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Wiener Morgenzeitung · 1923-12-11 · Heft 1732 (11.12.1923) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1732 (11.12.1923)
Date
1923-12-11
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 17K _ Men. Dienstag ' Wiener Myv^en^eitunA. 11. Dezember 19M - Seite 3 AioaMche BezirMMm LeotzvWM In der MgeseWast N-iAl Große Schiffgaste 3 Nest heute präzise 8 Nhr abends Herr Sigmund Haber aus eigenen und anderen Mischen Werken Gäste Willkommens Eintritt frei! Voranzeige: Dienstag den 18.d.M. Bortrag Dr. Löwenherz Zionistische Sektion l. gemeinsam mit Jüdische Tischgesellschaft Innere Stadt Heute Dienstag im Cafe Siller,I.,Franz Josefskai,M^zanin Bortrus Paul Karpeles «b-r „Walter Nathemu" Eröffnung 8-16 Uhr Vortrag 8'45 Uhr Gäste willkommen! Mecho-ElokmN. Außenminister Dr. Benesch Wer die Ausam- «enarbeit der Rationen. Bratislava, 10. Dezember. (Te.l. d. „Wr. Morgen- I Mung".) Dem jetzt in Bratislava stattfindenven Kongreß der tschecho-slo>wakifchen Gruppe der in ihren Zielen der Gesellschaft der Freunde gleichen „Io,ung--M-a>n-C'liristlans- Association" (D. M. C. A.), an dem sich für die österreichische Gruppe Uuivevsitätsprofessor Haber l-e beteiligte, hat der tschechv-sivwakische Außenminister Dr. Benesch eine Botschaft gesendet, in der es unter anderem heißt: Sie wollen sich mit den ernstesten Problemen befassen, die die heutige Menischheit beschäftigen: Mit der Z u f a armen arbeit zwischen den Nationen und dem Weltfrieden. Die Lösung dieser Probleme ist nicht nur Aufgabe der Politik, sondern aller kulturell und sozial denkenden und arbeitenden Menschen: sie können keiner vollkommen politischen Löfu-ng zuge-sührt werden, solange nicht hieM Ler^ Boden durch ehrliche Kleinarbeit unter -den breiten Bollksmassen vorbereitet wird. Unsere. Nation hat alle Ursache und alle Bedingungen, mn innerhalb des Rahmens den Boden vorbereiten zu helfen. ES ist dies vor allem die Position des kleinen mitteleuropäischen Staates, die ihn direkt dazu zwingt, seine Zukunft nicht in einer seinen Kräften nicht angemessenen Expansion zu suchen, keinerlei Streit mit sein«.nNachVarn zu suchen, sondern zu trachten, sich im Gegenteil seine Zukunft durch eine Friedenspolitik, durch fremchschaMche Zusammenarbeit mit den Nachbarn und Befolgung von Methoden und Prinzipien zu sichern, die zur internationalen Harmonie führen. Unsere Nation muß nach Erreichung der Freiheit ihre durch die Traditionen und ihre Stellung bestimmte Sendung ihreZ wirksamen praktischen Humanismus erfüllen, um so zur Liquidierung aller Folgen des'Krieges beizutragen und bei der Herstellung des Internationalen Einvernehmens und der Zusammenarbeit behilflich zu sein. Hierzu wird jedoch qm konkretes Programm benötigt, an das wir nicht vergessen dürfen. Der Gedanke eines Einverständnisses unter den Nationen -hat vor allem seinen Platz in der politischen und kulturellen Arbeit, inmitten unseres Staates, bei der Losung unserer M i n d e r h e i t s p r o lb l e m e. Ich glaube, -daß es hier in erster Linie not-wenidig ist, die Mentalität zu liquidieren und vollkommen zu überwinden, die ein Erbe, beziehungsweise Reflex des alten, systematisch germanisierenden und magyarisiere nde n Regimes ist. Der ungebührende Nativ na lism u s u n d I r r e dentis ut u s stehen am meisten der Schaffung einer friedlichen Atmosphäre und eines für die Zusammenarbeit geeigneten! Bodens im Wege: Ihnen entgegenzutreten, gehört zum weseutl-ichen Bestandteil der Friede usar«beit und Nationalitätenpolitik. Ich bin überzeugt, daß eine Zltsammenarbe.it im heutigen ökonomischen, soziale,i und kulturellen Leben schon heute gut möglich ist; ich Weiß, daß hierzu schon da Ansätze vorhanden sind. Ihr eine breitere Basis zu geben und ihr eine größere Resonänz zu ermöglichen, das ist die Aufgabe aller, die die Ideen des Friedens unter den Nationen wirklich ernst nehmen — vor allein der jungen Generationen, die in erster Reihe dazu berufen sind, ans der Geschichte oer letzten Jahrzehnte die Konseqengen zu ziehen und mit der Ide ol-ogie d-e.s Hasses, der Gewalt und Despotie in jeder Forin abzurechnen. Unsere. Politik kennt keine unmoralischen: Expansions-. bestrebungelr- und auch keinen Haß und will auch hinsichtlich ihrer Ziele und Methoden eine Friedenspolitik sein. Sie ist sich dessen betwußt, daß das EnLhiel, das angestrebt Iverden rmiß, die Zusammenarbeit aller auwpäisichen Nationen und die Vereinigung der ganzen Menschheit ist, daß dieses Ziel jedoch nur etappenweise erreicht werden kann. Ein bedeutungsvolles Zentrum solcher Beziehungen ist namentlich der Völkerbund, dessen Idee direkt 3» Gmar WeiHtsserieniieM in eilmtUchen Abteilungen ©ar/e«ocij^ TrattnerhoV 1. \i/ Fracbhemden. Rayd-Batist hemden . . Seidenhemden. . Englische Zephirhemden Höte. Pyjamas. Wollwesten. Krawatten ...... Taschentücher. . K 110.000 . K 110.C00 . K 250.000 . K 110.000 . K 130 000 . K 150.000 . K 170.000 .K 50.000 per Stück K 15.000 Frack-, Smoking- und orig. engl. Anzüge nach Mas«, Pelze, Automäntel. Sonderpreis Orig, er gl. Raglans.K 1,200.000 'I im Dienste der internationalen Pazifizierung und> Zusammenarbeit steht und besten U n t e r st ü tz u n g den wesentlichen Bestandteil einer jeden, ans das Einvewchmen der Nationen abFielenden A r b e i t bilden muß. _ Ungarn Roch immer zalaegerszeg. Alan hat schon lange nicht von der Jnterniertenhölle Zalaegerszeg gehört. In ausländischen Blättern liest nran im Gegenteil ab und zu Berichte, ans denen hervorgehen soll, daß dieses furchtbarste aller Internierungslager bereits i,u Abban begriffen sei. Aus einem an das jüdische Blatt „Egyenl o s e g" gerichteten Schreiben des Obmannes des jüdischen Internrertenhilssvereincs in Zalaegerszeg ist jedoch zu ersehen, daß im Internierungslager noch immer eine sehr große Zahl armer Juden leidet mrd den größten Entbehrungen ausgesetzt ist. Ganz besonders fehlt es diesen unglücklichen Menschen an Wäsche, Oberkleidern und Schuhen. Es ist selbstverständlich, daß die meisten dieser notleidenden Internierten in der Winterkälte allen möglichen Krankheiten ausgesetzt sind. In dem Schreiben wird die jüdische Gesellschaft in Ungarn eindringlich gebeten, dieser unschuldig Leidenden zu gedenken. Ob wohl Graf Bethlen und Gras Kalay bei ihren Anleiheverhandlungen im Auslande bei Ausstellung des gegenwärtigen Staatsbudgets auch die Post für die Erhaltung dieses Schandflecks der Zivilisation verzeichnet haben? Wenn ja, warum wird denn diesem unaufrichtigen Diplomaten Bethlen nicht aufgetragen, vor allem dem Staat die ungezählten Millionen zu ersparen, mit denen Zalaegerszeg und andere ähnliche Gefängnisse für Juden und mißliebige Arbeiter und Politiker den ungarischen Staat jährlich belasten. WM. Die Frage der AaatMrserschaft. Warschau, 10. Dezember. (Tel. der „Wiener Morgenzeitung") In der letzten Sitzung der Bersassungskommission wurdeder Antrag des jüdischen Klubs in Angelegenheit der Zuerkennung der polnischen Staatsbürgerschaft an die Einwohner der ehemalige)) russischen Gebiete behandelt. Der Natioualdemokrat Bittu er beantragte die Schaffung einer speziellen Kommission, die die Beschwerden des jüdischen Klubs untersuchen soll. Abgeordneter Grünbaum erklärte, daß die Einsetzung einer solchen Kommission eine terminlose Vertagung der Behandlung dieser Frage bedeute. Abg. Liebermann sprach sich für die Einsetzung einer Untersnchungskommission ans, jedoch mit der Bedingung, daß bis zum 'endgültigen Abschluß ihrer Untersuchung, die in sechs Wochen erfolgen muß, die Ausweisung der „sogenannten Ausländer" eingestellt bleibe. Der Antrag wurde angenommen. In die Snbkommission wurde Abg. Grün bäum als Vertreter des jüdischen Klubs delegiert. AumSnies. Die Landenteignmg. Bukarest, 8. Dezember. (Orient-R-adio.) In der Drvutterte)ckam»ner erklärte AckeckaMirmister Constant-inescu in Erwiderung auf eine Anfrage in Angölegenheit der L a n de nt e ’t ug at n g, daß der Völker b n, n d, der sich mit der Prüsnng der Be,schkver!den einiger von der Enteignung ibelroffenen Ausländer -befaßte, dir Korrektheit der Vorgangswesie der vumänischen Rrvgierung sestgestellt habe. Airs den Gerichten der Ober>behönden, die der Müttifter verlas, gehe hervor, das; die EntergmMg und die Ueiberweisiung >des ent- <>igueteu Gvnndbeisitzes an die kKauern durchwegs in gesetzmäßiger Weise erfolgt sei. Sollten hierbei jedoch vereinzelte Fälle von M i ß b r ä n 6) c n vorgskammen sein, winde die Gerichtsbchörde Einschreiten. PalMna. Die neue tzniMnenftsch-arichische Partei gegen , dir Familie König Hnffeins. Aus I rusale m meldet I. T. A.: In -dem Organ .der n-euerr amb sichen Partei, „Meraat vl Shork", werden die Mitglieder .der Familie Hussein als ,,Agenten der Inden imd Z-ionisten" lezeichniet, und es üvird ihnen vorgeworsen,!daß sie ihre Läu-d-e.r unter der Maske des Nati-onalismus verraten iha.ben. Die Hnsseiniten, heißt es weiter, machen mit der arabsichen Exekutive unÄ dem adevsten nusielwannsichen Rat, was sic wollen. Sie haben inbeiden Iisititniicmen alle Posten inne. Sowohl der Präsidentals auch.der Sekretär der arabischen Exekutive sind Mitglieder dieser Familie. Andere Husteiniten haben sich dadurch bereichert, daß sie DÄegatiiMen avach Europa snsiaudt haben, >für die sie mehr als 20.000 Pfund von den Armen, den Witwen und Waisen erhv'beir haben. Ak-it diesemr Gellde ging man nach Europa und führte dort ein ausschchei-fendes Leben. Bei ihrer Rückkehr machteir sie viel Worte über das, was sie angeblich vollbracht Hattert, aber in WirNichikeit sei nichts geschehen, als daß sie mit ein paar Engländern gesprochen u-nd einige Artitejl untergeb nacht hätten. Staatsdienst und Sabbatruhe. Wie gemeldet, send kürzlich in Jerusalem eine .Konferenz des Waa.d Lenmi (FüÄscher diationvlrat) und der Vertreter der jüdischen Gemeinde)', statt, tvelche eine' Reihe vor: R>7solutionen politischer und ökonomischer Natur beschlossen hat. Die Bertreter des Waad Lenmi, sh eil in und Ben Zwi, wuvderr nunmehr am & d. bom Oberkommissär empfangen, um chm diese Resolutionen zu überreichen. Sir Herben Samuel berührte in der Unterredung alle aktuellen Fragen unb erklärte bezüglich der Frage der Sabbatruhe jüdischer staatlicher Angestellter, die Regierung sei bemüht, eine befriedigend: Lösung zu finderi. Inzwischen soll den Arbeitern. welck)e den Sabbat halten wollen, die S onnt agSarbeit gestattet sein. (F. T. A.) Wieder ein Araberüberfall aus eine jüdische Kolonie. Aus Jerusalem wirr» uns berichtet: Die jüdische Kolonie „Ajin Haroth" in Untergaliläa wurde von 80 bewaffneten Arabern überfallen. Bier am Felde arbeitenden -Kolonisten wnr-den von ihnen angeschosseu und s w e r verwundet. Die jüdischen Kolonisten wehrten den blutigen Angriff der Araber ab. so daß d:r ll-berfall ohne jeden Sachschaden derlmtfen ist. Rmdscha«. Zlksammentritt der Bölkerbnndmter. Paris, 9. Dezember. Morgetl tritt der Vol-kerd))-ndra: m Paris unter dem Vorsitz von Brauti-ng zusammen. Vc:- g'ken wird durch Hymans, Frankreich durch H-anotaux, Großibritan'.nen durch Land Robert Ereil, Italien durch Boni Longa re, Japan durch den Grafen Ischl vertr-etrn sein. Auf der Tagesordnung stcht unter anderem die Frage der sinanziellcu W iede-ransrichtnna Ungarns, der Gr-enzb-evicht ig u.ng Mscherv Poleu und der T s ch echo-S l o w a k e \, die M c an -elf rage it-u-b r. t?.->r e-c Fragen, die ans das Statut der Stab! Dang ig, ans cas Saargebi-et, Pole n u-nd L i t a u e n bezuzz halben. Ansiiefemns von ReichMgsmitslieder». Berlin, 10. Dezeulbrr. <T-sl. der ,Miemr -Morgen, zeitnng^.) Der GeschästSordrulngsausfchuß des Reichstages hat die Arr-fhobring der Jmuruni-tät der komm-nnsitischen Abgeordneten des R-eichstages Frölich, Könen, Remmele, Stöcker und der Frau Klara Zetkin ^beschlossen, gegen die der O'bcareichs-cmwal-i einen Antrag aus Dtrafverfolguug eingsbrmht habe. Ebenso wurde der Antrag auf Aufhebung der Immunität des sozialdenrokratsichen Abgordnetru Ho s f m a n it Mciserkmt-rvn) genehmigt, der 'kurz vor dem Nooem-berputsch in Akünchen Verhandlungen mit der svanzössichen Besatznngs» bchörde geführt hat, welche die LoslSsung der Pfalz von Bavern b<Hv«ckren. Schließlich^ wurde auch die Geuchnei-gnug znr Sr-raf- V^rsvlgnug des deusiÄoölkischen Adeeordu.uen v. Gräfe >vea?n Hochverrates erteilt. ' , Die KsnOmne der deutschen ZozialdeMSkmte» gegen den Antisemitirnu«. Wie -bereits gemeldet, hat die Sozialdemokratie in Deutschland eine Aktion cingelcitet, nm die überhandnehmende antisemitische Hetze durch Aufklärung zu bekämpfen. Bor einige») Tagen fand in Berliri-Wilmersdorf eine sehr stark besuchte öffentliche Versammlung statt, deren Hauptredner Abg. Adolf H o s f v.t a n u darauf hinwies, daß. es sich and) zur Zeit des Begirnres der antisemitische») Bewegung in den achtziger Jahren darum l-andclte, das Volk von de») wahren Schuldigen au der Wirtschaftskrise abzulenken und auf die Juden zu Hetzer). Die soziale Frage dürfe weder im Blute der Jude:) noch in dem. der Arbeiter ertränkt werden. Der Red))er wies darauf hin, daß im Rheinland und in W e st s a l c n jüdische Arbeiter in Bergbau und I n d u st r i e tätig sind, und der gegentvärtig in Berlin laufende Palästina-Film zeige, daß die Juden gerne schwere Arbeit Leisten, wo die Vköglichkeiten dafür vorhanden seien. Die Versammlung nahm eine Resolution an, in welcher „deni Volksverhetzenden Antisemitismus, der nur dazu dient, die Ansrnerksamkeit deS Volkes von den mr seiner Notlage Schuldigen abzulenken, scharfer Kampf angcsagt^ wird.. kaufen Sie im [Schiffmann l!„ Taborstraße 48 Talepison 47*1 -78 _ Bn «jsros En tietnM

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