht der Angeklagten ««rerlich zu. Auch der Vorsitzende spricht der Angeklagten begütigend zu und sagr, er wolle sie vorläufig nur über ihr Vorleben befragen. Allmählich beruhigt sich di« Angeklagte. Sie er- 12. Dezemwv 1953 Dekk 9 tch'.ldert, wie sie durch die lange Krankheit ihres VaterS immer verschlossener wurde. Sie wurde simöer Lehrerin all einer Volks, und schließlich an einer Bürgerschule. Im Jahre 1018 hat sie auch ziemlich viel in der Familie, de- Direktorder Bürgerschule, an der sie tätig war. Herrn Pisst, verkehrt. Sie hat auch dem Moüptivsohn PifflS Nachhilfe erteilt. Der Vorsitzende laßt sodann die Anklageschrift audem ersten Giftmordprozeß der Milien Bllbrankovics verlesen. Der Fall Pisst. -dach einigen weiteren Verlesungen fragt der Vvrsitze:td» die Angeklagte: Fühlen Me sich heute noch unschuldig im Falle Pisfl? — An ge kl. (lebhaft): Gewiß, ganz unschuldig. — Bors.: Warum? — Angekl.: Ich habe nie geleugnet, daß ich den Sohn des Herrn Pisst damals verleumdet habe, es ist unrichtig, daß ich damcckS in der Verhandlung etwas geleugnet habe. Ich Hab« mein herzliches Bedauern ausgedrückt, mehr kann ich nicht sogen. — Bors.: Sie haben also „Ihr herzlichstes Bedauern" ausgedrückt. In, finden Sie eS denn heute noch nicht schrecklich, furchtbar, daß Sie damals ein fünfzehnjähriges Kind beschuldigt haben, seine Zieheltern vergiften zu wollen? — Angekl.: Warum soll ich das schrecklich finden. Ich habe ja mein« Handlung mit zweijährigem Kerker gebüßt, damit könnte die Sache doch auch für einen Richter schon abgetan sein (erregt): Ihr« Haltung ist merkwürdig! Wolle« Sie jetzt Staatsanwalt sein oder Vorsitzender? — Vors, (ruhig): Es ist meine Pflicht, Ihnen das vorzuhalten. — Angekl.: Damit man Stimmung macht gegen mich. In der weiteren Erörterung des Falles Pistl sagt der Vorsitzende zu den Geschworenen: Ich muß Sie von vorneherein darauf aufmerksam machen — die Angeklagte wird mir sicher vorwerfen, daß ich Sie beeinflussen will —, daß dis Angeklagte sehr geschickt ist, große Intelligenz hat und glänzend spricht. Wenn man sie hört, glaubt man, alles muß wahr fei ES tritt sodann die Mittagspause ein. Um S Uhr nachmittags wird die Sitzung wieder ausgenommen, aber für geheim erklärt. Der Saal wird gcräwmt und der Boositzende geht nun in die wertere Erörterung der Anklage ein und vernimmt Miklica Dwkobrankovics über ihre B-egiehnngen zu Stülpnage! und die ihr zur Last gelegte E'mschmu"elurrg von Bleiweiß in die für die Familie StÄlpna-gel böstirwmten Lebensmittel. Erst gegen 6 Uhr nachmittags wird die Verhandlung wieder öfferit>lich erklärt und der Vorsitzende resümiert im wesentlichen die Ergebnisse des durchgeführten VevhöveS. Der Vorsitzende stellt fest, daß die-AngeVlagte angegeben Habs, sie sei infolge der erlittenen Frühgeburt in einem Zustand der Schwäche gewesen, auf dem Diwan gelegen und habe in dieser Lage gewissermaßen traumhaft Bleiweiß in di« für Stülpnagel bestimmten Lebensmittel gegeben. Während dies« Zeit habe sie sich in einem Zustand hochgradiger Erregung befunden, könne sich daher nicht mehr an alle Einzelheiten erinnern, doch hckbe SdülpnagÄ im Einvernehmen mit ihr die vergifteten Lebrnsmiticl beiserde geschafft und nur den mit Bleiweiß vrrttien^.c-n Sianb-r-ckrr zuvückbchalten. Das Geftanduis. Vors.: Jetzt kommen wir zu dem Gesräno^?.^, da« Sie Herrn Stülpnagcl machten. — Angekl.: Das dürfte am 18. Juli gewesen sein. —Vors.: Wie kam Stülpiragel dazu, von Jhüen ein f ch r i ft l i che s G e st ä nd n i S zu verl-augrrc? -- Angekl.: Das weiß ich nicht, er hat eS spontan vevlangi. — Bors.: Was haben Sie dazu gesagt? — Angekl.: Ich habe chm erzählt, er hat geschrieben und ich habe e§ unterfertigt. — Dorf.: Was hat er mit dem Schriftstück gemacht. —-Angekl.: In die Brieftasche hat er es gesteckt. — Bars.: Haben Sie sich Gedanken gemacht, ob er es vielleicht als Waffe gegen Sie verwenden will? -—Angekl.: Mir war im Augenblick alles egal. Der Vorsitzende verliest nun den Wortlaut deZ Geständnisses. Es heißt: ,^Ich b.-stätige hiermit, daß ich ni ch t m i t Ansicht und Willens tvar, aber aus Leichtsinn schuld an dem im Iuili 1928 im Hause StMPnagel vorgekommenen Bleivergiftungen trage/ — Das ist so kompliziert gesetzt und gedreht, daß es nur von jemandem stammen kann, der sich schon juristssch mit solchen Sachen befaßt Hat. — Angekl.- Herr Stülpnagel wird wissen, daß ich es spontan abgefaßt habe. — Bors.: Um so staunenswerter ist Ihre Geistes' gegeuwart. — Hat Ihnen Herr Stülpna-gel gesagt, daß er es zu feiner Deckung braucht und haben Sie zusammen besprochen, die Sache soll nicht publik werden. — 'Angekl.: Nein. Im weiteren Verlauf« d:8 Verhöres verladt die Angeklagte neuerlich de« Ausschluß der Oeffentlichkeir. da sie zu ihrer Rechtfertigung delikate Dinge Vorbringen müsse. — Dorf.: Wir ioerden ja die ganzen fünf Tage von diesen Dingen reden müssen. Sie wissen ganz genau, -atz wir irgend welche Sachen, die delikat sind, nicht berühren werden. — Angekl.: lim Himmelswillen, Sie nrüfsen doch denken, daß ich als Frau vor den anderen nicht reden konnte. Sind Sie denn kein Mensch, das Sie das nicht verftchen? —Vors.: Dar versiehe ich vollkommen. Die Angeklagte erzählt dann, daß sie sich in dieser Zeit schr krank Mfühlt habe und in Anbetracht der Km-nkhert ihres Vaters für ihren Geisteszustand gefürchtet habe. Sie suchte damals Bezichungen zu envcr Wahrsagerin und diese, eine Frau Maresch, habe ihr ein nervenstärkrnd.s Mittel gegeben, das ihr sehr gut tat. Außerdem Hab« ihr ein« unbekannte Frau das Abortiv mittel ins Buvcau gebracht, lieber die Farbe, die Beschaffenheit und die' Packung dieses Mittels gibt di« Angeklagte ganz unbestimmte Auskunft. Schließlich wurde Ernst Stülpnagel in gcheimer Dcrhandlung als Zeuge einvernommen. Heut« wird di« chfentlickx' v Handlung fortgesetzt.

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